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Alle Protagonisten, die bereits aus den früheren Büchern dieser Reihe bekannt sind, werden hier wieder aktiv. Auch dieser Roman soll nicht ausschließlich unterhaltsam sein, sondern auch als gesellschaftskritische Metapher zum Nachdenken anregen. Die Weltanschauungen des Autors, sowie eine gehörige Portion Humor werden Sie hoffentlich vorzüglich unterhalten und in fremde Dimensionen entführen.
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Seitenzahl: 113
Veröffentlichungsjahr: 2017
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Liesbeth Listig
Die Katalysatorin
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Inhaltsverzeichnis
Titel
In der Falle
Neue Leben – neue Aufgaben
Scheußliche Wahrheiten
Erinnerungen
Götterdämmerung
Wandlungen
Die drei Ausrufezeichen
Trinker
Irrsinn!
Rettung inkognito
Überraschung
Weitere Verrücktheiten
Ein neues Blatt Karten
Götterdämmerung
Ein Neuanfang
Im alten Rom
Die Alten
Die Kriminaler
Depressionen
Ein neuer Fall
Epilog
Impressum neobooks
Es gab keine andere Möglichkeit. Der oberste Daseinsverwalter musste persönlich in dieser Sache für Ordnung sorgen. Dabei fand er allein die Vorstellung schon ekelerregend in dieses Kontinuum des „Fressens und Gefressen Werdens“ eindringen zu müssen. Es ging aber auch alles schief.
Erst hatte sein Untergebener und Freund Norbert dieses widerwärtige Kontinuum, das sämtlichen ethischen Grundsätzen seiner Art widersprach, erschaffen und in einem Ordner versteckt, der ihm sicher erschien. Dann hatte damals dessen Sohn Thore damit herumgespielt als dieser noch ein Kind war. Und er hatte Ebenbilder erschaffen. Nur zum Spaß, Ebenbilder, die wie Daseinsverwalter aussahen. Ekelhafte Stoffwechsler, die man nun nicht so einfach liquidieren durfte. Es war bei Strafe verboten, Ebenbilder zu töten.
Und dann hatte auch noch Norberts Frau Erika davon Wind bekommen. Ausgerechnet Erika, die übermoralisch dem Kult der Göttin anhing. Da sie ihren Mann und ihren Sohn nicht anzeigen wollte, machte sie ihrem Unmut Luft, indem sie es einer Bekannten steckte. Natürlich unter dem Siegel der Verschwiegenheit, was dazu führte, dass alle Welt schnellstens Bescheid wusste.
Das Gericht hatte den nun halbwüchsigen Thore dazu verdonnert, in diesem Kontinuum dem natürlichen Aussterben der Ebenbilder beizuwohnen. Danach sollte das Kontinuum zerstört werden. Als Thore dann telepathisch nicht mehr zu erreichen war, war auch noch Norbert hinterher gesprungen, um nach ihm zu sehen.
Es war wirklich alles schief gelaufen. Nun hatte auch noch das Gericht verboten, etwas aus diesem Kontinuum wieder herauskommen zu lassen und dem einen Riegel vorgeschoben. Aber, dass der oberste Daseinsverwalter nach dem Aussterben der Ebenbilder das Kontinuum zerstören sollte, wurde nicht aufgehoben. Nicht nur, das Thore und Norbert bis zum natürlichen Ende des Kontinuums dort bleiben mussten, nein, der oberste Daseinsverwalter war auch noch gehalten, dieses mit seinen dort verbleibenden Freunden vorzeitig zu zerstören.
Und, als wenn das alles noch nicht gereicht hätte, hatte sich ihm auch noch Erika, Norberts Frau, an den Hals geworfen und er hatte sie nach allen Regeln der Kunst über den Verlust ihrer Familie hinweggetröstet. Dann war auch sie verschwunden. Wahrscheinlich ist diese Verrückte auch noch hinterher gesprungen, ohne dass ich etwas davon gemerkt hatte, überlegte er.
Jedenfalls hatte das Kontinuum seitdem vermehrt Blasen geschlagen und Parallelkontinuen gebildet, was auf häufige Zeitparadoxien hinwies. Der oberste Daseinsverwalter zeterte und lamentierte mit erhobenen Armen. Nicht nur, dass sich bereits mein schönes Traumkontinuum mit dieser Fehlentwicklung verbunden hatte, nein, nun wurde auch noch von diesen Blasphemikern an der Zeit herumgespielt und der Mist vervielfacht. Wütend zerstach er die Parallelkontinuen und teleportierte in die letzte, verhasste Blase hinein.
Zumindest war nun niemand mehr vor Ort um das Kontinuum zu zerstören, wenn die Ebenbilder ausstarben, dachte der oberste Daseinsverwalter noch. Und eine solche Information würde auch nicht nach außen dringen. Dass er selbst auch nicht mehr das Kontinuum verlassen konnte, war ihm in der Aufregung entfallen.
Der oberste Daseinsverwalter wurde von seinen Freunden liebevoll Schnulli genannt. Das behagte ihm zwar gar nicht, aber er hatte sich im Laufe der Äonen daran gewöhnt. Er hatte eben einen recht runden Mund vererbt bekommen, der immer ein wenig so aussah, als habe man ihm den Schnuller gestohlen.
Schnulli war Junggeselle. Seitdem er denken konnte, hatte er sein eigenes Dasein damit verbracht, Kontinuen zu konstruieren und zu designen. Rechenschaft schuldig war er ausschließlich der Versammlung und dem Gericht der Daseinsverwalter. Er war, wie alle seiner Art, ein ausgezeichneter Teleporter, aber nur ein mittelmäßiger Telepath.
Nun nahm das Verhängnis seinen Lauf. Mit einem wilden, großen Satz, ohne sich weiter zu orientieren, sprang Schnulli in das verhasste Kontinuum hinein. Nachdem sich sein von ihm designtes Traumkontinuum mit diesem „Fressen und Gefressen Werden“- Kontinuum verbunden hatte, waberte langsam die Traummaterie in dieses hinein. So eine Traummateriezunge erwischte ihn, als er sich wieder materialisierte.
Unerwartet fand er sich einem Doppelgestirn gegenüber, dessen Sonnen ihn durch die Traummaterie hindurch wie ein Paar Augen anstarrten. Es dauerte geraume Zeit, bis er realisieren konnte, was diese Augen darstellten. Außerdem züngelte zwischen den Augen eine Doppelzunge hervor, was ihn besonders irritierte.
Neugierig sprang er auf die ungewöhnliche Erscheinung zu und geriet dadurch direkt in die Magnetfelder der beiden Sonnen. Es gab kein Entrinnen. Nie hätte er es für möglich gehalten, dass seine Teleporterkräfte einmal nicht ausreichen würden. Er versuchte alles, um zu entkommen und verausgabte sich über seine Kräfte hinaus. Schnulli wurde plattgedrückt wie ein Würstchen und fiel in ein tiefes Koma.
Agnes, Rigo und Bernhard begannen sich zu langweilen. Nun saßen sie bereits einige Monate bei J.R., dem Sohn von Agnes und Rigo, im Outback Australiens fest und filterten aus den Fernsehbeiträgen mögliche Kandidaten heraus. Die Daseinsverwalter Norbert und Thore, sowie der Seelenspiegler Manfred, brauchten ständig Nachschub an potentiellen Probanden, die sie mit Hilfe von Traummaterie zur Rettung der Menschheit einsetzen konnten.
In der letzten Zeit kamen sie jedoch immer weniger ins Outback um nachzufragen. Augenscheinlich gingen ihnen die Kandidaten auch so nicht aus. Es gab wohl genügende, offensichtlich „schlimme Finger“, die einer positiven Einflussnahme bedurften und zugänglich waren.
Die drei gelangweilten Individuen wirkten viel jünger als der Abkömmling J.R. Ihre Geister aber waren bereits rund hundertfünfzig Jahre alt. Der Seelenspiegler Manfred hatte ihnen jeweils auf ihrem Sterbebett die Möglichkeit eröffnet ihn auf seinen Reisen zu begleiten. Sie stimmten damals zu und fanden ihre Plätze in dem riesigen, neuronalen Netz des Seelenspieglers. Die Art der Seelenspiegler sammelte Wissen im ganzen Kontinuum um ihre Herkunft zu ergründen. Nur Manfred wusste in der Zwischenzeit, dass seine Art aus einer kurzen Verbindung von Agnes und Norbert, dem Daseinsverwalter sowie einem gnädigen Zeitparadoxon hervorgegangen war.
Die Seelenspiegler waren gutmütige, neugierige Geschöpfe, die, mit starken, telepathischen Fähigkeiten ausgestattet, so manche seelische Manipulation beherrschten. Manfred, aber auch die Daseinsverwalter, versuchten nun möglichst viele herrschsüchtige Potentaten, mit Hilfe von Traummaterie an der Vernichtung der Menschheit und des Planeten zu hindern. Eine Sisyphusaufgabe, bei der die drei Erdengeister kaum hilfreich sein konnten.
Glücklicherweise hatte Norbert es erreicht, ihnen mit Hilfe der Traummaterie erneut dauerhaft beständige, sterbliche Körper zu erschaffen. Nun waren sie wieder jung und autark, allerdings ohne Manfreds telepathische Möglichkeiten völlig kopfblind. Zu ihrer Sicherheit hatte Manfred ihnen jeweils erneut einen Kommunikationsring gegeben, der als sie ihn aufsetzten, unter der Haut des Fingers schmerzlos verschwand. Mit diesem Ring wurden sie in die Lage versetzt, Manfred mit ihren Gedanken immer und überall zu erreichen. Auch hatte man ihnen Kommunikationskrystalle übergeben, mit denen sie bei Bedarf mit den Kristallwesen in Verbindung treten konnten.
So fürsorglich wurden sie von den Freunden ausgestattet, als sie diesen eröffneten, dass sie das Outback verlassen wollten. Und, was habt ihr nun vor, fragte Manfred telepathisch? Das haben wir noch nicht besprochen, dachte Agnes. Nur mal hier weg und etwas Sinnvolles tun wäre schön.
Die Freunde verabschiedeten sich und Manfred und die Daseinsverwalter gingen wieder ihrer Aufgabe nach. Lange saßen die drei „neugeborenen“ Erdenmenschen mit J.R. auf der Veranda und planten ihr zweites Leben. J.R.s Haushälterin Maria, eine Aborigine, brachte selbstgemachte Limonade und deren Ehemann George saß still bei der Runde und hörte interessiert zu.
„Mit eurem Wissen und eurer Erfahrung wäret ihr ausgezeichnete Detektive“, meinte George plötzlich. „Das ist interessant“. Bernhard strich überlegend durch seinen dreieinhalb Tage Bart, der bald abgenommen werden musste, damit er nicht „Räuber Hotzenplotz“ zu ähnlich würde. Auch die anderen fanden den Gedanken, eine Detektei zu gründen, nicht abwegig und, als die Sonne dunkelrot am Horizont des Outbacks unterging, war es beschlossene Sache.
Fast übermäßig viele finanzielle Mittel, die mächtigen „Halsabschneidern“ abgenommen worden waren, hatten sich im Laufe der Zeit angesammelt, sodass ihnen materiell jede Möglichkeit offen stand. „Und wo soll es nun hingehen“, fragte Rigo? „Nach Hamburg natürlich, wo wir den größten Teil unsers ersten Lebens verbracht haben“, meinte Agnes energisch und bekam keine Widerworte.
„Aber ich bin zu alt, um wieder in einer Hütte an der See zu wohnen und im Winter mit euch in so einer kleinen Buchte am Hamburger Flughafen zu hausen“, maulte Rigo. „Etwas mehr Komfort müsste doch wohl drinnen sein.“ „Na klar“, beruhigte Agnes ihn. „Ich brauch auch etwas mehr Platz.“ „Eine schöne Aussicht und mehr Platz und Komfort wäre in der neuen Elbphilharmonie sicher gegeben“, überlegte Bernhard scherzhaft. „Eine grandiose Idee“, fiel Agnes begeistert ein. „Das würde auch das Image unserer neuen Firma erheblich aufbessern.“
„Aber, aber“, meinte Bernhard leicht entsetzt. Er hatte seinen Vorschlag nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. “Die Wohnungen sind doch sicher längst alle verkauft.“ „Da werde ich mal Norbert becircen müssen“, meinte Agnes schelmisch. „Eventuell entmachtet er ja gerade einen grausamen Potentaten, der sich so etwas gekauft hat.“ „Und ich bearbeite mal die Warteliste zu euren Gunsten“, lachte J.R.
So wurde aus Bernhards „Schnapsidee“ reale Planung und tatsächlich nach einiger Zeit auch umgesetzte Realität.
Nun wird es bald passieren dachte sich der alte Seelenspiegler. Er wusste bereits was kommen würde. Schließlich war er aus einer von Manfreds unmoralischen Zeitparadoxien hervorgegangen und das ältere Ich von Manfred. Sein jüngeres Ich, hatte ihn beauftragt sicherzustellen, dass niemand in dieses System des Doppelgestirns eindringen sollte und er hatte zugesagt aufzupassen. Er wusste, dass es nicht möglich war diesen Auftrag zu erfüllen, denn er wusste ja bereits was geschehen würde. Gleichwohl hatte er diese Aufgabe übernommen, um nicht möglicherweise noch weitere Zeitverwerfungen hervorzurufen.
Es war eine öde Warterei, da hier die Eigenzeit anders ablief als auf dem Planeten, auf dem sein junges Ich derzeit tätig war. Viele Jahre hatte er nun bereits hier verdöst, nur um auf das Unausweichliche zu warten. PLOPP hörte er in seinen alten Neuronen. Nun ist er angekommen, dachte er. Und nach einer Weile spürte er ein weiteres PLOPP. Nun ist er gefangen, dachte der alte Manfred. Es ist Zeit, sich davon zu machen. Dieses Mal, ohne sein jüngeres Ich über die Lage zu informieren, zog er sich vorsichtig in Raum und Zeit zurück.
Schnulli, nun wach doch endlich auf, tönte eine Stimme durch das, was einmal des obersten Daseinsverwalters Kopf gewesen war. Langsam kam Schnulli wieder zu Bewusstsein. Was für ein Alptraum. Er hörte tatsächlich die Stimme dieser verrückten Göttinenanbeterin Erika. Ich bin nicht verrückt. Hüte deine Gedanken, hallte es in seinem Geist wider. Schnell, ohne noch weiter über seinen Zustand nachzudenken, verschloss er seinen Geist und versuchte sich zu orientieren.
Er fühlte sich wie ein Würstchen, was im Kontinuum des „Fressen und Gefressen Werden“ bereits ekelhaft genug war. Außerdem wurde er von einer widerlichen Schlange umschlungen, die verdammt nach Erikas Parfüme roch. Wenn die Magnetfelder es zugelassen hätten, wären seine restlichen Nackenhaare nach oben gewandert und hätten sich aufgestellt. Es war Erika. Sie waren in dieselbe Falle getappt.
Hallo liebster Schnulli, säuselte Erika. Bist du wieder bei dir? Einerseits war dem obersten Daseinsverwalter nicht wohl bei dem Gedanken, dass er sich jemals mit dieser Frau abgegeben hatte, andererseits fühlte es sich besser an, nicht allein in dieser fatalen Situation zu sein.
Ja, ich bin bei mir und auch bei dir, wie es scheint, meinte er bedrückt. Augenscheinlich haben dein bekloppter Mann und dein missratener Sohn bereits viel Mist angestellt. Sie müssen reichlich gegen unseren Ethikkodex verstoßen und Zeitparadoxien verursacht haben. Ich wäre auch fast verrückt geworden als ich sah, dass dieses Kontinuum Blasen schlug und parallele Kontinuen bildete.
Dann sprang ich ohne weiter zu überlegen hinein. Sollte ich jemals aus dieser Falle herauskommen und Thores Ebenbildern endlich den Gar ausmachen, muss ich auch das natürliche Ende dieses dreckigen Kontinuums abwarten. Ein vorzeitiges herauskommen wurde vom Gericht verhindert. Allerdings weiß nun auch niemand wann diese Ebenbilder aussterben, sodass wir einigermaßen sicher sein dürften, nicht frühzeitig mit terminiert zu werden.
Erika wurde immer ruhiger und nachdenklicher. Ich habe aus den Zeitverwerfungen, die sicher Norbert hervorgerufen hat, schemenhafte Erinnerungen behalten. Wir Daseinsverwalterfrauen haben wohl eine Ader für solche „Spukerscheinungen“. Demnach sind jedoch diese Zeitparadoxien nicht die einzigen Freveltaten meiner Sippschaft. Norbert hat berauschende Getränke zu sich genommen und dann auch noch mit einem weiblichen Ebenbild den Geschlechtsverkehr vollzogen.
Schnulli war entsetzt und so geschockt, dass er augenblicklich erbrach. Allerdings würgte der Schnulliwurm in Ermangelung von Nahrungszufuhr nur, was sich jedoch nicht minder „unterhaltsam“ darstellte. Soll ich aufhören oder verträgst du noch mehr Scheußlichkeiten? fragte Erika besorgt. Noch mehr? Schnulli war fassungslos. Ja, Norbert hat dabei eine Spezies erschaffen, die zwar nicht teleportieren kann, welche uns aber in fast allen anderen Bereichen überlegen zu sein scheint. Schnulli schnappte nach Luft, was in der Luftleere des Weltraumes nicht möglich und höchst überflüssig war und verlor das Bewusstsein.
Als er endlich wieder zu sich kam, redete Erika weiter auf ihn ein. Diese Seelenspiegler sind Wissenssammler und verdammt gute Telepathen. Was sollen wir nur tun? Ich habe Angst, dass wir hier das Ende dieses Kontinuums abwarten müssen. Ich würde sicher vor Wut und Rachegelüsten platzen.
Mir geht es ähnlich, dachte Schnulli. Auch wenn es nun kaum noch Sinn macht, die Ebenbilder vorzeitig auszumerzen, wäre es mir eine Genugtuung, deiner Brut zu zeigen, wer hier der Chef ist. Auch ich hasse diese Ebenbilder, auch wenn sie recht unterhaltsam sein dürften. Aber wir kommen hier ja sowieso nicht weg. Resigniert ließ der Daseinsverwalterwurm sich hängen und Erika durfte die nächsten Jahrhunderte, Eigenzeit des Doppelsystems, allein ihrer Wut frönen.
