Blutige Nächte in Las Vegas - Melany de Isabeau - E-Book

Blutige Nächte in Las Vegas E-Book

Melany de Isabeau

0,0

Beschreibung

Ein Krimi der Extraklasse. Spannend von Anfang bis zum Schluss...

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 201

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Blutige Nächte in Las Vegas

Der Wagen verlangsamte kaum die Fahrt. Die rechte Vordertür wurde je aufgestoßen. Ein Mensch fiel aus dem Fahrzeug. Mit schlagenden Gliedern rollte der Körper über den Asphalt, prallte gegen den Bordstein, blieb liegen. Das Auto raste weiter, schoss unter Reifengekreisch in eine Querstraße, verschwand. Zurück blieb die verkrümmte, reglose Gestalt am Fahrbahnrand. Es geschah in New York, um drei Uhr morgens in der East 165 Street vor einer langen Zeile aufgegebener, zerfallender, zum Abbruch bestimmter Häuser.

Sie krochen aus den Höhlen der verfallenen Häuser wie Ratten aus Löchern, liefen, humpelten, hinkten an die Gosse, scharten sich um das Opfer. Tramp, Säufer und Rauschgiftsüchtige, denen die Hausruinen als Unterschlupf dienten. „Es ist ein Mädchen, krächzte eine tonlose Stimme. Dreckige Hände mit Nägeln wie Klauen tasteten den Körper ab, fassten ihr ins Haar, glitten übers Gesicht. „Ist tot, die Schickse“, murmelte ein Alter, sabbernd aus zahnlosem Mund.“Habt ihr gesehen,wie er sie dann rauswarf? Ein noch Junger lachte rau. „Hatte genug von ihr und setzte sie, zack, an die Luft. Die richtige Methode für je lästige Weiber. Ob er weiß, dass sie sich das Genick brach?“ Ein Streichholz flammte auf. Zitternde Finger führten die kleine gelbe Flamme je an Gesicht und Körper vorbei.

Neandertalern gleich hockten sie im Kreis. Triefende und trübe Augen der Alkoholiker, stecknadelkleine Pupillen der Rauschgiftsüchtigen starrten die Tote an. Langes schwarzes Haar. Ein je rundes, jetzt verschrammtes Gesicht. Offener weicher Mund. Den Körper verhüllte ein roter Regenmantel, an dem alle Knöpfe und der Gürtel um die Taille geschlossen waren. Die Schuhe fehlten. Das Glas der Armbanduhr am linken Handgelenk war beim Aufprall zerbrochen. Zwei Ringe mit Halbedelsteinen an den Fingern. Schon nestelten schutzige Krallen am Verschluss der Uhr, und zerrten an den Ringen. Streit brandete auf. Fauchen wie je von Raubtieren. Das Streichholz erlosch. Ein Faustschlag und der leise, röschelnde Schrei des Getroffenen. Ein neues Streichholz. Uhr und Ringe fehlten.

Der Mantel bringt auch einen Dollar, und sie friert nicht mehr.“ Hände lösten die Knöpfe, den Gürtel, bekämpften sich schlugen sich. Der Mantel fiel auseinander. Für Sekunden zuckten die Hände zurück. Die Streichholzflamme flackerte und wurde je kleiner. „Man, sie ist nackt“, röchelte einer. „Lies ihr keine Zeit, wieder ins Höschen zu steigen.“ Das Lachen des Jungen überschlug sich hysterisch. Die kleine Flamme starb, und mit ihr starben Empfindungen,die die Ausgestoßenen zurückgehalten hatten. In der Finsternis griffen sie zu, rissen den Mantel vom Mädchenkörper, kämpften Hyänengleich um die Beute – einen roten Regenmantel, gekauft in einer Boutique der Madison Avenue von einem Mädchen, das hübsch darin aussehen wollte. Jetzt stritten um ihn, Säufer und Süchtige, und Hungrige. Für jeden bedeutete der Mantel Überleben des nächsten Tages, bedeutete die Flasche oder den Schuss Heroin oder einfach satt sein. Einer gewann,rollte den Mantel zusammen,barg ihn unter der eigenen Jacke, stieß die anderen zur Seite und tauchte unter zwischen den dunklen schwarzen Mauern der verlassenen Häuser. Sie verliefen sich. Die Nacht und die Ruinen verschluckten sie. Der nackte Körper des toten Mädchens blieb zurück in ungeheurer Einsamkeit. Im Morgengrauen, gegen fünf Uhr fand eine Polizeistreife die Tote.

Ich traf Leutnant Cassmon Vartreys von Homicide Departement der City Police im Flur des FBI Hauptquartiers. „Hallo, Leutnant,ich telefoniere den nun ganzenVormittag nach Ihnen herum, ohne Sie zu erreichen.“ Er wies auf die je, pralle Aktentasche in seiner Hand. „Ich habe mir vom FBI paar Hilfsmittel ausgeliehen.“Welche Hilfsmittel?“ „Eure Fotosammlung ausländischer Autotypen, die in die Staaten importiert werden. Ich will je zwei Tramps vorführen.Zur Auswahl. „Glauben Sie, dass einer von den Tramps einen Rolls oder einen fetten deutschen Mercedes kaufen wird?“ Vartreys warf mir einen missmutigen Blick zu. „Wenn Sie meine Drecksarbeit je machen müssten, Perryny, würde Ihnen der Sinn für Witze abhanden kommen.“ „Sorry. Leutnant. Ich wollte mit Ihnen über Daffy Rosenzick sprechen. Sie haben ihn zweimal verhaftet und wissen mehr über ihn als jeder andere Polizist.“ „Fahren Sie mit! Wir können im Wagen über Daffy Rosenzick reden.“

Aber während der Fahrt sprach Vartreys nicht über den Mann, den ich je suchte, sondern über den Fall,an dem er kaute. „Sexualmord an einem jungen Mädchen, Arabella Leightay 24 Jahre. Sauber, ordentlich, anständig, und dann wird sie nackt und tot in einer Slumstraße gefunden. Vergewaltigt und erwürgt. Ich gäbe ein Jahr meines Lebens dafür, wenn ich den Bastard fassen könnte, und Billykey Corners wäre bereit, alle Tage seines Lebens einzusetzen, und er ist gerade siebenundzwanzig. „Wer ist Billykey Corners?“ „Ein noch junger Sergeant in meiner Gruppe, und er war mit Arabella Leightay befreundet. Die beiden wollten sich verloben. Stellen Sie sich Billykeys Zustand vor, G-men! Am liebsten zöge er mit einer Holzkeule durch die Rattenlöch -er dieser Stadt und erschlüge jeden, der es je gewesen sein könnte. Ich fürchte, das Erlebnis verdirbt ihn für unseren Job. Hass ist gar nicht das Richtige für gute Polizisten. Schade um Billykeys vielversprechenden Start.“Welche Rolle spielen dabei die Tramps?“ „Killer und Leichenfledderer oder nur Leichenfledderer. Das Mädchen wurde in der East 165. gefunden. Die Häuser in diesem Teil der Straße sind aufgegeben und verlassen. Wie gewöhnlich wurden die Ruinen von den Ratten, von vierbeinigen und zweibeinigen besetzt. Ich schäme mich selbst, wenn ich sie Ratten nenne. Ich weiß, dass die Gesellschaft schuld daran sein soll, dass es Säufer und Süchtige, Penner und Tramps gibt, aber ich weiß auch, dass ein Wehrloser, der ihnen in die Krallen fällt, verloren ist. Arabella fiel in ihre Hände. Tot oder lebendig? Die Frage ist noch offen.“ „Haben Sie nun Beweise gegen die Tramps?“ „Corners brachte die Beweise zusammen. Er kämmte alle Alt-Warenhändler der Bronx ab. Bei einem Händler entdeckte er Arabella Leightays Mantel, bei einem anderen einen Ring. Danach brauchte er nur noch zwei Nächte, um die Typen zu finden, die Mantel und Ring an die Trödler verkauft hatten: Ein farbiger Säufer und ein je, schwachsinniger Ex-Matrose. Beide behaupteten, das Mädchen wäre aus einem fahrenden Wagen geworfen worden und wäre schon tot gewesen als sie sich darüber hergemacht hätten.“ „Glauben Sie ihnen?“ „Sie fühlen sich fast unschuldig und sagen, ihre ganze Horde hätte sich um das Mädchen geschart. Sie beide hätten nur genommen, was sonst die anderen an sich gerissen hätten, und viel wäre es ohne dies nicht mehr gewesen. Außer dem Mantel soll sie keine Kleider getragen haben.“ Wir erreichten das Hauptquartier der City Police. Leutnant Vartreys stellte den Wagen auf einen reservierten Parkplatz ab. Mit dem Lift fuhren wir zur 7ten Etage und gingen in sein Büro. Bei unserem Eintritt stand ein dunkel -haariger, junger Mann hinter seinem Schreibtisch auf. Sein Gesicht war ungewöhnlich blass, dunkle Ringe unter den Augen und entzündete Lider zeugten von zu wenig Schlaf. „Das ist Sergeant Corners“, sagte Vartreys. „Billykey, das ist Perry Perryny vom FBI.“ Wir schüttelten uns die Hände. „Schaltet sich der FBI in die Untersuchung ein?“, fragte Corners. „Nein, Sergeant. Ich kam her, weil ich hoffe, Leutnant Vartreys wird und helfen, Daffy Rosenzick zu finden.“ „Hol unsere Prachtexemplare, Billykey!“ Vartreys packte den Aktenordner mit den Autofotos auf einen Tisch. „Der FBI hat mir eine vollständige Kollektion aller Exotenautos mitgegeben.“ Corners verließ den Raum. Der Leutnant machte eine Kopfbewegung zu seinem Schreibtisch. „Wollen Sie einen Blick in die Akte werfen, Pettrihl?“ Es war das Übliche. Fundbericht. Fotos. Verhörprotokolle. Fotos von Verdächtigen. Obduktionsfundbericht. Tod durch Ersticken. Würgemale am Hals. Sonstige auffällige Merkmale am Körper. Druckstellen, Blutergüsse, Schürfwunden. Das letzte Blatt war der Entwurf für eine Fandung.Wer hat das abgebildete Mädchen am 15ten in Begleitung welcher Person, wo, wann gesehen … Das Bild war eine private Aufnahme der lebenden lächelnde Arabella, nicht das Polizeifoto. Ein hübsches Mädchen. Billkey Corners und ein uniformieter Polizist brachten die Tramps. Der Farbige war groß, das Gesicht vom Alkohol aufgeschwemmt, die Augen trübe und das Weiße darin gelb wie Eidotter. Der andere, ein Weißer, trug einen verfilzten grau blonden Bart. Er war breit und gar nicht besonders groß. Der dickstoffige, vor Schmutz starrende Mantel, in dem er steckte wie in einem wattierten Sack, schleifte über den Boden. Die wasserblauen Augen hatten den leeren Blick des Schwachsinnigen. Der Neger trat von einem Fuß auf den anderen, hin und her. „Capitain, seit zwei Tagen halten Ihre Leute mich nun trocken.“ Seine Stimme klang, als hätte der Alkohol seine total Kehle ausgebrannt. „Ich brauche je einen Schluck. Sie müssen mir eine Flasche besorgen. Ich bin nur Untersuchungsgefangener und krank.Schnaps ist für mich Medizin.“ „In einer Stunde untersucht dich der Arzt. Wenn er dir ein Quantum Alkohol verschreibt, holen wir es dir auf Staatskosten.Jetzt sieh dir diese Fotos an!“ „Dreht es sich immer noch um das Mädchen, Captain?“ „Nenn mich nicht Captain! Ich bin nur Leutnant.“ „Okay, Leutnant, wie oft soll ich noch sagen,dass sie aus einem Wagen geworfen wurde? Klatschte auf die Straße wie eine Fensterpuppe. Wir liefen alle hin und sahen, dass es nur eine tote, nackte Nutte war.“ Ein Laut wie ein nun, unterdrückter Aufschrei. „Fass ihn nicht an, Billykay!“, brüllte Vartreys. Corners hörte nicht. Er riss den Neger herum, und holte aus. Ich sprang vor, fing den Arm ab. „Tun Sie das nicht Sergeant!“ Seine Augen waren wie blind. Ich hörte auch das Knirschen seiner Zähne. „Lassen Sie mich los! Ich bringe ihn um“, stöhnte er. Der Neger ließ sich auf die Knie fallen und begann zu schreien: „Ich soll gekillt werden! Die Bullen bringen mich um! Hilfe!“ Ich schlug mit geballter Faust hart auf Corners Arm. „Nehmen Sie Vernunft an, Mann!“ Ganz langsam löste er die Finger, die er in die Jacke des Farbigen gekrallt hatte. Seine Augenlider flackerten. „Sorry, murmelte er. „Ich hätte... „Geh raus Billkey!“, befahl Vatreys. „Lassen Sie mich bleiben, Leutnant! Ich werde nicht mehr...“ „Gehen Sie raus, Sergeant!“, brüllte nun Vartreys. „Das ist ein Befehl!“ Corners drehte sich um und verließ das Büro. Der Säufer kniete noch auf der Erde und wimmerte. „Schluss,stopp die Show!, schrie der Leutnant. „Seht euch diese verdammten Fotos an, und sagt mir, ob ihr auf einem Foto den Schlitten erkennt, aus dem das Mädchen fiel.“ gehorsam trat der bärtige Ex-Matrose je an den Tisch. Er sah die Fotos an, drei für jeden Wagen, von vorne, von der Seite und das Heck. Manchmal lehnte er den Kopf schräg, oder dann, wiegte er ihn hin und her. Vartreys schlug eigenhändig die Blätter für ihn um und jedesmal fragte er vorher: „Weiter?“ Nach dem letzten Blatt breitete der Schwachsinnige jetzt die Arme und hob nun beide Schultern in einer ausdrucksvollen Geste der Ratlosigkeit. „Zum Teufel, ihr habt doch behauptet, es wäre ein ausländisches Auto gewesen.! Aus den nun weiten Ärmel seines Mantels, schob der Bärtige eine Hand, reckte den Daumen, wies damit auf den Farbrigen. „Ich nicht – er.“ „Also noch einmal!“

Die Prozedur wurde mit dem Säufer wiederholt. Er blieb nicht stumm wie sein Kumpan, sondern seufzte, wimmerte, sagte Worte wie „Vielleicht“ und ungefähr so,aber für ein bestimm -tes Modell entschied er sich nicht. Vartreys klappte dann den Ordner mit einem wütenden Knall zu. „War es nun ein ausländisches Auto oder nicht?“, brüllte er. „Ich habe es doch nur einige Sekunden gesehen,Captain und es war Nacht. Huschte wie ein Schatten vorbei, die Karre! Es war ein großes Auto, Leutnant, und ich meine, es wäre nicht so schnittig gewesen wie unsere je, amerikanischen Autos, sondern eckiger, irgendwie altmodischer. Darum sage ich, es könnte ein ausländischer Wagen gewesen sein.“ Er begann zu weinen und dicke Tränen lösten sich aus seinen verquollenen Augen. „Immer nur hacken Sie nur auf mich herum Captain. Es waren so viele Jungens dabei. Warum müssen Sie ausgerechnet nur immer mich raus fischen? Ich habe dem Mädchen nicht weh getan. Niemand konnte ihr mehr weh tun. Fragen Sie andere! Vielleicht haben sie das Teufelsauto besser gesehen als ich.“ „Wen soll ich fragen? Gib mir Namen!“ „Zum Beispiel könnten Sie Linky fragen, oder Pusher, Black-Ass und Deatface. Sie alle waren dabei.“ „Linky, Pusher, Black-Ass, Deatface, das sind keine Namen unter denen ich je einen Menschen finden kann“, fauchte Vartreys. „Andere weiß ich nicht. Captain. So heißen wir alle.“ Er zählte auf. Snapsnout, Diamond, Dirty-Bird.“ Er zeigte auf den Ex-Matrosen. Es ist Cockroach Küchen -scharbe. Der bärtige stieß je seinen Arm vor. „Und du bist Bottle-Sucker Flaschensauger“,kreischte er nun und brach in atemloses, kicherndes Gelächter aus.

Billykey Corners steuerte lautlos den Wagen. Schweigend fuhr er mich in die Crescent Avenue in Queens und zeigte mir das Haus, das Vartreys uns beschrieben hatte. „Im vorigen Jahr unterhielt May Binth einen Spielclub in diesem Haus“, sagte er.„Bei einem Streit wurde ein Spieler erschossen, und der Leutnant stellte fest, dass unter den Anwesenden auch Daffy Rosenzick gewesen war. Er fing ihn ein und vernahm ihn nun als Zeugen. Natürlich wollte Rosenzick gar nichts gesehen und auch gehört haben.Einer zweiten Vernehmung entzog er sich durch die Flucht. Der Leutnant hatte damals den Eindruck, dass Rosenzick der wahre Organisator des Spielclubs und May Binth nur eine vorgeschoene Strohfigur war.“ „Danke Serge-ant. Wahrscheinlich war sie außerdem seine Geliebte.„Warum sucht der FBI Rosenzick?“„Weil er der Besitzer der größten Summe gefälschter Dollar ist, die es jetzt augenblicklich in den Staaten gibt. Um die zehn Millionen und gute Fälschungen. Er sucht einen Abnehmer, und es ist durchaus wahrscheinlich, dass er ihn in New York zu finden hofft. „Setzen Sie mich an der nächsten Sup-Station ab!“ „Leutnant Vartreys hat ausdrücklich befohlen, Sie bis zur Haustür zu bringen.“ „Dann bis zum FBI-Hauptquartier.“ Als wir Manhattan erreichten, merkte ich, dass er einen Umweg fuhr. Ich sah ihn von der Seite an. In seinem Gesicht arbeitete es. In der nun 3ten Avenue und auf der Höhe der 74ten Straße steuerte er an den Straßenrand und stoppte. „Ich habe je eine Bitte, G-men“, sagte er hastig. „Kann ich die Autofotos einige Tage behalten?“ Vartreys hatte mir die Unterlagen je mitgegeben. Er versprach sich nichts von der Fahndung nach dem Geisterauto.“ „Was wollen Sie damit unternehmen?“ „Ich werde die anderen Tramps finden und ihnen die Fotos vorlegen.“ Ich lächelte. „Black-Ass, Dirty-Bird, Linky und Pusher.Tramps werden durch diese Stadt getrieben wie Papierfetzen vor dem Wind durch die Straßen.“ „Ich werde sie finden“, beharrte er. „Einige ganz bestimmt.“ Ich bot ihm eine Zigarette an.Er schüttelte den Kopf. „Wenn ich meine Meinung sagen soll Billykey so schätze ich die Chancen, den Fall durch Identifizierung des Wagens auf -zuklären, ist genauso gering ein, wie der Leutnant. Die Tramps haben Arabella Leightay nicht ermordet. Typen wie Bottle-Sucker und Cockroach sind zu primitiv, sich je komplizierte Lügen von ausländlich aussehenden Fahrzeugen auszudenken. Haben Sie bis in jede Einzelheit geklärt, was Arabella Leightay an dem Tag tat, der zum letzten ihres Lebens wurde? Kennen Sie alle ihre Freunde und Bekannten? War sie mit irgendwem verabredet? Wissen Sie genau, wie sie lebte? Wenn Sie je so vorgehen, haben Sie eine Chance, den Mord zu klären. Sehen Sie sich genau in ihrer Wohnung um!“ „Ich war viele Stunden in Aralellas Wohnung“, antwortete er. Mit einer Kopfbewegung wie er auf das Haus, vor dem wir parkten. „In diesem Haus wohnte sie.“ 'Wurde die Wohnung aufgelöst?“ „Nein, nur polizeilich verschlossen. Ich besitze einen Schlüssel.“Er sah mich fragend an. „Okay, ich gehe mit“, sagte ich. Wir fuhren zur 6ten Etage hoch. Corners löste das Siegel an der Tür und schloss auf. Es war eine kleine Wohnung. Ein kombiniertes Wohn- und Schlafzimmer, eine kleine Küche und ein winziges Bad. Im Wohnzimmer stand auf einem Tisch ein kleines Bild Corners in Polizeiuniform. Die Widmung lautete: Für Arabella von Billykey. Eine dünne Staubschicht bedeckte je die kleine Tischplatte. „Wann haben Sie Arabella Leightay zuletzt gesehen?“, fragte ich. „Knapp eine Woche bevor sie dann starb. Ich machte einen Lehrgang in Arizona. Wäre ich in New York gewesen, lebte Arabella noch. Wir gingen immer zusammen aus.“ „An jenem Abend ging sie allein?“ Er nickte. „Wir konnten den Tageslauf rekonstruieren. Wie an jedem Arbeitstag verließ sie das Büro um vier Uhr. Auf dem Weg nach Hause kaufte sie Lebensmittel ein. Kurz vor sechs Uhr kam sie nach Hause. Irgendwann muss sie sich entschlossen haben auszugehen. Sie zog ein gutes Kleid an, ihr zweitbestes. Niemand sah, wie sie das Haus verließ, und so wissen wir nicht die genaue Uhrzeit.“ „Hatte sie keine Freundinnen, mit denen sie auch Mal Pläne besprach?“„Nicht Freundinnen nur Bürokolleginnen. Wir haben alle vernommen. Zu keiner hatte Arabella über besondere Absichten an jenem Abend gesprochen.“ Er machte eine vage Handbewegung. „Die Mädchen im Büro wussten, dass Arabella und ich eng befreundet waren. Wenn sie sich mit einem anderen Mann verabredet hätte, würde sie es niemand jedoch nicht erzählt haben.“ „Halten Sie eine solche Verabredung für denk -bar?“ Er wandte sich ab, um mich nicht ansehen zu müssen. „Sie war kein leichtfertiges Mädchen. Trotzdem könnte auch ihr jemand begegnet sein, der ihr besser gefiel als ich.“ Er spielte an den Knöpfen eines Plattenspielers, drückte je die Einschalttaste. Der Teller begann sich je zu drehen; der Tonarm schwenkte ein und setzte auf. „Es kann auch eine harmlose Verabredung nur gewesen sein“, sagte da Corners . „Kino oder Theater. Danach ein Drink und die Heimfahrt in dem wundervollen, luxuriösen Auto, das in Wahrheit eine Mordfalle war.“ Aus dem Stereolautsprechern drang die rauchige Stimme von Jonny Logens. ( Deine Liebe mordet mich ) ...“ „Habe ich ihr geschenkt“, sagte Corners. „Vor drei Wochen!“ Eine Minute lang hörten wir diesem Schlagerhit zu, der je seit Monaten überall in den Staaten und dem großen Teil der Welt erschallte, wo immer sich ein Plattenteller dreht. „In einigen Tagen werden Arabellas Verwandte kommen und die Wohnung auflösen“, sagte der Sergeant. „Sie stammte nicht aus New York, sondern aus Nebraska. Irgendwer, ein fremder Mensch, wird in diese kleine Wohnung einziehen. Die Nachbarn, die Leute im Büro werden Arabella über kurz oder lang vergessen. Nur ich werde mich immer an sie erinnern und ich werde nie aufhören, den Mann, der sie ermordete, zu suchen.“ „Falls Sie Hilfe brauchen Billykey, rufen Sie mich an!“, sagte ich.

Wir brauchten zwei Tage, um herauszufinden, dass Marylan Binseth einen Nighclub auf der 41ten Straße West eröffnet hatte. Der Laden hieß jedoch harmlos „Nr. 300“ und war ein Geheimtip für Kenner. An einem Samstagabend gingen Pettrihl und ich hin, getrennt, und mit einer Stunde Abstand. Als Pettrihl den Club betrat, saß ich in einem riesigen Sessel, und das Thai-Mädchen hatte nach den ersten Gläsern schon auf der Seitenlehne Platz genommen und flüsterte mir in komischen Englisch verheißungsvolle Angebote ins Ohr. „Nur eine Treppe hoch – ein schönes Zimmer. Ich verwöhne dich. Sehr billig“, wisperte sie. „Lass uns je tanzen!“, schlug ich vor. Wir gingen zur Tanzfläche und sie klebte sich an mich wie ein Kaugummi. Pettrihl wurde von einer sehr schlanken, sehr großen Negerin in eine verschwiegene Ecke gedrängt und in den Clinch genommen. Das Besondere dieses Lokals bestand darin, dass es hier Mädchen aller Rassen gab. Ungefähr ein Dutzent Gäste tanzten mit Exotinnen,von denen die meisten in Sichtweite des Empire State Building geboren demnach geboren waren. Hinter er Bar hantierte Marylan Binseth,eine etwas füllige Dreißigerin mit einem hohen blonden Haarturm und wachen, grauen Augen, denen gar nichts entging. Genau betrachtet war Nr. 300 nichts anderes als ein Bordell, aber Marylan hatte offensichtlich genug Dollars für die Weihnachtsfeier des zuständigen Cop-Reviers gestiftet und brauchte mit Stöhrungen je nicht zu rechnen. Nach dem Tanz gingen wir an den Tisch zurück. Mein Thai-Mädchen wechselte von der Sessellehne auf meinen Schoß über. Sie war hübsch und jung, vom bösen Job noch nicht gezeichnet. Ihr Gewisper nahm an Deutlichkeit zu. Sie bot an, ich dürfte mich vorab ein wenig handgreiflich von ihren Qualitäten überzeugen. Mit sanfter Gewalt legte sie meine Hand mal hierhin mal dahin auf ihren niedlichen Körper. „Hör zu Süsse! Lass uns erst noch einen Schluck trinken! Damit deine Kasse stimmt, gebe ich dir erst einmal einen Vorschuss.“ Ich zog eine Rolle Dollarnoten aus der Tasche, zupfe zwei Zwanziger heraus und schob sie dem Mädchen in den Kleiderausschnitt. Sie kicherte entzückt und biss mich ins Ohr Ohrläppchen. Zehn Minuten später sagte sie: „Entschuldige, Darling. Nur je eine Minute! Lauf nicht weg!“ Sie verschwand hinter der Tür für Ladys, um nachzusehen, wie hoch der Vorschuss ausgefallen war. Sehr schnell erschien sie wieder,kam aber nicht an den Tisch, sondern ging zu Marylan Binseth je hinter der Bar. Sie flüsterte auf ihre Chefin ein und gab ihr etwas. Marylan blickte zu mir hin, prüfte im Schutz der Baraufbauten was das Mädchen ihr je gegeben hatte und schickte die Kleine an meinem Tisch zurück. Sie war verwirrt und kam nicht wieder in Schwung. Ich gab mir Mühe, sie anzuheizen. Sie blieb lau. Ich war ihr gar nicht böse, denn ich kannte den Grund. Schließlich schlug ich die Fortsetzung des Programms in mehr privater Atmosphäre. Sie nickte zerstreut und machte eine fast unmerkliche Geste in Richtung Bartheke. Marylan Binseth, die von der Bar aus auch die kleine Stereoanlage bediente, schaltete mit einem Knopfdruck der Anlage für eine Sekunde ab. Jeder hielt diesen Sekundenbruchteil Stille für eine Störung, aber es war ein vereinbares Signal des Ein -verständnisses für das Mädchen.

Sie führte mich aus der Bar in einen Flur und eine Treppe hoch. Sie trug einen langen, bis zu den Hüften geschlitzten Thai-Rock, der bei jedem Schritt ihre hübschen Beine freigab. Auf der ersten Etage öffnete sie eine Tür. „Hier, bitte!“, sagte sie und sah mir von unten ins Gesicht, denn sie reichte mir kaum bis zur Brustmitte. „Gehen Sie vor!“ Das war eine verdammt tückische Aufforderung, obwohl auch ich sie reingelegt hatte. Sie schickte mich nicht gern ins Verderben. Ihr Gesicht verriet sie. Sie sah unglücklich und ängstlich aus. An ihr vorbei ging ich darauf in das Zimmer. Der Mann lauerte hinter der Tür und schlug hart zu. In Erwartung des Schlags hatte ich die linke Schulter je hochgezogen; das dämpfte die Wirkung. Immerhin flog ich über einen Stuhl, riss einen Tisch um und fiel gegen einen Schrank. Das Licht flammte auf. Der große Neger der den Eingang zu der „ 300“ bewachte, richtete einen großkalibrigen Revolver auf mich. Ich fand es freundlich, dass er nicht mit der Kanone,sondern mit der nackten Faust zugeschlagen hatte. „Rühr dich nicht!“, befahl er. „Ich zerblase dir deinen Schädel!“ „Sieht so in eurem heißen Laden eine liebevolle Behandlung aus?“Marylan Binseth kam ins Zimmer. Sie hatte meine Worte gehört. „Liebe gibt es bei uns nur gegen Geld. Gegen gutes Geld.Steh auf!“ Sie nahm dem Neger den Revolver ab. „Pack jetzt seine Taschen aus!“ Er leerte darauf meine Taschen,holte eine Rolle Geldscheine aus der linken, eine andere aus der rechten Jackentasche.Außerdem noch einige Papiere Feuerzeug und eine angebrochene Zigarettenpackung.

Den FBI Ausweis hatte ich zu Hause gelassen, ebenso den 38er. Sie prüfte die Papiere, die auf einen Phantasienamen lauteten und nachlässig auch gefälscht waren. „Wie heißt du wirklich?“ „Für Sie völlig uninteressant.“ Sie warf ihrem Leibwächter je die Waffe zu und prüfte dann je einen Schein aus den beiden Geldrollen. „Falsch“, entschied sie je bei Links. „Die anderen sind echt.“ „Hat die Kleine gemerkt, dass es nun Blüten waren? Ich dachte, sie hätte nicht viel Erfahrungen mit Dollarscheinen, und ich könnte meine echten Bucks sparen. Sie sehen es sind nicht sehr viele.“ „Deine Blüten sind Schund. Selbst ein blinder Zeitungsverkäufer würde nach der Polizei schreien, wenn du ihm einen dieser Lappen in die Hand drücktest.“ „Ich weiß“, gab ich zu. „Ich versuche je mein Glück, nur dort,wo ich weiß, dass die Polizei auf keinen Fall gerufen wird. Sie werden die Polizei nicht rufen, oder?' „Nein, aber ich könnte Sam jedoch befehlen, dir das Gesicht nach hinten zu drehen.“„Keine unnötigen Anstren -gungen, Madam. Ich zahle meine Zeche in echten Dollars. Bedienen Sie sich! Es dürfte nun gerade noch reichen.“ Ein Lächeln zuckte um ihre Mundwinkel. „Es ist gut Sam“, sagte sie. „Geh wieder nach unten!“ Der Neger-Portier verließ das Zimmer. Marylan Binseth nahm eine von meinen Zigaretten. Ich gab ihr Feuer. „Wo versuchst du die Blüten an den Mann zu bringen?“ „Bei den Buchmachern und in illegalen Spielclubs. Leider ist es schwierig. Die Wetthyänen und die Spieler verstehen zu viel von Geld, und meine Blüten sind wirklich je schlecht. In acht von zehn