Bonjour Vazaha - Gerda Althoff - E-Book

Bonjour Vazaha E-Book

Gerda Althoff

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Beschreibung

Ein Traum geht in Erfüllung. Eine abenteuerliche Reise im Taxi-Brousse durch Madagaskar, dem Land des Pfeffers und der Lemuren. Taxi-Brousse sind meist alte Kleinbusse, die total überfüllt sind und das landesübliche Verkehrsmittel der meist armen Bevölkerung darstellen. Große Busse gibt es so gut wie gar nicht. Von Antananarivo nach Tulear geht es 1000 Km nach Süden. Ganze Gebiete werden von Banditen beherrscht und die Infrastruktur wird schlechter, je weiter man nach Süden kommt. Sogar in dem touristischen Badeort Ifaty gibt es nur von 18 bis 22 Uhr Strom.

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Seitenzahl: 97

Veröffentlichungsjahr: 2013

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Gerda Althoff

Bonjour Vazaha

im Taxi-Brousse durch Madagaskar

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Im Taxi-Brousse durch Madagaskar

Impressum neobooks

Im Taxi-Brousse durch Madagaskar

Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum.

Ich weiß nicht mehr, wo und wann ich das gehört oder gelesen habe, aber es geht mir nicht aus dem Kopf.

Zwar habe ich schon einige meiner Träume in die Realität umsetzen können, aber einer ist noch immer unerfüllt geblieben.

Madagaskar, wo der Pfeffer wächst, dem einzigen Land auf der Welt, wo es Lemuren gibt.

Seit über zwanzig Jahren will ich dorthin, habe sogar schon einen Visa-Antrag ausgefüllt, in vierfacher Ausfertigung, mit Passbild.

Damals gab es noch kein Internet und die einzige Informationsquelle, auf die man zurückgreifen konnte, war ein Reiseführer, der allerdings bei seinem Erscheinen schon nicht mehr aktuell war.

Ich habe diesen Reiseführer noch heute, die Informationen besorge ich mir aber jetzt eher aus dem Internet.

Einer der wichtigsten Gründe, warum ich diesen Traum bis heute nie verwirklichen konnte, war der Mangel an Geld. Madagaskar ist nun mal kein typisches Urlaubsziel und deshalb gibt es so gut wie keinen Wettbewerb zwischen den Fluglinien. Kurz gesagt, die Flüge sind teuer; damals wie heute.

Seit einigen Jahren bietet jedoch eine große deutsche Fluggesellschaft sporadisch günstige Flüge nach Mauritius an. Nächste Woche werde ich nun zum dritten Mal dort hin fliegen. Die Insel ist noch nicht von Touristen überlaufen, man kann günstige Privatunterkünfte bekommen und die Strände sind einzigartig. Die Supermärkte dort bieten eine ähnliche Vielfalt an Waren wie in Europa und so lässt es sich dort, auch für längere Zeit, gut leben.

Nun hatte ich die Idee, von Mauritius aus nach Madagaskar zu fliegen, was von dort etwas über 300 Euro kosten würde. Zusammen mit dem Flug nach Mauritius wären das circa 870 Euro, während ein Direktflug von Deutschland nach Madagaskar etwa 1500 Euro kosten würde.

Um diese ganze Rechnerei zu verstehen, muss man wissen, dass ich, mit meinen beschränkten Geldmitteln, so viel wie möglich von der Welt sehen möchte. Ich übernachte in einfachen, landestypischen Hotels und nehme nur ein Taxi, wenn es anders nicht geht.

Ein letzter Rest von Zweifel nagt an mir, ob ich als Frau von 64 Jahren noch so ein Abenteuer wagen sollte, deshalb wollte ich den Flug von Mauritius aus buchen, um noch etwas mehr Zeit zum Überlegen zu haben und auch weil ich denke, dass er von da aus noch etwas billiger ist.

Im Gegensatz zu früher, konnte ich mich jetzt im Internet über Einreisebedingungen, Währung und Umtauschkurs, sehenswerte Orte, Transportmöglichkeiten, Hotels usw. informieren.

Dabei habe ich herausgefunden, dass es seit längerer Zeit innerpolitische Unruhen gibt und eine Art Bürgerkrieg im Land herrscht. Offizielle Stellen behaupten dagegen, dass der Konflikt beigelegt sei und es wieder Ruhe und Frieden im Land gebe.

Um wieder mehr Touristen ins Land zu locken, verzichtet man bis auf weiteres auf die Visagebühren. Man kann das Visum jetzt kostenlos und ohne viel Papierkram, bei der Einreise bekommen.

Madagaskar ist, nach Indonesien, der zweitgrößte Inselstaat der Welt. Bei einer Fläche von mehr als 587 Km², hat sie nur 22 Millionen Einwohner und ist touristisch kaum erschlossen. Das bedeutet auf jeden Fall - Abenteuer!

Vorher muss ich aber noch, und das ist das Wichtigste, mein Schulfranzösisch aufpolieren. Auf meinen Reisen habe ich bisher immer nur Englisch und Spanisch gebraucht und so sind meine Französischkenntnisse ziemlich verblasst.

Auf Madagaskar ist Französisch die Amtssprache und man kann nicht erwarten, dass in einem Land, wo der Großteil der Menschen ums nackte Überleben kämpft, man so nebenbei auch noch Englisch spricht. Das ist der Oberschicht vorbehalten und das sind normalerweise nicht die Leute, die man auf der Straße trifft und nach dem Weg oder sonst was, fragen will.

Der Tag der Abreise kommt näher. Ich bin äußerst beunruhigt und das nicht wegen der bevorstehenden Reise ins Ungewisse.

Die Piloten der Lufthansa streiken. Die meisten innerdeutschen Flüge werden annulliert und deswegen sind alle Züge hoffnungslos überfüllt und verspätet. Auch die eingesetzten Sonderzüge ändern daran nicht viel.

Es ist Abreisetag. Ich fahre noch zwei Stunden früher los, als es eigentlich nötig gewesen wäre, aber ich will sicher sein, meinen Flug nicht zu verpassen.

Von Lünen nach Dortmund gab es kein Problem und nun stehe ich in Dortmund auf dem Bahnsteig und habe die Wahl: Gleis 11, der Zug braucht drei Stunden und 15 Minuten nach Frankfurt oder Gleis 16, dieser benötigt für die gleiche Strecke nur zwei Stunden und 10 Minuten. Beide fahren fast zeitgleich los.

Ich mache den verheerenden Fehler und steige in den Zug, der schneller da ist, obwohl ich doch genügend Zeit habe. Der Zug scheint zunächst leer, aber bei näherem Hinsehen, muss ich erkennen, dass fast alle Plätze reserviert sind. Bei meinem Rail&Fly Ticket ist eine Reservierung nicht möglich gewesen.

Während sich der Zug in kürzester Zeit füllt, kann ich sehen, wie auf Gleis 11 der Zug losfährt und man kann erkennen, dass es noch reichlich freie Plätze gibt. Die meiste Zeit muss ich stehen, dafür habe ich dann in Frankfurt vier Stunden Zeit bis zum Abflug.

Auf dem Flughafen ein einziges Chaos. Massen von Menschen, die meist ziellos umher laufen. Ich habe Gott sei Dank keinen Lufthansaflug, quetsche mich durch das Gewühl und stehe kurz darauf am Check-in Schalter. Ich brauche nicht lange zu warten, bekomme sogar noch einen Fensterplatz, was bei genauerer Überlegung aber nicht viel Sinn macht, denn bei der Ankunft auf Mauritius wird es noch dunkel sein, also keine Chance, die prachtvollen Korallenriffe aus der Luft zu betrachten. Da es ein Nachtflug wird, gibt es aber immerhin den Vorteil, dass man am Fenster ruhiger sitzt und man nicht von vorbei gehenden Passagieren oder Flugbegleitern, angerempelt wird.

Es ist 6 Uhr morgens und ich bin gerade auf dem internationalen Flughafen Sir Seewoosagur Ramgoolam auf Mauritius gelandet.

Wie schon zuvor, werde ich auch jetzt wieder mit dem Bus nach Flic en Flac fahren, das ungefähr 35 km entfernt an der Westküste liegt und bei Jimmy wohnen. Er vermietet eine drei-Zimmer-Wohnung, nah am Meer gelegen und sehr günstig. Jimmy ist nicht sein richtiger Name. Er ist Inder und sein richtiger Name für uns Europäer unaussprechlich, wie er behauptet.

Weil diese Geschichte aber eigentlich über meine Erlebnisse in Madagaskar berichten soll, will ich hier nicht näher darauf eingehen.

Die Hoffnung, von Mauritius aus einen günstigeren Flug nach Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, zu bekommen, hat sich nicht erfüllt. Ich musste sogar noch 20 Euro mehr bezahlen, als wenn ich ihn in Deutschland gebucht hätte. Nun gut, ich will es nicht übertreiben mit der Geldknauserei und akzeptiere das, ohne mich aufzuregen.

Ich habe die Wahl zwischen Air Mauritius und Air Madagaskar. Beide Fluglinien sind gleich teuer, aber ich entscheide mich für Air Mauritius, weil sie mir irgendwie vertrauenswürdiger erscheint.

Von Mauritius aus bis Tana, so nennen die Malegassen ihre Hauptstadt, sind es gut 1000 km und der Flieger braucht für diese Strecke kaum 90 Minuten.

Ich habe wieder einen Fensterplatz, aber diesmal lohnt es sich. Nach dem Start machen wir einen kurzen Schwenk über die Südküste, um dann in Richtung Madagaskar abzudrehen. Der Blick auf die Küste mit ihrem Korallenriff ist so atemberaubend, dass er sich kaum beschreiben lässt. Natürlich habe ich meine Kamera mitgenommen, um solche Augenblicke im Bild fest zu halten und sie später noch einmal anzuschauen und auch meiner Familie, Freunden und Bekannten zu zeigen.

Auf der kurzen Strecke bis Tana gibt sogar etwas zu essen und zu trinken und natürlich die Einreiseformulare, die man bis zur Ankunft ausgefüllt haben sollte.

Der Platz neben mir bleibt frei und so kann ich es mir so richtig bequem machen. Die Stewardessen sind sehr nett und das Essen genießbar, was im Flugzeug nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist.

Der Himmel ist wolkenfrei und so habe ich die Möglichkeit, mir einen ersten Eindruck von der malegassischen Landschaft zu verschaffen. Nicht sehr spektakulär, eher uninteressant - fast öde.

Dann setzen wir auch schon zur Landung an.

Tag1

Die Zeit ist buchstäblich wie im Fluge vergangen.

Die Einreise verläuft problemlos und so stehe ich bald darauf mit meiner kleinen Reisetasche in der Ankunftshalle, auf der Suche nach einer Touristinformation. Es gibt tatsächlich eine. Ich möchte wissen, wie man am günstigsten in die Stadt kommt und wo es günstige Hotels gibt.

Einen Stadtplan hätte ich auch ganz gerne. Mein Französisch stößt hier schon fast an seine Grenzen, aber das Kopfschütteln verstehe ich auch so. Es gibt keinen Plan für mich und man kennt auch keine günstigen Hotels, die man weiter empfehlen könnte, dafür jede Menge Prospekte mit Ausflugsangeboten zu den zahlreichen Nationalparks, die es in Madagaskar gibt.

Zum Schluss der sehr hilfreiche Tipp, dass ich mit dem Taxi in die Stadt käme.

Okay, irgendwas geht immer, weiß ich aus Erfahrung und gehe erst einmal zu der kleinen Geldwechselstube, die sich ganz am Rand der Halle befindet.

Über den Wechselkurs habe ich mich natürlich schon zu Hause informiert. Für einen Euro bekommt man zurzeit 2880 Ariary, die wahrscheinlich kaum wiederkehrende Möglichkeit, den Status eines Millionärs zu erreichen.

Noch interessant zu wissen ist, dass der kleinste Schein, 100 Ariary, knapp drei Cent wert ist und der größte, 10000 Ariary, etwas weniger als 3 Euro. Ich entscheide mich dafür, erst einmal 100 Euro einzutauschen.

Drei Leute sind noch vor mir; ich überlege kurz, dann spreche ich eine dunkelhäutige Dame, die direkt vor mir steht, an und frage sie, natürlich auf Französisch, ob sie eine günstige Möglichkeit kennt, in die Stadt zu kommen.

Sie zögert einen kurzen Moment, dann sagt sie, ich könne mit ihr fahren, sie würde abgeholt und ob ich denn schon eine Unterkunft hätte.

Als ich das verneine, bietet sie mir an, doch auch in dem Hotel zu wohnen, wo sie hingehen wird; fügt dann aber noch hinzu, dass es sehr einfach und ohne jeden Luxus wäre.

Genau das Richtige für mich, deshalb schließe ich mich ihr gern an.

Sie wartet, bis ich mein Geld umgetauscht habe und gemeinsam gehen wir Richtung Ausgang, wo, freudig lächelnd, ein junger Mann auf uns zukommt.

"Das ist Francis", sagt meine neu errungene Bekannte, "und mein Name ist Santa."

"Gerda", sage ich schnell und reiche ihm die Hand.

Wir gehen quer über den Parkplatz, der sich vor dem Flughafengebäude befindet.

Ich folge Francis und Santa, bis sie vor einem kleinen, weißen Kastenwagen stehen bleiben.

Ich setze mich auf die Rückbank und stelle die kleine pinkfarbene Tasche, die ich extra noch in Mauritius gekauft habe, neben mich auf den Sitz. Ich will mich anschnallen, aber es gibt keine Gurte. Nun gut, das Abenteuer kann beginnen.

Wir fahren los, verlassen bald darauf die Zufahrtsstraße zum Flughafen und Minuten später befinden wir uns mitten im Trubel der Hauptstadt.

Hütten und kleinere Geschäfte säumen die Straße, die ins Zentrum führt. Ein undurchschaubares Gewusel von Menschen.

Santa erzählt mir während der Fahrt, dass sie aus Mauritius stammt und jetzt in der Schweiz lebt. Ihr Mann, der wegen einer schweren Krankheit nun im Rollstuhl sitzen muss, unterstützt hier in Tana eine Schule und sie fährt ein oder zwei Mal im Jahr hier her, um zu sehen, wie es den Kindern geht und um sie mit Geld zu unterstützen.

Sie meint, es sei sicherer das Geld direkt beim Empfänger abzugeben, denn es gibt sehr viel Korruption in Mada, wie sie das Land nennt. Diese Abkürzung wird auch von den Einheimischen benutzt.

Wenn sie aus Mauritius kommt, muss sie auch Englisch sprechen, denke ich mir, denn Englisch ist dort Amtssprache. Die weitere Unterhaltung mit ihr, erfolgt also auf Englisch, was mir natürlich viel leichter fällt.