Der Seelenspiegler - Liesbeth Listig - E-Book

Der Seelenspiegler E-Book

Liesbeth Listig

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Beschreibung

Dieses ebook schließt zwar an mein erstes "Der Sommereremit" an, ist aber eine eigenständige Geschichte und auch ohne Vorwissen zu verstehen. Wieder einmal schicke ich euch von einem Genre zum nächsten, immer in der Hoffnung, dass ihr an meinem unkonventionellen Schreibstil Freude habt. Hintergründig, aber auch manchmal zotig, geht es um Abenteuer (ohne wissenschaftlichen Anspruch) und Weltanschauung, Fiktion oder Irrsinn, Freundschaft oder Liebschaft und natürlich auch wieder um ein wenig Erotik und Sex ohne, dass der Humor, oder dass, was ich dafür halte, dabei zu kurz kommen soll. Dieses gilt auch für die unvermeidlichen Abschiede, welche aber nicht für immer sein sollten. Lasst euch überraschen.

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Liesbeth Listig

Der Seelenspiegler

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Aufbruchstimmung

Gespaltene Persönlichkeit

Heiße Spiegelungen

Die Lebensgeister sind geweckt

Eine Erholungsphase

Ein zweiter Anlauf

Gott und die Welt

Der Herr der Altertümer

Wärme in der kalten Heimat

Ein heimliches Wiedersehen

Der Doktor wieder in Aktion

Das Äffchen

Ein Ende in Sicht

Ein anderer Nachlass

Abschied und Ankunft

Realität und Wahnsinn

Epilog

Impressum neobooks

Vorwort

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

schön, dass ihr wieder dabei seid. Dieses ebook schließt zwar an mein erstes „Der Sommereremit“ an, ist aber eine eigenständige Geschichte und auch ohne Vorwissen zu verstehen. Wieder einmal schicke ich euch von einem Genre zum nächsten, immer in der Hoffnung, dass ihr an meinem unkonventionellen Schreibstil Freude habt. Hintergründig, aber auch manchmal zotig, geht es um Abenteuer ohne wissenschaftlichen Anspruch, Fiktion oder Irrsinn, Freundschaft oder Liebschaft und natürlich auch wieder um ein wenig Erotik und Sex, ohne, dass der Humor, oder das was ich dafür halte, dabei zu kurz kommen soll. Dieses gilt auch für die unvermeidlichen Abschiede, welche aber nicht für immer sein sollten. Lasst euch überraschen.

Viel Spaß beim Lesen, auch gern zwischen den Zeilen, wünscht euch eure

Liesbeth Listig

Aufbruchstimmung

Ein weiteres Mal plante Bernhard Gross eine Reise nach Ägypten, um seine Studien im Vergleich der Sozialstrukturen der alten und des derzeitigen Staatswesen zu vervollständigen. Er hatte seinen Master im Bereich Sozialwesen erfolgreich hinter sich gebracht und bastelte nun an einer Doktorarbeit, die jedoch nicht so recht voran kam. Gern hätte Bernhard es gesehen, wenn sein alter Freund Rigo, ein Weltkriegsveteran mit reichlich weltmännischer Lebenserfahrung, ihn auch dieses Mal begleitet hätte. Rigo Walder jedoch hatte lächelnd abgelehnt und seine Ablehnung damit begründet, dass er bereits mehrmals diesen Teil der Welt bereist hatte. Außerdem schmerze ihn seine alte Kriegsverletzung, meinte er noch zu seiner Verteidigung. Es handelte sich dabei um eine Kopfschusswunde, die mit einer implantierten Stahlplatte bedeckt worden war.

Die Abfuhr ärgerte Bernhard und er klopfte sich an die Stelle seines Kopfes an der bei Rigo die Stahlplatte verankert war. „Dahinter steckt sicher eine gehörige Portion Altersfaulheit oder hast du alter Einsiedler im Sommer zu viel Körperlichkeit mit den Urlauberinnen gepflegt?“ Rigo lächelte wissend. Nach den Eskapaden im Vorjahr, als sie beide in die „holde“ Agnes verknallt waren, es jedoch keiner von ihnen geschafft hatte diese nachhaltig zu begeistern, hatte der alte Rigo es wirklich mit dem Ausgleichssport übertrieben.

Seine Sommer verbrachte der berentete U-Boot Kapitän immer noch in seinem Domizil, einem alten Schafstall an der Nordsee, wo er wie ein Clochard lebte. Ab und zu verfeinerte er seine recht hohe Rente dann noch mit dem Verkauf von selbstfabrizierten Andenken oder verdingte sich als Wattwanderführer, was ihm nicht nur Klimpergeld, sondern auch die Zuneigung einsamer Damen einbrachte. Im Winter pflegte Rigo dann sein Geld zu verreisen. Da er jedoch im Sommer sehr spartanisch lebte, wurde dieses eher mehr als weniger. Als Sprungbrett in die Welt hatte Rigo gemeinsam mit der Stewardess Agnes Blaulicht und dem homosexuell veranlagten Steward Paul Hinterseher eine Stadtwohnung in Hamburg gemietet. Nachdem, wohl aus einer gewissen Torschlusspanik heraus und den körperlich und seelischen Eskapaden mit den beiden Freunden, Agnes überstürzt einen alternden Flugkapitän geheiratet hatte und mit diesem nach Australien verschwunden war, war Bernhard mit eingezogen.

Rigo war begeistert, nun in einer „halbwegs“ Männer WG den Winter zu verbringen. Diesen Winter über wollte er nur hier sitzen, die Glotze heiß laufen lassen und, sofern dieser nicht in der Luft arbeitete, sich von Paul kulinarisch verwöhnen lassen. Er dachte gar nicht daran, seinen Freund auf dieser anstrengenden Tour zu begleiten. So packte Bernhard murrend und vor sich hin brummelnd seine Sachen. Wüstenfestes Zeug, luftiges für den Tag und wärmendes für die kalten Wüstennächte. Auch Kartenmaterial und das GPS-Gerät wurden neben weiteren Utensilien im großen Rucksack verstaut. Er würde nicht vom Wege abkommen und immer wissen, wo er und seine zu dokumentierenden Studienobjekte sich befanden. Als Rigo die Vorbereitungen mit ansah, war er froh, solche geplanten, vorhersehbaren Strapazen für sich verhindert zu haben. Obwohl er im Sommer den Naturburschen gab, war er auf seinen Reisen doch lieber der verwöhnte Pauschaltourist.

„Na dann gute Reise und viel Erfolg. Und lass dich nicht auf Glaubensdiskussionen ein. Und auch keine einheimischen Damen anbaggern“, meinte Rigo noch, als Bernhard mit Rucksack, Pass und Flugkarten sowie einer umfangreichen Fotoausrüstung bewaffnet die Wohnung verließ. Bernhard lächelte Rigo zu. Er wusste, worauf dieser hinauswollte. Hatte er doch auf seiner letzten Reise einen ersten und ungeplanten, sexuellen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung aufgenommen. So unbedarft würde er nicht wieder in eine solche Situation geraten. Auch wollte er keinesfalls Bekanntschaft mit den dortigen Gefängnissen machen. Selbst eine Ausweisung hätte seine Vorhaben arg behindert und um Jahre zurückgeworfen.

Im Konsulat hatte sich Bernhard lange vor Reiseantritt die Genehmigung geholt, mit einem Führer in die lybische Wüste hinein reiten zu dürfen, um nach alten Siedlungsspuren und Spuren des frühen Zusammenlebens der Menschen zu suchen. Es waren einige Orte bekannt, in denen vor der pharaonischen Herrschaft Menschen gesiedelt hatten und wo sogar Höhlenzeichnungen vorhanden sein sollten, die über das damalige Zusammenleben der Menschen Auskunft geben konnten. So flog Bernhard von Hamburg aus mit einem Ferienflieger, in dem glücklicher Weise noch ein Plätzchen frei war, kostengünstig nach Luxor. Dort bestieg er jedoch nicht ein Nilschiff, sondern den Zug nach Assuan, der ihn in wenigen Stunden an sein Ziel schaukelte. Dort angelangt stieg er in einem Hotel ab, in dem vor vielen Jahren eine bekannte Autorin einen nun ebenso bekannten Kriminalroman verfasst hatte. Nachdem er sich zwei Tage an die klimatischen Verhältnisse gewöhnt hatte und seine Reiseplanung noch einmal durchgegangen war, begab sich Bernhard auf die örtliche Kommandantur.

Ein zackiger, sogar deutsch sprechender Oberist begrüßte ihn zuvorkommend und Bernhard musste unwillkürlich an seine letzte Reise hierher denken, als ein popliger Bankmensch ihn nicht gerade zuvorkommend behandelt und den „Ungläubigen“ mit seinem Anliegen abgewiesen hatte. Kein Vergleich mit dieser Situation, zumal Bernhard auch noch eine Genehmigung des Konsulats vorweisen konnte. Bernhard wurde zugesagt, ihn nach Kräften zu unterstützen und Kamele und einen vertrauenswürdigen Führer zu besorgen. Eine Tour in die Wüste sei aber wegen marodierender Banden, die seit einiger Zeit ihr Unwesen treiben würden, nicht ganz ungefährlich. Bernhard blieb jedoch nichts weiter übrig als das Risiko einzugehen, da er sein Doktorandenprojekt nicht gefährden wollte.

Die Uhren gingen in diesem Land ein wenig anders und so dauerte es noch weitere drei Tage bis Bernhard Bescheid bekam, dass er aufbrechen konnte. Mit dem Führer, der sich mit dem schönen Namen Ali vorstellte und der auch gebrochen Deutsch sprach, vereinbarte Bernhard, dass sie am Folgetag, nachts, noch vor Sonnenaufgang aufbrechen wollten. In der Kühle der Nacht war das Reiten erträglich, wenn das Reiten auf einem Wüstenschiff überhaupt als erträglich zu bezeichnen war. Der Passgang des Kamels reizte bereits kurze Zeit nach dem nächtlichen Aufbruch den Magen des Forschungstouristen. Bernhard musste Halt machen und ein Medikament gegen Seekrankheit, das er vorsorglich eingepackt hatte, einwerfen.

Während der „Einwirkzeit“ und der damit verbundenen Zwangspause erzählte Ali begeistert von seiner Herkunft und von seiner Familie. Er sei Nubier und würde nun mit seiner Frau und vier Kindern am Rand von Assuan leben. Der Rest seiner großen Sippe würde in dem neugebauten Ort, bei dem Tempel Abu Simbel leben und sich dort mit allerlei Arbeiten durchschlagen. Früher hätten seine Vorfahren dort am Nil vom Fischfang gelebt. Aber ganz Nubien sei ja leider im Stausee versunken.

Durch Alis Erzählungen war Bernhards Brechreiz soweit in den Hintergrund getreten, dass einem erneuten Aufbruch nichts mehr im Wege stand. An das Schaukeln gewöhnte Bernhard sich nur langsam, aber stetig ging es ihm besser. Vor der Zwangspause waren sie bereits über die Nilbrücke und an die neugebaute Autobahn, die in Richtung Abu Simbel führte, gekommen. Einige Kilometer trotteten sie an der Autobahn entlang, jedoch im Sand und nicht auf der neuen Asphaltdecke, um die Sohlen der Reittiere zu schonen. Militärfahrzeuge und Reisebusse mit tempelhungrigen Touristen flogen an ihnen vorbei und in den sich ankündigenden Sonnenaufgang.

Ali winkte Bernhard heran und bedeutete ihm, dass sie nun auf die alte Straße abbiegen wollten. Es war der Restteil des Weges, den Bernhard von der früheren Reise und der Tour nach Abu Simbel kannte. Die pyramidenartige Landschaft, die in Jahrtausenden durch ständig erneut auftretende Sandstürme geformt wurde, zog an ihnen vorbei und trotz der Eintönigkeit der immer wiederkehrenden Bilder, konnte der erwartungsfrohe Bernhard sich nicht daran sattsehen. Dann ließen sie den Rest der Straße und der Zivilisation hinter sich und bogen ab, hinein in die Wüste.

Gespaltene Persönlichkeit

Nach einigen Stunden Wüstenschifffahrt, in denen nicht nur die Sonne anfing zu brennen, sondern auch Bernhards Forschergesäß einem Mantelpavian alle Ehre gemacht hätte, bremste selbiges seinen enthusiastischen Forschergeist und er war sehr froh, als Ali endlich zur Pause riet. Die heraneilende Mittagshitze war weder den Tieren noch den menschlichen Kamelen, die sich in die Wüste gewagt hatten, zuträglich. Sie wollten lieber am späten Nachmittag die Reise fortsetzen und in die kühle Nacht hineinschaukeln. Das kleine GPS-Gerät und die Sterne würden ihnen schon den richtigen Weg weisen. Am Tage waren sie sowieso ausschließlich auf die moderne Technik angewiesen, da die Wüste, zumindest für nicht Ortskundige, keine Landmarken zur Orientierung bereithielt.

Den Kamelen wurde ein Vorderbein hochgebunden, damit sie nicht das Weite suchen konnten. Dann wurde im Schatten einer „Naturpyramide“ das Lager aufgeschlagen und, nachdem die Kamele versorgt waren, Pfefferminztee bereitet. Bernhards wunder Hintern wurde von der sich ins Fleisch gefressenen Unterhose befreit und mit Salben und Wundauflagen versorgt. Was hätte er alles für einen Kamelsattel mit Dekubituskissen, welches beim Reiten die Reibungsstelle freigelassen hätte, gegeben. Aber das sollte in der kommenden Zeit Bernhards kleinste Sorge sein.

Ali schreckte auf. Auf einer großen Düne waren gegen die Sonne die Schemen mehrerer Reiter sichtbar geworden, die Ali mit Argwohn durch die halb geschlossenen Augen zu erkennen trachtete. Es war zu spät die Kamele in den Schatten des Hügels zu ziehen. Sie hatten die Blicke der fragwürdigen, fremden Reiter bereits auf sich gezogen. In dieser Einsamkeit konnte es nicht unbedingt etwas Gutes bedeuten, wenn ein Treffen mit zahlenmäßig überlegenen Mitmenschen anstand. Und Bernhard und Ali waren unbewaffnet. Ali fuchtelte nun wild mit den Armen und bedeutete Bernhard in seiner Sprache, seine Deutschkenntnisse vergessend, dass eilige Flucht angesagt sei. Nun sah Bernhard es auch. Die drei Reiter waren schwer bewaffnet und führten sicher nichts Gutes im Schilde. Humpelnd mit schmerzendem Gesäß versuchte Bernhard das widerspenstige Kamel dazu zu bewegen, sich die Fußfessel abnehmen zu lassen. Ali saß bereits im Sattel und gab mit lauten Rufen, „Hat, hat, hat“, sein Kamel antreibend, Fersengeld. An Flucht war für Bernhard nicht mehr zu denken. Geistesgegenwärtig warf er noch sein GPS-Gerät in den Sand und schob einen Stein mit dem Fuß darüber als die Reiter, die ihn böse über ihre Mundschutztücher hinweg anstarrten, ihn umringten. Wenigstens würde seine Leiche gefunden werden, wenn das GPS-Signal lange genug durchhielte, schoss es Bernhard durch den Kopf. Er würde nicht als Gerippe die Wüste schmücken, wie es wohl manch anderem Kamel ergangen war.

Die bösen, waffenschwingenden Krieger machten sich nicht die Mühe, Ali zu verfolgen. Sie hatten eigentlich andere grausame Taten vor und diese Leckerbissen hatten sie nur aufgehalten. Der Anführer hob einen schwertähnlichen, scharfen Gegenstand, der wunderbar in der Sonne glitzerte, und hieb ihn Bernhard über den Schädel. Die Schädeldecke knackte. Bernhard dachte noch, dass er sich einen Akademiker-Schmiss immer anders vorgestellt hatte, und versank in tiefer Bewusstlosigkeit. Die drei Reiter rasten auf ihren schnellen Pferden in den Abend hinein und ihren grausamen Taten entgegen. Sie würden wiederkommen, um sich dann später um die liegengelassene Beute zu kümmern. Dieser Fremde würde ihnen nicht mehr davon laufen.

Langsam erwachten die wenigen, verbliebenen Lebensgeister und Bernhard öffnete ein Auge. Das zweite wollte ihm nicht gehorchen und als er das viele Blut gewahrte, welches der Sand gierig aufnahm, brach fast sein letzter Lebenswille. Nach einer Weile ließen ihn jedoch Schmerz und Wut über das Erlebte zumindest den Versuch wagen, in den Schatten zu kriechen. Die Sonne hatte den Vormittag bereits hinter sich gelassen und Bernhard hatte wohl nicht den Wecker gehört. Er kroch um das Lager herum und sah einen Skorpion der, wohl vor dem grausigen Anblick flüchtend, in einer Felsspalte verschwand. Ein wenig den Kopf hebend sah der einäugige Bernhard, dass es nicht nur eine Felsspalte sondern eine recht geräumige Höhle gab, die etwas Kühle versprach. Tiere und Untiere waren Bernhard egal geworden und so zog er sich mit letzten Kräften hinein ins Ungewisse. Hier ruhte er sich, in einen Koma ähnlichen Schlaf verfallend, erst einmal von dieser Strapaze aus. Der Tod nahte, aber zu dieser Zeit wollte ihn weder der Teufel, den es mit Sicherheit gab, noch ein Gott, wenn es ihn denn gab, haben.

Als Bernhard, mit ein paar neuen Kräften versehen, wieder erwachte, konnte er beide Augen erneut zum Sehen bewegen. Sein Schädel schmerzte unbeschreiblich und war wohl mit einem offenen Bruch versehen. Zumindest war der Blutfluss zum Erliegen gekommen. In der kleinen Höhle, die ihn sicherlich vor dem Austrocknen gerettet hatte, konnte Bernhard nun erkennen, dass etwas Merkwürdiges in der Wand steckte. Es schimmerte metallen und war ebenmäßig geformt und viel zu glatt für etwas natürlich Gewachsenes. Was war das nur? Wie im Stein eingewachsen schien es zu sein. Eventuell könnte es ein Teil einer großen Scheibe sein, die der Stein umgab und fest verankerte? Noch als Bernhard das Ding ungläubig betrachtete, rumorte es darin. Wenn Bernhard dazu in der Lage gewesen wäre, wäre er entsetzt zurückgewichen, oder hätte sich zumindest ungläubig an den schmerzenden Kopf gefasst. Aber starr vor Schreck saß er da und verstand nicht was vor sich ging. Wie sollte er auch? Er war wahrscheinlich der erste Mensch, dem so etwas widerfuhr.

Eine runde Klappe öffnete sich dort, wo der Stein das Ding gefangen hielt, und so etwas wie ein Gummischlauch wurde herausgelassen. Dieser schien flexibel wie der Legebereich einer Schildkröte zu sein. Und tatsächlich wurde nach geraumer Zeit so etwas wie ein Ei in die ungewisse Freiheit entlassen. Es hatte zwar annähernd Eiform, sah jedoch eher aus wie das Innere eines Überraschungseies, wenn man die Schokolade entfernte. Skurril, dachte Bernhard, ob es gefährlich ist? Etwas in ihm drängte ihn dazu das eiförmige Ding in die Hand zu nehmen. Aufmachen! Dachte Bernhard wie abwesend. Auch die „Sollbruchstelle“ war geformt wie beim Überraschungsei. Bernhard befolgte die gefühlsmäßige, innere Anweisung und brach das Ding auf. Heraus fiel ein ringartiges Gebilde, welches in allen Farben schillerte. Aufsetzen! Hallte es in Bernhards Geist. Nun hatte er keine Wahl mehr. Es war sein innigster Wunsch, es an seinem Finger zu tragen.

Heiße Spiegelungen