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In diesem Dorf wird nichts überstürzt. Man hört einander zu, sammelt Perspektiven, lässt Zeit wirken. Entscheidungen entstehen nicht aus Dringlichkeit, sondern aus gemeinsamer Ruhe. Als jedoch ein Weg zu verschwinden beginnt, stellt sich eine Frage, die nicht warten kann. Dieses Märchen erzählt leise, was geschieht, wenn Ordnung auf Zeit trifft – und Verantwortung plötzlich schwerer wird als Einigkeit.
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Seitenzahl: 16
Veröffentlichungsjahr: 2025
Klaus-Dieter Thill
Der Weg, der nicht warten konnte
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Inhaltsverzeichnis
Titel
Akt I: Der Platz
Akt II: Der Weg
Akt III: Der Platz – Zum zweiten Mal
Akt IV: Die Nacht nach der Frage
Akt V: Der Morgen danach
Anhang
Impressum neobooks
Als die Glocke am Rand des Dorfes zum dritten Mal schlug, kamen die Bewohner auf den Platz.
Nicht hastig. Nicht widerwillig. Sie kamen, weil es so üblich war. Der Platz lag zwischen den Häusern, rund und offen, und in seiner Mitte stand nichts. Kein Brunnen, kein Baum, kein Zeichen. Man sagte, das sei Absicht. Niemand sollte höher stehen als ein anderer. Die Leere in der Mitte war Teil der Ordnung.
Mara war eine der Ersten. Sie setzte sich auf den niedrigen Steinrand und legte die Hände in den Schoß. Levin kam kurz darauf. Er wartete, bis alle anderen saßen, bevor er selbst Platz nahm. Jorin blieb noch einen Moment stehen. Es war nicht klar, ob er zögerte oder ob er einfach vergessen hatte, warum er gekommen war.
„Sind wir vollständig?“, fragte Mara schließlich.
Niemand antwortete sofort. Die Blicke gingen im Kreis. Man zählte leise, nickte einander zu. Als niemand fehlte, setzte sich die Bewegung.
„Dann hören wir“, sagte Mara.
Levin hob die Hand. Er sprach über den Weg hinter den Feldern. Er erzählte, dass er weiter einbrach, dass der Boden nachgab, dass er im Winter nicht mehr passierbar sein würde, wenn nichts geschah. Seine Stimme blieb ruhig. Er stellte keine Forderung. Er beschrieb.
Mara nickte. Jorin nickte ebenfalls. Die anderen hörten zu.
Eine Frau meldete sich und sagte, sie verstehe die Sorge. Gleichzeitig nutzten nicht alle den Weg. Für manche sei er kaum relevant. Ein Mann neben ihr schlug vor, zuerst zu sammeln, wer den Weg überhaupt brauche. Die Vorschläge wurden aufgenommen, ohne kommentiert zu werden.
