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In unserem Menschenleben gibt es häufig Situationen, Ereignisse, Sorgen oder Nöte, die plötzlich ohne jegliche Vorwarnung auftreten und dann einfach da sind. Das Leben kann sich schlagartig, von einem Tag auf den anderen verändern. Aber wie gehen wir dann damit um? Schauen wir trotzdem zuversichtlich in die Zukunft, oder geben wir sofort auf und lassen den Kopf hängen? Tauchen Sie ein in ein Buch voller Emotionen, jeder Menge Zuversicht und heiteren Erlebnissen und überzeugen Sie sich selbst davon, das unser Leben manchmal zu einem regelrechten Kampf wird, dem wir uns aber stellen sollten ... In diesem Buch möchte ich gerne einmal aus Erlebnissen meines Lebens berichten. Es gab auch für mich Momente und Situationen, in denen ich geglaubt habe, dass es nicht mehr weiter geht. Doch egal wie schwierig auch die Lage gewesen ist, den Kopf habe ich nicht hängen lassen. Stattdessen habe ich gegen die dunklen Zeiten in meinem Leben gekämpft und ich kämpfe auch weiterhin.
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Seitenzahl: 145
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Kapitel 1: „Der Anfang“
Kapitel 2: „Hartnäckigkeit zahlt sich aus“
Kapitel 3: „Ein großer Verlust“
Kapitel 4: „Das Abschiedsfest und die Lesenacht“
Kapitel 5: „Der Umzug in das neue Schulgebäude“
Kapitel 6: „Grundschule, was danach?“
Kapitel 7: „Die Abschiedsfeier an der Grundschule“
Kapitel 8: „Der erste Unterrichtstag an der weiterführenden Schule“
Kapitel 9: „Der traditionelle Urlaub“
Kapitel 10: „Mein 14.Geburtstag und die Konfirmation“
Kapitel 11: „Die wichtige Entscheidung“
Kapitel 12: „Das zehnte Schuljahr“
Kapitel 13: „Die Schulentlassung“
Kapitel 14: „Der erste Unterrichtstag am Berufskolleg“
Kapitel 15: „Ein herber Rückschlag“
Kapitel 16: „Das traditionelle Weihnachtsfest“
Kapitel 17: „Die Jubiläumsfeier“
Kapitel 18: „Der 18.Geburtstag“
Kapitel 19: „Die Prüfungsvorbereitung“
Kapitel 20: „Das traditionelle Osterfest“
Kapitel 21: „Die gefürchteten Abschlussprüfungen“
Kapitel 22: „Der schwerste Kampf“
Kapitel 23: „Der schlimmste Tag“
Kapitel 24: „Der Kampf um die Bewerbungen“
Kapitel 25: „Erinnerungen an die schöne Zeit in meinem Leben“
Kapitel 26: „Die Verarbeitung der auferlegten Last“
Kapitel 27: „Wie gehe ich mit der Last der Trauer um?“
In unserem Menschenleben gibt es häufig Situationen oder Erlebnisse, die es einem manchmal nicht gerade einfach machen. Trotzdem nicht den Mut zum weiterkämpfen zu verlieren, das ist nicht immer leicht. Doch egal wie schwer die Lage auch ist, nach jedem Schicksalsschlag gibt es auch einen Lichtblick und neue Zuversicht. Für mich gab es in vielen schwierigen Situationen nur eine Option; niemals aufgeben und den Kopf bloß nicht hängen lassen.
Mit diesem Buch möchte ich vielen Menschen dabei helfen in bestimmten Lebenssituationen besser zurechtzukommen. Es gibt Momente im Leben, in denen man glaubt es geht nicht mehr weiter.
Das Leben entwickelt sich oftmals zu einem regelrechten Kampf, dem man sich stellen sollte.
„Nur Mut alles wird gut.“ Mit diesem Sprichwort bin ich durch die letzten Monate gegangen. Es hat mir viel Kraft gegeben, wenn es mal im Leben nicht so einfach war und ist. Einige Monate habe ich überlegt, ob ich wirklich ein Buch über mein Leben schreiben soll oder nicht. Trotz meiner hin - und hergerissenen Gedanken kam ich zu dem Entschluss doch ein Buch zu schreiben, um von meinen Erlebnissen anderen Menschen davon zu berichten und ich damit besser umgehen kann. Beim Schreiben des Buches konnte ich meine Sorgen, Ängste und Nöte teilweise vergessen und besser verarbeiten. Aber nun erst einmal genug…
Bevor es weitergeht möchte ich mich gerne erst einmal vorstellen.
Ich heiße Alexander und wurde vor 18 Jahren in einer Westfälischen Stadt geboren. Ich wurde als einziges Kind in die Familie hineingeboren. Mit meinen Eltern bin ich in einer kleinen Ortschaft aufgewachsen. Eine kleine gemütliche Ortsgemeinde mit knapp 30.000 Einwohnern. Ein gemütliches und behagliches Zuhause haben mir meine Eltern geboten indem ich aufwachsen konnte und durfte. Heute bin ich 18 Jahre alt und habe das Fachabitur an der höheren Handelsschule absolviert. Meine Eltern haben mich zu einem netten, freundlichen und zuvorkommenden Jungen erzogen. Dafür bin ich ihnen heute sehr dankbar.
Aber bevor ich erst einmal 18 Jahre alt werden konnte, musste ich ja einige Lebensjahre vollendet haben.
Und genau da steuern wir jetzt drauf zu: Auf die vergangene Kindheit. Ich war gute drei Jahre alt, als meine Eltern beschlossen haben, dass ich in den Kindergarten angemeldet werden soll und dort jeden Tag ein paar Stunden verbringe. Damit ich Freundschaften knüpfe und Spielkameraden finde. Genau drei Jahre vergingen, bis ich das 6.Lebensjahr erreichte und ich in die Schule gekommen bin. Im August war es dann soweit: Mein erster Schultag stand vor der Tür und ich war ganz aufgeregt. Zusammen mit der großen, schönen Schultüte, die meine Eltern selbst gebastelt haben ging ich mit meinen Eltern, Großeltern, Tanten und meinem Onkel zur Schule. Die Einschulung war in der Turnhalle. Alle Eltern warteten im hinteren Bereich der Turnhalle. Die ABC Schützen, wie ich saßen in der ersten Reihe.
Die Rektorin stellte sich nun in einer Begrüßungsrede kurz vor. Dann kamen die Lehrerinnen und Lehrer mit den Klassenlisten und haben sich ebenfalls kurz vorgestellt. Dann wurden die Schüler den einzelnen Klassen zugeteilt. Natürlich wussten wir alle vorher schon bescheid in welche Klasse ich eingeteilt werde. Ich kam in die Klasse 1c. Nach und nach wurde es in der Turnhalle leerer und schließlich war meine Klasse an der Reihe mit der Einteilung. Was an der ganzen Sache lustig war, dass ein weiterer Junge ebenfalls Alexander hieß. Das wusste ich aber nicht. Also hat unsere Klassenlehrerin „Alexander“ aufgerufen. Ich stand sofort von meinem Platz auf und wollte zu meinen Mitschülern gehen, weil ja deutlich mein Name aufgerufen wurde.
Doch im selben Moment als ich aufstand, stand ein weiterer Junge auf.
Ich war verwirrt, doch die Klassenlehrerin schmunzelte und sagte: „Stimmt ja, dass hätte ich fast vergessen, wir haben in unserer Klasse ja zwei Schüler mit dem Namen Alexander. Ihr könnt gerne beide gleich nach vorne kommen“, sagte die Klassenlehrerin zu uns freundlich und lächelte. Und so gingen wir beide gleichzeitig nach vorne zu unserer Klasse wo auch schon die anderen Schüler warteten. Zum Glück hatten unsere beiden Nachnamen nicht denselben Anfangsbuchstaben.
So war es für unsere Lehrerin im Unterricht hinterher einfacher uns bei einer Meldung besser dran zu nehmen. Ich wurde hinterher mit Alexander G. und der andere Junge mit Alexander E. im Unterricht aufgerufen. Um Verwechslungen zu vermeiden. Nachdem alle Schüler den jeweiligen Klassen eingeteilt wurden, ging es für uns in das zukünftige Klassenzimmer. Wir waren alle gespannt und aufgeregt.
Zusammen mit den Eltern sind wir alle in unser Klassenzimmer gegangen. Nun durfte sich jeder einen Platz aussuchen. Ich habe mich in die letzte Reihe neben einen Jungen hingesetzt, den ich schon aus dem Kindergarten kannte. Als erstes hat unsere Klassenlehrerin uns an der Schule „Herzlich Willkommen“ geheißen. Für jeden einzelnen Schüler hat sie Namensschilder vorbereitet. Diese wurden nun verteilt.
Nach einer guten halben Stunde hat unsere Klassenlehrerin uns alles Wichtige über die Schule erzählt. Plötzlich klopfte es an der Tür des Klassenzimmers. Es war ein Angestellter der Tageszeitung, der nur ein Bild von uns machen wollte. Also stellten wir uns alle zusammen mit unseren Schultüten und Tornistern vor die Tafel und der Mann von der Presse sagte: „Damit das ein schönes Foto für die morgige Zeitungsausgabe wird, sagt mal alle: „Käsekuchen“. Und wir sagten alle gleichzeitig „Käsekuchen“. Der Mann machte ein Foto und am nächsten Tag war es in der Tageszeitung abgedruckt. Das Foto ist wirklich schön geworden. Danach ging es endlich wieder nach Hause.
Zusammen mit meinen Eltern, Großeltern, Tanten und meinem Onkel haben wir noch viele schöne Fotos gemacht, zur Erinnerung an diesen schönen und unvergesslichen Tag. Danach ging es wirklich nach Hause und mein Papa hat zur Feier des Tages für uns alle gekocht. Es gab Klöße mit Gulasch und dazu Salat. Es war superlecker. Am späten Nachmittag gab es dann Kaffee und Kuchen. Mama hatte für mich gebacken.
Danach durfte ich endlich meine Schultüte öffnen. Es waren viele schöne Sachen enthalten, die man als Schüler gut gebrauchen kann. Ich weiß leider nicht mehr was alles genau drin war, aber ich kann mich an zwei Sachen erinnern: Einmal eine Taschenuhr und ein Füllerhalter von Lamy.
Beides besitze ich heute noch in einem guten Zustand. Genauso wie die Schultüte. Bis heute habe ich sie noch im Besitz. Die viele Arbeit, die damals meine Eltern für das basteln dieser Schultüte aufgebracht haben, habe ich mit dem aufbewahren der Schultüte belohnt und ausgezahlt. Bis heute erinnere ich mich gerne an diesen Tag und an meine Einschulung zurück. Für mich war es ein schönes Erlebnis in meinem Leben. Leider hatte ich nicht immer so schöne Erlebnisse im Leben wie dieses.
Das erste Schuljahr verging wie im Flug und nun durfte ich meine ersten Sommerferien als Schulkind erleben. Die sechs Wochen sind ebenfalls schnell vergangen. Nun hieß es für mich, in die zweite Klasse zu gehören. Ich wurde also in das zweite Schuljahr versetzt. Bis dahin kam ich im Unterricht mit den Themen verständnisvoll mit. Doch in der zweiten Klasse bereitete mir das Fach Mathematik ein paar Schwierigkeiten. Ich hatte meinen ersten kleinen Kampf in meinem Leben zu führen. Ich wollte damals auf keinen Fall „Sitzen bleiben.“ Sonst wäre ich doch nicht mehr mit meinen Freunden in einer Klasse gewesen. Davor hatte ich große Angst. Ich habe nicht aufgegeben und im Unterricht so gut wie ich konnte mitgearbeitet. Doch meine Eltern waren davon nicht so ganz überzeugt… Sie wollten mit der Rektorin über meine schulischen Leistungen sprechen. Also wurde ein Termin zu einem persönlichen Gespräch vereinbart. Davon wusste ich aber nichts. Das Problem war, wie bei den meisten Schülern auch heute noch, das Schulfach Mathematik. Meine Hausaufgaben habe ich stets zuverlässig und ordnungsgemäß erledigt. Doch das gewisse Verständnis für die geforderten Aufgaben hat mir zu diesem Zeitpunkt leider gefehlt. So drohte mir die nicht Versetzung in das 3.Schuljahr. Und das wollte ich auf keinen Fall zulassen. Ich wollte nicht im 2.Schuljahr sitzen bleiben. Schon garnicht wenn meine Schulfreunde nicht mehr mit mir in einer Klasse gewesen wären. Also sagte ich das meinen Eltern. Sie versprachen mir darüber nachzudenken. Also sprachen meine Eltern dieses Thema bei einem nächsten Gespräch mit der Rektorin an.
Die Rektorin hörte aufmerksam zu.
Schließlich sagte Sie: „Ich weiß genau wie sich Ihr Sohn fühlt und warum er sich so vor dem Nichtversetzen fürchtet.“ „Ihr Sohn wird in die Klasse 3c versetzt“, sagte die Rektorin anschließend. Meine Eltern waren erleichtert zusammen mit der Rektorin eine Lösung gefunden zu haben.
Ich wusste von dem persönlichen Gespräch zwischen meinen Eltern und der Rektorin wie schon erwähnt, nichts. Genauso wusste ich auch nicht, dass es jetzt schon feststand, dass ich in das 3.Schuljahr versetzt werde und nicht sitzen bleiben muss. Meine Eltern erzählten mir dann einige Wochen vor den Sommerferien, dass sie mit der Rektorin über meine Sorgen um die Nichtversetzung gesprochen haben und die Rektorin davon überzeugt werden konnte, mich doch in das 3.Schuljahr zu versetzen. Als ich das hörte, fiel mir ein Stein vom Herzen. Juhu, ich hatte meinen ersten Kampf in meinem Leben gewonnen.
Ich habe dafür gekämpft, dass ich nicht sitzen bleibe und trotz Defiziten im Schulfach Mathematik in das 3.Schuljahr versetzt werde… An dieser Stelle möchte ich allen Eltern, die auch Schulkinder haben einen guten Rat geben. Wenn die Kinder in Schulfächern Probleme haben sollten… nicht sofort aufgeben und einfach sagen: „Du machst das Schuljahr nochmal“. Als erstes mit dem Kind darüber in Ruhe reden über die Probleme und Schwierigkeiten in Bezug auf das Schulfach, indem Ihr Kind Schwierigkeiten oder Probleme hat. Danach sprechen Sie am besten mit dem Klassenlehrer- oder der Klassenlehrerin darüber, gegebenenfalls mit dem Rektor- oder der Rektorin und fragen Sie nach, wie die das Problem ansehen und lassen sich beraten.
Danach lassen Sie einfach Ihr Bauchgefühl entscheiden, ob Ihr Kind wirklich das Schuljahr wiederholen soll oder nicht. Es liegt in Ihren Händen. Sie sind die Eltern und Sie wissen, was für Ihr Kind das Beste ist.
Nun ja ich wurde in das 3.Schuljahr versetzt. Meine Sorgen waren weg und ich kam auch im Mathematikunterricht besser mit. Hört sich ja eigentlich ganz gut an, doch es sollte nicht so bleiben… Meinen ersten Kampf in meinem damals so jungen Leben hatte ich ja erfolgreich gewonnen. Doch es stand der nächste Lebenskampf bevor. Mein Opa bekam die ärztliche Diagnose: Krebs. Wir waren alle geschockt. Damit hat niemand gerechnet. Für meinen Opa stand fest, keine Chemotherapie. Für mich war das ein heftiger Schlag. Ich war ja auch gerade erst neun Jahre alt. So richtig verstanden habe ich das damals noch nicht, was es bedeutet Krebs erkrankt zu sein und welche Folgen sich daraus leider ergeben können, wenn man auf eine Chemotherapie verzichtet. Mein Opa lebte zusammen mit meiner Oma im Süden Deutschlands. Es war uns daher nicht so oft möglich, beide regelmäßig zu besuchen, aufgrund der weiten Entfernung. Wir waren meistens zweimal im Jahr bei Oma und Opa und haben sie besucht. Trotzdem wir haben jeden Tag mithilfe des Telefons den Kontakt gepflegt und uns ausgetauscht was wir so am Tag gemacht haben und wie bei uns das Wetter ist. Wenn ich bei meinem Opa zu Besuch war hat er mir oft schöne Geschichten erzählt oder wir sind zusammen in unsere „Werkstatt“ gegangen. Eigentlich war es keine richtige Werkstatt, eher die Garage. Aber wir haben es immer als unsere „Werkstatt“ bezeichnet. Dort wurden viele Werkzeuge von meinem Opa aufbewahrt. Natürlich hatte er all diese Werkzeuge in Gebrauch. Wenn ich dann zu Besuch war, haben wir oft handwerklich gearbeitet und das Werkzeug dazu benutzt. Wir haben dann schöne Werke selbst entworfen und auch selbst per Hand und mithilfe des notwendigen Werkzeugs zusammengebaut. Eines der letzten Geschenke meines Opas, ist ein großes altes Buch über die Natur-und Tierwelt. Ich weiß noch genau, wie mein Opa mir dieses Buch überreichte. Damals habe ich oft darin gelesen. Viele interessante Informationen sind dort über viele Tierarten und Naturräume enthalten. Bis heute bewahre ich dieses Buch auf, wie einen Schatz. Es ist eine Erinnerung an meinen Opa. Und es ist das letzte Geschenk was ich von ihm bekommen habe. Deshalb ist es mir auch so viel wert.
Im Frühjahr meines 3.Schuljahres kam dann die schreckliche Nachricht. Mein Opa hat den Kampf gegen die Krebserkrankung verloren und ist verstorben. Für uns alle war es ein herber Rückschlag. Vorallem war es auch für mich ein bisschen schwierig, mich auf die Schule zu konzentrieren und gleichzeitig zu trauern. Ich wollte ja nicht wieder davor Angst haben, sitzen zu bleiben. Mein zweiter Lebenskampf hatte nun begonnen, leider.
Es kehrte nun die Zeit der tiefen Trauer in unserer Familie ein. Keine schöne Zeit. Für meine Eltern und für mich war es klar, dass wir uns sofort auf den Weg nach Süddeutschland zu meiner Oma machen und ihr tröstend zur Seite stehen. Ein Teil meiner Verwandtschaft war ja hier in Westfalen wohnhaft und der andere Teil in Süddeutschland. Natürlich wollten wir auch den lieben Verwandten aus Süddeutschland tröstend zur Seite stehen. Also machten wir uns so schnell wie möglich auf den Weg. Meine Eltern haben natürlich vorher mit meiner Klassenlehrerin über den Trauerfall gesprochen und über die weite Entfernung, die ja für die Anreise zur Beerdigung notwendig war. Die Klassenlehrerin zeigte sich mitfühlend und verständnisvoll und gewährte eine sogenannte dreitägige Beurlaubung für Schüler wie mich. Ich war also von der Schule für drei Tage vom Unterricht befreit, um überhaupt an Opas Beerdigung teilnehmen zu können. Also fuhren wir am nächsten Tag los. Mit einem mulmigen Gefühl stiegen wir in das Auto. Denn wir wussten ja, wenn wir bei Oma ankommen, dass wir Opa nicht mehr sehen können und ihn auch nicht mehr in den Arm nehmen können. Es war ein furchtbares und unbeschreibliches Gefühl.
Einfach nur furchtbar. Nach gut vierstündiger Autofahrt, kamen wir bei Omas Haus an. Sie stand schon in der Tür und wartete, bis wir sie begrüßten. Als erstes habe ich sie erstmal kräftig umarmt und feste gedrückt. Sie hielt mich ganz feste im Arm und sagte: „Ich bin ja so froh, dass ihr jetzt bei mir seid.“
Wir sind dann alle zusammen in das Haus gegangen. Als erstes ist uns das leere Zimmer aufgefallen, wo Opa immer saß. Es war leer. Das war für uns alle nicht so leicht, das zu verstehen und zu begreifen, dass Opa nicht mehr da ist… Wir fingen alle an zu weinen. Nachdem wir uns wieder einigermaßen beruhigen konnten, hat Oma Kaffee gekocht und Kuchen auf den fertiggedeckten Tisch gestellt. Sie sagte: „Kommt Ihr seid doch bestimmt hungrig nach dieser langen und anstrengenden Anreise.“ Wir haben uns daraufhin hingesetzt und angefangen zu essen. Wir haben uns in einem angemessenen Verhältnis mit meiner Oma unterhalten.
Es war schön, ihr jetzt in dieser schweren Zeit beizustehen. Auch wir haben zu diesem Zeitpunkt ja auch keine leichte Zeit vor uns gehabt, aber wir konnten uns in diesen Tagen des damaligen Besuches gegenseitig trösten und neue Kraft schöpfen. Das hat uns allen gutgetan. Zwei Tage nach unserer Ankunft, stand nun der Tag der Beerdigung bevor. Besser gesagt der Tag des Trauergottesdienstes. Eine Beerdigung fand so gesehen garnicht statt. Der letzte Wunsch von meinem Opa war, dass er anonym beerdigt werden möchte, damit die Kinder keine Arbeit mit dem bepflanzen der Ruhestätte haben. Das war immer seine Begründung und auch sein letzter Wunsch. Und diesen wollten wir ihm natürlich auch erfüllen. Deshalb hat sich meine Tante beim Bestatter erkundigt, welche Möglichkeiten es gibt eine anonyme Beerdigung durchzuführen.
Wir alle haben uns für die Möglichkeit entschieden, die Urne hinter einer Tür für zehn Jahre ruhen zu lassen. Nach den zehn Jahren wird dann die Urne anonym an einer für uns alle unbekannten Stelle auf dem Friedhof beigesetzt. Hinter dieser Tür befinden sich Regale, in denen noch andere Urnen von anderen verstorbenen Menschen ruhen. Diese Tür ist auf dem Friedhof und sie wird auch nur für das Bestattungspersonal geöffnet. Niemand anderes bekommt Eintritt gewährt. Deshalb fand damals auch keine Beerdigung statt, da ja niemand anderes außer das Bestattungspersonal dabei sein darf, wenn die Urne in das Regal hinter der Tür zum Ruhen gebracht wird. Nach dem eine Urne in das Regal zum Ruhen gestellt wurde, wird die Tür wieder verschlossen.
Das heißt, wenn man Blumen niederlegen möchte, kann man das nur vor der
