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Das Opferparadigma Eine Diatribe für den modernen Menschen Was passiert, wenn die Rolle des Opfers zur Währung gesellschaftlicher Macht wird? Diese scharfsinnige und unbequeme Analyse wirft einen schonungslosen Blick auf den instrumentellen Umgang mit Opfersituationen - im persönlichen wie politischen Raum. Mit analytischer Tiefe und sprachlicher Klarheit entlarvt der Text die Mechanismen hinter moralischer Aufladung, öffentlicher Wahrnehmung und schleichender Veränderung unserer Werte. Eine Einladung zum Denken. Und ein Weckruf an alle, die nicht länger bloß zuschauen wollen.
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Seitenzahl: 37
Veröffentlichungsjahr: 2025
Markus D. Mühleisen - Diatriba
Erste Diatribe Die zweieinhalb Geißeln unserer Zeit
Zweite Diatribe Das Opfer Paradigma
Umschlagbild
Markus D. Mühleisen
0 Vorwort
1 Anmerkungen zum Kontext
2 Wesen der Verantwortlichkeit
3 Das selbsterklärte Opfer
4 Das fremderklärte Opfer
5 Opfernutzen und Nutznieserpartei
6 Rollenkontext und Motivation
7 Angriff auf das gesellschaftlich akzeptierte Wertesystem
8 Eine kurze Pause von der Abstraktion
9 Weiterentwicklung der Agitation
10 Offenbarung und Schlussbemerkung
11 Buchvorschläge
Ich habe beobachtet, dass das Thema 'Opfer' in den letzten Jahren zunehmend Gegenstand des gesellschaftlichen Diskurses geworden ist – und zwar in einem Kontext, den ich zuvor nicht als besonders bedeutsam wahrgenommen hatte.
Auffällig ist, dass gerade Individuen, die auf den ersten Blick nicht direkt vom jeweiligen Handlungsgeschehen betroffen zu sein scheinen, Diskussion dazu maßgeblich anregen und prägen. Diese Entwicklung hat mich dazu bewogen, eine vertiefende Analyse des zugrundeliegenden Phänomens zu unternehmen.
Meine Überlegungen habe ich in der folgenden Diatribe zusammengefasst. Mit Überzeugung und einem gewissen Stolz präsentiere ich mein neues Werk:
Zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Diatribe befindet sich unsere Welt – sowohl auf lokaler als auch auf globaler Ebene – in einem tiefgreifenden Umbruch.
Optimistisch gestimmte Stimmen bezeichnen diesen Prozess als Transformation. Darunter verstehen sie einen grundlegenden Wandel, dessen Verlauf auch sprunghafte, teils diskontinuierliche Veränderungen mit sich bringen kann.
Etwas kritischer betrachtet, ließe sich dieser Umbruch auch als Gezeitenwende bezeichnen – ein Begriff, der bildhaft verdeutlicht, dass sich bisher als selbstverständlich geltende Grundlagen unseres Daseins radikal verkehren. Das geschieht unabhängig davon, ob diese Zustände real überprüfbar, bloß subjektiv empfunden oder lediglich Teil eines gesellschaftlich akzeptierten Narrativs sind.
Ob diese Umkehr unseres Daseins – vollständig oder nur in Teilen betrachtet – für das Individuum, kleinere soziale Einheiten wie Familie oder Hausgemeinschaft oder für die Gesellschaft im Ganzen als positiv oder negativ zu bewerten ist, wird in diesem Text nicht thematisiert. Diese Wertung obliegt den Lesern – oder präziser: Sie ist geradezu ihre Pflicht als souveränes Mitglied unserer Gesellschaft.
Im Zentrum dieser Abhandlung steht eine von mir beobachtete, möglicherweise diskussionswürdige Entwicklung im Verhalten und Handeln von Einzelpersonen. Ebenso im Fokus steht die Art der Kommunikation, die als Ausdruck dieses Verhaltens erscheint, sowie das Maß an Vorgaben und Handlungsanweisungen, mit denen Institutionen unserer Gesellschaft und übergeordnete Strukturen – wie etwa Staaten oder staatliche Simulationen – operieren. Der Begriff Person wird dabei ausdrücklich alltagssprachlich verwendet, ohne die mögliche rechtliche Tiefe dieser Bezeichnung abwerten oder ausblenden zu wollen. Um die genannten Zusammenhänge sprachlich zu vereinfachen, fasse ich sie im Begriff des Handelnden zusammen.
Zugleich distanziere ich mich mit Nachdruck von jeder Form der Banalisierung menschlichen Leidens, von verächtlich machenden Äußerungen oder Angriffen gegenüber Menschen, die durch tragische oder grausame Umstände – etwa durch Gewalttaten oder soziale Ausgrenzung – zu Opfern geworden sind. Der in diesem Text verwendete Begriff Opfer bezieht sich ausschließlich auf einen abstrakten Zusammenhang: auf das Erleiden eines als nachteilig empfundenen oder kommunizierten Zustands, der als nicht selbstverschuldet gilt.
Zur Veranschaulichung greife ich im weiteren Verlauf auf ein fiktives Beispiel mit Kindern zurück. Dieses Beispiel erhebt keinen Anspruch auf psychologische oder entwicklungspsychologische Angemessenheit. Es dient einzig der Veranschaulichung und soll keinesfalls kindliches Verhalten bewerten oder analysieren. Kinder sind Kinder – eine konstruktive, lebensspendende Kraft unserer Welt. Sie sind unsere Zukunft und sollten stets mit Respekt, Fürsorge und Wertschätzung behandelt werden.
Wie gewohnt verwende ich – auch an dieser Stelle – den generischen Maskulinum mit dem Ziel, in dieser Form alle notwendigen und gesellschaftlich erwarteten Varianten der Anrede einzuschließen.
Meine Betrachtungen beginnen mit einem einfachen Beispiel, dieses wird schrittweise vertieft und dann ins Allgemeine übertragen.
Auf dieser gedanklichen Grundlage beginnt meine Erörterung.
Eine zentrale Aufgabe in der Erziehung von Kindern besteht darin, ihnen den Zusammenhang zwischen ihrem Verhalten, ihren Handlungen und den daraus möglichen Konsequenzen verständlich zu machen. Sowohl Eltern als auch Personen, die sich beruflich oder akademisch mit der Thematik befassen, wissen: Das Erleben von Konsequenzen prägt das Verhalten von Kindern.
Die Aufgabe, diese Zusammenhänge aus psychologischer, psychoanalytischer, erziehungswissenschaftlicher oder gar forensischer Perspektive zu analysieren, ist vielfach und mit großer fachlicher Tiefe von berufeneren Personen geleistet worden. Ich wähle bewusst einen anderen Zugang – einen alternativen, abstrahierenden Versuch, mich dem Verständnis für das Zusammenspiel von Opferrolle, Handlung, Verhalten und deren Konsequenzen zu nähern.
Dazu soll zunächst die Frage gestellt werden, inwieweit sich aus dem Prinzip der Verantwortlichkeit ein Nutzen ableiten lässt. Zur Eingrenzung erscheint es sinnvoll, den Begriff Verantwortlichkeit für den vorliegenden Kontext zu definieren.
