Verlag: Books on Demand Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2017

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E-Book-Beschreibung Brennendes Verlangen - Lynn Summers

Eigentlich dachte Maya, nichts könnte sie so schnell aus der Bahn werfen. Dies ändert sich jedoch schlagartig, als ihre Chefredakteurin sie bittet, einen der einflussreichsten Bauunternehmer Londons zu interviewen. Zunächst glaubt Maya an einen Scherz, da sie als Modejournalistin mit der Baubranche so gar nichts am Hut hat. Dann begegnet sie jedoch Julian, dem gleichermaßen charmanten wie auch attraktiven Sohn des Firmeninhabers, und ihre anfänglichen Bedenken erscheinen ihr mit einem Mal vollkommen belanglos. Wäre da nicht die ganz unerhebliche Tatsache, dass Julian bereits vergeben ist. Dennoch ist Maya machtlos gegen ihre Gefühle. Ein wahrhaft aussichtsloses Unterfangen? Und welches Ziel verfolgt Jayden, Julians Bruder, in dessen Phantasie Maya eine entscheidende Rolle zu spielen scheint? Bei diesem Buch handelt es sich um den 1. Teil der "Verlangen-Reihe". Enthält explizite erotische Szenen!

Meinungen über das E-Book Brennendes Verlangen - Lynn Summers

E-Book-Leseprobe Brennendes Verlangen - Lynn Summers

Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 1

Sehnsüchtig warf Maya einen Blick auf die Uhr. Sie zählte bereits die Minuten bis zum Feierabend, in Gedanken schon bei einem leckeren eisgekühlten Café Latte von Starbucks. Doch es waren noch endlos lange zweiundzwanzig Minuten, bis sie diese Sauna, die sich Redaktionsgebäude nannte, endlich verlassen durfte.

»Maya, komm bitte in mein Büro«, vernahm sie plötzlich die Stimme von Diana, ihrer Chefredakteurin, und der ernste Ton ließ Maya zusammenzucken. Oh je. Was hab ich denn jetzt wieder angestellt? überlegte sie fieberhaft und ließ in Gedanken schnell die letzten Tage noch einmal Revue passieren. Aber ihr fiel partout nichts ein, was sie verbrochen haben könnte. Als Diana sie abwartend und mit todernster Miene musterte, wurde ihr allerdings ziemlich flau im Magen.

»Ja … äh … natürlich«, erwiderte sie und ging mit wackligen Beinen hinter ihr her.

»Mach die Tür zu«, sagte Diana kurz angebunden.

»Habe ich irgendwas falsch gemacht?«, fragte Maya vorsichtig, sofort nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte. »Ich wüsste zwar nicht was, aber …«

»Keine Panik«, unterbrach Diana sie lächelnd und der Knoten in Mayas Brust löste sich langsam wieder.

Puh. dachte sie erleichtert. Wenn Diana noch lächelte, konnte ja eigentlich nichts Schlimmes passiert sein.

»Ich wollte nur kurz etwas mit dir besprechen. Und das müssen ja nicht gleich alle Kollegen mitbekommen. Denn ich denke, einige werden davon nicht allzu begeistert sein.«

»Ah … okay. Und was möchtest du mit mir besprechen?« Maya hatte nicht den leisesten Schimmer, was Diana von ihr wollte.

»Ich habe es endlich geschafft, einen Termin mit Arthur Cunningham zu bekommen.«

»Schön. Und wer ist das?«

»Maya«, seufzte Diana. »Schaust du eigentlich auch irgendwann mal die Nachrichten? Cunningham Construction ist eine der größten Baufirmen weltweit.«

»Ja und? Davon gibt es doch sicher eine ganze Menge«, erwiderte Maya gelangweilt.

Aber Diana schüttelte nur seufzend den Kopf.

»Die Firmenzentrale befindet sich hier in London. Arthur Cunningham will sich in den nächsten Wochen zur Ruhe setzen und die Firma an seine Söhne übergeben.«

»Freut mich für sie. Aber was haben wir damit zu tun?« Verständnislos sah sie Diana an.

»Diese Firmenübergabe ist das Medienereignis überhaupt und ich möchte, dass du vorher ein Interview mit ihm machst.«

»Ich soll … bitte was?«, fragte sie überrascht.

»Diana, ist dir die Hitze da draußen irgendwie zu Kopf gestiegen? Ich habe von der Baubranche ungefähr so viel Ahnung wie ein Pferd vom Eiskunstlauf.« Fassungslos schüttelte Maya den Kopf.

»Traust du dir das denn nicht zu?«, forderte Diana sie lächelnd heraus.

»Doch, natürlich. Aber warum macht das nicht jemand, der wirklich Ahnung von der Materie hat? Wir haben hier zig Männer, denen das handwerkliche Geschick bereits mit in die Wiege gelegt worden ist. Naja, jedenfalls den meisten«, kicherte sie. »Jamie ist in solchen Dingen wahrscheinlich noch untalentierter als ich.«

»Dann lass es mich mal so ausdrücken. Eine hübsche junge Frau. Ein älterer Mann. Ich glaube, die Kombination ist besser«, erwiderte Diana schmunzelnd.

»Und ich glaube, da überschätzt du meine Fähigkeiten bei Weitem.«

»Nein, das denke ich nicht. Und ein bisschen Abwechslung schadet doch auch nicht, oder?«

»Mag sein. Aber warum musst du damit ausgerechnet bei mir anfangen?«

»Das soll doch keine Strafe sein.«

»Ist es aber. Und das weißt du ganz genau«, murrte Maya und verzog genervt das Gesicht. Ein Interview mit einem steinreichen und wahrscheinlich auch genauso alten Bau-Tycoon. Juhu, ich freu mich. Maya verdrehte innerlich bereits jetzt die Augen.

»Glaub mir, das wird toll. Du bekommst es mal mit einer ganz anderen Klientel zu tun als sonst.«

»Ob alte versnobte Firmenchefs oder zickige Models. Macht doch keinen Unterschied«, widersprach sie Diana.

»Doch, das ist schon ein bisschen was anderes«, entgegnete diese mit einem Augenzwinkern.

»Also? Was hältst du davon?«

»Hab ich etwa eine Wahl?«

»Nein.«

»Komisch. Wieso hab ich mir das bloß gedacht?«, seufzte Maya.

»Aber du bekommst das hin, da bin ich sicher.«

»Ich werde jedenfalls mein Bestes geben.«

»Sehr gut. Genau das wollte ich von dir hören. Na komm, dann werden wir deine Kollegen mal ein wenig überraschen.«

»Oh ja, überrascht sind sicher einige«, murmelte Maya leise und verließ hinter Diana das Büro.

Und wie erwartet sollte sie recht behalten. Sarah grinste sie zwar freudestrahlend an, aber John und Steve, die größten Machos der Redaktion, schienen ziemlich überrascht von Dianas Entscheidung. Sie warfen Maya überhebliche Blicke zu und schüttelten verständnislos den Kopf. Aber was konnte sie dafür? Sie hatte sich schließlich nicht darum gerissen, diesen Mist zu machen. Wenn es nach ihr ging, hätte sie das Ganze liebend gern an die beiden abgegeben. Aber Diana war nun mal der Chef.

»Oh, das wird lustig. Die Kleine kann doch nicht mal einen Nagel in die Wand schlagen«, lachte John.

»Doch, klar kann sie das. Aber nur mit dem Absatz ihrer High Heels«, witzelte Steve abschätzig, als Maya gerade zurück zu ihrem Schreibtisch ging.

»Ich kann euch mit meinen High Heels gern mal in den Allerwertesten treten«, fluchte sie und streckte ihnen den Mittelfinger entgegen. Aber natürlich erntete sie nur höhnisches Gelächter.

»Ihr werdet euch noch wundern, ihr verdammten Arschlöcher«, murmelte sie leise.

Zwei Tage später war es dann soweit. Maya hatte sich im Vorfeld genau über Arthur Cunningham, seine Familie und die Firma informiert. Allerdings hatten Dianas Unterlagen keinerlei Fotos beigelegen. Und für eine zusätzliche Internetrecherche fehlte natürlich wie immer die Zeit. Aber wer brauchte schon Fotos. Schließlich stand sie den Cunninghams in wenigen Minuten persönlich gegenüber. Hätte Maya allerdings geahnt, was ihr an diesem Tag alles bevorstand, wäre sie gleich im Bett geblieben. Sie hatte sich extra frühzeitig auf den Weg gemacht, um nicht zu spät zu kommen. Aber auf die Londoner Tube war natürlich wie immer Verlass. Warum wartete auch gerade heute jede einzelne U-Bahn mit weltrekordverdächtigen Verspätungen auf? Maya hastete, so schnell sie konnte, die Rolltreppe am Sloan Square hinauf. Und wer die Londoner U-Bahn kannte, der hatte eine gute Vorstellung davon, wie viele Stufen sie da gerade auf hochhackigen Schuhen hinaufrennen musste. Immer wieder warf sie einen nervösen Blick auf die kleine silberne Uhr an ihrem Handgelenk; ein Geschenk ihres erst kürzlich verstorbenen Vaters, die sie hütete, wie ihren Augapfel. Verdammt! fluchte sie innerlich. Verdammt, verdammt, verdammt! Wenn sie wegen dieser verflixten U-Bahn wirklich zu spät kam … Nein, an die Konsequenzen wollte sie gar nicht denken. Diana würde sie ungespitzt in den Boden rammen, wenn sie dieses Interview vermasselte. Und außerdem wollte sie John und Steve diesen Triumph auf keinen Fall gönnen.

Wenige Minuten später, vollkommen außer Atem, aber gerade noch rechtzeitig, erreichte sie endlich das siebenunddreißig Stockwerke hohe und architektonisch unglaublich eindrucksvolle Cunningham-Building, das bis weit in den Himmel emporragte. Wow! dachte sie nur und blickte beeindruckt an der mit hohen Glasfronten verkleideten Außenfassade hinauf. Von dort oben hatte man sicher einen absolut traumhaften Ausblick. Seufzend riss sie sich schließlich von dem imposanten Anblick los. Dann atmete sie noch einmal tief durch und ging entschlossen Richtung Eingang. Als sie jedoch gegen die Tür drückte, wurde diese von innen unvermittelt aufgerissen. Maya geriet ins Stolpern und sah sich schon auf dem hochmodernen und mit Sicherheit wahnsinnig teuren Fußboden der Eingangshalle liegen, als sie im letzten Moment ein paar kräftige Arme auffingen.

»Hoppla«, vernahm sie eine überraschte Männerstimme.

»Scheiße! Können Sie nicht aufpassen, Sie Vollidiot?«, fluchte sie ärgerlich. Als sie jedoch aufschaute, blieb ihr die wütende Schimpftirade, die ihr bereits auf der Zunge lag, augenblicklich im Halse stecken. Denn sie blickte in die wundervollsten blauen Augen, die sie je gesehen hatte. Und der Ausdruck, mit dem sie sie musterten, ging ihr sofort durch Mark und Bein. Maya schüttelte verstört den Kopf, um wieder zu sich zu kommen. Denn schöne blaue Augen hin oder her. Sie konnte es sich jetzt absolut nicht leisten, noch mehr Zeit zu verlieren. Und so schwer es ihr auch fiel, sich von diesem faszinierenden Anblick loszureißen. Bevor sie Gefahr lief, sich völlig in diesen Augen zu verlieren, befreite sie sich schnell aus den Armen ihres Retters und trat einen Schritt zurück. Mit mürrischer Miene strich sie ihren Rock wieder glatt, während sie gleichzeitig versuchte, ihren rasenden Herzschlag zu beruhigen. Ob der Grund dafür ihr Halbmarathon von der U-Bahn bis hierher oder doch der Mann vor ihr war, das konnte sie nicht so genau sagen. Aber sie konnte es sich auch nicht verkneifen, ihn immer wieder verstohlen zu mustern. Denn es waren wahrlich nicht nur seine Augen, die sie in seinen Bann zogen. Neugierig fragte sie sich, ob er sich wohl entschuldigen würde. Schließlich war es allein seine Schuld, dass sie fast den glänzend weißen Marmorboden geküsst hätte, auf dem sie gerade standen. Aber der Blick, mit dem er sie musterte, ließ ihre aufkeimende Wut sofort wieder wie eine Rauchwolke verpuffen. Verdammt, jetzt sieh mich doch nicht so an. dachte sie nervös, während ihr Gegenüber lässig die Daumen in die Taschen seiner Jeans hakte und sie mit einem amüsierten Grinsen beobachtete. Er war etwa einen Meter fünfundachtzig groß, schlank und unübersehbar gutaussehend. Maya schätzte ihn auf Ende zwanzig oder Anfang dreißig. Seine zerzausten dunklen Haare, die den Eindruck machten, als habe er sich erst kurz zuvor mit beiden Händen verzweifelt die Haare gerauft, ließen ihn sexy, gleichzeitig aber auch unheimlich verwegen wirken. Die langen, schlanken Beine steckten in perfekt sitzenden schwarzen Jeans. Dazu trug er ein eng anliegendes hellblaues Hemd ohne Krawatte, das seinen sportlichen Oberkörper hervorhob und geschickt seine Muskeln betonte. Die Ärmel des Hemds hatte er locker über die Ellbogen nach oben geschoben. Wow. Kein Wunder, dass er mich mit so einer Leichtigkeit aufgefangen hat. stellte sie mit einem Blick auf seine Arme fest. Aber die Muskeln waren weder zu viel noch zu wenig, sondern genau so, wie sie es bei Männern mochte. Ja natürlich Maya. Träum weiter. Als wenn es diesen Sexgott überhaupt interessieren würde, was du bei Männern magst und was nicht.

»Tut mir leid. Alles in Ordnung?«, fragte er plötzlich und Maya schreckte bei seinen Worten zusammen. Denn seine Stimme klang unglaublich verführerisch. Sie fühlte sich plötzlich wie Eis in der Sonne; sie schmolz förmlich dahin. Maya, jetzt ist aber gut. Das ist einfach nur ein Mann. Einer von vielen. Nichts, was du nicht an jeder Straßenecke schon mal gesehen hättest. sagte sie zu sich selbst. Ja klar … Wer soll dir denn das glauben? Als wenn du solche Männer wie den da tagtäglich zu Gesicht bekommst. verhöhnte ihre innere Stimme sie und sie musste ihr wohl oder übel recht geben. Denn der Mann vor ihr machte sie vollkommen sprachlos. Wahrscheinlich hielt er sie schon für total übergeschnappt, weil sie ihn anstarrte wie ein kleines verliebtes Kätzchen. Aber sie konnte einfach nicht anders. Wie unter Zwang glitt ihr Blick von seinen Augen langsam hinab zu seinem Mund, der sich zu einem leichten Lächeln verzogen hatte. Mhm, diese Lippen. Was würde sie darum geben, sie einmal auf ihren zu spüren. Nur ein einziges Mal. Maya konnte sich gerade noch beherrschen, es nicht auf einen Versuch ankommen zu lassen. Was würde er wohl von ihr denken, wenn sie ihn aus heiterem Himmel küsste? Allerdings schien dieser Schönling sich gerade köstlich über ihr albernes Verhalten zu amüsieren und das machte das Ganze nicht wirklich besser.

»J… ja … alles ok«, brachte sie gerade so heraus und leckte sich nervös über die Lippen.

»Entschuldigen Sie. Ich hatte es unheimlich eilig«, fuhr er fort; musterte sie dabei jedoch weiterhin mit unverhohlener Neugier. Na, wenn du es so eilig hast, warum stehst du dann immer noch hier rum? schoss es ihr gleich durch den Kopf. Denn er machte keinerlei Anstalten, seinen Weg nach draußen fortzusetzen und betrachtete sie immer noch mit einem amüsierten Grinsen.

»Oh, lassen Sie sich von mir nicht aufhalten«, murmelte sie und nahm ihre Tasche entgegen, die er vom Boden aufgehoben hatte. »Ich habe jetzt ohnehin einen wichtigen Termin«, fügte sie mit möglichst fester Stimme hinzu und hoffte, dass man ihr ihre Unsicherheit nicht anmerkte. Ja genau. Ein Termin, der sich gleich erledigt hat, weil du viel zu spät bist. Maya, jetzt komm endlich in die Gänge! rief sie sich zur Ordnung und wandte mit aller Macht ihren Blick ab.

»Ja dann … ähm … vielen Dank«, murmelte sie nervös.

»Kein Problem. Jederzeit wieder«, grinste er nur und verschwand hinaus auf die Straße.

Sie sah, wie die Tür sich hinter ihm schloss und der Gedanke, ihn nie wiederzusehen, versetzte ihr für einen kurzen Moment einen Stich.

»Tja, da geht er hin, der Sexgott«, seufzte sie wehmütig. Mensch, jetzt sei nicht albern. schalt sie sich in Gedanken. Der hat dich doch bereits in dem Moment vergessen, als er durch die Tür nach draußen gegangen ist. Ärgerlich schüttelte sie den Kopf, um sein Gesicht aus ihren Gedanken zu vertreiben. Dann ging sie hastig auf den edlen Empfangstresen am Ende der Halle zu. Sie war sowieso schon viel zu spät dran.

Dahinter saß eine rothaarige Frau, etwa in ihrem Alter, die sie herablassend musterte.

»Kann ich Ihnen behilflich sein?«, fragte sie mit hochgezogenen Augenbrauen.

»Maya Shepherd vom London Weekly Magazine. Ich habe einen Termin mit Mr. Arthur Cunningham.«

»Einen Moment bitte«, erwiderte sie und drückte ein paar Knöpfe auf ihrer Telefonanlage.

»Würden Sie bitte kurz dort drüben warten?«

Maya ging wie gefordert ein paar Schritte zur Seite.

»Janine, hier ist eine Miss Shepherd«, sprach sie in ihr Headset. »Sie behauptet, dass sie einen Termin mit dem Chef hat. Ja … mit dem Senior.«

»Das behaupte ich nicht nur, das ist auch so, du dumme Kuh«, fluchte Maya leise, hielt sich jedoch zurück. Die weiteren Worte bekam sie allerdings nicht mehr mit, da die Empfangsdame ihre Stimme immer mehr senkte.

»Ja … gut … ja, in Ordnung«, murmelte sie, nun wieder lauter. Dann beendete sie das Gespräch.

»Miss Nightingale, Mr. Cunninghams Assistentin, schickt Ihnen den Fahrstuhl herunter. Der zweite von rechts.«

»Sie schickt ihn herunter? Also ich glaube, ich bin durchaus in der Lage, auf einen Knopf zu drücken«, konnte Maya sich nun allerdings nicht mehr verkneifen.

»Sie brauchen einen Code für die Chefetage. Oder glauben Sie, da kann jeder einfach so hinauf?«, wies die rothaarige Hexe sie mit hochnäsigem Gesicht zurecht.

»Oh, wie dumm von mir. Natürlich nicht«, erwiderte Maya mit spöttischem Lächeln. Sag mal, wofür hältst du dich eigentlich, du eingebildetes Empfangsmäuschen? dachte sie ärgerlich und ging auf den Fahrstuhl zu, dessen Türen sich in diesem Moment mit einem leisen Klingeln öffneten. In der mit Spiegeln verkleideten Kabine kontrollierte sie noch einmal prüfend ihr Outfit. Sie strich sich kurz durchs Haar, war ansonsten mit ihrem Aussehen aber durchaus zufrieden. Der Zusammenstoß von vorhin hatte scheinbar keinerlei Auswirkungen hinterlassen. Einzig der Dauerlauf von der U-Bahn bis hierher hatte ihre Wangen einen Hauch rosa gefärbt. Aber ein wenig Farbe kann ja nicht schaden. dachte sie schmunzelnd. Als die Anzeigetafel über ihr wenig später die siebenunddreißigste Etage anzeigte, straffte sie die Schultern, strich noch einmal nervös ihr Kostüm glatt und trat dann hinaus in die große weite Welt von Cunningham Construction.

Kapitel 2

S ofort kam eine ebenfalls rothaarige Frau, diesmal allerdings eher im Alter ihrer Mutter, auf Maya zu. Ob rote Haare hier wohl Einstellungsvoraussetzung sind? dachte sie schmunzelnd und musste ein Kichern unterdrücken.

»Miss Shepherd?«, unterbrach die Rothaarige ihre Gedanken.

»Ja, das ist richtig«, erwiderte Maya mit einem freundlichen Lächeln und hielt ihr die Hand hin. Die Assistentin von Arthur Cunningham ignorierte ihre Begrüßung jedoch und wandte sich kommentarlos um.

»Folgen Sie mir bitte«, sagte sie nur.

Maya ließ ihre Hand wieder sinken und schüttelte den Kopf. Wenn hier alle so freundlich sind, dann wird das ja ein verdammt lustiger Tag. dachte sie genervt und verdrehte die Augen gen Himmel.

»Mr. Cunningham? Ihr 10 Uhr-Termin ist da. Miss Shepherd vom LWM«, informierte sie ihren Chef über die Gegensprechanlage.

»Schicken Sie sie rein, Janine«, antwortete eine markante dunkle männliche Stimme.

Janine Nightingale öffnete eine Tür zu ihrer Rechten und trat beiseite. Maya warf ihr einen kurzen Blick zu und betrat dann mit entschlossenem Schritt das Büro. Arthur Cunningham, der 64 Jahre alte Firmeninhaber, saß hinter seinem wuchtigen Schreibtisch und musterte sie aufmerksam.

»Maya Shepherd, London Weekly Magazine«, stellte sie sich vor, als er aufstand und um den Schreibtisch herum kam. »Ich freue mich sehr, Sie kennenzulernen, Mr. Cunningham.«

»Guten Tag, Miss Shepherd. Die Freude ist ganz auf meiner Seite«, erwiderte er lächelnd und schüttelte ihre Hand. »Nehmen Sie doch bitte Platz«, fügte er hinzu und wies auf eine schwarze Ledersitzgruppe im hinteren Teil seines recht teuer eingerichteten Büros. »Meine Söhne werden gleich zu dem Gespräch dazu stoßen. Schließlich werden sie hier bald die Geschäfte führen. Ich gehe davon aus, dass Sie nichts dagegen einzuwenden haben.«

»Selbstverständlich nicht«, erwiderte Maya mit einem Lächeln. Dass dies eine bereits feststehende Tatsache war und er sie nicht wirklich nach ihrer Meinung fragte, entging ihr dabei natürlich nicht. Sie setzte sich auf eines der beiden Ledersofas und schlug die Beine übereinander, während Arthur Cunningham ihr gegenüber auf einem großen Sessel Platz nahm. Kurz darauf klopfte es und seine Assistentin brachte ein Tablett mit Kaffee, Tee und Gebäck herein.

»Jayden und Julian werden in ungefähr fünf Minuten hier sein«, teilte sie ihrem Chef mit.

»Vielen Dank, Janine«, erwiderte er nur, würdigte sie ansonsten jedoch keines weiteren Blickes. Er hatte seine Aufmerksamkeit voll und ganz auf Maya gerichtet. Janine stellte das Tablett auf dem kleinen Beistelltisch zwischen ihnen ab und verließ dann kommentarlos wieder den Raum.

»Miss Shepherd, wie Sie sicher wissen, bin ich ein viel beschäftigter Mann. Und ich möchte meine Zeit nicht mit unnützen Dingen verplempern. Sie können also von Glück sagen, dass Ihr Magazin diesen Termin überhaupt bekommen hat. Denn eigentlich gebe ich keine Interviews«, begann er und Maya schwante bei seinen Worten nichts Gutes.

»Natürlich. Wir sind Ihnen auch wirklich sehr dankbar, dass Sie uns die Möglichkei…«

»Sparen Sie sich diese Höflichkeitsfloskeln, junge Lady«, unterbrach er sie ungeduldig. »Kommen wir lieber gleich zur Sache. Meine Söhne werden, wie Sie ja gerade gehört haben, ebenfalls in ein paar Minuten hier sein.«

»Natürlich«, erwiderte Maya so freundlich wie möglich. Meine Güte, wofür hält der sich? Für Gott persönlich? dachte sie genervt und schluckte den bissigen Kommentar, der ihr bereits auf der Zunge lag, schnell hinunter. Ach Maya, komm schon. Reiß dich zusammen. Du musst ihn ja nicht heiraten. Bring das Interview hinter dich und dann ist es vorbei. sagte sie sich innerlich und atmete noch einmal tief durch, bevor ihre Verärgerung doch noch Überhand nahm.

»Mr. Cunningham, Sie haben Ihre Firma mit gerade mal 23 Jahren gegründet und sind mittlerweile einer der einflussreichsten Bauunternehmer. Und das nicht nur in Europa, sondern mit Dependancen auf der ganzen Welt. Was, glauben Sie, ist das Geheimnis Ihres Erfolgs?«

»Harte Arbeit. Und man muss bereit sein, für den Erfolg seine eigenen Interessen hinten an zu stellen. Immer und überall. Da bleibt leider auch nicht viel Zeit für die Familie.«

»Ihre Frau Theresa hat ja bis zur Scheidung vor zehn Jahren auch für Ihre Firma gearbeitet.«

»Das ist richtig. Aber sie wollte danach einen Schlussstrich ziehen und hat in Chicago ihr eigenes Architekturbüro eröffnet. Und mehr werde ich zu diesem Thema nicht sagen«, unterbrach er Maya sofort.

»Ganz wie Sie möchten. Und Ihre Tochter Jennifer? Laut meinen Informationen hat sie ebenfalls Architektur studiert. Aber sie arbeitet schon seit einigen Jahren mit Ihrer Frau zusammen. Ihre Söhne hingegen …«

»Miss Shepherd, unsere Familienangelegenheiten dürften für Ihr Interview wohl kaum von Belang sein. Ich habe mit meiner Exfrau hierüber eine Vereinbarung getroffen. Aber das ist hier nicht weiter relevant.« Was relevant ist und was nicht, das musst du schon mir überlassen, du gottverdammtes Arschloch. dachte Maya verärgert. Meine Güte, was mauerte der Kerl denn so, wenn es um seine Exfrau ging? Hatte er irgendetwas zu verbergen?

Kurz darauf ertönte ein kräftiges Klopfen und die Bürotür wurde erneut geöffnet. Jetzt bekam sie also das Vergnügen mit den Cunningham-Söhnen. Bei der Lektüre von Dianas Unterlagen hatte sie viel über Jayden und Julian Cunningham gelesen. Sie hatte jedoch keine Ahnung, wie die beiden aussahen und so war sie natürlich unheimlich gespannt. Als sie jedoch einen Blick zur Tür warf und sah, wer den Raum betrat, versank sie vor Scham fast im Boden. Oh nein! Das darf doch jetzt nicht wahr sein! stöhnte sie innerlich. Denn herein kam … der Sexgott mit den tollen blauen Augen. Sie seufzte leise und hätte sich am liebsten auf der Stelle in Luft aufgelöst.

»Ah, Julian. Sehr gut.« Arthur Cunningham erhob sich. »Wo ist Jayden?«, wandte er sich fragend an seinen Sohn.

»Der kommt sicher gleich.«

Die Miene des älteren Mannes verfinsterte sich. Offenbar war er es nicht gewohnt, dass man ihn warten ließ und man sah ihm seinen Unmut auch deutlich an.

»Gut. Ja also, das ist Maya Shepherd vom LWM. Du weißt schon. Dieses Interview, von dem ich dir gestern erzählt habe.«

»Ja, ich weiß, Dad«, erwiderte Julian Cunningham.

»LWM? Was bedeutet das genau?« Fragend sah Julian sie an.

»London …« Maya räusperte sich nervös. »London Weekly Magazine«, erklärte sie mit sicher viel zu zittriger Stimme.

»Ah, okay. Freut mich sehr, Miss Shepherd. Wir sind uns ja vorhin schon kurz über den Weg gelaufen. Ich bin Julian Cunningham«, stellte er sich vor und hielt ihr seine Hand hin. »Der Vollidiot«, fügte er leise hinzu und seine Mundwinkel zuckten amüsiert. Verdammt! Das war mal wieder so klar. dachte sie peinlich berührt und ergriff zögernd seine Hand, die er ihr immer noch entgegenstreckte. Sein Händedruck war warm, fest und sehr angenehm. Allerdings spürte sie sofort ein heftiges Kribbeln, als sich ihre Hände berührten. Gott, was ist denn jetzt los? Hastig zog sie ihre Hand zurück.

»Das ist mir jetzt wirklich furchtbar unangenehm«, murmelte sie entschuldigend und senkte verlegen den Blick. »Ich hatte ja keine Ahnung, wer Sie sind.«

»Ach was. Machen Sie sich darüber keine Gedanken. Außerdem hätte ich ja besser aufpassen können, bevor ich durch die Tür stürme«, erwiderte er lächelnd.

»Julian, du kennst Miss Shepherd schon?«, fragte Arthur Cunningham irritiert und sein Blick glitt von Julian zu Maya und wieder zurück.

»Nein, eigentlich nicht. Wir sind uns eben kurz begegnet. Ich war etwas stürmisch, als ich mir bei Starbucks einen Latte Macchiato holen wollte. Miss Shepherd ist mir in der Eingangshalle in die Arme gelaufen. Sozusagen«, erwiderte er mit einem Seitenblick auf Maya und erneut umspielte ein Lächeln seine Mundwinkel.

»Warum du deinen Kaffee nicht einfach hier im Büro trinken kannst«, erwiderte Arthur Cunningham kopfschüttelnd. »Das werde ich wirklich nie verstehen.«

»Wie solltest du auch, wenn du nur Tee trinkst. Hast du die Brühe hier schon mal probiert? Pfui Teufel.« Julian schüttelte sich angewidert. »Das soll jetzt natürlich nicht heißen, dass Sie keinen Kaffee trinken dürfen, Miss Shepherd«, fügte er schmunzelnd hinzu. »Ich würde Ihnen allerdings eher den Tee ans Herz legen«, grinste er und Maya winkte ab.

»Ich hatte heute schon mehr als genug Kaffee. Vielen Dank«, erwiderte sie lächelnd.

Kurz darauf klopfte es erneut und ein ebenfalls dunkelhaariger Mann betrat das Büro. Er war etwas älter als Julian. Zwar war er nicht ganz so gutaussehend wie dieser, aber doch ziemlich attraktiv. Das musste dann wohl Jayden sein. Denn die Ähnlichkeit zwischen den drei Männern war nicht zu übersehen. Wow, die haben ja vielleicht einen Gen-Pool. dachte Maya beeindruckt.

»Tut mir leid. Ich hatte noch ein wichtiges Telefonat«, sagte er nur und kam auf sie zu.

»Jayden Cunningham«, stellte er sich vor.

Dabei musterte er Maya langsam und eingehend von Kopf bis Fuß und seine Augen flackerten kurz auf. Als sein Blick länger als unbedingt nötig an Mayas Beinen hängen blieb und er sich dabei mit der Zunge langsam über die Lippen fuhr, zog sie nervös ihren Rock ein Stück tiefer. Mit Mühe und Not rang sie sich ein Lächeln ab. Sie konnte sich nicht helfen, aber Jayden Cunningham war ihr sofort unsympathisch. Seine Arroganz war förmlich spürbar und Maya fühlte sich regelrecht begutachtet; fast wie ein leckeres Steak. Oder ein teurer Sportwagen.

»Maya Shepherd«, erwiderte sie deshalb nur und schüttelte seine Hand. Aber im Gegensatz zu Julians Händedruck war der von Jayden einfach nur kraftlos und unangenehm, so dass sie ihm ihre Hand schnell wieder entzog. Er war scheinbar das genaue Gegenteil seines Bruders. Denn Julians Charme hatte sie bereits vollkommen gefangen genommen und sie musste ihre ganze Konzentration aufbieten, um dem Gespräch zu folgen. Schließlich hatte sie hier einen Job zu erledigen. Das durfte sie beim Anblick von Julians traumhaften blauen Augen auf keinen Fall vergessen. Allerdings war das leichter gesagt als getan.

»Vielen Dank für das Interview«, verabschiedete sie sich vierzig Minuten später von Arthur Cunningham und gab ihm die Hand.

»Es hat mich gefreut, Miss Shepherd«, erwiderte dieser lächelnd. »Wenn Sie mich jetzt entschuldigen würden. Ich habe noch zu tun.« Mit diesen Worten drehte er sich um und verließ den Raum.

»Ihnen beiden danke ich natürlich auch«, fügte Maya, an Jayden und Julian gewandt, hinzu. Dabei konnte sie kaum den Blick von Julian lösen, der sie mit einem umwerfenden Lächeln ansah.

»Sehr gern wieder«, entgegnete er, während er ihre Hand schüttelte.

»Soll ich Sie vielleicht nach unten begleiten? Nicht weit von hier ist ein sehr nettes kleines Restaurant, in dem man ein bisschen ungestörter ist«, flüsterte Jayden ihr kurz darauf verschwörerisch zu. Dabei legte er seine Hand wie zufällig an Mayas Hüfte.

»Nein, vielen Dank. Ich muss wirklich zurück in die Redaktion«, redete sie sich heraus. Dann drehte sie sich so unauffällig wie möglich zur Seite, um sich seiner arroganten aufdringlichen Art zu entziehen. Mann, was für ein widerlicher Typ. Sie hatte Mühe, nicht angewidert das Gesicht zu verziehen. Was zum Teufel bildete sich dieser Kerl überhaupt ein? Ob es wirklich Frauen gab, die auf seine plumpe Masche reinfielen? Maya schüttelte den Kopf und machte sich auf den Weg zur Tür. Dabei warf sie noch einmal einen letzten und wie sie hoffte nicht allzu sehnsüchtigen Blick zurück zu Julian und bemerkte, dass auch er sie ansah. Lag in seinem Blick etwa so etwas wie Bedauern? Ach Blödsinn. Maya, jetzt bilde dir nichts ein! Was sollte er denn bedauern? wies sie sich zurecht und öffnete die Tür. Sie verließ das Büro, zog entschieden die Tür hinter sich zu und ging zum Fahrstuhl. Allerdings war es scheinbar genauso umständlich, die Chefetage von Cunningham Construction wieder zu verlassen, wie sie zu betreten. Denn als sie auf den Rufknopf des Fahrstuhls drückte, tat sich überhaupt nichts. Es ertönte nur ein kurzer Signalton und eine kleine rote Lampe, die sich unter einem Zahlenfeld befand, blinkte auf.

»Na klasse«, seufzte sie und sah sich um. Aber von Janine, der unfreundlichen rothaarigen Hexe, war weit und breit nichts zu sehen. Maya verdrehte genervt die Augen. »Verdammt! Jetzt geh doch endlich auf!«, fluchte sie und hämmerte mit dem Finger noch einige Male fest auf die Taste. Aber natürlich ließ sich der Fahrstuhl davon in keinster Weise beeindrucken. Ohne Code ging hier scheinbar gar nichts.

»Na super«, murmelte sie frustriert und lehnte sich mit geschlossenen Augen gegen die Wand.

Kapitel 3

Als Jayden die Bürotür öffnete, stieß er Julian mit der Schulter an.

»Hey, hast du die Beine gesehen? Wow! Einfach nur wow!«, begann er. »Und der Rest. Mann, der ist sicher auch nicht zu verachten. Stell dir die Kleine mal nackt vor.«

»Jayden! Geht’s vielleicht noch lauter?«, zischte Julian genervt. »Das ist mal wieder typisch. Sobald du eine attraktive Frau siehst, denkst du nur noch mit deinem Schwanz!«

»Na und? Dann weiß ich auch, dass er noch funktioniert«, grinste Jayden. »Aber jetzt mal ernsthaft. Ist dir das nicht aufgefallen?«

»Doch, natürlich. Ich bin schließlich nicht blind. Aber im Gegensatz zu dir denke ich nicht immer und überall nur an Sex«, erwiderte Julian kopfschüttelnd. »Und sei doch mal ehrlich. Sie wäre doch auch nur ein kleiner schneller Fick auf deiner sowieso schon ellenlangen Liste. Und danach entsorgst du sie wie alle anderen auch.«

»Ach komm. Männer brauchen nun mal ihren Spaß. Und du bist auch kein Heiliger, Julian. Du hättest sie doch am liebsten schon in Dads Büro flachgelegt. Ich habe deine Blicke gesehen. Du hast sie mit den Augen ja förmlich ausgezogen.«

»Na klar doch. Spinn weiter.« Julian verdrehte die Augen.

»Hey, gib es wenigstens zu. Ist doch nichts dabei.« »Hm, sicher. Und zusammen mit Melissa machen wir dann einen flotten Dreier oder wie? Echt jetzt! Du hast doch nicht mehr alle Latten am Zaun«, verteidigte Julian sich. »Ob du es glaubst oder nicht. Ich kann mich tatsächlich beherrschen. Im Gegensatz zu dir.«

»Ach, scheiß auf Melissa. Du stehst auf die Kleine. Das sehe ich doch«, erwiderte Jayden grinsend.

»Verdammt! Jetzt lass es gut sein, okay?«, herrschte Julian seinen Bruder an. Natürlich war ihm klar, dass Jayden ihn nur reizen wollte. Aber Melissa hin oder her. Jayden hatte mit seinen Sticheleien tatsächlich ins Schwarze getroffen. Denn seitdem Maya ihm in der Eingangshalle buchstäblich in die Arme gefallen war, ließ sie ihn nicht mehr los. Diese unschuldigen braunen Rehaugen, die ihn erst wütend angefunkelt, dann jedoch wieder ganz schüchtern angesehen hatten. Das schulterlange verführerische Haar. Einfach atemberaubend. Wie gern hätte er seine Hände darin vergraben. Nur ein einziges Mal. Und erst ihre Lippen, die mit Sicherheit in jedem Mann das brennende Verlangen hervorriefen, sie auf der Stelle zu küssen. Verdammt! Allein die Vorstellung, dass Jayden ihr zu nahe kam … Dass es ihm tatsächlich gelingen könnte, sie ins Bett zu bekommen …Um sie danach zu entsorgen wie ein altes Taschentuch …

All das machte Julian bereits jetzt unsagbar wütend.

»Okay okay. Ich höre ja schon auf«, grinste Jayden.

»Ich bin in meinem Büro, wenn du mich suchst.«

Julian verdrehte erneut die Augen. Als er sich auf den Weg zu seinem eigenen Büro machte, streifte sein Blick zufällig den Empfangsbereich und er war ziemlich überrascht, Maya dort zu entdecken.

»Miss Shepherd?«

Oh je, diese Stimme! Die hätte sie aus einem Meer von Tausenden wiedererkannt! Hektisch riss Maya die Augen auf. Julian war nur wenige Meter von ihr entfernt und kam gerade langsam auf sie zu. Oh Gott. Dieser Kerl war wirklich die Verführung in Person. Allein seine Bewegungen waren so wahnsinnig sexy, dass ihr ganz anders wurde. Ihr Magen fuhr Achterbahn und sie konnte sich kaum noch konzentrieren. Ihr Herz pochte wild in ihrer Brust.

»Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?«, erbot er sich freundlich.

»Ich … ähm … ja, ich denke schon. Eigentlich wollte ich nur … nach unten …«, stammelte sie unsicher, denn der Blick, mit dem Julian sie ansah, machte sie unglaublich nervös. Diese Augen brachten sie noch vollkommen um den Verstand. Und sie spürte, wie bei seinem Anblick nicht nur ihr Magen, sondern auch sehr viel tiefere Regionen ihres Körpers in gewaltigen Aufruhr gerieten. Verdammt! Jetzt reiß dich zusammen! wies sie sich zurecht und presste so unauffällig wie möglich die Schenkel zusammen, um das unmissverständliche und verführerische Kribbeln in ihrem Unterleib zu vertreiben; allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Maya! Geht’s noch? Komm mal wieder runter! Jetzt ist absolut nicht der richtige Augenblick! dachte sie verzweifelt und bemühte sich mit aller Macht, nicht frustriert aufzustöhnen. Denn am liebsten hätte sie Julian auf der Stelle die Kleider vom Leib gerissen. Und wenn er sie weiter so ansah … Oh Gott, sie musste hier raus! Sofort!

»Der Fahrstuhl … der … also … der funktioniert nur mit einem Code…«

»Ach ja, natürlich«, unterbrach Julian sie lächelnd. Er beugte sich vor und tippte ein paar Zahlen auf dem Tastenfeld. Dabei kam er Maya so nah, dass sie zusammenzuckte und überrascht die Luft einsog; ein schwerwiegender Fehler, wie sich herausstellte. Denn er raubte ihr buchstäblich den Atem. Sie nahm den Geruch seines Aftershaves wahr, das sich auf unwiderstehliche Weise mit seinem Duschgel und dem Duft seiner Haut mischte, und sie spürte, wie ihr die Sinne schwanden. Noch nie zuvor hatte sie etwas so unbeschreiblich Gutes gerochen. Sie wollte mehr davon! Viel mehr! Und so atmete sie noch ein paar Mal tief ein, um möglichst viel davon in sich aufzunehmen. Wer wusste schon, wann sie nochmal die Gelegenheit dazu bekam. Und wieder spürte sie dieses erwartungsvolle Kribbeln, so dass ihr Blick fast zwanghaft auf Julians Jeans fiel. Denn dort befand sich genau das, was ihr Körper gerade so unglaublich begehrte. Was sie tief, ganz tief in sich spüren wollte.

»Wo ist denn Janine? Eigentlich ist es ihre Aufgabe, die Besucher wieder rauszulassen«, unterbrach Julian ihre Gedanken.

Maya fuhr erschrocken zusammen und hob ahnungslos die Schultern.

Verdammt! Was zum Teufel ist bloß los mit dir? Starrst du gerade wirklich einem dir fast vollkommen fremden Mann auf den Schritt? Bist du noch ganz bei Trost? flüsterte eine Stimme tief in ihr. Aber sie konnte es nicht ändern. Ihre Gedanken kreisten nur noch um Sex. Heißen leidenschaftlichen Sex mit Julian Cunningham. Na klar! Als wenn das überhaupt jemals möglich wäre. dachte sie frustriert.

Kurz darauf ertönte der Gong des Fahrstuhls, der sie gänzlich aus ihrer Starre riss.

»Vielen Dank«, murmelte sie mit einem verlegenen Lächeln; unsagbar froh darüber, dass Julian ihre Gedanken nicht hören konnte. Als sie sich jedoch umdrehte und die Kabine betreten wollte, hielt er sie zurück.

»Miss Shepherd?«, sagte er und sie spürte seine Hand auf ihrem Arm. Maya zuckte zusammen. Ihr ganzer Körper kribbelte plötzlich von Kopf bis Fuß. Sie holte tief Luft und wandte sich zögernd wieder um. Und es reichte ein einziger Blick in seine strahlend blauen Augen und sie verwandelte sich auf der Stelle in ein flammendes Inferno. Sie schluckte krampfhaft, um sich nicht anmerken zu lassen, wie nervös sie war und sah ihn fragend an.

»Würden Sie vielleicht gern noch ein wenig mehr von der Firma sehen? Ich könnte Sie ein bisschen herumführen, wenn Sie möchten«, fragte er mit seiner unglaublich verführerischen Stimme.

»Ich ähm … also … ich denke, ich habe alles, was ich brauche, Mr. Cunningham«, erwiderte Maya zögernd.

»Ich möchte nicht noch mehr Ihrer kostenbaren Zeit verschwenden. Sie haben sicher noch einiges zu tun. Aber vielen Dank für das Angebot. Das ist wirklich sehr nett.«

»Das ist überhaupt kein Problem. Sie verschwenden nicht meine Zeit«, erwiderte er. »Ganz im Gegenteil«, fügte er mit einem Lächeln hinzu, das ihr durch und durch ging. Während sie noch über sein Angebot nachdachte, schlossen sich die Fahrstuhltüren mit einem leisen Zischen wieder. Verdammt! Was sollte sie bloß tun? Julians Anwesenheit brachte sie doch sowieso schon durcheinander. Natürlich hätte sie unglaublich gern noch viel mehr Zeit in seiner Nähe verbracht. Aber sie wusste auch, dass es, zumindest was ihren Artikel betraf, absolut nicht notwendig war. Maya, du hast alles, was du brauchst. flüsterte ihre innere Stimme eindringlich. Geh zurück ins Büro. Aber ihre einzige Fluchtmöglichkeit, der Fahrstuhl, war bereits wieder auf dem Weg nach unten. Und ohne Julian, der den Code erneut für sie eingab, war sie hier oben gefangen.

Unsicher biss sie sich auf die Unterlippe.

»Das ist wirklich nicht nötig«, murmelte sie schließlich und warf einen verzweifelten Blick auf den geschlossenen Fahrstuhl hinter sich.

»Solange Janine nicht zurück ist, kommen Sie ohne meine Hilfe jedenfalls nicht hier raus«, stellte Julian schmunzelnd klar.

»Ich stehle Ihnen auch ganz bestimmt nicht die Zeit?«, fragte Maya zweifelnd. Sag, dass du keine Zeit hast! Bitte! betete sie innerlich. Denn noch länger in seiner Nähe zu bleiben, würde sie ganz sicher in den Wahnsinn treiben. Sie stand ja jetzt schon vollkommen neben sich. Aber Julian schüttelte den Kopf.

»Nein, ganz sicher nicht«, erwiderte er lächelnd, während er den Code des Fahrstuhls abermals eintippte. Als dessen Türen sich Sekunden später wieder öffneten, fasste er Maya am Arm und schob sie ins Innere.

»Okay, dann mal los. Eine Exklusivführung durch das Cunningham Building. Nur für Sie, Miss Shepherd«, grinste er und beim Anblick von Julians Lächeln klopfte ihr Herz immer schneller. Von den anderen Reaktionen ihres Körpers ganz zu schweigen. Meine Güte Maya. Was tust du hier? seufzte sie innerlich.

Drei Stunden später war die Führung zu ihrem Bedauern bereits beendet. Julian hatte ihr jedes Detail der Firma mehr als ausführlich erklärt und ihr selbst die kleinsten Abteilungen gezeigt. Und auch wenn sie sich in seiner Nähe kaum hatte konzentrieren können, war sie trotzdem untröstlich, dass es vorbei war.

Als sie mit dem Fahrstuhl nach unten fuhren, warf Julian einen Blick auf seine Armbanduhr.

»Haben Sie Hunger?«, fragte er plötzlich.

»Äh … wie bitte?«, murmelte Maya verwirrt, mit den Gedanken gerade in ganz anderen Sphären.

»Es ist fast 14 Uhr und ich dachte, Sie haben vielleicht Hunger? Schließlich haben Sie wegen mir sicher Ihre Mittagspause verpasst.«

Gott … Wenn du wüsstest, was ich für dich alles sausen lassen würde. stöhnte sie innerlich.

»Das macht nichts. Ich besorge mir auf dem Weg ins Büro eine Kleinigkeit.«

»Nichts da! Wenn ich Sie schon vom Essen abhalte, dann geben Sie mir doch wenigstens die Gelegenheit, es wieder gut zu machen. Hier um die Ecke ist ein sehr guter Italiener. Dort gibt es die beste Pizza in ganz London.«

»Das ist ja wirklich sehr nett, aber …«

»Nichts aber!«, beharrte Julian. »Oder haben Sie keinen Hunger?«

»Nein, ehrlich gesagt nicht«, erwiderte Maya.

Ihr Magen belehrte sie jedoch sofort eines Besseren. Als ob er ihre Worte verstanden hätte, knurrte dieser hinterhältige Hund prompt laut und vernehmlich drauf los.

»Hmmm, ob ich Ihnen das jetzt glauben soll?«, lachte Julian und Maya konnte nicht anders, als in sein Lachen einzustimmen.

»Mein Magen hat jetzt gar nichts zu melden. Und außerdem hat meine Waage bei diesem Thema ihre eigene Meinung«, erwiderte sie mit einem Augenzwinkern und Julian sah sie erstaunt an.

»Ihre Waage?«

»Naja, sagen wir mal so. Pizza und Pasta sind zurzeit jedenfalls nicht gerade die beste Wahl für mein Mittagessen.«

»Also, ohne Ihnen zu nahe treten zu wollen, Miss Shepherd, aber …« Plötzlich schnappte Julian sich ihre Hand und drehte sie einmal um die eigene Achse. »Ich sehe beim besten Willen nichts, woran es nur das Geringste auszusetzen gibt.«

»Oh, glauben Sie mir. Es gibt durchaus Stellen, an denen es sogar einiges auszusetzen gibt«, entgegnete Maya schmunzelnd.

»Sie können ruhig zugeben, dass Sie nicht mit mir essen gehen wollen. Ich verkrafte das«, lachte er.

»Nein, damit hat das wirklich nichts zu tun.«

»Nicht? Wie sieht es denn dann heute Abend aus?«, versuchte er es erneut. Ja! Ja! Sag doch endlich ja! schrie ihr Innerstes bereits in ohrenbetäubender Lautstärke. Aber Maya brachte die Worte einfach nicht über die Lippen. Wenn sie nicht vollkommen den Verstand verlieren wollte, gab es nur eine Möglichkeit. Sie musste sich von Julian Cunningham fernhalten. Bevor es zu spät war. Also schüttelte sie schweren Herzens den Kopf.

»Und Frühstück? Morgen Vormittag? Jetzt kommen Sie schon. Irgendwann müssen Sie doch mal essen«, grinste er.

»Vielen Dank für den netten Tag, Mr. Cunningham«, wich sie ihm geschickt aus und hielt ihm zum Abschied ihre Hand hin.

»Geben Sie mir etwa gerade einen Korb?«, fragte Julian mit einem Schmunzeln.

»Gut möglich«, erwiderte Maya lächelnd und sie wollte ihm ihre Hand bereits entziehen. Aber Julian ließ sie nur zögernd wieder los und seine Finger strichen langsam an ihren entlang. Ihr Herz raste. Sie schluckte nervös und warf ihm einen verunsicherten Blick zu. Aber Julian schenkte ihr nur ein verführerisches Lächeln. Maya, der Kerl macht das mit voller Absicht! Er merkt ganz genau, wie nervös er dich macht. flüsterte eine leise Stimme in ihr. »Ich … muss jetzt wirklich gehen. Auf Wiedersehen, Mr. Cunningham«, machte sie den Versuch, ihm zu entkommen.

»Das hoffe ich doch sehr«, erwiderte er mit einem Lächeln, das ihre Knie weich werden ließ.

Zurück im Büro fuhr Maya als Erstes ihren Computer hoch und öffnete den Internetbrowser. Sie gab Julians Namen bei Google ein und ließ sich nur seine Bilder anzeigen. Den Blick gebannt auf den Bildschirm gerichtet, stützte sie mit einem leisen Seufzen den Kopf in die Hand.

»Verdammt!«, fluchte sie leise.

»Warum ist der Kerl so unglaublich sexy?«

Wie hypnotisiert starrte sie auf den Bildschirm. Sie konnte den Blick einfach nicht abwenden. Vor nicht einmal dreißig Minuten hatte sie Julian noch gesehen. Und jetzt? Kam sie sich schon fast vor wie ein Stalker. Dieser Typ war aber auch sowas von heiß. Auf einigen der Bilder war er mit einer großen schlanken und sehr gut aussehenden Blondine zu sehen, die sich eng an ihn klammerte. Ein bisschen zu eng, wie Maya fand. Wie sich allerdings den Bildunterschriften entnehmen ließ, war die Frau an seiner Seite Melissa Davenport. Okay, das war also Julians Verlobte. Das erklärte natürlich alles. Na, mit der kannst du aber in deinen kühnsten Träumen nicht mithalten, Schätzchen. flüsterte eine Stimme tief in ihr. Maya stöhnte leise auf, weil ihr klar war, wie recht sie hatte. Melissa Davenport war wirklich verdammt hübsch und sie strahlte eine so unglaubliche Eleganz und Selbstsicherheit aus, dass Maya sich sofort ganz klein und unscheinbar vorkam. Mit dieser Frau konnte sie nicht einmal annähernd mithalten. Sie spürte, wie Eifersucht sie durchflutete. Eifersucht auf die Frau, die Julian so nah sein durfte. So nah, wie sie es niemals sein würde.

»Na, alles klar?«, riss Sarahs Stimme sie plötzlich aus ihren Gedanken. Maya zuckte erschrocken zusammen und sah mit ausdruckslosem Gesicht zu ihr auf.

»Hey, von welchem Stern kommst du denn gerade?«, kicherte ihre Kollegin.