Der Lotse - Frederick Forsyth - E-Book
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Der Lotse E-Book

Frederick Forsyth

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Beschreibung

Am 24. Dezember 1957 ist ein englischer Pilot auf dem Heimflug nach Norfolk, um mit seiner Familie Weihnachten zu feiern. Doch in 27.000 Fuß Höhe versagen Kompaß, Funkgerät und die gesamte Elektronik. Eine Landung ohne Instrumente verhindert der Nebel. Als der Flieger bereits den Tod vor Augen hat, taucht neben ihm in den Wolken ein uralter Jagdbomber auf. Der geheimnisvolle Lotse geleitet den jungen Engländer sicher zum nächsten Flugplatz, wo er unversehrt notlanden kann. Erst dort wird ihm bewusst, welch rätselhaften Umständen er seine dramatische Rettung verdankt ...

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Seitenzahl: 56

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Mehr über unsere Autoren und Bücher:

www.piper.de

To my darling wife Carole

Übersetzung aus dem Englischen von Rolf und Hedda Soellner

Mit Illustrationen von Chris Foss

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe

1. Auflage November 2012

ISBN 978-3-492-95949-0

© 1975 Frederick Forsysth

Titel der englischen Originalausgabe:

»The Shepherd«, Hutchinson Co. Ltd., Londo

Deutschsprachige Ausgabe:

© 1986 Piper Verlag GmbH, München

Umschlaggestaltung: Tom Sprenger, München

Umschlagabbildung: Artwork Tom Sprenger unter Verwendung von Motiven von John Hamilton/The Bridgeman Art Library

Datenkonvertierung E-Book: Kösel, Krugzell

Sämtliche Inhalte dieses E-Books sind urheberrechtlich geschützt. Der Käufer erwirbt lediglich eine Lizenz für den persönlichen Gebrauch auf eigenen Endgeräten. Urheberrechtsverstöße schaden den Autoren und ihren Werken. Die Weiterverbreitung, Vervielfältigung oder öffentliche Wiedergabe ist ausdrücklich untersagt und kann zivil- und/oder strafrechtliche Folgen haben.

Während ich auf die Starterlaubnis vom Kontrollturm wartete, warf ich einen Blick durch die Plexiglaskuppel des Cockpits auf die lüneburgische Landschaft. Sie lag weiß und frisch unterm glasklaren Dezembermond.

Hinter mir war die Umgrenzung des Royal-Air-Force-Flugplatzes, und jenseits der Umgrenzung erstreckte sich, wie ich beim Einschwenken meines kleinen Kampfflugzeugs in die Startbahn gesehen hatte, die Schneedecke über dem flachen Ackerland bis zu den Kiefernwäldern. Trotz der zwei Meilen Entfernung und der Nacht vermochte ich fast die Umrisse der einzelnen Bäume zu erkennen.

Vor mir lief der glatte schwarze Teerstreifen der Startpiste, gesäumt von zwei Reihen hellbrennender Lichter, die den von den Schneepflügen gebahnten festen Rollweg erleuchteten. Hinter den Lichtern türmten sich die Schneehaufen vom Vormittag, deren Flanken wieder hart gefroren waren, wo die Schaufeln des Räumfahrzeugs sie festgedrückt hatten. Weitab zu meiner Rechten ragte der Kontrollturm wie eine einzelne strahlende Kerze über die hell erleuchteten Hangars, wo in diesem Augenblick, als ich auf die Stimme des Flugleiters in meinen Kopfhörern wartete, das tief vermummte Bodenpersonal den Flugplatz für die Nacht dichtmachte.

Im Innern des Kontrollturms herrschten Wärme und festliche Stimmung, das wußte ich. Der ganze Stab wartete nur noch meinen Start ab, um gleichfalls Schluß zu machen, in die geparkten Autos zu springen und zu den Partys in den Club zu brausen. Minuten nach meinem Abflug würden die Lichter, eines nach dem anderen, erlöschen, das Feld geräumt sein bis auf die Herde der Hangars, die sich in der bitterkalten Nacht zusammenzuducken schien, die eingeschneiten Kampfflugzeuge, die schlafenden Tankwagen und, hoch über allem, das einsam blinkende Drehfunkfeuer, strahlend rot über dem schwarzen und weißen Flugfeld, das mit seinen Sichtsignalen den Namen der Station – Celle – in einen gleichgültigen Himmel morste. Denn heute nacht würden keine umherirrenden Piloten nach ihm Ausschau halten und ihre Peilung kontrollieren; heute war Christnacht, im Jahre des Heils 1957, und ich war ein junger Flugzeugführer, der auf Weihnachtsurlaub zu den Seinen in die Heimat wollte.

Ich hatte es eilig. Im blauen Schein des Instrumentenbretts, wo die vielen Zifferblätter schütterten und tanzten, sah ich auf meine Uhr: zweiundzwanzig Uhr fünfzehn. Im Cockpit war es warm und gemütlich, denn die Heizung lief auf vollen Touren, um ein Vereisen der Kuppel zu verhindern. Ich saß geborgen, warm und dicht verpackt wie in einem Kokon, der mich vor der bitteren Kälte draußen schützte, vor der eisigen Nacht, die einen Menschen, der ihr bei 600 Meilen pro Stunde ausgesetzt wird, in weniger als einer Minute töten kann.

»Charlie Delta …«

Die Stimme des Flugleiters, die in meinen Kopfhörern klang, als säße er bei mir in der winzigen Pilotenkanzel und brüllte mir direkt ins Ohr, weckte mich aus meiner Träumerei. Er hat schon mehr als einen gekippt, dachte ich. Schwerer Verstoß gegen die Dienstvorschrift, aber hol’s der Teufel, heute ist Weihnachten.

»Control … Charlie Delta«, erwiderte ich.

»Charlie Delta, cleared for take-off«, sagte er.

Ich gab die Rückbestätigung durch, schob mit der linken Hand den Gashebel leicht nach vorn und hielt mit der rechten die Vampire genau auf dem Mittelstreifen. Hinter mir schwoll der leise Pfeifton der Goblin-Turbine immer stärker an, wurde zum Schrei, dann zum Gebrüll. Der stumpfnasige Vogel glitt dahin, die Lichter zu beiden Seiten der Startbahn huschten in immer schnellerer Folge vorbei, bis sie einen einzigen Leuchtstreifen bildeten. Die Maschine bekam Auftrieb, die Nase hob sich leicht, das Bugrad löste sich von der Piste, und im gleichen Augenblick hörte das Rumpeln auf. Sekunden später hob das Hauptfahrwerk ab, und auch sein leises Poltern verstummte. Ich hielt die Maschine knapp über Boden und beschleunigte, bis mir ein Blick auf den Fahrtmesser sagte, daß wir über 120 Knoten hinaus waren und auf 150 zugingen. Als das Ende der Startbahn unter meinen Füßen wegsauste, zog ich die Vampire in eine sanft ansteigende Linkskurve und fuhr im gleichen Moment das Fahrwerk ein.

Unter und hinter mir hörte ich den dumpfen Schlag, mit dem das Hauptfahrwerk in seine Zellen einrastete, ich spürte den jähen Schub, als der Widerstand wegfiel. Vor mir erloschen die drei Lampen, die an die drei Räder mahnten. Ich hielt die Maschine in der ansteigenden Kurve und drückte mit dem linken Daumen auf die Funktaste.

»Charlie Delta, airborne, wheels up and locked«, sagte ich in meine Sauerstoffmaske.

»Charlie Delta, Roger, over to Channel D«, sagte der Flugleiter, und dann setzte er, noch ehe ich auf den anderen Kanal hatte umschalten können, hinzu: »Fröhliche Weihnachten.«

Eindeutig ein schwerer Verstoß gegen die Funkvorschriften. Ich war damals noch sehr jung und nahm es sehr genau. Aber ich erwiderte: »Vielen Dank, Tower, gleichfalls.« Dann schaltete ich auf die Frequenz der R.A.F.-Bezirkskontrolle für Norddeutschland um.

An meinem rechten Oberschenkel war die Navigationskarte befestigt, meine Route darauf in blauer Tinte ausgezogen, aber ich brauchte keine Karte. Ich wußte jede Einzelheit auswendig, ich hatte zuvor alles peinlich genau mit dem Navigationsoffizier in der Orterbaracke ausgearbeitet: Über Flugplatz Celle auf Kurs 265 Grad drehen, weiter steigen bis 27000 Fuß. Nach Erreichen dieser Höhe Kurs beibehalten und auf 485 Knoten beschleunigen. Meldung auf Kanal D über Einflug in dortige Kontrollzone, dann, einer geraden Linie folgend, über die holländische Küste südlich Beveland zur Nordsee. Nach 44 Minuten Flugzeit auf Kanal F umschalten und von Anflugkontrolle Lakenheath eine Peilung anfordern. Nach weiteren 14 Minuten befinden Sie sich über Lakenheath. Danach folgen Sie den Instruktionen. Sie werden mit Radarkontrolle auf den Endanflug eingewiesen. Kein Problem, alles Routineverfahren. 66 Minuten Flugzeit einschließlich Anflug und Landung, und die Vampire hatte genügend Treibstoff, um sich über 80 Minuten in der Luft zu halten.

Ende der Leseprobe