BLUTIGER SAND (Die Ritter des Vatikan 8) - Rick Jones - E-Book

BLUTIGER SAND (Die Ritter des Vatikan 8) E-Book

Rick Jones

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Beschreibung

Sie sind Elitesoldaten der ganz besonderen Art, denn sie stehen allein im Dienste Gottes: DIE RITTER DES VATIKAN In einer verlassenen Kirche tief in der syrischen Wüste wartet Pater Jenkins zusammen mit einer Gruppe Kriegswaisen verzweifelt darauf, von den Vatikanrittern evakuiert zu werden. Doch ein Trupp skrupelloser ISIS-Terroristen macht sämtliche Hoffnungen auf eine sichere Rettung zunichte. Als letzter Ausweg bleibt ihnen nur eines: Die gefährliche Flucht durch die Wüste, verfolgt von den Soldaten des ISIS, die es auf eine ganz besondere Fracht in ihrer Mitte abgesehen haben … Unterdessen marschiert ein weiteres ISIS-Kommando auf den Vatikan zu, mit dem Ziel, den höchsten Würdenträger der Christenheit zu ermorden. Und Kimball Hayden, Anführer der Ritter des Vatikan, Sünder und Heiliger zugleich, steht vor der unlösbaren Aufgabe, an zwei Fronten gleichzeitig zu kämpfen, um das Leben Unschuldiger zu retten …

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Seitenzahl: 252

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Blutiger Sand

Die Ritter des Vatikan – Band 8

Rick Jones

übersetzt von Peter Mehler

This Translation is published by arrangement with Rick Jones Title: CABAL. All rights reserved. First published 2016.

Impressum

Deutsche Erstausgabe Originaltitel: CABAL Copyright Gesamtausgabe © 2021 LUZIFER Verlag Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Cover: Michael Schubert Übersetzung: Peter Mehler

Dieses Buch wurde nach Dudenempfehlung (Stand 2021) lektoriert.

ISBN E-Book: 978-3-95835-577-4

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

Inhaltsverzeichnis

Blutiger Sand
Impressum
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Kapitel 56
Kapitel 57
Kapitel 58
Kapitel 59
Kapitel 60
Kapitel 61
Kapitel 62
Kapitel 63
Kapitel 64
Kapitel 65
Kapitel 66
Kapitel 67
Kapitel 68
Kapitel 69
Kapitel 70
Kapitel 71
Kapitel 72
Kapitel 73
Kapitel 74
Kapitel 75
Kapitel 76
Kapitel 77
Kapitel 78
Kapitel 79
Kapitel 80
Kapitel 81
Kapitel 82
Kapitel 83
Kapitel 84
Kapitel 85
Kapitel 86
Kapitel 87
Kapitel 88
Kapitel 89
Epilog
Über den Autor

Kapitel 1

Ar-Raqqa, Syrien 13. November 2015

Vor achtunddreißig Tagen startete die ISIS, beginnend am 6. Oktober 2015 in Aden, Jemen, eine Reihe von Bombenanschlägen in den zwei größten Städten des Jemen, die wenigstens fünfundzwanzig Menschen das Leben kosteten – darunter auch Truppen vom Persischen Golf, die gegen jemenitische Rebellen kämpften.

Am 10. Oktober 2015 töteten in Ankara in der Türkei zwei Explosionen mehr als einhundert Menschen, die sich zu einer Friedensdemonstration zusammengefunden hatten. Der Islamische Staat war für diese Anschläge verantwortlich.

Am 24. Oktober 2015 bekannte sich der Islamische Staat zu drei Bombenattentaten in Dhaka, Bangladesch, die während eines großen Umzugs anlässlich des schiitischen Feiertages Aschura explodierten und einen Menschen töteten und Dutzende weitere schwer verletzten.

Am 31. Oktober bekannte sich die Ansar Beit al-Maqdis, eine militante Organisation mit Verbindungen zum Islamischen Staat, zu dem Abschuss einer russischen Passagiermaschine, bei dem alle zweihundertvierundzwanzig Personen an Bord ums Leben kamen.

Am 4. November 2015 verübte der Islamische Staat einen Anschlag, bei dem ein Polizeibeamter ums Leben kam und ein weiterer schwer verwundet wurde.

Am selben Tag wurden im Norden von Sinai vier Polizisten getötet, als ein Selbstmordattentäter mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug in einen Polizeiverein raste.

Am 12. November bekannte sich der Islamische Staat zu zwei Selbstmordattentaten in einem geschäftigen Einkaufsviertel in Beirut, Libanon.

Am 13. November 2015 verübte der Islamische Staat eine Reihe koordinierter Anschläge im gesamten Stadtgebiet von Paris, bei dem einhundertdreißig Menschen starben und mehr als dreihundert verwundet wurden.

In einem kleinen Steingebäude in Ar-Raqqa, das die Farbe des Wüstensandes trug, saß ein Mann namens Mabus auf einer abgenutzten Matratze und ließ diese im Namen Allahs verübten Anschläge Revue passieren. Er trug die zu dem schwarzen Banner Mohammeds passende Kleidung und einen Turban. Neben ihm an der Wand lehnte eine AK-47.

Mabus war ursprünglich aus dem Irak nach Jordanien gekommen, um dort einen Krieg zu beginnen, der seiner Meinung nach die sunnitischen Moslems im Mittleren Osten hätte vereinen sollen. Nach einer Reihe von Selbstmordanschlägen und Exekutionen von Amerikanern und Schiiten strömten viele sunnitische Moslems aus allen Winkeln der Erde in den Irak, um gemeinsam mit den Irakis und Mabus ein sunnitisches Kalifat zu errichten, das sich vom Irak über Syrien und bis zum Persischen Golf erstrecken sollte.

Sie gründeten Divisionen im Norden und Nordwesten, wo die Gruppierungen mit einigen Enthauptungen ihr Markenzeichen der Grausamkeit hinterließen, die sich viral verbreiteten. Und nach einiger Zeit hatten sie sich ungehindert über den gesamten Mittleren Osten und bis in den nördlichen Teil von Afrika ausbreiten können. Nun war es an der Zeit, nach Europa vorzudringen.

Als Abbad Chahine, der ebenfalls die schwarze Kluft ihrer Terrorgruppe trug, leise den Raum betrat, sah er Mabus mit untergeschlagenen Beinen auf der Matratze sitzen. Seine Augen waren geschlossen, als würde er meditieren. Sofort wollte Chahine sich wieder entfernen.

»Was gibt es, Abbad?« Mabus ließ die Augen geschlossen. Er hatte schon immer die übernatürliche Begabung besessen, Dinge wahrnehmen zu können, die anderen verborgen blieben, selbst mit geschlossenen Augen.

»Es gibt Neuigkeiten von der Pariser Front«, meldete Chahine und betrat den Raum. »Vorläufige Berichte melden einhundertfünfundzwanzig Tote, vielleicht mehr, und mehrere hundert Verletzte, einige davon schwer.«

Nun öffnete Mabus die Augen. »Und das Team?«

»Sieben Tote. Zwei werden noch vermisst.«

»Dann haben also sieben von ihnen ihren Weg ins Paradies gefunden«, erklärte er und sah Chahine tief in die Augen. »Heute war eine gute Nacht für die Dschihadisten, nicht wahr?«

»Eine sehr gute Nacht«, bestätigte dieser.

Mabus erhob sich. Dann brachte er ein anderes drängendes Thema innerhalb der syrischen Grenzen zur Sprache. »Und unser Kampf gegen die Kirchen der Ungläubigen?«, erkundigte er sich.

»Diejenigen, die darin Zuflucht suchten, werden durch die Klinge bestraft werden«, erklärte Chahine. »Sie entschieden sich dafür, in den Kirchen des falschen Gottes Schutz zu suchen, anstatt sich den Armeen Allahs anzuschließen. Bald schon wird Syrien von ihnen reingewaschen sein.«

Mabus verzog die Mundwinkel zu einem schiefen Grinsen. »Und wir werden den Willen Allahs weiter verbreiten.« Er griff nach seiner AK-47 und reckte sie stolz in die Höhe. »Paris war nur ein Vorgeschmack«, sagte er. »Jetzt marschieren wir nach Rom. Und dort … dort werden wir den Vatikan erobern und die Stadt bis auf die Grundmauern herunterbrennen.«

Kapitel 2

Syrien Sieben Monate nach den Angriffen auf Paris

Aus den Überresten einer steinernen Kirche ragte trotzig eine breite Basilika in den Himmel – dort, wo die Säulen der byzantinischen Architektur die Seitengänge von dem Mittelschiff abgrenzten – mit breit ausladenden Bögen, die das Gefühl von Weite verstärkten. Da eine der Seitenwände eingestürzt war, türmte sich vor der Kirche ein Schutthaufen. Und obwohl die Kirche nicht länger als Ort der Anbetung diente, bot sie nun syrischen Kindern Zuflucht, die während des Krieges zu Waisen geworden waren.

Die Sonne schien sengend heiß auf Pater Rob Jenkins herunter, der die Kinder versorgte, die auf den Bänken saßen und den letzten Rest Ziegenmilch aus verbeulten Bechern tranken. Die Nonnen Patty Metcalf und Kelly Allenby kümmerten sich voller Güte um jene, deren Erinnerungen an ihre Mütter noch am lebhaftesten waren, auch wenn nichts die enge Bindung zwischen einer Mutter und einem Kind ersetzen konnte. Als Leihmütter erwiesen sich die beiden Nonnen jedoch als würdiger Ersatz.

Oben im Glockenturm der Kirche hielt ein zehnjähriger Junge Ausschau und ließ wachsam seinen Blick über die Wüstenlandschaft gleiten. In der Ferne konnte er Staub hinter einer Gruppe von Pick-ups aufwirbeln sehen, auf deren Ladeflächen Maschinengewehre montiert waren. Und hinter diesen Waffen befanden sich Schützen, geübt in der Kunst des Tötens und des Angriffs. Als die Fahrzeuge sich der Kirche näherten, zog der Junge an dem Seil, um die Glocke zu läuten – als Warnung, dass sich ein Todeskommando der ISIS näherte.

Kapitel 3

Sofort eilte Pater Jenkins zu der Öffnung in der Wand und erblickte die herankommenden Pick-ups. Dann setzte er sich in Bewegung, versammelte die Kinder und führte sie in die Kammer unterhalb der Kirche. Patty und Kelly halfen ihm dabei und redeten den Kindern gut zu, dass »alles in Ordnung« sei. Die Kinder hatten jedoch die Kämpfer der ISIS als selbsternannte Kreuzritter der nahenden Apokalypse erlebt und waren Zeuge der Massenhinrichtungen ihrer Eltern als Teil des Genozids an den Christen geworden. Und so konnten weder die Versuche der Ordensschwestern, sie zu trösten, noch ihre sanften und beruhigenden Stimmen dazu beitragen, ihre Ängste zu zerschlagen.

»Beeilt euch, Kinder«, rief Pater Jenkins. Er hielt eine schwere Holztür geöffnet, die aus dicken Bohlen gefertigt und von Metallbändern gehalten wurde, und trieb die Kinder zur Eile an.

Ein Kind nach dem anderen stieg die Stufen hinab. Uralte Fackeln in schwarzen Metallhalterungen erhellten ihnen den Weg. Die Stufen waren schmal und gewunden. Schwester Kelly führte die Kinder hinunter, während Schwester Patty die Nachhut übernahm. Pater Jenkins blieb zurück, um den Eingang zu verschließen, indem er einen schweren Metallriegel vor die Tür und in das Gemäuer schob. Obschon dazu geeignet, jemanden am Eindringen zu hindern, war es jedoch kein absolut verlässlicher Schutz. Die verschlossene Tür verschaffte ihnen nur etwas Zeit, dessen war sich Pater Jenkins bewusst. Dann eilte der Franziskaner ebenfalls hastig die Stufen hinab, an deren Ende die beiden Nonnen zusammen mit den Kindern auf ihn warteten.

Als er den Fuß der Treppe erreichte, sah er den fragenden Blick in Schwester Kellys Augen. Gibt es noch Hoffnung?

Pater Jenkins antwortete mit einem kaum wahrnehmbaren Kopfschütteln. Ich fürchte nicht. Ich habe uns nur etwas Zeit erkauft, mehr nicht. Früher oder später werden sie uns finden.

Die Nonne verstand, wandte sich den Kindern zu und beruhigte sie zusammen mit Schwester Patty mit einer Reihe von Lügen, dass sie hier nun sicher wären.

Im Dämmerlicht der Kammer starrte Pater Jenkins zu der Tür hinauf. Dann ließ er sich auf seine Knie sinken, schlug ein Kreuz vor seiner Brust und faltete die Hände im Gebet, dass Gott sich ihrer Seelen annehmen möge.

Pater Jenkins betete.

Die Nonnen sprachen mit leiser Stimme, und die Kinder weinten.

Kapitel 4

Die drei Pick-ups schwärmten zur nördlichen, südlichen und westlichen Seite der Kirche aus. In jedem der Wagen befanden sich drei Männer: der MG-Schütze, der Fahrer und ein Beifahrer. Zusammen neun Kämpfer, die sofort aus den Fahrzeugen sprangen, nachdem diese rutschend zum Stehen gekommen waren, und ihre Waffen in Anschlag brachten.

Abdo Hussaini, der Beifahrer im ersten Wagen, befehligte die Einheit. Er war durchschnittlich groß, mit olivfarbener, fast kränklich anmutender Haut, und Augen, die so schwarz und undurchdringlich wie Obsidianglas erschienen. Das hervorstechendste Merkmal an ihm aber war sein linkes Auge, welches weit zur Seite schielte, während das andere geradeaus blickte. Doch selbst der Blick in dieses eine, scheinbar pupillenlose Auge allein machte deutlich, dass Hussaini ein Mann eiskalter Extreme war. In diesem Auge lagen keinerlei Vergebung oder Toleranz, nur der Wille, dem islamischen Recht zu folgen. Der Glaube an einen christlichen Gott bedeutete automatisch die Abwesenheit Allahs in ihren Herzen, und aus diesem Grund waren diese Ungläubigen nichts weiter als eine Plage, die hinweggefegt werden musste. Deshalb fuhr Hussaini von Kirche zu Kirche in dem Bestreben, mit der Klinge seines Messers die syrische Nation von allen Ungläubigen und ihren Kollaborateuren zu befreien.

Mit Handzeichen gab Hussaini seinen Männern den Befehl, die Kirche zu durchsuchen. »Die Glocke läutete, als Warnung«, rief er. »Ich will jeden, der sich noch darin versteckt, auf Knien vor mir sehen! Sofort!« Hussaini zog sein Messer aus der Scheide und hielt es hinter seinen Rücken. Die Klinge selbst war so glatt poliert, dass man sich darin spiegeln konnte, die Schneide aber schien dagegen glanzlos zu sein, als hätte ein Schleifstein ihr jeglichen Glanz geraubt, um ihr dafür eine beinahe chirurgische Schärfe zu verleihen.

Hussaini deutete mit dem Messer auf den Eingang. Vorwärts.

Zwei der Angreifer warteten neben Hussaini. Die anderen sechs begaben sich in das Innere der Kirche, wo sie mit ihren Waffen auf Augenhöhe vorsichtig ausschwärmten.

Vor der Kirche ließ Hussaini in freudiger Erwartung des Gemetzels die flache Seite seines Messers in seine Handinnenfläche klatschen.

Er würde die Ungläubigen im Schatten der Kirche aufreihen – ganz gleich, ob es sich bei ihnen um Männer, Frauen oder Kinder handelte – und ihnen dann die Köpfe abtrennen.

Er fuhr damit fort, das Messer in seine Hand zu schlagen, und ein raubtierhaftes Grinsen, welches breit genug war, um einige Zahnlücken zu offenbaren, breitete sich auf seinem Gesicht aus.

… Klapp …

… Klapp …

… Klapp …

Kapitel 5

Sofort, nachdem die Mitglieder des Islamischen Staates die Kirche betreten hatten, verteilten sie sich in dem Gebäude. Eine Hälfte wandte sich nach links, die andere nach rechts. In der Gewölbedecke klafften mehrere Löcher, durch die biblische Lichtstrahlen hereinfielen, von denen einige die Statue der Jungfrau Marie erhellten, andere den Altar. Über diesem hing ein Abbild des Gekreuzigten Jesus Christus. Seine Augen waren gen Himmel gerichtet und eine Dornenkrone auf seinem Kopf hatte blutende Wunden in seiner Stirn hinterlassen.

Mit dem Wissen, dass die Glocke nicht von Geisterhand geläutet worden war, pirschten sich die Anhänger der ISIS weiter vorwärts. Das taten sie mit gebotener Vorsicht und die Läufe ihrer Waffen bewegten sich in Einklang mit ihren Köpfen hin und her.

Als sie den Altar erreichten, stießen sie diesen sofort um. Er kippte auf den Boden der Sakristei und zerbrach in seine Einzelteile. Als Nächstes war die Statue der Jungfrau Maria an der Reihe. Die Steinskulptur fiel und zerschellte am Boden. Bruchstücke schlitterten über den Boden, insbesondere der Kopf, der erst im Gang zwischen den Kirchbänken liegen blieb. Während sie weitere christliche Ikonen zerstörten, ließen sie das Kreuz jedoch unangetastet hängen.

Nachdem sie die Haupthalle und die Heiligtümer zerstört hatten, setzten sie ihre Suche in anderen Winkeln der Kirche fort. Was sie dort finden sollten, sollte sie jedoch überraschen …

Kapitel 6

Es war unmöglich, das Weinen der Kinder zu dämpfen, wann immer etwas Schweres auf dem Boden der Kirche über ihnen auftraf und Staub von der Decke der Kammer auf sie hinunterrieselte. Zuerst empfand Pater Jenkins Wut über diese Schändung, aber dann wurde ihm klar, dass diese Menschen keinerlei Tugenden oder Moral besaßen und nur den Wunsch verspürten, zu töten. Schwester Kelly und Schwester Patty versuchten die Kinder dichter zusammenzudrängen und zu beruhigen, was ihnen jedoch kaum gelang. Und Pater Jenkins fühlte mit ihnen, wenn er in ihre tränenüberströmten Gesichter blickte.

Gott wird euch umarmen, hätte er ihnen am liebsten zugerufen. Nur ein kurzer Moment des Schmerzes …

… und dann erwartet euch ein unbeschreiblicher Frieden bis in alle Ewigkeit.

Aber bei dem Gedanken spürte er einen Kloß im Hals, schmerzhaft und bitter.

Dann ließ er den Kopf sinken und betete dafür, dass ihr Übergang vom Leben in den Tod schnell und schmerzlos verlaufen würde.

Was er jedoch stattdessen bekam, war ein Zeichen göttlicher Intervention.

Kapitel 7

Die ISIS-Einheiten durchsuchten auch die Seitenschiffe, konnten jedoch niemanden finden. Dann verteilten sie sich auf die Nebenräume und die Sakristei. Dakhil Ghazi fiel die Aufgabe zu, die Sakristei zu durchsuchen, einen kleinen Raum hinter der Kanzel. Seine Waffe hielt er schussbereit in der Hand.

Der Raum war klein. Ein paar Kleiderschränke säumten eine der Wände. Die meisten von ihnen waren leer und nur einer enthielt das Gewand eines Priesters. Das Kleidungsstück war schon lange nicht mehr getragen worden und von der mangelnden Nutzung gealtert und angestaubt.

Mit seiner Waffe auf Augenhöhe zog sich Ghazi wieder zurück. Die Sakristei war leer. Dann begab er sich zu einem der zwei angrenzenden Beichtstühle neben der Kanzel und bemerkte, dass die Tür zu dem Abteil des Priesters leicht offen stand.

Er richtete den Lauf seiner Waffe auf die Tür und rief auf Arabisch: »Komm raus.«

Nichts.

»Ich sagte, du sollst herauskommen.«

Als sich wieder nichts rührte, streckte er die Hand aus, griff nach der Klinke und riss die Tür weit auf. Die Kabine war leer. Nachdem er das Innere gründlich durchsucht und bemerkt hatte, dass die Sichtblende zwischen dieser und der anderen Seite des Beichtstuhls geschlossen war, zog er sich vorsichtig zurück und richtete sein Gewehr auf die andere Seite.

»Komm heraus«, wiederholte er.

Als wieder keine Reaktion erfolgte, versuchte er auch hier die Klinke.

Die Tür war verschlossen. Oder verbarrikadiert. Oder beides.

Ghazi richtete sein Gewehr aus. »Wenn du jetzt herauskommst, wirst du leben. Wenn nicht, wirst du sterben. Es liegt bei dir.«

»Dann möchte ich leben.« Die Stimme kam von hinter ihm, nicht aus dem Beichtstuhl. Als Ghazi sich zu ihr umdrehte, starrte er in die meeresblauen Augen eines Mannes, der so breit wie hoch schien. Sein Gesicht war mit Wüstentarnfarbe bemalt, ein helles Braun, durchzogen von dunkelbraunen Streifen. Von der Hüfte abwärts trug er die Kleidung eines Soldaten – Armeehosen mit breiten Taschen, Kampfmesser in Scheiden an beiden Oberschenkeln und Armeestiefel. Von der Hüfte aufwärts aber war er wie ein Priester gekleidet, mit einem klerikalen Hemd, auch wenn dieses in einem Beigeton gehalten war, um zur restlichen Uniform zu passen. Und unter dem Kragen des Hemdes war das blütenweiße Band eines Geistlichen zu sehen. Auf seiner Brusttasche prangte ein etwa münzgroßes Symbol, welches Ghazi nichts sagte. Es bestand aus einem silbernen Tatzenkreuz vor blauem Grund, doch die Bedeutung dieses Zeichens war ihm gänzlich unbekannt. Das Einzige, was er wusste, war, dass offenbar ein katholischer Priester vor ihm stand.

Und dieser war wie von Zauberhand einfach aus dem Nichts vor ihm erschienen.

Als Ghazi sein Gewehr herumzureißen versuchte, holte Kimball zu einem Ellbogenstoß gegen dessen Wange aus, der den Mann zu Boden schickte. Die Soldaten der ISIS waren kampferprobt, aber nicht besonders geschickt. In den meisten Fällen waren sie einfach in die Kriegswirren geworfen worden, mit kaum nennenswertem Training von Männern, die ihrerseits nur wenig Kampferfahrung erworben hatten. Aber dieser Kerl war flink. Blitzschnell schwang er sein Bein herum und fegte damit Kimball von den Füßen. Der Vatikanritter schlug hart auf dem Boden auf. Staub wirbelte um ihn herum auf. Die MP7, die Kimball bei sich trug, fiel ihm aus der Hand und schlitterte über den Boden außer Reichweite.

Kimball rappelte sich auf. Ghazi ebenfalls. In der Hand des Terroristen blitzte ein Messer auf, bereit, den Gegner aufzuschlitzen. Dann begann er, Kimball langsam zu umkreisen, jederzeit bereit, mit ein paar schnellen tödlichen Bewegungen zuzustechen.

Kimball, der eine Herausforderung stets schätzte, öffnete die Verschlüsse seiner Messerscheiden, zog langsam die beiden Waffen hervor und stemmte seine Füße fester auf den Boden, für einen sicheren Stand. Dann lud er Ghazi mit dem Zeigefinger dazu ein, ihn anzugreifen.

Ghazi spuckte auf den Boden, setzte einen hasserfüllten Blick auf und holte zu angeberischen Angriffen aus, die von Kimball jedoch mühelos abgewehrt wurden. Obwohl der Angreifer offenbar ungeübt im Kampf mit zweischneidigen Messern war, war er wahnsinnig schnell.

Kimball fuhr damit fort, die Hiebe mit einfachen Handbewegungen abzuwehren. Wenn sich die Klingen trafen, sprühten Funken auf, tanzten umher und verglühten.

Ghazi drängte mit Bewegungen voran, denen keinerlei Kunstfertigkeit, sondern reiner Übereifer innewohnte.

Dann ging Kimball zu seiner eigenen gut durchdachten Choreografie über. Er konterte mit perfekten Schwüngen, bis die Klinge seines Ka-Bars schließlich in Ghazis Handgelenk schnitt. Ghazi grunzte, als ihm das Messer aus der Hand fiel. Der Angreifer wollte gerade vor Schmerz aufschreien, doch Kimball brachte ihn mit einem gezielten Hieb seines Messerknaufs gegen Ghazis Stirn zum Schweigen. Der Schlag war kräftig genug, um ihm das Schläfenbein zu zertrümmern. Ein scharfes Knochenstück bohrte sich tief in Ghazis Gehirn und tötete ihn auf der Stelle.

Nachdem Kimball Ghazis Leichnam auf den Boden gelegt hatte, zog er sich sein Mikrofon an die Lippen. »Tango One ausgeschaltet«, flüsterte er. »Ich habe fünf Gegner in der Kirche und drei davor. Jesaja, sorge dafür, dass das Team einen Sicherheitsperimeter bildet. Du musst mir den Rücken freihalten. Sobald jemand versucht, die Vorhalle zu betreten, schaltest du ihn aus.«

»Verstanden.«

Kimball griff nach seiner schallgedämpften MP7, ließ das Magazin herausschnappen, überprüfte es und steckte es in die Waffe zurück.

Mit der Waffe im Anschlag begab er sich lautlos in den Hauptbereich der Kirche.

Kapitel 8

Nabi Sayed führte einen Konvoi aus drei weiteren Pick-ups mit arretierten Maschinengewehren und befand sich weniger als fünfundzwanzig Kilometer von Pater Jenkins Kirche entfernt.

Sayed gehörte zu Mabus‘ engsten Vertrauten. Wenn Mabus danach trachtete, den Tod in Syrien zu verbreiten, würde er dafür sorgen. Im Moment waren sie auf dem Weg nach Süden, wo Pater Jenkins‘ Waisen aufgespürt worden waren.

Und ganz sicher würde Mabus‘ Sohn unter ihnen sein.

Kapitel 9

Das Büro des Servizio Informazione del Vaticano, dem vatikanischen Geheimdienst Vatikanstadt

Die beiden Leiter des vatikanischen Geheimdienstes, Pater Auciello und Pater Essex, waren für einen der besten Geheimdienste der Welt verantwortlich, der es mit dem Mossad, der CIA und dem MI-6 aufnehmen konnte. An diesem Tag aber galt ihre gesamte Aufmerksamkeit einem kleinen Stück Wüste in der Mitte Syriens, wo gerade eine alte Kirche von einer Gruppe heimtückischer Killer belagert wurde.

An der vorderen Wand in einer bombensicheren Kammer befand sich eine Reihe von Monitoren, die Krisenherde auf der gesamten Welt zeigten, wie etwa Städte und Dörfer in Nordafrika, Unruhen im Mittleren Osten und besonders im Irak, Syrien und Gebieten nahe der europäischen Grenzen. Auf dem größten der Bildschirme, der mit der National Geospatial Intelligence Agency in Virginia verbunden war, war eine auf eineinhalb Kilometer herangezoomte Satellitenaufnahme von Pater Jenkins‘ Kirche zu sehen. Aus dieser Höhe schien die Kirche nur ein dunkler Fleck in der Wüstenlandschaft zu sein. Was den beiden Geheimdienstlern jedoch Sorgen bereitete, waren die Fahrzeuge, die sich etwa zwanzig Kilometer nordwestlich der Kirche nach Süden bewegten. Als der Satellit weiter in die von ihnen aufgewirbelten Staubwolken hinein vergrößerte, wurde schnell klar, dass es sich bei ihnen um mit Waffen bestückte Pick-ups handelte, die sich über den Wüstenboden bewegten.

»Wie weit noch?«, erkundigte sich Pater Essex.

Pater Auciello gab ein paar kurze Befehle ein, woraufhin eine Legende und eine Linie auf dem Bildschirm erschienen, welche den Abstand von dem Konvoi zur Kirche maß. Dieser betrug nun nur noch achtzehn Kilometer.

»Geschätzte Ankunftszeit?«, fragte Pater Essex.

»In diesem Gelände würde ich sagen … dreizehn Minuten. Höchstens fünfzehn. Wir müssen die Vatikanritter darüber informieren, dass sich eine bewaffnete Streitmacht aus dem Norden nähert und in etwa zehn Minuten bei ihnen sein wird. Was bedeutet, dass sie die Evakuierungsstelle in neun Minuten erreichen müssen.«

Pater Essex wusste, dass dieser Zeitrahmen nicht zu halten war, denn niemand von ihnen hatte damit gerechnet, dass ein Team von Terroristen die Kontrolle über den Perimeter um die Kirche übernehmen würde. Es hätte eine einfache Mission werden sollen: die Kirche erreichen, die Zielpersonen für den Abtransport vorbereiten, sie dann zur Evakuierungsstelle eskortieren und wieder verschwinden. Doch Pläne wie dieser funktionierten wie so oft nur auf dem Papier, nicht aber im wahren Leben.

Sofort machte sich Pater Essex daran, die Vatikanritter zu kontaktieren.

Kapitel 10

Jesajas hochmoderne Ohrhörer vibrierten, als sein Satellitentelefon einen Anruf empfing. Er tippte auf einen Knopf, um ihn anzunehmen. »Ich höre.«

»Ihr bekommt Gesellschaft. Sie nähern sich sehr schnell aus nordwestlicher Richtung, noch etwa sechzehn Kilometer von eurer Position entfernt. Sie sind schwer bewaffnet, offenbar mit Bordgeschützen Kaliber .50.«

»Wie viele?«

»Drei Wagen.«

Zusammen mit den drei Fahrzeugen vor der Kirche also sechs. Was bedeutete, dass sie zahlen- und waffenmäßig in der Unterzahl sein würden. Mit ihren MP7 konnten sie es nicht mit schweren Maschinengewehren aufnehmen.

»Verstanden, Basis. Wir sind hier in Schwierigkeiten geraten. Wir rechneten nicht mit feindlichen Einheiten.«

»Das verstehen wir. Aber uns bleibt keine Zeit. Sie werden in etwa acht Minuten bei euch sein. Deshalb müsst ihr in genau sieben Minuten an der Evakuierungsstelle sein.«

»Verstanden.« Jesaja beendete das Gespräch.

Jeremias drehte sich zu ihm um. »Probleme?«

»Und ob. Eine weitere feindliche Einheit nähert sich uns. Wir müssen die Evakuierungsstelle in sieben Minuten erreicht haben.«

»Sieben?«

Jesaja nickte. »Mehr haben wir nicht.«

Aber das würde nicht genügen.

Sie wussten, dass sie den Perimeter solange halten mussten, bis Kimball die Kinder gerettet hatte. Und sie wussten auch, dass sie ihre Position nicht lange halten konnten, bis man sie schließlich überwältigen würde.

Nach einer Pause griff Jesaja nach dem anderen Ohrhörer und betätigte den Verbindungsknopf an dessen Kabel. Als er in das Lippenmikrofon sprach, war seiner Stimme eine gewisse Entmutigung anzuhören. »Kimball«, meldete er sich, »ich habe ein paar Neuigkeiten, die dir nicht gefallen werden. Ich bekam einen Anruf aus der Basis. Es nähern sich uns schwer bewaffnete Truppen, die in etwa acht Minuten hier eintreffen werden. Wir halten solange die Stellung.«

»Ich brauche mehr als acht Minuten.«

»Ich kann dir nicht geben, worüber ich keine Macht habe.«

Nach einer kurzen, nachdenklichen Pause sagte Kimball: »Gib mir fünf.«

Kapitel 11

Die fünf ISIS-Soldaten hatten die Tür in das Kellergewölbe gefunden, die sich im östlichen Querschiff befand.

Hadee Kader fuhr mit der Hand über die massive hölzerne Tür, die von der anderen Seite fest verriegelt war. Dann rief er nach Wahhaj Abu, und der zweite Kommandant der Einheit, der ein genauso aufbrausendes wie niederträchtiges Temperament besaß, lächelte breit, als hätten sie gerade einen überaus wertvollen Schatz entdeckt.

Als Abu vor der Tür ankam, strich auch er mit der Hand über das alte Holz und die Eisenbänder, mit denen die Balken gehalten wurden. Dann warf er sich mit seinem gesamten Gewicht dagegen. »Sie sind definitiv da drin«, sagte er, sah zu Kader und trat einen Schritt zurück. »Reiß sie ein.«

Kader antwortete mit einem Kopfnicken. »Jawohl, Abu.«

Zusammen mit anderen Teammitgliedern begann Hadee Kader, sich mit der Schulter gegen die Tür zu werfen. Zuerst blieben die Bemühungen erfolglos und die Tür hielt. Doch Araber waren geduldige Menschen. Und obwohl die Tür selbst standhielt, gab nach einiger Zeit der Rahmen nach, denn dieser wurde nur von Steinen und Mörtel anstatt verstärktem Stahl gehalten. Früher oder später würden die Mauersteine dem konstanten Hämmern schließlich nachgeben und wie lose Zähne herausfallen.

Es würde eine Weile dauern, aber Wahhaj Abu war der Ansicht, dass ihnen genügend Zeit blieb, um ihr Ziel zu erreichen, auch wenn es bedeutete, dass Ghazis Messer noch etwas länger warten musste.

Aber Wahhaj Abu lag falsch.

Kapitel 12

Pater Jenkins in der unteren Kammer scharte die Kinder zusammen mit den beiden Schwester in einem engen Kreis um sich. Im schwachen Fackelschein konnten sie sehen, wie sich die Sandsteine rund um die Tür zu lösen begannen. Der Mörtel, der die Steine zusammenhielt, bröckelte. Dann fielen kopfgroße Steine aus der Wand, bis schließlich der Rahmen, der die Tür bislang fest an ihrem Platz gehalten hatten, freigelegt war. Der Riegel hinter der Tür wurde noch immer von ein paar Steinen gehalten, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis auch diese ihren Halt verlieren würden.

Mit jedem Schlag gegen die Tür rieselte Staub von der Decke. Die Kinder weinten, und es gelang den Ordensschwestern nicht mehr, sie zu beruhigen. Im Dämmerlicht des Gewölbes, welches die Schatten eher verstärkte, als Licht zu spenden, bewegte Pater Jenkins seine Lippen zu einem Gebet, von dem er wusste, dass es kein Gehör finden würde.

Aber er sollte eines Besseren belehrt werden.

Kapitel 13

Fünf gegen einen. Ein Ungleichgewicht, das Kimball Hayden nicht sonderlich gefiel. Aber er hatte auch nicht mit einem ISIS-Team gerechnet. Als die Vatikanritter die Glocke der Kirche zum ersten Mal läuten hörten, waren sie weniger als zwei Kilometer entfernt gewesen. Also hatten sie sich noch mehr beeilt, an die Frontlinie zu gelangen, wo sie feststellen mussten, dass die ISIS die Kirche umstellt hatte.

Nun blieben ihnen nur noch Minuten. Vor und in der Kirche wimmelte es von feindlichen Soldaten, und weitere waren bereits auf dem Weg. Und obwohl die Ritter des Vatikan dem Credo folgten, tödliche Gewalt nur dann anzuwenden, wenn die Umstände es nicht anders zuließen, folgte Kimball dieses Mal seinen eigenen Richtlinien. Zeit war bei dieser Mission zu einem Luxus geworden, und deshalb mussten gewisse Vorschriften außer Acht gelassen werden, um Leben zu retten. In diesem Moment dachte er nicht über das Licht der Vergebung oder die Dunkelheit nach, die am anderen Ende des Spektrums wartete. Er wusste nur, dass er zwischen beiden Facetten agieren musste, zwischen zwei Welten, und alles daransetzen würde, diese Kinder zu retten.

Er wurde hart im Inneren, wurde zu einem Mann kalter Entschlossenheit. Einigen würde er als Engel, anderen als Dämon erscheinen, und die Soldaten der ISIS würden seinen ganzen Zorn zu spüren bekommen. Er würde keine Gnade walten lassen, kein Mitgefühl. Und er würde mit beinahe chirurgischer Präzision durch ihre Reihen pflügen, als wären sie ein Geschwür, dass vernichtet werden musste.

Als Kimball das Kirchenschiff betrat, bemerkte er, dass einige der Mauern und Säulen baufällig und einige Kirchenbänke entweder beschädigt waren oder komplett fehlten. Es war offensichtlich, dass die Kirche schon seit einiger Zeit nicht mehr besucht worden war.

Während er sich hinter die Überreste des umgestoßenen Altars begab, tickte in seinem Kopf die Uhr. Ihm blieben vielleicht noch fünf Minuten.

Im östlichen Querschiff erblickte Kimball zwei Extremisten, die mit ihren Schultern eine schwere Holztür aufzubrechen versuchten. Ein dritter Mann wartete darauf, dass die Tür endlich nachgab, während zwei weitere Soldaten zwischen den Bänken entlangliefen.

Vier Minuten.

Als die beiden Männer zwischen den Kirchenbänken sich langsam näherten, hob Kimball langsam seine Waffe, nahm den ersten ins Visier, schwenkte dann schnell zu dem zweiten Ziel hinüber, um den Abstand zwischen beiden auszumessen, und gab zwei Schüsse in so rascher Folge ab, dass sie kaum voneinander zu unterscheiden waren.

… Fffft …

… Fffft …

Wie von Zauberhand erschienen Einschusslöcher in den Stirnen der beiden Soldaten und die tödlichen Schüsse ließen sie leblos zusammensacken.

Einer der beiden fiel lautlos zu Boden, dem anderen aber zuckte im Todeskampf der Finger und betätigte damit den Abzug seiner Waffe. Die AK-47 feuerte eine kurze Salve ab, was die Aufmerksamkeit von Abu und Kader erregte. Der dritte Mann warf sich unbeeindruckt weiter gegen die Tür.

Im selben Moment, als Abu und Kader ihre Waffen auf den Vatikanritter richteten, brach der eiserne Riegel aus seiner Verankerung in der Mauer und die Tür gab nach.