DIE VERGESSENE KATHEDRALE (Die Ritter des Vatikan 7) - Rick Jones - E-Book

DIE VERGESSENE KATHEDRALE (Die Ritter des Vatikan 7) E-Book

Rick Jones

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Beschreibung

Sie sind Elitesoldaten der ganz besonderen Art, denn sie stehen allein im Dienste Gottes: DIE RITTER DES VATIKAN Vor drei Jahren stürzte das Flugzeug des Papstes über dem brasilianischen Dschungel ab. Das Wrack und seine Insassen galten als verschollen – bis ein Anschlag auf den amtierenden Papst verübt wird. Von einem ehemaligen Vatikanritter, der sich an Bord der abgestürzten Maschine befand … "Rick Jones ist die Zukunft des Thrillers." - Richard Doetsch, Bestseller-Autor von THE THIEVES OF FAITH und THE 13th HOUR Der Attentatsversuch führt Kimball Hayden und seine Ritter des Vatikan auf die Spur einer Verschwörung, die ihren Ursprung in einem geheimnisvollen Tempel tief im Dschungel Brasiliens zu haben scheint, und auf die Fährte eines gefährlichen Kults, der die Ideologien des Dritten Reiches wiederaufleben lassen will.Band 6 der Bestsellerreihe um das Elitekommando des Vatikan. Spannung und Action im Dienste des Herrn. Band 7 der Bestsellerreihe um das Elitekommando des Vatikan. Spannung und Action im Dienste des Herrn. 

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Die vergessene Kathedrale

Die Ritter des Vatikan – Band 7

Rick Jones

übersetzt von Peter Mehler

This Translation is published by arrangement with Rick Jones Title: The lost Cathedral. All rights reserved. First published 2016.

Impressum

Deutsche Erstausgabe Originaltitel: THE LOST CATHEDRAL Copyright Gesamtausgabe © 2020 LUZIFER Verlag Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.

Cover: Michael Schubert Übersetzung: Peter Mehler Lektorat: Astrid Pfister

Dieses Buch wurde nach Dudenempfehlung (Stand 2020) lektoriert.

ISBN E-Book: 978-3-95835-542-2

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Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

Inhaltsverzeichnis

Die vergessene Kathedrale
Impressum
Teil 1
Prolog
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Teil 2
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Teil 3
Kapitel 37
Kapitel 38
Kapitel 39
Kapitel 40
Kapitel 41
Kapitel 42
Kapitel 43
Kapitel 44
Kapitel 45
Kapitel 46
Kapitel 47
Kapitel 48
Kapitel 49
Kapitel 50
Kapitel 51
Kapitel 52
Kapitel 53
Kapitel 54
Kapitel 55
Kapitel 56
Kapitel 57
Kapitel 58
Kapitel 59
Teil 4
Kapitel 60
Kapitel 61
Kapitel 62
Kapitel 63
Kapitel 64
Kapitel 65
Kapitel 66
Kapitel 67
Kapitel 68
Epilog
Über den Autor

Teil 1

Der Orden der gefallenen Engel

Prolog

Drei Jahre zuvor

Tief im brasilianischen Dschungel stand eine alte Kathedrale; ein einsames Gebäude am Rande eines Nebenflusses, welches in seiner Bauart eher von den Mayas als vom Katholizismus geprägt war. Die Wände waren grau und verwittert und durch die Erosion des Bodens mit immer weiter aufklaffenden Rissen durchzogen, sodass die Steinblöcke nicht mehr gleichmäßig aufeinanderlagen. Ranken so dick wie Pythons schlängelten sich an den Wänden empor und hielten sie dort zusammen, wo der Mörtel bereits seinen Dienst versagt hatte. Eine alte Säule, die einst stolz aufrecht gestanden hatte, lag nun zerbrochen am Boden des Dschungels.

Der einzige Eingang, der tief in die uralte Kathedrale hineinführte, war unter den miteinander verwobenen Ranken und dem Blätterdach, das sie bedeckte, kaum noch zu erkennen. Hinter diesem Vorhang existierte eine ganze Welt, in der Menschen lebten und starben, in der ein bestimmtes Gesetz und eine Religion galten und wo jeder als Teil eines Kollektivs unter der Führung von drei Männern lebte: dem Triumvirat der gefallenen Engel.

Gewundene Korridore, die unendlich lang schienen, führten tief in die unterirdischen Kammern, die durch uralte Fackeln und Ölfässer beleuchtet waren. Die Wohnquartiere waren klein und äußerst spartanisch eingerichtet und enthielten nur sehr wenige persönliche Besitztümer. Jene, die dem Triumvirat dienten, folgten den Geboten mit bedingungslosem Gehorsam.

In der Mitte der Kathedrale befand sich eine Plattform aus Kalkstein, die von brennenden Laternen umringt war und auf der drei Stühle standen, die allesamt dem päpstlichen Thron ähnelten. Sie waren mit kunstvollen Schnitzereien verziert, welche geflügelte Engel mit Schwertern und Schilden im Kampf gegen Dämonen darstellten. Jeder Thron erzählte eine andere Geschichte, und auf diesen saßen die Führer des Triumvirats – drei in die Jahre gekommene Flüchtlinge des Dritten Reiches. Sie trugen Kutten mit gewaltigen Kapuzen, die ihre Gesichter verbargen, und sie warteten gerade geduldig auf die Ankunft eines Untergebenen, der ihnen einen Bericht über die laufende Mission erstatten würde.

Eine Kirchentür am anderen Ende der Kammer, die aus dickem Holz bestand und von schwarzen Eisenbändern gehalten wurde, öffnete sich jetzt und schloss sich dann hastig wieder. Das Quietschen der Angeln hallte durch die Kammer wie das Geräusch von Fingern, die über eine Tafel kratzten.

Ein Mann, der ebenfalls eine Kutte trug, trat nun in den schwach beleuchteten Kreis, seine Hände in den Falten seiner Ärmel verborgen. Die Kapuze hatte er abgestreift, sodass die gleichmäßigen Gesichtszüge eines Mannes mit arischen Vorfahren offenbart wurden. Selbst in dem schwachen Lichtschein der flackernden Flamme, die nur kraftlos in der Laterne brannte, konnte man sein hellblondes Haar, seine blauen Augen und das Glimmen eingeträufelter Vorurteile erkennen, die von etwas genährt wurden, das weitaus stärker war als das Öl, das die Laternen brennen ließ.

Als er sich ungefähr sechs Meter vor den Stufen befand, die zu den Thronen führten, blieb der Mann stehen und senkte den Kopf. »Ehrwürdige Meister«, begrüßte er sie.

Die drei Mitglieder des Triumvirats blieben für einige Augenblicke so regungslos wie griechische Statuen sitzen, bis der Mann in der Mitte schließlich eine mit Altersflecken übersäte Hand hob. »Hast du Neuigkeiten?« Seine Stimme war vom Alter so sehr gezeichnet, dass er die Worte nur so langsam und undeutlich hervorbrachte, dass nur ein geübtes Ohr sie verstehen konnte.

»Das habe ich, Ehrwürdiger«, antwortete er. »Ich habe die Kunde erhalten, dass die Shepherd One mit ihren Würdenträgern genau in diesem Moment den Luftraum von Brasilien überfliegt. An Bord befinden sich insgesamt vierzehn Kardinäle, die von sechs Mitgliedern der Vatikanritter bewacht werden.«

Der alte Meister ließ seine Hand auf die verzierte Armlehne seines Thrones sinken. Es waren nicht die Kardinäle, die ihm Sorgen bereiteten, sondern die sechs Ritter des Vatikan. Ein äußerst hoher Preis. »Ist alles vorbereitet?«, fragte er als Nächstes.

Der Untergebene verbeugte sich, bevor er ihm antwortete, denn das war etwas, das alle Untergebene taten, bevor sie sich an einen ehrwürdigen Meister wandten. »Natürlich«, erwiderte er.

Kapitel 1

Die Shepherd One war das persönliche Flugzeug des Papstes, auch wenn dies nicht ihr eigentlicher Name war. Ursprünglich war es ein umgebautes Passagierflugzeug der Alitalia gewesen, welches der Vatikan zum Transport von Mitgliedern der Kirche beanspruchte. Shepherd One war der Rufname, wenn das Flugzeug irgendwo startete oder zur Landung ansetzte.

An Bord befanden sich momentan vierzehn Kardinäle, die in verschiedene lateinamerikanische Länder abberufen worden waren, die von großer Armut gebeutelt wurden. Es war die Vision von Papst Pius XIV, mehr Gewicht auf die Arbeit in den Nationen und Gemeinschaften zu legen, die jegliche Hoffnung verloren hatten und den Leuten dort den Glauben an Gott zurückgeben, weil dieser dort kaum oder gar nicht existierte. Ganz besonders in den Favelas, wo Gott im Herzen der Menschen mittlerweile gänzlich abwesend zu sein schien.

Da Lateinamerika als erzkatholisch galt, sah Papst Pius dies als absolute Notwendigkeit an. Vierzehn Staaten befanden sich aktuell am Rande der Verzweiflung, und vierzehn Kardinäle sollten deshalb dabei helfen, diesen wieder Hoffnung zu schenken.

Bei ihnen befanden sich sechs Soldaten der Vatikanritter. Eine Eliteeinheit aus den besten Kämpfern der gesamten Welt, mit dem Auftrag, jenen zu helfen, die sich nicht selbst helfen konnten. Männer von reinem Wesen und hoher Moral. Sie dienten ausschließlich der Kirche, beschützten ihre Souveränität, ihre Interessen und das Wohlergehen ihrer Bürger.

So wie bei allen Vatikanrittern waren ihre Namen heiligen Texten entlehnt, Decknamen, die ihre eigentliche Identität verbergen sollten und zu dem Weiheritual gehörten, bei dem sie ein ehrenvolles Mitglied der Kirche wurden. Im hinteren Teil des Flugzeuges saßen Kish, Mordechai, Eli und Jakob, Pinchas und Zadok – Namen aus dem Alten Testament, und zugleich Namen, die sie alle als Brüder identifizierten.

Als die Shepherd One Brasilien überflog, konnten sie durch ihre Fenster auf das Dach des Dschungels blicken, das üppig und satt und ohne jede Unterbrechung war. Ein tropischer Regenwald, der scheinbar endlos bis zum Horizont zu reichen schien.

Schon bald würden sie ihren Ankunftsort erreichen, und von dort aus würden sich die Kardinäle, in mitgenommen aussehenden Fahrzeugen, die aber für diese holprigen Straßen gerüstet waren, in alle Himmelsrichtungen verstreuen. Die Vatikanritter würden währenddessen für paramilitärischen Schutz sorgen und die Abgesandten sicher durch die von Banditen und Mördern kontrollierten Gebiete begleiten.

Als die Shepherd One plötzlich stark nach Süden abdrehte, obwohl ihr Kurs sie eigentlich geradewegs nach Westen hätte führen sollen, wurde Kish sofort misstrauisch. Er wandte sich zu Mordechai, der neben ihm saß und gerade in einem Magazin blätterte. »Wieso drehen wir ab?«, fragte er.

Mordechai ließ die Zeitschrift sinken und sah aus dem Fenster, während das Flugzeug eine Kurve flog. Außer dem Dschungel war jedoch nichts Ungewöhnliches zu sehen, deshalb zuckte er mit den Schultern. »Da bin ich überfragt.« Kurz darauf widmete er sich wieder seinem Magazin.

Kish, der als Pilot in Afghanistan und Pakistan gedient hatte, spürte allerdings, dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging. Der kürzeste Abstand zwischen zwei Punkten war immer eine gerade Linie. Wieso hatten sie also den Kurs geändert? Wieso flogen sie plötzlich nach Westen, anstatt nach Süden?

Dann wurde das Flugzeug plötzlich durchgerüttelt.

Sehr stark durchgerüttelt.

Die Piloten der Shepherd One waren für gewöhnlich begnadete Flugzeugführer aus Italiens renommierter Aeronautica Militare, der italienischen Luftwaffe, und speziell dafür ausgewählt worden, das Flugzeug des Vatikan zu fliegen.

Enzio Colombo, der seit zwanzig Jahren der Aeronautica Militare diente, war der heutige Chefpilot, und wurde von Vincenzo Palumbo, dem Co-Piloten, unterstützt. Obwohl Palumbo einige Jahre jünger war, war auch er ein äußerst erfahrener Veteran.

Nachdem sie etwa die Hälfte des Fluges nach Brasilien hinter sich gebracht hatten, hörte Enzio plötzlich Stimmen, die ihm eine bestimmte Richtung zu weisen schienen. Er drehte sich zu Palumbo, doch dieser schien sie nicht zu hören. Er blickte daraufhin auf seine Hände hinunter, die den Steuerknüppel so fest umklammerten, dass seine Knöchel weiß hervortraten.

Irgendwann waren die Stimmen wieder verschwunden.

Doch kurz darauf veränderte sich Enzios Benehmen. Er schien plötzlich von einer unbeugsamen Entschlossenheit beherrscht zu werden. Er öffnete seinen Sicherheitsgurt, stand auf und legte Palumbo eine Hand auf die Schulter. »Ich bin gleich wieder zurück«, sagte er zu ihm. »Kommst du solange allein klar?«

Palumbo hob den Daumen und übernahm die Steuerung des Flugzeugs.

Enzio nickte kurz, dann verließ er das gepanzerte Cockpit und begab sich auf die Bordtoilette. Nachdem er die Toilettentür von innen verschlossen hatte, wühlte er so lange im Abfalleimer herum, bis er einen schmutzigen Lappen fand, in dem etwas eingewickelt war. Er legte ihn in das Waschbecken und schlug vorsichtig den Stoff zurück, unter dem eine Pistole mit einem Schalldämpfer zum Vorschein kam.

Er betrachtete kurz sein Spiegelbild. Seine Augen wirkten seltsam abwesend, aber sein Verstand wusste ganz genau, dass ihm eine Mission aufgetragen worden war, die es nun zu erfüllen galt. Mit der Waffe, die er gegen den Oberschenkel presste, verließ Enzio die Toilette und kehrte ins Cockpit zurück, wo er sorgsam die Tür hinter sich verriegelte. Sein Co-Pilot sah gerade angestrengt nach vorn, sodass sich sein Hinterkopf praktisch als Zielscheibe anzubieten schien, als Enzio die Waffe hob und den Abzug betätigte. Die Pistole gab lediglich ein gedämpftes Husten von sich und spie dabei eine kleinkalibrige Kugel aus, die in Palumbos Schädel einschlug und ihn auf der Stelle tötete.

Enzio setzte sich anschließend auf seinen Platz, schnallte sich wieder an und schwenkte dann den Steuerknüppel nach rechts, was das Flugzeug dazu veranlasste, leicht nach Westen abzudrehen.

Erneut hörte er die Stimmen und das geisterhafte Flüstern.

Sie sagten ihm, was er zu tun hatte.

Mit leerem Blick schob Enzio den Steuerknüppel nach vorn und dann nach unten. Die plötzliche Bewegung ließ das Flugzeug erzittern, da dieses jetzt gegen den starken Wind ankämpfen musste und dabei schnell an Höhe verlor. Je näher es dem Blätterdach des Dschungels kam, desto stärker erzitterte das Flugzeug.

Zwölf Sekunden später verschwand die Shepherd One vom Radar. Über die Funkgeräte war noch kurz ein statisches Rauschen zu hören, dann verstummte auch dieses.

Die spätere Suche nach dem Flugzeug blieb ergebnislos. Es gab keinerlei Trümmer, keinen Rauch, kein Feuer und auch keine Schneisen, die die abstürzende Maschine in den Dschungel getrieben hatte.

Die Shepherd One war einfach komplett vom Erdboden verschwunden.

Kapitel 2

Der Vatikan
Das Büro von Monsignore Dom Giammacio

Monsignore Dom Giammacio bekleidete das Amt des vatikanischen Beraters für Geistliche, die unter Selbstzweifeln und schwindender Überzeugung litten. An diesem Tag war der Gegenstand seiner Sitzung allerdings weniger der Glaube, sondern eher die Erlösung.

Der Monsignore saß schweigend mit seiner Zigarette da und betrachtete den Rauch, der träge an die Decke stieg. So wie in allen Sitzungen mit Kimball Hayden, wartete er geduldig darauf, dass der Vatikanritter sich ihm mitteilte. Als nur noch fünf Minuten der einstündigen Sitzung übrig waren, sagte der Monsignore: »Kimball, es sind nur noch fünf Minuten übrig.«

Kimball seufzte. Der Monsignore beugte sich in seinem Sessel nach vorn. »Kimball«, sagte er drängend.

Der Vatikanritter hasste die Treffen mit dem Monsignore und kam deshalb oft absichtlich zu spät. Der Pontifex bestand allerdings auf die wöchentlichen Treffen und bezeichnete sie als Katharsis … als möglichen Weg, Kimball davon zu überzeugen, dass er die Erlösung trotz seines im Grunde brutalen Naturells dennoch verdiente. Alles, was Kimball tun musste, was er verstehen und akzeptieren musste, war, sich so zu sehen wie ihn die anderen sahen, nämlich als Retter derer, die sich nicht verteidigen konnten. Kimballs Vergangenheit hatte aber einen so dunklen Fleck auf seiner Seele hinterlassen, dass er sie nicht einfach wie die Haut einer Schlange abstreifen konnte.

»Kimball, bitte.« Der Monsignore studierte scheinbar fasziniert die Rauchkringel, die von seiner Zigarette aufstiegen und an der Decke verschwanden. »Verraten Sie mir wenigstens, wie Sie sich gefühlt haben, als Ezekiel eliminiert wurde.«

Kimball zögerte, während die Bilder erneut vor seinem geistigen Auge vorüberzogen. Er erinnerte sich unweigerlich wieder an seine Zeit als Auftragskiller für die Regierung der Vereinigten Staaten, als man ihm befohlen hatte, Senator Cartwright zu töten … und an den Moment, als er seine Klinge über die Kehle des Politikers zog und den Mann ausbluten ließ. Er erinnerte sich außerdem an den Enkelsohn des Senators, der sich währenddessen in einem Schrank unter dem Bücherregal versteckt hatte. Der Junge hatte mit surrealer Langsamkeit mitansehen müssen, wie sein Großvater getötet worden war.

»Wie haben Sie sich gefühlt, als Ezekiel eliminiert wurde?«, wiederholte der Monsignore.

Kimball schloss die Augen. Er sah wieder alles so klar und lebhaft vor sich als wäre es gerade eben erst passiert. Weil er sich schuldig gefühlt hatte, hatte er sich des Jungen angenommen und ihn zu einem jungen Mann aufgezogen und schließlich sogar zu einem Vatikanritter gemacht. Doch am Ende hatte Ezekiel die gelernten Fähigkeiten gegen Kimball eingesetzt, als Vergeltung für den Mord an seinem Großvater. Kimballs eigenes frankensteinsches Monster sozusagen. Seine Schöpfung, die sich schließlich von ihm abgekehrt hatte, um ihren Meister zu töten. Doch es war Kimball gewesen, der am Ende gesiegt hatte.

»Wie haben Sie sich gefühlt, als Ezekiel ausgeschaltet wurde?«, wiederholte der Monsignore unnachgiebig mit tonloser Stimme.

Schließlich antwortete Kimball: »Ich habe ihn nicht geliebt, wenn es das ist, was Sie wissen wollen. Nicht so wie ein Vater seinen Sohn liebt, nicht einmal ansatzweise. Aber dennoch habe ich mich um ihn gesorgt.«

»Das beantwortet nicht wirklich meine Frage, oder, Kimball? Versuchen wir es noch einmal. Wie haben Sie sich gefühlt, als Ezekiel eliminiert wurde?«

Kimball warf ihm einen finsteren Blick zu. »Wieso formulieren Sie die Frage dann nicht einfach so, wie sie Sie eigentlich stellen wollen, ohne sie zu beschönigen.«

»Was meinen Sie damit?«

»Sie wissen ganz genau, was ich meine.«

»Sagen Sie es mir. Sie sind schließlich ein aufrichtiger Mann.«

Kimball wusste ganz genau, dass er damit in eine der Fallen des Monsignores tappen würde, aber es interessierte ihn nicht. »Sollte die Frage nicht eigentlich lauten: Wie haben Sie sich gefühlt, nachdem Sie Ezekiel umgebracht haben, einen Menschen, den sie aufgezogen haben, seit er ein kleiner Junge war?«

Der Monsignore blieb regungslos sitzen und ließ sich keinerlei Gemütsregung anmerken. Das einzig Lebendige an ihm schien die Rauchsäule zu sein, die immer noch von der Zigarette zwischen seinen Fingern aufstieg.

»Ich fühlte …« Doch Kimball ließ den Satz unvollendet.

»Sie fühlten was?«

Nach einem kurzen Moment sprach Kimball weiter: »Ich fühlte auf der einen Seite Reue … auf der anderen aber Erleichterung.«

»Reue und Erleichterung. Finden Sie das nicht seltsam? Sind das nicht eigentlich Gegensätze? Reue zu empfinden, weil man einen geliebten Menschen getötet hat, und gleichzeitig darüber erleichtert zu sein?«

»Er war ein Monster«, konstatierte Kimball. »Er hat unschuldige Menschen getötet.«

»So wie Sie, als Sie noch ein Auftragsmörder der Regierung waren, nicht wahr?«

»Nicht immer.«

»Aber manchmal haben Sie doch unschuldige, gute Menschen getötet, habe ich recht? Menschen, die Ihre Mission hätten gefährden können. So wie diese beiden Jungen im Irak.«

Kimball kochte nun innerlich vor Wut. Es sah dem Monsignore gar nicht ähnlich, ihn dermaßen aufzuwühlen. Ihre Beziehung war bislang eigentlich förmlich, auf eine gewisse Art und Weise aber auch herzlich gewesen. Kimball verstand deshalb nicht, was der Monsignore auf diese ruppige Weise zu erreichen versuchte. »Ich war nie so wie Ezekiel!«, stieß er hitzig hervor.

»Sie haben geholfen, ihn aufzuziehen, Sie haben sein Wesen geformt. Wie können Sie also nicht sein wie er?«

Kimball spürte, wie sich die Muskeln in seinem Arm anspannten. »Ich habe mich geändert … er nicht.«

»Wie meinen Sie das?«

»Ich töte nur noch, wenn ich es unbedingt muss, und niemals, weil ich es will. Er hingegen hat getötet, um seine Wut zu bezähmen.«

»Sehr richtig«, sagte der Monsignore jetzt und ließ sich in seinen Sessel zurücksinken. »Sie haben sich in jemanden verwandelt, der die Schwachen beschützt. Ezekiels Seele hingegen wurde immer schwärzer und verkümmerte schließlich vor selbstgerechtem Hass. Sie beschlossen irgendwann, die Kirche vor Ezekiel zu schützen, dessen Mission es nun einmal war, deren Ende einzuleiten. Sie haben unzählige Leben damit gerettet, Kimball, auch wenn Ihr Einsatz dabei sehr persönlicher Natur war.«

»Ich nehme mal an, dass Sie damit auf etwas Bestimmtes hinauswollen?«

Der Monsignore sah ihn verblüfft an. »Sie hören sich offenbar nicht selbst zu«, meinte er. »Denn Sie haben gerade selbst erklärt, dass Sie sich verändert haben, und zwar aus eigenem Entschluss. Aber Ihre Zunge ist offenbar nicht im Einklang mit Ihrem Gewissen, denn Sie fühlen sich immer noch schuldig für Ihre früheren Taten. Sie glauben noch immer, dass Ihnen die Erlösung verwehrt wird, trotz all der guten Werke, die Sie mittlerweile vollbracht haben. Sie sagen das eine, Ihr Gewissen lässt Sie aber etwas anderes glauben. Wenn Ihr Bewusstsein und Unterbewusstsein irgendwie in Einklang gebracht werden können, werden Sie die Erlösung finden, die Sie suchen. Es liegt also ganz an Ihnen, daran zu glauben, dass Ihre Worte tatsächlich der Wahrheit entsprechen.«

Ich verstehe, dachte er. Sie wollen also, dass ich etwas eingestehe, wofür ich noch nicht bereit bin. Da ich Ezekiel nur getötet habe, um die Kirche zu retten, sollten meine Gefühle für Ezekiel längst abgeklungen sein, da er ja schließlich auf gewisse Weise das Böse verkörpert hat. »Es ist nicht so leicht, sich aus dieser Sache herauszureden«, sagte er schließlich.

Enttäuschung und Frustration verdüsterten das Gesicht des Monsignores. »Die Zeit ist leider um«, sagte er leise. Eine weitere Sitzung, die ergebnislos verlaufen war.

Während er dabei zusah, wie sich sein Patient aus dem Sessel erhob und das Büro verließ, musste sich Monsignore Dom Giammacio eingestehen, dass er langsam nur noch wenig Hoffnung hegte, Kimball Hayden je als etwas anderes, als eine verlorene Seele zu erleben.

Er begann sogar zu glauben, dass die wahre Erlösung für den Vatikanritter stets unerreichbar bleiben könnte. Also betete er für ihn und hoffte, dass es doch noch irgendeine Hoffnung für Kimballs Seele gab und dieser sich am Ende für einen Weg entscheiden würde, der ihn in die Arme des göttlichen Lichts der Liebe führen würde.

Die Antwort auf seine Gebete bestand jedoch nicht in dem Flüstern eines liebenden, verständnisvollen Gottes, sondern nur aus dem Ticken der Wanduhr im Hintergrund.

Der Monsignore saß weiter gedankenversunken da, während der Zigarettenstummel in seiner Hand gefährlich nah an seine Haut abgebrannt war. Schließlich drückte er ihn im Aschenbecher aus, lehnte sich mit geschlossenen Augen zurück und lauschte.

Im Hintergrund fuhren die Zeiger der Uhr fort, in gleichmäßigem Takt zu ticken.

Er betete inbrünstig.

Doch die Uhr tickte unbeeindruckt weiter.

***

Als Kimball Hayden sein Quartier erreichte, ließ er sich auf der Bettkante nieder. Auf der rechten Seite seines Zimmers stand ein Betstuhl mit ein paar brennenden Kerzen, einer Bank, auf der er noch nie gekniet hatte, und ein hüfthohes Podest mit einer Bibel darauf, die er niemals geöffnet hatte. Auf der linken Seite der Kammer befanden sich sein Bett und ein Nachttisch mit einem Stapel Militärhandbücher darauf. Das Einzige, was einen etwas bewohnteren Eindruck vermittelte. Hoch oben in der Mitte der Zimmerwand gab es ein einzelnes Buntglasfenster mit der Darstellung der Jungfrau Maria, die ihm einladend die Arme entgegenstreckte. Zu gewissen Tageszeiten, wenn die Sonne von Osten nach Westen zog, ließen die Sonnenstrahlen ihre Arme in einem beinahe himmlischen Licht erstrahlen, bereit, ihn mit ihrer Wärme zu umfangen, aber Kimball mied ihren Glanz und das Licht stets, weil er sich nicht als würdig empfand, es zu empfangen.

Zumindest noch nicht.

Ich muss mir dieses Recht nämlich erst verdienen.

In der Schublade des Nachttisches befand sich ein kleines Fotoalbum – eine altmodische Art, Erinnerungen aufzuheben, aber er besaß keinen Computer, um Fotos digital archivieren zu können. Er begann nun, langsam durch die Seiten zu blättern. Es gab Fotos von seinen früheren Einheiten und von alten Freunden, von denen mittlerweile einige tot waren und andere dieses spezielle Leben hinter sich gelassen hatten und nun Familien besaßen. Außerdem enthielt das Album Fotos seiner neuen Einheit … seiner neuen Familie … den Rittern des Vatikan. Er blätterte weiter und sah die bekannten Gesichter von Jungen, die er nach und nach zu Rittern geformt hatte, zu Kriegern, die ihr Leben dem Schutz und dem Wohlergehen der Kirche und ihrer Anhänger verschrieben hatten. In der Mitte des Albums befand sich die Stelle, nach der er eigentlich gesucht hatte. Er ließ das geöffnete Buch auf seinen Oberschenkeln ruhen. Die beiden Seiten, auf die er nun hinuntersah, waren Ezekiel gewidmet, beginnend mit seiner Rekrutierung als kleiner Junge, Schnappschüssen seines Trainings, bis hin zu dem Tag, als er zum Vatikanritter ernannt worden war. Kimball wurde plötzlich bewusst, dass der Junge nur auf einem einzigen Bild lächelte, und selbst dieses Lächeln schien unecht zu sein.

Habe ich deine Seele denn so sehr gequält?

Mit den Fingerspitzen strich Kimball über Ezekiels Bilder.

Als Ezekiel fünf Jahre alt gewesen war, hatte Kimball dessen Großvater umgebracht. In dem Versuch, sein Gewissen reinzuwaschen, hatte Kimball den Jungen anschließend mit der Unterstützung von Bonasero Vessucci, dem heutigen Papst, aufgenommen, um ihn zu einem Vatikanritter zu formen, obwohl Vessucci immer dagegen gewesen war, weil er in dem Kind eine dunkle Seite vermutet hatte. Trotzdem hatte er sich Kimballs Wunsch gefügt, weil er gehofft hatte, dass es auf diese Weise vielleicht beiden gelingen würde, ihre Wunden zu heilen.

Ezekiel wuchs jedoch mit einem Zorn heran, den er gut zu verbergen wusste und der erst dann an die Oberfläche trat, als er sich für reif genug hielt, selbst zu morden. Er wandte sich daraufhin mit Kampfkünsten gegen Kimball, der zwar sein Mentor, zugleich aber auch der Mann war, der seinen Großvater getötet hatte, und vernichtet ihn beinahe.

Aber es war Kimball gewesen, der am Ende siegreich war, doch letzten Endes hatte er sich gezwungen gesehen, das Kind zu töten, das er selbst zu einem Ritter des Vatikan gemacht hatte.

Kimball schloss die Augen und gab sich dem Gefühl hin, dass Trauer ähnelte, wenn auch nicht von so großer Intensität. Als er die Augen wieder öffnete, klappte er das Fotoalbum zu und legte es vorsichtig wieder in die Schublade zurück. Anschließend ließ er sich auf sein Bett sinken, verschränkte die Hände hinter dem Kopf und starrte das Bild der Jungfrau Maria an, die bereitwillig die Arme nach ihm ausstreckte. Das Licht brach in goldenen Strahlen durch das Buntglasfenster und kleine Staubpartikel trieben wie Feenstaub umher.

Kimball streckte die Fingerspitzen nach den Lichtstrahlen aus, hielt aber wenige Zentimeter vor dem leuchtenden Schein inne. Nach einem kurzen Moment des Nachdenkens zog er sie wieder zurück und starrte an die Decke.

Noch nicht, sagte er sich. Noch verdiene ich deine Gnade nicht.

Irgendwann schloss er die Augen und sank in einen dringend benötigten Schlaf.

Kapitel 3

Rom

Die beiden Männer, die in einem kleinen Lokal etwa zwei Kilometer westlich der Vatikanstadt saßen, schienen vollkommen emotionslos zu sein. Ihre Bewegungen wirkten seltsam automatisiert und einstudiert, beinahe steif, wie die alter Männer. Sie waren allerdings erst Ende zwanzig und von kräftiger Statur, mit schlanken, muskulösen Körpern.

In ihren Köpfen hörten sie tiefe Stimmen, die sie führten und anleiteten. Das Flüstern und Raunen in den leisen deutschen Worten motivierte sie eher, als dass es sie behinderte.

Die Männer saßen zwar getrennt voneinander da, waren sich der Anwesenheit des jeweils anderen jedoch bewusst. In etwa fünfzehn Minuten würden sie sich in die Vatikanstadt begeben, um dort der jeden Mittwochvormittag stattfindenden Papstaudienz beizuwohnen, und wenn der richtige Moment gekommen war, würden sie ein Attentat auf den Papst verüben.

Der Mann, der näher an der Tür saß, griff jetzt in seine Manteltasche und zog eine Pistole aus einem speziellen Hartplastikgemisch hervor, die für Metalldetektoren unsichtbar war. Sie war in der Lage, zwei Kugeln zu fassen, deren Patronenhülsen und Zünder zu geringe Mengen Metall enthielten, um die Sensoren anschlagen zu lassen. Zwei Kugeln verringerten aber natürlich ihre Erfolgsaussichten, denn somit besaß er nur zwei Chancen, einen tödlichen Schuss abzugeben.

Er überprüfte die Waffe unauffällig, indem er den Schlitten zurückzog und die eine Kugel in die Kammer lud. Wenn die erste Kugel abgefeuert worden war, würde sich die zweite selbst nachladen.

Nachdem er die Waffe wieder in seiner Jacke verstaut hatte, blickte er hoch und sah, dass der zweite Mann seine Waffe ebenfalls unter dem Tisch durchlud. Mit einem leichten Kopfnicken, das bestätigte, dass alles nach Plan verlief, stand der Mann an der Tür auf, warf ein paar Euroscheine auf den Tisch und verließ das Lokal.

Weniger als eine Minute später folgte ihm sein Komplize.

***

Bonasero Vessucci, besser bekannt unter dem Namen Papst Pius XIV, zog gerade eine traditionelle weiße Mozetta an und legte einen Schulterkragen mit der dazu passenden Kappe an, der Zucchetto, wobei ihm mehrere Bischöfe halfen.

Bonasero bereitete sich damit für die päpstliche Audienz vor, bei der er immer vor die Menschen trat, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten. Durch die geöffneten Türen, die auf den päpstlichen Balkon hinausführten, konnte er bereits das Stimmengewirr der wartenden Massen hören.

»Ein wirklich wunderschöner Tag«, sagte einer der Bischöfe, der gerade eine Falte der Mozetta glattstrich. »Nicht eine einzige Wolke ist am Himmel zu sehen. Aber es ist sehr schwül.«

Bonasero lächelte. Er genoss die Audienzen und das Bedürfnis der Menschen, Gott ein wenig näher zu sein, indem sie den höchsten christlichen Thron besuchten, sehr. Er liebte es, diesem Wunsch zu entsprechen, denn auf diese Weise konnte er jedem der Anwesenden einen unvergesslichen Moment bescheren. »In meinem Alter ist jeder Tag ein wunderschöner Tag, Alberico«, scherzte der Pontifex.

Der Bischof quittierte diesen Scherz mit einem sanften Lächeln. Nachdem er einen Schritt zurückgetreten war, um die päpstliche Tracht noch einmal in der Gesamtheit zu begutachten, nickte er zufrieden. »Sie sind bereit, Eure Heiligkeit. Der Sicherheitsdienst wird Sie jetzt zu Ihrem Mobil bringen.«

Bonasero streckte die Hand aus und ergriff dankbar den Arm des Bischofs. »Danke, Alberico. Bitte sorgen Sie dafür, dass bei meiner Rückkehr alles bereit ist.«

Der Bischof verbeugte sich leicht. »Natürlich, Eure Heiligkeit.«

Als der Papst vor seine Kammer trat, wurde er sofort von der vatikanischen Sicherheit umringt, allesamt kräftig aussehende Männer in scharlachroten Jacken, schwarzen Hosen, Krawatte und einem blütenweißen Hemd. Auf der Brusttasche der Jacken war das Logo des Vatikan eingestickt, die beiden sich kreuzenden Schlüssel Petri unter der päpstlichen Tiara.

Sie liefen im Schritttempo des Pontifex, welches sich in den letzten Monaten dramatisch verlangsamt hatte, gemeinsam zu dem Fuhrpark, wo das Papstmobil bereits auf sie wartete – eine Mercedes-Benz-Limousine ohne weitere Schutzvorrichtungen.

Nachdem sie dem Papst auf die Rückbank geholfen hatten, klopfte einer der Sicherheitsleute mit der flachen Hand auf das Wagendach, als Zeichen für den Fahrer, dass sie nun startbereit waren. Langsam rollte der Fahrer auf das Ausfalltor zu und begann danach seine weitläufige Runde über den Petersplatz.

Sobald das Papstmobil in Sichtweite war, begannen die Massen zu jubeln.

***

In diesem Moment trennten sich die beiden Männer und schienen kurz darauf darum zu wetteifern, wer den besten Platz an der Absperrung nahe der Route ergatterte.

Einer von ihnen positionierte sich als erster Schütze etwa in der Mitte der Strecke. Der zweite Mann ging im hinteren Drittel in Position. Sollte der erste Schütze sein Ziel verfehlen, würde er eingreifen. Er würde vor das Fahrzeug springen, eine Kugel in den Fahrer pumpen und danach mit dem letzten Schuss meisterhaft die Brust des Pontifex treffen und ihn töten.

Sie hatten dieses Szenario im Dschungel von Brasilien wieder und wieder einstudiert, bis es ihnen völlig in Fleisch und Blut übergegangen war.

Sie standen an der Seitenlinie, starrten ausdruckslos vor sich hin und lauschten dabei den Befehlen der Stimmen in ihrem Kopf. Als das Papstmobil das erste Viertel des Weges zurückgelegt hatte, zog der erste Schütze unauffällig die Spezialanfertigung seiner Pistole hervor, hielt sie verborgen an seiner Seite und wartete.

Langsam kam das Fahrzeug immer näher. Die Menge jubelte laut, als der Pontifex sie segnete. Doch der Schütze blieb weiterhin ruhig. Seine Miene verriet nichts, weder Aufregung noch Euphorie, nur das absolute Minimum an Emotionen.

Der Papst winkte der Menge zu.

Der Wagen rollte näher.

Der Attentäter krümmte seinen Finger um den Abzug.

Noch zehn Meter.

Der Mann trat einen Schritt nach vorn.

Noch fünf Meter.

Das Flüstern in seinem Kopf war jetzt laut und deutlich zu hören. Worte, die forderten: Töte ihn!

Als der Wagen nur noch drei Meter entfernt war, zog der Attentäter dem Mann der Vatikanpolizei vor sich den Pistolengriff über den Schädel, was den Mann lautlos zusammenbrechen ließ, dann trat er in die Mitte der Fahrbahn, zielte auf den Fahrer und zog den Abzug zurück.

Die Kugel durchschlug die Windschutzscheibe, wo sie ein Loch in der Größe eines Fünf-Cent-Stückes hinterließ, das von spinnwebartigen Rissen umgeben war. Dadurch wurde die Kugel allerdings leicht abgelenkt und traf den Fahrer kurz unterhalb des Schlüsselbeins. Ein roter Nebel sprühte aus der Wunde. Als der Attentäter auf die Brust des Pontifex ansetzen wollte, um den tödlichen Schuss abzugeben, beschleunigte der Fahrer den Wagen, und der plötzliche Ruck sorgte dafür, dass der Papst das Gleichgewicht verlor. Trotzdem fand der zweite Schuss sein Ziel. Auf der weißen Mozetta des Papstes breitete sich kurz darauf ganz in der Nähe seines Herzens ein roter Fleck aus.

Die Menschen begannen zu schreien.

Der Schütze wurde von der Vatikanpolizei überwältigt, die ihn hastig entwaffneten und sich dann wie Haie auf einen verwundeten Fisch stürzten.

Doch der Attentäter verzog bei alldem keine Miene. Sein Blick war abwesend und seltsam leer. Als er auf dem Boden lag, sah er dem Fahrzeug hinterher, welches nun mit hohem Tempo davonfuhr. Danach blickte er zu seinem Mittäter hinüber, der ihm jedoch keinerlei Beachtung schenkte, sondern sich regungslos abwandte und in der Menge verschwand.

Nachdem man den Mann in Handschellen gelegt und auf die Beine gehoben hatte, entluden sich die Beschimpfungen der versammelten Menge auf ihn, und plötzlich wurde ihm etwas bewusst: Die Stimmen in seinem Kopf waren auf einmal verschwunden.

***

»Sein Blutdruck fällt, und alle anderen Vitalwerte ebenfalls«, rief der Rettungssanitäter panisch.

Bonasero Vessucci wurde so schnell es ging ins Gemelli-Krankenhaus in Rom gebracht. Seine Mozetta war aufgeschnitten worden, um das Geldstück-große Loch in seiner Brust freilegen zu können, das immer noch unablässig blutete und die ganze Zeit mit Mullkompressen abgetupft werden musste, um die Wunde sauber zu halten. Die unzähligen Geräte, die überwachen sollten, wie es um sein Leben bestellt war, zeigten allesamt an, dass es mit ihm zu Ende ging. Sein Gesicht war aufgrund des Blutverlustes bereits leichenblass und seine Lungen konnten nur noch mühsam Luft einsaugen.

Als der Krankenwagen schleudernd um eine Kurve bog, schien der Papst laut aufzuseufzen, als würde er große Schmerzen erleiden, doch er war bewusstlos und spürte daher nichts mehr, während ihm das Leben entglitt. Wenige Meter vor dem Eingang der Notaufnahme, als seine Rettung nur noch um Haaresbreite entfernt war, gab das EKG plötzlich einen anhaltenden, schrillen Heulton von sich.

Der Papst lag offiziell im Sterben.

***

Der zweite Attentäter stand jetzt inmitten einer fassungslosen, untröstlichen Menschenmenge hinter der Grenzlinie, die Rom von der Vatikanstadt trennte. Er zog ein Satellitentelefon hervor, das nicht größer als ein normales Handy war, und drückte nur eine Zahl auf dem Tastenfeld. Die deutsche Stimme am anderen Ende hörte sich weit entfernt und seltsam leer an.

»Ja?«

»Das Ziel wurde neutralisiert«, sagte der Attentäter in fließendem Deutsch.

»Kannst du das sicher bestätigen?«

»Ja, ich sah den Treffer. Obere Körperhälfte, nahe dem Herzen.«

»Bleib trotzdem in der Nähe, bis die Medien offiziell seinen Tod verkünden, und kehre erst dann nach Hause zurück.«

Kapitel 4

Kimball schlief mit dem Unterarm über seinen Augen, als jemand laut gegen seine Kammertür hämmerte. Das eindringliche Klopfen verkündete Kimball sofort, dass etwas nicht stimmte. Augenblicklich sprang er aus dem Bett und riss die Tür auf. Auf der Schwelle stand Bischof Remaldi, in dessen Augen tiefste Sorgen abzulesen waren.

»Bischof?«, begrüßte ihn Kimball eher fragend.

Ohne seinen Gruß zu erwidern, sagte der Bischof: »Der Generalinspekteur der Vatikanpolizei wünscht Ihre sofortige Anwesenheit.« Die Vatikanpolizei war sowohl das Sicherheitsorgan des Vatikan als auch der exterritorialen Hoheitsgebiete des Heiligen Stuhls.

»Wieso?«

Der Bischof bemühte sich sichtlich, die Fassung zu bewahren. »Haben Sie es denn noch nicht gehört?«

»Ich habe bis vor einer Sekunde geschlafen.«

»Papst Pius …«, stieß der Bischof mühsam hervor. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »… er ist auf dem Petersplatz angeschossen worden.«

Einen Moment lang hatte Kimball das Gefühl, dass ihm das Herz stehen blieb, als sich die Nachricht immer tiefer und schmerzlicher in seine Magengrube bohrte. Zuerst wollte er gegen diese ungeheuerliche Nachricht protestieren, doch als ihm klar wurde, dass er wahrscheinlich nichts weiter als unverständlichen Unsinn hervorbringen würde, stürmte er einfach wortlos aus seinem Quartier, ohne die Tür hinter sich zu schließen.

***

Die Vatikanpolizei war für die Sicherheit, die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, die Grenzkontrollen während der Papstaudienzen, kriminalistische Untersuchungen und klassische Polizeiarbeit im Vatikan zuständig. Außerdem verfügte sie über Verbindungen zu Interpol, zu deren Mitgliedern auch der Vatikan zählte. Zu den spezialisiertesten Einheiten der Vatikanpolizei gehörten zwei Eliteeinheiten – die Gruppo Intervento Rapido, eine schnelle Eingreiftruppe und eine Anti-Sabotage-Abteilung, die Unità Antisabotaggio.

Über der Tür, die in die Halle der Vatikanpolizei führte, war eine Statue des Erzengels Michaels zu sehen, dem Schutzpatron der Organisation. Zufälligerweise war Erzengel auch der frühere Rufname von Kimball gewesen, ein Name, den er später als Vatikanritter allerdings abgelehnt hatte.

Als Kimball die Halle betrat, fiel ihm als Erstes das hektische Treiben der Sicherheitsleute auf. Jeder von ihnen trug eine standardisierte Glock 17 als Pistole und die typische Tracht der Vatikanpolizei. Kimball hingegen trug das Gewand der Vatikanritter. Ein schwarzes klerikales Hemd, einen römisch-katholischen Kragen und von der Hüfte abwärts Militärhosen und Stiefel.

Er begab sich jetzt unverzüglich zum Empfangspult, welches ähnlich wie eine richterliche Kanzel etwas aufragte. Der Offizier sprach Kimball auf Italienisch an. Kimball bat ihn daraufhin, ins Englische zu wechseln, was dieser sofort tat.

»Mir wurde gesagt, dass der Generalinspektor meine Anwesenheit wünscht«, erklärte Kimball ihm. Hinter ihnen herrschte rege Betriebsamkeit. Jene, die hier das Kommando hatten, riefen ständig Befehle in die Halle hinein, um zumindest den Anschein von Ordnung zu erwecken.

»Und Sie sind?«

»Kimball Hayden.«

Der Offizier nickte daraufhin und tätigte einen Anruf. Nachdem er Kimball angekündigt hatte, drehte er sich zu ihm um und sagte: »Links den Gang hinunter. Folgen Sie einfach den Zeichen bis zu Vernehmungszimmer Nummer Sieben. Sie erwarten Sie bereits.«

Sie? »Danke.«

Während Kimball den Korridor zu Vernehmungszimmer Nummer Sieben entlangschritt, sah er in Gedanken unweigerlich Bonaseros Gesicht vor sich und rief sich all ihre gemeinsamen Momente ins Gedächtnis, angefangen von seiner ersten Begegnung mit Bonasero in einer kleinen Bar in Venedig bis hin zu dem persönlichen Moment, den sie vor zwei Tagen erst in den päpstlichen Gemächern geteilt hatten. An alle Begebenheiten dazwischen erinnerte er sich mit reiner Liebe, denn Bonasero war stets mehr ein Vater für ihn gewesen, als es sein leiblicher Vater je gewesen war. Er war derjenige, der für Kimball immer ein offenes Ohr hatte und der ihm den rechten Weg wies, wenn Kimball mal verloren ging – was leider nicht selten geschah. Als der Bischof ihn über das Attentat informiert hatte, war Kimball nicht imstande gewesen, die furchtbare Wahrheit zu erfassen und hatte das Ganze vielmehr für einen grausamen Scherz gehalten. Doch die Augen des Bischofs hatten nicht gelogen, in ihrer tiefen Schwärze hatte er den Schmerz und die düstere Wahrheit lesen können. Als die Realität Kimball schließlich einholte, verschlang eine rohe und ungezügelte Wut den Vatikanritter. Das Gefühl war so stark, dass er es kaum unter Kontrolle halten konnte.

Er folgte dem Korridor wie angewiesen und erreichte schließlich einen Raum auf dessen Tür Stanza degli interrogatori Sette zu lesen war, eine Sprache, der Kimball immer noch nicht mächtig war. Also erkundigte er sich bei einem Polizisten in der Nähe, indem er auf das Schild am Eingang deutete: »Ist das der Vernehmungsraum Nummer Sieben?«

Der Gardist nickte. »Si.«

»Danke.« Kimball klopfte daraufhin an die Tür und trat sofort ein, ohne auf eine Antwort zu warten. Im Raum befanden sich der Generalinspektor der Vatikanpolizei sowie zwei ihm bekannte Gesichter des vatikanischen Geheimdienstes, die Jesuitenpriester Pater Auciello und Pater Essex.

Kimball wunderte sich, wieso der SIV in die Sache involviert worden war, da das Attentat doch zweifellos in die Zuständigkeit der Vatikanpolizei fiel.

Pater Auciello winkte ihn heran und wies auf einen leeren Stuhl. Kimball bemerkte das fragende Gesicht des Generalinspektors, der offenbar gerade versuchte, sich einen Reim auf die Zusammenstellung von Kimballs Kleidung zu machen … bis zur Hüfte Priester, doch darunter Soldat.

Pater Auciello reichte dem Vatikanritter die Hand. »Schön, dich zu sehen, Kimball.« Seine Stimme klang seltsam tonlos.

Nachdem er auch Pater Essex die Hand geschüttelt und dem Generalinspektor vorgestellt worden war, nahm Kimball auf dem ihm angebotenen Stuhl Platz, der aufgrund seiner hünenhaften Statur allerdings viel zu klein wirkte.

»Ich wurde soeben von Bischof Remaldi darüber informiert, dass auf Bonasero geschossen worden ist«, sagte Kimball. »Wie ist sein aktueller Status?« Er hatte die Frage kaum gestellt, als er innerlich schon zusammen zuckte, denn obwohl er das Beste hoffte, rechnete er doch unweigerlich mit dem Schlimmsten.

Pater Auciello war ein tiefgebräunter Mann mit schlohweißem Haar und kakaobraunen Augen. »Auf dem Weg ins Gemelli«, antwortete er ruhig, »erlitt der Pontifex einen Herzstillstand.«

Kimball spürte einen unfassbaren Stich in seinen Eingeweiden.

»Aber es gelang ihnen, ihn wieder zurückzuholen«, fügte Auciello hastig hinzu. »Allerdings sind sie nicht sicher, ob er dabei Hirnschäden davongetragen hat, denn anschließend ist er ins Koma gefallen.«

Kimball nickte stumm. Aber immerhin ist er noch am Leben!

»Der Grund, warum wir dich hierher gebeten haben, Kimball«, begann Pater Essex, der stellvertretende Direktor und britischer Abstammung war, seines Akzents nach zu urteilen, nachdem er sich nach vorn gebeugt und seine Ellbogen auf den Tisch gestemmt hatte, »ist der, dass es der Vatikanpolizei gelungen ist, den Schützen festzunehmen.«

»Genau deshalb verstehe ich auch nicht, was meine Anwesenheit dann hier erforderlich macht«, erwiderte Kimball. »Diese Art der Untersuchung fällt doch ganz klar in den Verantwortungsbereich der Vatikanpolizei.«

Essex nickte. »Das ist vom Grundsatz her richtig, aber in diesem speziellen Fall ist es etwas komplizierter.«

»Warum?«

»Wir sind hier, weil wir wissen, wer der Schütze ist.«

Kimball lehnte sich in seinem Stuhl zurück und dachte nach. Am 13. Mai 1981 war Papst Johannes Paul II. beinahe von Mehmet Ali Ağca umgebracht worden. Der Attentatsversuch war anscheinend auf Anweisung des KGBs in Auftrag gegeben worden, unter Mithilfe der Geheimdienste Bulgariens und der ehemaligen DDR. Spätere Untersuchungen ergaben, dass der KGB den bulgarischen Geheimdienst deshalb mit der Ermordung des Papstes beauftragt hatte, weil dieser öffentlich mit der polnischen Solidarność sympathisiert hatte, die als ernsthafte Bedrohung der sowjetischen Vormachtstellung in Osteuropa angesehen worden war. War dieser Mordanschlag hier ebenfalls politisch motiviert? Kimball hielt das für sehr unwahrscheinlich. Aber aus welchem Grund könnte der SIV sonst hier sein?

»Um wen handelt es sich?«, fragte Kimball neugierig.

»Zuerst einmal wurde der Generalinspektor zur Geheimhaltung verpflichtet. Es ist ihm nicht gestattet, mit irgendjemanden über deine Anwesenheit hier zu sprechen. Aus offensichtlichen Gründen haben wir bestimmte Informationen darüber, wer du bist oder was du tust, der Vatikanpolizei verschwiegen. Er weiß nur, dass du für die Kirche von großer Bedeutung bist.«

Kimball warf dem Generalinspektor, einem kleinen Mann mit scharf geschnittenen Gesichtszügen und schwarzen Augen, einen intensiven Blick zu. »Wieso tut ihr alle so, als wäre der Kerl gar nicht da? Er sitzt immerhin keinen Meter von mir entfernt.«

»Weil er kein Englisch spricht. Nicht ein einziges Wort. Aber er ist nun mal der Generalinspektor, was bedeutet, dass diese Sache hier in seinen Zuständigkeitsbereich fällt.«

»Wieso kriege ich immer mehr das Gefühl, dass das Ganze auch in meinen Zuständigkeitsbereich fällt?«

»Wegen des Schützen«, sagte Essex ernst.

»Und was ist mit ihm?«

»Dir wird nicht gefallen, was wir dir gleich zeigen.«

»Wieso nicht?«

»Ich denke, es ist das Beste, wenn du es dir selbst ansiehst.«

Essex und Auciello erhoben sich daraufhin. Der Generalinspektor folgte ihnen, und auch Kimball schloss sich ihnen an. Sie verließen jetzt den Raum und betraten einen angrenzenden Korridor, der so schmal war, dass sie ihn nur nacheinander durchqueren konnten. An dessen Ende befand sich ein quadratischer Raum, der in eine Gefängniszelle mündete. Vor der Tür hielten zwei Männer der Vatikanpolizei Wache. Nachdem der Generalinspektor auf Italienisch einen Befehl gebrüllt und wild mit der Hand gewedelt hatte, nickte der erste Wachmann, zog eine Karte über ein Lesegerät und tippte anschließend einen Code in ein Zahlenfeld ein, welches die Verriegelung der Zellentür zurückfahren ließ und diese öffnete. Mit einem leisen Flüstern öffnete sich die Tür und schwang einen Spalt breit auf. Der Wachmann packte den Türgriff, zog sie vollends auf und gestattete Kimball damit einen Blick in die Zelle.