Das Fest - Lucy Fricke - E-Book
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Das Fest E-Book

Lucy Fricke

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Beschreibung

Über die Lebenskrise, die uns der fünfzigste Geburtstag schenkt Der einst gefeierte und inzwischen als Kassengift geltende Filmregisseur Jakob wird alt und glaubt, alles verloren zu haben. Seine Karriere ist vorbei, seine letzte Beziehung über zehn Jahre her, die Haare sind grau, der Körper schwach und der Kopf ohne Ideen.   Es gibt nichts zu feiern, verkündet er dann auch am Morgen seines Geburtstages. Doch seine beste Freundin Ellen ist anderer Meinung. Sie schickt ihn auf eine Reise durch sein Leben, die er bis zuletzt für eine Kette von Zufällen hält. Es sind Begegnungen mit Menschen, die er liebte, aber verloren glaubte. Menschen, die in verschiedenen Phasen seines Lebens prägend für ihn waren.  Ein Buch über Verluste und Verzeihen, über Freundschaften, die nicht zu Ende gehen und ohne die wir nicht wären, wer wir sind. Mit tiefer Melancholie und unerschütterlicher Komik blickt ein Mann zurück auf sein Leben, das gerade erst beginnt.

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Veröffentlichungsjahr: 2024

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Das Fest

LUCY FRICKE wurde 1974 in Hamburg geboren und lebt in Berlin. Für ihre Arbeiten wurde sie vielfach ausgezeichnet. Ihr Roman Töchter erhielt 2018 den Bayerischen Buchpreis, wurde in acht Sprachen übersetzt und fürs Kino verfilmt. Nach dem Bestseller Die Diplomatin ist Das Fest ihr zweiter Roman, der bei claassen erscheint.

Jakob wird fünfzig und hat keine Lust zu feiern. Was denn auch: das Alleinsein? Die berufliche Bedeutungslosigkeit? Das endgültige Ende aller Aufbrüche? Doch dann geht er hinein in diesen Tag, und wie von Zauberhand geführt begegnen ihm die Menschen seines Lebens, die er an die Zeit verloren glaubte.Das Fest ist ein so melancholischer wie heiterer Roman über einen Wendepunkt im Leben, über den Blick zurück und die erwachende Freude auf den ganzen Rest. Von einer Erzählerin, die das Tiefe ganz leicht erscheinen lässt.

Lucy Fricke

Das Fest

Roman

Ullstein

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claassen ist ein Verlagder Ullstein Buchverlage GmbHwww.ullstein.de© 2024 by Ullstein Buchverlage GmbH, BerlinLektorat: Matthias TeitingUmschlaggestaltung: BÜRO JORGE SCHMIDT, MünchenUmschlagillustration: © rawpixel.com / FreepikPorträt der Autorin: © Gerald von ForisE-Book powered by PepyrusAlle Rechte vorbehalten.Wir behalten uns die Nutzung unserer Inhalte für Text und Data Mining im Sinne von § 44b UrhG ausdrücklich vor.ISBN 978-3-8437-3255-0

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Inhalt

Das Buch

Titelseite

Impressum

ELLEN

INKEN

GEORG

ANNE

NEELA

ELLEN

DAS FEST

Social Media

Vorablesen.de

Cover

Titelseite

Inhalt

ELLEN

Widmung

Für Anna

ELLEN

Es wird nicht gefeiert.

Das hatte er vor Monaten gesagt, und jetzt stand er in Boxershorts und gebügeltem Hemd in der offenen Wohnungstür und hatte offenbar geglaubt, ich würde mich daran halten. Doch ich war diejenige, die andere zu ihrem Glück zwang, und so eine ließ man nicht draußen stehen. Zumindest verzichtete ich darauf, ihm ein Ständchen zu singen. Ich nahm ihn bloß in den Arm und schob mich an ihm vorbei in den Flur.

Unter den üblichen Zigarettengeruch hatte sich ein penetranter Duft von Räucherstäbchen gemischt, die überall in der Wohnung vor sich hin glommen. Über das Bett im Schlafzimmer war eine Tagesdecke in strahlendem Weiß geworfen, nicht ein einziges Kleidungsstück lag herum, es schien, als würde er gar keines mehr besitzen. Die gesamte Wohnung sah aus, als würde er hier nicht mehr wohnen, als wäre er bei sich zu Hause nur Gast.

Seit Wochen hatten wir uns nicht gesehen, grundlegend müde sei er, hatte er am Telefon gesagt, müsse mal nachdenken. Bloß dass einem nichts einfiel, wenn man immer nur zu Hause blieb, das war meine Meinung. Jakob und ich hatten gemeinsam die halbe Welt gesehen, und jedes Mal hatten die Freunde gedacht, bei der nächsten Reise werde aus uns beiden endlich ein Paar. Manchmal hatten wir es sogar selbst geglaubt. Wir waren ineinander verliebt gewesen, immer mal wieder, immer abwechselnd, nie gleichzeitig. Wir hatten, könnte man sagen, über drei Jahrzehnte Zeit gehabt, uns zu verpassen. Und jetzt standen wir hier, als beste Freunde an seinem fünfzigsten Geburtstag, den er nicht feiern wollte.

Er wisse gar nicht, wie das gehen solle in diesen Zeiten, wie man die Laune dafür aufbringen könne. Kriege, Anschläge, Epidemien, Naturkatastrophen und Wahlerfolge, die einem die letzte Hoffnung austrieben. Da gebe es nichts zu feiern, wirklich ein absurder Vorschlag, das hatte ich mir anhören müssen.

Bitte, Ellen, alles, nur keine Party. Keine Überraschungen, erst recht keine Gäste.

Ich stellte die große Einkaufstasche in seiner Küche ab und lächelte, gnädig, so gerade noch gnädig. Wie ich Menschen anlächelte, die ich eigentlich schütteln wollte. An den Schultern packen und kräftig durchschütteln, stattdessen musste ich nun lächeln und die Torte auspacken.

Auf dem Tisch lagen ein paar Karten, die Jakob als seine Geburtstagspost präsentierte. Rabattcoupons von Karstadt, Otto und einem Teegeschäft, bei dem er regelmäßig japanischen Grüntee orderte.

Sonst nichts?, fragte ich.

Doch. Eine Einladung zur Krebsvorsorge.

Er ließ sich auf den Stuhl fallen mit einem Stöhnen, das klang, als hätte er mit allem abgeschlossen.

Was ist mit deiner Wohnung passiert?

Ausgemistet, sagte er. Das sei doch alles nur Ballast. Der ganze Krempel, die ganzen Erinnerungen, alles entsorgt.

Das heißt, du machst Platz für was Neues, schlug ich vor.

Halte ich für unwahrscheinlich.

Aber es ist nicht ausgeschlossen.

Ausschließen würde ich nicht einmal die Existenz Gottes.

Ich nahm den Champagner aus der Tasche, dazu eine Rolle Luftschlangen und einen Beutel mit goldenen Zahlen, als könnte man gute Laune im Vorbeigehen in der Bastelecke kaufen. Genauso gut hätte ich ein Tischfeuerwerk voller Plastikmüll zünden können. Früher hätten Jakob und ich darüber gelacht, wie wir über alles gelacht hatten, am lautesten über uns. Ich wusste nicht, wohin das verschwunden war, und konnte nur hoffen, wir hatten es der nachfolgenden Generation vermacht. Auch wenn es selten Anlass gab, das zu glauben.

Als ich zwei Packungen bunter Geburtstagskerzen aus der Tasche holte, gab Jakob abermals sein erschöpftes Seufzen von sich.

Immer mehr Kerzen, immer weniger Puste, meinte er.

Ich hatte alt werden wollen mit diesem Freund, aber doch nicht jetzt schon. Ich steckte nur eine einzelne Kerze in die Schokoladenglasur der Torte und sagte, dass wir auf diese Weise mit den restlichen Kerzen bis zu seinem Hundertsten auskommen würden. Was für ihn, wie er sofort erklärte, alles andere als eine reizvolle Vorstellung sei.

Es ist nur eine Zahl, Jakob, sagte ich und dachte: Nicht einmal die schlimmste, die schlimmsten Zahlen standen uns noch bevor, wenn alles gut ging.

Nichts sei jemals nur eine Zahl, entgegnete er und zündete sich eine Zigarette an.

Als wir vor Monaten erstmals über diesen Tag gesprochen hatten, war offensichtlich geworden, dass die Fünfzig für Jakob ein Abgrund war. Der Gedanke, ein ganz und gar mittelmäßiges Leben geführt zu haben, nichts erreicht, nichts vollbracht, nichts hinterlassen, ein Leben ohne Spuren. Kein Haus, kein Kind, kein Baum. Er glaubte, mit fünfzig seien die Weichen endgültig gestellt, nichts könne sich mehr ändern, alles sei dem Untergang geweiht. Das Schlimmste an jenem Aprilabend, den wir auf seinem kargen Balkon verbrachten, war mein Eindruck, dass er sich mit alldem abgefunden hatte. Es war ein Abgrund, in den ich mit zu fallen drohte, und das nicht nur aus alter Solidarität. Ich war nur wenige Monate jünger und für Krisen aller Art schon immer anfällig gewesen. Vielleicht auch deshalb hatte ich begonnen, seinen Geburtstag vorzubereiten. Ich hatte Nachrichten geschrieben, Telefonate geführt, mich mit Bedenken und Zweifeln herumgeschlagen, die allesamt begründet waren, doch ich hatte mich nicht davon abbringen lassen, und jetzt konnte ich nichts mehr tun, als meinem Plan zu folgen.

Allerdings musste ich Jakob noch aus dem Haus bekommen. Notfalls würde ich die Wohnung in Brand stecken, Kerzen hatte ich schließlich genug.

Eine Zahl habe immer eine Bedeutung, behauptete Jakob jetzt. Jede Zahl ziehe Konsequenzen nach sich. Kontostände, Aktienkurse, Temperaturen, Tarife, Umfragen, Quoten, überall Zahlen, an denen wir uns festklammerten, die unser Leben bestimmten, uns zermürbten. Zu sagen, es sei nur eine Zahl, sei absoluter Unfug, blinde Aufmunterung, was nun wirklich nicht meine Art sei.

Unbeirrt öffnete ich mit einem dumpfen Knall den Champagner und füllte die Gläser.