Der Ruf des Albatros - Nicole Beisel - E-Book

Der Ruf des Albatros E-Book

Nicole Beisel

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Beschreibung

Eine Welt, in der sie sich nicht bewegen können. Ein Gebäude, in dem sie nicht sein wollen. Betten, in denen sie nicht liegen möchten. Der Drang, etwas zu tun ist unermesslich. Schuld daran ist ein Unfall, verursacht durch Leichtsinn. Carolin und David fassen den Entschluss, aus diesem tristen Dasein zu entfliehen. Sie machen eine Reise. Sie müssen es tun, sie werden geführt. Es dauert, bis Carolin erkennt, dass ein ganz besonderer Gefährte sie begleitet: Ein Albatros. Er führt sie durch eine Welt, die irgendwie anders ist, aber nicht fremd. Das Ziel ist unbekannt, und doch wissen sie, wohin die Reise sie führen wird. Und der Albatros ist nicht die einzige Begleitung, da ist noch mehr… Ein Roman, der Hoffnung schenkt und zeigt, dass es mehr gibt, als ein Mensch verstehen kann.

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Seitenzahl: 259

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Nicole Beisel

Der Ruf des Albatros

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Kapitel 1

Prolog

1. Kapitel

2. Kapitel

3. Kapitel

4. Kapitel

5. Kapitel

6. Kapitel

7. Kapitel

8. Kapitel

9. Kapitel

10. Kapitel

11. Kapitel

12. Kapitel

13. Kapitel

14. Kapitel

15. Kapitel

16. Kapitel

17. Kapitel

18. Kapitel

19. Kapitel

20. Kapitel

21. Kapitel

22. Kapitel

23. Kapitel

24. Kapitel

25. Kapitel

26. Kapitel

27. Kapitel

28. Kapitel

29. Kapitel

30. Kapitel

31. Kapitel

32. Kapitel

33. Kapitel

34. Kapitel

Epilog

Impressum neobooks

Kapitel 1

Eine Welt, in der sie sich nicht bewegen können. Ein Gebäude, in dem sie nicht sein wollen. Betten, in denen sie nicht liegen möchten. Der Drang, etwas zu tun ist unermesslich. Schuld daran ist ein Unfall, verursacht durch Leichtsinn. Carolin und David fassen den Entschluss, aus diesem tristen Dasein zu entfliehen. Sie machen eine Reise. Sie müssen es tun, sie werden geführt. Es dauert, bis Carolin erkennt, dass ein ganz besonderer Gefährte sie begleitet: Ein Albatros. Er führt sie durch eine Welt, die irgendwie anders ist, aber nicht fremd. Das Ziel ist unbekannt, und doch wissen sie, wohin die Reise sie führen wird. Und der Albatros ist nicht die einzige Begleitung, da ist noch mehr…

Für meinen Sohn.

Der Ruf des Albatros

Von Nicole Beisel

Prolog

Weiße, kahle Wände, chemische Gerüche, kaltes Metall, schmale Betten mit harten Matratzen. Kein Platz, um sich umzudrehen, aber das muss hier auch niemand. Überall Flaschen und Beutel, Nadeln und Tabletten. Geräte, die laut piepsen, mal schneller, mal langsamer und in Einzelfällen auch durchgehend, bis jemand kommt und das Piepsen unterbindet. Die Hektik, die draußen auf den Fluren herrscht, umhüllt von hellgrünen und weißen Kitteln, die ebenfalls seltsam riechen.

Sieben Stunden zuvor, zwei Ortschaften weiter, auf der Autobahn. Es ist dunkel, mitten in der Nacht. Scheinwerfer, das leise Brummen des Motors, ruhige Musik aus dem Radio, das fröhliche Lachen einer Frau. Der Fahrer des Wagens stimmt mit ein, freut sich über einen gelungenen Abend mit seiner Frau und gemeinsamen Freunden. Es ist die Heimfahrt in einer Samstagnacht im Anschluss an einen runden Geburtstag einer Freundin. Sie hat ein wenig Alkohol getrunken, er hat wegen des Autofahrens darauf verzichtet. So war es vereinbart, er hat sich daran gehalten.

Anders als der junge Mann, der in dieser Nacht ebenfalls mit seinem Fahrzeug die gleiche Strecke befuhr, viel zu schnell unterwegs war und im Anschluss an seinen vorerst letzten Überholvorgang ohne jegliche Anzeichen die Spur wechselte, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzusehen. Vielleicht hatte er es eilig, vielleicht aber auch nicht, das wird sich erst noch zeigen. Selbst wenn niemand von den Beteiligten es eilig hatte in dieser Nacht, so ging doch alles viel zu schnell. Irgendjemand muss angehalten haben. Autoteile liegen auf der Fahrbahn, es riecht verbrannt. Jemand ruft den Notarzt und einen Krankenwagen, Helfer versuchen, verletzte Menschen aus den Trümmern der Fahrzeuge zu ziehen, sie zu retten, in Sicherheit zu bringen. Die Insassen sind schwer verletzt, sie sind bewusstlos, überall ist Blut, Gliedmaßen sind verdreht, ihre Augen sind geschlossen, die Münder leicht geöffnet, als würden sie nach Luft ringen. Die Fahrbahn wird geräumt, die Autowracks abgeschleppt. Die Verletzten werden versorgt und ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht, werden notoperiert und anschließend auf die Intensivstation verlegt.

David und Carolin bekommen von all dem nichts mit. Sie wissen nicht, dass der Unfallverursacher wieder bei Bewusstsein ist und versucht, sich an etwas zu erinnern, von dem er glaubt, es nie erlebt oder gar getan zu haben. Sie riechen nicht den Gestank nach verbrannter Haut, sie spüren nicht den Schmerz, der ihre Körper durchflutet. Sie hören nicht die Telefonate, in denen ihre nächsten Verwandten informiert werden und wissen nicht, wie wenig Hoffnung auf vollständige Genesung die Ärzte ihnen geben.

Denn sie liegen im Koma. Beide, gemeinsam, umgeben von mehreren Maschinen, lediglich getrennt durch eine Wand. Doch tief im Innern wissen sie, sie sind trotzdem zusammen. Sie sind da, können sich gegenseitig spüren. Sie können sich sogar sehen und riechen, können miteinander sprechen und einander zuhören. Sie sprechen nicht über das, was vor wenigen Stunden geschehen ist. Auch nicht darüber, was möglicherweise noch geschehen wird. Sie treffen lediglich eine Entscheidung: Sie gehen gemeinsam auf eine kleine Reise. Sie halten sich an der Hand, sie schweben, sie fliegen, fühlen den kühlen Wind, der sanft ihre Wangen streift und sind gespannt auf das, was sie auf dieser Reise erwartet…

1. Kapitel

Carolin sitzt an Davids Bett. Seine Augen sind noch geschlossen, sein Atem geht ruhig und gleichmäßig. Carolin ist voller Tatendrang, sie will etwas tun, etwas erleben. Sie will sich bewegen, etwas sehen, das Hier und Jetzt genießen, die Zeit nutzen, die ihr noch bleibt und etwas für sie Sinnvolles und Wichtiges tun. Sie hat das Gefühl, von etwas oder jemandem angespornt zu werden, irgendetwas da draußen zieht sie magisch an, sie möchte ihm folgen, möchte sehen, wer oder was sie zu sich ruft. Aber sie kann nicht ohne ihn gehen. Sie will nicht ohne ihn gehen. Sie nimmt Davids Hand, streicht ihm mit ruhigen Fingern über die Wange und flüstert ihm leise zu: "David, wach auf! Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, die Vögel zwitschern und die Blätter der Bäume flattern sanft im Wind. Komm, lass uns nach draußen gehen! Beeil dich, wir haben nicht viel Zeit!" David wirkt noch sehr müde und verschlafen, fast schon zu erschöpft, um seine Augen zu öffnen und seine Frau anzusehen, die mit einem freudestrahlenden Lächeln im Gesicht auf ihn hinabsieht und ihn dazu animiert, das, was sie haben, in vollen Zügen zu genießen, anstatt den lieben langen Tag mit geschlossenen Augen und ohne jegliche Bewegung seiner Gliedmaßen im Bett zu verbringen. So war sie schon immer gewesen, munter und lebensfroh. Sie arbeitet als Immobilienmaklerin und ist auch in ihrer Freizeit so oft es geht an der frischen Luft unterwegs. Sie liebt es, ihr Gesicht einer warmen Sommerbrise entgegen zu strecken, liebte den Geruch von frisch gemähtem Rasen oder bunten Blumen, die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut. Auch im Winter hält sie sich gerne draußen auf und stapft mit ihren dicken Winterstiefeln durch den Schnee während die klirrend kalte Luft ihre Nase rot färbt. Doch jetzt sitzt sie hier in einem Gebäude, das sie gar nicht mag, ihr Körper liegt bewegungslos im Zimmer nebenan, ähnlich wie Davids Körper in diesem Raum liegt, übersät mit Verletzungen, vollgepumpt mit Medikamenten von denen niemand so genau weiß, was sie tatsächlich mit ihrem Körper anstellen. Sie sitzt noch immer an Davids Bett, während dieser weiterhin damit kämpft, die Augen zu öffnen und sich langsam aufzusetzen, damit er aufstehen und Carolins Vorschlag folgen kann. Raus an die Luft, das ist eine gute Idee. Etwas sehen, die Augen nach schönen Dingen offen halten und einfach ihre Nähe spüren. Sie hat recht, sie müssen sich beeilen und jeden Augenblick nutzen, solange sie noch die Möglichkeit haben. Carolin erhebt sich langsam von Davids Bett, noch immer seine Hand haltend, und zieht ihn sachte mit sich. Sie laufen nicht, sie schweben. Nicht durch die Tür des Zimmers, denn das kann ja jeder. Nein, sie schweben weiter, sie fliegen. Hinaus zum Fenster, das einen Spalt breit offen steht, hinaus in die Natur, um ihren Gipsverbänden zu entfliehen und die Freiheit zu spüren. Sie drehen sich nicht um, sie lassen ihre Körper in den kahlen, sterilen Zimmern hinter sich. Sie fliegen höher und höher, über sämtliche Wiesen und Dächer hinweg, durch Bäume hindurch, beinahe auf gleicher Höhe wie die Vögel und Schmetterlinge, die sie auf ihrem Weg ein kleines Stück zu begleiten scheinen. David hat immer noch ein wenig Mühe, wach zu bleiben und hält Carolins Hand ganz fest, damit sie ihn weiter mit sich ziehen kann, damit David nicht den Halt verliert und unvermittelt wieder zu Boden stürzt. Er lässt sie nicht los, er will sie begleiten, selbst wenn es ihn noch so große Mühe kostet. Auf keinen Fall lässt er sie alleine weiterziehen, denn er weiß im Moment noch nicht genau, wohin die Reise geht und ob sie jemals wieder zurückkehren werden. David hofft, dass ihre Wege sich nicht trennen werden und im Moment sieht alles danach aus, als würden sie beide gemeinsam eine lange Reise unternehmen, ohne zeitliche Einschränkung, ohne festes Ziel und doch überall hin.

Es gibt keinen bestimmten Grund für diese Reise, und wenn doch, so kennen sie ihn nicht oder haben ihn weit von sich geschoben. Lediglich Carolin verspürt den Drang, sie hat das Gefühl, dass sie es tun muss. Es ist eine seltsame Reise, ohne bestimmte Pläne, ohne Gepäck und ohne feste Dauer, ohne ein Gefährt, das sie von einem Ort zum nächsten bringt. Sie haben nur sich, und das ist mehr, als sie sich wünschen können und zugleich alles, was sie brauchen, um diese Reise unternehmen zu können.

Was wird sie auf dieser Reise wohl erwarten? Was werden sie sehen, wo werden sie sich aufhalten? Wem werden sie begegnen? Werden sie Gleichgesinnte treffen, die eine ähnliche Reise unternehmen, wie sie beide? Werden sie etwas Aufregendes erleben oder einfach die Ruhe genießen? Hat diese Exkursion einen tieferen Sinn oder ist es ein reiner Zeitvertreib? Das alles sind Fragen, die sie sich unter normalen Umständen stellen würden, aber diesmal interessiert es sie nicht. Es ist eine spezielle Reise, von der nur David und Carolin wissen. Diese Reise soll ihr Geheimnis bleiben, bis an ihr Lebensende – und noch weit darüber hinaus.

~

Fassungslosigkeit steht ihnen ins Gesicht geschrieben, Tränen füllen ihre Augen, ein leises Schluchzen erfüllt den Raum und stört das Piepsen der Maschinen. Das Beben ihrer Schultern stellt neben dem Schütteln ihrer Köpfe die einzige Bewegung in diesem Raum dar. Davids Eltern stehen an seinem Bett, können nicht glauben, wen oder was sie sehen, können nicht verstehen, dass dieser leblose und demolierte Körper ihrem Sohn gehört, der zwar hier in diesem Raum liegt, aber doch nicht hier bei ihnen ist. Er kann sich nicht mit ihnen unterhalten, er kann sie nicht ansehen und sie womöglich auch nicht hören oder fühlen, wie sie sanft und ehrfürchtig ihre Hand behutsam auf seine freien Fingerspitzen legen während der Rest des Arms bis hoch zur Schulter die schwere Last des Gipsverbands zu tragen hat. Sie wissen nicht, was sie denken sollen, woran sie glauben dürfen oder wie viel Hoffnung sich in ihnen breit machen darf. Sie bleiben eine Weile bei ihm, berühren ihn immer wieder, so gut es eben geht, fragen sich ständig, warum das hat passieren müssen. An die Zukunft wollen sie nicht denken, auch nicht an die kommenden Wochen oder Tage, noch nicht einmal an die kommenden Stunden und Minuten, denn dazu ist ihre Angst noch viel zu groß, der Schock noch viel zu tief, das Geschehene noch nicht ganz begriffen. Wenig später gehen sie in das Zimmer nebenan, wo Carolins Vater bereits ebenfalls am Bett seiner Tochter sitzt, die als solche kaum noch zu erkennen ist. Weinen kann er nicht, dazu ist es noch zu früh. Er kann es nicht verstehen, es nicht begreifen und er weiß im Moment noch nicht, ob sein letzter Funken Hoffnung, der letzte Strohhalm, an den er sich klammert, das Recht hat, sich in seinem Innern breit zu machen. Er weiß nicht, ob er hoffen darf oder ob er damit nur seine Zeit verschwendet während er versucht, an ein Wunder zu glauben. Reicht es denn nicht, dass er bereits seine Frau verloren hat? Muss ihn seine Tochter vielleicht ebenfalls bald verlassen? Schweigend sitzt er da, bemerkt kaum, dass weitere Personen den Raum betreten und ihre Hände behutsam und voller Mitgefühl auf seine Schultern legen. Sie möchten gerne etwas sagen, aber sie bringen kein Wort heraus, also schweigen sie gemeinsam und zeigen einander durch einfache, kleine Gesten, dass sie füreinander da sind. So sitzen sie stundenlang da, schweigend, hoffend, bangend. Wischen sich immerzu frische Tränen aus dem Gesicht, nur, um Platz zu machen für neue. Sie wünschten, sie könnten ihren Kindern die Verletzungen und die Schmerzen nehmen und ihnen das frohe Leben geben, das sie am Abend zuvor noch gehabt hatten. Dabei wissen sie nicht, wie gut es ihren Kindern, die schon lange selbst Erwachsene sind, eigentlich gerade geht. Dass sie glücklich sind, dass sie beisammen sind, dass sie eine lange und beinahe unglaubliche Reise unternehmen und so viel mehr sehen, als man es jemals für möglich halten könnte…

2. Kapitel

David und Carolin fliegen immer weiter. Sie staunen über die Dinge, die sie von hier oben sehen können. Sie sind ganz begeistert vom Wind, der sich hier oben irgendwie anders anfühlt als unten auf der Erde, wo man festen Boden unter den Füßen hat, von den Wolken, die sie umgeben, durch die sie hindurch fliegen und die von hier oben aus schon gar nicht mehr ganz so weiß aussehen, sondern eher milchig grau, fast wie Nebel an einem kühlen Herbstmorgen wie man ihn beobachten kann, wenn man schon früh aus dem Fenster schaut, kurz, bevor man sich auf den Weg zur Arbeit macht. "Wo gehen wir denn hin?" David versucht, gegen den Wind anzukämpfen und hofft, dass seine Worte laut und deutlich genug sind, um an Carolins Ohr zu dringen, die ihm zwei Armlängen voraus ist, als kenne sie den Weg ganz genau, als hätte sie ein festes Ziel vor Augen. "Ich weiß es nicht genau. Ich weiß nur, dass wir in diese Richtung müssen." Sie zeigt mit dem Finger in den blauen Himmel, aber außer einigen Wolken ist nichts weiter zu erkennen, zumindest nicht auf der Höhe, auf welcher sie sich gerade befinden. Auch auf dem Boden gibt es nichts, das Davids Blick anziehen würde, nichts, das seine Neugier stillen könnte. "Und woher weißt du, dass wir dort hin müssen?" David lässt nicht locker, er will – wie immer – alles genauestens wissen. Er kann es nicht leiden, wenn er die Kontrolle über etwas verliert oder etwas Unvorhergesehenes passiert, wie etwa der Vorfall von letzter Nacht, den er momentan jedoch vergessen zu haben scheint. Zumindest denkt er nicht darüber nach und es kommt ihm auch nicht seltsam vor, dass er plötzlich fliegen kann. Er lässt sich einfach von Carolin führen. "Irgendetwas führt mich, aber ich kann dir nicht genau sagen, was es ist. Vertrau mir einfach." Aha, also führt Carolin selbst ihn auch nicht, sondern sie wird geführt, oder gerufen, so scheint es. Aber sie lässt nichts weiter darüber verlauten und David gibt es auf, weiter danach zu fragen. Er lässt sich einfach mitziehen und ist gespannt auf das, was ihn erwartet.

Carolin erzählt David nicht, was es ist; wem oder was sie beide folgen. Sie selbst weiß es auch nicht genau, denn sie kann es selbst nicht sehen. Noch nicht, vielleicht bald, aber sicher ist es nicht. Sie weiß nur, dass sie ihm folgen muss. Es bleibt zwar vor ihren Augen verborgen, aber sie hört etwas, immer wieder und es fühlt sich nicht fremd an, im Gegenteil. Ihr ist, als hätte sie es schon einmal gehört, etwas, das sie tief im Herzen berührt obwohl sie nicht mit Sicherheit sagen kann, dass sie es tatsächlich kennt. Es scheint eine Melodie zu sein, eine ruhige und sanfte Melodie, ein wenig melancholisch, traurig vielleicht. Eine Melodie, die gerade eigentlich gar nicht zu ihrer Stimmung passt, denn sie fühlt sich frei und unbeschwert, sie scheint glücklich zu sein, ihre Neugier ist geweckt und sie freut sich auf das, was sie noch erleben wird. Wird sie das, etwas erleben? Lebt sie gerade? Und ob sie das tut, denn sie ist nicht tot. Sie lebt, und sie wird etwas erleben. Gemeinsam mit David. So, wie es immer war. Sie haben schon so einiges zusammen erlebt, aber sie will jetzt nicht an die Vergangenheit denken, sondern will ihr Leben genießen, solange sie es noch kann.

Noch immer hört sie diese Melodie, aber ihr will einfach nicht einfallen, woher sie sie kennt oder womit sie dieses Lied, dieses Zusammenspiel einiger weniger Instrumente in Verbindung bringen könnte. Aber sie kann die Melodie ganz deutlich hören. Es hört sich an, als würde eine alte Schallplatte abgespielt werden, es rauscht ein wenig, ganz leise, aber deutlich zu hören. Da sie sowieso keine Antworten auf ihre Fragen bekommt, macht sie sich keine weiteren Gedanken darum, sie lauscht der Musik still weiter, fliegt, zieht David mit sich, dessen Hand noch immer fest in ihrer liegt, als wären sie miteinander verschweißt, als gäbe es nichts, das sie trennen könnte. Sie schauen quer durch den Himmel, schauen sich die Wolken und Vögel an, die Schmetterlinge und Insekten, die ein Stück tiefer fliegen als sie beide. Sie schauen hinab auf die Erde unter ihnen, auf die Häuser und Straßen, auf die Autos, die durch die Straßen fahren, auf die Menschen, die einen gemütlichen Sonntags-Spaziergang machen, teils alleine, teils mit ihrem Partner. Andere Frauen und Männer wiederum schieben Kinderwägen oder Rollstühle vor sich her. Ein recht zufriedener Ausdruck liegt in ihren Gesichtern, sie genießen, gesättigt vom Sonntagsbraten, das warme und sonnige Wetter mit ihrer Familie und freuen sich auf den Kaffee und den Kuchen zum Nachmittag. Sie schauen in den Himmel und sehen die Sonne und die dünnen Wolken, die alle paar Minuten zumindest für kurze Zeit ein kleines bisschen Schatten spenden, bevor die Sonne ihre Strahlen wieder aus ihrem Versteck holt. Aber sie sehen nicht, dass sie beobachtet werden. Sie sehen nicht, wie zwei Menschen sich gefährlich nah an der Sonne bewegen ohne zu verbrennen, wie sie fliegen, ohne in einem Flugzeug zu sitzen oder Flügel zu haben, wie sie schweben, ohne Engel zu sein. Zumindest ist es das, was David und Carolin glauben. Sie sind keine Engel, sie sind einfach sie selbst, David und Carolin. Eheleute, glücklich verheiratet, gesund und munter, sonst wären sie doch jetzt nicht hier.

Plötzlich wird Carolin langsamer, ihr Gesichtsausdruck zeigt leichte Verwunderung, sie bleibt stehen, schwebt auf der Stelle. "Was ist?" Auch David hält zwangsläufig inne. Sarah lauscht noch einen kleinen Augenblick, ehe sie antwortet. "Es ist weg." Davids Verwunderung wächst augenblicklich. "Was ist weg?" Carolin scheint in Rätseln zu sprechen. "Ich kann es nicht mehr hören. Diese Melodie. Sie ist weg." Carolin hatte nichts von einer Melodie erwähnt. "Welche Melodie denn?" David konnte es noch nie leiden, wenn seine Fragen unbeantwortet blieben, aber Carolin sagt nichts weiter. Stattdessen dreht sie ruckartig den Kopf in die Richtung, aus der sie kamen und setzt zum Weiterfliegen an. "Warum gehen wir denn jetzt wieder zurück? Ich dachte, du kennst den Weg?" Carolin weiß es selbst nicht so genau. Sie weiß nur, dass sie wieder zurück muss, zurück an ihren Startpunkt, an dem ihre Reise begann. Zurück zu dem Gebäude, das so seltsam riecht und nicht sehr wohnlich aussieht, obwohl so viele Betten darin stehen, zurück zu dem Bett, an dem sie saß, um David zu wecken und ihn zu überreden, mit ihr zu kommen. Warum nur muss sie zurück? Sie hatten sich doch gerade erst auf den Weg gemacht, sie will doch noch so viel sehen. Aber wieder ist da etwas, das sie anzieht, als würde etwas oder jemand sie rufen, obwohl sie nichts hören kann. Sie kann sich nicht dagegen wehren, sie muss zurück. Es wird nicht lange dauern, bald wird sie eine Antwort auf ihre ungeplante Rückkehr bekommen – und gleichzeitig den wohl größten Schock ihres bisherigen Lebens.

3. Kapitel

Sie kommen immer näher. Näher an die Erde, näher an die Menschen, die hier wohnen, näher an dieses kalte Gebäude, das von außen so modern aussieht, dass man sich kaum vorstellen kann, dass das Innere dieses riesigen Betonblocks vor allem vor noch modernerer Technik nur so strotzt. Vor dem Fenster des Zimmers, in dem Carolins lebloser und stark verformter Körper liegt, bleiben sie stehen. Carolin drückt ihre Nase gegen die Scheibe und hält ihre Hände leicht rund um ihre Augen, damit die Sonne sie nicht zu sehr blendet. Sie kann nicht glauben, was sie da sieht. Sie schnappt nach Luft, obwohl ihr gleichzeitig der Atem stockt. Sie schaut direkt in ein Krankenzimmer. Darin befinden sich ein kleiner Tisch, einige Apparate, die sämtliche Zahlen und Linien darstellen, Lichter blinken, ein leises Piepsen dringt durch die geschlossene Fensterscheibe. Nun weiß sie, was sie hierher gelockt hat, was sie dazu veranlasst hat, ihre Reise zu unterbrechen und noch einmal zurück zu kehren. Sie sieht ein Bett, es steht mit dem Kopf an der Wand inmitten der Maschinen. Sie sieht ihre Schwiegereltern, die an diesem Bett stehen, ihre Schwiegermutter hat ihre Hand auf die Schulter eines Mannes in ihrem Alter gelegt, der auf einem Stuhl sitzt und mit starrem Blick auf das Bett starrt. Das Bett, in dem seine Tochter liegt. Carolin. Erst jetzt kann sie es erkennen. Sich selbst erkennen, wie sie daliegt, regungslos, stumm, mit geschlossenen Augen, umhüllt von Verbänden, die größtenteils unter einer Bettdecke versteckt sind, sämtliche Kabel und Schläuche an und in ihrem Körper, der sonst immer top in Form gewesen war, wovon hier jedoch nichts mehr zu sehen ist. Was soll das? Warum liegt sie so da? Warum ist sie nicht draußen, macht Sport, hat Spaß und genießt ihr Leben? Warum stehen und sitzen sie alle an ihrem Bett und schauen so traurig und hoffnungslos aus? Und wie kann es sein, dass sie sich selbst in diesem Bett liegen sieht, obwohl sie doch eigentlich direkt vorm Fenster steht, die frische Luft und das tolle Wetter genießt? Oh mein Gott, ist sie etwa…? Aber nein, das kann ja nicht sein, sonst würde ihr Körper dort nicht mehr liegen und ihr Brustkorb würde sich nicht heben und senken, wie es gerade der Fall ist, viel zu gleichmäßig für ein selbständiges Atmen. Bevor sie diesen schlimmen Gedanken weiterdenken kann, kommen neue Fragen in ihr auf. Wo ist David? Sollte er als ihr Ehemann nicht auch an ihrem Bett stehen und bei ihr sein? Moment, gerade eben ist er noch mit ihr durch die Wolken geflogen, seine Hand fest mit ihrer eigenen verbunden. Sie dreht sich um, aber David steht nicht mehr hinter ihr. Wo ist er nur? Ist er noch immer bei ihr? Wo ist sein Körper? Da fällt ihr etwas ein. Sie erinnert sich zurück an den Beginn ihres Ausflugs. Richtig, sie saß ja an seinem Bett, kurz bevor sie losgeflogen sind in einem Zimmer, das fast genauso aussah, wie dieses hier, in dem ihr eigener Körper liegt, in dem ihre Familie nach kaum vorhandener Hoffnung schöpft. Ob er noch immer dort liegt? Sie schaut noch ein letztes Mal zurück in den Raum, in dem ihre Familie um ihr Leben bangt, wie es scheint. Sie spürt nichts von alledem, gerade eben ging es ihr noch so gut und nun muss sie mit ansehen, wie ihr eigenes Leben langsam zu Ende geht. Oder tut es das etwa gar nicht? Ist es nur ein längerer Schlaf, eine Art Auszeit, um sich zu erholen, um wieder vollständig zu genesen? Also vielleicht doch eine Art Urlaub, welchen sie nutzt, um eine wundersame Reise zu unternehmen? Widerwillig wendet sie den Blick erneut ab, schaut nach rechts und sieht David ebenfalls vor einem Fenster stehen. Sie läuft auf ihn zu, er schaut durch das Fenster hindurch, hinein in sein eigenes Zimmer, schaut auf sein eigenes Bett, auf seinen eigenen Körper. Seine Miene ist ernst und doch beinahe ausdruckslos. Als wäre er traurig, ohne es zeigen zu wollen. Als wäre er fassungslos, ohne sich etwas anmerken zu lassen. Als würde er überlegen, ob er selbst noch Hoffnung hat und wenn ja, wie viel davon. Als würde er sich gerade erst wieder erinnern, was geschehen war, sofern er es überhaupt wusste. David weiß selbst nicht so recht, was er nun denken soll, ob er in diesem Augenblick überhaupt zum Denken fähig ist. Er sieht sich da liegen, regungslos, an Maschinen angeschlossen. Wenn man sich die Hälfte der sich im Zimmer befindlichen Gegenstände wegdenkt, könnte man meinen, er schläft. Ganz einfach, ohne Grund, weil er müde ist und weil Menschen eben auch mal schlafen, um Energie zu tanken. Vielleicht ist es ja auch nur das, oder zumindest etwas ähnliches? Vielleicht schläft er einfach nur, er erholt sich, er tankt Kraft, er kuriert sich aus, damit sein Körper heilen kann, damit seine Wunden sich schließen und die Einzelteile seiner Knochen wieder zu ganzen Gliedmaßen zusammenwachsen können. Das wird es sein, er ruht sich aus. Und genauso fühlt es sich auch an. Er ist ruhig, ganz entspannt. Er sieht seinen Körper und sieht, dass er schlimm aussieht, aber er hat trotzdem das Gefühl, dass alles in Ordnung ist und dass alles wieder gut wird. Er hat sich diese Pause verdient.

Carolin stellt sich neben David und schaut nun durch das gleiche Fenster hindurch. Und tatsächlich, dort liegt er. Ähnlich wie sie selbst im Zimmer nebenan, lediglich sein Gesicht zeigt weniger Blessuren auf. Warum war ihr das vorhin nicht aufgefallen? Sie hätte schwören können, sie wären zu Hause, in ihrem eigenen Schlafzimmer, in ihrem eigenen Ehebett. Sie hatte sich wohl gefühlt, geborgen und gut aufgehoben. So, wie man sich zu Hause eben fühlt. Wieder kommen schlimme Gedanken in ihr auf. Ist das hier etwa ihr neues Zuhause? Nein, sicher nicht. Niemand nennt ein Krankenhaus sein 'Zuhause', noch nicht einmal die Ärzte und Krankenschwestern. Außerdem will Carolin so schnell wie möglich wieder in ihr richtiges Zuhause. Aber wird das je wieder möglich sein? Wird sie je nach Hause zurückkehren können, mit David an ihrer Seite? "Was ist passiert, warum liegen wir hier? Kannst du dich an irgendetwas erinnern?" David schüttelt kaum merklich den Kopf, den Blick noch immer auf sich selbst gerichtet, obwohl er nur geradeaus schaut. "Nein, ich weiß nicht, was passiert ist, bevor wir hierher kamen, oder vielmehr, bevor wir hierher gebracht wurden. Aber es muss etwas Schlimmes gewesen sein, und ich denke, wir können von Glück sagen, dass wir noch leben, auch wenn es allem Anschein nach nicht sehr gut für uns aussieht." David ist klar und sachlich, ernst, redet sich nichts schön, sieht die Dinge, wie sie sind, auch wenn die Themen nicht sehr angenehm sind, auch wenn er selbst dabei ganz ruhig und gelassen bleibt und sich an seinen letzten Funken Hoffnung klammert. Carolin sieht ihn erschrocken an. "Was willst du damit sagen, 'es sieht nicht gut aus'? Soll das etwa heißen, dass wir sterben? Sieh doch nur, sieh doch mal genauer hin! Wir ruhen uns aus, wir erholen uns und sorgen dafür, dass unsere Verletzungen heilen können. Wir werden umsorgt, es kümmert sich jemand um uns. Es wird sicher alles gut werden!" Carolin fleht ihn förmlich an, noch ein wenig mehr Hoffnung zu zeigen, wobei David tief im Innern wohl mehr Hoffnung hat, als sie selbst. Carolin hingegen will gerne so viel Hoffnung haben, wie sie vorgibt, dabei ist sie diejenige von beiden, deren Angst größer ist. "Ich sehe es doch. Vielleicht wird alles gut, vielleicht aber auch nicht. Ich weiß nicht genau, was es ist, aber uns ist etwas passiert, vielleicht ein Unfall, vielleicht sind wir aber auch Opfer eines Verbrechens geworden. Aber wir sind schwer verletzt und wir liegen im Koma. Ich bin sicher, die Ärzte tun, was sie können, aber auch sie können keine Wunder vollbringen. Wir können nur das Beste hoffen, aber trotzdem müssen wir uns immer vor Augen halten, dass auch die Ärzte es vielleicht nicht schaffen könnten. Dass uns vielleicht nichts und niemand mehr am Leben halten kann. Dass uns vielleicht nichts mehr retten kann, vielleicht ist es bereits zu spät." David hat recht. Sie spürt es, sie weiß es, sie kennt sie. Die Wahrheit, und sie kann sich nicht dagegen wehren…

4. Kapitel

Sie gehen zurück zu dem Fenster, das den Blick in Carolins Krankenzimmer gewährt. Das Bild ist noch das gleiche, wie vor wenigen Minuten. Nichts hat sich verändert, es scheint, als hätte jemand am DVD-Spieler auf Pause gedrückt. Sie können sich kaum an etwas erinnern, sie sehen lediglich den Zustand ihrer Körper und erkennen ihre Familie. Aber sie kennen nicht den Grund für diese Szenen, wissen nicht, was geschehen ist, sie wissen allgemein im Moment nicht sehr viel. Trotzdem hat Carolin das Gefühl, dass etwas fehlt, als gäbe es eine weitaus größere Lücke als die ihres Gedächtnisses, aber sie kann nicht sagen, was genau sie an all dem, was sich im Moment abspielt, vermisst. Sie weiß nur, dass sie das nicht länger sehen will. Sie will hier weg, will wieder ihre letzten Momente genießen, will wieder Davids Hand nehmen, sie festhalten und ihn mit sich ziehen, irgendwohin, an einen ruhigen und schönen Ort. Denn wenn Davids Befürchtungen sich bewahrheiten sollten, würde sie nicht mehr weit kommen. Sie will ihre Familie nicht so traurig sehen, sie will nicht sehen, wie sie hoffen und bangen, wie sie ihre Zuversicht wieder aufgeben, um kurz darauf doch noch an das Gute zu glauben. Als hätte jemand oder etwas Carolins Gedanken lesen können, hört sie wieder dieses Geräusch, dieses leise Rauschen, das vorhin schon so anziehend auf sie gewirkt hatte, ein zartes 'flap, flap', dem sie im Unterbewusstsein gefolgt war, als würde jemand ihren Namen rufen. "Ca-ro, Ca-ro". Ihre Mutter hatte sie immer so genannt, damals, als sie noch lebte, bevor sie krank wurde, bevor sie zu schwach wurde, um zu sprechen, bevor sie letztendlich starb. Ist das etwa ihre tote Mutter, die sie da hört? Ruft sie sie, so wie damals? Warum sollte sie das tun? Ihre Mutter ist tot, aber Carolin will leben. Sie will überleben, sie will ihre Familie nicht im Stich lassen, will ihrer Mutter noch nicht so früh folgen. Sie will ihr Leben noch nicht aufgeben, sie hat noch so viel zu tun, möchte noch so viele Dinge erleben und möchte David noch nicht verlassen müssen. Deshalb ist es auch so wichtig, dass sie nun immer beieinander bleiben, Seite an Seite, auch wenn sie nicht wissen, was die Zukunft ihnen bringt.

Carolin sagt nichts. Sie lauscht nur den Geräuschen, dem Rauschen, das dem eines Meeres gleicht, das 'flap, flap', das sie an die Stimme ihrer Mutter erinnert, die sie immer sanft beim Kosenamen rief. Sie dreht sich weg. Weg vom Fenster, weg von ihrer Familie, weg von ihrem Körper, weg von diesem kalten und leblosen Gebäude. Sie nimmt Davids Hand, woraufhin auch er sich umdreht. Sie sehen sich an, heben langsam ab – und schweben wieder. Hinauf in den Himmel zu den Wolken und durch die Bäume hindurch, vorbei an hübschen Häusern und fliegenden Tieren, egal, ob groß oder klein. David lässt sich führen, gibt keinen Widerstand, denn er weiß, wie wichtig diese Reise für Carolin ist und er weiß ebenfalls, dass er sie nicht aufhalten kann, aber dass er ihr – zumindest ein Stück weit – folgen muss, wenn er weiterhin bei ihr sein will. Wohin die Reise sie letztendlich führt, wissen sie beide nicht genau – aber sie wissen, dass sie sie gemeinsam machen werden, wo auch immer das Ziel liegen mag.