Coito, ergo sum - Silke Ruthenberg - E-Book

Coito, ergo sum E-Book

Silke Ruthenberg

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Beschreibung

Sie lieben. Sie kämpfen. Sie verführen. Sie genießen. Tiere haben Sex - nicht nur zum Kinderkriegen, sondern aus Lust, zur Versöhnung, zur Machtdemonstration oder aus zärtlicher Zuneigung. Dieses Buch erzählt von frivolen Fischen, treuen Tintenfischen, schamhaften Makaken und sadomasochistischen Spinnen - und zeigt, wie viel Gefühl, Vielfalt und Strategie in tierlicher Sexualität steckt. Coito, ergo sum ist kein Biologiebuch. Es ist eine Einladung, unsere Vorstellungen von Trieb, Treue und Tiersein über Bord zu werfen - und zu begreifen, dass auch Sexualität ein Ausdruck von Kultur und Beziehungsgestaltung ist. Jenseits aller Artgrenzen. 69 Bettgeschichten - lustvoll, witzig, klug und mit Haltung. Ein schamloses, liebevoll erzähltes Buch über das, was zwischen uns Lebewesen passiert, wenn der Verstand in die Hose rutscht.

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Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Ich habe zu danken:

Alex und Denis vom YouTube-Kanal Richtig!Laut!Vegan!

für die Inspiration zu diesem Buch – ohne euch wäre es wahrscheinlich nie entstanden.

Nicole Huber und Bella Rupprecht danke ich für ihre Unterstützung beim Lektorat.

Und nicht zuletzt meinem Sohn Aljoscha

für die Idee zum Titel.

Ich denke, dass er der Tierheit wahrhaftig gerecht wird.

Inhaltsverzeichnis

Vorwort – Am Anfang war das Staunen

KAPITEL 1: Werbung & Verführung – Wer kriegt wen – und wie?

Geschenke § Investitionen

Aus dem Tagebuch der Anderen: Bartgeier

1. Opfer für die Liebe: Ich reiß‘ mir für dich ein Bein aus

2. Ein Schuss ins Netz: Sperma in Seide für eine Dame mit Appetit

3. Schöner wohnen, besser lieben: Buntbarsche im dekorativen Liebeskampf

4. Ich hab dir ein Haus gebaut – jetzt darf ich aber auch ran

5. „Schatz, ich hab dir was mitgebracht“ – Wie Pinguine um die Liebe feilschen

6. Liebe geht über den Magen – Dinner-Date mit Absicht

7. Suche: Sicherheit – Biete: Sex Winkerkrabben wissen, was sie wollen

8. Massagen mit Mehrwert: Javaneraffen lassen sich für Sex bezahlen

Kunst § Performance

9. Werkzeug-Manufaktur für perfekten Beat – Kakadus performen als Schlagzeug-Stars

10. Mister Melody – Mäusemänner singen um die Liebe

11. Balladen für die Braut – Buckelwale daten mit Stil

12. Mit fremden Songs ans Federkleid – Liebesspiel mit musikalischem Plagiat

13. Deine Schwingen sind altmodisch – Das Modediktat der Trauerammerfrauen

14. „Na, wie wär’s mit uns zwei?“ – Wenn der Hüftschwung zum Dialog wird

Selektion & Entscheidung

Aus dem Tagebuch der Anderen: Bärenmakaken

15. Drum prüfe, wer sich ewig bindet – oder wenigstens für ein Wochenende

16. Lichtspiele der Liebe – Guppymänner im Casting-Stress

17. Was willst du wirklich, Schatz? Eichelhäher können Gedanken lesen – fast

18. Liebe geht durch den Magen: Schimpansen und ihre Fruchtgeschenke

19. Casanova & Kavalier: Buntbarschmänner beschenken ihre Frauen (und heimlich auch andere Damen)

20. Krieg, Chaos, Koitus – Wie Mangusten ihre Männer in die Schlacht schicken, um mit dem Feind zu schlafen

KAPITEL 2: Gefühle & Bindung – Wer bleibt – und warum?

Gefühle, Sehnsucht & Liebeskummer

21. Mit ganzem Herzen – Wenn Liebe den Takt angibt

22. Wenn das Parfüm nicht deins ist – Salamander erwarten eheliche Treue

23. Trennung tut weh – Wenn das Herz bricht, steigt der Stress

24. Liebesfreud und Liebesleid – Wenn der Barsch sein Herz verliert

Nähe, Zärtlichkeit & Intimität

Aus dem Tagebuch der Anderen: Enten

25. Schmus’ mich! Wie sich Fische streicheln lassen – und entspannen

26. Liebe macht Meerschweinchen dumm – aber glücklich

27. Treue Tintenfische – Liebe mit acht Armen

Lust & Leidenschaft

28. Die Solidarität der Enthaltsamen – Wie junge Wölfe loyal der Lust entsagen

29. Polyamorie mit Prinzipien – Das Liebesleben der Kurzflügelgrillen

30. Mit dem Mund verlängert – Fledermaus-Fellatio als Rollenspiel

31. Primatenporno – Wenn Affenmänner auf Pin-ups starren

32. 60 Mal Sex am Tag – Präriewühlmäuse und die hohe Kunst der Bindung

33. So kriegt frau einen Schwulen rum – Wie scharfe Schafmädels auf ihre Kosten kommen

KAPITEL 3: Grenzen & Gewalt – Nein sagen, Nein übergehen

Nein heißt Nein – Selbstbehauptung und weibliche Wahl

34. Kein Bock auf Sex? Die Migräne der Libelle

35. „Sie hat mich nicht rangelassen!“ – Sexfrust bei Fliegen und was Alkohol damit zu tun hat

36. Lieber keinen Sex mit dem Grobian – Kärpflingsdamen stehen auf die Loser

37. Unterschätzt und begehrt: Warum die Grauschabendame auf die zartfühlenden Männer steht

38. Ich reich die Scheidung ein – Vögel, Verflossene und Verlockungen

39. Zurückgewiesen – und jetzt? – Wenn Silberrücken einen Korb kriegen

Täuschung & Tricks – Manipulation und Maskenspiel

40. Cherchez la femme – oder: Wie Meerkatzen den Männerkampf anstacheln

41. Von Fröschen, die nicht quaken müssen, um zu kriegen, was sie wollen

42. „Dich krieg ich auch noch rum“ – Wie Fliegenkerle ihre Frauen manipulieren

43. Falsche Fische – Wie Kärpflinge beim Flirten tricksen

44. Täuschend echt: Wenn Forellendamen einfach mal so tun als ob

45. Schummeln beim Dating – Wenn der Kleine zum Lautsprecher greift

46. Tragling als Tinder – Seidenäffchen und die Kunst der Partnersuche

Übergriffig & gewaltsam – Wenn Grenzen missachtet werden

Aus dem Tagebuch der Anderen: Gorilla

47. Wenn Liebe Angst macht – Pavianmänner und ihre ganz eigene Romantik

48. „Lady‘s first“ – und dann: Klappe zu, Krabbe drin

49. Steine an den Krakenkopf – Oktopusfrauen bewerfen zielsicher lästige Stalker

KAPITEL 4: Rollen & Rollenspiele – Wer spielt hier wen?

Täuschung und Manipulation – Rollenspiele

Aus dem Tagebuch der Anderen: Lucy

50. So groß, so dick! Alligatoren zeigen ehrliche Größe in der Stimme

51. Lippfische – Täuschung mit Taktgefühl

52. Bisschen bi schadet nie – Tintenfische als Meister der Täuschung

53. Bondage als Überlebensstrategie – Spinnenmänner im Kampf um ihr Leben

54. Angst macht geil – Wie Männer mit einem Hauch Gefahr verführen

55. Im Kostüm zum Coitus – Frösche tricksen sich durchs Liebesleben

Liebe und Überlebensstrategien jenseits der Norm

56. Von Rampenqueens und Romantikerinnen – Pavianfeminismus im Stresstest

57. Strategisch lesbisch – Albatrosdamen und ihre cleveren Liebesstrategien

58. Lust auf eigene Faust – Affen basteln sich ihr Sexleben

Aus dem Tagebuch der Anderen: Löwen

59. Necking & Noblesse – Schwule Giraffen und ihre feinen Manieren

Aus dem Tagebuch der Grenzgänger

KAPITEL 5: Alter & Anziehung –Wer zählt noch – und wofür?

Späte Siege – Lust und List im Alter

Aus dem Tagebuch der Anderen: Javaaffen

60. Die Weisheit der Älteren – Makaken-Ladys, die auf reife Männer stehen

61. Mit den Jahren kommt der Sinn für’s Schräge – auch bei Fischen

62. Alte Elefanten – späte Sieger im Liebesspiel

63. Die letzte List – Wie alte Fliegenmänner tricksen

64. Dirty Old Ducks – Wenn alte Erpel übergriffig werden

Abschied vom Spiel – Wenn der Wunsch bleibt, aber der Körper schweigt

65. Das letzte Lied – Wenn Mäusemänner verstummen

66. Letztes Geweih, letzter Klang – Wenn alte Hirsche röhren, aber keiner mehr zuhört

In Würde altern – Wenn Fürsorge das neue Begehren ist

67. Reife Wahl: Was alten Affen wirklich wichtig ist

68. Tannenhäher im Ruhestand: Wie ältere Herren ihren Platz finden

69. Die Macht der Matriarchinnen – Wie Menopausenladys ihre Gruppe retten

Aus dem Tagebuch der Anderen: Falken

Quellenverzeichnis

Die Autorin

VORWORT

Am Anfang war das Staunen

Fast alle unsere Gefühle sind tendenziell selbstbezogen. Die Angst fragt: Bin ich in Gefahr? Die Wut: Wurde mir Unrecht getan? Die Scham: Wie wirke ich auf andere? Das Begehren: Was fehlt mir? Selbst Mitgefühl beginnt mit einem leisen Unwohlsein in uns selbst. Unsere Gefühlswelt kreist um das Ich wie Planeten um ihre Sonne. Nur ein Gefühl entzieht sich dieser Umlaufbahn: das Staunen. Es fragt nicht: Was hat das mit mir zu tun? Es fragt: Wer bist du?

Staunen ist die seltene Kunst, das Andere gelten zu lassen – ohne es sofort zu deuten, zu bewerten oder zu sich herüberzuziehen. Staunen ist ein Gefühl, das nicht auf das Selbst schaut, sondern hinaus in die Welt. Ein Moment der Durchlässigkeit. Ein Blick, der nichts will – außer sehen, was außerhalb ist.

Dieses Buch will das Staunen zurückbringen – über die anderen Tiere, unsere Stammesgeschwister. Über ihr Lieben, Begehren, Werben, Spielen, Zögern, Genießen. Über ihre Körper und ihre Intimität. Über das Wilde, das Sanfte, das Komische, das Rituelle. Und über das Zerrbild, das wir davon haben, wenn andere Tiere sich lieben.

Denn was uns von klein auf über die Sexualität nichtmenschlicher Tiere beigebracht wurde, ist nach wie vor ein Zerrbild: triebgesteuert, zweckorientiert, instinkthaft. Kein Platz für Individualität, keine Emotionen, kein Drama. Zwei Körper, die tun müssen, was ihre Art angeblich so macht.

Das ist nicht nur unfair – es ist eine Form leiser Herablassung. Sie spricht den Tieren ab, was wir als rein menschlich empfinden: Lust, Wahl, List, Geschmack, Vorlieben, Zweifel, Umwege, Ablehnung, Scham – kurz: Persönlichkeit, die sich auf vielen Ebenen entfaltet.

Die Verhaltensforschung hat in den vergangenen 50 Jahren allerdings einen starken Wandel erfahren. Sie rückt zunehmend die herrschende Vorstellung vom Wesen der anderen Tiere zurecht, die wir uns von ihnen gemacht haben: Körper, die nur durch Instinkte geleitet und wie Schlafwandler allein zum Zwecke der Arterhaltung unterwegs durchs Leben sind.

Desmond Morris setzte 1967 mit dem Weltbestseller Der nackte Affe eine erste Zäsur, indem er „das Tier“ im Menschen aufspürte. Wenige Jahre später folgten die ersten zaghaften Schritte, „den Menschen“ in den anderen Tierarten zu entdecken. Jane Goodall war dabei die bedeutendste Pionierin, die im Rahmen dieser Entwicklung bei den Schimpansen erste Meilensteine setzte – und ein frühes Zeichen der Achtung, indem sie ihnen Namen gab, statt Nummern. Ihr Wirken wurde zum Dammbruch für eine Flut von Erkenntnissen, die zeigen, wie sehr Lügen und haltlose Zuschreibungen unser Bild von den Tieren verzerren – bis heute.

Dieses Buch will zeigen, was passiert, wenn wir das Liebesleben der Tiere nicht länger als etwas primitiv Triebhaftes und Fremdes betrachten, sondern als Spiegel. Und als Erinnerung: wie menschlich die anderen Tiere sind – und wie tierlich wir selbst sind. Und das ist auch kein Wunder. Denn wir sind genau das, was wir sprachlich bis heute verleugnen: Tiere – wie alle anderen auch.

WERBUNG & VERFÜHRUNG

Wer kriegt wen und wie?

Aus dem Tagebuch der Anderen

„Hans Frey ist angesehener Veterinärmediziner an der Universität in Wien und der gefragteste Experte für die einst in Österreich ausgerotteten Bartgeier. Zwanzig Jahre lang lebte er in einer Paarbeziehung mit einem solchen Bartgeier – länger, als seine erste Ehe hielt. Dabei ist Frey kein Sodomit; er brauchte den Bartgeier für das Aufziehen von Jungvögeln. Das klappt aber nur, wenn vorher das ganze Programm mit Flirten, Nestbau, Vereinigung und Brüten abgelaufen ist. Anderenfalls spielt ein Geier nicht mit.

Bei Freys Bartgeier war es Liebe auf den ersten Blick. Schon vom ersten Moment des Kennenlernens warf er dem Wissenschaftler aus seinen rotgeränderten Augen begehrliche Blicke zu. Dann hat dieser – aus Bartgeiersicht – auch nichts ausgelassen, um den Vogel in seinen Gefühlen zu bestärken. Er hat viel mit dem Vogel geschmust, ihn gekrault, ihm Material mitgebracht, das der Bartgeier zu einem prachtvollen Nest verbaute. „Jetzt hab ich ihm ein Haus gebaut“, wird der Bartgeier gedacht haben, „jetzt darf ich aber auch ran.“ Und als Frey sich mal arglos bückte, um etwas aufzuheben, hat es der Vogel ausgenutzt und ihn begattet.

Es blieb nicht bei dem einen Mal. Der Geier meinte es ernst mit Frey und blieb dem Forscher auch weiterhin äußerst zugetan. Mit einem Morgenschnacksler war es da allerdings nicht getan – bis zu zehnmal am Tag musste der Forscher hinhalten.

„Der konnte nicht genug kriegen von mir. Und ich stand dann immer da.“ Frey musste da schon Standfestigkeit beweisen – immerhin bringt ein Bartgeier sieben Kilo auf die Waage bei einer Flügelspannweite von drei Metern.

Nun liegt die Vermählungszeit der Geier ausgerechnet im Dezember. Irgendwann schlug Frey seiner Frau vor, der Geier könne doch mit seinem Geierhorst unter der Treppe im Hausflur einziehen. Zu ihrer Reaktion muss man wohl nichts weiter sagen.

Frey war übrigens nicht das einzige Liebesobjekt eines Bartgeiers. In Spanien hat sich ein Vogel gleich in zwei Mitarbeiter einer Aufzuchtstation verliebt. Die machen da jetzt zu dritt rum.1, 2

GESCHENKE & INVESTITIONEN

1. Opfer für die Liebe: Ich reiß‘ mir für dich ein Bein aus

Spinnensex ist oft eine todernste Angelegenheit – im wahrsten Sinne des Wortes. Vielen Spinnendamen nehmen den Begriff „vernaschen“ nämlich häufig wortwörtlich. Kein Wunder also, dass Spinnenmänner im Laufe der Evolution kreative Überlebensstrategien entwickelt haben, um das Schäferstündchen nicht mit dem Leben zu bezahlen. Besonders beliebt sind dabei eindrucksvolle Geschenke für die Angebetete.

Menschenmänner bringen im besten Fall Blumen oder Dessous mit – die Herren der goldenen Büschelweberspinne hingegen überreichen ihrer Herzensdame lieber ein persönlicheres Geschenk. Wenn es zwischen ihm und ihr richtig knistert, dann gibt er ihr alles – zumindest ein eigenes Bein, manchmal auch mehrere, zum Verschmausen. Guten Appetit, Madame.

Was wie ein besonders makabrer Fetisch klingt, ist in Wahrheit eine tief empfundene Geste. Er serviert ihr sein eigenes Körperteil – als Zeichen des Interesses. Keine leeren Versprechungen, keine oberflächlichen Aufmerksamkeiten. Sondern: Hier bin ich. Und hier ist mein Bein. Und wenn’s dir mundet, kriegst du den Rest gleich mit dazu.

Die Damen wissen das auch zu schätzen. Die Wissenschaft sagt: Wenn man ihnen zur Auswahl stellt, was serviert wird – fremde Insekten, fremde Spinnenextremitäten oder eben ein frisches, selbstgespendetes Bein vom Galan – greifen sie zuverlässig zum letzten Angebot. Lieber Hausmannskost, als vom Unbekannten zu naschen.

Warum das Ganze? Vielleicht, weil ein Mann, der sich freiwillig verstümmelt, als besonders engagiert gilt. Der redet nicht, sondern gibt ein Stück von sich. Wer so viel opfert, kann kein Blender sein. Der meint es wirklich ernst. Und manchmal wird er dafür auch mit einem Platz in ihrem Leben belohnt. Zumindest für einen Moment.

Wie es ihm danach geht? Tja, ein Leben auf sieben Beinen ist sicher nicht leichter. Aber in der Liebe zählt ja nicht, wie man ankommt – sondern dass. Und wenn es klappt, scheint es das Opfer wert zu sein. Sagt zumindest der Spinnenmann.

Also: Chapeau, du tapferer Kerl. Wo andere zögern, lieferst du. Wo andere schwätzen, fütterst du. Und wo andere hoffen, handelst du – mit dem eigenen Bein als Währung.3

2. Ein Schuss ins Netz: Sperma in Seide für eine Dame mit Appetit

Wenn die Herren Vogelspinnen auf Freiersfüßen unterwegs sind, bringen sie mehr mit als nur sich selbst. Sie bringen ein Versprechen – in feinste Seide verpackt, durchzogen vom Kostbarsten, was sie zu geben haben: ihrem Sperma.

Bevor es zur eigentlichen Annäherung kommt, webt der Spinnenmann einen kleinen Teppich – ein zartes Gewebe, das er mit einem Tropfen seiner Lust tränkt. Dann wickelt er das Ganze zu einem Päckchen: filigran, duftend, ein verlockender Vorbote für das Schäferstündchen. Dieses Geschenk überreicht er dann hoffnungsvoll der Dame seines Begehrens.

Die so Beschenkte prüft das Präsent gründlich. Ist es gut gearbeitet? Riecht es angenehm? Ist der Herr geschickt genug, sich gleichzeitig nahbar und respektvoll zu präsentieren? Nur wenn das Gesamtpaket stimmt, darf er hoffen, dass seine Mühe belohnt wird. Ein Rausch aus Tanz, Vibration und Annäherung beginnt – aber auch ein Spiel mit dem Feuer. Wenn er sie langweilt oder nervt, kann sie ihn kurzerhand verschlingen.

Wer verführen will, muss etwas riskieren. Und der Spinnenmann weiß: Erotik beginnt mit einem gelungenen Vorspiel. Wer sein Sperma in Seide kleidet, statt es ins Laken zu verschwenden, hat verstanden, dass große Gefühle ebenso inszeniert wie empfunden werden wollen.

Ein bisschen erinnert das Ganze an menschliche Datingrituale – nur dass es bei Spinnen um deutlich mehr geht als einen zweiten Drink. Manchmal geht es ums Überleben.4

3. Schöner wohnen, besser lieben: Buntbarsche im dekorativen Liebeskampf

Der schöne Schein ist die halbe Miete – das wissen auch die Buntbarsche, auf ihre ganz eigene, funkelnde Weise. Ein schlichter Flirt genügt den Barschmännern nicht. Wer eine Dame für sich gewinnen will, muss im „Juwelenkampf “ glänzen: mit sorgfältig ausgewählten Steinen, schimmernden Muschelschalen und allem, was glitzert, glimmt oder Licht einfängt. Ihr Revier verwandeln sie in eine Bühne, auf der der werbende Bräutigam in spe mit jeder Trophäe flüstert: „Sieh her, ich habe etwas von Wert – und ich teile es mit dir.“

Der Bewerber mit dem verlockendsten Grundstück und der erlesensten Kollektion hat die besten Karten. Die Damen prüfen genau, wessen Arrangement aus Heim und Schätzen die harmonischste und zugleich eindrucksvollste Komposition ergibt. Oft genügt schon ein einziges außergewöhnliches Stück, um das Herz der Betrachterin zu erobern – manchmal entscheidet der Glanz eines einzelnen Steins über Sieg oder Niederlage.