Der Bergdoktor 2089 - Andreas Kufsteiner - E-Book

Der Bergdoktor 2089 E-Book

Andreas Kufsteiner

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Beschreibung

Greta Aumüller hat in ihrem jungen Leben schon viel mitgemacht. Einen schweren Autounfall vor fünf Jahren hat sie nur knapp überlebt. Seither kämpft sie mit den körperlichen und seelischen Folgen dieses Traumas. Nun endlich scheint sich alles zum Besseren zu wenden: Das Madel hat in Konrad einen liebevollen Freund gefunden. Im Spätsommer soll eine große Bauernhochzeit in St. Christoph gefeiert werden. Doch wenige Wochen vor dem geplanten Fest häufen sich unheimliche Begebenheiten. Konrad verletzt sich schwer, als er eine offenbar manipulierte Leiter benutzt, Greta wird im dunklen Keller von einem Einbrecher bedrängt. Außerdem haben die beiden immer wieder das Gefühl, beobachtet zu werden. Hat es etwa jemand auf sie abgesehen? Aber wer könnte einen solchen Groll gegen sie hegen? Als das Paar bei Mondschein eine romantische Bootsfahrt auf dem Kuckuckssee unternimmt, kommt es schließlich zum Äußersten: Ein Motorboot löst sich aus seinem Versteck im Schilf, und der Fahrer rast in halsbrecherischem Tempo auf ihren kleinen Holzkahn zu ...

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Seitenzahl: 124

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Inhalt

Cover

Tragödie am Kuckuckssee

Vorschau

Impressum

Tragödie am Kuckuckssee

Wer trägt die Schuld an diesem Drama?

Von Andreas Kufsteiner

Greta Aumüller hat in ihrem jungen Leben schon viel mitgemacht. Einen schweren Autounfall vor fünf Jahren hat sie nur knapp überlebt. Seither kämpft sie mit den körperlichen und seelischen Folgen dieses Traumas.

Nun endlich scheint sich alles zum Besseren zu wenden: Das Madel hat in Konrad einen liebevollen Freund gefunden. Im Spätsommer soll eine große Bauernhochzeit in St. Christoph gefeiert werden.

Doch wenige Wochen vor dem geplanten Fest häufen sich unheimliche Begebenheiten. Konrad verletzt sich schwer, als er eine offenbar manipulierte Leiter benutzt, Greta wird im dunklen Keller von einem Einbrecher bedrängt. Außerdem haben die beiden immer wieder das Gefühl, beobachtet zu werden. Hat es etwa jemand auf sie abgesehen?

Als das Paar bei Mondschein eine romantische Bootsfahrt auf dem Kuckuckssee unternimmt, kommt es schließlich zum Äußersten: Ein Motorboot löst sich aus seinem Versteck im Schilf, und der Fahrer rast in halsbrecherischem Tempo auf ihren kleinen Holzkahn zu ...

»Julian, ich bitt dich, fahr net so schnell!«

»Warum denn net? Ist eh alles wurscht!«

»Was meinst du jetzt damit wieder?« Greta Aumüller musterte den Burschen ängstlich von der Seite. Sie kannte das auffahrende Temperament ihres Freundes, seine rasende Eifersucht. Doch an diesem Abend war es anders als sonst. Intensiver. Furcht einflößender. Fast so, als habe Julian den Verstand verloren ...

»Das weißt du ganz genau!«, fuhr er sie an. Ein kurzer, blitzender Blick traf sie. »Du hast mit dem Deppen am Tresen geflirtet. Gib's doch endlich zu! Ich hab's eh gesehen!«

»Das stimmt net.« Das siebzehnjährige Madel seufzte gepeinigt auf. »Ich hab nur mit ihm geredet, sonst nix. Es war ja ganz harmlos. Bitte, Julian ...«

»Ja, jetzt kannst du betteln, weil du Angst hast. Aber eben beim Ochsenwirt, da war ich dir ganz einerlei. Ungeniert hast du dich an den anderen rangeschmissen, als ob's mich gar net gäbe!«

»Hör auf damit! Du bist ja narrisch!« Sie schlug die Hände vors Gesicht und stöhnte. »Ich halt das nimmer aus. Ich kann das keinen Tag länger ertragen. Du machst mich noch wahnsinnig!«

»Ich dich?« Er lachte verächtlich, während er das Gaspedal seines Sportflitzers durchdrückte. »Umgekehrt stimmt's wohl eher. Du hast doch nix anderes im Sinn, als mich in den Wahn zu treiben, du ... Stück Malheur!«

»Julian, pass auf!« Entsetzt riss Greta die Augen auf, als sie der Felswand am Straßenrand zu nah kamen.

Es krachte, der Wagen bekam einen Drall, schlingerte und war kaum noch in der Spur zu halten. Die schmale, kurvenreiche Bergstraße zwischen St. Christoph und Hochbrunn war für solche Geschwindigkeiten nicht geeignet.

Julian Sprung aber ließ sich davon nicht beeindrucken. Der Jungbauer vom Hochwiesen-Hof in St. Christoph war schon als Dreikäsehoch mit seinem Gokart wie der Wind um die Hausecken gesaust. Er hatte von klein auf ein Faible für Tempo und Risiko gehabt.

Greta war von seinen Fahrkünsten beeindruckt gewesen. Ebenso wie von seinem guten Aussehen und ein wenig zu großspurigem Auftreten. Ein naives Madel war eben leicht zu erobern. Doch es hatte nicht lange gedauert, bis auch Greta klar geworden war, dass es für sie und Julian keine gemeinsame Zukunft geben konnte. Seine krankhafte Eifersucht hatte ihre junge Liebe erstickt und versetzte das Madel nur noch in Angst und Schrecken.

Greta wollte, dass damit Schluss war. Ein für alle Mal. Sie wollte Julian vergessen.

Mit Mühe und Not schaffte der Bursche es, den Wagen wieder unter Kontrolle zu bringen. Nun ging er sogar ein wenig vom Gas, wie seine Begleiterin halbwegs erleichtert feststellte.

»Lass uns net streiten«, lenkte er ein und legte eine Hand auf ihr Knie. »Sei mir net gram«, bat er sanft. »Ich hab's net so gemeint. Du weißt doch, dass ich ohne dich net leben kann.«

»Lass mich in Ruh«, forderte sie gepresst und schob seine Hand fort. »Lass mich einfach in Ruh.«

»Was?«

Eine kurze Stille entstand, in der nur das monotone Geräusch des schweren Motors zu hören war. Die nächtliche Landschaft des Tiroler Zillertals flog wie eine Ahnung an ihnen vorbei.

»Julian, es ist aus«, erklärte sie endlich, all ihren Mut zusammennehmend. »Ich kann nimmer. Fahr mich heim, bitte.«

»Du machst einen Witz, gelt?« Seine Stimme klang lauernd. »Sag, dass das nur ein Witz ist.« Schon drückte er wieder das Gaspedal durch. »Du weißt genau ...«

»Hör endlich auf damit!«, brach es verzweifelt aus ihr heraus. »Ich will dich nimmer sehen, ich kann dich nimmer ertragen! Dich und deine narrische Eifersucht. Ich hab dir nie einen Grund dafür gegeben. Aber du siehst überall nur Feinde und Gegner, die dir das Madel stehlen wollen. Das ist krank! Ich mach das nimmer länger mit. Ich will dich nie wieder sehen!«

»Das lasse ich net zu! Ich erlaube dir net ...«

»Halt an!« Sie starrte ihn erbost an. »Halt an, ich will aussteigen, auf der Stelle!«

»Hier? Du triffst dich also mit einem anderen. Ich hab's ja gewusst. Wer ist es? Los, raus mit der Sprach! Ich will sofort wissen, mit wem du mich betrügst, sag es! Es ist der Kerl aus dem Wirtshaus, net wahr? Ihr habt euch heimlich verabredet!«

Greta fasste sich an den Kopf.

»Ja, ja, er ist es!«, schrie sie. »Ich treff mich mit ihm – und mit allen anderen, die beim Ochsenwirt waren! Bist du jetzt zufrieden?«

Kurz wandte Julian ihr das Gesicht zu, und sie begriff, dass sie gerade einen schweren Fehler begangen hatte. Doch es war zu spät, das noch zu ändern. Er starrte sie kalt an, in seinen Augen aber schien ein Feuer zu brennen, das an Wahnsinn grenzte.

»Endlich bist du ehrlich. Jetzt weiß ich Bescheid. Gut, wenn das so ist, dann hat eh nix mehr einen Sinn.«

»Julian, bitte, halt an! Es stimmt ja net. Ich hab's nur gesagt, weil ... weil ... ich weiß selbst net ...«

»Zu spät.« Er trat das Gaspedal ganz durch, der Motor röhrte auf, der Wagen schoss durch die Haarnadelkurven vor St. Christoph. Zur Rechten erhob sich die nackte Felswand des Feldkopfs, zur Linken gähnte hinter der Leitplanke die Klamm.

Greta kannte diese Strecke, seit sie als kleines Schulmadel zum ersten Mal mit dem Bus von Hochbrunn nach St. Christoph gefahren war. Sie kannte sie bei jedem Wetter, zu jeder Jahreszeit, bei Tag und Nacht.

Alles war ihr vertraut, das graue Band Asphalt mit dem durchgezogenen Mittelstreifen, der das Überholen verbot, die auffällig markierten Leitplanken, die nach einigen tödlichen Abstürzen bereits vor Jahrzehnten extra verstärkt worden waren, Föhren und Bergkiefern, der dunkle Stein des Feldkopfes und die gähnende Tiefe der Klamm.

Und doch hatte das Madel nun den Eindruck, sich auf einer höllischen Bahn mitten ins Verderben zu befinden. Nichts als schwarze Schatten, schemenhaft und unheimlich, ab und an das Aufblitzen von Katzenaugen an den Pfosten der Leitplanken. Nur Dunkelheit und Todesangst.

Julian raste wie ein Wahnsinniger über die schmale Bergstraße. Immer wieder rief Greta seinen Namen, bat, bettelte, flehte ihn an, langsamer zu fahren, anzuhalten. Doch sie drang nicht mehr zu ihm durch. Eine dicke Schweißschicht glänzte auf seiner Stirn, sein Blick war glasig. Seine Hände krallten sich so fest um das Lenkrad, dass die Knöchel weiß hervortraten. Er war wie im Rausch, nicht ansprechbar, wie gefangen in seinem Wahn.

Greta schrie, sie schlug auf ihn ein, sie packte nach dem Lenkrad, riss daran. Julian verpasste ihr eine Watschen, die sie gegen die Seitenscheibe schleuderte. Im nächsten Moment raste die Felswand auf sie zu, noch einmal wurde das Steuer herumgerissen.

Greta riss die Augen auf, als sie den Abgrund der Klamm auf sich zukommen sah. Wie ein verirrtes Glühwürmchen blitzte ein Katzenauge auf, dann knallte der Wagen gegen die Leitplanke. Ein hohes, metallisches Kreischen zerriss die Stille der Sommernacht.

Das Madel schrie wie von Sinnen, geschüttelt von Panik und Todesangst. Noch einmal drehte sich der Wagen wie ein Kreisel. Greta wartete darauf, dass er abstürzte. Es gab keine andere Möglichkeit mehr, es war vorbei. In diesen schrecklichen Momenten schloss sie mit ihrem jungen Leben ab.

Ein brachialer Schlag erfolgte, das Madel wurde brutal gegen die Seitentür geschleudert. Etwas knirschte und krachte. Halb benommen hörte Greta ein Geräusch, das so klang, als würde Metall aufgerissen. Dann überschlug sich das Fahrzeug, knallte gegen die Felswand, schlidderte ein Stück weiter und blieb schließlich völlig zertrümmert auf dem Dach liegen.

***

Greta Aumüller schreckte schweißgebadet aus dem Schlaf. Ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Panik, ja, Todesangst schüttelten sie.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie in das wattige Grau der späten Nacht. Es dauerte lange, bis ihr Herzschlag sich etwas verlangsamte, das Rauschen in ihren Ohren nachließ und sie wieder in der Lage war, halbwegs klar zu denken.

Ihre Hand zitterte, als sie sie schließlich nach dem Schalter der Nachttischlampe ausstreckte.

Das schmale Band Licht, das gleich darauf einen Teil ihrer Kammer aus der Dunkelheit holte, spendete ihr kaum Trost. Noch immer waren ihr die Erinnerungen an den schrecklichen Unfall vor fünf Jahren so nah, als wäre das alles erst gestern geschehen. Mit einem erschöpften Seufzen ließ die Hoftochter sich zurücksinken und starrte blicklos gegen die Decke.

Fünf Jahre. Unzählige Tage und Nächte. Manchmal erschien es ihr wie ein böser Traum, der nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Und manchmal, wenn es ihr gut ging und sie sich wohlfühlte, dann war die Vergangenheit ganz weit fort.

Doch in Nächten wie diesen, wenn sie einmal mehr das ganze Grauen dieser schicksalhaften Sommernacht durchleben musste, war alles wieder da. Die Todesangst, der Horrorunfall, die Gewissheit, dass es aus war, dass es kein Entrinnen geben konnte.

Und doch war ihr Leben weitergegangen. Nach dem Unfall war Greta im Spital von Schwaz erwacht, mehr tot als lebendig, so hatte sie sich gefühlt. Ihr ganzer Körper eine einzige schmerzende Wunde und in ihrem Kopf nichts als die Endlosschleife des Grauens, dem sie nicht mehr entrinnen konnte.

Irgendwann hatte die Heilung eingesetzt. Die Ärzte hatten ihr erklärt, dass sie bei dem Unfall nicht nur Knochenfrakturen erlitten hatte, sondern auch innere Verletzungen. Ihre Milz war entfernt worden, andere Organe waren verletzt, in Mitleidenschaft gezogen. Sie hatte viele Wochen im Spital verbringen müssen.

Schließlich war Greta heimgekommen, doch seitdem war nichts mehr so wie zuvor. Durch den Unfall litt sie an Diabetes, an immer wiederkehrenden Schmerzschüben, die rheumaähnlich waren. Und nicht zuletzt an Albträumen, die sie lange daran gehindert hatten, überhaupt schlafen zu können.

Durch die jahrelange Behandlung bei Dr. Martin Burger, dem Bergdoktor von St. Christoph, hatte sich ihr Zustand nach und nach stabilisiert.

Nun war Greta dreiundzwanzig, musste sich täglich Insulin spritzen und immer wieder Medikamente gegen die Schmerzattacken nehmen. Nach einer einjährigen Therapie bei einem Psychologen in Schwaz hatte sie es geschafft, neuen Lebensmut zu schöpfen. Die Vergangenheit hatte ihre absolute Macht über Greta verloren, doch die schlimmen Träume waren geblieben und quälten sie immer wieder aufs Neue.

Julian war bei dem Unfall ebenfalls erheblich verletzt worden. Seine Familie hatte ihn täglich im Spital besucht, vor allem Konrad, sein zwei Jahre jüngerer Bruder, der sehr an ihm hing.

Greta hatte nichts mehr von Julian wissen wollen. Mehrere Male hatte Konrad auch sie besucht, um zwischen ihnen zu vermitteln, doch sie hatte ihn abblitzen lassen. Und dann war Julian aus dem Spital verschwunden.

Greta erinnerte sich noch genau an den Tag, als Konrad zu ihnen gekommen war, um ihr Julians Abschiedsbrief zu überbringen.

Sie hatte zunächst gar nicht verstanden, was das bedeuten sollte. Wo war Julian? Was hatte er vor? Die wenigen Zeilen, die er geschrieben hatte, gaben ihr nicht wirklich Antwort auf diese Fragen.

»Liebe Greta, ich habe alles falsch gemacht, mein Leben ist verpfuscht. Ich will nicht auch noch Deines zerstören, deshalb mache ich Schluss. So ist es besser für uns alle. Julian.«

Für die Familie Sprung war dies ein schwerer Schlag gewesen. Dass ihr Jungbauer und Erbe bei einem Unfall, den er selbst verschuldet hatte, erheblich verletzt worden war, schien schlimm genug. Doch sein Verschwinden und sein angekündigter Selbstmord waren für seine Eltern eine kaum erträgliche Prüfung gewesen.

Viele Monate waren vergangen, in denen die Sprungs nichts unversucht gelassen hatten, um ihren Erstgeborenen zu finden. Doch Julian war wie vom Erdboden verschluckt. Schließlich mussten die Bauersleute aufgeben und sich in das Unabänderliche fügen. Doch die Ungewissheit setzte ihnen bis auf den heutigen Tag zu und machte ihnen das Leben sauer.

Greta schlug die Bettdecke zurück und stand auf. Sie wusste, dass sie doch keinen Schlaf mehr finden konnte. Der Albtraum hatte sie wieder in Panik versetzt. Und nun zogen zähe Schmerzen durch ihren Körper, wie eine Erinnerung daran, dass sie vielleicht niemals wieder frei sein würde. Die Vergangenheit streckte einmal mehr ihre kalten Hände nach ihr aus.

Mit einem leisen Seufzen verließ die Hoftochter ihre Kammer und ging hinunter in die Küche, um sich ein wenig Milch mit Zimt und Kardamon zu wärmen. Auch wenn sie nicht mehr schlafen konnte, würde die Gewürzmilch sie doch entspannen und auch dafür sorgen, dass die Schmerzen langsam abklangen.

Es ging auf fünf Uhr zu, als Greta wenig später in der geräumigen Bauernhofküche auf der Eckbank saß und ihr Getränk in kleinen Schlucken zu sich nahm. Vor dem Fenster wurde es bereits heller, ein Rotschwanz sang im nahen Apfelbaum sein Lied. In einer Stunde würde das Leben auf dem Aumüller-Hof neu erwachen. Dann würde der Alltag mit all seinen Pflichten das Madel von dem ablenken, was nun wieder wie eine dunkle Wolke seine Seele zu beschatten drohte.

»Greta, du bist wach. Ich hab Schritte auf der Stiege gehört. Geht's dir schlecht? Hast du Schmerzen?« Isa Aumüller gesellte sich zu ihrer Tochter.

Die Bäuerin hatte über Wochen um Gretas Leben bangen müssen und sorgte sich auch fünf Jahre nach dem Unfall noch jeden Tag um das Madel. Sie konnte nicht vergessen, dass sie ihre einzige Tochter beinahe verloren hätte.

»Es geht, Mama. Ich hab nur schlecht geträumt«, wiegelte sie ab, doch die Bäuerin meinte, es besser zu wissen.

»Du leidest wieder, net wahr?«

Die Hoftochter seufzte. »Es geht schon.«

»Warum nimmst du nix gegen die Schmerzen? Das musst du doch net aushalten, dafür gibt's ja schließlich Medikamente.«

»Dr. Burger sagt, nur im Notfall, damit keine Gewöhnung eintritt, sonst müssen wir die Dosis erhöhen. Das wäre auch net gut. Ich halt's schon aus.«

»Soll ich nachher mitkommen zum Bergdoktor?«

Greta musste regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen. Dr. Burger hatte sie so gut eingestellt, dass der Diabetes ihr Leben kaum einschränkte. Damit dies so blieb, war eine ständige Überwachung ihres Zustandes wichtig.

»Wenn du magst, gern. Ich tät mich freuen. Aber ich will hernach noch zum Hochwiesenhof. Die Lore hat neue Rezepte für die Hochzeitstorte, wir sind uns ja noch net ganz einig, welche es werden soll.«

»Da komm ich mit. Bin schon recht gespannt, für welche du dich entscheiden wirst.« Die Bäuerin lächelte ihrer Tochter warm zu. »Weißt du, Tschapperl, ich bin sehr froh, dass sich alles so gefügt hat. Der Konrad ist ein anständiger Mensch. Mit ihm wirst du einen guten Mann kriegen, der dir ein schönes Leben bieten kann.«

»Du meinst, net so einen narrischen wie den Julian ...«