Der Kreis - Sabina Naber - E-Book

Der Kreis E-Book

Sabina Naber

4,4

Beschreibung

Wiens Nationalheiligtum, der Wienerwald, steht in Flammen. Dilettantisch wurde der unbescholtene Bauunternehmer Gottlieb Hartleben nach seiner Ermordung angezündet. Kommissarin Maria Kouba stochert erst im Dunkeln, da niemand etwas gegen das Opfer gehabt zu haben scheint. Erst als sie Ihre eigene dunkle Seite entdeckt und von ihrem neuen Liebhaber in die SM-Szene eingeführt wird, kommt sie einem tiefschwarzen Geheimnis auf die Spur.

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Sabina Naber

Der Kreis

Kriminalroman

Impressum

Personen und Handlung sind frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Personen

sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.

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Gmeiner Digital

Ein Imprint der Gmeiner-Verlag GmbH

© 2014 – Gmeiner-Verlag GmbH

Im Ehnried 5, 88605 Meßkirch

Telefon 0 75 75/20 95-0

[email protected]

Alle Rechte vorbehalten

Lektorat: Claudia Senghaas, Kirchardt

E-Book: Mirjam Hecht

Umschlagbild: © mekun / photocase.com

Umschlaggestaltung: Matthias Schatz

ISBN 978-3-7349-9224-7

Eins

Knallende Peitschen. Meterlange schwarze Schlangen. Jetzt kam der nächste Knall– nein– aber jetzt– jetzt– oder nicht– doch. Hinterhältig, diese Biester. Kein Rhythmus. Immer nur banges Warten auf den nächsten Knall. Formation der Schlangen zu einer Wolke, das verdeckend, was sie sehen wollte. Das, nach dem sie sich sehnte. Wieder Auseinanderwabern der Wolke. Ein seltsamer roter Schimmer, der sich züngelnd in das weiße Licht hineinbiss. Das weiße Licht, das ihn umgab. Ihn, der die Schlangen zu nähren und zu vernichten schien. Ihn, zu dem sie wollte, zu dem sie musste. Sie nahm all ihre Kraft. Das Innere nach außen stülpen, um es sich überwerfen zu können. Kühlende Wärme. Gesammelte Leichtigkeit. Sie flog. Mitten durch die Schlangen, die sie mit jedem Knall zu erwischen versuchten. Er war schon ganz nah, die weißen Hüllen berührten sich bereits. In ihn versinken, eins mit ihm werden. Wieder ein Knall. Erneuter Kraftakt der Konzentration. Warum kam er ihr nicht entgegen? Sie streckte die Hand nach ihm aus, seine Augen sprachen von Sehnsucht, doch er kam kein Stück näher. Warum nicht? Sie schrie es ihm zu, ein Knall löste ihre Worte auf. Sie griff erneut nach ihm– wieder ein Knall.

Scherben? War das nach dem Knall eben das Splittern von Glas gewesen? Das Bild verschwand und machte der Dunkelheit Platz. Entferntes Jammern. Die Augenlider klappten von selbst auf. Da war über ihr die Zimmerdecke. Da war die Feuchte des Polsters unter ihrem Kopf. Da war der nachtblaue Fleck des Fensters. Maria entschied aufgrund dieser Eindrücke, dass sie aufgewacht war. Tatsächlich? Der Plafond bewegte sich von ihr weg. Das machten Wände doch nur in Träumen. Ein Knall. Und noch einer. Jetzt bewegte sich auch der Fensterflügel in ihrem Kabinett, bedrohlich immer schneller werdend, auf den Fensterstock zu. Maria war mit einem Sprung aus dem Bett und in letzter Sekunde die Retterin der nächsten Scheibe. Der Baum im Innenhof ächzte unter den Böen. Hastig schloss Maria das Fenster, denn die Luft war mit dem Sturm auch kalt geworden. Ein eigenartiges Gefühl. Das erste Mal seit Monaten fröstelte es sie. Das war wohl das Ende des legendären Jahrhundertsommers, der in einen wohl ebenso legendären Herbst übergegangen war. Von Juni bis beinahe Ende Oktober zwanzig Regentage. Zumindest in Wien. In den Bergen sah die Sache freilich anders aus. Und natürlich nicht eingerechnet die Gewitter. Fasziniert betrachtete Maria den schwankenden Baum. Und sie hätte dieses Ereignis beinahe verschlafen! Allerdings, wenn sie ehrlich zu sich selber war, wäre ihr das auch lieber gewesen. Und sie hatte wirklich alles dafür getan, Schlaftee, ruhiggestellte Telefone, Abmelden bei Freunden, um einmal, ein einziges Mal, wieder zehn Stunden durchschlafen zu können. Und um damit die Bilder der letzten Wochen zu vergessen. Ein Familienmassaker nach dem anderen. Die Hitze hatte bei einigen offensichtlich den letzten Rest an Beherrschung zunichtegemacht. Und immer derselbe läppische Grund: Die Frau hatte ihren Mann verlassen wollen. Wer impfte den Männern endlich einmal mehr Selbstbewusstsein ein? Mein Gott, es gab doch schon genügend Patchworkfamilien, die zeigten, dass es auch anders ging. Nein, immer und immer wieder kramten die Männer ihre heimlich gebunkerten Pistolen und Revolver aus den Nachtkästchen und schossen das Hirn der Frau, die sie angeblich liebten, und die Köpfe der Kinder, die angeblich ihr Leben waren, zu Brei. Und Maria und ihre Kollegen konnten dann die Sauereien zusammenräumen und die um Verständnis heischenden Litaneien über sich ergehen lassen. Vergessen diese Bilder, die aufgrund ihrer Banalität so furchterregend waren. Furchterregend ernüchternd. Schlaf– nix da. Wieder ein jammervoller Ton. Jack! Der Wind riss Maria beinahe die Schnalle aus der Hand, als sie die Kabinetttür öffnete. Und da saß er. Vom Stubentiger zum Häufchen Elend verkommen. Die Zeitungen, ehemals wohl sortiert auf der Kredenz gelegen, bedeckten nun den Boden des Vorraumes und der Küche. Mit eingezogenem Schwanz trippelte die Fellkugel zum Wohnzimmer und blickte sich zu ihr um, als würde sie sagen: »Schau sie dir an, die Sauerei, schau sie dir an!«– Und Maria sah sie sich an. Hätte sie sich doch nur den Wetterbericht angehört. Aber nein, stattdessen hatte sie alle Fenster aufgerissen, um die Schwüle wenigstens einen Hauch erträglicher zu machen. Tja, man sollte sich nie zu sicher sein. Das Spiegeln des Straßenlichts in den Glasscherben der zerbrochenen Fensterscheibe hatte beinahe etwas Poetisches. Und das fand Jack anscheinend auch, denn er streckte die Pfote zu einem besonders schönen Glasstück aus– Maria packte ihn am Kragen, was ihr ein missmutiges Mauzen einbrachte.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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