Chinese Crested, Viringo und Xoloitzcuintle - Simone Neusüß - E-Book

Chinese Crested, Viringo und Xoloitzcuintle E-Book

Simone Neusüß

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Beschreibung

Das Sachbuch liefert uns fundierte Informationen zur Genetik und Geschichte der amerikanischen Hunderassen Chinese Crested Dog (Chinesischer Schopfhund), Perro sin pelo del Perú (Viringo oder Peruanischer Nackthund) und Xoloitzcuintle (Mexikanischer Nackthund). Anhand des Xoloitzcuintle erfahren wir mehr über die spannende Genetik der Hunderassen, deren Haarlosigkeit ein semidominantes Merkmal darstellt. Der Chinese Crested Dog ist ein langhaariger Nackthund, der exotisch auf uns wirkt. Seine Übersetzung lautet auch Indianischer Schopfhund. Wir folgen seiner Geschichte und entdecken längst vergessene Hundekulte und Modeströmungen. Aktualisierte Ausgabe mit zahlreichen Abbildungen und einem Grußwort von Pionier Joachim Weinberg. "Das Werk ist eine willkommene und wirkliche Bereicherung in der Kynologie!" Joachim Weinberg, Gründer und Ehrenvorsitzender des CER e.V.

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INHALT

GRUSSWORT

(von Joachim Weinberg)

EINFÜHRUNG

(von Simone Neusüß)

GENETIK DES XOLOITZCUINTLE

(von Luis Tovar Schoener)

Genetik

DNA

Gene

Meiose

Dominanz und Semidominanz

Letalität

Mutation

Drei Kreuzungsmöglichkeiten

Literatur und Quellenangaben

Abbildungen

GESCHICHTE DES CHINESISCHEN SCHOPFHUNDES

(von Simone Neusüß)

Zusammenfassung

Einführung

Die Besiedlung der Neuen Welt

Hund und Mensch

Haarlose Hunde in der Neuen Welt

Mexiko

Tlatilco

Colima

Peru

Chimú

Inka

Chincha

Die Eroberung der Neuen Welt

Columbus

De Las Casas

Cortés

De Sahagún

De Landa

De Ayala

De La Vega

Die weltweite Verbreitung der haarlosen Hunde

Hunde der Heiden

Exkurs: Der letzte Inka-Aufstand

Der Wolf Xoloitzcuintle

Der Ägyptische oder Türkische Hund

Der Afrikanische Hund

Die Geburtsstunde des Chinesischen Schopfhundes

Exkurs: USA - Great Plains

Vom Türkischen Mähnenhund zum Chinesischen Schopfhund

De Cuvier

Von Humboldt

Rengger

Pöppig

Von Tschudi

Brehm

Fitzinger

Friedrich

Beckmann

Exkurs: Südamerika

Gemälde mit haarlosen Hunden

David

Cranach

Van der Mijn

Cuitt

Van Gelder

Beltracchi

The Chinese Crested in the British Empire

Walsh

Shaw

Lee

Lane

Hubbard

Der China-Mythos

Haarlose Hunde als Luxushunde

Die Rettung des Xoloitzcuintle und des Perro sin pelo del Perú

Mexiko

Colima

Peru

Cholo

Viringo

Die gezielte Zucht des Chinesischen Schopfhundes

USA

Großbritannien

Deutschland

Frankreich

Joachim Weinberg

Amy Fernandez

Zur Exotisierung der haarlosen Hunde

Hundefleisch

Haarlosigkeit

Die Orientmode

Chinarezeption

Ägyptenrezeption

Türkenrezeption

Der Hund ohne Fell

Diskussionen im 20. Jahrhundert

Kohn

Plate

Wegner

Räber

Besonderheiten des Chinesischen Schopfhundes

Haarlosigkeit

Zahnstatus

Letalfaktor

Behaarung

Pfoten

Haut

Haltung und Erziehung

Zum Begriff Gendefekt

Gesetzliche Grundlagen

Argumentationsbeispiel

Der nackte Affe und der nackte Hund

Hund, Wolf und Mensch im Fokus

Von Parallelen und Unterschieden

Die ältesten Mythen

„Himmelshunde" und „Rädertiere

"

Exkurs: Beispiele aus der Mythologie

Chinese Crested goes Hollywood

Diskussionen im 21. Jahrhundert

Umfragen

Statistik

Zwischen Modehund und Ächtung

Fazit

Literatur und Quellenangaben

ANHANG

Steckbrief

Rassestandard

Chinese Crested

Viringo

Xoloitzcuintle

Kleines Nackthund-ABC

Glossar

Museumsliste

Weiterführende Informationen

Autoren

GRUSSWORT

Als Pionier – Wegbereiter – der Chinese Cresteds in Deutschland ist es mir ein echtes Bedürfnis dem mit viel Wissen und historischem Fundament geschriebenen Werk ein Geleitwort zu geben. Meine große Bewunderung gilt der Autorin für die weitgehenden Recherchen aus allen Herren Ländern und von fachkundigen Kynologen belegt, die sich mit der Herkunft der haarlosen Rassen und deren faszinierenden Mythos wissenschaftlich fundiert beschäftigten. Ein Erlebnis dieses einzigartige Werk zu studieren und zu genießen. Nichts wird ausgespart, so entdeckt man bei der Lektüre immer wieder auch Ungewöhnliches. Haarlose Hunderassen sind ein Stück Kulturgeschichte vergangener Zeiten, sie haben gottlob in der heutigen Zeit wieder ihren Platz bei Hundeliebhabern und Züchtern gefunden. Chinese Cresteds sind heutzutage ein fester Bestandteil in der Hundewelt, die auch auf den deutschen und internationalen Hundeausstellungen zahlreich vertreten sind.

Die haarlosen Rassen sind es wert, denn wie heißt es in meinem inzwischen oftmals veröffentlichten Zitat: „Einen Chinese Crested kann man nicht beschreiben, den muss man besitzen, um dieses Glück empfinden zu können, das dieser Hund gibt. Eine Seele, ein in seiner Zärtlichkeit und Liebe nicht zu beschreibendes Etwas. Ganz Hingabe seiner ihm eigenen körperlichen Wärme füllt er die letzte noch offene Ecke des Herzens seines Besitzers aus".

Das Werk ist eine willkommene und wirkliche Bereicherung in der Kynologie!

Hamburg, den 06.11.2013

Joachim Weinberg

EINFÜHRUNG

Ein äußerst spannendes Thema sind die Haarlosen Hunde der Neuen Welt:

Seit mehr als 2000 Jahren lassen sich sog. Nackthunde auf dem amerikanischen Kontinent nachweisen. Als die Europäer ab 1492 begannen, den Kontinent zu erforschen, fanden sie Nackthunde vermutlich bei den Cherokee, den Azteken, den Maya und den Inka sowie auf einigen Karibikinseln vor. Von alter Keramik und von charakteristischen Hundeskelettfunden wissen wir heute, dass es diese Hunde damals schon über einen längeren Zeitraum gegeben haben muss.

Heute gibt es drei von der FCI(Fédération Cynologique Internationale) offiziell anerkannte haarlose Hunderassen:

XOLOITZCUINTLE

(Mexikanischer Nackthund)

FCI Nr. 234

PERRO SIN PELO DEL PERÚ

(Peruanischer Nackthund)

FCI Nr. 310

CHINESE CRESTED DOG

(Chinesischer Schopfhund)

FCI Nr. 288

Der Xoloitzcuintle, kurz Xolo (sprich: „Scholo", Mexikanischer Nackthund), und der Perro sin pelo del Perú oder Viringo (Peruanischer Nackthund) zählen zu den Hunden vom Urtyp. Das sind Hunde, die als relativ selbständig und nicht ganz leicht erziehbar gelten. Der heutige Peruanische Nackthund weist eine Ähnlichkeit mit dem Ägyptischen Windhund auf. Vielleicht kam es zu Kreuzungen, denn die Europäer brachten ab 1492 auch Hunde mit in die Neue Welt.

Der Chinese Crested Dog, kurz Crested (Chinesischer Schopfhund), ist ein kleiner Gesellschafts- und Begleithund. Diese Hunde sind verspielt und anhänglich. Sie sind aus Kreuzungen des Xoloitzcuintle mit europäischen Gesellschaftshunden, auch Langhaarhunden, entstanden. Dies geschah, nachdem die Nackthunde mittels der europäischen Handelsschiffe auf den Kontinenten verbreitet worden waren (Columbian Exchange).

Für die Haarlosigkeit aller drei Rassen ist ein mutiertes Gen (FOXI3) verantwortlich, das dafür sorgt, dass in einem Wurf behaarte und haarlose Hunde fallen können. Dieses Gen sorgt nicht nur für das Fehlen von Fell sondern ebenfalls für eine geringere Zahnanzahl. Daher benötigt man auch die behaarten Nackthunde für eine gute Zucht. Die Nackthunde sind relativ robuste Hunde, die in der Sonne eine dunklere Haut bekommen und bei Kälte etwas mehr Futter benötigen.

Die Genmutation geht nach Ansicht einiger Experten auf ein einziges Tier zurück. Die Haarlosigkeit bringt in tropischen und subtropischen Gebieten vermutlich Vorteile: Fell ist bei Hitze, hoher Luftfeuchtigkeit und vielen Ektoparasiten eher lästig. Ein Erfolgsmodell in dieser Hinsicht ist der Mensch. Ähnliche Mutationen sind auch schon bei Katzen, Meerschweinchen, Pferden und Kühen aufgetreten. Daneben gibt es zahlreiche Wildtiere ohne Fell, beispielsweise Nacktmulle, Nacktfledermäuse, Wale, Walrosse, Seekühe, Flusspferde und Elefanten.

Für die Menschen Amerikas waren die haarlosen Hunde etwas Besonderes, denn sie treten in dualer Form auf, mit und ohne Fell. Sie wurden als Wach- und Jagdhunde eingesetzt, bestattet, rituell verehrt, den Göttern geopfert, verspeist, als Rheumaauflagen und als Bettflaschen verwendet.

Die europäischen Invasoren brachten weder den Menschen des eroberten Kontinents noch ihren Hunden besondere Wertschätzung entgegen (Clash of cultures). Erst ab 1850 regte sich leichtes Interesse und ab 1950 begann das Revival der Haarlosen Hunde. Heute werden sie in vielen Ländern gezüchtet. In Mexiko und Peru gelten die Xolos und Viringos als wertvolles Kulturgut.

Haarlose Hunde werden auch in Europa immer beliebter, doch sie werfen Fragen auf:

Warum gibt es die Nackthunde haarlos und behaart?

Wie viel Ur-Hund steckt noch im Chinese Crested?

Wie erzieht man einen Schopfhund?

Friert ein Nackthund dauernd?

Bekommt er oft Sonnenbrand?

Fällt man mit einem haarlosen Hund auf?

Aus welcher Region Chinas stammt der Chinesische Schopfhund?

Sind Nackthunde „Qualzucht"?

Sind sie „magisch"?

Usw.

Diese und viele andere Fragen spricht das vorliegende Buch erstmals in deutscher Sprache an. Erstmalig wurden archäologische, mythologische, ethnologische, historische und kunsthistorische Quellen zum Thema Nackthund in dieser breiten Form ausgewertet.

Der Chinesische Schopfhund weist noch heute die vorteilhaften Proportionen und die Windhund ähnliche Statur von Hunden vom Urtyp auf. Er eignet sich als kleiner „Allrounder", ist sportlich und anhänglich, kann recht selbständig agieren und relativ resistent gegen Parasiten und Erkrankungen sein.

Mit dieser Publikation zur Genetik und Geschichte hoffen wir, die bestehende Informationslücke im deutschsprachigen Raum zu schließen, mit einigen Mythen aufzuräumen und Vorurteile zu entkräften.

Besonders freue ich mich über das Grußwort (zur 3. Auflage) von Joachim Weinberg, der in den 1960er Jahren die Zucht der haarlosen Hunderassen in Westdeutschland einführte, eine Pioniertat, die sich humorvoll in seiner Autobiographie „Alle meine Hunde und ein bisschen mehr" (2004) nachlesen lässt.

Mein Dank gilt ebenso Luis Tovar Schoener, der sich als Mittler zwischen den Welten, Mexiko und Schweiz, und als Genetiker und Tierarzt fundiert für die Erforschung, Genpoolerhaltung und Dualität der Xoloitzcuintles einsetzt.

Meinen bereits 2013 veröffentlichten Text zur Geschichte der haarlosen Hunde habe ich auch für diese Auflage aktualisiert und erweitert.

Alle drei Hunderassen - XOLOITZCUINTLE, PERRO SIN PELO DEL PERÚ und CHINESE CRESTED DOG – gehen auf 1 Gründertier mit der Mutation auf dem FOXI3-Gen zurück, teilen weitgehend ihre Geschichte, ähneln sich im Charakter und in ihrer Haltung und Pflege.

Landau in der Pfalz, im März 2018

Simone Neusüß

GENETIK DES XOLOITZCUINTLE

Luis Tovar Schoener

Genetik

Wie sehen wohl die Welpen von zwei haarlosen Xolos aus?

Zwei Nackthunde:

Bekommen sie vier nackte Welpen?Oder drei nackte und einen behaarten Welpen?Oder werden es vielleicht zwei nackte und zwei behaarte Welpen sein?Abbildungen am Kapitelende!

Wie funktioniert eigentlich Genetik?

Die Erforschung der Vererbung begann mit Gregor Mendel und seinem Erbsengarten.

Mendel war ein österreichischer Mönch, der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte.

Seine Forschungen führten ihn zu der Erkenntnis, dass erbliche Eigenschaften, wie beispielsweise die Größe von Pflanzen, in Informationspaaren und nicht in Einzelinformationen enthalten sein müssen.

Diese Informationen sind in den Chromosomen enthalten – in jeder einzelnen Körperzelle.

DNA

Phosphorsäure

Desoxyribose (einem Zucker)

Und einer Kombination aus vier Nukleobasen:

Guanin

Cytosin

Thymin

Adenin

Die Summe der möglichen Kombinationen dieser vier Basen ist größer als alle sichtbaren Sterne am Nachthimmel unserer Hemisphäre.

Die Nukleobasen bilden Paare: Cytosin & GuaninThymin & AdeninDie Paare bilden die Stufen einer Leiter.Die Winkel ihrer Bindungen bilden eine Spirale.

Leiter und Spirale ergeben zusammen die berühmte DNA-Doppelhelix.

Die DNA findet sich in allen lebenden Zellen.

Sie kontrolliert alle Funktionen jeder Zelle.

Jede Zelle speichert die gesamte Information für einen ganzen Organismus, von der Mikrobe bis zum Wal.

Gene

GENE: Gene sind Segmente der DNA, die ein spezifisches Merkmal kodieren, zum Beispiel ein Gen für die Augenfarbe.

MERKMALE:

Ein Charakteristikum eines Organismus' kann mittels seiner DNA an seinen Nachwuchs weitergegeben werden.

ALLELE:

Allele sind Variationen der Gene, zum Beispiel das Allel für eine braune Augenfarbe. Einige Allele sind gegenüber anderen

dominant.

Das bedeutet, wenn eine Person ein dominantes und ein

rezessives

Allel erbt, dann wird das dominante Allel zum Vorschein treten und das rezessive wird verdeckt bleiben.

GENOTYP:

Der Genotyp umfasst die aktuelle Menge an Allelen, die ein Organismus aufweist. Zum Beispiel hat man den Genotyp Bb, wenn man das Allel B für die braune Augenfarbe und das Allel b für die blaue Augenfarbe besitzt.

Ein Organismus gilt als

HOMOZYGOT

für ein bestimmtes Merkmal, wenn er zwei gleiche Allele trägt:

HOMOZYGOT DOMINANT,

wenn er zwei dominante Allele aufweist (BB)

HOMOZYGOT REZESSIV,

wenn er zwei rezessive Allele trägt (bb)

Oder:

HETEROZYGOT,

wenn er zwei verschiedene Allele besitzt (Bb)

PHÄNOTYP:

Der Phänotyp bezeichnet den sichtbaren Ausdruck eines Gens.

Wenn man zum Beispiel den Genotyp Bb mit einem dominanten und einem rezessiven Allel hat, wird das dominante Allel (B für braune Augen) das rezessive Allel (b für blaue Augen) überlagern und man hat im Phänotyp braune Augen.

Meiose

Die Meiose ist ein Prozess der Zellteilung, bei dem die Anzahl der Chromosomen in Hälften geteilt wird, um Keimzellen zu produzieren.

Gene existieren immer paarweise in einem Individuum.

Aber das Individuum

vererbt nur eines der beiden Allele

an seine Nachkommen.

Das bedeutet, von allen Allelen der Nachkommenschaft stammt eines vom Vater und eines von der Mutter.

Haarlosigkeit ist ein Beispiel für ein Merkmal.

Wo aber liegt der genetische Unterschied zwischen einem behaarten Xolo und einem haarlosen Xolo?

Es gibt drei grundlegende Arten von Verhaltensweisen bei Allelen:

DOMINANT – Ein Allel kommt stets zum Vorschein und verbirgt das andere (BB und Bb).

REZESSIV

– Ein Allel kommt nur zum Vorschein, wenn das dominante Allel nicht vorhanden ist (bb).

SEMIDOMINANT oder KODOMINANT

– Beide Allele arbeiten zusammen (Bb), um in einer Zwischenstufe ein drittes Merkmal zu produzieren (zwischen BB und bb).

Dominanz und Semidominanz

Dominanz:

Bei der Kreuzung von violetten und weißen Blüten entstehen violette Blüten.

Eine violette Blüte und eine weiße Blüte erzeugen violette Blüten.

Das Allel für Violett ist dominant.

Heterozygote (Pp) haben den gleichen Phänotyp wie Homozygote (PP).

Semidominanz:

Bei der Kreuzung von roten und weißen Blüten entstehen rosafarbene Blüten.

Eine rote Blüte und eine weiße Blüte erzeugen rosafarbene Blüten.

Die Allele für Rot und Weiß verhalten sich semidominant.

Heterozygote (Pp) haben einen intermediären Phänotyp zwischen dem homozygoten dominanten (PP) und dem homozygoten rezessiven (pp).

Dominante und rezessive Allele:

Der kleine Eddie Munster aus der CBS-Sitcom „The Munsters" ist ein Werwolf mit einem „Widow's peak" (deutsch „Witwenspitze"), einem spitzen Haaransatz.

Ein dominantes Allel wird immer ein rezessives Allel überlagern.

Ein „Widow's peak" ist dominant - kein „Widow's peak" ist rezessiv.

Wenn ein Elternteil ein Allel für einen „Widow's peak" beisteuert und das andere Elternteil nicht, werden alle Nachkommen einen „Widow's peak" haben.

Die Haarlosigkeit beim Xolo ist ein semidominantes Merkmal.

Das Allel für Haarlosigkeit (H) wird immer das rezessive Allel (h für behaart) überlagern.

Wenn ein Elternteil immer ein dominantes Allel für Haarlosigkeit (H) beitragen könnte und das andere Elternteil ein rezessives Allel (h) für behaart, dann wären alle Nachkommen haarlos. Das ist jedoch unmöglich, aus Gründen, die wir unten noch sehen werden.

Das „Punnett Square" (deutsch „Punnett-Quadrat", benannt nach Reginald C. Punnett):

Das „Punnett Square" ist ein Werkzeug, das wir für die Vorhersage der Eigenschaften eines Nachkommens nutzen.

Buchstaben werden als Symbole verwendet, um Allele zu benennen.

Großbuchstaben werden für dominante Allele verwendet (H).

Kleinbuchstaben werden für rezessive Allele verwendet (h).

Allele sind immer paarweise in einem Individuum vorhanden, aber nur ein Allel wird an die Nachkommen weitergegeben.

Das Quadrat besteht aus 2x2 Kästchen.

Das Allelenpaar, das von jedem Elternteil bereitgestellt wird, wird in zwei Allele getrennt (wie es in der Meiose geschieht). Die Allele des einen Elternteils werden oben hingeschrieben (W und w), die des anderen Elternteils an die Seite des Quadrates (w und w).

Jedes Allel wird mit dem entsprechenden Allel in einem Kästchen kombiniert, um die genetischen Eigenschaften der Nachkommen vorherzusagen.

Dominant

Ein „Widow's peak"-Allel ist dominant und wird mit dem Buchstaben „W" bezeichnet, während kein „Widow's peak" rezessiv ist und mit dem Buchstaben „w" symbolisiert wird.

Der Vater des kleinen Eddie Munster, Herman Munster, ähnelt dem Frankenstein-Monster und hat keinen „Widow's peak", also

w

.

Die Mutter, Lily Munster, eigentlich Lily Dracula-Munster, stammt aus Transsilvanien und hat einen „Widow's peak", also

W

.

Jeder Organismus hat zwei Kopien von jedem Allel. Eines wird vom Vater, eines von der Mutter zur Verfügung gestellt.

Homozygot bedeutet zwei Kopien des gleichen Allels.

Heterozygot bedeutet zwei unterschiedliche Allele.

Im Fall des „Widow's peak" heißt das:

WW, homozygot dominant, hat einen „Widow's peak".

Ww, heterozygot, hat ebenfalls einen „Widow's peak".

ww, homozygot rezessiv, hat keinen „Widow's peak".

Die genetische Struktur wird als „Genotyp" bezeichnet und ihr physischer Ausdruck als „Phänotyp". Im Falle des Dominanzverhaltens:

Die Genotypen WW (homozygot dominant) und Ww (heterozygot) erzeugen einen Phänotyp mit einem "Widow's peak".

Der Genotyp ww (homozygot rezessiv) erzeugt einen Phänotyp ohne "Widow's peak".

Da Herman Munster keinen spitzen Haaransatz hat, muss er vom Genotyp ww sein. Da Lily Munster einen spitzen Haaransatz hat, kann sie entweder WW oder Ww sein.

Herman Munster: definitiv ww – homozygot rezessiv.

Lily Munster: entweder Ww – heterozygot, oder WW – homozygot dominant.

Wir können ein „Punnett-Square" verwenden, um zu bestimmen, welche Allelen-Paare Lily Munster besitzt:

Unter der Annahme, dass Lily (oben) heterozygot ist – Ww, und unter der Annahme, dass Herman (links) homozygot rezessiv – ww ist, ergibt das: 50% Ww und 50% ww.

Beachten Sie, dass wir bei der Analyse von Lilys und Hermans Nachkommen vorhersagen würden, dass die Hälfte „Ww" und die andere Hälfte „ww" sein müsste.

50% „Ww" (links), heterozygot, müsste einen spitzen Haaransatz haben.

Und 50% „ww" (rechts), homozygot, hätte keinen spitzen Haaransatz.

Eine zweite Möglichkeit ist, dass Lily homozygot dominant sein könnte „WW".

Unter der Annahme, dass Lily (oben) homozygot dominant ist – WW, und wir bleiben bei der Annahme, dass Herman (links) homozygot rezessiv ist –ww, ergibt das: 100% Ww.

Alle Nachkommen werden heterozygot und haben einen spitzen Haaransatz.

Was ist also wahr?

Ist Lily (oben) homozygot dominant (WW) oder ist sie heterozygot (Ww)?

Wenn Lily heterozygot (Ww) ist, dann hat die Hälfte ihrer Nachkommen einen spitzen Haaransatz und die andere Hälfte keinen: 50% Ww und 50% ww.

Wenn Lily homozygot dominant (WW) ist, dann müssen alle ihre Kinder einen spitzen Haaransatz haben: 100% Ww.

Erinnern Sie sich daran, dass Herman und Lily eine weitere Tochter, die blonde Marylin, haben. Sie hat keinen spitzen Haaransatz und muss daher rezessiv homozygot (ww) sein. Lily ist somit heterozygot (Ww): 50% Ww und 50% ww.

[Anm.: Die Munsters dienen hier als Beispiel. Die tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse in der Sitcom spielen keine Rolle.]

Wenden wir uns wieder den Nackthunden zu:

Semidominanz oder Kodominanz

Die Haarlosigkeit bildet beim Xoloitzcuintle ein SEMIDOMINANTES MERKMAL: zwei Allele, die kombiniert (Hh) ein drittes Zwischenmerkmal produzieren.

Das dominante Allel (produziert Haarlosigkeit) wird immer das rezessive Allel (Vorhandensein von Haar) überdecken oder maskieren, aber nur teilweise.

Den vollständigen Ausdruck des dominanten Allels findet man nur bei homozygot dominanten Hunden (HH).

Wenn ein Elternteil immer ein Allel für Haarlosigkeit liefern könnte, wären alle Nachkommen haarlos. Das ist jedoch unmöglich, aus Gründen, die wir noch analysieren werden.

Bei Semidominanz werden zwei unterschiedliche Allele kombiniert, die zu einem Phänotyp führen - einer Kombination, die zwischen den beiden ursprünglichen Phänotypen liegt. Das ist beim Xoloitzcuintle der Fall.

Semidominanz

Bei der Kreuzung von roten und weißen Blüten entstehen in der 1. Generation rosafarbene Blüten. Eine rote Blüte und eine weiße Blüte erzeugen rosafarbene Blüten. Die Allele für Rot und Weiß verhalten sich semidominant.

Bei der Kreuzung der rosafarbenen Nachkommen miteinander entstehen in der 2. Generation rote, rosafarbene und weiße Blüten.

1. Generation:

Rot und Weiß ergibt eine Mischung (Rosafarben). RR gekreuzt mit WW ergibt zu 100% RW.

2. Generation:

Die Mischung ergibt 25% Rot, 50% Rosafarben und 25% Weiß. RW gekreuzt mit RW ergibt zu 25% RR, zu 50% RW und zu 25% WW.

Letalität

Das Gen, das die Haarlosigkeit beim Xoloitzcuintle produziert, ist zusätzlich ein tödliches Gen, ein LETAL-GEN. Es gibt einen ähnlichen Fall bei der Produktion von gelbem Fell (Yellow) bei der Gemeinen Maus.

Ein dominantes Allel (Y) erzeugt gelbe Farbe mit einem subdominanten Verhalten.

Normalerweise (bei Dominanz) würden die Genotypen (YY) und (Yy) gelbe Mäuse produzieren.

Aber der homozygot dominante Genotyp (YY) ist letal, so dass diese Mäuse in der Schwangerschaft nicht überleben.

Diese Tatsache ändert das übliche Dominanzverhältnis von 3:1 (75% zu 25%) bei einer Kreuzung von Yy und Yy, weil einer der vier Quadranten des „Punnett Square" stirbt und resorbiert wird.

Zwei gelbe Mäuse (Yellow – Yy) ergeben in der 1. Generation 25% tote Mäuse (YY), 50% gelbe Mäuse (Yy) und 25% nicht-gelbe Mäuse (yy - beispielsweise graue Mäuse):

Yy gekreuzt mit Yy ergibt zu 25% YY (letal), zu 50% Yy und zu 25% yy.

YY-Mäuse sind nicht lebensfähig, daher sind 2/3 der Nachkommen Yy (Gelb) und 1/3 der Nachkommen yy (Nicht-gelb).

Der haarlose Xoloitzcuintle

Haarlosigkeit wird durch eine Mutation erzeugt.

Mutationen sind

SPONTANE

Variationen des genetischen Materials, die eine Veränderung im Phänotyp (physische Eigenschaften) des Organismus bewirken.

Mutation

Mutationen können jede Art von körperlicher Veränderung produzieren (Merkmal).

Einige dieser Veränderungen sind mit dem Leben vereinbar, wie Albinismus. Einige sind es nicht.

Mutationen sind neue Varianten und produzieren einzigartige körperliche Veränderungen. Wenn diese Merkmale oder Eigenschaften lebenskompatibel sind, werden sie fortgepflanzt. Beispielsweise rote Haare, blaue Augen usw.

Wenn sie lebenskompatibel sind, können sie für den Einzelnen, das Individuum, einen Vorteil oder einen Nachteil darstellen, in Abhängigkeit von den äußeren Bedingungen (vom Klima usw.).

Die Mutation beim Xolo ist eine Duplikation eines kleinen Segmentes des Gens FOXI3 im Chromosom 17. [1, 2]

Die Mutation erzeugt einen Zustand namens

„Canine Ectodermic Dysplasia"

(CED), die für das teilweise oder vollständige Fehlen der Haare verantwortlich ist, kombiniert mit dem Fehlen oder der anormalen Entwicklung von Zähnen. [2]

CED wird vererbt als ein monogenes autosomal semidominantes Merkmal [1], verbunden mit Chromosom 17. [2]

MONOGEN:

Das Merkmal wird von einem einzigen Gen produziert und speziell nur von einem der beiden Allele. [3]

AUTOSOMAL:

Es wird über ein Chromosom vererbt, in diesem Fall Chromosom Nr. 17, ohne Einbeziehung der Geschlechtschromosomen. [3]

SEMIDOMINANT:

Der Phänotyp der heterozygoten Hunde (Hh, haarloser Xolo) ist intermediär, ein Zwischenmerkmal, zwischen den homozygoten dominanten (HH, nicht lebenskompatibel) und den homozygoten rezessiven Hunden (hh, behaarter Xolo). [3]

[Anm.: Der Name des Syndroms, CED, ist gleich dem Namen der Ektodermalen Dysplasie beim Menschen, weil es ähnliche Symptome (Haare, Zähne) gibt. Es handelt sich jedoch nicht um das gleiche Syndrom.]

Der Xoloitzcuintle hat 38 Chromosomen und 2 Geschlechtschromosomen (XY oder XX). Die Mutation befindet sich im Chromosom Nr. 17.

CED (und die Duplikation im FOXI3-Gen) ist drei Hunderassen gemeinsam:

XOLOITZCUINTLE, kurz Xolo (Mexikanischer Nackthund)

PERRO SIN PELO DEL PERÚ, auch Viringo (Peruanischer Nackthund)

CHINESE CRESTED DOG, kurz Crested (Chinesischer Schopfhund)

Diese Tatsache deutet auf einen gemeinsamen Ursprung der drei Rassen hin. [4]

Semidominanz oder Kodominanz

Der Ausdruck des FOXI3-Gens ist semidominant: Der Phänotyp der heterozygoten Hunde (Hh, haarloser Xolo) ist intermediär zwischen dem der homozygoten dominanten (HH, nicht lebenskompatibel) und dem der homozygoten rezessiven Hunde (hh, behaarter Xolo). [3] Das Verhalten ist ähnlich dem anderer Fälle von Semidominanz, gemäß den Mendelschen Gesetzen.

HH (nicht lebensfähig), Hh (haarlos) und hh (behaart):

Hh x Hh ergibt 25% HH (nicht lebenskompatibel), 50% Hh (haarlos) und 25% hh (behaart).

Eine einzelne Kopie des mutierten Allels „H" produziert einen haarlosen Hund (Hh). [4]

Das Fehlen eines mutierten Allels „H" erzeugt einen behaarten Hund (hh). [4]

Zwei Kopien des mutierten Allels (HH) sind mit dem Leben unvereinbar. Homozygot dominante Embryonen sterben vor der Geburt und werden resorbiert. [4] Einige Autoren berichteten über die Geburt von haarlosen Chinese Crested-Hunden mit schweren Zahn- und Mundfehlbildungen, die kurz nach der Geburt starben. [2, 4, 5]

Diese waren vielleicht homozygot dominant (HH). Weitere Forschungen sind an dieser Stelle notwendig.

[Anm.: Hierzu fehlen Studien, auch weil in der Zucht häufig haarlose (Hh) mit behaarten (hh) Chinese Crested-Hunden verpaart werden.]

Heterozygot (Hh) – haarloser Xolo

Homozygot rezessiv (hh) – behaarter Xolo

Homozygot dominant (HH) – nicht lebenskompatibel

Drei Kreuzungsmöglichkeiten

Zurück zu unserem „Punnett Square", wir haben drei Kreuzungsmöglichkeiten:

Haarlos x Haarlos (Hh x Hh)

Haarlos x Behaart (Hh x hh)

Behaart x Behaart (hh x hh)

Die angegebenen proportionalen Raten stellen einen Richtwert dar und entsprechen nicht unbedingt dem genauen Verhältnis der tatsächlichen Würfe. Dennoch wird die Analyse einer größeren Anzahl von Würfen eine Tendenz zur Annäherung an diesen Richtwert zeigen.

MÖGLICHKEIT 1: HAARLOS x HAARLOS

Haarlos: Heterozygot – Hh

50% des Wurfs sind haarlos (Hh oder heterozygot).

25% des Wurfs sind behaart (hh oder homozygot rezessiv).

25% des Wurfs (HH oder homozygot dominant) sterben vor der Geburt und werden resorbiert.

Ergebnis: 2/3 des Wurfs sind haarlos (Hh oder heterozygot) und 1/3 ist behaart (hh oder homozygot rezessiv).

MÖGLICHKEIT 2: HAARLOS x BEHAART

Haarlos: Heterozygot – Hh

Behaart: Homozygot rezessiv – hh

50% des Wurfs sind haarlos (Hh oder heterozygot).

50% des Wurfs sind behaart (hh oder homozygot rezessiv).

MÖGLICHKEIT 3: BEHAART x BEHAART

Behaart: Homozygot rezessiv – hh

100% des Wurfs sind behaart (hh oder homozygot rezessiv).

Jeder dieser Hunde (hh) wird bei der Kreuzung mit einem haarlosen Xolo (Hh) wieder Möglichkeit 2 ergeben.

MÖGLICHKEIT 4: HAARLOS x HAARLOS

Haarlos: Homozygot dominant? – HH?

Es gibt wahrscheinlich keine lebenden homozygot dominanten Xolos (HH).

Die Bedingung „homozygot dominant" ist nicht lebenskompatibel. [4] Einige Autoren berichteten über die Geburt von haarlosen Chinese Crested-Hunden mit schweren Zahn- und Mundfehlbildungen, die kurz nach der Geburt starben. [2, 4, 5]

Der Xoloitzcuintle ist, wie jede andere Hunderasse, einzigartig in seiner genetischen Zusammensetzung. Alle seine Merkmale werden durch das gesamte Genom vererbt (alle Chromosomen, die gesamte DNA).Haarlosigkeit ist nur ein Merkmal unter anderen, die in einem einzelnen Xoloitzcuintle vorhanden sein oder fehlen können.Einige Züchter haben berichtet, dass sie ein besseres Gebiss in ihren Würfen erhielten, wenn sie behaarte Xolos in ihr Zuchtprogramm mit aufnahmen. [6]

Literatur und Quellenangaben

Original in Spanisch und Englisch. Text nach der englischen Power Point-Präsentation „Xoloitzcuintle Genetics" von Dr. med. vet. Luis Tovar Schoener, 2012.

Verantwortlich für Übersetzung, Umsetzung und Anmerkungen: Simone Neusüß M.A., 2013.

Abbildungen

Hairless Xolo: Maya Tikal (Quintero) von Giovanna Suedan, Mexiko. Coated Xolo: Cóyotl de Korrantoh (Elevage de Korrantoh) von Estelle Anthoni-Koch, Frankreich.

Fotos aus der Original-Präsentation von Luis Tovar Schoener.

Zeichnungen und sonstige Fotos: Simone Neusüß.

Bibliographie

Chinese crested dog,

R. Robinson, (1985), Journal of Heredity, 76, 217-218.

Genetic Mapping of Canine Multiple System Degeneration and Ectodermal Dysplasia Loci,

Dennis P. O'Brien et al., Department of Veterinary Medicine and Surgery, University of Missouri, 379 East Campus Drive, Columbia, MO 65211, USA (Journal of Heredity 2005:96(7):727–734 doi:10.1093/jhered/esi086, Advance Access publication June 15, 2005).

MedlinePlus Merrian Webster medical dictionary.

A Mutation in Hairless Dogs Implicates FOXI3 in Ectodermal Development,

Cord Drögemüller et al., University of Berne, 3001 Berne, Switzerland (Science, 2008 Sep 12;321(5895):1462.).

L'heredite mendelienne du caractère « peau nue » chez le chien,

Létard, E. Prof., C. R. Soc. Biol., Paris 103:1135-1136. 1930.

Persönliche Kommunikation.

Wie sehen wohl die Welpen von zwei haarlosen Xolos aus?

Gregor Mendel:

Chromosome, DNA-Doppelhelix, Zellkern und Gen:

Der Zellkern

Gen

Meiose:

Xolos:

Haarlosigkeit ist ein Beispiel für ein Merkmal.

Coated Xolo

Hairless Xolo

Eine violette Blüte und eine weiße Blüte erzeugen violette Blüten:

Eine rote Blüte und eine weiße Blüte erzeugen rosafarbene Blüten:

Eddie Munster, Herman Munster, Lily Munster, Marilyn Munster:

Das Punnett-Quadrat:

Unter der Annahme, dass Lily (oben) heterozygot ist – Ww, und unter der Annahme, dass Herman (links) homozygot rezessiv – ww ist, ergibt das: 50% Ww und 50% ww.

Unter der Annahme, dass Lily (oben) homozygot dominant ist – WW, und wir bleiben bei der Annahme, dass Herman (links) homozygot rezessiv ist –ww, ergibt das: 100% Ww.

Bei der Kreuzung von roten und weißen Blüten entstehen in der 1. Generation rosafarbene Blüten:

Bei der Kreuzung der rosafarbenen Nachkommen miteinander entstehen in der 2. Generation rote, rosafarbene und weiße Blüten:

Semidominanz:

Generation: Rot und Weiß ergibt eine Mischung (Rosafarben). RR gekreuzt mit WW ergibt zu 100% RW.

Generation: Die Mischung ergibt 25% Rot, 50% Rosafarben und 25% Weiß. RW gekreuzt mit RW ergibt zu 25% RR, zu 50% RW und zu 25% WW.

Letalität:

Zwei gelbe Mäuse (Yellow – Yy) ergeben in der 1. Generation 25% tote Mäuse (YY), 50% gelbe Mäuse (Yy) und 25% nicht-gelbe Mäuse (yy- beispielsweise graue Mäuse):

YY-Mäuse sind nicht lebensfähig, daher sind 2/3 der Nachkommen Yy (Gelb) und 1/3 der Nachkommen yy (Nicht-gelb).

Gelbe Mäuse:

Yy gekreuzt mit Yy ergibt zu 25% YY (letal), zu 50% Yy und zu 25% yy.

Xolos:

HH (nicht lebensfähig), Hh (haarlos) und hh (behaart): Hh x Hh ergibt 25% HH (nicht lebenskompatibel), 50% Hh (haarlos) und 25% hh (behaart).

Drei Kreuzungsmöglichkeiten: MÖGLICHKEIT 1: HAARLOS x HAARLOS

Ergebnis: 2/3 des Wurfs sind haarlos (Hh oder heterozygot) und 1/3 ist behaart (hh oder homozygot rezessiv).

Hairless: Heterozygous - Hh

Hairless: Heterozygous - Hh

MÖGLICHKEIT 2: HAARLOS x BEHAART

50% des Wurfs sind haarlos (Hh oder heterozygot). 50% des Wurfs sind behaart (hh oder homozygot rezessiv).

Hairless: Heterozygous - Hh

Coated: Homozygous recessive - hh

MÖGLICHKEIT 3: BEHAART x BEHAART

100% des Wurfs sind behaart (hh oder homozygot rezessiv).

Coated: Homozygous recessive - hh

Coated: Homozygous recessive - hh

MÖGLICHKEIT 4: HAARLOS x HAARLOS

Es gibt wahrscheinlich keine lebenden homozygot dominanten Xolos (HH).

Homozygous dominant? HH?

Homozygous HH? dominant?

GESCHICHTE DES CHINESISCHEN SCHOPFHUNDES

Simone Neusüß

ZUSAMMENFASSUNG

Während der letzten Eiszeit ziehen Menschen und Hunde aus Ostasien/Sibirien über Beringia auf den amerikanischen Kontinent, wo sie um 10.000 v.u.Z. durch den Anstieg des Meeresspiegels weitgehend isoliert werden. Die Hunde fungieren als wichtige Haustiere und Gefährten, auch im spirituellen Bereich.

Vor etwa 2500 Jahren kommt es durch eine Genmutation bei einem Vorläufer des heutigen Xoloitzcuintle zur Haarlosigkeit. Diese Mutation wird unter den Hunden weiter verbreitet, so dass vor 500 Jahren im Bereich der amerikanischen Tropen und Subtropen haarlose Hunde beheimatet sind. Die Menschen schreiben den nackten Hunden besondere Eigenschaften und Kräfte zu.

Die gewaltsame Eroberung Amerikas durch die Europäer beendet die Isolation. Nackthunde werden mit europäischen Hunden gekreuzt sowie durch Handelsschiffe auf den Kontinenten verbreitet. Sie werden, wie die indigene Bevölkerung, herabgewürdigt. Ihre Herkunft gerät in Vergessenheit.

Diverse Kreuzungsexperimente zwischen Xoloitzcuintles und europäischen Gesellschaftshunden führen im Grenzgebiet der USA und Mexikos ab 1848 zum „Chinesischen" Schopfhund. Der Name „Chinese Crested Dog" ist seit 1880 in Europa bekannt. Er geht auf die spanische Bezeichnung „Perro chino" und den europäischen Chinahandel zurück. Die typische Rassenausprägung gelingt erst ab 1950 in den USA. In dieser Zeit werden auch die Xoloitzcuintles und die Perros sin pelo del Perú vor der Ausrottung gerettet.

1965 beginnt die Zucht der Chinesischen Schopfhunde in West-Deutschland. 1989 werden sie als „Qualzucht" eingestuft. Damit wird laut §11b des TSchG eine Empfehlung zum Zuchtverbot bei Haarlosigkeit ausgesprochen.

2008 wird das mutierte Gen FOXI3 identifiziert, das für die Haarlosigkeit verantwortlich ist. Die Hunderasse wird in Deutschland immer beliebter. 2012 wird von Tierschutzverbänden ein Ausstellungsverbot für haarlose Hunde gefordert. 2013 wird der genetische Nachweis erbracht, dass amerikanische Hunde einen Rest der altamerikanischen Kultur darstellen. 2015 warnt die Bundestierärztekammer Berlin vor dem Kauf von haarlosen Haustieren.

SCHLÜSSELWÖRTERXoloitzcuintle, Genmutation, Haarlosigkeit, Tropen, Amerika, Gesellschaftshunde, Chinahandel, Qualzucht

Einführung

Nach einem Volksmythos in Nicaragua fand einst ein großer Hund den Weg aus der Unterwelt und wurde durch einen Vulkan geboren. Durch die feurige Vulkangeburt verbrannten seine Haare und er lebte, wie auch seine Nachkommen, haarlos in der Hier-Welt. Diese haarlosen Hunde sprechen die Sprache der Götter (nach MORTON 2007).

Der Chinesische Schopfhund ist der einzige Langhaar-Nackthund unter den mittlerweile über 350 Hunderassen. Er ist ein kleiner Gesellschaftshund, der nicht aus China stammt. Er hat gemeinsame Wurzeln mit dem Xoloitzcuintle (Mexikanischer Nackthund). Außerdem wurden diverse europäische Hunderassen eingekreuzt. Durch seine vielfältige Herkunft weist der Chinesische Schopfhund eine große Variabilität an Behaarungstypen auf. Laut seines Rassestandards ist jede Farbe erlaubt.

Diese Publikation gibt einen Überblick über die Entwicklung zur heutigen Hunderasse des Chinesischen Schopfhundes. Schlaglichtartig werden einzelne Epochen und besondere Ereignisse herausgestellt.

Aus der Fülle der historischen Quellen wurden hauptsächlich einige deutsch-, englisch- und spanischsprachige herangezogen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Bewertung der Hunderasse im deutschsprachigen Raum. Die Geschichte der haarlosen Hunde ist untrennbar mit der Geschichte der Menschen verbunden. Hier soll gezeigt werden, dass die Hunderasse an der Schnittstelle zwischen östlich geprägten Pazifikkulturen und westlich geprägten Atlantikkulturen entstand und bis heute polarisiert. – Diese starke Polarisierung gab den Anstoß für meine Recherchen. - Der Name und die Verbreitung der Hunde sind eng mit historischen Handelsrouten verbunden.

Mir ist bewusst, dass der Rassename aus eurozentrischer Sicht entstanden ist. Dies sind auch viele andere Begriffe, die ich hier verwende. Das Konstrukt einer „Hunderasse" kann man durchaus in Frage stellen, ich lasse es aber wegen der allgemeinen Verständlichkeit so stehen, ebenso geografische Bezeichnungen wie „Amerika" oder „Neue Welt".

„Afrika ist eine Erfindung der Europäer", heißt es. Dies gilt ebenso für Amerika, wo Missverständnisse seltsame Blüten trieben. So leitet sich vermutlich die Bezeichnung der Halbinsel Yucatán von „Yuk ak katán" ab, was nichts anderes bedeutet als: „Ich verstehe deine Worte nicht."

Die Idee der „Menschenrasse" gehört vergangenen Jahrhunderten an, diskriminierende Bezeichnungen wie „Indianer" oder „Neger" sind daher in Anführungszeichen gesetzt und allein dem historischen Thema geschuldet.

Im 20. Jahrhundert wurden viele Wissenschaftsdisziplinen getrennt betrachtet und der Hund spielte kaum eine Rolle in der Geschichtsforschung.

Heute werden Erkenntnisse aus der Archäologie, Biologie, Epigenetik, Ethnologie, Genetik, Geschichte, Kynologie, Mikrobiologie, Psychologie, Verhaltensforschung usw. in Einklang gebracht. Sie werfen ein neues Licht auf die gemeinsame Geschichte von Hund und Mensch.

Jährlich kommen neue Informationen hinzu, die uns immer wieder

zum erneuten Überdenken anregen.

Die folgenden Kapitel können auch einzeln gelesen werden.
Die Abbildungen finden sich jeweils blockweise dazwischen.

Die Besiedlung der Neuen Welt

Gegen Ende der letzten Eiszeit, um 12.000 v.u.Z., lag der Meeresspiegel um 130 m tiefer als heute und die Küstenstreifen waren teilweise um mehrere Kilometer breiter. Zwischen Sibirien und Alaska gab es eine etwa 1000 km breite Landbrücke, die Beringstraße oder Beringia.

Der moderne Mensch (Homo sapiens), ein sehr erfolgreiches Modell der Evolution, überquerte nach einer Theorie vor etwa 16.000 Jahren erstmals die Beringstraße nach Osten. Vor etwa 9000 Jahren erreichten Einwanderungsgruppen dieser sog. Paläoindianer Patagonien. Dann erfolgte eine zweite große Einwanderungswelle von „Paläoindianern", die jedoch auf Nordamerika beschränkt blieb. Eine dritte Einwanderungswelle folgte zwischen 13.000 – 11.000 v.u.Z., die Clovis-Kultur in Nordamerika (KURELLA 2008).

Die Einwanderer kamen aus Sibirien und Ostasien.