Der Christbaum in der Kreissäge - Rolf Barkhorn - E-Book

Der Christbaum in der Kreissäge E-Book

Rolf Barkhorn

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Beschreibung

Als Fernsehen, Internet und Smartphones noch nicht existierten und den Alltag der Menschen beherrschten, war es im Winter Brauch, am Abend nach getaner Arbeit in den Stuben zusammenzusitzen und sich Geschichten zu er-zählen oder vorzulesen. Gereicht wurde dazu an kalten Tagen ein heißes Punschgebräu, das den Körper wärmte, den Geist belebte und mitunter auch die Fantasie antrieb.

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Veröffentlichungsjahr: 2020

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Inhaltsverzeichnis

Rolf Barkhorn

Ein Abend mit Überraschungen

Fremde Nachbarn

Es gibt ihn doch!

Der Christbaum in der Kreissäge

Eine Lok ist viel zu wenig

Wir schenken uns dieses Mal nichts

Als der Weihnachtsmann Burn-out hatte

War der erste Weihnachtsmann ein Holländer?

Nicht jede Tanne will ein Christbaum sein

Als es Weihnachten noch gab

Boomer der Weihnachtsheld

Heiligabend unter Palmen

Impressum

Rolf Barkhorn

Der Christbaum in der Kreissäge

Punschgeschichten für die

Adventszeit

Überarbeitete Auflage

2019

Mit Illustrationen von

Kathrin Bax-Kowitz

Impressum

Texte: © Copyright Rolf Barkhorn

Cover: © Kathrin Bax-Kowitz

Illustrationen: Kathrin Bax-Kowitz

Als Taschenbuch erhältlich unter

ISBN -978-3-9821176-1-4

Verlag: Eigenverlag Rolf Barkhorn

Wittholz Ring 4

18225 Kühlungsborn

Kontakt: [email protected]

Webseite: www.barkhorn.de

VORWORT

Als Fernsehen, Internet und Smartphones noch nicht existierten und den Alltag der Menschen beherrschten, war es im Winter Brauch, am Abend nach getaner Arbeit in den Stuben zusammenzusitzen und sich Geschichten zu erzählen oder vorzulesen.

Gereicht wurde dazu an kalten Tagen ein heißes Punschgebräu, das den Körper wärmte, den Geist belebte und mitunter auch die Fantasie antrieb.

Die Art und Weise, wie sich die Menschen in der Adventszeit ihre Zeit vertreiben, hat sich geändert. Aber es gibt auch immer noch Zeitgenossen, die sich in der dunklen kalten Jahreszeit gern Geschichten erzählen oder vorlesen lassen.

Für diese Geschichtenliebhaber habe ich diese kleine Sammlung an vorweihnachtlichen Anekdoten und Geschichten aufgeschrieben. Kathrin Bax-Kowitz, hat handgemachten Bilder beigesteuert und die Geschichten damit aufgewertet.

Ein Abend mit Überraschungen

Am Weihnachtsabend wollte ich nicht allein bleiben. Kurzfristig entschloss ich mich, eine Bekannte zu besuchen. Sie wohnte 20 Kilometer entfernt auf dem Land und würde bestimmt angenehm überrascht sein, mich zu sehen – dachte ich mir jedenfalls. Dabei hatte ich genauso wie sie den Kontakt in letzter Zeit schleifen lassen. Ich packte ein paar Sachen in den Rucksack: Bücher, die schon lange ungelesen im Regal schmorten, eine Flasche Parfüm von dem ich wusste, dass sie es gern mochte, einen Kasten Pralinen und drei Flaschen von dem teuren Rotwein, den ich mir bei einer Weinpräsentation im Einkaufzentrum hatte aufschwatzen lassen.

Draußen war es gerade dunkel geworden, als ich aus der Haustür trat und argwöhnisch zu meinem VW-Oldtimer blickte. Der Schneefall, der am Nachmittag pünktlich zum Weihnachtsfest einsetzte, hatte ihn weiß eingehüllt, mit leichtem Pulverschnee. Doch mich bewegte eine andere Frage: Ob er wohl dieses Mal anspringen würde? Diese bange Frage war fünf Minuten später eindeutig beantwortet – negativ! Ich nahm meinen Rucksack vom Rücksitz, schlug die Autotür etwas heftiger zu als sonst und verschloss den Käfer wieder.

Obwohl auch das egal war, das Fahrzeug klaute sowieso niemand. War`s das schon mit dem Ausflug aufs Land? Gewiss nicht! Denn aufgeben wollte ich noch nicht – schon gar nicht am Weihnachtsabend. Also machte ich mir die Mühe, stieg in den Hauskeller hinunter und kramte mein altes Fahrrad hervor. Pedale und Räder bewegten sich noch und die Luft in den Reifen schien meiner oberflächlichen Betrachtung nach auch zu reichen. Wagemutig schwang ich mich auf den Sattel und radelte los. Anfangs fühlte ich mich noch etwas unsicher mit dem schweren Rucksack auf dem Rücken. Ab und zu stießen innen die Weinflaschen zusammen, was nicht zu überhören war. Ich hätte sie besser einpacken können. Die Gelegenheit, weiter darüber nachzudenken, hatte ich erstmal nicht mehr. Das Rad wurde merklich langsamer und ein vertrautes gleichmäßiges Rumpeln verriet: ich habe einen Platten! Ein knappes Drittel meines Weges hatte ich da gerade mal zurückgelegt. Zuviel, um jetzt umzukehren, aber zu wenig, um optimistisch zu bleiben. Ich fing an zu rechnen. Gut fünf Kilometer schafft man als Erwachsener in einer Stunde zu Fuß. Ich würde also noch mindestens drei Stunden zu laufen haben. Was blieb mir auch anderes übrig? Meinen alten Drahtesel ließ ich achtlos an einer Straßenlaterne stehen. Sollte sich damit herum ärgern, wer wollte. Mit diesem Gedanken trabte ich los. Der Rucksack kam mir nun noch schwerer vor.

Auf der Straße war kaum Verkehr. Nur gelegentlich tauchte aus der Ferne mal ein Scheinwerferlicht auf. Rechtzeitig streckte ich immer dann einen Arm aus, wenn sich mal ein Auto näherte. Aber dann fuhr es zügig an mir vorbei. Wer nimmt schon im Dunkeln einen vollbärtigen Anhalter mit? Mir blieb nichts anderes übrig, als weiter zu gehen. Dabei rückte ich mir in regelmäßigen Abständen den Rucksack zurecht – so als könnte ich ihn damit leichter machen. Irgendwann hörte auch der Radweg auf, auf dem ich mich vor rasenden Autofahrern noch relativ sicher gefühlt hatte. Der mit einer dünnen Schneeschicht belegte Asphalt der Straße wurde schon bald durch Kopfsteinpflaster abgelöst. Das Laufen wurde noch beschwerlicher, zumal es hier keine Straßenlaternen mehr gab. Plötzlich vernahm ich hinter mir ein Klappern, das spürbar lauter wurde. Ich drehte mich um und machte ein kurioses Gespann aus.

Ein kleiner Planwagen wurde von zwei Ponys gezogen. Auf dem Kutschbock saß ein alter Mann und döste vor sich hin.

Ich erkannte den Alten. Er wohnte im Dorf meiner Bekannten, lebte allein in einem alten Bauernhaus. Als mich das Gespann eingeholt hatte, gab der Alte ein lautes „Brrr“ von sich. Die kleinen Pferde gehorchten auf der Stelle.

„Wenn Du mitfahren willst, steige auf“, bot der Kutscher an. Ich ließ es mir nicht zweimal sagen, bedankte mich und setzte mich neben ihn. Am meisten freute ich mich, dass ich den schweren Rucksack endlich abnehmen konnte.

Beim Ablegen klirrten die Flaschen wieder. Mir kam eine Idee. Ich nahm eine Flasche des guten Rotweins aus dem Sack und drückte mit meinem Daumen den Korken nach innen. Dann reichte ich die Flasche meinem Retter. „Frohe Weihnachten“, sagte ich leise. Wortlos griff der Alte zu, setzte an und nahm einen kräftigen Schluck. Dann räusperte er sich, reichte mir die Flasche zurück und begann zu erzählen.

Er hatte sich wie jedes Jahr zu Heiligabend nachmittags mit seinem Ponygespann auf den Weg gemacht zu den Kindern und Enkeln, die in einem Eigenheim am Rande der Großstadt wohnten. „Den ganzen Wagen habe ich vollgeladen. Kistenweise Äpfel, riesige Kürbisse und Körbe voller Nüsse – alles eigene Ernte. Ein Leinensack mit Geräuchertem ist auch dabei – Schinken, Wurst und echter Lachs“, schwärmte der Alte. Als er aber bei seinen Verwandten vor der Tür stand, fand er das Haus unbeleuchtet und verlassen vor. „Die sind verreist – Last Minute nach Mallorca“, erfuhr er von einer Nachbarin.

Mit Tränen in den Augen murmelte der Alte: „Sonne und Palmen zu Weihnachten. Da kann ich nicht mithalten mit meinen Äpfeln und Nüssen. Sie hatten es wohl so eilig mit ihrer Reise, dass sie vergaßen, mich anzurufen. Dann hätte ich mir wenigstens den Weg sparen können“, grollte er. Er tat mir leid. Aber ich wollte auch keine Kommentare abgeben, die ihn vielleicht noch mehr verletzt hätten. Ich kannte die „Kinder“ des Alten. Der Sohn arbeitete als leitender Angestellter in einer großen Bank, als Experte für riskante Geldanlagen.

Die Schwiegertochter war sehr erfolgreich in der Werbebranche und gehörte zu jenen Menschen, die selbst eine normale Unterhaltung auf Deutsch mit einer Fülle von englischen Begriffen anreicherten und somit fast nur Englisch redeten. Die beiden Enkel des Alten wurden rund um die Uhr von Au-pair-Mädchen betreut, weil die Eltern kaum Zeit für sie hatten. Ein paar Minuten redeten wir beide nicht, teilten uns aber schweigend den Rest aus der Flasche. Mich fröstelte. Der Alte bemerkte es und meinte: „Hinter dir liegt ein Mantel auf dem Wagen. Zieh ihn an!“ Der Mantel war dick und flauschig und wärmte mich angenehm.

Eine halbe Stunde später hielten wir vor einem kleinen Haus, das etwa einen Kilometer außerhalb des Dorfes an der Straße stand. „Der Wein“, murmelte der Alte nur und stieg vom Wagen. Auch ich wollte mir etwas die Beine vertreten und stieg von der kleinen Kutsche.

Im Schein des Lichtes, das von einer Laterne vor dem Haus herüber schien, konnte ich jetzt erkennen, dass der Mantel, den mir der Alte gegeben hatte, dunkelrot war. Die Kapuze war eingefasst von einem hellen Pelz.

Als ich mich gerade selbst im Mantel betrachtete, öffnete sich die Haustür des kleinen Katens. Staunend stand ein halbes Dutzend ärmlich gekleideter Kinder im Hauseingang, nebeneinander aufgereiht wie die Pfeifen einer Kirchenorgel. Die Lütten sahen mich ehrfurchtsvoll an und riefen freudig im Chor: „Der Weihnachtsmann!“ Ich war völlig überrumpelt und nicht mal imstande, zu widersprechen. Inzwischen war auch der Alte vom Gebüsch am Straßenrand zurück und erfasste die Situation blitzschnell. Er wusch sich schnell im frischen kalten Schnee die Hände, trocknete sie flüchtig an seiner Jacke ab. Dann begann er sofort damit, seinen Wagen abzuladen. Er ergriff zuerst einen Korb Walnüsse. „Recht habt ihr, Kinder. Das da ist der Weihnachtsmann und ich bin Knecht Ruprecht, sein Gehilfe.“ Ich erfasste seinen Gedanken, sträubte mich nicht gegen das Unvermeidliche und ließ ein grollendes „Hoho“ vernehmen.

Dann rief ich: „Fröhliche Weihnachten, Kinder!“. Schließlich kamen auch die Eltern der Kinderschar aus dem kleinen Katen, genauso ärmlich angezogen wie ihre Kinder. Bescheiden meinte die Mutter: „Aber wofür das alles? Das ist doch nicht nötig. Wir wissen gar nicht, wie wir uns bedanken können. So viel schöne Sachen“. Dem Vater hatte der Alte den Leinensack mit den geräucherten Sachen gereicht. „Da, da, das…“, stotterte er zunächst, und als er sich gefangen hatte, meinte er „Das ist zu teuer. So was Schönes können wir uns schon lange nicht mehr leisten“, zeigte er sich gerührt. „Viel haben wir nicht, aber einen heißen Tee oder einen Punsch darf ich Ihnen doch anbieten“, fragte die Frau. Als wir nickten, schoben uns die Kinder mit lautem Getöse in die kleine Hütte.

In der Küche schlürften wir einen wohlschmeckenden Punsch, eine Mischung aus Glühwein und Hagebutte. Als wir ausgetrunken hatten, verabschiedeten wir uns höflich und fuhren mit unserer kleinen Kutsche weiter ins Dorf meiner Bekannten. Als ich endlich bei ihr klingelte, war es schon sehr spät, zu spät eigentlich für Heiligabend.

Aber sie freute sich aufrichtig über meinen Überraschungsbesuch und die kleinen Präsente. Es wurde für uns beide noch ein schönes Weihnachtsfest. Mit dem alten Kutscher aus dem Dorf saßen wir am 2. Weihnachtstag zum Festtagsmahl zusammen, das wir uns spontan von Vorräten aus der Speisenkammer meiner Bekannten zubereitet hatten.

Fremde Nachbarn

Sie lebten unter einem Dach, aber dennoch nebeneinander her. Dicke Freunde waren sie bisher nie und gute Nachbarn wohl auch nicht. Man ging sich eben aus dem Weg. Kam es doch mal zufällig zur Begegnung – auf dem Hof, den sie sich notgedrungener Weise teilen mussten – oder im Supermarkt, gab’s gerade mal ein flüchtiges Kopfnicken, um sich dann schnell wieder anderen Dingen zuzuwenden.

So war es auch vor ein paar Jahren, kurz vor Heiligabend. Der große und kräftig gebaute Karl Schmidt, dem man seine 72 Jahre, die er schon auf dem Buckel hatte, wahrlich nicht ansah, schlenderte, den Mülleimer in der Hand, über den Hof und brabbelte irgendwas vor sich hin. Schnurstracks steuerte der Rentner die Ecke mit den Müllcontainern an.

---ENDE DER LESEPROBE---