Hass mich nicht - Nicole Beisel - E-Book

Hass mich nicht E-Book

Nicole Beisel

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Beschreibung

Liebe und Hass – völlig verschieden und doch ganz nah beieinander. Eine Erfahrung, die auch Rachel und Jeffrey machen müssen. Als Jeffrey sich endlich dazu durchringt, Rachel sein innigstes Geheimnis anzuvertrauen, reagiert sie anders als erwartet, und das aus einem ganz bestimmten Grund. Denn auch sie hätte ihm etwas sehr Wichtiges mitzuteilen, was ihr nach Jeffreys Geständnis jedoch nicht mehr möglich ist. Plötzlich sieht sie ihn mit anderen Augen und flieht vor ihm. Verzweifelt wendet sie sich an ihre Freundin Elizabeth, bis auch diese Rachel ungewollt verletzt. Ein Kampf um Liebe und Freundschaft beginnt, wobei einzig und allein das Leben im Mittelpunkt steht. "Hass mich nicht" ist der dritte und abschließende Teil nach "Vermiss mich nicht" und "Vergiss nicht, mich zu lieben". Auch das Weihnachtsspecial "Weihnachtszauber in letzter Minute" gehört zu dieser Reihe.

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Seitenzahl: 161

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Nicole Beisel

Hass mich nicht

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Zum Buch:

Elizabeth

Jeffrey

Rachel

Timothy

Jeffrey

Rachel

Elizabeth

Jeffrey

Rachel

Jeffrey

Rachel

Jeffrey

Rachel

Jeffrey

Rachel

Timothy

Jeffrey

Rachel

Jeffrey

Rachel

Elizabeth

Timothy

Rachel

Jeffrey

Elizabeth

Jeffrey

Rachel

Elizabeth

Rachel

Jeffrey

Elizabeth

Timothy

Rachel

Jeffrey

Elizabeth

Rachel

Danksagung

Impressum neobooks

Zum Buch:

Liebe und Hass – völlig verschieden und doch ganz nah beieinander. Eine Erfahrung, die auch Rachel und Jeffrey machen müssen. Als Jeffrey sich endlich dazu durchringt, Rachel sein innigstes Geheimnis anzuvertrauen, reagiert sie anders als erwartet, und das aus einem ganz bestimmten Grund. Denn auch sie hätte ihm etwas sehr Wichtiges mitzuteilen, was ihr nach Jeffreys Geständnis jedoch nicht mehr möglich ist. Plötzlich sieht sie ihn mit anderen Augen und flieht vor ihm. Verzweifelt wendet sie sich an ihre Freundin Elizabeth, bis auch diese Rachel ungewollt verletzt. Ein Kampf um Liebe und Freundschaft beginnt, wobei einzig und allein das Leben im Mittelpunkt steht.

Liebe wird immer stärker sein als Hass,

denn sie beginnt bereits mit unserem ersten Atemzug.

Elizabeth

Neues Jahr, neues Glück

Weihnachten ist vorbei, das neue Jahr hat begonnen und das alte Jahr haben wir hinter uns gelassen, nicht jedoch ohne unsere Erinnerungen an die turbulenten und verrückten, aber letztlich doch auch schönen Feiertage. Die Zeit mit Grandma und schließlich auch mit meiner Mutter war wunderbar, auch wenn ich mich den beiden noch weiter annähern muss. Vor allem meiner Mutter, auf die ich vor wenigen Wochen noch so unendlich wütend war, weil sie mir in all den Jahren stets das Gefühl gab, nicht willkommen zu sein, sogar wie eine Last habe ich mich gefühlt, seit mein Vater uns verlassen hat, als ich fünf Jahre alt war. Auch nach dem Anschlag meiner Stiefschwestern auf mich, wodurch ich vorübergehend mein Gedächtnis verlor, hat sich meine Mutter nicht um mich geschert.

Aber nun ich bin froh, dass Timothy und vor allem Grandma mir dabei geholfen haben, das Band zwischen meiner Mutter und mir neu zu knüpfen, sodass wir einen Neubeginn wagen konnten. Auch mit Tim läuft alles bestens. Wir genießen unsere Ehe in vollen Zügen und lassen die Zukunft auf uns zukommen. Kurzum: Ich bin wunschlos glücklich.

Aber leider scheint es Rachel nicht so gut zu gehen wie mir. Eigentlich sollte sie ebenso glücklich und zufrieden sein. Immerhin sind sie und Jeff gerade aus ihrem ersten gemeinsamen Urlaub in einer hübschen, winterlichen Hütte zurückgekehrt. Aber ihr Anruf am heutigen Samstagmorgen verwirrt mich und erinnert mich an unser Gespräch, das wir kurz nach den Flitterwochen führten, in dem sie mir mitteilte, dass sie glaubte, Jeff würde ihr etwas verheimlichen. Scheinbar hat sich diese Unsicherheit noch immer nicht gelegt.

„Hi, Liz. Frohes neues Jahr! Habt ihr schön gefeiert?“ Ich höre ihr an, dass sie sich darum bemüht, einen lockeren Ton anzuschlagen.

„Hi. Danke, dir auch. Ja, war ganz nett. Ich habe dir eine ganze Menge zu erzählen, aber das mache ich mal in Ruhe, wenn wir uns treffen. Wie war euer Urlaub?“ Und da war er dahin, der lockere Ton.

„Ach, ganz gut.“

„Ist das alles? Eigentlich hatte ich etwas mehr erwartet,“ gebe ich mich enttäuscht.

„Ja, es war schön.“ Ich schweige beharrlich, damit sie weiterspricht. „Wirklich. Wir hatten Schnee, eine schöne Hütte mit Kamin und wir waren ständig auswärts essen und haben die freie Zeit genossen.“

„Wirklich?“ Ich ziehe meine Augenbrauen hoch, obwohl sie mich nicht sehen kann, aber mir ist gerade einfach danach.

„Also schön. Es war tatsächlich so, wie ich es dir gerade geschildert habe. Aber ich glaube immer noch, dass etwas mit Jeff nicht stimmt. Dass er ein Geheimnis hat oder so. Oder eine Geliebte.“ Beinahe muss ich losprusten.

„Jetzt übertreibst du aber! Jeff und eine Geliebte? Das glaubst du doch selbst nicht. Vielleicht ist er einfach so? Ruhig und verschlossen. So gut kenne ich ihn nun auch wieder nicht.“ Rachel klingt verzweifelt.

„Anfangs war er doch auch nicht so. Da muss einfach mehr dahinterstecken.“ Gerade als ich antworten will, kommt Tim ins Wohnzimmer und plappert einfach drauflos, ehe er sieht, dass ich telefoniere.

„Liz, Jeff ist am Telefon. Er lässt fragen, ob wir uns heute Abend zu viert im Pub treffen und auf das neue Jahr anstoßen wollen.“ Ich grinse und zeige mit meiner freien Hand auf den Hörer.

„Rachel. Ich werde sie fragen, was sie von den Plänen ihres Liebsten hält, aber von mir aus gerne.“ Tim zieht lachend von dannen und überlässt mich wieder meiner Freundin.

„Hast du gehört? Tim telefoniert gerade mit Jeff und hat ein Treffen heute Abend im Pub vorgeschlagen. Geht klar, oder? Ich kann es kaum erwarten, dich wieder in die Arme zu schließen,“ versuche ich sie aufzumuntern.

„Klar, warum nicht? Ich schätze, er wird mich im Anschluss ebenfalls anrufen und mir von seinen Plänen berichten. Dann sehen wir uns also heute Abend. Ich freu mich.“

„Ich auch. Und hey, Kopf hoch bis dahin, okay?“

„Okay. Wenn ich mich dann nachher für kleine Mädchen verabschieden will, weißt du ja, was du zu tun hast.“ Ich höre sie leise lachen, ehe sie sich verabschiedet und auflegt. Ich bin gespannt, ob Jeff vielleicht doch ein Geheimnis hütet und ob wir eines Tages dahinterkommen werden.

Jeffrey

Wo ein Wille ist …

Langsam aber sicher frisst es mich auf. Ich muss mit jemandem reden, und ich weiß auch ganz genau, dass Tim mich heute Abend wieder danach fragen wird. Das tut er immer, wenn er mich sieht, seit ich mit Rachel zusammen bin. Mir ist klar, dass er recht hat, aber er muss auch verstehen, dass ich nicht einfach so darüber sprechen kann, vor allem nicht mit Rachel. Die Gedanken an damals wühlen mich ohnehin schon auf, was werden sie erst mit Rachel anstellen? Nein, das lasse ich nicht zu. Es ist Teil meiner Vergangenheit, es ist vorbei. Ich muss nun nach vorne blicken und ich bin dankbar dafür, Rachel dabei an meiner Seite haben zu dürfen. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich mir eine gemeinsame Zukunft mit ihr ausmale. Dann fällt mir plötzlich auf, dass ich tatsächlich zuversichtlich in die Zukunft blicken kann und habe augenblicklich ein schlechtes Gewissen, denn schließlich hätte ich längst ein glückliches Leben führen sollen. Aber das, was damals passiert ist, hat alles verändert. Ich musste lange kämpfen, um mich wieder einem normalen Alltag fügen zu können, und manche Momente sind für mich noch immer ein Kampf. Ich kann nur hoffen, dass mir das Gespräch mit Timothy ein wenig helfen wird, auch wenn ich kaum daran glaube, weil ich weiß, dass Timothy mich wie immer dazu drängen wird, das Richtige zu tun. Das Schlimme daran ist, dass er recht hat und ich das weiß.

„Hey, ihr beiden! Na, wie war euer Urlaub?“ Timothy hat mich das zwar vorhin am Telefon schon gefragt, aber ich nehme an, etwas Besseres ist ihm zur Begrüßung nicht eingefallen. Dabei ist er sonst so wortgewandt. Vielleicht will er sich auch einfach nur nicht anmerken lassen, wie ernst dieser Abend noch werden könnte und setzt auf gute Laune.

„Gut, danke. Wie waren eure Feiertage? Du sagtest, es war einiges los bei euch?“

„Ja, das erzählen wir euch gleich in Ruhe. Hallo Rachel. Schön, dich zu sehen.“ Die beiden umarmen sich, während ich Liz ebenso herzlich begrüße. Beinahe habe ich ein schlechtes Gewissen ihr gegenüber, schließlich ist Rachel ihre beste Freundin und ich Trottel bin dabei, sie zu verletzen, weil ich ein Stück meines Lebens vor ihr verberge.

„Kommt, setzen wir uns.“ In einer Nische nehmen wir Platz und versammeln uns im Halbkreis um den großen, runden Tisch. Tim und ich bestellen Bier, die Mädels gönnen sich ein Gläschen Wein. Man sieht ihnen die Wiedersehensfreude an. Selbst Rachel wirkt so losgelöst, so glücklich. Dabei weiß ich, dass sie sich oft fragt, ob mit mir etwas nicht stimmt, weil ich immer öfter in Gedanken versunken bin, wenn sie in meiner Nähe ist. Wenn ich doch einfach nur darüber reden und dann endgültig loslassen könnte …

„Jetzt erzählt schon, wie war euer Weihnachtsfest?“ Liz übernimmt das Wort und erzählt uns von ihrer Großmutter Evelyn, die trotz beginnender Demenz den Kontakt zu ihr gesucht hat. Auch erzählt sie uns von ihrem verrückten Plan, ihre Mutter zu suchen und zur Rechenschaft ziehen zu wollen und davon, wie es letzten Endes dazu kam, dass sie Weihnachten mit ihrer Großmutter feierte und plötzlich auch ihre Mutter vor der Tür stand. Immerhin hat alles ein gutes Ende genommen. Ich freue mich für sie und ihre Großmutter, die sehr an ihrer Vergesslichkeit zu knabbern hat, die immer weiter zunimmt.

„Wow, das ist ja ein starkes Stück. Dein ganz persönlich Weihnachtswunder sozusagen.“ Rachels Augen leuchten, und ich fürchte mich davor, das Leuchten im Keim zu ersticken. Einerseits muss ich es tun, andererseits halte ich es für besser, das Ganze für mich zu behalten.

„Ich hol mir noch eins. Jeff, kommst du mit?“ Ich leere die halbe Flasche in einem Zug und folge ihm zur Bar. Ich weiß genau, was mich jetzt erwartet.

„Wann redest du endlich mit ihr?“ Timothy sieht mich bei dieser Frage nicht an, scheinbar will er sich mein Augenrollen ersparen, das er mittlerweile schon in- und auswendig kennt.

„Vielleicht bald, vielleicht gar nicht. Ich weiß, du bist der Meinung, ich sollte ihr alles erzählen. Aber ganz ehrlich, macht das einen Unterschied?“ Nun richtet er den Blick doch auf mich.

„Würde es einen Unterschied machen, wenn sie endlich sorgenfrei wäre, du ein reines Gewissen hättest und sie dich nicht mehr ständig fragen muss, ob alles in Ordnung ist mit dir?“ Das sitzt. Ich wende den Blick ab und seufze. Gerade er gibt sehr viel auf die Wahrheit. Kein Wunder bei allem, was er und Liz durchgemacht haben.

„Schon. Aber was, wenn auch sie mir die Schuld an allem gibt und mich verlässt? Das könnte ich mir nie verzeihen. Sie ist wirklich etwas Besonderes und bedeutet mir viel. Ich könnte es nicht ertragen, wenn sie mir die Schuld am …“

„Das wird sie nicht tun“, unterbricht mich Tim rechtzeitig. „Sie liebt dich doch, oder? Ich bin mir sicher, dass auch sie dich nicht verlieren will, aber genau das ist es, was sie derzeit befürchtet und deine Aufgabe ist es, ihr diese Angst zu nehmen.“ Verstohlen sehe ich zu unserem Tisch. Liz und Rachel sind näher zusammengerückt und führen ein scheinbar ernstes Gespräch. Liz hat sich mit Wort und Blick an Rachel gewandt, die ihre Augen fest mit ihrem noch fast vollen Weinglas verankert hat. Sie so zu sehen bricht mir das Herz. Habe ich sie je so traurig gesehen? Ich schaue wieder zu Timothy und nehme einen Schluck von meinem frischen Bier.

„Also schön. Ich werde mit ihr reden. Aber ich brauche noch ein wenig Zeit, ich möchte nichts falsch machen und im Vorfeld alles gut durchdenken. Außerdem brauche ich Plan B.“

„Plan B?“ War mir klar, dass er das nicht kapiert.

„Ja, falls sie mich doch verlassen sollte, wenn ich ihr alles erzähle.“ Timothy lacht und klopft mir aufmunternd auf die Schulter.

„Keine Sorge, das wird sie nicht. Liz wird sie sicher davon abhalten.“

Mit etwas besserer Laune schnappen wir unsere Gläser und steuern die Nische an, in der unsere Frauen zwischenzeitlich in fröhliches Gelächter ausgebrochen sind.

Rachel

Alles wird gut

Das behauptet zumindest Liz, und ich gebe mir ernsthaft Mühe, ihr zu glauben. Sie hat die Chance auf ein ernstes Gespräch ergriffen, als unsere Männer sich um ihren Bier-Nachschub kümmern wollten.

„Und, was bedrückt dich? Glaubst du immer noch, er verheimlicht dir etwas?“ Ratlos zuckte ich mit den Schultern.

„Ja, irgendwie schon. Er behauptet aber immer, es wäre alles in Ordnung. Dabei sieht er oft gar nicht so aus. Ich erwische ihn immer wieder dabei, wie er wortlos vor sich hinstarrt, die Mundwinkel tief nach unten gezogen.“

„So wie du jetzt gerade?“ Liz knuffte mich sanft in die Seite und lachte. Damit entzog sie mir zumindest ein kleines Lächeln. „Im Ernst. Da wird nichts sein. Er ist sehr im Stress, ist beruflich ziemlich eingespannt. Ich sehe es doch bei Tim. Es hat sicher nichts mit dir zu tun, glaub mir.“ Ich spürte ihre Hand auf meinem Rücken liegen, eine kleine aber tröstende Geste.

„Ich hoffe, du hast recht. Vielleicht sollte ich aufhören, ihn ständig zu fragen, sonst vergraule ich ihn womöglich noch.“ Liz lachte.

„Na, das würde ja gerade noch fehlen.“ Erneut ließ ich mich zu einem Lachen verleiten und sah Tim und Jeff schon auf uns zukommen. Vielleicht sollte ich meiner Freundin und auch meinem Freund einfach mal vertrauen. Und ich fange gleich damit an. Ich spüre, wie der Abend immer schöner, die Stimmung immer lockerer und auch meine Laune immer besser wird. Die quälenden Sorgen lasse ich hinter mir und versuche, zuversichtlich zu sein und an das Gute zu glauben. Ich habe zwar zwischendurch noch immer das Gefühl, dass Jeffrey über irgendetwas Bestimmtes nachdenkt, aber ich zwinge mich mir einzureden, dass ich mich täusche und genieße seine Nähe. Hand in Hand und leicht beschwipst verlassen wir gemeinsam mit Liz und Tim das Lokal.

„Dann macht’s mal gut. Ihr Mädels werdet sicher telefonieren. Jeff, dich sehe ich am Montag im Büro.“ Jeff schüttelt den Kopf.

„Nein, sorry. Bin den ganzen Tag bei Gericht, die Akten habe ich schon vor meinem Urlaub mit nach Hause genommen. Muss am Montag früh los und bin erst am Dienstag wieder in der Kanzlei.“

„Na gut.“ Während die Männer über den Zeitpunkt ihres nächsten Wiedersehens diskutieren, verabschiede ich mich mit einer engen Umarmung von meiner Freundin.

„Danke für alles“, flüstere ich ihr zu. Der Druck um meinen Oberkörper verstärkt sich leicht.

„Keine Ursache. Ruf an, wenn was ist.“ Ein Versprechen, das ich mir nur zu gerne abnehmen lasse, obwohl ich fest vorhabe, alleine mit meinen Gedanken zurecht zu kommen.

Jeffrey und ich verbringen die Nacht bei mir. Das tun wir in letzter Zeit immer öfter, nur selten bin ich bei ihm, obwohl er deutlich mehr Platz hat als ich mit meiner anderthalb-Zimmer-Wohnung. Nach meinem Unfall habe ich eine Weile wieder bei meiner Mutter gewohnt, aber da ich ihr nicht mehr länger zur Last fallen wollte, habe ich mir eine eigene Wohnung gesucht, nachdem ich den neuen Job bekommen habe. Für mich alleine hat es gereicht, aber mit permanentem Besuch sieht die Sache schon ganz anders aus.

„Wie schaffst du es nur, immer wieder freiwillig bei mir zu übernachten? Zuhause hättest du es viel bequemer.“

„Hm, das stimmt. Aber du bedeutest mir einfach viel, ich bin gern in deiner Nähe. Egal, wieviel Platz mir dafür zur Verfügung steht. Was dagegen?“ Jeff setzt ein gespielt enttäuschtes Gesicht auf.

„Nein, natürlich nicht. Aber ich könnte ja auch bei dir schlafen. Also, öfter meine ich.“

„Oder ständig.“ Dieses Gegenargument kam wie aus der Pistole geschossen, als hätte er nicht eine Sekunde über seine Worte nachgedacht. Hat er das gerade wirklich gesagt? Ich hake nach.

„Ständig? Und was mache ich dann mit meiner Wohnung?“, frage ich vorsichtig. Nicht dass ich am Ende doch was falsch verstanden habe.

„Kündigen?“ Jeff scheint sich wirklich sicher zu sein.

„Das heißt also, ich soll bei dir einziehen? Willst du das wirklich?“ Ich liege noch immer in seinem Arm, eng an ihn gedrückt, damit ich nicht versehentlich aus dem schmalen Bett falle. Was gerade durchaus hätte passieren können vor lauter Schreck.

„Ja, warum nicht? Wäre schonender für meinen Rücken.“ Im sanften Mondlicht erkenne ich sein schelmisches Grinsen.

„Hast du denn auch genug Platz für all meine Klamotten, meine Schuhe, mein Make-up, …?“, ziehe ich ihn auf.

„Ich habe einen Keller.“ Na, wie nett.

„Danke.“ Ich drehe mich zu ihm und knuffe ihn leicht in seine nackte Schulter.

„Nächstes Wochenende. Ich helfe dir beim Packen. Liz und Tim werden sicher auch helfen.“

„Dann ist es also beschlossene Sache? Ganz sicher?“ Er drückt mir einen Kuss auf die Stirn, der so fest ist wie sein Entschluss.

„So sicher wie der Name des Volkes im Gerichtssaal.“ Sein Standardsatz, über den ich noch immer schmunzeln muss.

„Also schön.“ Um den Deal zu besiegeln, küssen wir uns noch einmal innig, bevor ich mich wieder umdrehe und wir versuchen, in den Schlaf zu finden. Ich muss an das Gespräch mit Liz denken. ‚Alles wird gut‘, hat sie gesagt. Und jetzt, genau in diesem Moment, weiß ich, dass sie recht hat. Jeffreys Bitte an mich, zu ihm zu ziehen hat mir gezeigt, dass er scheinbar wirklich nichts zu verheimlichen hat, dass er mich öfter um sich haben und in meiner Nähe sein möchte. Endlich kann ich an Elizabeth‘ Worte glauben. Von nun an werde ich mir keine Sorgen mehr machen.

Timothy

Auf den Zahn gefühlt

Dienstagmorgen im Büro.

„Guten Morgen, Jeff. Na, dein restliches Wochenende hat ja eine ganz schöne Veränderung mit sich gebracht. Bist du sicher, dass du es warst, der Rachel den Vorschlag bezüglich des Zusammenziehens gemacht hat und dich nicht der Teufel geritten hat? Ich meine, ich freue mich für euch, wenn ihr eure Beziehung festigt. Aber du weißt ja, welche Bedenken ich habe …“ Dieses Thema brennt mir schon den ganzen Morgen unter den Nägeln. Noch nicht einmal mit Liz konnte ich darüber sprechen, auch wenn ich ihr eigentlich nichts mehr verheimlichen will, aber in Anbetracht der Umstände kann ich ihr nichts von alldem erzählen, bevor Jeff nicht endlich selbst mit der Sprache rausrückt.

„Ja, ich bin mir sicher. Denke ich. Ich liebe sie, sie ist mir wichtig. Sie könnte die Richtige sein.“ Irgendwie kaufe ich ihm das nicht ganz ab. Nicht dass ich ihm nicht glauben würde, aber ich vermute, es steckt noch mehr dahinter als nur der Wunsch nach mehr Nähe zu seiner Freundin.

„Und was noch?“ Jeff schaut mich an, als wäre ich nicht mehr ganz dicht.

„Was, was noch? Was meinst du?“

„Aus welchem weiteren Grund hast du sie gebeten, bei dir einzuziehen?“ Ich glaube, jetzt fühlt er sich ertappt.

„Na ja, ich will doch in Kürze mit ihr reden, über alles. Und weil ich nicht will, dass sie mich verlässt, …“ Ich lache.

„Das ist also Plan B? Ist das dein Ernst? Du glaubst, sie bleibt bei dir, nur, weil sie ihre Wohnung aufgibt?“ Ich schüttle den Kopf. „Jeffrey, denk positiv. Vielleicht wird sie betroffen sein, traurig, vielleicht auch wütend, im ersten Moment. Aber sie wird darüber nachdenken und auch darüber, was du ihr bedeutest. Sie wird dich nicht verlassen wegen einer Tragödie, die Teil deiner Vergangenheit ist. Du trägst keine Schuld, Jeffrey! Das hast du sogar Schwarz auf Weiß.“

„Das schon. Trotzdem könnte sie anders darüber denken, vielleicht hat sie nicht genug Vertrauen zu mir.“

„Ach, Jeffrey … Dann tu, was du für richtig hältst. Aber komm hinterher nicht zu mir und heul mir die Ohren voll, weil du es bereust.“ Mit diesen Worten lasse ich ihn stehen. Ich kann nur hoffen, dass das gutgeht.

Jeffrey

Sicherheit

Viel ist es nicht, was Rachel mit zu mir bringt. Ihre Habseligkeiten packen wir in Kisten, ihre Möbel hat sie teilweise verkauft, den Rest möchte sie einem Seniorenheim spenden, wofür Rachel viel Anerkennung von mir erhält. Ich wäre wohl nicht auf eine solche Idee gekommen. Bei mir würden die Möbel längst auf der Straße stehen. Aber Rachel hat nun mal ein großes Herz, denkt immer an andere, bevor sie an sich denkt und tut gerne Gutes.

„Haben wir alles?“ Rachel schaut sich ein letztes Mal um, geht durch alle Zimmer, überprüft, ob alle Fenster verschlossen sind und nichts liegengelassen wurde.