Das Miami Syndikat - Rafael di Giorgio - E-Book

Das Miami Syndikat E-Book

Rafael di Giorgio

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Beschreibung

Philosophie war nie so erotisch… und Erotik noch nie so lustig… und Lust noch nie so philosophisch… Sarkasmus wird neu definiert! Kritisch, provokativ, sarkastisch, kontrovers - Das Miami Syndikat! Vorsicht, regt zum Nachdenken an!

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Seitenzahl: 369

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Rafael di Giorgio

Das Miami Syndikat

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Der Autor

Der Moment, der alles veränderte

Rico

Der Visionär

Das Syndikat I

Isabelle - die Begegnung

Das Syndikat II

Der Visionär II

Der blonde Engel & die Freunde

Das Syndikat III

Die Party

Das Syndikat IV

Rico braucht Zeit nachzudenken

Das Syndikat V

Isabelles Wahrheit

Das Syndikat VI

Der Visionär III

Ricos Geheimnis

Das Syndikat VII

Ricos Bootsparty

Das Syndikat VIII

Der Visionär 

Ricos Bootsparty II

Die Havanna Party

Die Havanna Party

Das Syndikat IX

Der Visionär V

Das Ozean. Das Treiben II

Kein Weg zurück…

Das Syndikat X

Ricos Krieg

Die Erkenntnis

Copyrights  

Fussnoten 

Impressum neobooks

Der Autor

Das Miami Syndikat ist das Debütroman des Autors Rafael di Giorgio. Das Buch erscheint im Sommer 2015 auf Deutsch und Englisch.

Rafael di Giorgio ist ein Weltbürger - Autor, der seine Schriftsteller-Karriere angefangen hat, nachdem ihn Ausserirdische entführt und mit ihm erotische Experimente durchgeführt haben.

Der Moment, der alles veränderte

Der Frühling erweckte die Natur zum Leben. Die Sonnenstrahlen, die die durch die Feuchtigkeit weichgezeichnete Lichtung durchschmolzen, erwärmten die noch kühle Luft des Waldes. Die Frische, der Geruch des Grases, des feuchten Holzes, des Mooses füllten seine Lungen mit purer Energie. Er war zehn Jahre alt. Und die Spaziergänge mit seiner Mami waren das Schönste was er kannte. Sie hatten ein Picknick eingepackt und spazierten durch den Wald bis zum Mittag. Sie hielten sich an den Händen, lachten, sangen und suchten den perfekten Platz, um Rast zu machen. Das Gezwitscher der Vögel begleitete die zwei auf dem Weg zum Glück. Sie kamen nicht sehr schnell voran, denn sie mussten immer wieder mal nach Vögeln, mal nach Eidechsen, mal nach Blumen, mal nach Eichhörnchen schauen und suchen. Und dieses Geknutsche… immer wieder... das jedes Mal ein so kindliches, freies Lachen hervorrief. Die Wärme ihrer Hand, die Geschmeidigkeit ihrer Haut, der zarte Griff seiner Hand, ihre liebevollen Blicke, die Glück, Liebe und Hingabe verrieten, gaben ihm das Gefühl der Geborgenheit. In der kleinen Welt eines Zehnjährigen, der die Liebe wie kein anderer erfuhr. Das saftige Grün, die warmen, orangenen Sonnenstrahlen, hier und dort der Rest von einem Nebel, der farbige Muster des Lichtes enthüllte, machte das Bild idyllisch. In der perfekten, kleinen Welt eines Zehnjährigen…

Die zu Anfang leisen, dann immer lauter werdenden Schreie, störten ihn. Sie waren schrill, angsterfüllt, immer wieder von einem “nein, bitte nein!!” begleitet, in dem Angst, Panik und Todesfurcht zu hören waren. Ohne Hoffnung. Ohne Chance. Sie rissen ihn schlagartig aus seinem idyllischen Waldbild, weckten ihn aus seinem tiefen Schlaf. Immer wieder diese Stimme, die schrie und bettelte…“nein”… immer und immer wieder. Bis die Stille kam. Tief, schwarz, traurig. Er machte die Augen auf. Fühlte, dass sein Pyjama durchgeschwitzt war. Sah, wie das Mondlicht durchs Fenster schien und das Zimmer bläulich schimmern liess. Die weisse Gardine flatterte im leichten Luftzug und erzeugte furchterregende Schatten an der Wand. Er stand auf, setzte seine nackten Füsse auf den Holzboden und verliess sein Zimmer. Das Holz fühlte sich warm und angenehm an. Er ging durch den Flur ins Schlafzimmer, wo nur das Bett seiner Mami und eine kleine Bibliothek standen. Die Form unter den weissen Laken liess ihn vermuten, wo seine Mami lag. Das Mondlicht schien auch hier durch die Gardinen und warf Schatten auf das Bett. Er legte sich zu ihr, umarmte sie, aber seine Umarmung blieb unerwidert. Stattdessen umarmten ihn die Schatten und sie fühlten sich klebrig und warm an. Er packte seine Mutter an der Schulter und drehte sie um. Die leblosen, grossen Augen starrten ins Leere und verrieten Hilflosigkeit. Furcht… Er schaute sie Minuten lang an und erkannte nur eine leblose Hülle, denn es fehlte die Liebe, das Lachen in ihren Augen. Alles, was er an ihr so liebte. Ihre strahlenden Augen, wie sie ihn ansprach, wie sie ihn anschaute, wie nur das Wunder der Liebe es schaffte aus einem Blick ein Liebesgedicht zu machen. Die Geborgenheit.

Er hörte draussen das Geräusch eines Feuerzeugs. Ging zum Fenster und sah durch die leichten Gardinen… ihn… einfach rauchend. Er ging auf dem warmen Holzboden zum Schrank im Flur und nahm die Schrotflinte. Ohne ein Geräusch zu machen, schob er die Patronen in den Lauf. Seine kleinen Finger schmerzten und hatten kaum die Kraft dazu. Die Kraft kam aus seinem Wunsch Gerechtigkeit walten zu lassen. Und zwar sofort. Seine Gefühle waren taub, er spürte nichts. Wie ein Roboter ging er geräuschlos die Treppe hinunter. Er legte die Waffe auf den Boden. Sie war schwer und er wusste, dass der Rückstoss gewaltig war. Vor der Eingangstür, auf dem Boden, mit dem Kolben auf die Wand fixiert, drückte er den Abzug. Die Patrone durchbrach die Tür und er hörte das Geräusch, das er nie wieder vergessen würde. Das Geräusch einer Patrone, die menschliche Knochen zerfetzte. Er öffnete die Tür und sah ihn. Aufs Gesicht gefallen, der Rücken wie ein Bogen nach oben gerichtet. Er hörte das Zischen der Luft in seinen Lungen. Und obwohl er nur zehn Jahre alt war und noch ein Kind, verspürte er Gerechtigkeit. Die Zigarette brannte noch in seinem Mund und der Kleine sah in dem Blick dieses Monsters alles was er sehen wollte. Panik, Angst und Hoffnungslosigkeit. Minuten lang schaute er ihn an, schaute wie das Leben aus ihm heraustropfte. Minuten lang…

Das leise, kurze Weinen…

Die Nachbarn fanden ihn am nächsten Tag immer noch auf der Treppe, wo er den Mörder seiner Mami anschaute. Mit kaltem, starrem Blick.

Rico

Männer sind die fleischgewordene Intelligenz! Darüber braucht man nicht zu diskutieren oder zu streiten. Was aber die Frauen sind ist noch unklar. Jedoch steht fest, dass sie aus einer Parallelwelt eines immanenten Universums kamen. Und unwiderruflich. (Vielleicht werden wir zusammen herausfinden was sie waren und sind, weil dieses Buch ziemlich lang ist!) Es ist ein heisser Sommertag. Die Sonne scheint so gnadenlos, dass ein schlauer Imbissverkäufer eine Menge Geld machen würde wenn er gesund und fettfrei seine Würstchen auf meinem Schädel braten würde. Denn die Brattemperatur würde stimmen. An solchen Tagen denke ich oft an den Menschen, der die Klimaanlage erfunden hat und ich weiss nicht mal, wie er heisst. Nur seine Initialen: A. C. In meinem Van läuft die Klimaanlage geräuschlos. (Ob in anderen Vans nicht geräuschlos, bleibt ein Mysterium. Und das schon am Anfang des Buches!)

Wir befinden uns auf dem grossen Parkplatz vor der Uni. Ein Parkplatz, so gross wie ein Fussballstadion, nur viel grüner und mit tausend und einem Baum. An solchen Plätzen hat man nicht das Problem, dass man keinen Parkplatz findet, sondern, dass man nicht weiss auf welchem man parken soll. Die Suche dauert also genau so lange wie in einem kleinen, überfüllten Parkhaus. Das gefällt mir bei den Amis. Alles ist gross, sehr gross, enorm und ich habe das Gefühl, dass ich mich wiederhole, was die Beschreibungen betrifft. Ihr könnt es euch aber trotzdem nicht vorstellen. (Weil eure Vorstellungskraft ziemlich begrenzt ist. Woher ich das weiss? Ihr würdet doch selber Bücher schreiben und nicht meine lesen.) In der Mitte des Parkplatzes steht ein riesiger Springbrunnen. Wassertropfen treffen ahnungslose Studenten, auf irgendwelchen runtergeklappten Autositzen Liebende, in Cabrios schauende Gaffer, Passanten, Vögel, Tiere und Bäume. (Falls ich jemanden vergessen habe, Reklamationen unter 0190 und dann eine beliebige Nummer. Nette Damen werden euch helfen eueren Frust abzubauen!)

Sie ist blond, ihre glänzenden Beine machen mich unruhig. Sie sieht den Blick in meinen Augen und sagt:

«Komm Baby, hab Geduld! Ich muss zur Vorlesung aber in ein paar Stunden bin ich wieder bei dir!» Ich sehe sie an und frage mich womit ich es verdient habe der Verursacher ihres zufriedenen Blickes zu sein? Mit den kleinen, eleganten, begleitenden Augenringen. Und wenn ihr kleinen, neugierigen Leser gesehen hättet was gestern Nacht los war, würdet ihr erkennen, dass die Entdeckung des Feuers, des Rades, des Ottomotors, der Wirtschaftslehre des Kommunismus und der erste gefälschte Schritt auf dem Mond nichts im Vergleich zu meiner Leistung waren. Ich bin froh, dass die Evolution mich nicht mit solchen Kurven und solcher Haut ausgestattet hat, weil ich sonst ununterbrochen mit mir spielen würde. Falls ihr immer noch glaubt Berge in der Schweiz wären schön, habt ihr diese hier nicht gesehen, unter einem viel zu kleinen, zu engen, zu grünen und zu durchsichtigen T-Shirt, das mehr zeigt als versteckt. Ein paar Stunden würde sie weg sein! Die schöne Kreatur. Viel zu lange!

«Mach dir keine Sorgen! Ich habe noch zu tun und werde gar nicht merken, dass du weg bist!» sage ich cool und rolle mit den Augen, um die Aussage glaubwürdiger zu machen. In meiner kleinen, einfach gestrickten Welt.

«Bis dann! Und bleibe anständig!» sagt sie noch und fordert gleichzeitig das Unmögliche. Von einen Mann. Ein Widerspruch in sich. Diese zwei Worte, Mann und anständig auf der gleichen Buchseite tun schon einfach nur weh. Weil “anständig” ein Begriff ist, dessen ethischen Ursprung eine Frau ausgedacht hat.

«Immer, Baby! Und wenn ich es nicht bin, denke ich nur an dich!» Ob sie das genau in dieser Form hören wollte? Ich weiss es nicht. Aber ich versuche es zumindest.

Der Visionär

Ein Kapitel der Geschichte ging zu Ende. Langsam und schmerzhaft. Und die Politik konnte nichts dagegensetzen. Die Wirtschaft noch weniger. Die kapitalistische Markwirtschaft kollabierte. Und in dieser Welt, in der die Zusammenhänge und Abhängigkeiten der Märkte immer komplexer wurden, wurde klar, dass die Titanic der Wirtschaft, die globalisierte Welt, gross und unsinkbar, genau so enden würde wie das Schiff. Ironischerweise würden die kleinen Holzboote sich auch jetzt über Wasser halten. Einfach in der Bauweise, primitiv, leicht steuerbar. Längst vergangen waren die Zeiten als alte, bärtige, englische Gentlemen wirtschaftliche und gesellschaftliche Konzepte erstellten. Konzepte, die der Welt aus dem dunklen Feudalismus halfen und sie in eine unglaubliche, wirtschaftlichen Revolution stürzte. Alte Philosophen, die uns mit Ideen, Visionen und Konzepten hätten bereichern müssen. Nur wir waren blind, wollten das letzte Kapitel derer genialen Werke nicht lesen. Und auch nicht den Untertitel. Konsequent. Und jetzt nahm der Fluch unserer Dummheit Gestalt an und führte uns die Bedeutung des Untertitels “Kritik der politischen Ökonomie”(1) vor Augen.

Das Model der kapitalistischen Markwirtschaft hatte ausgedient. Die Abnutzung des Konzeptes verlangte nach einer neuen Lösung. Karl Marx warnte genau vor dem Zeitpunkt, an dem sich die Welt jetzt befand. An dem Punkt an dem alles damit gemessen würde ob Geld mehr Geld generiert. Geld als absoluter Massstab. Als absolute Referenz. Die weitreichenden Wirkungen des herrschenden Wirtschaftsmodells wurden immer offensichtlicher und verlangten Opfer. Die Politik war nur noch eine Marionette einer Wirtschaft, die auf blindes, extremes Wachstum setzte. Einer Wirtschaft, die das globale Spiel der Macht bestimmen wollte und jetzt bestimmte. Einer Wirtschaft, die Kriege aus verschiedenen Gründen einfädelte, mal politische, mal religiöse, um zum einzigen wichtigen Ziel zu kommen: die Kontrolle über Rohstoffe, über Märkte, über Währungen. Wer die Kontrolle über Rohstoffe hatte, hatte die Kontrolle über Hunger. Über Armut und Reichtum. Menschenrechte wurden über Bord geworfen, internationale Abkommen wurden nicht mehr respektiert, wer Waffen hatte, hatte das Sagen. Schlimmer noch, bestimmte was richtig war. Inoffiziell natürlich. Denn offiziell war die “zivilisierte Welt”nur bemüht “Demokratie” einzuführen. Die Demokratie zeigte aber immer offensichtlicher ihre Schwächen. Demokratie war ein System, das zuliess, dass wirtschaftliche Mächte Märkte aggressiv erweiterten und kontrollierten, ohne Rücksicht auf Traditionen und Kultur. Ein System, dass nach feudalen Methoden Rohstoffe beanspruchte. Wer die Waffen, das Geld und die Mittel hatte, bestimmte für die ganze Welt was gut und was nicht gut war und konsolidierte das Monopol der Macht. Der Massstab war gesetzt. Für alle…

Die klassische Marktwirtschaft hatte keine Lösungen für die neuen Krisen und alte Lösungen funktionierten nicht mehr. Eins wurde klar: auch in der Wirtschaft, so wie in der Religion, war man in einem Dualismus gefangen. Eine halbe Welt satt und träge, auf Jahrzehnte durch den Konsum verschuldet, die andere Hälfte, hungrig und diszipliniert, auf die Übernahme wartend. Die Übernahme der Kontrolle. Reichtum konnte nicht ohne Armut existieren. Eine Hälfte der Welt konnte nicht reich sein solange die andere nicht arm war. Denn Reichtum definierte sich einfach: Mann verdiente viel mehr Geld, als man zum Überleben brauchte. Ein Zustand, der zu Kapitalanhäufungen führte. Das funktionierte nur wenn arme Länder versklavt für einen Hungerlohn Güter für die reiche Welt produzierten. Güter, die nationale oder internationale Konzerne mit extremen Gewinn weiterverkauften und welche aber immer noch im Lohn-Ausgaben Verhältnis der reichen Gesellschaften sehr billig waren. Konzerne konnten so Unmengen von Kapital anhäufen. Kapital, das Macht bedeutete. Die Versklavten produzierten diese Güter für Löhne mit denen sie kaum überleben konnten. Angenommen internationale Abkommen würden Lohnregelungen einführen, die Hungerlöhne verbieten und die Entlohnung für eine gewisse Arbeit im Verhältnis Lohn zu Lebensunterhaltskosten im jeweiligen Land überall auf der Welt angleichen würden, würden die übermässigen Gewinne internationaler Konzerne reduziert und dieses Kapital an die Arbeiter weitergegeben. Das würde aber Machtverlust bedeuten. Und genau das wollten sie nicht… diejenigen die die Macht besassen. Macht war der Rauschzustand, Gewinn die Droge.

Die Politik war immer noch offiziell die Instanz, die die Industrieländer verwaltete. Und Politik lebte von Steuereinnahmen. Steuern bezahlten Konzerne, die wiederum die Freiheit erhielten die arme Welt zu versklaven. Politik wurde die Hure der Wirtschaft. Auf der einen Seite verantwortlich für internationale Regelungen, Beziehungen, Infrastruktur und Bildung, auf der anderen machtlos und abhängig von Steuereinnahmen. Und diese gewinnhungrige, nicht mehr zu kontrollierende Wirtschaft führte zur Verschuldung der Staaten und der Menschen. Die Autos wurden immer grösser, die Häuser auch, Statussymbole spielten eine grössere Rolle als die Bildung. Die grössten Industrienationen der Welt wurden durch ihren Stolz getrieben Macht und Wirtschaftsgrösse zu zeigen, indem sie riesige Bauprojekte finanzierten oder den vermeintlichen Reichtum durch Schulden finanzierten. Inzwischen kauften die Menschen Güter mit Geld, das sie nicht besassen. Auf Jahrzehnte verschuldet mussten sie irgendwann merken, dass die Waren, die sie kauften, keinen Wert hatten. Der Wert war nur eine momentane Lüge, die sich als eine Seifenblase entpuppte. Und jetzt war der Punkt gekommen, an dem dieser Grössenwahn nicht mehr kontrollierbar war und zur massiven privaten und staatlichen Überschuldung führte. Auf der einen Seite die Banken, die diesen Grössenwahn finanzierten, auf der anderen Seite die Wirtschaft, die das Geld schluckte und von diesem Grössenwahn profitierte und durch die gewonnene Macht alles kontrollierte. In der Mitte der dumme Bürger, der alles mitmachte. Zu müde und verblödet selbst zu denken, wurde er zum Werkzeug. Alles wurde so voneinander abhängig, dass das eine nicht mehr ohne das andere funktionierte.

Auf der anderen Seite der Welt wartete ein anderes System auf die Übernahme der Macht. Ein System, das Kapital anhäufte, in dem es nur das konsumierte, was zum Überleben nötig war, obwohl ihm mehr zu Verfügung stand. Ein System, das abhängig von der Weltwirtschaft war, aber das Risiko wirtschaftliches Wachstum durch Schulden anzunehmen, ablehnte. Und jetzt mit den enormen Kapitalreserven Staatsanleihen der übermässig verschuldeten Industrienationen kaufte. Der Nationen, die durch das eigene Wirtschaftsmodell zur Erhaltung der globalen Macht erdrückt wurden und jetzt genau das taten, was sie durch dieses Modell zu vermeiden versuchten: die Macht und die Kontrolle abzugeben.

In den sogenannten demokratischen Gesellschaften hatte sich die Postdemokratie eingeschlichen. Die Menschen waren zu faul geworden noch für sich selbst zu denken. Zu überlegen. Sie hatten kein Interesse an Gerechtigkeit, waren zu träge sich mit unbequemen Themen auseinanderzusetzen. Sie waren an dem Punkt, an dem sie sein sollten: faul, verblödet und versklavt. Dadurch leicht manipulierbar. Nur es war zu spät!

Finanzmärkte brachen zusammen, das Konzept der Börse entwickelte sich durch Spekulationen in eine falsche Richtung, perverse Kriege der mächtigsten Nationen brachten nicht mehr die Lösungen der eigenen Probleme, die man sich erhofft hatte. Die ganze Industriewelt ging langsam aber sicher zu Grunde. Denn eins wollte niemand mehr wirklich: den Konsum einschränken. Umdenken. Etwas verändern. Einen Schritt zurückgehen. Dieses kapitalistische Wirtschaftsmodell besiegte sich mit den eigenen Waffen. Seit Generationen rechnete man nie langfristig, sondern nur für die Zeit einer Wahlperiode.

Und das hasste er! Dieses kurzfristige Denken. Seine Vision war eine Welt mit einem neuartigem, einzigem Wirtschaftsmodell, dessen Ziel nicht Zahlen, Zuwachs und Gewinne waren, sondern die Welt zu versorgen. Das nicht nur die Privilegierten versorgte, mit dem Preis alle anderen verhungern zu lassen. Ein System, das kein Geld kannte. Ein System, das niemanden verhungern und verdursten liess. Ein System, das Ressourcen gerechter verteilte. Auf alle Menschen. Ein System, das alle gleich behandelte. Gewiss, alle Menschen waren verschieden, und sie würden auch verschieden bleiben, daher würde jeder seine Aufgabe in einer globalen zusammengefassten Gesellschaft je nach seinen physischen und kognitiven Möglichkeiten erfüllen. Niemand würde Neid und Hass kennen. Denn jeder würde stolz sein seinen Teil dazu beizutragen die Welt zu erhalten, in der niemand hungerte, niemand verdurstete, niemand den anderen bekämpfte. Eine Welt in der alle gemeinsam, mit gleicher Verantwortung, die Gesellschaft und die menschliche Rasse weiterbrachten. Seine Augen glänzten bei dem Gedanken eine schöne, genetisch perfekte, einzige menschliche Rasse, aus allen heutigen gemischt, in einer ordentlichen, sauberen, mit Liebe gefüllten Welt zu führen. Eine Welt, die nichts Böses kannte. Keine Propheten und keine Götter. Keine Macht und keinen Einfluss. Glänzten bei dem Gedanken eine Welt für ein höheres Wesens zu erschaffen. Für einen Menschen, der durch Bildung und Fürsorge sein Bewusstsein erweiterte.

Das Syndikat I

«Sie sind da!» sagte der Koloss.

Ich befürworte auch, dass man sportlich sein muss, um die langen Nächte mit all den Mädels zu überstehen, die so wild sind, dass die Nachbarn immer die Feuerwehr anrufen, wenn die Vulkane explodieren. Aber wieso muss man übertreiben? Jeder Kleiderschrank wäre neidisch beim Anblick dieses Monsters. Die Schultern so breit, dass er nur seitlich in ein Zimmer reinkommt oder rausgeht. (Es sei denn, der Beobachtungsort des Erzählers befindet sich ausserhalb des Zimmers und dann würde es heissen: reingeht und rauskommt.)

«Und dieser Clown ist bei ihr! Soll ich mich darum kümmern?» fragte der gleiche Kollos mit einer Selbstverständlichkeit, die angesichts seines trainierten Körpers echt erschien. Was man aber bei solchen Typen nicht sieht ist ob das Gehirn auch so fit wie der Körper ist. Nur leider bräuchte man für eine Antwort eine CT (Computertomographie), um die Gehirnströme zu überprüfen, was wiederum nicht möglich wäre, weil seine Schultern nie durch die Röhre des Computertomographen passen würden. Also bliebe was in seinem Kopf vorging ein Mysterium.

«Noch nicht!» sagte der Mann am Schreibtisch mit leiser Stimme. So leise, dass man zwei Hörgeräte gebraucht hätte, um sie wirklich zu hören. «Ich habe andere Pläne.» Jeder Satz, den er aussprechen musste, bereitete ihm seelische Qualen. Denn mit diesen primitiven Idioten zu kommunizieren war schmerzlich, aber notwendig. Und war ebenso notwendig wie schmerzlich. Sie waren seine Werkzeuge, mit denen er das grosse Monument der Perfektion bauen musste. Die neue Welt! Und er war der auserwählte Projekt Assistent. Denn so klug um selbst als Projektleiter ein Konzept zu konzipieren, war er doch nicht.

Isabelle - die Begegnung

Ich mache es mir im hinteren Teil des Vans bequem. Der Laptop braucht eine Minute bis er hochfährt. Ein Van ist das Beste, das man kaufen oder ausleihen kann. Man hat Sessel, Tische, einen Kühlschrank, Gardinen und Platz ohne Ende. Wenn man allerdings eine Party schmeisst und sechs Blüten der Freude als Gäste einlädt, wird es eng. Aber “just try it” und dir fallen Lösungen und Ideen ein, was du mit allen sechs veranstalten kannst. Wo und wie. Einmal im Monat. Die restliche Zeit fährst du alleine in dem Van. In vier Tonnen Stahl durch die Strassen zu fahren, mit deinen 75 Kg, noch nicht übergewichtig, mit einem Liter Benzin pro Kilometer, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Manche würden sagen, der Dummheit. Manche nicht… Musik läuft im Hintergrund und ich schaue aus dem Fenster und frage mich wieso die Welt nicht solche Farben hat, wie ich sie durch meine rosarote Brille wahrnehme? Wenn ich alleine bin, werde ich romantisch! Oder philosophisch. Was suche ich hier? Die blonde Katze hat noch ihre Diplomarbeit zu schreiben und dann werde ich sie mit Frau Doktor ansprechen müssen, wenn meine Zunge nicht gerade mit Sachen beschäftigt ist, die die Frauen veranlassen den Namen unseres Schöpfers zu schreien. In Form eines religiösen Orgasmus.

Meine Aufmerksamkeit richtet sich auf dem Parkplatz wo viele schwarze, weisse, gelbe und rote Schönheiten und die dazugehörigen Kombinationen hin- und herrennen. Man könnte ihre Bilder den klinisch Toten in den Krankenhäusern zeigen, um sie ohne Elektroschock wieder zum Leben zu erwecken. Denn sie sind atemberaubend schön. (Die klinisch Toten fangen an zu atmen und diejenigen, die atmen, hören damit auf. Ein paradoxer Punkt in meiner Beschreibung, aber ich vertiefe ihn nicht noch mehr…) Plötzlich klopft jemand an die Karosse.

«Yo babe, what`s up?» sage ich mit müder Stimme im besten Slang den man in zwei Minuten lernen kann und erwarte eigentlich gar keine Antwort auf so eine idiotische Frage. Und da sehe ich sie, Miss World, Mond und Mars, die mich mit unschuldigen Augen anschaut und sagt:

«Hi! Ich hab dein Auto gesehen und war mir sicher, du freust dich mich zu sehen!» Sie blinzelt schnell und unschuldig während sie spricht. Wie ein Bambi, das gerade den Jäger erspäht hat. Natürlich freue ich mich sie zu sehen. Und wenn die Mieze (die wie ein Bambi blinzelt) meine Gedanken lesen kann und noch nicht weggelaufen ist, dann sind das Vorraussetzungen aus denen Männerträume entstehen.

«Oh Baby, mir fällt gerade ein, dass ich den Flaschengeist gebeten habe dich vorbeizuschicken», sage ich überzeugt, das sei der beste Witz seit der Erfindung der Globalisierung.

«Gestern hast du mit deinen Blicken so an meinem Arsch geklebt, dass ich fast Multi-orgasmen bekommen habe! Nur von deinen animalischen Blicken… Wollte nicht primitiv sagen, denn wir wissen beide wie Männer blicken, wenn sie sich paaren wollen…» sagt sie mit ihrer göttlichen Stimme und ich nehme den Sarkasmus gar nicht wahr. Denn sie hat wunderschöne Titten. Und dieses National Geographic Zeug, das sie labert, interessiert mich nicht. Ich bin mir sicher, ihr würdet ihr auch helfen wollen bislang unerreichte Töne zu erreichen, so dass jede Opernsängerin mit einem Sopran-Solo vor Neid platzen würde, wenn sie sie in einem Opernakt der Liebe hören würde.

«Oh Baby, entschuldige! Gestern sahst du aber auch anders aus!» versuche ich die Situation zu retten. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich das alles sage oder ich es nur in meiner Fantasie so wahrnehme. Und sie eigentlich nur den Esel hört: “Ihaa, Ihaa”. Und woher zum Teufel wusste sie, dass ich es gern vor dem Spiegel treibe?

«Es war ja auch eine Party! Habe ich dir gefallen?» stellt sie unschuldig die rhetorische Frage und diese Unschuld erweckt in mir Gefühle, die ganz und gar nicht unschuldig sind. Und ich verzeihe ihr den Sarkasmus, den ich nicht wahrgenommen habe.

«Ist das Schicksal nicht ironisch?» sage ich leise. «Alles was man macht, hat einen Sinn!» versuche ich philosophisch, nachdenklich, ironisch, intelligent, introvertiert und extrovertiert zu wirken. All das auf einmal. «Ausser der blauen Perücke, dem ausgefallenen Make-up und der Dunkelheit ist nichts anders als gestern Nacht. Nur, dass ich dich heute von vorne sehe. Deine Schönheit raubt mir den Atem! Und atemlos werde ich poetisch!»

«Der Geruch aus deinem Van gefällt mir!» sagt sie begeistert. «Aber alleine Gras rauchen macht keinen Spass!»

«Seien Sie mein Gast und erlauben Sie mir Ihnen das Beste zu unterbreiten, Mylady!» führe ich ihre Idee fort. Sie steigt ein und lässt sich auf einem Sessel nieder. Ich hoffe, dass die Formen, die sie in den Kissen hinterlässt, mir viel Stoff zum Erzählen geben werden, um meine Enkel zu begeistern wenn ich all diese Geschichten am Weihnachtsabend während des Festessens erzähle. Bei dem mich meine zukünftigen Kinder mit bösen Blicken zum Schweigen bringen wollen und meine zukünftige Ex-Frau mit notdürftigen Erklärungen die Botschaft meiner Geschichten harmloser zu gestalten versuchen wird.

«Was darf ich dir zum Trinken anbieten? Wasser ist zum Waschen, also denk nicht einmal daran. Prosecco wäre für diesen Anlass passend!» Ich wette, dass ihr nicht erraten könnt, was sie antwortet. «Wie du willst!» Wisst ihr wie Geschichten enden, bei denen die Frauen sagen wie du willst? Wenn man den ganzen Regenwald abholzt und ihn zu Papier verarbeitet würde es nicht ausreichen, um alles niederzuschreiben. Wenn man die chinesische Mauer noch dazu nehmen würde, vielleicht. (Die Wand als Schreibfläche! Seid bitte etwas aufmerksamer, liebe Leser! Ich kann nicht immer alles zweimal erklären.)

«Während du dich um die Getränke kümmerst, drehe ich den Joint.» Oh, diese göttliche Kreatur ist umwerfend. Sie dreht den Joint! Ich hole die Flasche aber keine Gläser. Wenn man zusammen den selben Joint raucht, kann man auch aus derselben Flasche trinken. Oder nicht? Ich ändere meine Meinung, denn ich habe Stil. Ich schenke ihr das erste Glas ein und serviere es wie ein Gentleman. Wir stossen an und genial wie ich bin, sage ich:

«Auf einen neuen Anfang. Du bist faszinierend schön, schlagfertig und eine Herausforderung! Ich hätte dich gestern ansprechen und mich vorstellen sollen. Dafür gibt es keine Entschuldigung.» Und das alles sage ich bevor ich den Joint rauche. Nach dem ersten Zug fühle ich wie mein Kopf explodiert, alles schwebt, und ich fange an die Welt zu verstehen, innere Ruhe zu finden. Es gibt noch Hoffnung auf der Welt. Meine neue Flamme schaut mich mit glänzenden Augen an und fragt:

«Wie heisst du eigentlich? Ich bin Isabelle...»

«Isabelle! Das ist kein Name, das ist Poesie, das ist die Sonne, die mit ihren warmen Strahlen die kalte Natur am Morgen zum Leben erweckt. Das Wasser, das die Wüste in ein Paradies verwandelt. Der Klang deiner Stimme allein hebt mich über den Regenbogen, wo die Welt in Zeitlupe stattfindet, wo dich die Schönheit in einen Zustand der inneren Ruhe und des inneren Friedens versetzt. Im Einklang mit den Elementen. Jeder Atemzug riecht nach dir und Zitronengrass und wird von den blau-grünen Wellen begleitet, die sich an den Felsen brechen, unaufhörlich, im Takt des Herzens. Und wir schauen einfach nur endlos zu.» (Und ja, über dem Regenbogen gibt es blau-grüne Wellen, die sich and den Felsen brechen. Lasst euch in die Beschreibung, in die Atmosphäre des Moments fallen. «Ich bin Rico! Und meine Goldketten sind alle echt, so echt wie du hier bei mir!» Ich hoffe sie ist noch humorvoll dazu.

Vertieft in meinem Monolog, merke ich plötzlich, dass sie schon nackt vor mir liegt. Was mich verwirrt, denn in meiner genetischen Programmierung steht “die Beute jagen” an erster Stelle, “die Beute erwischen” an zweiter, “die Beute erobern” an dritter und dann “mich paaren”. Um die Erhaltung meines genetischen Materials zu sichern. Nur jetzt mache ich genau das, was ich immer mache, wenn ich kognitiv überfordert bin. Ziehe mich aus, trage nur noch mein nacktes Muskelkostüm und noch schneller als ihr eure Hand in die Hose stecken könnt, wenn ihr am Samstag Abend diese komischen Aufklärungsfilme aus den Siebzigern anschaut, bin ich bei ihr. Denn sie muss ja wissen was sie tut, angesichts der Tatsache, dass sie sich zuerst ausgezogen hat! Ihre Haut ist so braun, jede Schokolade würde vor Neid schmelzen. Die Beine sind soooo lang, so glatt, so makellos. Ich bin kein Fussfetischist aber wenn ich mir ihre Füsse anschaue, weiss ich, dass es sich lohnen würde einer zu sein. Leonardo da Vinci hätte weniger Zeit gebraucht, um die Mona Lisa zu malen, und die ist nicht mal so perfekt wie Isabelles lackierte Fussnägel. Die Rasur an ihrem Paradieseingang ist so perfekt, dass ich stolz wäre sie auf dem Gesicht zu tragen. Nicht wie ihr gerade gedacht habt, ihr Luder. Obwohl eigentlich auch so... Und davon bin ich nur Sekunden entfernt.

Ihr Bauch ist mit einem süssen Bauchnabel geschmückt, aus dem ich gerade Prosecco trinke. Ihre Brüste rauben mir den Atem. Mir soll keiner erzählen das Vulkane, Seen, Berge und Kunst schön wären. Oder der Mond. Nicht im Vergleich zu ihren Brüsten. Sie sind nicht zu gross aber erscheinen so überwältigend, dass ich sie gleich in meinen Händen halten muss. Wisst ihr, wie ein Herz schlägt, wenn es erwartet das Beste zu erleben, seit dieser Blödmann aus dem Paradies geworfen wurde? (Adam ihr Ahnungslosen! Ohne ihn wären wir noch alle dort und würden keine Schulen besuchen, nicht arbeiten und sonst irgendwas tun, was uns eigentlich keinen Spass macht. Wir würden nur nackt durch den Garten Eden laufen und uns mit Schönheiten beschäftigen, die wir aus unseren Rippen gebastelt hätten. Die erste dieser Schönheiten, die Gott uns gab, liess sich nicht unterwerfen, denn sie war so wie Adam aus Lehm entstanden, also ebenbürtig. Genialer Einfall von Adam noch eine zweite Frau bei Gott zu bestellen. Er bekam Eva. Aus der eigenen Rippe gebastelt, hätte mit ihr eigentlich alles stressfrei klappen sollen. Bis sie auf die Idee kam die Früchte aus dem Baum der Erkenntnis zu kosten.) Und diese Schönheit hier, in meinem Van, hat auch bestimmt etwas vor, was meine Erkenntnis betrifft, mit ihren birnenförmigen Brüsten, die so warm und kalt sind, so weich und hart, dass ich die Klimaanlage nicht mehr spüre. Ich drücke sie zusammen, küsse sie beide auf einmal. Diese Begeisterung mit Titten zu spielen ist vergleichbar mit der Freude jedes kleinen Jungen, der gerade sein erstes Feuerwehrauto bekommen hat. Oder einen Ken zur Barbie. Ihr wisst was ich meine… Ihre schwarzen Haare bedecken ihre Schultern. Ich kann sie daher nicht beschreiben. Ihre Mandelaugen schauen mich auf eine Weise an, dass ich spüre, das hier wird nicht nur ein kleines Feuerwerk, sondern die Explosion des Fujiyama.

Sie schubst mich, ich falle auf den anderen Sessel und kann meinen Blick nicht von ihr abwenden. Denn dann würde ich zu viel verpassen. Sie setzt sich auf meinen Schoss und ich fühle wie wir ineinander gleiten und dabei auch in Gedanken eins werden. Und obwohl wir erst seit Sekunden verschmelzen, beben unsere Herzen im Einklang. Unsere Körper sind wie für einander geschaffen. Ich versuche ihren tiefen Blick in meine Augen zu ignorieren - er könnte mich zu schnell zum Ende dieses Moments des Ineinandergleitens führen. Ich spüre jeden Millimeter ihres seidigen Körpers. Die Schweissperlen, die ihren Rücken mit einem Muster der Lust schmücken, schimmern in den Farben des Regenbogens, denn sie hatte sich kurz umgedreht, weil sie mir ja auch ihre andere Seite zeigen wollte, nachdem ich ihren tiefen Blick in meine Augen ignorierte. Ich geniesse einfach den Anblick, den Moment und ihren Körper. Aus Dankbarkeit fühle ich den Drang sie entspannen zu lassen und selbst aktiv zu werden, um sie auf meine Art und Weise zu verwöhnen. Und das obwohl sie mit einem unwahrscheinlichen Spass bei der Sache ist.

Ihre Stimme, mal leise, mal laut, ist ungeheuer sexy. Sie sagt kein Wort, aber ihr Stöhnen verrät mehr als ganze Liebesromane. Ich hebe sie, leicht wie eine Feder, und lasse mich mit ihr auf die hintere Bank des Vans fallen, die schon lange zum Bett umdisponiert wurde. Auf dem Rücken liegend quält sie mich wieder mit ihrem Blick gegen den ich kein Rezept habe. Und langsam schmelze ich in ihren Armen, die mich so zärtlich halten. Wir sind ein Team, unendlich besser als das Team, das die Fussballweltmeisterschaft gewonnen hat. Wir fliegen zum Mars und zurück, tragen zur globalen Klimaerwärmung bei, dazu, dass Komponisten noch zwei zusätzliche Oktaven brauchen, um alle Töne einer Liebessinfonie schreiben zu können. Das alles endet mit einem derartigen Flötensolo für zwei, sogar Bach würde sich fragen wie man auf zwei Flöten eine vierstimmige Melodie spielen kann. Danach spüre ich nur noch ihren phantastischen Duft. Und die seidige Haut ihres Körpers, den sie so fest an mich drückt. Und ihre Brüste… Und das Beben ihres Herzens… Ich habe meine Aufgabe erfüllt, selbstlos, geduldig, aufmerksam, liebevoll. Mit der transzendenten Zärtlichkeit eines traumhaften Liebhabers, in der ewigen Erinnerung der Liebe. Denn dadurch (durch mich und durch meine transzendente Zärtlichkeit), erfahren sie, diese unzähligen schönen, Frauen, was wichtig im Leben ist. Und fortwährend gültig! (Wenn ihr genau wissen wollt, was das ist, strickt euch eine Antwort zusammen, denn eigentlich bin ich überfordert. Ich blieb ja gedanklich bei der Erhaltung meines genetischen Materials…)

Ihr Kopf liegt auf meiner Brust, ich streichle sie zärtlich. Sie liegt da als ob sie Schutz gefunden hätte, wortlos, zufrieden. Für einen Moment, denn ich erkenne eine gewisse Traurigkeit in ihren Augen. Und das alles nur, weil das Blut langsam wieder in mein Gehirn strömt. Und so wie immer, interpretiere ich ihren traurigen Blick falsch (weil das Blut langsam in mein Gehirn strömt!), denn ich glaube, sie wäre traurig, weil sie glaubt, das Beste wäre schon vorbei. Sie kann natürlich jederzeit vorbeikommen, wann immer sie will! Ich bin ein Priester der Liebe. Immer für meine Schäfchen da.

Müdigkeit trübt meine Gedanken, meine Augen werden schwer. Ihre Brüste, eng an mich gepresst, sind das Letzte was ich wahrnehme und ich hoffe, dass ich davon auch träumen werde. Denn sie sind traumhaft schön. Bei dem Anblick ihres nackten Körpers fühle ich mich ein wenig wie Zeus. Denn ich liebte nur Göttinnen, körperlich versteht sich. Er hingegen hatte auch für Sterbliche ein Faible. Und Halbgöttinnen. Ich nicht. Und die permanente Frau an meiner Seite, mein blonder Engel, ist nicht so wie Hera (2), hinterlistig, böse, rachsüchtig. Sondern geduldig, verständnisvoll, liebevoll und sie freut sich, wenn ich mich freue. Freut sich über jede neue Liebesgeschichte. Und das macht sie eigentlich zur wahren Göttin.

Noch ein Blick auf ihre Brüste. Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Ihre geschlossenen Augen, der tiefe Seufzer und ihre leichte, seidige Umarmung. Danach Dunkelheit. Die Leere. Die Ohnmacht. Kein Zeit-und Raumgefühl. Nichts. Keine Ahnung wie viel Zeit vergangen ist, aber ich stehe auf und nichts erinnert mich an das, was hier gelaufen ist. Nur der Ventilator vom Laptop schreit: “Schalt mich aus, du Blödmann, wenn du nichts Besseres zu tun hast! Ich muss mir doch nicht die Lungen mit eurem Qualm vollpumpen”.

Das Handy ist mit dem Laptop verbunden und ich sehe eine Nummer und eine Liste auf dem Display. Und das ist nicht die Liste mit Namen der Schönheiten, die ich im Laufe der Zeit verführt und denen ich zu neuen Weltanschauungen verholfen habe. Nein, das ist eine Liste mit Namen von Frauen und Männern. Ich habe viel Perversion in meinem Leben gesehen, aber das hier ist inakzeptabel. Hat sie mich etwa in eine neue, philosophische Dimension des Bewusstseins und danach in den Schlaf gebumst, nur um ihre Hausaufgaben auf meinem Computer machen zu können? Deswegen sage ich euch, liebe Leser, lasst immer die Videokamera laufen. Nach so einem Besuch weiss man nie, wann man Lust zu prüfen hat, ob das Haargel, das man benutzt, auch wirklich hält, was die Packung verspricht.

Ich bin aus einem Land, in dem die Verfassung Männer gesetzlich dazu verpflichtet schönen Frauen alles zu geben, was sie zu einem ausgeglichenen Leben brauchen. Aus dem Land, aus dem Dracula kommt. (Nicht Bulgarien, ihr Analphabeten, nein! Denkt doch nach!) Aber die Verfassung erwähnt leider mit keinem Punkt, was orientierungslose Männer tun sollten wenn die Schönheiten verschwinden, ohne ihre Telefonnummer zu hinterlassen. Das bleibt ein Mysterium. Wieso hinterlassen sie die Nummer nicht wenn das, was man zusammen erlebt hatte, eigentlich richtungsweisend für ihr Leben war? Im positiven Sinne. Frauen haben echt eine eigene Logik. Aber ist Logik nicht die Lehre der vernünftigen Schlussfolgerung? Diese Wendung gefällt mir nicht… Oder ist die Nummer auf dem Display ihre? (Beachtet meinen gepflegten Schreibstil! Meine Notizen werden an den Unis vorgelesen, um Literaturstudenten gegen Philosophen zu hetzen und ihnen zu erklären, dass man Japanisch nicht wörtlich übersetzen kann!)

Ohne nachzudenken, wie meistens, wähle ich die Nummer und merke nicht, dass die Schnittstelle zum Computer noch aktiv ist. (Sie ändert sich andauernd! Als ich das Buch schrieb, war es Infrarot. Jetzt Bluetooth. Bis das Buch veröffentlicht wird, werden sonst irgendwelche Laser automatisch Schnittstellen sein… daher nur Schnittstelle… so bleibe ich aktuell…). Es piepst und plötzlich erscheint auf dem Display ein kleines Fenster mit einer langen Nummer. Mit einem Code, Leute, mit einem Code! Ich denke der Hacker, dem ich meinen Laptop abgekauft hab, hat Programme auf der Festplatte gelassen, die mir jetzt die Möglichkeit geben, die grössten Banken in Hong-Kong um ein paar Milliarden zu erleichtern. Aber es passiert nichts. Danach, nach dem Nichts, erscheint wieder die Liste, die ich sowieso schon habe. Das Gefühl ist Scheisse! Das gleiche Gefühl wie die Ex-Freundin zu ficken oder das eigene Auto von den Ärschen zurückzukaufen, die es geklaut haben und nur um die 100.000 Km damit gefahren sind. Ich schalte alles aus und bleibe traurig auf dem Sessel sitzen, nackt, gutaussehend, enttäuscht, hoffend, dass alles in Wirklichkeit passiert ist und nicht nur in meiner Fantasie, die mit mir anscheinend durchgeht.

Das Syndikat II

«Er hat sich in unser System eingehackt. Er hat die Listen!» sagte das Monster mit einer sehr tiefen Stimme. Er fühlte sein Herz so stark schlagen, dass er vor Aufregung nicht mehr klar denken konnte. Ob er es jemals getan hatte, war eine andere Frage.

«Wir werden warten, weil ich nicht weiss, zu wem er gehört! CIA, FBI, Interpol oder KGB! Es gibt nicht viele Möglichkeiten. Seid sein Schatten, seid sein Atem, hört sein Handy ab, prüft alles, alles was er isst, alles was er trinkt! Ich will alles über ihn wissen! Alles! Er darf euch nicht entdecken! Falls er es doch tut, dann verschwindet ihr, nachdem ihr seine Freunde kalt gemacht habt. Er würde dann als Krönung zuletzt dran glauben müssen.» Es brachte ihn um mit diesen Idioten zu kommunizieren. Aber er hatte keine Wahl. Sie waren seine Werkzeuge!

«Ja, Chef, es sind nur vier Organisationen. Darum kümmere ich mich!» bellte das Monster.

«Nur vier! Du genetischer Abfall, nur vier....» Durch autogenes Training fand er seine Fassung wieder.

«Aber Chef, Sie haben gesagt…»

«Halt’s Maul! Fuck you…»

Seine Fassung nahm eine neue, interessante Form an. Und die philosophischen, gesellschaftlichen, futuristischen Visionen, die er vertrat, fanden Ausdruck in einer sehr interessanten Art und Weise der Kommunikation. Denn nur das war die Sprache, die sie verstanden. Diese Monster…

Es war nicht die Stimme oder die Stimmung, nein, es war das Büro, das alles so unheimlich erscheinen liess. Um solche Büros bezahlen zu können, stilvoll, zeitlos elegant, brauchte man ein gut laufendes Unternehmen oder vierzig, (Komma) drei Lebzeiten, um das erforderliche Geld aufzubringen. Oder das Syndikat. Dicke Teppiche bedeckten den Boden und verringerten das Volumen des Raumes bei mindestens einem halben Kubikmeter. Und diese Teppiche hatten schwarze und sauerkirschrote Muster. (Rot, wie die Kommunisten oder Kapitalisten, die er in der Sonne der Sahara zwei Tage lang vergass. Ab und zu. Damit sie nachdachten! Um ihnen die Möglichkeit zu geben, Visionen zu haben. Da irrte einer vor zweitausend Jahren durch die Wüsste, durch die Hitze, und redete danach wirres Zeug. Zeug, das die Menschheit daraufhin für tausende von Jahren prägte. Aber das war eine andere Geschichte…) Möbel aus Holz, für die alte, grosse Bäume sterben mussten und hunderte von Sklaven in Fabriken mit den Händen und Schmirgelpapier schufteten bis der Designer der Meinung war alles würde perfekt passen. Seine wahr gewordene Vision.

Man kann nicht Milliarden Dollar verdienen, wenn man ehrlich arbeitet. Und wenn ihr glaubt diejenigen, die Milliarden besitzen, waren immer ehrlich und verhielten sich stets ethisch und korrekt, dann solltet ihr schnell eine Sekte gründen und auf einsamen Inseln Lieder über blaue Schmetterlinge singen.

Der Visionär II

Die Blumen der Orangenbäume, weiss, klein, filigran, wunderschön, dufteten intensiv. Ein Baum, der Früchte und Blumen gleichzeitig trug. Hoffnung und Erfüllung zugleich. Sein Lieblingsbaum. Mit jedem Atemzug spürte er die Sonne, den Duft der Blumen. Seine Lungen konnten nie genug davon bekommen die Schönheit der Natur einzuatmen. Ganz tief. So tief, dass er den Duft immer noch zu spüren hoffte, auch wenn er schon längst vergangen war. Die Sonne wärmte das Grass, die Blätter, die Oliven. Die Geruchspalette hätte jedes Herz mit Freude und Hoffnung erfüllt. Nur seins nicht. Denn die Hoffnung in seinem Herzen wurde zum schrecklichen, schmerzlichen Drang. Und zur schmerzlichen Gewissheit, dass es eine Lebensaufgabe und darüber hinaus sein würde das Ziel zu erreichen. Den paradiesischen Zustand. Denn Paradis war nur eine Metapher für den Zustand den die Menschheit nicht erreichen konnte. Noch nicht… Aus Faulheit, Bequemlichkeit, Dummheit und Impertinenz.

Er wendete seinen Blick vom Fenster und liess ihn über die Bibliothek schweifen. Tausende von Büchern, jedes Einzelne in Leder gebunden, jedes Einzelne ein Kunstwerk. Die goldene Schrift, die Autoren, verrieten alles… Platon, Aristoteles, Xenophon, Hippokrates, Nietzsche, Karl Marx, Baruch de Spinoza, Kant und noch so viele mehr. Den Wert dieser Bücher konnte man nicht mit Geld messen. Denn die Visionen, die Gedanken, die Träume dieser Visionäre waren mit materiellen Mitteln nicht zu bezahlen. Und die Genialität dieser Visionen gab ihm Kraft. Kraft um Tag für Tag aufzustehen und daran zu arbeiten, die Welt zu verbessern.

Aus dem offenen Fenster hörte man das Zwitschern der Vögel. Das Rascheln des Windes durch die Blätter der Olivenbäume. Spürte man die Wärme der Sonne. Kleine weisse Wolken wanderten am Himmel und lösten sich in den Sonnenstrahlen auf. Nichts davon konnte seinen versteinerten Blick ändern, nichts davon konnte seine Laune heben. Sein Traum war eine Lebensaufgabe und noch viel mehr, das war ihm klar. Und auch welch ein Preis dafür zu zahlen war.

Aus dem bequemen Sessel schaute er mit kaltem Blick auf den Computermonitor. Und sah auf dem geteilten Bildschirm Nachrichten-Kanäle. Die Selbstreferentialität der Welt. Die Verdorbenheit der Welt. Den Wahnsinn der Welt. Die Misere der Welt. Eine Welt, in der der Massstab Geld war. Wer Geld hatte war reich. Reich waren nicht diejenigen, die reich an Gedanken waren. An Visionen. An Wissen. Sondern die, die reich an Geld waren, der trügerischsten, Sicherheit! Er war auch reich. Reicher als alle auf dieser Welt. Nur das Geld machte ihn unglücklich. Er konnte die Menschheit mit seinem Geld nicht weiterbringen. Die Evolution hatte den Menschen so viel geschenkt. Der Mensch war die Krönung einer physischen, chemischen und biologischen Entwicklung mit einem enormen Potenzial. Und er nutzte dieses Potenzial nicht aus. Denn er konzentrierte sich nur darauf Geld zu verdienen. Weil politische, wirtschaftliche und religiöse Systeme soziale Modelle entwickelten, die die Menschen beschäftigten. Tag und Nacht. Und beschäftigte Menschen hatten keine Zeit zum Nachdenken. Zeit zu merken, dass sie Sklaven waren. Verdammt auf ewige Dummheit.

Er lebte ausschliesslich in seinen Gedanken, entfernt von der Realität, und hatte dort seine eigene Welt erschaffen. Eine gute Welt. Eine schöne Welt. Alle hielten ihn für wahnsinnig. Er bestrafte sie mit Schweigen und Gleichgültigkeit. Kein Psychologe, kein Therapeut konnte die Mauer durchbrechen, die er um sich aufgebaut hatte. Sein Wissenshunger konnte auch kein Buch, keine Universität, kein Studium stillen. Irgendwann, als er achtzehn wurde und sein Studium begann, ging es ihm gut. Er öffnete sich, liess das Leben an sich ran. Nur konnte er Wahrheiten nicht aus der Welt schaffen, indem er sie ignorierte. Und später, nach Jahren, als er ein erfolgreicher Unternehmer war und Geld in Unmengen verdiente, kam wieder die Sehnsucht. Seine alte Sehnsucht nach der idealen Welt. Die nichts mit Politik, mit Religion zu tun hatte. Sondern mit Intelligenz, emotionaler Intelligenz und Ordnung. Mit Liebe und Fürsorge. Mit Visionen Schönes zu erschaffen. Und diese Sehnsucht erwürgte ihn. Und die Dummheit und Perversion um sich herum auch. Er zog sich immer mehr zurück und vermied den Kontakt zu der Aussenwelt. Das war seine Strafe für sie. Fürs nicht Zuhören. Fürs nicht Verstehen. Geld war sein Mittel, um die Welt zu versklaven, um sie danach befreien zu können. Um sie danach retten zu können. Sie danach neu zu erschaffen. Eine Gesellschaft in der Ordnung, Respekt und Disziplin herrschte. Nicht im militärischen Sinn. Disziplin als Verantwortung gegenüber der Mitmenschen und der Natur. Das Paradoxon bestand darin, dass der Weg dorthin mit Perversion, Dummheit und Unterdrückung zu bestreiten war. Mit Absolutismus. Denn Rhetorik führte zu nichts. Rhetorik setzte ein gewisses Niveau an Intelligenz voraus. Nur dieses Niveau erreichte man in einer Gesellschaft nicht ohne sie zu zwingen. Traurig aber wahr. Um das grosse Ziel zu erreichen, die absolute Freiheit, musste man diese jetzt aktuelle, sogenannte Freiheit abschaffen. Paradox, wie gesagt, aber nur so konnte man vorankommen. Diesmal ohne Gewalt und Krieg. Sondern mit Versklavung durch Schulden.