Das Beste aus Baden - Thomas Erle - E-Book

Das Beste aus Baden E-Book

Thomas Erle

0,0

Beschreibung

Es ist »das schönste Land in Deutschlands Gau’n«, heißt es schon im Badnerlied. Tatsächlich ist dieser reizvolle Landstrich im Südwesten Deutschlands faszinierend vielfältig. Der Süden der Region verwöhnt mit mildem Klima und Wein, der Norden ist die Heimat von Grünkern, auch »Badischer Reis« genannt. Das sonnige Freiburg lockt mit seinen »Bächle« und Besenwirtschaften. Der Schwarzwald bietet unberührte raue Natur. Und der Bodensee wartet auf mit mediterranem Flair und kulturellen Highlights wie dem UNESCO-Welterbe Klosterinsel Reichenau. Auch kulinarisch hat die Region zwischen Wertheim und Meersburg viele Höhepunkte zu bieten. Das Beste aus Baden – zusammengefasst in einem Band.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern

Seitenzahl: 191

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi ohne Limit+” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS



Thomas Erle / Edi Graf / Horst-Dieter Radke / Erich Schütz

DasBesteausBaden

Impressum

Besuchen Sie uns im Internet:

www.gmeiner-verlag.de

© 2018 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

1. Auflage 2018

Redaktion: Katja Ernst

Satz: Julia Franze

E-Book: Mirjam Hecht

Bildbearbeitung/Umschlaggestaltung: Benjamin Arnold

unter Verwendung eines Fotos von ThKatz/fotolia.com

Kartendesign: >maps4news.com/©HERE

ISBN 978-3-8392-5756-2

Inhalt

Impressum

Vorwort

Tauberfranken – Der Norden

1  Warum der Wald der Gemeinde den Namen gab

Gemeinde Ahorn

2  Auf Seilen in den Gipfeln durch den Wald wandern

Waldseilgarten in Boxberg

3  Tauberfranken von oben sehen

Boxberg-Unterschüpf

4  Erholung beim Wein

Winzergenossenschaft Beckstein in Lauda-Königshofen

5  Bahnknotenpunkt Lauda

Bahnhof von Lauda-Königshofen

6  Von Volapük und Muschelkalk

Ortschaft Oberlauda

7  Dunkle Vergangenheit im Bauernkrieg

Königshöfer Messe und Alter Wachturm in Lauda-Königshofen

8  Eine Alternative zum Panoramaflug

Panoramaweg um Lauda-Königshofen

9  Mit 13 Jahren den ersten Weinberg gekauft

Bioweingut Baumann in Lauda

10  Klosterfrauen und Metzemichele

Grünbachbrücke in Gerlachsheim

11  Die Melusine am Grünbach

Altstadt von Grünsfeld

12  Die doppelte Acht für den heiligen Achatius

Achatiuskapelle in Grünsfeld-Hausen

13  Erinnerung aus der Kreuzfahrerzeit

St. Sigismundkapelle in Oberwittighausen

14  Kleinst-Venedig in Tauberfranken

Altstadt in Königheim

15  Weniger Ertrag für bessere Qualität

Weingut Geier in Königheim

16  Stadt der Fechter

Altstadt von Tauberbischofsheim

17  Freitags wird   noch vom Turm geblasen

Schloss Tauberbischofsheim

18  Die Brunnen- und Quellenstadt

Altstadt von Külsheim

19  Quelle an der Kapelle

Wallfahrtskapelle Liebfrauenbrunn bei Werbach

20  Wo Melusine zu Hause war

Eulschirbenmühle in Werbach

21  Ritter und Geister über dem Taubertal

Burg Gamburg bei Werbach-Gaumburg

22  Pfeiferhans und Filmemacher

Werbach-Niklashausen

23  Der Ort mit der sagenhaften Umgebung

Gemeinde Reicholzheim

24  Weine von Hand und aus dem Fass

Weingut Schlör in Reicholzheim

25  Von Wolfram von Eschenbach bis zu Hubert von Goisern

Burg Wertheim

26  Glas zwischen Kunst und Wissenschaft

Glasmuseum Wertheim

27  Kunst und Garten, eine passende Kombination

Schlösschen im Hofgarten in Wertheim

28  Mit den Nibelungen nach Tauberfranken

Stadt Freudenberg

Schwarzwald

29  Goldene Pforte zum Schwarzwald

Stadt Pforzheim

30  Rolls-Royce neben Puppenküche

Fahrzeugmuseum Marxzell

31  Ziegenherden in Heuhüttentälern

Das Murgtal

32  Junge, Baden-Baden ist schön!

Baden-Baden

33  Tor zum Nationalpark

Die Schwarzwaldhochstraße

34  Einfach tierisch: der Bär im Wolfstal

Gemeinde Bad Rippoldsau-Schapbach

35  Kleppern gehört zur Fasend

Stadt Gengenbach

36  Urig vespern, wo sich das Mühlrad dreht

Gaststätte Müller’s Mühle in Gengenbach

37  Barfußgolfen und Bärenpuppen

Der Brandenkopf

38  Auf Hansjakobs Pfaden

Stadt Haslach im Kinzigtal

39  400 Jahre Schwarzwald in einem Tal

Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach

40  Mundgeblasenes Bleikristall

Stadt Wolfach

41  Juwel der deutschen Fachwerkstraße

Stadt Schiltach

42  Gemütlich: Bibiliskäs’ mit Brägele

Gasthaus Zum Gscheid in Freiamt

43  Der »Berg der Kräfte«

Der Kandel

44  Horloges à Coucou für die Welt

Simonswäldertal

45  Verwöhnpension statt all inclusive

Elztalhotel in Winden im Elztal

46  Auf den Spuren der Uralten

Siebenfelsen in Yach

47  Zwischen den Meeren – die europäische Wasserscheide

Donauquelle bei Furtwangen

48  Fantasie und Wirklichkeit

Fallerhof bei Furtwangen

49  Hexenlochmühle und Herrgottsbaum

Stadt Furtwangen

50  Vom Grand Hotel zum Geheimtipp

Café Goldene Krone in St. Märgen

51  Schwarzwälder Fuchs und Schwarzwaldmädel

Klösterdörfer St. Peter und St. Märgen

52  Es ist normal, verschieden zu sein

Hofgut Himmelreich in Kirchzarten

53  Der Sprung übers Höllental bewahrte vor dem Himmelreich

Das Höllental

54  Gedächtnis der Nation unter dem Berg

Barbarastollen in Oberried

55  Tierisch und temporeich

Steinwasen Park und Schauinsland in/bei Oberried

56  Die Stimme der Stille

Kloster St. Trudpert im Münstertal

57  Von Sein und Zeit

Heideggerhütte in Todtnauberg

58  Allerhöchste Genüsse

Schwarzwälder Schinkenmuseum im Feldbergturm

59  Das Höchste im Schwarzwald

Der Feldberg

60  In der Tradition des Bibiliskäs’

Käseroute Naturpark Südschwarzwald

61  Volkshelden und Wintersportgeschichte

Schwarzwälder Skimuseum in Hinterzarten

62  Essen kann auch ein Erlebnis sein …

Höhengasthof Grüner Baum in Neuglashütten

63  Ein Schwarzwaldtal wie im Bilderbuch

Kurort Menzenschwand

64  Hochtal der Holzschnefler

Gemeinde Bernau

65  Volkskunst, Wassersport & Glamping

Schluchsee

66  Hagehole Und Brinkmanns Hüsli

Das Rothauser Land

67  Das südliche Finale des Schwarzwalds

Der Hotzenwald

Freiburg und die Regio

68  Gelebtes Europa

Am Rheinufer in Breisach

69  Lösshohlweg – In den Falten des Vulkans

Lösshohlweg Eichgasse in Bickensohl

70  Kastanien-Prachtallee im Erletal

Naturschutzgebiet Erletal bei Endingen

71  Eine von vielen – die Schönste!

Panoramabank über Burg Landeck

72  Die Schwester des Dichterfürsten

Schlossergrab auf dem Alten Friedhof in Emmendingen

73  Fundgrube privater Erinnerungen

Deutsches Tagebucharchiv in Emmendingen

74  Romantik und Größe

Ruine Hochburg bei Emmendingen

75  Bedenke, Mensch, dass du sterblich bist!

Bleibacher Totentanz

76  König aller Instrumente

Elztalmuseum Waldkirch

77  Geschichte zum Anfassen – Begegnung mit unseren Vorfahren

Alamannen-Museum Vörstetten

78  Die Wiege Badens

Zähringer Burg bei Freiburg

79  Wo die Lange Rote herkommt

Münsterplatz in Freiburg

80  Lebensadern der Stadt

Bächle in Freiburg

81  Von Badischen und Unsymbadischen

Schwabentor in Freiburg

82  Das königliche Gemüse

Munzinger Spargel bei Freiburg

83  Wo der bunte Strauß hängt

Straußwirtschaften im Markgräflerland

84  Geschichte, Geschichten, Genießer

Der Tuniberg

85  Töchter des Regenbogens

Staudengärtnerie Gräfin von Zeppelin in Laufen

86  Römische Badekultur mit Flair

Cassiopeia-Therme in Badenweiler

Am Bodensee

87  Mit Wanderschuhen in die Industriestadt

Stadt Singen

88  Bilbao im Hegau

MAC Museum Art & Cars in Singen

89  Ein Ausflug wie in den Zoo

Bootsstüble Wangen

90  Wo Künstler Inspiration fanden

Halbinsel Höri

91  Ein Gang durch das Schilf

Halbinsel Mettnau

92  Hubert Neidhart – Genuss-Kapitän

Gasthaus Grüner Baum in Moos

93  Der Fleck Gottesfrieden

Ortschaft Möggingen

94  Eine Insel geschaffen von Mönchen

Weltkulturerbe Insel Reichenau

95  Auf Schmugglers Pfaden

Seerhein in Konstanz

96  Wo des Grafen Wiege stand

Steigenberger Inselhotel in Konstanz

97  Manfred Hölzl – Konzilkoch

Konzilgaststätten in Konstanz

98  Die tanzende Fähre

Fähre Konstanz–Meersburg

99  Wie der Gnadensee zu seinem Namen kam

Naturschutzgebiet bei Allensbach

100  Warum heißt der Bodensee Bodensee?

Gemeinde Bodman-Ludwigshafen

101  Geheimnisvolles Gestein

Von Überlingen bis zur Gletschermühle Goldbach

102  Mediterranes Flair am Nordufer

Stadt Überlingen

103  Neuland dank Landesgartenschau

Von Überlingen zur Sylvesterkapelle

104  Wo Maxi jetzt verliebt ist

Affenberg Salem

105  Das Dorfleben der Urgroßeltern

Auto und Traktor Museum Uhldingen-Mühlhofen

106  Unsichtbares sichtbar

Pfahlbaumuseum Unteruhldingen Bodensee

107  Die zwei Gruler-Brüder – und ein Standpunkt

Hotel Restaurant Seehalde in Uhldingen

108  Die Burgfrau, die alte Ritter liebt

Burg Meersburg in Meersburg

109  Leinen los mit einer Brise Segelnostalgie

Historische Segeltour vor Immenstaad

110  Jürgen Waizenegger – Bauer und Biokoch

Biohotel Mohren in Deggenhausertal-Limpach

111  Verführungen im Tal der Liebe

Streuobstwiesen im Deggenhausertal

112  Glücklicherweise versagten die Zünder

Schloss Heiligenberg

113  Peter Vögele – ein Traditionalist

Landgasthof zum Adler in Überlingen-Lippertsreute

114  Wo Äpfel im künstlichen Koma liegen

Apfelzügle des Hof-Neuhaus in Überlingen-Lippertsreute

Tauberfranken

Schwarzwald

Freiburg und die Regio

Bodensee

Bildverzeichnis

Zu den Autoren

Vorwort

Man benötigt viele Worte, will man die Region zwischen Main und Bodensee auch nur annähernd beschreiben. Baden lässt sich nicht in Kategorien fassen, Baden ist vielseitig und dadurch einzigartig. Kein Wunder, dass die Region so beliebt ist, denn sie bietet für jeden etwas. Tiefster Wald lädt zum Wandern ein, Berge mit Burgen und Ruinen zum Entdecken, Seen zum Baden, Segeln und Surfen, Städte zum Erkunden von Architektur und Kultur. Auch Kulinarisch wird viel geboten: badischer Wein aus der Ortenau und vom Kaiserstuhl, aus Tauberfranken oder vom Bodensee, badisches Bier aus Rothaus, Münzinger Spargel mit Kratzete, Bibiliskäs direkt vom Erzeuger entlang der Käseroute … Wer bodenständiges Essen sucht, wird in den Straußwirtschaften fündig, und wem der Sinn nach gehobener Küche steht, der wird ebenfalls nicht enttäuscht, denn in Baden findet sich im Verhältnis zur Fläche die höchste Dichte an Sterne-Restaurants in Deutschland.

In diesem Buch stellen wir Ihnen Highlights und Geheimtipps aus Baden vor, gesammelt, entdeckt und erkundet von unseren Autoren Horst Dieter Radke, Edi Graf, Thomas Erle und Erich Schütz. Sie alle teilen die Begeisterung für diese Region, was sie mit ihren Reiseführern Alles fließt in Tauberfranken, Der Schwarzwald, Freiburg und die Regio für Kenner und Bodensee, die in den Jahren 2011, 2012, 2013 und 2015 bei uns im Gmeiner-Verlag in der Reihe Lieblingsplätze zum Entdecken erschienen sind, unter Beweis gestellt haben. Dieser Band vereint exklusiv die Höhepunkte aller vier Reiseführer, sodass wir stolz sind, Ihnen das Beste aus dem nördlichen Tauberfranken, dem Schwarzwald, Kaiserstuhl, Breisgau, Markgräflerland sowie vom Bodensee präsentieren zu dürfen. Das Beste aus Baden eben.

Begleiten Sie uns auf eine Reise nach »Badisch Sibirien«, zum höchstgelegenen Weinberg Deutschlands, in den Barbarastollen ins Gedächtnis der Nation, auf den Feldbergturm zu Schwarzwälder Schinken, über die Bächle in Freiburg, die angeblich für so manche Ehe verantwortlich sind, und auf die Weltkulturerbe Insel Reichenau am Bodensee. Es gibt so viel zu entdecken, und wir wünschen Ihnen viel Spaß dabei!

Ihr Gmeiner-Verlag

Tipp: Berg und Tal, Streifzüge durch die Natur und Bummeln durch eine Stadt, Schwimmen im Sommer und Skifahren im Winter – in Baden muss sich niemand entscheiden, in Baden wird alles geboten!

Tauberfranken – Der Norden

Horst-Dieter Radke 

1  Warum der Wald der Gemeinde den Namen gab

Gemeinde Ahorn

Einen Ort mit dem Namen Ahorn werden Sie schwerlich finden, so lange Sie auch suchen, denn die Gemeinde Ahorn besteht seit 1971 aus den Orten Berolzheim, Buch am Ahorn, Eubigheim, Hohenstadt und Schillingstadt. Namensgeber war ein rund 2.000 Hektar großer Ahornwald, der größtenteils auf dem Gemeindegebiet liegt.

Mit 400 Metern liegt diese Gemeinde auf einem der höchsten Punkte im Main-Tauber-Kreis. Außerdem gehört das Gebiet zum östlichen Bauland, einer Gäulandschaft – baumarm, aber mit fruchtbarem Lössboden –, die sich vom Hochrhein bis zum Taubertal erstreckt. Die Bezeichnung »Badisch Sibirien« hat sich für dieses Gebiet eingebürgert, aber weniger der klimatischen Verhältnisse wegen, als deshalb, dass sich dorthin versetzte Beamte abgeschoben vorkamen. Das Bauland ist Heimat des Grünkern, auch Badischer Reis genannt, halbreif geernteter und über Feuer gedarrter Dinkel, der auch in dieser Region und bis hinüber in die Gemeinden Boxberg und Assamstadt eine Rolle spielt. Ob eine Witterungskatastrophe einmal der Auslöser dafür war, das feucht gewordene, halbreife Getreide durch Darren, also Trocknen im Rauch eines Holzfeuers, halt- und verwendbar zu machen, ist nicht zu belegen.

Jeder der Orte liegt ein wenig verwunschen in der Landschaft, die Gemeinde Buch vom Ahornwald umschlossen. Auf Luftbildern sehen die Orte aus, als drängen sich alle Häuser innerhalb der grünen Umgebung zusammen. Wenn man Ruhe sucht, ist man in dieser Gemeinde, egal wohin man sich wendet, gut aufgehoben. Es gibt wenig zu besichtigen, aber trotzdem nicht wenig zu sehen. Diese Gemeinde eignet sich ganz besonders für einen Urlaub, in dem man Ruhe sucht und den man abseits der hektischen und überlaufenen Gebiete verbringen möchte. Wenn Sie wieder wegfahren, werden Sie wissen, warum es so leicht fällt, diese Gegend liebenswert zu nennen.

Tipp: Im Ortsteil Berolzheim betreibt der Heimatverein ein Museum, das Exponate zum Handwerk und zum Lebensalltag im 19. Jahrhundert zeigt.

Gemeinde Ahorn /// Schlosssstraße 24 /// 74744 Ahorn ///

0 62 96 / 9 20 20 /// www.GemeindeAhorn.de ///

2  Auf Seilen in den Gipfeln durch den Wald wandern

Waldseilgarten in Boxberg

Eine besondere Attraktion in Boxberg ist der Waldseilgarten, der oberhalb der Stadt in einem Waldareal liegt, das man zu Fuß in gut 10 bis 15 Minuten erreichen kann. Nah genug, um einmal zu schauen, was sich hinter dem Begriff »Waldseilgarten« verbirgt. Die Nutzung ist nicht spontan möglich, sondern nur nach Anmeldung. Wer Höhenangst hat, muss trotzdem nicht fernbleiben: Es wird auch ein Höhengewöhnungstraining angeboten.

Der Waldseilgarten wurde im September 2008 eröffnet. Er ist ein Projekt des Jugend- und Kulturvereins Lazy Bones e. V. Wenn Sie sorgenvoll in die hoch oben verlaufenden Seilkonstruktionen schauen und sich Gedanken über die Sicherheit Ihrer Kinder oder sich selbst machen, so dürfen Sie beruhigt sein. Die Anlage wurde zur Planung bei einem Statiker in Auftrag gegeben und wird jährlich von einem Prüfstatiker in einer Inspektion neu abgenommen.

Außerdem wird ein Selbstsicherungssystem verwendet, das aus miteinander kommunizierenden Rollenkarabinern besteht. Ist ein Karabiner offen, so erkennt der andere Karabiner das und blockiert den Öffnungsmechanismus des zweiten so lange, bis der erste Karabiner wieder auf dem Sicherheitsseil eingehängt und verriegelt ist. Hinzu kommt, dass auf eine Teamsicherung gesetzt wird, sowohl in den Seilen als auch vom Boden aus, je nach Parcours.

Der Waldseilgarten ist hauptsächlich auf Gruppen ausgelegt. Es gibt einen Kinderparcours (ab acht Jahren) in einer Höhe von sechs Metern, bei dem Trainer die Teilnehmer sichern. Beim Hochseilparcours in einer Höhe von zwölf Metern (ab zwöf Jahren) sichern sich die Teilnehmer selbst paarweise. Den Abschluss bildet eine Seilbahn, über die die Teilnehmer 55 Meter zur nahegelegenen Aktionsplattform fahren. Dazu kommen Teamelemente (wie der Pfahlsprung und die Himmelsleiter), bei denen die einzelnen Teilnehmer vom Team gesichert werden.

Tipp: Der Waldseilgarten eignet sich auch als Ausgangspunkt oder Ziel für Wanderungen und Mountainbike-Touren.

Waldseilgarten Boxberg /// Zum Waldseilgarten 1 ///

97944 Boxberg /// 0 79 30 / 9 93 93 44 ///

www.waldseilgarten-boxberg.de ///

3  Tauberfranken von oben sehen

Boxberg-Unterschüpf

In Unterschüpf war es, wo sich im Frühjahr 1525 auf den Ruf des Wirts Georg Metzler 2.000 Mann trafen, die meisten davon Bauern, aber auch der Ritter Florian Geyer und der Prediger Friedrich Süß waren darunter. Sie nahmen die Stange und setzten einen Schuh zum Zeichen des Bundes darauf. Die Bundschuhbewegung, die eine wichtige Partei im süddeutschen Bauernkrieg war, nahm damit ihren Anfang. Hohe Abgaben, Missernten und der sich ständig erhöhende Druck der Grundherren hatten immer mehr Bauern in die Leibeigenschaft geführt. Doch die Bundschuhbewegung brachte keinen Ausweg. Sie fand im Mai desselben Jahres in Königshofen am Turmberg ein schreckliches Ende.

Mitten in Unterschüpf finden Sie ein Wasserschloss aus dem späten 16. Jahrhundert. Es wurde während der Gegenreformation als Pfarrei, der Schlosssaal als Gottesdienstraum genutzt. Später war es Rathaus, dann gewerbliche Schule und Turnhalle. Heute befindet sich in dem vorbildlich renovierten Gebäude die Sprachheilschule des Main-Tauberkreises. Neben dem Schloss steht eine evangelische Kirche aus dem 13., mit Fresken aus dem 15. Jahrhundert. Das Besondere ist aber, dass es sich um eine Winkelkirche handelt. Diese bestehen aus zwei Kirchenschiffen, die im rechten Winkel zueinander stehen.

Können Steigungen Sie nicht schrecken, dann sollten Sie den eigentlichen Lieblingsplatz in Unterschüpf besuchen: den Sportflugplatz, der, noch bevor ein Flugzeug abgehoben hat, manchmal über den Wolken liegt. Schon beim Aufstieg haben Sie einen schönen Blick hinunter auf den Ort, der in der Mündungsaue des Schüpfbachs liegt. Mit etwas Glück sehen Sie hier die Sportflugzeuge starten und landen, Fallschirmspringer und Gleitschirmsegler herunterkommen. Riskieren Sie auch einmal ein Gespräch. Vielleicht haben Sie Glück und jemand nimmt Sie gegen eine kleine Gebühr zu einem Rundflug über das Taubertal mit.

Tipp: Sie haben Kinder dabei und die wollen keine Besichtigungen mehr? In der Nähe des Schlossplatzes finden Sie einen Spielplatz.

Luftsportverein Bauland e.V. /// Römerstraße 101 ///

97944 Boxberg-Unterschüpf /// 0 79 30 / 18 96 ///

www.edgu.de ///

4  Erholung beim Wein

Winzergenossenschaft Beckstein in Lauda-Königshofen

Es war die pure Not, die Ende des 19. Jahrhunderts dazu führte, dass die Winzergenossenschaft in Beckstein gegründet wurde. Eine misslungene Weinernte konnte eine Familie, die davon lebte, in Not bringen. Der Ausspruch »Zu Beckscht verreckscht« ist heute noch bekannt, auch wenn er – Gott sei Dank – keine Gültigkeit mehr hat. Nicht nur als Weinort hat sich Beckstein inzwischen einen Namen gemacht, sondern auch als Erholungsort. Man erreicht Beckstein, wenn man in Königshofen auf der Hauptstraße Richtung Bad Mergentheim rechts oder von Bad Mergentheim kommend links Richtung Boxberg abbiegt und dann die B 292 verlässt. Wer von Lauda aus eine Wanderung nicht scheut, kann natürlich auch zu Fuß gehen, indem er vor dem Schwimmbad abbiegt und die Höhe überwindet. Hinauf geht es durch den Wald und hinab durch die Weingebiete von Beckstein. Wer genügend Kondition und Interesse hat, kann auch gleich den Weinlehrpfad nehmen, der über 1,3 Kilometer nicht nur eine schöne Aussicht auf den Ort, sondern auch Wissenswertes zu bieten hat.

Die Weine, die in Beckstein erzeugt werden, sind von hoher Qualität. Um diese zu wahren, zahlt die Genossenschaft den Winzern nur einen Ertrag von maximal 75 Litern je Ar. Für den Rest gibt es nichts. Das zwingt zu einem starken Rückschnitt der Reben, der sich qualitätsfördernd auswirkt. Es lohnt sich, bei der Winzergenossenschaft einmal vorbeizuschauen und die Becksteiner Weine zu probieren. Die Gefahr, dass man dann nicht unbelastet wieder herauskommt – die eingekauften Weinflaschen haben einiges an Gewicht –, ist allerdings groß.

Beckstein hat aber noch mehr zu bieten als nur den Wein: eine wunderschöne landschaftliche Lage, die Kirche St. Kilian (1920) mit barocken Figuren und zeitgenössischen Farbglasfenstern von Sepp Biehler, auf denen die Arbeit im Weinberg dargestellt wird, und Bildstöcke aus vier Jahrhunderten in der Umgebung.

Tipp: Wer nach dem Weinlehrpfad noch nicht genug hat (oder wer ihn ausgelassen hat), kann auch den Natur- und Kulturlehrpfad nehmen, um die wunderschöne Umgebung zu erkunden.

Becksteiner Winzer eG /// Weinstraße 30 ///

97922 Beckstein /// 0 93 43 / 50 00 ///

www.becksteiner-winzer.de ///

5  Bahnknotenpunkt Lauda

Bahnhof von Lauda-Königshofen

Lauda liegt verkehrstechnisch günstig, da es über die Bahnstrecke Würzburg–Stuttgart gut zu erreichen ist. Überhaupt ist die Bahn keine unwichtige Beigabe, war sie es doch, die das verträumte Städtchen aus der Behäbigkeit holte und ihm zeitweise eine nicht unerhebliche Bedeutung gab.

Nachdem Napoleon das Herzogtum Franken aufgelöst hatte, verlor Lauda seine Stellung als Amtsstadt. Es wurde zunächst dem Fürstentum Leiningen und 1806 dem Großherzogtum Baden zugewiesen. In Karlsruhe hatte man allerdings wenig für diese Region übrig, die man als Hinterland ansah und in die jeder Regierungsbeamte sich strafversetzt fühlte, wenn man ihn dorthin beorderte. Aus einem lebendigen Städtchen wurde nach und nach ein eher verschlafenes Nest.

Das änderte sich im Jahr 1864. Da wurde nämlich beschlossen, an Lauda die Eisenbahn vorbeizuführen und in der Stadt einen Bahnhof zu errichten. Zunächst war es ein provisorischer Bahnhof, aber nachdem im Jahr 1866 die Strecke nach Würzburg eröffnet und bald darauf die Bahnlinie nach Tauberbischofsheim gebaut war, wurde Lauda zu einem wichtigen Bahnknotenpunkt, denn nun fuhren Linien von Sachsen bis zur Pfalz und von Konstanz bis nach Hamburg und Berlin über Lauda.

1871 bis 1873 wurde das Bahnhofsgebäude gebaut, das heute noch zu bewundern ist, weil es den Geist dieser Aufbruchszeit immer noch atmet. Außerdem entstanden in Lauda Werkstätten, in denen bis zu 300 Männer Arbeit fanden. Die Einwohnerzahl von Lauda stieg bald deutlich an. Obwohl die Bedeutung heute wieder zurückgegangen ist, kreuzen sich immer noch die Linien Stuttgart – Heilbronn und Crailsheim – Wertheim. Lauda ist so mit der Bahn gut zu erreichen. Ich selbst bin in den letzten 30 Jahren oft in Lauda aus- und eingestiegen, wenn ich mit der Bahn irgendwo hinwollte, und kann deshalb diesen Bahnhof durchaus als Lieblingsplatz bezeichnen.

Tipp: Auf der Strecke Wertheim–Crailsheim lässt sich in den meisten Zügen auch das Fahrrad mitnehmen und so ein Tagesausflug über größere Distanz ausdehnen.

Bahnhof Lauda /// Bahnhofstraße 23 ///

97922 Lauda-Königshofen ///

Tourist-Information Rathaus Lauda /// Marktplatz 1 ///

97922 Lauda-Königshofen /// 0 93 43 / 50 11 28 ///

www.lauda-koenigshofen.de ///

6  Von Volapük und Muschelkalk

Ortschaft Oberlauda

Aus Oberlauda, einem Stadtteil von Lauda-Königshofen, stammt Johann Martin Schleyer, der um 1880 die Plansprache Volapük erfand. Er hatte damit Erfolg, es bildeten sich in ganz Europa Volapük-Gesellschaften. Doch die Sprache war kompliziert, und weil Schleyer die alleinige Kon­trolle behalten wollte, konnte sie sich gegen das 1887 veröffentlichte und heute noch gebräuchliche Esperanto nicht durchsetzen.

Ich empfehle, den Fußweg von Lauda aus zu nehmen. Am schönsten erreicht man Oberlauda, wenn man über die Weinberge geht. Durch das obere Tor über die Straße, schräg rechts den Weinbergsweg hinauf und dort links ein Stück die Altenbergstraße, die auf zwei Wegen durch die Weinberge geleitet. Der untere, kürzere Weg ist für diejenigen, die weniger Zeit haben, der rechte Weg, der höher hinaufführt und auch einen weiteren Abstieg nach Oberlauda beinhaltet, setzt etwas mehr Zeit und Kondition voraus. Am Ende münden beide Weinbergwege auf eine asphaltierte Straße, die sich in den Ort Oberlauda hinabschlängelt – halten Sie sich links, um sie zu erreichen.

Die aus Muschelkalk bestehenden Südhänge, auf denen kleinparzellig Weinbau betrieben wird, lohnen allein schon den Weg, zumal bei schönem Wetter, das hier allerdings häufig ist. Es ist eine ganz eigene Atmosphäre auf diesen Wegen, die sich deutlich von der in den großflächigen Weinanbauten, zum Beispiel in Beckstein, unterscheidet. Von hier oben hat man einen schönen Blick zum fachwerkdominierten Oberlauda ins Seitental hinab.

Im Ort selbst sollte man sich die Mühe machen, nach dem Mühlrad zu fragen. Es liegt etwas versteckt. Dabei handelt es sich mit 8,5 Metern Durchmesser um das größte oberschlächtige Mühlrad Süddeutschlands. Wer mag und Zeit hat, kann zur anderen Seite den Hang wieder hinauf und durch den Wald nach Lauda zurückwandern.

Tipp: Historisch Interessierte können in Oberlauda noch Reste einer vormittelalterlichen Fliehburg finden, die 1525 in den Bauernkriegen zerstört und im 19. Jahrhundert vollständig abgebrochen wurde.

Tourist-Information Rathaus Lauda /// Marktplatz 1 ///

97922 Lauda-Königshofen /// 0 93 43 / 50 11 28 ///

www.lauda-koenigshofen.de ///

7  Dunkle Vergangenheit im Bauernkrieg

Königshöfer Messe und Alter Wachturm in Lauda-Königshofen

Es ist vor allen Dingen die Königshöfer Messe, die jedes Jahr im September viel Volk anzieht, nicht nur aus der Region, und Königshofen bekannt macht. Die Messe ist eine Mischung aus Jahrmarkt und Gewerbeausstellung, die jährlich bis zu 200.000 Menschen besuchen. In der Regel dauert sie vom Freitag vor dem dritten Septembersonntag bis zum vierten Septembersonntag. Verbunden ist mit der Messe in jedem Jahr ein Messelauf, an dem jeder teilnehmen und von der Kurzstrecke bis zum Halbmarathon seine Leistung zeigen kann.

Historisch gesehen steht Königshofen dem Ort Lauda in nichts nach. Es gibt Besiedlungsspuren aus dem 4. Jahrtausend v. Chr. Die Kirche wird bereits in Urkunden des 8. Jahrhunderts erwähnt und ein Markt bestand schon 1415. Oberhalb des Ortes, der sich noch ein gutes Stück den Hang hinaufschiebt, ist gut sichtbar ein Turm zu sehen. Es handelt sich um einen Wachturm aus dem 15. oder 16. Jahrhundert, der diesen Turmberg ziert und von dem aus man einen guten Blick weit ins Tal sowie ins Seitental der Umpfer hinein hat. Hier oben fand während des Bauernkriegs am 2. Juni 1525 die Schlacht auf dem Turmberg statt. 8.000 Bauern stellten sich dem Heer des Schwäbischen Fürstenbundes und 4.000 sollen dabei den Tod gefunden haben. Von den 300 wehrfähigen Bürgern Königshofens waren am Ende nur noch 15 übrig.

Wer von der Messe genug hat, kann zum Turm hinaufwandern und sich einen Überblick über den ganzen Trubel verschaffen – und vor allem Ruhe. In der Zeit, als ich noch in Königshofen wohnte, war dies mein unangefochtener Lieblingsplatz. Man muss auch nicht denselben Weg zurücklaufen, denn der Pfad führt weiter und über die Weinberge den Turmberg hinab wieder in den Ort. Nicht weit vom Turm findet sich auch noch ein alter Richtplatz mit Galgen.

Tipp: Im alten Schulhaus befinden sich die Veranstaltungsräume des Kulturschock e. V. Dort gibt es regelmäßig Kleinkunstveranstaltungen, Theater, Lesungen und Musik.

Tourist-Information Rathaus Lauda /// Marktplatz 1 ///

97922 Lauda-Königshofen /// 0 93 43 / 1 28 ///

www.lauda-koenigshofen.de ///

8  Eine Alternative zum Panoramaflug

Panoramaweg um Lauda-Königshofen

Lauda liegt im Talgrund an die Tauber geschmiegt. So richtig schön ist das zu sehen, wenn man von oben auf die Stadt schaut. So hoch springen kann jedoch keiner, einen Flug zu buchen wäre zwar möglich, aber das ist recht umständlich. Leichter fällt es dagegen, auf den Panoramaweg zu gehen. Von hier hat man einen Blick nicht nur auf Lauda, sondern zur einen Seite bis nach Königshofen und zur anderen bis nach Distelhausen.