Boston Tigers - Defense Desire - Sasha Reed - E-Book
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Boston Tigers - Defense Desire E-Book

Sasha Reed

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Beschreibung

Jolene Gallavan liebt die Arbeit in ihrer kleinen, eigenen Konditorei. Backen ist nicht nur ihre Leidenschaft, sondern hilft ihr auch, die Wunden zu heilen, die ihre letzte Beziehung mit einem Footballspieler hinterlassen hat. Bei einem Event begegnet sie Branden Jones: charmant, selbstbewusst - und Star-Center der Boston Tigers. Eigentlich wollte sich Jolene nie wieder auf einen Sportler einlassen, trotzdem fühlt sie sich stark zu ihm hingezogen. Abstand halten? Leichter gesagt als getan. Vor allem, weil auch Branden nicht genug von ihr bekommen kann. Um ihr Herz zu schützen, stellt Jolene klare Regeln auf: keine Romantik, kein Drama, keine Übernachtungen - und keine anderen Liebhaber. Doch Branden hält sich vor allem an die erste Regel nicht besonders genau. Und plötzlich steht Jolene vor der schwersten Entscheidung: Herz oder Vernunft?

Ein heißer Basketballer und eine Konditorin, die erst wieder vertrauen und lieben lernen muss - die perfekte Mischung für eine spicy From-Strangers-to-Lovers Liebesgeschichte! Band 2 der Basketball-Romance-Reihe von Sasha Reed.

Weitere Titel der Reihe:

Boston Tigers - Fast Break Kiss
Boston Tigers - Rebound Heart
Boston Tigers - Play Off for Love
Boston Tigers - Christmas Touch
Boston Tigers - Crossover Feelings

Bei diesem Roman handelt es sich um eine vollständig überarbeitete Ausgabe des Titels »Pick and Roll«.

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Seitenzahl: 382

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Grußwort des Verlags

Über dieses Buch

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Über die Autorin

Weitere Titel der Autorin

Impressum

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Über dieses Buch

Jolene Gallavan liebt die Arbeit in ihrer kleinen, eigenen Konditorei. Backen ist nicht nur ihre Leidenschaft, sondern hilft ihr auch, die Wunden zu heilen, die ihre letzte Beziehung mit einem Footballspieler hinterlassen hat. Bei einem Event begegnet sie Branden Jones: charmant, selbstbewusst – und Star-Center der Boston Tigers. Eigentlich wollte sich Jolene nie wieder auf einen Sportler einlassen, trotzdem fühlt sie sich stark zu ihm hingezogen. Abstand halten? Leichter gesagt als getan. Vor allem, weil auch Branden nicht genug von ihr bekommen kann. Um ihr Herz zu schützen, stellt Jolene klare Regeln auf: keine Romantik, kein Drama, keine Übernachtungen – und keine anderen Liebhaber. Doch Branden hält sich vor allem an die erste Regel nicht besonders genau. Und plötzlich steht Jolene vor der schwersten Entscheidung: Herz oder Vernunft?

Ein heißer Basketballer und eine Konditorin, die erst wieder vertrauen und lieben lernen muss – die perfekte Mischung für eine spicy From-Strangers-to-Lovers Liebesgeschichte!

SASHA REED

Defense Desire

Kapitel 1

Jolene

»Zeig mir deine Brüste.«

Ich drehte die Handykamera so, dass sie genau in meinen Ausschnitt filmte.

»Hmm. Sehr schön. Und jetzt den Rest.«

Was klang wie der Anfang eines schlechten Pornos, war in Wahrheit meine beste Freundin Willow, die mein Outfit per Videochat begutachtete. Sie war gerade in ihrer knappen fünfminütigen Pause zwischen zwei verrückten Schichten im La Boustifaille, einem angesagten Restaurant in New York, in dem sie als Konditorin arbeitete. Wir waren zusammen auf die Kochschule gegangen und hatten uns beinahe ein Jahr lang eine winzige Bruchbude von Wohnung in der Bronx geteilt, bevor sich unsere Wege nach dem Abschluss getrennt hatten. Willow war in New York geblieben, um in einem der besten Restaurants der Stadt zu arbeiten, während es mich nach Boston verschlagen hatte. Ich war wegen einer guten Gelegenheit für einen Praktikumsplatz hierhergekommen und der Liebe wegen, oder was ich damals für Liebe gehalten hatte, geblieben, was auch der Grund für diese Notfallkonferenz mit Willow war.

»Wenn er sich heute für das, was er dir angetan hat, nicht selbst kastrieren will, ist er dümmer, als ich dachte, Jo. Und blind. Verdammt, ich würde töten für deine Titten.« Schmollend drückte sie mit ihren Oberarmen ihre zugegeben kleine Oberweite zusammen und warf mir durch die Kamera einen strafenden Blick zu, als könnte ich etwas für meine Gene.

Ich schnaubte. »Ich will nicht, dass er meine Brüste zurückwill. Ich will ja nicht einmal, dass er mich zurückwill. Ich will nur, dass er sieht, dass sein Bullshit mich nicht im Geringsten zurückgeschlagen hat.« Oder dass er zumindest den Eindruck davon hatte. Dass ich diese Last immer noch jeden Tag mit mir herumschleppte, wollte ich meinen Ex auf keinen Fall sehen lassen. Ich betrachtete mich kritisch im Ganzkörperspiegel meines Schlafzimmers.

»Fick ihn«, krächzte Grayson von seiner Stange am Fenster und raschelte rebellisch mit seinen Flügeln.

»Danke, Grayson, genau meine Rede«, bekräftigte Willow meinen Graupapagei. »Metaphorisch gesprochen, natürlich. Fick ihn nicht wirklich.« Sie blieb einen Moment stumm, bevor sie hinzufügte: »Graysons Vorliebe für Schimpfworte zahlt sich langsam wirklich aus.«

»Kaum zu glauben, dass ich ihn für den nächsten Einstein gehalten habe«, murmelte ich, während ich die Wellen in meinen roten Haaren etwas auflockerte. Grayson stammte ursprünglich aus einer Vogelstation in Texas, in der meine Mutter als Verhaltensbiologin arbeitete. Er hatte eigentlich an einer Intelligenzstudie teilnehmen sollen, doch der Schuss war nach hinten losgegangen. Meine Mutter hatte mir nur von einem Papagei erzählt, der für die Tests nicht geeignet war und vermittelt werden sollte, und ich hatte sofort die Chance ergriffen. Hätte ich damals gewusst, dass Grayson deshalb nicht geeignet war, weil er nur das hörte, was er hören wollte, und seine Intelligenz hauptsächlich im Lernen neuer Schimpfwörter bestand, hätte ich mir die ganze Sache wohl etwas gründlicher überlegt. Ganz zu schweigen von dem Federstaub, den ich jeden Tag aufs Neue wegputzen musste, und den Kindersicherungen, die sich an jedem Fenster und jeder Tür befanden.

»Sein Einwand war aber gar nicht so dumm«, wandte Willow ein. »Scheiß auf Mason. Dir sollte egal sein, was er denkt. Falls er denn zum Denken überhaupt in der Lage ist.«

Ich seufzte. Willow hatte recht, aber so ungern ich es auch zugab, seine Machenschaften hatten tiefe Spuren hinterlassen und die Wunden waren immer noch nicht ganz verheilt. Man könnte meinen, ich würde ihm noch hinterherweinen, dabei war ich es gewesen, die unsere Beziehung beendet hatte. Es war fast vier Jahre her und heute würde ich ihn seit der Trennung zum ersten Mal wiedersehen.

»Ich denke, nach seiner Aktion vor über drei Jahren darf ich mir einen Tag für unsinniges Verhalten erlauben.« Ob ich damit eher Willow oder mich selbst überzeugen wollte, wusste ich selbst nicht genau. Fakt war, dass ich mich allein schon beim Gedanken daran, ihn wiedersehen zu müssen, übergeben wollte. Ich hatte mir das Szenario unendlich oft ausgemalt. Wie ich ihn einfach Links liegen ließ oder ihm die Meinung geigte. Aber ich musste mir eingestehen, dass es sich für mich immer noch anfühlte wie vor drei Jahren. Wenn ich schon gute Miene zum bösen Spiel machen musste, wollte ich wenigstens gut dabei aussehen. Und wenn Mason dadurch vielleicht der ein oder andere reuevolle Gedanke kam, warum sollte ich ihn davon abhalten wollen?

»Wenn es dir hilft, du siehst umwerfend aus. Dieses grüne Kleid bringt deine Augen wirklich zur Geltung, und würde ich auf Frauen stehen, würde ich mir nach nur einem Blick auf dich mindestens zehn Stellungen überlegen, in denen ich dich vögeln wollte.«

»Vögeln!«, bestärkte Grayson sie. Seinen bunten Wortschatz hatte er zu großen Teilen Willow zu verdanken. Willows Direktheit eckte oft an, doch ich hatte mich schnell daran gewöhnt und wusste dadurch immerhin, dass sie immer ehrlich zu mir war. Für Grayson hatte ich keine Ausrede. Er war einfach ein komischer Vogel.

»Dein Wort in Gottes Ohr«, erwiderte ich seufzend. Meine Durststrecke hielt nun schon genauso lange an wie mein Single-Status und während Letzterer mich nach der Fülle an gescheiterten Beziehungen in meinem Leben eher weniger störte, bekam mein Vibrator immer regelmäßiger Workouts. Die Parade an Männern in teuren Anzügen heute würde meine Libido auf eine harte Probe stellen. Wenn Mason als Footballstar der Bostoner Mannschaft zu einer der wichtigsten Hochzeiten des Jahres eingeladen war, standen die Chancen gut, dass weitere Sportler anwesend sein würden. Doch egal, wie gut Muskeln in Dreiteilern aussehen mochten, keine zehn Pferde würden mich auch nur in die Nähe eines Athleten bringen. Niemals, keine Chance. Meine Libido mochte verzweifelt sein, aber mein Kopf war es nicht. Ich hatte meine Lektion, was Sportler betraf, gelernt. Und es hat nur fünf Anläufe gebraucht, super, Jo.

Laute Stimmen im Hintergrund des Videochats rissen mich aus meinen Gedanken. Willow schnalzte mit der Zunge und ich verstand. Sie musste wieder ans Werk.

»Danke für die mentale Unterstützung.«

»Kein Problem. Falls du heiße Kerle siehst, schick mir Fotos. Ich könnte neue Inspiration für meine einsamen Nächte gebrauchen.«

Ich lachte auf. »Ich glaube, in diesen drei Nächten pro Jahr kommst du allein klar.«

»Es kann ja nicht schaden.« Sie zuckte mit den Schultern. »Viel Spaß auf der Hochzeit. Sag Bescheid, falls du etwas brauchst. Eine neue Runde mentale Unterstützung. Drogen. Einen Auftragskiller. Das Übliche eben.«

Ohne ein weiteres Wort legte sie auf. Willow liebte dramatische Abschiede.

»Schlampe«, krächzte Grayson.

Mit einem tadelnden Zungenschnalzen drehte ich mich zu ihm um. »Grayson, darüber haben wir schon gesprochen. Du sollst meine Freunde nicht beleidigen.«

Er raschelte mit den Flügeln, was seine tierische Version eines Schulterzuckens war. Kopfschüttelnd legte ich ihm ein paar Nüsse in seine Schale.

»Benimm dich, solange ich weg bin«, mahnte ich ihn, bevor ich meine Abendtasche von der kleinen Kommode im Flur nahm, die Wohnungstür hinter mir zuzog und die Treppe nach unten ging.

»Siehst gut aus, Boss«, ertönte eine Stimme, als ich das Erdgeschoss erreichte und ich drehte mich zu Sam um, der an der Verbindungstür zwischen dem Flur und dem eigentlichen Herzstück des kleinen Hauses stand. Meiner Konditorei.

Eine eigene Konditorei war schon seit meiner Kindheit mein Traum gewesen und der Grund, wieso ich die Kochschule mit einem Doppeldiplom als Konditorin und Managerin abgeschlossen hatte. Das Battersweet Symphony war mein ganzer Stolz und lief mittlerweile so gut, dass ich drei Leute einstellen konnte. Sam war neben Mila einer meiner zusätzlichen Konditoren und unglaublich talentiert, was Schokolade anging, während Julia sich um die Buchhaltung kümmerte, was mich enorm entlastete. Mila war meistens vorn im Verkaufsraum und bediente das Café, das zur Konditorei gehörte. Mit einem solch starken Team im Rücken konnte ich mich wieder hauptsächlich auf meine Kreativität konzentrieren.

Unser Hauptgeschäft machten wir mit Hochzeitstorten, aber das kleine Café, in dem wir jeden Tag frische Kekse, Torten und Kuchen anboten, war gut besucht, wovon ich mich immer wieder selbst überzeugte. Für heute hatte ich meinen inneren Kontrollfreak allerdings einsperren und Sam das Kommando überlassen müssen. Es war schwer für mich, auch wenn ich meinem Team blind vertraute. Ich fühlte mich, als hätte ich mein Neugeborenes aus den Händen gegeben, obwohl ich die Konditorei jetzt schon über fünf Jahre besaß.

»Danke«, sagte ich und drehte mich um mich selbst, wobei Sam mich genüsslich von oben bis unten musterte. In einem anderen Leben hätte ich mich wohl hemmungslos an ihn herangeschmissen. Er sah gut aus mit den blonden Haaren, die an der Seite kurz geschnitten waren und oben genau die richtige Länge hatten, um meine Hände darin vergraben zu können, und den blauen Augen. Er ging regelmäßig ins Fitnessstudio und war entsprechend gebaut. Und das Beste an ihm war, dass er kein Profisportler war. Aber es würde bei unserer harmlosen Flirterei bleiben. Ich vermischte das Geschäftliche nicht mit dem Vergnügen. Sam bildete da keine Ausnahme und das wusste er auch.

»Die Torte ist sicher angekommen, also schau nicht so angespannt«, mahnte er mich mit einem amüsierten Schmunzeln.

»Wir können wirklich keine schlechte Publicity gebrauchen.« Bei dem strengen Ton meiner Stimme verschwand Sams Lächeln sofort. Ich war nicht die Einzige, die Masons verletztes Ego beinahe alles gekostet hatte.

»Ich weiß, aber mach dir keine Sorgen. Das war nicht meine erste Lieferung.«

Ich nickte und setzte mit Mühe ein Lächeln auf, auch wenn es mir beim Gedanken an alles Bevorstehende schwerfiel. »Wenn es perfekt läuft, haben wir vielleicht bald wieder ein paar größere Kunden.«

»Das wird es, du wirst schon sehen.« Er klang zuversichtlicher, als ich mich fühlte, aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt für meine Zweifel. Sam verabschiedete mich mit einem aufmunternden Lächeln.

Ich verließ das Gebäude und setzte mich in das wartende Uber, das mich in ein Landhaus außerhalb Bostons brachte. Ich hatte schon viele schöne Hochzeitslocations gesehen, doch dieses Landhaus übertraf sie alle. Das musste einer der Vorteile sein, den Sohn des Bürgermeisters zu heiraten. Die Anbieter rissen sich förmlich darum, die Location zu stellen und Thea, die Braut, hatte sich einfach nur die schönste aussuchen müssen. Thea war vor etwa einem Jahr mit ihrem damals noch frisch Verlobten Jonah in meine Konditorei geschneit und hatte uns alle völlig überrumpelt. Nach dem Schaden, den Mason angerichtet hatte, hatten wir niemals mit solch prominenter Kundschaft gerechnet. Über die nächsten Wochen und Monate, in denen wir zusammen ihre Torte geplant hatten, hatten wir uns gut verstanden. So gut, dass sie mich zu den Feierlichkeiten nach der eigentlichen Hochzeit eingeladen hatte. Es war das Event der High Society in Boston und ich hatte die Hoffnung, dass sich unser öffentliches Image in diesen Kreisen nach der Hochzeit wieder aufbessern würde. Ich würde Thea ein lebenslanges Abo an Cupcakes schenken, wenn dem so wäre. Sie hatte uns diese Chance ermöglicht. Sie hatte den Gerüchten keinen Glauben geschenkt. Ich konnte sie nicht enttäuschen. Verdammt, ich konnte mich selbst nicht enttäuschen.

Dazu würde es nicht kommen.

Ich straffte die Schultern und reichte dem Security am Eingang des Landhauses meine Einladung. Er nickte knapp, öffnete mir die Tür und ich schlüpfte erleichtert in die wohlige Wärme des Foyers. Kaum war ich eingetreten, wurde mir von einem freundlich lächelnden Mann der Mantel abgenommen und in der Garderobe verstaut. Zumindest hoffte ich, dass er mit meinem Kleidungsstück den Gang hinunter in die Garderobe verschwand, ansonsten war der lächelnde Mann jetzt einhundertfünfzig Dollar reicher.

Ich folgte dem Geräusch von Stimmen und Gelächter und landete in einem riesigen Festsaal, der wirkte, als wäre Barbie hier explodiert. Zugegeben, eine geschmackvolle, erwachsene Barbie. Üppige Bouquets aus pinken und lila Blumen standen auf den großen, runden Tischen. Die Platzkärtchen waren pink, die Servietten waren pink und es hätte mich nicht gewundert, wenn der Bräutigam zu passender Unterwäsche genötigt worden wäre. Das Design an den Tischen wurde durch die weißen Tischdecken und Stuhlbezüge wieder ausgeglichen. Was den Bräutigam anging, war das Ganze nicht mein Bier.

Unweigerlich wurde meine Aufmerksamkeit von der langen Tischreihe an der Fensterfront des Saals angezogen, auf der die Cupcakes, Kuchen und das Herzstück der Feier, die Torte, schon bereitstanden. Ich atmete erleichtert auf. Sam hatte seinen Job gut gemacht. Die Torte wirkte von hier immer noch perfekt, allerdings würde ich sie vor ihrem großen Moment noch einmal genau unter die Lupe nehmen – nur, um sicherzugehen. Ich hatte keine Zweifel an Sams Fähigkeiten und seinem Perfektionismus, aber diese Torte war etwas Besonderes.

Zunächst jedoch stürzte ich mich ins Getümmel auf der Suche nach dem Brautpaar. Hier und da konnte ich ein paar bekannte Gesichter ausmachen, aus alten Zeiten, in denen ich mit Mason noch in solchen Kreisen verkehrt hatte, oder aus den Zeitungen. Auch wenn ich es nicht wollte, ich scannte immer wieder meine direkte Umgebung auf der Suche nach meinem Ex. Um ihn danach gekonnt zu ignorieren oder so schnell wie möglich in die andere Richtung zu laufen, wusste ich selbst nicht so genau. Doch noch konnte ich ihn nirgends entdecken. Ich war mir sicher, dass er kommen würde. Er hatte selten eine Gelegenheit ausgeschlagen, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Ich war erleichtert, weil ich noch etwas Schonfrist hatte, aber gleichzeitig wuchs die Anspannung in mir mit jeder Sekunde, in der ich seine Anwesenheit erwartete. Immer wieder ließ ich den Blick über die Menschenmenge schweifen, bereit, jederzeit in einer Traube von Gästen unterzutauchen, was mir durch die schier überwältigende Anzahl an Anwesenden ein Leichtes gewesen wäre. Gefühlt war halb Boston hier. Schon seit Wochen war die Hochzeit immer wieder in lokalen Zeitungen aufgetaucht. Man hätte meinen können, die Queen höchstpersönlich hätte geheiratet. Nicht hier aufzutauchen, war praktisch mit Hochverrat an der Krone gleichzusetzen.

Es dauerte einige Minuten, bis ich Thea und Jonah gefunden hatte und noch einige weitere, bis ich mich durch die Reihe der Gratulanten zu ihnen vorgekämpft hatte. Thea war eine umwerfende Braut in einem mit Spitze besetzten Prinzessinnenkleid. Funkelnde Steinchen zogen sich von ihren Schultern nach unten und ergossen sich wie ein Wasserfall über den Rock. Ihre blonden Locken waren zu einer aufwendigen Hochsteckfrisur gebunden, die mit pinken Blumen dekoriert war, und dunkle Schminke ließ ihre blauen Augen hervorstechen. Ein Blau, das Jonah offenbar mit seinem Anzug aufgegriffen hatte.

»Herzlichen Glückwunsch, ihr beiden.«

»Danke dir, aber sag das lieber nicht zu früh«, erwiderte Thea. Ich zog die Augenbrauen nach oben und schaute vom einen zum anderen. So früh schon Ärger im Paradies? Thea und Jonah waren mir immer wie das perfekte Paar vorgekommen. Doch Thea grinste verschmitzt und Jonah schüttelte nur amüsiert den Kopf, wobei ihm ein paar braune Strähnen in die Stirn fielen. »Wenn ich gewusst hätte, was du vorhast, hätte ich stattdessen die Torte geheiratet. Oh mein Gott, Jo, sie ist so wahnsinnig schön geworden!«

Ich lachte auf, während mir ein Stein der Größe meines Backofens vom Herzen fiel, und der wog fast siebenhundert Kilo und hatte mich über zwölftausend Dollar gekostet. Dieser Stein war verdammt wertvoll.

Ich wusste, dass ich gut war, aber die Bestätigung meiner Kunden war das Wichtigste, besonders in meiner Situation.

»Wo wir gerade davon sprechen«, setzte ich an, während die ungeduldige Person hinter mir begann, mit spitzen Ellenbogen zu kämpfen. »Ich sehe lieber noch einmal nach dem Rechten und überlasse euch euren anderen Gästen.«

»Jolene, die Torte ist perfekt, mach dir keine Gedanken«, beschwichtigte mich Jonah, aber ich winkte ab.

»Gehört zum Service«, flunkerte ich, hob die Hand und machte mich auf zu den Süßigkeiten. Natürlich stellte ich beim Ausliefern einer Torte immer sicher, dass alles noch an Ort und Stelle war, und nahm im Zweifelsfall ein paar Last-Minute-Schönheitsoperationen vor. Doch diese Torte hier war anders. Sie war mein Weg zurück in diese Welt. Sie musste überzeugen.

Ich durchquerte den Saal zur Tischreihe des Büfetts und musterte prüfend das Süßgebäck. Die Torte stand auf einem weißen Tortenständer, umringt von verschiedensten Kuchen und Unmengen von Cupcakes. Nach Theas Wünschen hatte ich das Farbschema der gesamten Hochzeit eingehalten und Buttercreme und Fondant in sämtlichen der Menschheit bekannten Rosatönen eingefärbt. Die Torte hatte sechs Schichten, alle mit Schokoladenkuchen und Himbeer-Buttercreme, die außen einen Farbverlauf von lila über rosa bis hin zu weiß in der obersten Schicht zeigten, wo eine wunderschöne, aus Holz geschnitzte Tortenfigur thronte. Theas beste Freundin Zoey hatte sie angefertigt, und sie ergänzte das Gesamtbild perfekt. Blüten aus Fondant in allen Formen und Größen ergossen sich wie ein Wasserfall über die gesamte Torte, und selbst nach einigen Minuten der kritischen Inspektion konnte ich keinen Fehler entdecken. Mein geschulter Blick wanderte über die Kuchen und schließlich über die Cupcakes, aber als ich auch hier kein Manko feststellen konnte, wandte ich mich zufrieden ab. Ich hatte mein Möglichstes getan.

»Das sind die besten Cupcakes, die ich je hatte«, hörte ich eine männliche Stimme neben mir seufzen, und mir lief ein Schauer über den Rücken. Ob wegen der Stimme selbst oder wegen des Kompliments, wusste ich nicht. Vermutlich eine Mischung aus beidem. Das Kompliment war nach den Strapazen der letzten Jahre eine Wohltat für meine Seele, aber die Stimme erweckte ganz andere Stellen in mir zum Leben. Sie war tief und samtig, und hätte ich es nicht besser gewusst, hätte ich geglaubt, mein Trommelfell erlebte einen Mini-Orgasmus.

Ich drehte mich zu der Stimme und beigefügtem Mann um und schaute höher, höher, noch ein bisschen höher. Wow. Er war gigantisch, im wörtlichen und übertragenen Sinne. Er überragte mich mühelos, obwohl ich meine höchsten Absätze trug, und selbst sein Anblick von hinten ließ ein aufregendes Flattern in meinem Bauch aufsteigen. Seine durchtrainierten Beine steckten in Anzughosen, die ihm wie auf den Leib geschneidert wirkten. Vermutlich waren sie das auch, wenn ich darüber nachdachte, bei welchem Klientel ich mich hier befand. Die Hose betonte einen Hintern zum Niederknien und wurde nur noch übertroffen von dem weißen Hemd, das sich über die breitesten Schultern spannte, die ich je gesehen hatte. Es flehte förmlich, zerrissen zu werden, und nur zu gern hätte ich ihm dabei geholfen.

»Jetzt kann ich glücklich sterben«, fügte der Mann an seinen Begleiter gewandt hinzu, auf den er mir mit diesen Elchschaufeln an Schultern die Sicht versperrte.

Ich konnte mir ein Lächeln nicht verkneifen. »Beherrschen Sie sich bitte. Ich will Sie nicht auf dem Gewissen haben.«

Der Mann drehte sich zu mir um. Oh verdammt. Der beeindruckende Anblick, den ich schon von hinten hatte? Von vorn war er einfach umwerfend. Tiefbraune Augen, umrahmt von langen Wimpern, musterten mich. Die dunklen Haare waren so kurz rasiert wie sein Bart, der seinen kantigen Kiefer bedeckte, und ich fragte mich, wie sich die Stoppeln auf meiner Haut anfühlen würden. Harter Kontrast zu seinen weichen, vollen Lippen. Sein warmer Hautton erinnerte mich an geschmolzene Milchschokolade, in Szene gesetzt durch sein strahlend weißes Hemd. Er hatte auf eine Krawatte verzichtet und unter dem ersten, geöffneten Knopf konnte ich die Linien eines Tattoos erkennen, das kunstvolle Muster auf seine dunkle Haut malte. Ich wusste, dass sich diese Tattoos über seinen ganzen Oberkörper zogen. Woher ich das wusste? Weil er Branden Jones war, Center der Boston Tigers.

Die Basketballsaison hatte vor etwa einem Monat angefangen und ganz Boston war im Tigers Fieber. Die Mannschaft hatte einen grandiosen Saisonstart hingelegt und war in ihrer Division mit über siebzig Prozent gewonnener Spiele momentan auf Platz eins, was nicht zuletzt auch an diesem Prachtexemplar von Mann lag, das direkt vor mir stand. Nicht umsonst war sein Spitzname in der Mannschaft Brick. An ihm vorbeizukommen, war praktisch ein Ding der Unmöglichkeit. Er war eine über zwei Meter große, athletische Wand aus Muskeln, und wenn ich ihn jetzt so vor mir sah, wollte ich ihn zu einem Match herausfordern, um seine Ziegelsteine aus der Nähe zu betrachten.

In seinen braunen Augen blitzte Interesse auf, während er seinen Blick langsam über mich gleiten ließ und damit ein Prickeln über meine Haut jagte. So blieb mir die Zeit, mir jeden Zentimeter dieses beeindruckenden Mannes genau einzuprägen und mich heute Nacht daran zu erinnern. Das plötzliche verlangende Ziehen in meinem Bauch ließ mich nach Luft schnappen.

Reiß dich zusammen, Libido. Wenn das Hemd nicht nachgibt, tust du es auch nicht.

»Sie haben die gemacht?«, fragte er schließlich und stellte den angebissenen Cupcake zur Seite.

Ich streckte ihm die Hand entgegen. »Jolene Gallavan. Konditorin.« Ich biss die Zähne zusammen, als er meine Hand in seine nahm. Sie wurde praktisch von seinen warmen, langen Fingern verschlungen und das Kribbeln in mir intensivierte sich ums Zehnfache. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht gewusst, dass ein Händedruck sexy sein konnte.

»Ich suche mal was zu trinken«, sagte eine weitere Stimme, und zum ersten Mal lenkte ich meine Aufmerksamkeit auf den anderen Mann, der uns allerdings schon den Rücken zugekehrt hatte. Selbst dann musste man nicht viel über die Tigers wissen, um den Mann als Zack Conner zu erkennen, den Kapitän der Mannschaft und Jones’ besten Freund, wenn man den Medien Glauben schenken konnte. Zack Conner war das Paradebeispiel eines optischen Leckerbissens im Sport – groß, muskulös, schwarze Haare und grüne Augen –, und es konnte einem die Schamesröte ins Gesicht treiben, wenn man sich online Kommentare durchlas, was manche Frauen mit diesem Mann anstellen wollten. Zack Conner war attraktiv im klassischen Sinne, nicht umsonst war er auf der Liste der Sexiest Men Alive gelandet. Aber von Branden Jones ging eine Anziehungskraft aus, der ich einfach nicht widerstehen konnte. Unwillkürlich kam ich noch einen Schritt auf ihn zu. Er lächelte. Anscheinend wusste er ganz genau, wie er auf mich wirkte.

»Jolene?«, hakte er nach und musterte mich erneut. »Waren deine Eltern Fans von Dolly Parton?«

Schmunzelnd zuckte ich mit den Schultern. Eins musste ich ihm lassen, Branden Jones hatte eine verdammt gute Auffassungsgabe. Meistens dauerte es etwas länger, bis Leute, die mich neu kennenlernten, die Verbindung zwischen meinem Aussehen und dem berühmten Song herstellten.

»Fans? Sobald ich von zu Hause ausgezogen bin, haben sie einen Schrein für Dolly in meinem alten Kinderzimmer errichtet.« Er lachte auf und kurz fragte ich mich, wie ein Lachen so attraktiv klingen konnte.

»Ich komme aus einer Kleinstadt am Shenandoah River. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft mir die Jungs Country Roads in der Kabine vorgespielt haben. Ich kann von Glück sagen, dass der Song nicht auch noch mein Spitzname in der Liga geworden ist.«

»Mein Name stand fest, sobald meine Mutter wusste, dass sie ein Mädchen bekommt. Der Rest ist ein seltsamer Scherz des Schicksals.« Ich deutete auf meine Haare und meine Augen, die sich der Verrücktheit meiner Mutter unterworfen hatten und exakt so geworden waren wie bei Dollys Jolene.

»Schon ein schweres Schicksal, mit deiner unvergleichlichen Schönheit«, zitierte Branden den Song.

Ich schüttelte den Kopf. »So habe ich das gar nicht gemeint, aber meine Haare …«

»Ich weiß«, unterbrach er mich. »Aber ich habe es so gemeint.«

»Oh.« Die Lust traf mich wie ein Schlag in die Magengrube. Bilder zuckten durch meinen Kopf. Wie ich sein Hemd weiter aufknöpfte und die Linien seines Tattoos mit der Zunge nachzeichnete. Seine Hände in meinen Haaren vergraben, meine Arme um seine breiten Schultern geschlungen, meine Beine um seine Hüften. Seine Finger, die einen Basketball winzig wirken lassen konnten, in mir. Seine dunkle Haut ein faszinierender Kontrast zu meiner blassen.

Sein leises, tiefes Lachen riss mich aus den Gedanken. Er wusste genau, woran ich gerade gedacht hatte. Hitze stieg mir in die Wangen und ich zwang mich dazu, von ihm zurückzuweichen. Ich musste hier weg. Noch nie hatte ich auf einen völlig Fremden so reagiert. Nicht einmal bei Mason und bei ihm hatte ich an Liebe auf den ersten Blick geglaubt. Ich hatte auf die harte Tour gelernt, dass ich mich geirrt hatte. Hatte ich aus meiner Vergangenheit mit Sportlern denn gar nichts gelernt? Branden Jones war gefährlich für mich. Zu gern ließ ich mich von einem athletischen Körperbau und einem umwerfenden Lächeln blenden.

»Schön, dich kennengelernt zu haben«, brachte ich heraus, drehte mich um und zwang mich, möglichst viel Abstand zwischen uns zu bringen. Ich spürte, wie sein Blick mir durch die Menge folgte, und ich bereute es beinahe, geflüchtet zu sein. Es ist besser so, redete ich mir ein, während ich immer noch versuchte, mein wild klopfendes Herz unter Kontrolle zu bekommen. Es kostete mich unglaubliche Willenskraft, mich nicht zu ihm umzudrehen. Selbst aus der immer größer werdenden Entfernung spürte ich seinen Effekt auf mich, und während der eine Teil in mir mich dazu aufforderte, so schnell wie möglich von ihm wegzukommen, bettelte der andere Teil darum, noch eine Weile in seiner Ausstrahlung verbringen zu dürfen. Ich würde ein dringendes Wörtchen mit meiner Selbstbeherrschung reden müssen, um diesen zweiten Teil zum Schweigen zu bringen.

Das dachte ich zumindest, bis ich an meinem Ziel, der Bar, ankam und meinem persönlichen Albtraum gegenüberstand. Mason. Jetzt bereute ich es definitiv, vor Branden geflüchtet zu sein. Ich wünschte mir mein rasendes Herz und das Kribbeln im Bauch zurück, denn kaum sah ich meinen Ex, wurde mein Herz kalt wie Eis und mein Bauch schwer, als hätte ich Steine verschluckt. Granit. Marmor. Der Küchentraum meiner schlaflosen Nächte. Das konnte ich von Mason nicht behaupten. Ich hatte mir diesen Moment, in dem ich ihn zum ersten Mal seit unserer Trennung wiedersah, schon tausendmal vorgestellt. Was ich zu ihm sagen wollte. Dass ich ihm beweisen wollte, dass er mich nicht zerstört hatte. Aber jetzt, wo ich ihm tatsächlich gegenüberstand, war ich so überwältigt von der Flut an Gefühlen, dass ich kein Wort herausbrachte. Ich hasste es, dass er noch immer gut aussah. So sehr hätte ich mir gewünscht, dass ihm die hellbraunen Haare ausgefallen waren und seine definierte Kieferpartie von den zahlreichen Tackles auf dem Footballfeld etwas weniger perfekt wäre. Dass seine manchmal fast Gold wirkenden Augen nicht die Erinnerungen an unsere guten Momente weckten – und all die schlechten.

Er grinste selbstgefällig, als er mich sah, und ich fragte mich, was ich jemals an diesem Grinsen attraktiv gefunden hatte. Obwohl ich immer noch wie erstarrt war, überkam mich ein übermächtiges Gefühl, ihm dieses Lächeln aus dem Gesicht zu schlagen. Ich hätte Willows Angebot für einen Auftragskiller annehmen sollen.

»Mason«, sagte ich schließlich und konnte mich gerade noch davon abhalten, bei diesem einen Wort das Gesicht zu verziehen.

»Jolene. Lange her.« Er nippte an seinem Whiskyglas, während er mich amüsiert musterte. Sogar die Art, wie er trank, kam mir mittlerweile arrogant vor.

»Nicht lange genug«, lag mir auf der Zunge, aber ich brachte es nicht über die Lippen. Willow behauptete immer, ich sei zu diszipliniert, was das anging, doch wir sprachen bei meiner besten Freundin immerhin von dem personifizierten Gegenteil des verbalen Filters. Man konnte Äpfel nicht mit Birnen vergleichen.

Also nickte ich nur und war schon fast an ihm vorbei, als er mich am Ellenbogen packte und zurückhielt. Seine Finger auf meiner Haut fühlten sich falsch an und ich riss mich aus seiner Berührung. Es war gerade einmal vier Jahre her, da hatte ich mich nach ihm verzehrt und hätte alles darum gegeben, dass er in der Öffentlichkeit seine Zuneigung zu mir zeigte. Jetzt wurde mir beim Gedanken an seine Umarmungen speiübel. In einer abwehrenden Geste hob er die Hände.

»Warum denn so schroff, Jo?«

»Ist das dein Ernst?«, zischte ich und fühlte mein Gesicht vor Wut heiß werden. »Nach allem, was passiert ist, soll ich so tun, als wären wir noch gut miteinander?« Unglaublich. Wie hatte ich es fünf Jahre mit ihm ausgehalten? Er besaß die Empathie eines Nudelholzes.

»Vorsicht«, erwiderte er drohend. »Ein Wort von mir, ein Post von mir und deine ganze Karriere geht den Bach runter.«

Mir gefror das Blut in den Adern, als er die Drohung aussprach. Genau das hatte ich befürchtet. »Du kannst mich nicht ruinieren.«

Er lachte auf. »Süße, das habe ich schon längst. Sieh dich doch nur an.« Er musterte mich langsam von oben bis unten und verzog dann den Mund, als hätte er eine Kakerlake gesehen. »Du hast schon besser ausgesehen. Schläfst du schlecht, seit du weißt, dass ich nur mit den Fingern schnipsen muss und schon verlierst du alles, wofür du so hart gearbeitet hast?« Er schnalzte mit der Zunge und schüttelte in gespieltem Bedauern den Kopf. »Armes Mäuschen. Ich möchte wirklich nicht in deiner Haut stecken.«

Er strich mir mit dem Zeigefinger über die Wange, bevor er mich innerlich brodelnd stehen ließ. Leere Drohungen. Es mussten leere Drohungen sein. Wir hatten uns über drei Jahre lang nicht mehr gesehen, welchen Grund sollte er haben … aber Mason hatte noch nie einen Grund für irgendetwas gebraucht.

Wäre es doch besser gewesen, gar nicht zur Hochzeit zu kommen? Doch sie war mein Ticket zurück in die High Society und ich hatte Thea nicht enttäuschen wollen. Ich hätte ahnen müssen, dass Mason die Sache nicht auf sich beruhen lassen würde. Ich hätte mich besser auf eine Begegnung mit ihm vorbereiten sollen. Doch wie bereitete man sich auf das Unberechenbare vor?

Ich war versucht, ihm hinterherzulaufen und ihm genau zu sagen, wohin er sich seine Drohungen stecken konnte, aber bevor mein Gehirn diesen Gedanken überhaupt zu Ende gebracht hatte, war Mason schon längst in der Menge verschwunden. Wie vor drei Jahren stand ich belämmert da und hatte es wieder einfach über mich ergehen lassen. Ich war wütend auf mich selbst, weil ich von unserer plötzlichen Begegnung und seinen harschen Worten nach all der Zeit so geschockt war, dass ich nicht schneller reagiert hatte.

Ein Shotglas tauchte vor meinem Gesicht auf und mein Blick zuckte zu Branden, der wie durch Magie neben mir aufgetaucht war.

»Sieht so aus, als könntest du den gebrauchen«, bemerkte er und nickte zu dem Glas. Oh verdammt. Wie viel von meinem Gespräch mit Mason hatte er mitbekommen? Offenbar genug, um zu wissen, dass gegen diese Art von Schock nur Alkohol half. Es war mir peinlich, auch wenn ich nicht genau wusste, warum. Das Gespräch mit Mason hatte eindeutig auf großes Drama in meinem Leben hingewiesen und ich wollte nicht, dass das Brandens ersten Eindruck von mir in irgendeiner Weise negativ beeinflusste. Seine Aufmerksamkeit, seine Komplimente, hatten sich gut angefühlt und obwohl ich nur Minuten zuvor noch weggelaufen war, verzehrte ich mich jetzt nach mehr davon. Besonders nach dieser Begegnung mit Mason, die dazu im größtmöglichen Kontrast stand.

Oh Himmel, meine eigene Gedanken- und Gefühlswelt machte mich fertig. Bevor ich noch länger darüber nachgrübeln konnte, nahm ich das Glas an und trank es mit einem Schluck aus. Der Alkohol brannte in meiner Kehle, doch er half mir dabei, nach dieser Begegnung wieder ein anderes Gefühl als Beklommenheit und Kälte zu spüren.

»Geht auf mich«, fügte er hinzu.

»Die Getränke hier sind kostenlos.«

»Ich weiß, aber wenigstens lächelst du jetzt wieder.«

Erst da realisierte ich, dass er recht hatte, und mein Herz setzte einen Schlag aus. Es hatte mir keine zehn Minuten zuvor noch Angst eingejagt, doch nun hieß ich das Gefühl willkommen. Alles war besser als der toxische Gefühlscocktail von gerade eben.

»Willst du darüber reden?«

Ich kannte ihn nicht und trotzdem hörte sich das Angebot nicht seltsam an. Ich hatte das Gefühl, dass Branden ein verdammt guter Zuhörer war und niemanden vorschnell verurteilte. Außerdem spürte ich eine seltsame Vertrautheit zwischen uns, als würden wir uns schon ewig kennen. War er nicht genau im richtigen Moment nach Masons Verschwinden aufgetaucht und hatte praktisch meine Gedanken gelesen?

»Absolut nicht.«

»Okay, dann lass mich dir nur noch sagen, dass mir das von vorhin leidtut. Ich wollte nicht, dass du dich in meiner Gegenwart unwohl fühlst.«

Ich sah zu ihm und für einen kurzen Moment versank ich im tiefen Braun seiner Augen. Sie waren warm und einladend und ich wettete, dass ich alles um mich herum vergessen könnte, wenn er mich so ansah und ich es nur zulassen würde. Unwillkürlich fiel mein Blick auf seine Lippen. Sie wirkten weich und mich überkam die unumstößliche Erkenntnis, dass Branden verdammt gut küssen konnte. Ich wusste es, ohne jemals auch nur in die Nähe seiner Küsse gekommen zu sein. Mit einer solchen Gewissheit, mit der ich auch wusste, dass der Himmel blau war. Und alles in mir drängte mich dazu, einen von Brandens Küssen zu probieren.

Mit einem frustrierten Seufzen strich er sich mit der Hand über den Kopf, wodurch meine Aufmerksamkeit natürlich auf seine starken Arme und breiten Schultern gelenkt wurde. War es vertretbar, ihn einfach zu fesseln, damit er sich nicht mehr bewegen konnte und meine Libido sich entspannte?

»Du sendest mir gemischte Signale und ich weiß nicht, welche davon ich ignorieren soll, auch wenn ich ganz genau weiß, welche davon ich ignorieren will. Erst flirtest du mit mir, dann rennst du praktisch weg, um mich danach so anzusehen?«

Seine Ehrlichkeit war wahnsinnig anturnend. Als stünde ich nicht ohnehin schon kurz davor, ihn in aller Öffentlichkeit zu bespringen.

Gespielt nonchalant zuckte ich mit den Schultern und antwortete mit der gleichen Ehrlichkeit.

»Du bist attraktiv, das weißt du auch. Das heißt aber nicht, dass von meiner Seite aus etwas daraus werden muss.«

Er neigte den Kopf in stiller Zustimmung. »Lass es mich wissen, sobald du dich entschieden hast.« Sein Zwinkern und sein Lächeln waren völlig unbekümmert. Kein verletztes Ego, keine aufgeplusterten Federn. Nach Mason fand ich das extrem erfrischend.

»Nachdem ich meine Liste von attraktiven Männern abgearbeitet habe«, erwiderte ich lachend.

»Immer wieder schön zu hören, dass man eine Priorität ist.«

Wir lächelten uns einen Moment lang an. Für zwei eigentlich Fremde viel zu vertraut. Viel zu intensiv. Branden öffnete den Mund, wurde aber im gleichen Moment von einer aufgeregt wirkenden Frau angesprochen. Mit einem entschuldigenden Lächeln in meine Richtung widmete er ihr seine Aufmerksamkeit, was mir die Zeit ließ, ihn ungestört zu betrachten. Er war attraktiv, ja. Die breiten Schultern, starken Oberarme und seine markanten Gesichtszüge wirkten sicherlich auf viele sexy. Aber es war noch mehr. Eine Aura, die ihn umgab und die mich dazu drängte, in seiner Nähe zu sein. Eine Woge von Sicherheit hüllte mich ein, doch ich wusste nicht, ob ich dem Gefühl vertrauen konnte oder ob wieder mal meine Menschenkenntnis versagte. Eine Stimme in mir flüsterte jedoch, dass Branden kein hinterlistiger Mensch war. Allein die Art, wie er geduldig der Frau antwortete, die ihn über sämtliche Spielzüge seiner Karriere ausfragte, verriet einiges über ihn. Für Mason waren Interaktionen mit Fans immer eine lästige Pflicht gewesen, aber obwohl mir Branden hin und wieder ein entschuldigendes Lächeln zuwarf, unterbrach er die Frau nie.

Es dauerte einige Minuten, bis er sich schließlich loseisen konnte.

»Tut mir leid. Ich hatte gedacht, dass so etwas bei so vielen anwesenden Prominenten nicht passieren würde.« Er lächelte verlegen.

»Wirst du oft von Fans angesprochen?«

»Ab und zu. Normalerweise ist es kein Problem für mich. Fans gehören dazu und ohne sie wäre die Mannschaft nichts. Da sind ein paar gewechselte Worte, Autogramme und Fotos das Mindeste.« Er seufzte, als ob das, was er als Nächstes sagen würde, ihm schwer zu schaffen machte. »Aber zugegeben, hasse ich den Small Talk.«

Ich schnaubte. »Wer tut das nicht? Es ist so unecht. Niemand will wirklich über das Wetter reden, wir fühlen uns nur alle verpflichtet, miteinander zu kommunizieren.«

»Kommuniziere mit mir, so viel du willst, aber erzähl mir irgendetwas mit Inhalt«, fügte er nickend hinzu. Er hielt einen Moment inne und betrachtete mich, wodurch ich mir meines Körpers überdeutlich bewusst wurde. Meines hämmernden Herzschlags, weil seine Aufmerksamkeit sich so gut anfühlte. Meiner schnellen Atmung, nur weil er mich so ansah. Dem Prickeln auf meiner Kopfhaut und dem Kribbeln im Bauch. Und im nächsten Moment wusste ich, dass es Branden genauso ging. Ich konnte seinen Körper lesen, wie er meinen las. Ich bildete mir ein, seinen kräftigen Herzschlag spüren zu können, obwohl wir einen halben Meter auseinanderstanden. Das Drängen in ihm ein Spiegelbild zu meinem. »Also, wie sieht es aus?«

Ich blinzelte ihn verwirrt an. »Wie sieht was aus?«

»Wir machen einen Deal. Nur heute, auf dieser Hochzeit. Kein Small Talk, nur Gespräche mit Substanz. Nur ehrliche Antworten.«

Für einen Moment starrte ich ihn an. Meinte er das ernst? Wieso gerade ich? Natürlich, die Anziehungskraft zwischen uns beruhte auf Gegenseitigkeit, aber das war noch lange kein Grund, einen solchen Deal vorzuschlagen. Machte er das auf jedem Event? War ihm einfach langweilig und ich erschien ihm wie ein adäquater Zeitvertreib? Oder fühlte er sich in meiner Nähe auch sicher, als könnte nichts diese seltsame Verbindung zwischen uns auseinanderbringen? Ich wusste, dass ich auf all diese Fragen Antworten bekommen würde – ehrliche noch dazu – wenn ich mich auf sein Spiel einließ. Aber was war mit seinen Fragen an mich? Würde diese ganze Sache nach hinten losgehen und mich in den Arsch beißen?

»Was ist mit Fragen, die ich nicht beantworten will?«, fragte ich.

»Ich möchte dir das nicht erzählen, ist ehrlich genug für mich.« Er lehnte sich mit der Hüfte gegen die Bar und gab dem Barkeeper ein Zeichen für einen weiteren Drink, während er auf meine Antwort wartete.

Was soll schon passieren, fragte die eine Stimme.

Pass bloß auf, du kennst ihn gar nicht, erwiderte die andere, aber sie wurde immer leiser. Ich fühlte mich schon so lange einsam, hungerte förmlich nach einer menschlichen Beziehung, die nicht nur auf einem gemeinsamen Arbeitsumfeld beruhte. Seit ich nach Boston gekommen war, sah ich meine Eltern kaum noch, und Willow erreichte ich meistens nur für ein kurzes Gespräch in ihrer Pause.

Ich fühlte mich nicken, bevor meine Gedanken überhaupt zu einem Entschluss gekommen waren.

»Okay. Deal.«

Kapitel 2

Jolene

Während ich mit Branden zusammen an der Bar stand und die Leute um uns herum beobachtete, wurde mir klar, dass mir eine ganze Welt offen stand. Jeder Journalist hätte wahrscheinlich getötet für die Möglichkeit, einen Starathleten zu interviewen und nur ehrliche Antworten zu erhalten. Ich nahm mir vor, einen möglichst großen Bogen um die heute anwesenden Pressevertreter zu machen. Branden hatte in dieser Situation mindestens genauso viel zu verlieren wie ich, und das beruhigte die restlichen Zweifel in mir.

Branden wartete geduldig, nippte ab und zu an seinem Glas, aber er ließ mir den Vortritt, ließ mich bestimmen, in welche Richtung das Ganze führen sollte.

»Machst du das oft? Diese Ehrlichkeits-Masche.«

Er schüttelte den Kopf. »Das ist das erste Mal.«

»Warum ich?«

Er drehte sich zu mir, und wieder einmal war ich überwältigt von der schieren Breite seiner Muskeln. In Kombination mit dem verschmitzten Lächeln im Gesicht fand ich ihn unwiderstehlich.

»Ich finde dich unglaublich sexy und du machst die besten Cupcakes der Welt. Das macht dich praktisch zu meinem Kryptonit.«

Ich versuchte, die plötzliche Hitze in mir mit einem Lächeln zu überspielen. »Hm, Superman. Henry Cavill würde ich auch nicht von der Bettkante stoßen.«

Branden zog eine Braue in die Höhe. »Also gibt es tatsächlich eine Liste?«

Ich zuckte mit den Schultern und trank von meinem Cocktail, um mein verräterisches Grinsen zu verbergen. »Eine Frau darf ja wohl noch träumen.«

Mit verengten Augen taxierte er mich. »Steht Henry Cavill auf der Liste vor oder nach mir?«

»Wer sagt, dass du überhaupt auf der Liste bist?«

Er legte den Kopf in den Nacken und lachte herzhaft, was unglaublicherweise sämtliche Härchen auf meiner Haut zum Stehen brachte. Was war es nur mit diesem Mann und seinem Lachen? »Ich dachte, wir wollten ehrlich zueinander sein.« Mit einem Schmunzeln auf den Lippen nickte er zu meinen nackten Armen. Wenn ich ihn nicht so attraktiv gefunden hätte, wäre es gruselig gewesen, wie gut er meine Reaktion auf ihn einschätzen konnte. Dämliche Libido. Ich würde garantiert irgendwann einem attraktiven Serienmörder zum Opfer fallen.

»Eindeutig vor Henry Cavill«, gab ich zu, was mir ein triumphierendes Lächeln seinerseits einbrachte. »Was ist mit deiner Liste? Wer ist da drauf?«

»Zack Conner, natürlich.«

Ich lachte auf. »Nur weil er dein bester Freund ist. Ich glaube, Zack Conner ist auf der Liste aller Anwesenden.«

Branden schnalzte bedauernd mit der Zunge. »Ich glaube aber, Zacks Liste ist mittlerweile auf eine Person eingegrenzt.« Lächelnd nickte er zur Tanzfläche, wo Zack eng umschlungen mit einer Frau tanzte. Okay, mehr als tanzte.

Nehmt euch ein Zimmer.

Offenbar hatten sie auch genau das vor, denn sie lösten sich wieder voneinander und Zack zog die Frau mit festen Schritten hinter sich her aus dem Festsaal hinaus. Branden jubelte, als sie an uns vorbeieilten, und ich erhaschte einen Blick auf das hochrote Gesicht von Zacks Begleitung. Ich sog scharf die Luft ein.

»Ist das nicht Theas beste Freundin, Zoey?« Trotz meiner Nachfrage war ich mir ziemlich sicher, die braunen Haare und blauen Augen erkannt zu haben. Immerhin hatten wir uns im Laufe des letzten Jahres ab und an getroffen, um das Design der Torte und der hölzernen Tortenfigur aufeinander abzustimmen.

Branden nickte, beinahe schon stolz. »Scheint, als hätten sie sich wieder zusammengerauft.«

»Klingt so, als wäre das eine interessante Geschichte.«

»Ist es. Aber es liegt nicht an mir, sie zu erzählen.«

Schmollend schob ich die Unterlippe vor und Brandens Aufmerksamkeit verharrte eine Sekunde zu lange auf meinem Mund.

»Was ist mit deinen interessanten Geschichten? Mason Wright?«

Ich seufzte und debattierte mit mir, ob ich ihm das ganze Desaster nun erzählen wollte oder nicht. Das Thema brachte mich emotional an den Rand des Wahnsinns und ich hatte vorhin aus gutem Grund nicht darüber sprechen wollen. Aber in Anbetracht unseres Deals jetzt? Es würde sicherlich guttun, sich die ganze Geschichte von der Seele zu reden. Doch ich konnte einfach nicht. Allerdings konnte ich aus irgendeinem Grund auch nicht Nein zu Branden sagen. Ich entschied mich schließlich für eine stark gekürzte Fassung.

»Ex-Freund. Ich war total verknallt und bin in Boston geblieben, um mit ihm zusammen sein zu können. Die rosarote Blase ist allerdings nach ein paar Jahren geplatzt und ich musste einsehen, dass unsere Beziehung alles andere als perfekt war. Er hatte immer Angst um sein Image und was für eine Außenwirkung die Beziehung zu einer gewöhnlichen Konditorin wohl haben könnte. Verdammt, er wollte mir nicht einmal Tampons vom Einkaufen mitbringen, weil er Angst hatte, wie das wirken würde. Niemand hätte jemals gedacht, sie wären für ihn gewesen.« Ich schüttelte den Kopf, während ich mein Hirn daran hinderte, sich an jeder kleinen Erinnerung der letzten Jahre aufzuhängen. »Es wurde immer schlimmer und irgendwann fühlte ich mich eher wie eine heimliche Affäre statt seine feste Freundin, also habe ich die Reißleine gezogen. Das hat sein Ego nicht gut vertragen.« Das folgende Drama ließ ich aus meiner Erzählung aus. Es war überall in den sozialen Medien. Wahrscheinlich wusste Branden ohnehin schon längst, was los gewesen war.

»Mason ist ein Trottel«, erwiderte Branden bloß.

»Willst du mir erzählen, dass dir dein öffentliches Image nicht wichtig ist?« Ich runzelte die Stirn, weil ich mehr als skeptisch war. Meiner Meinung nach gab es nur sehr wenige Menschen auf der Welt, denen es wirklich vollkommen egal war, was andere von ihnen hielten, gerade wenn sie in der Öffentlichkeit waren oder ein eigenes Geschäft besaßen. Image war alles.

»Wenn es um die Person geht, die ich mehr als alles auf der Welt lieben sollte? Dann ja. Mir doch völlig egal, wenn mich die Presse als verweichlicht bezeichnet, nur weil ich Einkäufe für meine Freundin erledige. Wichtig ist, was meine Familie und Freunde von mir denken, und dass ich meine Leistung auf dem Platz bringe. Das sollte für sich sprechen und nicht die angeblich skandalösen Geschichten der Klatschpresse.«

Das überraschte mich. Durch Mason hatte ich einige Sportler kennengelernt und keiner von ihnen hatte jemals eine solche Aussage getroffen wie Branden. Sein leidenschaftlicher Tonfall verriet mir, dass das nicht nur leeres Gerede war. Er meinte es tatsächlich ernst und ich fand es unheimlich anziehend.

»Heirate mich«, flüsterte ich scherzhaft.

»Und Thea und Jonah die Show stehlen? Lass uns wenigstens noch bis morgen warten.«

»Ich hätte ohnehin nichts zum Anziehen.«

Brandens Blick wanderte genüsslich über mich und setzte damit ganz nebenbei meine Haut in Brand. »Strandhochzeit in Badeklamotten?«

»Kommt Henry Cavill dann auch?«

Tatsächlich knurrteer. »Pass auf, was du sagst, bevor ich dich zum Schweigen bringen muss.«

»Wie denn?«

Er verlagerte sein Gewicht und war mir jetzt so nah, dass ich seine Körperwärme spüren konnte. Er leckte sich über die Unterlippe, und meine Knie gaben fast nach, doch bevor er mir detailliert schildern konnte (hoffentlich), wie er mich um den Verstand küssen würde (danke, gern), tönte die Stimme des DJs über die Lautsprecher und zerstörte den Moment. Enttäuscht wich ich etwas vor Branden zurück, wurde aber gleich darauf abgelenkt, als das Wort