Boston Tigers - Rebound Heart - Sasha Reed - E-Book
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Boston Tigers - Rebound Heart E-Book

Sasha Reed

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Beschreibung

Sara hat es geschafft, den heißbegehrten Job als Physiotherapeutin bei den Boston Tigers zu ergattern. Doch was wie ein Traum beginnt, wird schnell komplizierter als gedacht. Denn zwei Männer aus dem Team wirbeln ihre Welt durcheinander: Nick, ihre erste große Liebe, der plötzlich als neuer Spieler auftaucht und mit seiner bloßen Anwesenheit alte Wunden aufreißt. Und Greg, auf den sie schon lange ein Auge geworfen hat.

Als Nick Sara nach all den Jahren gegenübersteht, trifft ihn die Vergangenheit mit voller Wucht. Er hat nie aufgehört, sie zu lieben - und bereut es nach wie vor, sie damals verlassen zu haben. Doch ihm entgeht nicht, dass sich etwas zwischen Sara und Greg zu entwickeln scheint.

Felsenfest davon überzeugt, dass Sara zu ihm gehört, heckt er einen Plan aus, um ihr die Augen zu öffnen und seinen Fehler von damals wiedergutzumachen.

Ein heißer Basketballer und eine ambitionierte Physiotherapeutin mit gemeinsamer Vergangenheit - die perfekte Mischung für eine spicy Second-Chance Liebesgeschichte! Band 3 der Basketball-Romance-Reihe von Sasha Reed.

Weitere Titel der Reihe:

Boston Tigers - Fast Break Kiss
Boston Tigers - Defense Desire
Boston Tigers - Play Off for Love
Boston Tigers - Christmas Touch
Boston Tigers - Crossover Feelings

Bei diesem Roman handelt es sich um eine vollständig überarbeitete Ausgabe des Titels »Overtime«.

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Seitenzahl: 411

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

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Grußwort des Verlags

Über dieses Buch

Titel

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Über die Autorin

Weitere Titel der Autorin

Impressum

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Über dieses Buch

Sara hat es geschafft, den heißbegehrten Job als Physiotherapeutin bei den Boston Tigers zu ergattern. Doch was wie ein Traum beginnt, wird schnell komplizierter als gedacht. Denn zwei Männer aus dem Team wirbeln ihre Welt durcheinander: Nick, ihre erste große Liebe, der plötzlich als neuer Spieler auftaucht und mit seiner bloßen Anwesenheit alte Wunden aufreißt. Und Greg, auf den sie schon lange ein Auge geworfen hat.

Als Nick Sara nach all den Jahren gegenübersteht, trifft ihn die Vergangenheit mit voller Wucht. Er hat nie aufgehört, sie zu lieben - und bereut es nach wie vor, sie damals verlassen zu haben. Doch ihm entgeht nicht, dass sich etwas zwischen Sara und Greg zu entwickeln scheint.

Felsenfest davon überzeugt, dass Sara zu ihm gehört, heckt er einen Plan aus, um ihr die Augen zu öffnen und seinen Fehler von damals wiedergutzumachen.

Ein heißer Basketballer und eine ambitionierte Physiotherapeutin mit gemeinsamer Vergangenheit - die perfekte Mischung für eine spicy Second-Chance Liebesgeschichte! Band 3 der Basketball-Romance-Reihe von Sasha Reed.

SASHA REED

Rebound Heart

Kapitel 1

Sara, heute

Es gibt Momente im Leben, in denen man sich fragt, wie zum Geier bin ich hierhergekommen? Das hier war einer davon. In meiner engsten Leggings, den Hintern in die Höhe gestreckt mit zwölf stöhnenden verschwitzten Männern in einem Raum. Einer davon war mein überfürsorglicher Bruder, zu seiner Linken meine erste große Liebe aus der Highschool und zu seiner Rechten der Mann, dem ich seit Monaten hinterherlief. Klingt nach Chaos? Ihr habt ja keine Ahnung.

Ich ahnte noch nichts von alldem, als ich im Dezember auf den Spielerparkplatz des Wing Stadiums fuhr. Ich war in den letzten Jahren schon unzählige Male hier gewesen, wann immer ich in Boston zu Besuch war, um meinen Bruder vom Training oder einem Spiel abzuholen. Er war Spieler bei den Boston Tigers, und seit ich denken konnte, war Basketball das, was unsere Familie zusammenhielt. Corbin spielte schon jahrelang in der Liga und je älter ich geworden war, desto besser hatte ich seine Mitspieler kennengelernt, ob nach den Spielen, vor den Trainings oder bei offiziellen Veranstaltungen. Ich kannte die Jungs und fühlte mich wohl bei ihnen, aber heute war ich zum ersten Mal nervös, als ich aus meinem Auto stieg und auf die große verglaste Doppeltür zuging. Diesmal holte ich nicht Corbin ab. Diesmal war ich meinetwegen hier.

Statt, wie sonst immer, den Gang entlang in die verworrenen Katakomben des Stadions in Richtung der Kabinen zu gehen, stieg ich mit einem ganzen Hummelnest im Hintern in den Aufzug neben der Tür und fuhr nach ganz oben. Zu meinem hoffentlich letzten Bewerbungsgespräch.

In den letzten Wochen war ich den reinsten Marathon gelaufen, um bei den Tigers auch nur in Erwägung gezogen zu werden. Ich hatte bis in die letzte Runde durchgehalten und war der Meinung, dass ich allein dafür schon eine riesige Portion Eiscreme verdiente. Mit Sahne. Und einer saftigen Kirsche obendrauf. Oder einem ganzen Kirschbaum. Ich glaubte mittlerweile, dass es schwieriger war, bei der NBA unterzukommen als Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

Physiotherapeutin bei der aktuell besten Mannschaft in der NBA zu sein, war für viele ein Traum, und zugegeben, Geld dafür zu bekommen, muskulöse junge Typen zu betatschen, klang verdammt gut. Aber der Gedanke, für das Team zu arbeiten, in dem mein Bruder spielte, bereitete mir Magenschmerzen. Wahrscheinlich war es ohnehin anmaßend, mich direkt nach meinem Abschluss für ein NBA Team zu bewerben. Aber ich war gut, hatte meinen Bachelor und meinen Doctor of Physical Therapy mit Bestnoten abgeschlossen. Ich hatte zehn verschiedene Empfehlungsschreiben von Professoren, Physiotherapeuten und Ärzten. Die Footballer in Pittsburgh hatten mich während meiner Assistenzzeit liebevoll ihren Zauberzwerg genannt. Das alles sprach für mich und trotzdem hatte ich Sorge, dass nur meine Verwandtschaft zu einem der Spieler ausschlaggebend war.

Jeder im Team wusste, dass ich Corbins kleine Schwester war, auch wenn wir nicht unterschiedlicher hätten sein können. Die Aufteilung der Erbanlagen unserer Eltern war, optimistisch ausgedrückt, sehr einseitig. Vielleicht lag es daran, dass zwischen Corbins und meiner Geburt zwölf Jahre lagen und die Gene unserer Eltern sich in der Zwischenzeit komplett umgepolt hatten. Corbin war gigantisch, ich konnte aufrecht unter Tischen durchlaufen. Corbin war ruhig und handelte überlegt, ich konnte die Klappe nicht halten und meine Impulskontrolle war praktisch nicht vorhanden. Corbin war schon in der Highschool ein unglaubliches Talent gewesen, ich hatte zu meiner Schulzeit so viel Mist gebaut, dass mein Vater nicht mehr gewusst hatte, wie er mit mir umgehen sollte. Ein guter Job würde diesen Ärger meiner Vergangenheit vielleicht wettmachen.

Ich war erst frisch mit meiner Assistenzzeit in Pittsburgh fertig und seitdem auf Jobsuche. Noch hatte ich nichts Passendes gefunden, und vielleicht konnte ich es mir nicht erlauben, so wählerisch zu sein. Luxusprobleme wie Miete zahlen, essen und überleben sprachen dagegen. Ganz zu schweigen von den fetten Studienschulden, die ich mir die letzten Jahre über angelacht hatte. Aber ich hatte nicht ein stressiges Jahr meines Lebens für die Footballstars der University of Pittsburgh geopfert, um jetzt Rentnern am Knie rumzufummeln.

Mit dem Öffnen der Aufzugtüren im obersten Stock sprach ich mir Mut zu. Ich verdiente diesen Job, egal, ob ich mit einem Spieler verwandt war oder nicht.

Fast drei Stunden später kam ich zurück in die kleine Wohnung, die ich mir mit meiner besten Freundin Rachel teilte. Dieses letzte Gespräch war so praxisorientiert gewesen, dass es mich nicht gewundert hätte, wenn der Personalchef sich währenddessen das Karohemd vom Oberkörper gerissen und nach einer Demonstration meiner Künste verlangt hätte. Vielleicht hätte ich ihm doch eine Nippelmassage anbieten sollen, um das Ganze zu beschleunigen.

Rachel wartete direkt hinter der Tür auf mich, in einer Hand eine Flasche Sekt, in der anderen eine Flasche Wodka. Auf meine fragend hochgezogene Braue hin zuckte sie mit den Schultern.

»Ich wollte für alle Eventualitäten gewappnet sein. Also, welche Flasche brauchen wir?«

Ich hängte meinen Mantel an die Garderobe. »Ich weiß nicht, was trinkt man denn, wenn man gerade einen Traumjob ergattert und den Vertrag unterschrieben hat, aber sich nicht sicher ist, ob das eine gute Entscheidung war?«

Rachel hielt die Flaschen auf Augenhöhe, schaute von einer zur anderen und schnalzte schließlich mit der Zunge. »Beides, schätze ich.«

»Ich hole die Gläser.«

Wir trafen uns in der Küche wieder und ich wartete, bis Rachel jeweils zwei Gläser Sekt und zwei Gläser Wodka eingeschenkt hatte und kippte als Erstes den Schnaps.

»Du bist bei der besten Basketballmannschaft des Landes untergekommen und das direkt nach deinem Abschluss. Mit deinem bevorstehenden Gehalt kannst du dir eine eigene Wohnung leisten, die weniger einer Bruchbude gleicht, und du wirst dafür bezahlt, den ganzen Tag in Jogginghose herumzulaufen und muskulöse Kerle anzufassen. Warum wirkst du alles andere als glücklich?«

Ich griff nach dem Sekt und trotz meiner verworrenen Gedanken musste ich lächeln. Rachel hatte alle Vorteile dieses Jobs auf den Punkt gebracht. Aber es gab einen riesigen Haken an der Sache.

»Hast du in letzter Zeit etwas von den Transfergerüchten mitbekommen?«

Rachel warf sich die dunklen Haare über die Schultern. »Du weißt, dass ich mich nicht die Bohne für Sport interessiere.«

»Den Gerüchten zufolge will Bostons Cheftrainer, Luis Alvarez, unbedingt Nick verpflichten.«

Ihr Blick zuckte zu meinem und ihre braunen Augen weiteten sich. Ich sah das Entsetzen darin, das mich überkommen hatte, als ich zum ersten Mal von diesen Gerüchten erfahren hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich schon längst bei den Tigers beworben und war zu den ersten Gesprächen eingeladen worden. Ein Rückzug aus der Situation war nicht mehr möglich gewesen, ohne das Gesicht zu verlieren.

»Nick? Nick Parker?«

Ich nickte und nippte an meinem Sektglas, während jetzt Rachel ihren Kurzen kippte. Rachel und ich waren zusammen mit Nick in die gleiche Klasse gegangen und sie hatte unsere Eskapaden und alles, was danach passiert war, direkt miterlebt. Sie war nach der Highschool für mich da gewesen, im Gegensatz zu Nick. Ich hatte mich stundenlang bei ihr ausgeheult, meilenweit von allen entfernt, und als ich mein Zertifikat der University of Pittsburgh in den Händen gehalten hatte, hatte mich nichts davon abhalten können, nach Boston zu kommen, wo Rachel als Fotografin arbeitete.

»Aber es sind nur Gerüchte«, sagte sie. »Nur weil der Trainer Nick unbedingt will, heißt das nicht, dass er ihn auch bekommt.«

»Hast du überhaupt eine Ahnung, wie Transfers funktionieren?«

»Nein, aber ich stelle mir vor, dass es wie Onlinedating ist.«

»Sie können sich nur unterhalten, wenn beide nach rechts gewischt haben?«

Rachel nickte. »Und selbst dann kann es sein, dass der, den du am meisten willst, nicht antwortet.«

Ich lachte auf. »Coach Alvarez ist im NBA-Tinder derjenige, dem alle ein Super-Like geben. Glaub mir, ihm würde jeder antworten.«

»Aber vielleicht nur für einen One-Night-Stand, weil es für mehr nicht passt.«

Ich schnaubte in meinen Sekt. »Nick und die Boston Tigers sind das Traumpaar, das nach zwei Monaten Beziehung heiratet und fünf Kinder in die Welt setzt.«

»Das wusstest du, und trotzdem hast du den Vertrag unterschrieben?«

»Deswegen ja auch Sekt und Wodka.« Ich prostete ihr zu und trank mein Glas aus.

»Schöne Scheiße.«

Ich wusste selbst nicht, warum mich dieser Fakt so beschäftigte. Das mit Nick war Ewigkeiten her. Wir waren in der Highschool gewesen, verdammt noch eins. Jugendliebe, nichts weiter. Ich hatte damals geglaubt, dass wir etwas ganz Besonderes hatten, aber es war wohl doch nur der Fall gewesen, dass Nick mein erster richtiger Freund war und er dieses kleine Örtchen an der Grenze zu Kanada, in dem ich die elfte Klasse verbracht hatte, irgendwie aufregend wirken ließ.

Nick lebte mittlerweile seinen Traum und das auch noch unfassbar erfolgreich. Er war nach seinem Abschluss vom College gedraftet worden und hatte gleich nach seiner ersten Saison in der NBA den Rookie of the Year Award gewonnen. Ein paar Verletzungen waren ihm in die Quere gekommen, aber im letzten Jahr hatte er sich bei seinem Team in L.A. so gut entwickelt, dass mittlerweile alle Mannschaften an ihm interessiert waren.

Ich weiß, was ihr jetzt denkt, und nein, ich habe ihn nicht gestalkt, weil ich insgeheim noch Gefühle für ihn habe. Das kam eben davon, wenn man eine Basketball-versessene Familie hatte, bei der ein Mitglied auch noch Profispieler war.

»Immerhin habe ich jetzt den Vorteil, auch ständig in Gregs Nähe zu sein«, sagte ich mit einem Lächeln, um mich von den seltsamen Gedanken an Nick abzulenken.

Greg war ein Spieler, den ich vor einem Jahr auf dem alljährlichen Barbecue der Mannschaft vor Saisonstart kennengelernt hatte. Er war damals neu im Team gewesen und hatte so verloren unter den Blödsinn quatschenden Jungs ausgesehen, dass ich mich einfach seiner annehmen musste. Nach einer langen Unterhaltung mit ihm war ich am Ende des Abends mit Schmetterlingen im Bauch nach Hause gegangen. Greg war unglaublich süß und lieb. Vielleicht etwas zurückhaltend, doch ich brauchte niemanden mehr, der meiner Impulsivität noch einen Ansporn gab. Diese Zeiten lagen hinter mir. Greg war perfekt für mich, aber wann immer wir uns sahen, waren die anderen Spieler mit dabei, und sobald jemand Corbin erwähnte, bekam Greg diesen fürchterlich schuldbewussten Gesichtsausdruck. Ich hatte bis heute nicht einmal seine Handynummer und konnte ihm die freudige Botschaft meines neuen Jobs somit nicht überbringen. Aber vielleicht konnte ich ihn jetzt endlich davon überzeugen, mit mir auszugehen, wenn wir mehr Zeit allein miteinander hatten. Ich war mir sicher, dass er mich auch mochte. Alles, was wir brauchten, war eine Gelegenheit, uns endlich besser kennenzulernen.

Rachel schnaubte. »Dein Bruder, dein Ex und dein Angebeteter zusammen in einem Team? Ich hoffe, die Mannschaft hat einen guten Arzt.«

Obwohl ich mich bis auf diese Kleinigkeit mit Nick sehr auf meinen neuen Job freute, musste ich Rachel zustimmen. Das klang jetzt schon nach Konfliktpotenzial.

»Vielleicht hätte ich mich doch auf diese Stelle beim Zehenwrestling bewerben sollen.«

Rachel erschauderte sichtlich. »Nicht nur, dass die Vorstellung absolut ekelhaft ist, diese Annonce erschien mir auch sehr zwielichtig. Wahrscheinlich hat sie ein einsamer Fußfetischist aufgesetzt, um ein bisschen Action zu bekommen.«

Ich zuckte gespielt unbeeindruckt mit den Schultern. »Wenn die Bezahlung stimmt.«

Rachel wedelte drohend mit dem Sektkorken. »Genug jetzt mit Gesprächen über Ex-Freunde und Füße. Erzähl mir lieber von deinem Bewerbungsgespräch.«

»Nicht lieber von den Füßen meiner Ex-Feunde? Bill hatte da diese komische …«

»Sara Brighton, ich warne dich.«

Kichernd schnappte ich ihr den Korken aus der Hand, damit sie nicht doch noch auf dumme Ideen kam, und begann zu erzählen.

Rachel brauchte nicht lange, um mich dazu zu überreden, mir heute von meinem Aushilfsjob in einer Rehaklinik freizunehmen. Ich hatte den nicht besonders gut bezahlten Job übergangsweise nach meinem Abschluss angenommen, um die Miete zahlen zu können, aber mehr konnte sich die Klinik gerade nicht leisten, und für mich war das zu wenig.

Wir zogen von Club zu Club, tranken ein paar Cocktails zu viel und tanzten uns die Seele aus dem Leib. Vergessen waren meine Zweifel durch die Verwandtschaft zu Corbin und meine Vergangenheit mit Nick. Ich hatte einen Traumjob mit bombastischer Bezahlung, die Aussicht auf ein Date mit Greg, und sollten die Spieler mich nicht ernst nehmen, kannte ich ein paar schöne Druckpunkte, die erwachsene Männer zum Weinen bringen konnten. In Pittsburgh hatte es auch nur ein paar Tage gedauert, bis die Spieler am eigenen Leib gespürt hatten, dass ich zwar nur halb so groß war wie sie, aber umso größeren Einfluss auf ihre Muskeln hatte.

Ich tanzte mit Rachel durch die Nacht, erzählte acht Fremden von meinem neuen Job und sagte mindestens sechs von ihnen am Ende unseres Gesprächs, dass ich sie lieb hatte. Boston war großartig. Alles war großartig, besonders dieser Barkeeper im Spotlight, der mir einen leckeren Cocktail nach dem anderen mixte.

Ich liebte die ganze Welt.

Bis ich am nächsten Morgen aufwachte. Kater war gar kein Ausdruck für mein Befinden. Da war ein ausgewachsenes Tigermännchen in meinem Schädel und brüllte. Vielleicht auch ein Rhinozerosbulle. Was immer es auch war, es dröhnte, pochte und war alles andere als großartig.

Ich rollte mit einem Ächzen auf meine andere Seite und verfing mich dabei mit dem Absatz meines Schuhs in meiner Decke. Offensichtlich hatte ich es gestern Nacht nicht einmal mehr geschafft, meine High Heels auszuziehen.

Ich griff nach meinem Handy und blinzelte wegen der stechenden Helligkeit des Displays. Eigentlich wollte ich nur wissen, wie spät es war und ob ich mich noch im richtigen Jahrhundert befand, doch eine fette Schlagzeile, die von meiner Sport-App auf den Sperrbildschirm geschickt worden war, lenkte mich ab. Ich rieb mir die Augen und schmierte mir den Mascara wahrscheinlich über das ganze Gesicht, aber das war es mir wert. Was da auf meinem Handy stand, konnte unmöglich wahr sein. Es waren sicher nur Nachwirkungen von meinem Gespräch mit Rachel am Nachmittag in Kombination mit dem Restalkohol in meinem Blut. Mein Unterbewusstsein, das mir einen Streich spielte.

Doch als ich die Lider wieder öffnete und das Entsetzen überwunden hatte, das mich beim Anblick meiner Spiegelung im Display überkam, stand dort immer noch die unumstößliche Schlagzeile.

Nach harter Verhandlung: Nick Parker wechselt im Februar nach Boston!

Kapitel 2

Sara, 16 Jahre alt

Stowe in Vermont war fantastisch. Wenn man ein Kürbis war. Mal ehrlich, die überwältigende Anzahl an Kürbisfeldern war für jemanden aus Florida unglaublich. Auf dem Weg hierher hatte ich neben einem suizidalen Hirsch auch ein Schild gesehen, das das jährliche Kürbisfestival der Stadt bewarb. Ich wusste nicht, ob das lebensmüde Wild oder dieses lächerliche Fest mehr Hinweis darauf war, dass hier offensichtlich der Bär steppte.

»Du wirst schon sehen, dir wird es dort gefallen«, hatte Corbin gesagt. Er hatte gut reden. Er war um einiges älter als ich und als Profibasketballer das ganze Jahr unterwegs, was bedeutete, dass er nicht mit uns von Sarasota in Florida an den kältesten Arsch der Welt nahe der Grenze zu Kanada zog. Bis vor ein paar Wochen hatte ich selbst noch nichts von meinem Glück gewusst. Seit Moms Tod vor sechs Monaten hatte Dad sich immer mehr in die Arbeit gestürzt und von heute auf morgen beschlossen, umzuziehen. Ich wusste, dass er mit den Erinnerungen in unserem alten Haus nicht mehr klarkam. Auch ich wartete oft noch darauf, dass Mom wie immer gut gelaunt in mein Zimmer kam und mich nach meinem Tag fragte.

Ich war zwar wenig begeistert gewesen, aber hatte versucht, wegen des Umzugs optimistisch zu bleiben, was natürlich bedeutete, dass ich bis dahin drei Nervenzusammenbrüche und fünf Heulkrämpfe hatte. Doch nach mehreren Vollbremsungen aufgrund besagter Wildtiere ohne Lebenswillen waren wir schließlich angekommen und ich verspürte einen gewaltigen Anflug von Narkolepsie.

Ich hatte die Stadt mehrmals gegoogelt und immer gehofft, dass es hier mehr gab, als ich im Internet finden konnte. Aber das allwissende Web hatte wie immer recht gehabt und es herrschte absolut tote Hose. Das Durchschnittsalter lag gefühlt schon im Grab und ich hatte durchs geöffnete Autofenster tatsächlich zwei alte Damen gehört, die sich über das neueste Modell von Rollatoren im Einkaufszentrum ausgetauscht hatten. An diesem Abend suchte ich in meinem alten Bett in meinem neuen Zimmer vorsichtshalber auf Amazon nach den heißesten Modellen, damit ich mich im Zweifelsfall unter die Einheimischen mischen und direkt Freunde finden konnte, die von meinem knallroten Rollator mit Marienkäfermuster begeistert waren. Ich hoffte allerdings inständig, dass ich nach dem Wochenende an meinem ersten Tag in der neuen Highschool jemanden fand, der eher meiner Altersgruppe entsprach. Irgendwo hier mussten doch schließlich Jugendliche sein, auch wenn sie sich offensichtlich irgendwo versteckten. Womöglich, um sich nicht über Rollatoren und Kürbisse unterhalten zu müssen.

Mrs. Bransfield, meine neue Schulleiterin, führte mich am nächsten Montag durch die Schule und drückte mir einen dicken Ordner mit Flyern und Plakaten, die die verschiedenen AGs und Sportteams abbildeten, in die Hand. Ich versuchte, möglichst unauffällig während eines langen Monologs ihrerseits durch die Seiten zu blättern, auf der Suche nach einem Tanzkurs. Er würde wahrscheinlich kaum meinen Ansprüchen gerecht werden, aber es war besser als nichts. Nach minutenlanger Suche machte sich die Enttäuschung in meiner Brust breit, als mir bestätigt wurde, was ich schon befürchtet hatte. Kein Tanzkurs, keine AG, keine Tanzschule. Mein größtes Hobby, meine innigste Leidenschaft, war in Sarasota zurückgeblieben.

Ich schluckte gegen den Kloß in meinem Hals und setzte eine bemüht begeisterte Miene auf. Am ersten Tag in der neuen Schule loszuheulen, war so was von uncool, und wenn ich lange genug lächelte, würden meine Mundwinkel vielleicht mein Emotionszentrum im Hirn zu guter Laune überzeugen können.

Gefühlte Stunden folgte ich Mrs. Bransfield weiter durch die Flure und fragte mich bei jedem Stopp wieder, warum wir das Prozedere nicht in einer Pause oder nach der Schule durchführen konnten. Ich war mittlerweile schon zweiunddreißig Minuten zu spät zur ersten Stunde und auch wenn mich das herzlich wenig interessierte, verstand ich nicht ganz, wieso die Direktorin so wenig Wert auf meine Bildung legte.

Endlich machten wir vor einer verschlossenen Tür Halt und sie zwinkerte mir zu.

»Hier sind wir, deine neue elfte Klasse.«

Sie machte eine Geste, die mich wohl hinein scheuchen sollte, drehte sich dann ohne zu warten um und verschwand den Gang entlang. Auf Anwesenheitspflicht wurde hier wohl wenig Wert gelegt. Ich überlegte, ob ich diese Chance nutzen und mich erst zur zweiten Stunde unauffällig unter meine neuen Klassenkameraden mischen sollte. Aber da eine neue Schülerin in etwa so unauffällig wie ein Oktopus auf Rollschuhen war, verwarf ich die Idee schnell wieder. Außerdem würde mich Dad eigenhändig umbringen und sich dann selbst verhaften, wenn er erfuhr, dass ich am ersten Tag geschwänzt hatte. Also klopfte ich an die Tür und trat ein.

»Oh, du musst Sara sein. Komm rein, komm rein. Ich bin Mr. Smith, dein neuer Englischlehrer.«

Mr. Smith entsprach meinen bisherigen Erfahrungen mit den Einwohnern von Stowe. Er sah so aus, als könnte er jeden Moment umfallen. Vielleicht sollte ich ihm meine gestern gefundenen Angebote für schicke Rollatorenmodelle ausdrucken und zukommen lassen.

Ich winkte und lächelte halbherzig. Durchs Tanzen war ich es gewohnt, im Mittelpunkt zu stehen, aber das hier war etwas völlig anderes. Meine alten Freunde in Florida hatten schon gewusst, wie seltsam ich war. Bei den Schülern hier musste ich noch darauf achten, was ich sagte, bis sie sich an mich gewöhnt hatten.

Ich betrachtete die neugierigen Gesichter der anderen Schüler. Sie sahen ganz nett aus, vielleicht ein bisschen zu brav für meinen Geschmack. Reihe um Reihe musterte ich sie, während Mr. Smith mich vorstellte, bis ich, in der letzten angekommen, an einem Gesicht hängen blieb.

Unwillkürlich schnappte ich nach Luft, als der Blick des Jungen auf meinen traf. In seinen Augen lag eine Intensität, die mir den Atem raubte und ein aufregendes Prickeln über meine Kopfhaut schickte. Er hatte hellbraune, leicht lockige Haare und ein Wahnsinnslächeln. Über die Distanz konnte ich die Farbe nicht erkennen, doch ich wusste gleich, dass seine Augen genauso hübsch sein mussten wie der Rest von ihm. Ein Flattern stieg in meinem Bauch auf und mein Puls beschleunigte sich, während der Junge mir weiter zulächelte.

»Zwischen Rachel und Nick ist noch ein Platz frei«, sagte Mr. Smith in diesem Moment und deutete auf den Tisch neben dem Jungen. Nick. Sogar sein Name klang hübsch. Passte zu ihm.

Wie ferngesteuert lief ich auf ihn zu und bemühte mich, ihn nicht zu offensichtlich anzustarren. Ich konnte mir das Getuschel der anderen Mädchen schon ausmalen. Die Neue, die nach nur einem Blickwechsel sofort in den begehrtesten Jungen in ganz Vermont verknallt war. Jedes Mädchen wollte ihn, die Mütter konnten sich keinen besseren Freund für ihre Töchter vorstellen und die Omis wünschten ihn sich als Handwerker, um ihre Rollatoren zu tunen. Nicht einmal in Sarasota hatte es jemanden wie ihn gegeben.

Ich stellte meine Tasche auf dem freien Tisch ab und nickte dem brünetten Mädchen auf meiner anderen Seite zu. Sie winkte und wandte sich dem Anschein nach dann wieder nach vorn, während sie in Wirklichkeit auf ihrem Handy herumspielte, das an ihrem Mäppchen lehnte.

Ich spürte Nicks Blick auf mir und erwiderte ihn.

Blau. Seine Augen waren blau.

Ich bemerkte genau den Moment, in dem er meine verschiedenen Augenfarben registrierte. Meine Heterochromie war schon immer Anlass für die seltsamsten Reaktionen gewesen. Von erschrockenem Luftschnappen bis Lachkrämpfen war alles dabei gewesen. Viele hielten es für einen Fake. Dass ich eine gefärbte Kontaktlinse trug, um cool zu wirken. Fakt war, dass ich seit meiner Geburt ein blaues und ein grünes Auge hatte und ich würde den Teufel tun, das zu verstecken.

Doch Nick reagierte nicht seltsam. Seine Reaktion war die beste, die ich je erlebt hatte. Er starrte mich mit einer Mischung aus Neugier und Faszination an, betrachtete mein Gesicht, aber zuckte sofort zu meinen Augen zurück, als könnte er sich gar nicht an ihnen sattsehen.

Ich ließ mich auf meinen Stuhl sinken, weil meine Knie plötzlich ganz weich wurden.

»Ich bin Nick«, sagte er schließlich und streckte mir über den Gang hinweg die Hand hin. Seine Stimme war tiefer, als ich sie mir vorgestellt hatte. Er klang reif und erwachsen, doch das Blitzen in seinem Lächeln wirkte jung und lebhaft. Als steckte etwas hinter diesem Ausdruck, das sonst niemand wusste.

»Sara.« Ich erwiderte seinen Handschlag und ein Kribbeln breitete sich über meine Haut aus, wo sich unsere Hände berührten, fuhr über meinen Arm und nistete sich in meinem Bauch ein.

Vielleicht war Stowe doch gar nicht so übel.

Kapitel 3

Nick, 16 Jahre alt

»Sieh dir diese Clowns an«, sagte ich zu meinem besten Kumpel Jake.

Er schnaubte. »Ja, und deinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen kann ich dir in der Mittagspause eine rote Nase und eine bunte Perücke kaufen, damit du dich zu ihnen gesellen kannst.«

Ich schüttelte den Kopf, aber konnte meine Aufmerksamkeit nicht von der Schar Verehrer lenken, die sich wie immer in den letzten Tagen zur Pause um Sara versammelt hatte. Seit Sara vorgestern ohne Vorwarnung in unsere Schule gekommen war, stand der ganze Jahrgang kopf. Und die zehnten und zwölften Klassen genauso.

Ich wollte nicht zu einem von ihnen werden, musste Jake allerdings zustimmen. Es hätte mich nicht gewundert, wenn ich in den Spiegel geschaut und Ronald McDonald erblickt hätte. Sara war vollkommen faszinierend. So schön, dass ich nicht mehr wegsehen wollte, und ihre Augen hatten mich bis in meine Träume verfolgt. Es war ein Schock, auf den ich nicht vorbereitet gewesen war. Und ich hasste es, nicht vorbereitet zu sein. Ich wusste nicht, ob ich das Grün oder das Blau hübscher fand. Ich wollte wissen, welche Farbe besser zu ihr passte und ob sie verschieden strahlten, wenn sie lächelte. Doch nach unserer ersten Begegnung im Klassenzimmer war es bei stummen Blicken geblieben. Ich wusste nicht, worüber ich mich im Unterricht mit ihr unterhalten sollte, und garantiert wollte ich ihr nicht wie ein Welpe in der Pause nachlaufen. Nicht wie alle anderen.

Sara lachte zwar über deren Witze, aber auf mich wirkte sie unglücklich.

Gestern beim Abendessen hatte ich meine Eltern über sie ausgefragt, doch bis auf die Info, dass sie noch nicht einmal eine Woche mit ihrem Vater im alten Haus der Webbers wohnte, war ich wenig erfolgreich gewesen. Sie war ein Mysterium, das ich lösen wollte.

Sean und Chris versuchten gerade, sich mit blöden Sprüchen zu übertrumpfen, wahrscheinlich im Versuch, Sara noch ein Lächeln zu entlocken. Die Trottel sahen offenbar nicht, dass keins davon bisher echt gewesen war.

Ich spürte Jake neben mir förmlich mit den Augen rollen, aber es dauerte etwas, bis ich begriff, dass es gegen mich gerichtet war. Um genau zu sein, bis er mir einen harten Stoß zwischen die Schulterblätter gab und mich in Saras Richtung schubste.

»Geh, befrei deine holde Maid endlich von ihrem Leid.«

Ich zeigte Jake den Mittelfinger, konnte aber einfach nicht anders und tat wie geheißen. Ich überquerte den Pausenhof und löste mein Ticket für die Vollversammlung der Clowns, denn ich war ihr Anführer.

Auf meiner Schule gehörte ich zu den größten Jungs, und meine Erfolge im Basketballteam und die Stellung meiner Eltern in Stowe hatten mir den Respekt meiner Mitschüler verschafft. Sie wichen mir aus und machten mir den Weg zu Sara frei. Wenn es nicht genau das gewesen wäre, was ich gewollt hatte, hätte ich diese Situation wahnsinnig lächerlich gefunden. Sara schaute auf, als es plötzlich stiller um sie herum wurde, und wieder einmal verschlug es mir den Atem, als sie mich ansah. Sattgrünes Gras im sanften Wind oder ein stürmischer Ozean? Was davon bist du, Sara?

»Rettung gefällig?«, fragte ich und streckte ihr die Hand hin. Ohne zu zögern griff sie danach und ich bemühte mich, den Adrenalinstoß, den ich bei ihrer Berührung verspürte, zu verbergen. Wenn ich jetzt stolperte und auf die Nase fiel, würde Jake mich das bis nach unserem Collegeabschluss nicht vergessen lassen.

Ich führte Sara um die Ecke des Hauptgebäudes in einen ruhigeren Teil des Pausenhofs, wo sie sich mit dem Rücken gegen die Backsteinmauer lehnte.

»Ich bin mir nicht sicher, ob das gerade beeindruckend oder lächerlich war«, sagte sie.

»Willst du wirklich deinen heldenhaften Retter als lächerlich bezeichnen?«

»Vielleicht habe ich gar keinen Helden gebraucht.«

»Du hast dich doch anstandslos von mir retten lassen.«

»Ein gut aussehender Typ kommt auf dich zu und reicht dir die Hand. Wie würdest du denn reagieren?«

Gerade noch konnte ich das triumphale Lächeln zurückhalten. Sie fand, dass ich gut aussah. Ich war nicht völlig naiv, ich wusste, dass einige Mädchen mich mochten. Das war kein Grund, es als selbstverständlich zu erachten, dass Sara mich heiß fand.

»Ich würde aufhören, meinem Spiegelbild einen Handschlag geben zu wollen.«

Sie lachte auf, aber wandte das Gesicht dabei ab und ich konnte ihre Augen nicht sehen. Das störte mich mehr, als ich zugeben wollte. Ich musste mich ohnehin schon bemühen, sie nicht die ganze Zeit anzustarren. Sara war einen guten Kopf kleiner als ich. Genau richtig, damit sie bei einer Umarmung sicher an meiner Brust lag. Genau richtig für Küsschen auf die Stirn. Genau richtig, damit ich sie für richtige Küsse hochheben konnte, während sie die Beine um mich schlang. Ob sie schon einmal einen Freund gehabt hatte? Oder sah sie so unglücklich aus, weil sie ihn in ihrer alten Heimat zurückgelassen hatte? Über das schreckliche Gefühl in meiner Brust bei diesem Gedanken wollte ich nicht zu genau nachdenken.

»Ich denke, ich muss dir nicht erst sagen, dass das ganz schön arrogant klingt.«

»Ach, du darfst sagen, dass ich gut aussehe, aber wenn ich mich selbst so bezeichne, ist es arrogant?«

»Natürlich musst du wissen, wie gut du aussiehst. Allein in den letzten beiden Tagen habe ich schon von zehn verschiedenen Mädchen gehört, wie heiß sie dich finden, und wenn sie es mir nicht direkt gesagt hätten, hätten ihre Blicke sie verraten. Es ist eher die Tatsache, dass du es aussprichst, die es seltsam macht.«

Ich nickte langsam. »Also sollte ich eher ein verschwiegener, gut aussehender Typ sein?«

»Ich rede sowieso genug für uns beide.«

Sie schmunzelte und ich wollte vor Frust in die Backsteinmauer hinter ihr beißen. Wieder kein richtiges Lächeln. Komm schon, Sara.

»Von wo bist du hergezogen?« Es war eine der Fragen, die mich zwar interessierten, aber auf meiner Liste nicht allzu weit oben standen. Doch ich wollte nicht sofort mit meiner wichtigsten Frage mit der Tür ins Haus fallen. Nämlich, ob sie am Samstag mit mir ausgehen wollte.

»Sarasota, Florida.«

Ich zog die Brauen hoch. »Das ist aber ein saftiger Tapetenwechsel.«

»Das kannst du laut sagen. Ich hatte noch Hoffnung, aber dieser selbstmordgefährdete Hirsch, der uns auf dem Highway kurz vor Stowe begegnet ist, war schon ein erster Hinweis. Was sagt es über eine Stadt aus, wenn sogar die Wildtiere zu drastischen Methoden greifen, um ihr zu entkommen? Sogar die Kühe gegenüber unseres neuen Hauses sehen gelangweilt aus.«

Sie schüttelte den Kopf und meine Mundwinkel zuckten unwillkürlich.

»Hast du denn schon die Hunde, Katzen und Meerschweinchen befragt?«

Sie schmunzelte wieder und nickte. »Mir fehlen nur noch die Hamster.«

Gespielt beeindruckt schürzte ich die Lippen. »Verdammt, das ist eine wirklich fundierte Studie. Aber hast du schon mal Wirbellose in Betracht gezogen? Kriechtiere? Oder vielleicht etwas komplett Abgefahrenes, keine Ahnung, zum Beispiel Menschen?«

»Ich bin mir nicht sicher, ob ich bei einem Altersdurchschnitt von gefühlt achtzig Jahren überhaupt noch weiterforschen muss.«

Ich lachte auf. Schön, Stowe konnte vielleicht ihrer Meinung nach nicht mit ihrem heißgeliebten Sarasota mithalten, aber so schlimm war es auch wieder nicht. Meiner Meinung nach war Stowe sogar ziemlich großartig, und noch in diesem Moment hatte ich den Entschluss gefasst, Sara davon zu überzeugen. Ihrem anhaltenden Monolog nach zu urteilen, würde sie mir das allerdings nicht gerade leicht machen.

»Ich kann hier nicht einmal tanzen oder mich an den Strand legen. Die größten Attraktionen sind das Kino und die Main Street, aber es würde mich nicht wundern, wenn ich dort nur Stützstrümpfe kaufen kann.«

Ich legte eine Hand auf mein Herz und sog scharf die Luft ein. »Du verletzt mich und mein geliebtes Stowe.«

Sie drehte den Kopf zu mir und musterte mich. Meine Haut kribbelte und dieses Drängen, sie unbedingt näher kennenlernen zu müssen, überkam mich wieder.

»Wie hast du es so lange hier ausgehalten?«

Ich hob die Schultern und machte einige Schritte zurück in Richtung der Tür. »Das könnte ich dir erzählen, aber es ist viel eindrucksvoller, wenn ich es dir einfach zeige. Samstagnachmittag, zwei Uhr. Ich hole dich ab.«

Mit dem Klingeln der Pausenglocke drehte ich mich ein letztes Mal zu ihr um und stolperte fast über meine eigenen Füße, während ich mich extrem zusammenreißen musste, nicht triumphal meine Faust in die Luft zu strecken, als hätte ich gerade den entscheidenden Wurf beim Basketball gemacht.

Da war es. Ihr echtes Lächeln. Und es war viel schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. Es ließ beide Augen strahlen, und in diesem Moment wusste ich, dass ich alles dafür tun würde, damit Sara zu mir gehörte.

Kapitel 4

Nick, heute

Er plante meinen langsamen qualvollen Tod. Daran bestand kein Zweifel, als Corbin zwanzig Meter entfernt an der anderen Seite der Trainingshalle stand und einen Basketball in den Händen drehte, während er mich taxierte. Wahrscheinlich stellte er sich vor, es wäre mein Hals zwischen seinen Pranken, und ich konnte es ihm kaum verübeln.

»Denk dir nichts dabei, Corbin starrt oft so«, sagte David, einer meiner neuen Mitspieler bei den Boston Tigers.

Ich war froh, endlich hier zu stehen, auf dem Trainingsplatz im Wing Stadium, auch wenn das bedeutete, dass ich mich besser gleich um mein Testament kümmern sollte. Die Transfergespräche und der Papierkram hatten eine Ewigkeit gedauert, und in der Zwischenzeit waren immer mehr abstruse Gerüchte hochgekocht. Wenn man ihnen Glauben schenkte, war ich verletzt, pleite und wanderte wegen Steuerhinterziehung bald in den Knast. Die Wahrheit war, dass mein ehemaliger Agent ein verdammter Idiot war, der die Bedingungen des Vertrages alle paar Wochen wieder ändern wollte, damit mein Transfer von L.A. nach Boston als der größte Deal der letzten Jahrzehnte gehandelt wurde und sein Name auf der Titelseite auftauchte. Seinetwegen wäre der Deal fast geplatzt, und das hatte ich nicht zulassen können. Nach meinem Wechsel zu einer anderen Agentur war alles reibungslos verlaufen und jetzt stand ich endlich bei meinem ersten Training in Boston und kam in den Genuss, mich von Corbins Blicken erdolchen zu lassen. Das hatte nicht im Kleingedruckten gestanden, war aber wenig verwunderlich. Wenn mein Plan aufging, würde sich das allerdings in absehbarer Zeit ändern.

»Mach dir lieber mehr Gedanken um Zack«, meinte Branden, unser Center, während er mir einen Ball zupasste. »Er heult schon seit Wochen, weil ein neuer Schönling ins Team kommt.«

»Ich behaupte ja immer noch, er hat die Leute vom People Magazine bestochen, damit sie ihn auf die Liste der Sexiest Men Alive setzen«, warf David ein.

»Sag bloß, sein hübsches Gesicht lässt dein Herz nicht auch höher schlagen«, erwiderte Branden grinsend.

»Klebst du dir nachts für Jolene eine Maske von ihm aufs Gesicht?«

»Ich habe eine lebensgroße Pappfigur von ihm im Schlafzimmer stehen.«

»Geht das wieder los?«, fragte Zack, unser Captain, der in diesem Moment zu unserer Gruppe stieß und die Hand für den nächsten Pass hob. Ich warf ihm den Ball zu.

Branden zuckte mit den Schultern. »Wir wollten den Welpen nur von Corbin ablenken. Du weißt doch, wie er am Anfang wirken kann.«

Ich schnaubte. »Welpe? Dir ist schon bewusst, dass ich seit vier Jahren in der NBA spiele?«

»Süß. Wie viele davon waren unter Coach Alvarez?«

Keines. Aber ich kannte seinen Ruf. Er sollte verdammt streng sein und im Training sogar die härtesten Spieler regelmäßig zum Wimmern bringen. Die ein oder andere Träne soll auch schon vergossen worden sein. Ich glaubte eher, dass das alles nur Gerede war, um den anderen Mannschaften und vor allem jüngeren Spielern Respekt einzubläuen.

»Ich dachte, wir wollten ihm die Angst vorm Coach nehmen«, zischte David schmunzelnd.

»Vielleicht ist es doch besser, wenn er weiß, woran er ist. Zum Glück haben wir jetzt noch einen weiteren Physio, der sich dann vollkommen dem Frischling widmen kann, wenn er nach den Trainings nicht mehr laufen kann.«

»Keine Sorge, ich bin in Topform«, sagte ich.

Zack lachte auf. »Das sagen sie am Anfang alle.«

Ich zuckte nur mit den Schultern und nahm den nächsten Pass an. Dieses Blödsinnquatschen kannte ich aus meinem alten Team in L.A., und die Neuen wurden am Anfang immer verarscht. Ich ließ mir keine Angst machen. So schlimm konnte es nicht sein.

Es war noch viel schlimmer. Da Coach Alvarez persönlich dafür gekämpft hatte, dass ich nach Boston kam, wollte ich ihn nicht enttäuschen, was bedeutete, dass ein ohnehin schon anstrengendes Training für mich zum absoluten Höllentrip wurde. Es hätte mich anschließend nicht gewundert, wenn Branden verkündete, Satan sei nach Boston gekommen und hätte das Wing Stadium zu seiner neuen Residenz erklärt. Jeder Zentimeter meines Körpers tat weh. So fertig war ich seit meiner ersten Trainingswoche als Rookie nicht mehr gewesen.

»Haben wir zu viel versprochen?«, neckte Branden mich, als ich mich ächzend auf die Bank vor meinem Spind fallen ließ. Ich würde einfach hier übernachten, denn ich glaubte nicht, dass ich jemals wieder aufstehen konnte.

»Man gewöhnt sich daran, aber fürs erste Mal hast du dich nicht schlecht angestellt«, sagte Zack und klopfte mir auf die Schulter, während er mit federnden Schritten an mir vorbeiging. Ich lehnte mich zurück und versuchte, zu erörtern, ob es irgendeine Stelle an meinem Körper gab, die nicht in Schweiß gebadet war, als Dwight zu Branden kam und sich geheimniskrämerisch umschaute, bevor er sprach.

»Hast du noch ein bisschen Stoff für mich, Brick?«

Ich runzelte die Stirn. Ich hoffte, mich verhört zu haben.

»Später, Dwight«, zischte Branden und warf mir einen schnellen Seitenblick zu.

»Ich brauche aber jetzt was. Bis später halte ich es nicht aus.«

Branden seufzte kopfschüttelnd und stand dann auf. Was zum Geier ging hier vor? Dwight steckte Branden einen Zwanziger zu, ehe Branden aufstand und sich an seinem Spind zu schaffen machte. Verdammt, musste ich gleich an meinem ersten Tag in einer solchen Situation landen? Egal, was die beiden da trieben, es klang ganz und gar nicht gut. Mit was dealten sie hier? Drogen? Aufputschmittel? Zugegeben, ich fühlte mich wie gerädert, aber zu solch drastischen Maßnahmen wollte ich nie greifen. Meine Kehle war wie zugeschnürt. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Das einzig Richtige für die Mannschaft und für die Gesundheit meiner Mitspieler wäre es, es sofort dem Coach zu melden, doch dann wäre ich beim Team sofort unten durch.

»Lass diesmal aber den anderen was übrig. Ich will Szenen wie beim letzten Mal vermeiden.«

Die anderen? Und es hatte solche Situationen schon öfter gegeben? Wo war ich hier nur gelandet? War das der Grund, warum die Tigers seit der letzten Saison so unglaublich gut spielten? Jegliche Müdigkeit war aus meinem Körper verschwunden, während ich Branden scharf beobachtete. Er zog eine weiße Pappschachtel aus seiner Sporttasche hervor und hielt sie Dwight hin. Dabei drehte er sich mit dem Rücken zu mir und verdeckte mir die Sicht auf das, was sich in der Schachtel befand.

»Ein Glück«, seufzte Dwight und griff hinein. »Ich wüsste nicht, wie ich es sonst bis zum Spiel heute Abend hätte aushalten sollen.«

Ich verrenkte mir fast den Hals, um möglichst unauffällig zu sehen, was er da in der Hand hielt. Egal, ob ich damit zum Coach gehen wollte oder nicht, erst einmal brauchte ich Beweise. Ich musste selbst sehen, was sie sich da einschmissen. Vielleicht konnten wir das auch einfach untereinander klären.

Das geschäftige Treiben in der Kabine ging einfach weiter. Waren die anderen es schon so sehr gewohnt, dass es nicht mehr interessant war, was hier abging? Oder machten sie wirklich alle mit? Warum war noch niemand damit zum Coach oder einem Vorstandsmitglied gegangen? Dachte niemand an die Strafen der Liga, wenn das rauskam?

Aus dem Augenwinkel sah ich Bewegung und ich widmete meine Aufmerksamkeit wieder Branden und Dwight. Gleich würde ich es sehen. Gleich müsste Branden wieder einen Schritt zur Seite machen.

Dwight ertappte mich genau in diesem Moment. Er sah einigermaßen schuldbewusst aus, während er die Hand hob, auf die Branden mir die Sicht verdeckt hatte. Um in einen verdammten Cupcake zu beißen. Und die Bewegung, die ich aus dem Augenwinkel gesehen hatte, waren Brandens Schultern, die von unterdrücktem Lachen bebten.

»Erwischt«, rief Dwight und hob triumphal die Arme nach oben. Die ganze Kabine war innerhalb von Millisekunden mit schallendem Gelächter und Applaus gefüllt, während Branden sich jetzt laut lachend zu mir umdrehte und mir die Haare verstrubbelte.

»Du hättest dein Gesicht sehen sollen«, johlte Dwight.

Branden boxte mir gegen die Schulter, bevor er einen zweiten Cupcake aus der Pappschachtel holte und ihn mir in die Hand drückte. »Als Entschädigung. Die sind von meiner Freundin Jolene und das ganze Team ist abhängig.«

Ich stimmte ins Gelächter mit ein und nahm das Gebäck entgegen. Mit so etwas hätte ich rechnen sollen. Streiche waren praktisch ein Zeichen, dass sie mich in ihr Rudel integrierten.

»Ich war so kurz davor, zu Coach Alvarez zu gehen«, gestand ich, während ich Daumen und Zeigefinger nur einen Spalt auseinanderhielt. »Was glaubst du, wie er euch die Ärsche versohlt hätte, wenn ich ihm einen begründeten Verdacht geliefert hätte, dass ihr Drogen nehmt?«

Dwight erschauderte sichtlich, als bereitete ihm die Vorstellung dieses Szenarios Unbehagen.

»Von der Cupcake-Sucht weiß er zum Glück schon und alles andere hat in unserer Kabine nichts verloren«, versicherte Branden mir.

»Da bin ich aber beruhigt.«

»Geh duschen, Welpe, und lass dich dann von unserem neuen Physio behandeln.«

»Taugt der denn was?«

Branden zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung, aber wenn nicht, bist ja nur du das Versuchskaninchen.«

Ich zeigte ihm den Mittelfinger und machte mich auf den Weg zu den Duschen.

»Ich brauche einen verdammten Lageplan«, murmelte ich und ging weiter ziellos durch die Gänge im Wing Stadium, auf der Suche nach den Behandlungsräumen der Physios. Zwar war es enorm praktisch, dass im Stadion alles unter einem Dach war und wir nicht für intensive Trainings und die Spiele zu unterschiedlichen Einrichtungen fahren mussten, aber es bedeutete auch, dass es in diesem Gebäude viel zu viele Gänge, Abzweigungen und verworrene Katakomben gab.

Zacks Beschreibung zu den Behandlungsräumen hatte sich als der nächste Streich entpuppt. Er hatte mich zu den Besenkammern gelotst. Und da hatte ich geglaubt, nach dieser Cupcake-Geschichte für ein paar Stunden sicher zu sein.

Ich irrte einige weitere Minuten herum, bis ich endlich dort ankam, wo ich eigentlich hin wollte. Branden hatte mir erzählt, dass ihr alter Physio Gabe aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr regelmäßig fliegen durfte, und statt seinen Hintern vor die Tür zu setzen, hatte sich der Vorstand der Tigers dazu entschieden, einen neuen Vollzeit-Physio einzustellen, der Gabe für die Auswärtsspiele vertrat und ihn bei den Heimspielen unterstützte. Anscheinend hatte dieser neue Physio wie ich heute seinen ersten Tag und keiner der anderen Spieler konnte mir bisher sagen, wer es war und ob er bereits Erfahrung mit anderen Teams hatte.

Nachdem ich an die weiße Tür geklopft hatte, trat ich ein. Ich rechnete mit einem Typen in den Dreißigern. Das war sonst immer die Norm gewesen. Aber was ich sah, ließ mich unwillkürlich wieder einen Schritt rückwärts machen, nur um dann wieder zwei nach vorn zu wollen. Mein müder Körper erwachte sofort zum Leben und mein Herz schlug wild in meiner Brust, als hätte ich einen zweiten Drill bei Coach Alvarez hingelegt.

Ich war fest davon ausgegangen, dass ich sie irgendwann sehen würde. Das war überhaupt der Grund gewesen, nach Boston zu wechseln. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, so früh mit meiner Vergangenheit konfrontiert zu werden. Doch da war sie, noch schöner, als ich sie in Erinnerung hatte. Meine Sara.

Kapitel 5

Sara, 16 Jahre alt

»Dad, er ist sechzehn und geht auf meine Schule. Wie gefährlich kann er schon sein?«

Dad hielt inne und bedachte mich mit einem strengen Blick. »Wenn du wüsstest, was ich alles schon gesehen habe, wozu Jugendliche imstande sind.«

Diesmal konnte ich das Augenrollen einfach nicht mehr unterdrücken. Dad war schon immer etwas paranoid gewesen, wenn es um sein Töchterchen ging. Ich vermutete, dass es daran lag, dass meine Eltern nach Corbins Geburt lange vergeblich versucht hatten, ein zweites Kind zu bekommen. Sie hatten es irgendwann aufgegeben, bis ich zwölf Jahre später plötzlich auf der Bildfläche erschienen war. Ich war ihre große Überraschung gewesen, weshalb Dad mich seit eh und je hütete wie seinen Augapfel, aber seit wir in Stowe wohnten, war es immer schlimmer geworden. Ich hatte ihm in weiser Voraussicht erst heute Morgen von dem Date mit Nick erzählt, um seine unweigerlich folgende Standpauke möglichst knapp zu halten. Langsam wunderte es mich fast, dass er mich nicht im Outfit des Michelin-Männchens zur Schule schickte, damit ich für alle Eventualitäten gewappnet war. Vom Schulbus überrollt? Optimal gefedert. Ein Mitschüler wirft einen Kürbis nach mir? Optimal geschützt. Ein böser, wollüstiger Sechzehnjähriger denkt über ein Date mit mir nach? Nicht in diesem Outfit, Cowboy.

Kurz zog ich die Idee sogar in Erwägung, weil mir in diesem vermaledeiten nördlichen Kaff langsam wirklich kalt wurde, aber der nicht vorhandene Coolnessfaktor überwog das Erhalten meiner Kerntemperatur.

Dad seufzte, setzte sich zu mir und nahm meine Hände zwischen seine. Es war ein Zeichen, dass er sich etwas beruhigte, doch das hier war noch lange nicht vorbei.

»Ich meine ja nur, Sara. Wir sind noch nicht einmal zwei Wochen hier und du gehst schon mit einem Jungen aus?«

»In Sarasota hatte ich auch Dates.«

»In Sarasota habe ich die meisten deiner Dates gekannt.«

»Ist ja nicht meine Schuld, dass wir hierhergezogen sind.«

Dad erbleichte und ich spürte seine Hände zucken, als wollte er sie zurückziehen. Aber im letzten Moment beherrschte er sich und drückte meine Hände stattdessen etwas fester.

Fast schämte ich mich, es laut ausgesprochen zu haben. Doch es war das, was ich fühlte. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir nicht vom Süden der USA an die Grenze zu Kanada ziehen müssen, um den Erinnerungen zu entkommen. Warum hatten wir denn nicht einfach innerhalb von Sarasota umziehen können? Warum hatte Dad uns so vollkommen entwurzeln müssen? Und jetzt wollte er mir ein schlechtes Gewissen machen, weil ich Anschluss finden wollte? Weil ich einen Jungen hier toll fand und ihn kennenlernen wollte? Nicht mit mir.

»Nick kommt gleich und holt mich ab. Du hast zwei Minuten, um dich davon zu überzeugen, dass er mich nicht im nächsten Kürbisfeld mit einer Vogelscheuche erschlägt, und falls du dein Gewehr aus dem Safe holst, wandere ich nach Kuba aus, ändere meinen Namen und werde Salsa-Tänzerin.«

Seine Mundwinkel zuckten und ich war erleichtert, weil ich ihn endlich aus seiner Panik geredet hatte. Trotzdem wusste ich, dass er gleich als Erstes morgen früh einen gründlichen Hintergrundcheck über Nick und seine Familie anstellen würde. Als Polizist saß er direkt an der Quelle. Ich konnte nicht gerade behaupten, dass ich das guthieß, aber wenn ich mich nicht über Nacht zum Superhirn entwickelte und die Polizeistation hackte, konnte ich es ihm schlecht verbieten.

Im nächsten Moment klingelte es an der Tür und als wäre die Klingel direkt mit meinem Herz verbunden, klopfte es doppelt so schnell. Ich sprang auf, eilte zur Haustür und öffnete. Nachdem Nick mich nach einem Date gefragt oder vielmehr bestimmt hatte, dass wir eines hatten, waren wir in der Schule praktisch unzertrennlich gewesen. Die anderen Jungs hatten mich in den Pausen endlich in Ruhe gelassen und ich hing die ganze Zeit mit Nick, Jake und Rachel, dem Mädchen, das auf meiner anderen Seite saß, ab. Trotzdem war ich nie darauf vorbereitet, wie gut Nick aussah. Ich mochte es, dass seine Haare immer etwas zerzaust aussahen und seine blauen Augen mich anstrahlten. Sein Lächeln, als ich die Tür geöffnet hatte, erhellte sein ganzes Gesicht und ich hätte mich nicht am Zurücklächeln hindern können, wenn mein Leben davon abgehangen hätte.

»Hi«, sagte ich und machte eine einladende Geste ins Haus.

»Mein Dad will dich kennenlernen«, murmelte ich, als er an mir vorbeiging. Ich hatte Sorgen, dass ihn das abschrecken würde, doch er zwinkerte mir nur zu und folgte mir dann mit entspannten Schritten in die Küche. Dad stand auf und musterte Nick abschätzig von oben bis unten. Ich kannte diesen analytischen Blick, bei dem Dad sich wie Sherlock Holmes ein Bild über sein Gegenüber zu machen versuchte. Was ihm das bei einem Sechzehnjährigen bringen sollte, war mir unbegreiflich. Vielleicht verrieten ihm Nicks Locken, ob sein Shampoo tierversuchsfrei war, und die Art, wie er seine Schuhe band, war ein eindeutiger Hinweis auf ein ungelöstes Kindheitstrauma.

»Nick Parker. Schön, Sie kennenzulernen, Mister Brighton.«

Dads Brauen hoben sich kaum merklich an. Wahrscheinlich hatte er nicht damit gerechnet, dass jemand, der so aussah wie Nick, auch nur den Ansatz von Manieren haben könnte. So viel zu seinen analytischen Fähigkeiten.

Sie gaben sich die Hand. Nick war jetzt schon so groß wie Dad und ich fühlte mich vollkommen machtlos, während mein Dad Nick taxierte, der die Ruhe weg hatte.

»Wissen deine Eltern von dieser Verabredung, Nick?«

Er zuckte mit den Schultern. »Ich habe ihnen geschrieben, dass ich mit Sara unterwegs bin, aber ich weiß nicht, ob und wann sie es lesen.«

»Was machen deine Eltern?«

»Sie haben mehrere Lodges und Hotels in der Umgebung und sind dadurch viel unterwegs.«

Siehst du, Dad? Zwei hart arbeitende ehrgeizige Menschen hatten in den Neunzigern Sex und tadaa, ein hart arbeitender, ehrgeiziger Nick ist entstanden. Es gibt keinen Grund zur Besorgnis.

Aber Dad nickte nur langsam, was ich nicht ganz deuten konnte. War das jetzt schon der erste Fehlschlag für Nick gewesen?

»Und was habt ihr heute vor?«