Die Bande der Fünf - U.H. Wilken - E-Book

Die Bande der Fünf E-Book

U. H. Wilken

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Beschreibung

Western Helden – Die neue Reihe für echte Western-Fans! Harte Männer, wilde Landschaften und erbarmungslose Duelle – hier entscheidet Mut über Leben und Tod. Ob Revolverhelden, Gesetzlose oder einsame Reiter auf der Suche nach Gerechtigkeit – jede Geschichte steckt voller Spannung, Abenteuer und wilder Freiheit. Erlebe die ungeschönte Wahrheit über den Wilden Westen »Nein! Nicht schießen!« Angst erstickte die Stimme. Hände streckten sich abwehrend den Fremden entgegen. Da entlud sich schon einer der Colts. Das Blei traf den Waffenschmied in die Brust. Leblos brach er vor den Regalen mit den Waffen und der Munition zusammen. Pulverrauch breitete sich in der großen Hütte aus. Männer in derben Stiefeln und Wettermänteln durchsuchten den Raum. Regen trommelte gegen das verhangene Fenster. »Packt alles ein!« In plötzlicher Eile verstauten die Fremden die Waffen und Munitionsschachteln in Ölpapier und Decken und verließen damit die Hütte, liefen unter die tropfnassen Bäume und beluden die Sattelpferde. Allein der Anführer blieb noch in der Hütte. In der Hügelfalte war es wieder still. Frieden schien in einer Hütte eingekehrt, die gar nicht weit von der kleinen Stadt Ozark am Arkansas River lag und Heim und Waffenladen des Waffenschmieds gewesen war. Die einsame Lage hatte den Waffenschmied nie gestört. Im Gegenteil: Er hatte einsam leben wollen. Nun war er einsam gestorben. Draußen stampften die Pferde unter den aufgesessenen Männern, und einer rief krächzend zur Hütte hinüber: »Hopkins, nun komm endlich!« Hopkins trat aus der Hütte und schlug den Wettermantel vor den Knien zusammen.

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Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Western Helden – 44 –Die Bande der Fünf

U.H. Wilken

»Nein! Nicht schießen!«

Angst erstickte die Stimme. Hände streckten sich abwehrend den Fremden entgegen.

Da entlud sich schon einer der Colts. Das Blei traf den Waffenschmied in die Brust.

Leblos brach er vor den Regalen mit den Waffen und der Munition zusammen.

Pulverrauch breitete sich in der großen Hütte aus. Männer in derben Stiefeln und Wettermänteln durchsuchten den Raum. Regen trommelte gegen das verhangene Fenster. »Packt alles ein!« In plötzlicher Eile verstauten die Fremden die Waffen und Munitionsschachteln in Ölpapier und Decken und verließen damit die Hütte, liefen unter die tropfnassen Bäume und beluden die Sattelpferde.

Allein der Anführer blieb noch in der Hütte.

In der Hügelfalte war es wieder still. Frieden schien in einer Hütte eingekehrt, die gar nicht weit von der kleinen Stadt Ozark am Arkansas River lag und Heim und Waffenladen des Waffenschmieds gewesen war.

Die einsame Lage hatte den Waffenschmied nie gestört. Im Gegenteil: Er hatte einsam leben wollen.

Nun war er einsam gestorben.

Draußen stampften die Pferde unter den aufgesessenen Männern, und einer rief krächzend zur Hütte hinüber: »Hopkins, nun komm endlich!«

Hopkins trat aus der Hütte und schlug den Wettermantel vor den Knien zusammen.

»Halt’s Maul!«, herrschte er den Komplizen unter den Bäumen an. »Keine Namen – wie oft hab’ ich euch das schon gesagt!«

»Hier ist niemand, beruhig’ dich! Wer ist schon bei diesem Sauwetter unterwegs!«

Hopkins fluchte und ging mit großen Schritten zu seinem Pferd, stieg in den nassen Sattel und packte den Zügel.

»Vorwärts, nichts wie weg von hier! Falls unterwegs etwas schiefgehen sollte, schlägt sich jeder allein durch! Ich will euch alle am Treffpunkt wiedersehen!«

Dumpfes Hufgetrappel schwoll an und verlor sich in der dunstigen Regennacht.

Herdrauch stieg über der Hütte empor. Wind bewegte schwach die leise knarrende Tür. Im kleinen Stall hinter der Hütte rumorte ein Maultier – und dort kroch ein alter Tramp aus dem Stroh hervor und horchte angespannt.

Eine Viertelstunde später flüchtete er auf dem Maultier des Toten in Richtung Ozark …

*

»Oh«, stöhnte Jake Brummie und krümmte sich, »oh, ist mir schlecht! Ich glaub’, ich muss kotzen …«

Er schlug die Hände vor den Mund, torkelte aus dem Saloon, rammte einen Vordachpfosten und übergab sich am Rand des Gehsteiges; er spie auf die nächtliche Straße – genau vor die sauberen alten Stiefel eines dahergekommenen Mannes.

»Pass doch auf!«, sagte der Mann freundlich, »kotz woanders hin.«

»Schnauze!«, röchelte Brummie. »Ich kotz, w-wo es m-mir passt!« Mit glasigen Augen blickte er auf und erkannte den Mann: »Aah, d-du bist es, Dred! Schön, d-dich mal wieder zu sehen! Hahast d-du einen Z-Zwillingsb-bruder?«

»Du siehst doppelt, du bist betrunken, Jake.«

»Oh, d-das ma-macht g-gar nichts«, behauptete Jake Brummie, knickte jäh ein, kippte um und rollte auf die Main Street. Er seufzte selig und begann zu schnarchen.

Dred rieb sich die Nasenspitze, wischte dann die bekleckerten Stiefelspitzen an Brummies Hosenbeinen ab und ging schließlich vergnügt auf die noch schwach schlagenden Türflügel zu. Er drückte die Schwingtür auf und blickte unternehmungslustig umher.

Der Saloon war brechend voll.

Lässig stakste Dred auf seinen langen Beinen auf die Theke zu und grüßte mit Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand die dick angepinselten Saloongirls, die beim Anblick seiner schlanken und sehnigen Gestalt große Augen bekamen und nun möglichst verführerisch und liebreizend zu lächeln versuchten.

Dred war recht froh darüber, einen schmalen Platz zwischen all den Männern an der Theke gefunden zu haben.

»Was solls sein?«, schrie einer der Keeper durch den Lärm.

»Ist Post für mich gekommen?«, schrie Dred über den Tresen zurück.

Der Keeper nickte, griff in ein Fach neben den Flaschen und überreichte Dred einen Umschlag.

»Kam heut’ mit der Postkutsche an, Dred! Ist es der Brief, auf den du gewartet hast – der deiner Mutter?«

»Schrei nicht so!«, rief Dred. »Das braucht keiner zu hören!«

»Whisky?«

»Ja!« Dred atmete heftig aus. Er nahm den Whisky und ging hinaus, blieb neben der alten Stalllampe am Eingang stehen und riss umständlich den Umschlag auf.

Und da stand dann in verschnörkelter Schrift:

Mein lieber, großer Junge! Wir warten sehnsüchtig auf ein paar Zeilen von Dir. Hier ist alles in Ordnung. Der Schulmeister ist gestorben – man hat ihn erschossen. Der Großmutter von unserem Nachbarn geht es auch schlecht, aber ich glaube nicht, dass man sie erschießt. Deine Brüder sind oft weg, sie suchen nach einem Job. Du weißt ja, sie wollen arbeiten. Es sind brave Jungs. Komm bald nach Hause, wenn Du kannst. Und schreibe uns mal. Bist Du noch Sheriff von Ozark? Oh, Du hast es zu etwas gebracht, mein Junge, und wir sind stolz auf Dich! Ich muss jetzt Schluss machen und die Hühner füttern. In Liebe, Deine Mutter.

Dred lächelte versonnen und steckte den Brief in seine Jacke, trank einen Schluck Whisky und nickte vor sich hin.

»Irgendwann werde ich dich besuchen, Mutter und dann – «

Er verstummte und blickte die Main Street hinauf. Regendunst wehte über die Dächer hinweg, und dort, wo die Lichtbahn aus dem offenen Mietstall fiel, tauchte ein Fremder auf einem Maultier auf …

*

»Yea – er ist erschossen worden«, murmelte Dred; er stand gebeugt in der großen Hütte des Waffenschmieds, um nicht mit dem Kopf anzustoßen, »erschossen aus drei Yard Entfernung, also hier in der Hütte.«

Draußen schnaubten die Pferde, auf denen die Männer aus Ozark hergeritten waren. Es war ein kleines Aufgebot, das Dred gefolgt war. Die Männer standen durchnässt hinter ihm. Jemand hielt eine Stalllaterne hoch. Im spärlichen Laternenschein war nicht viel zu erkennen, doch schrecklich sah im Halbdunkel das Einschussloch aus. Darum schluckten die Männer würgend und atmeten schwer.

»Geht schon raus«, sagte Dred, der nun an seiner Jacke den Sheriffstern von Ozark trug, »und versucht, Spuren zu finden. Das wird so gut wie unmöglich sein – ich weiß. Versucht es trotzdem. Vielleicht habt ihr Glück. Und dann gnade Gott diesen Halunken!«

Die Männer gingen, und Dred hielt den alten Tramp am zerfetzten Ärmel des nassen und mit Strohhalmen bedeckten Hemdes fest.

»Warte, mein Freund. Überleg’ mal, hat nicht doch einer der Kerle das Ziel des Rittes genannt? Sie wollen sich doch sicher irgendwo treffen.«

Der Tramp neigte den kantigen Kopf und grübelte.

»Ich hab’ nicht alles verstanden, nur so viel: Sie wollen sich nur dann trennen, wenn was dazwischen-kommt. Yea, sonst bleiben sie zusammen.«

Dred nickte langsam.

»Ich hab’ auch mitgekriegt, dass der eine, wahrscheinlich der Anführer, Hopkins heißt. Dieser Hopkins war ganz schön wütend, weil ihn einer der Komplizen mit Namen angerufen hatte! Die Kerle wollen also natürlich möglichst unerkannt bleiben. Ich wette, dass sie noch so manche Sauerei vorhaben!«

Dred nickte wieder und blickte forschend in der Hütte umher.

»Da hast du recht. Sie haben sich Waffen und verdammt viel Munition besorgt. Mit dem Blei wollen sie bestimmt nicht auf Fliegen schießen!«

»Du hast ‘ne schwere Aufgabe, Sheriff«, meinte der Tramp. »In deiner Haut möcht’ ich nicht stecken. Wenn du alt und grau werden willst, dann ist es jetzt Zeit, den Blechstern einfach wegzuwerfen.«

Dred lächelte ernst und sah den Tramp im flackernden Schein der Stalllaterne verständnisvoll an.

»Manchmal möchte ich schon so sein wie du – frei wie der Wind. Aber auch du hast deine Sorgen, alter Mann.«

»Du willst also Sheriff bleiben«, stellte der Tramp fest. »Na, gut. Vielleicht willst du sogar US Marshal werden – Staatenreiter! Dann hast du den ganzen Westen unter deinen Stiefeln!«

»Sollen andere das entscheiden, Tramp. Ich muss hier als County Sheriff meine Pflicht tun, und dazu gehört, diese Bande zu suchen und möglichst innerhalb der Grenzen dieses County zu stellen, sonst kann ich nichts mehr gegen sie unternehmen. Dann ist das Sache eines anderen County Sheriffs oder eben eines US Marshals. Komm, zeig mir die Richtung, in die sie geritten sind.«

Sie verließen die große Hütte, in der der Tote lag. Es regnete schwach. Schwer tropfte es von den Bäumen. Nass glänzten die Felsen und Baumstämme im Mondschein, der immer wieder durch die Wolkendecke brach. Abwartend standen die Männer im nebligen Dunst; sie hatten keine Spuren finden können. Nur dort, wo die Sattelpferde gestanden hatten, war der Boden unter den Bäumen zerstampft. Felsiger Boden begann daneben.

»Da sind sie langgeritten, Sheriff«, berichtete der Tramp. »Ich hab’ das durch eine Fuge im Stall deutlich gesehen.«

»Wenn sie dich aufgespürt hätten, wärst du jetzt tot.«

»Auch der Waffenschmied hat nichts davon gewusst. Ich hab’ mich heimlich reingeschlichen.« Der alte Mann kratzte sich im nassen Nacken. »Ich hab’ da ‘ne Frage. Kann ich das Maultier behalten?«

»Ja. Und hol dir von mir aus Proviant aus der Hütte. Wohin willst du reiten? Zurück nach Ozark?«

»Ich will nach Kansas rauf.« Der Tramp verzog das faltige Gesicht. »Nein, ich such’ da keine Arbeit. In Kansas sieht es schlecht für ‘nen Mann aus, der Arbeit sucht. Die Rancher haben genügend Leute, und auf den Farmen ist auch nichts zu machen. Treibmannschaften mit riesigen Herden kommen aus Texas, und darum gibt es auch überall Stunk und Streit. Wer jung ist, muss dort versauern. Und wenn man so alt ist wie ich, muss man auf den Abfall warten, den andere wegwerfen.«

»Ich bin lange nicht in Kansas gewesen«, sagte Dred nachdenklich. »Dabei bin ich da zu Hause. Unser Vater ist im Bürgerkrieg gefallen. Unsere Mutter führt eine kleine Farm. Meine beiden Brüder sind bei ihr – das heißt, sie suchen auch Arbeit.«

»Sie suchen vergeblich.«

»Die Jungs sind tüchtig und finden sicher was.« Dred stakste zu seinem Pferd und stieg in den Sattel. »Vielleicht sehen wir uns irgendwann, Alter.«

Er setzte sich an die Spitze des kleinen Aufgebots und jagte davon.

Einer der Männer hinter ihm schimpfte ständig und rülpste laut. Als Dred sich halb im Sattel umdrehte, sah er, wie der leicht untersetzte Mann mit den sonst so strahlenden, listig-gerissenen Augen Mühe hatte, im Sattel zu bleiben; er schwankte, und jedes Mal, wenn sein Pferd über eine Bodenunebenheit hinwegsetzte, rülpste er gewaltig.

»Reiß dich zusammen, Jake Brummie!«, rief Dred zurück. »Vergiss nicht, dass du vereidigt worden bist! Ein Hilfssheriff steht seinen Mann!«

»Ich konnt’ dich nicht – rülps – allein losreiten lassen, Dred! Du brauchst einen – rülps!«

»Wenn du uns die Banditen verscheuchst, passiert was!«

*

Dred und die Männer verhielten. Hinter ihnen im Regendunst hatte Jake Brummie mit sich selber genug zu tun.

Vor ihnen lag ein langes schmales Tal. Dieses tiefe, zerklüftete Tal war offen – man konnte von allen Seiten aus eindringen und es auch nach allen Seiten wieder verlassen.

Und da unten stand eine kleine Hütte!

Der Morgen graute. Der Dunst verdichtete sich um die Hütte und hüllte sie mehr und mehr ein, doch so viel war gerade noch zu erkennen: Aus dem kurzen Schornstein stieg Herdrauch.

»Wahrscheinlich stecken die Halunken in der Hütte!«, sagte Dred rau. »Ihre Pferde sind nicht zu sehen. Die Tiere werden wahrscheinlich zwischen den Felsen gleich neben der Hütte sein. Wenn es uns gelingt, ihnen die Pferde zu nehmen, sitzen sie fest. Zu Fuß kann uns kaum einer entkommen.«

Die Männer aus Ozark unterschätzten nicht die Gefahr, die sie wahrscheinlich erwartete – eine tödliche Gefahr! Dred fragte die Männer, ob sie das Risiko auf sich nehmen wollten, und fügte hinzu: »Um euch würden nur wenige weinen, vielleicht gar keiner. Man wird euch kein Denkmal setzen!«

»Das wissen wir, Dred«, antwortete einer. »Wir haben aber den Eid abgelegt und halten uns daran. Du brauchst uns nicht mehr zu fragen – wir kämpfen an deiner Seite. Das tun wir nicht für dich, das tun wir für den Waffenschmied.«

»Well, dann nutzen wir die Morgendämmerung und machen uns an die Pferde ran. Haben wir sie, dann greifen wir die Hütte an.«

»Du entscheidest, Sheriff: Sollen wir Gefangene machen? Wir alle sind dagegen. Wir wollen voll draufhalten, weil diese Halunken einen Mann getötet haben. Die Hunde haben nichts anderes verdient, denen gehört ‘ne Ladung Blei! Also, was meinst du, Dred.«

Das war keine leichte Entscheidung, ging es doch um Menschenleben auf beiden Seiten. Und mit wie vielen Gegnern sie es zu tun hatten, wusste er nicht.

»Nun«, dehnte er und rieb sich die Nase, »tut das, was gut für euer Leben ist.«

»Also Feuer frei?«

»Yea!«

Sie ritten einzeln davon. Jeder blieb mit dem Seitenmann in Sichtverbindung.

Von hinten ritt seufzend und manchmal auch stöhnend Jake Brummie heran.

»Aah, da bist du ja schon, Jake! Schön, dass es dir gut geht. Wie wär’s, wenn auch du vorsichtig zur Hütte hinunterreiten würdest? Die anderen sind schon unterwegs, um die Sattelpferde zu suchen …«

»Komm mir nur nicht so!«, raunzte Jake. »Natürlich werd’ ich zur Hütte reiten, meine Knarre packen und die Halunken wegputzen!«

Sofort nach diesen Worten trieb er sein Pferd heftig an und jagte allein ins Tal – genau auf die Hütte zu, die drüben am zerklüfteten Hang kleb-te.

»Komm zurück, Brummie!«, rief Dred scharf. »Bist du des Teufels? Die Hundesöhne knallen dich ab wie einen vollgefressenen Aasvogel, der nicht mehr flattern kann! Verdammter Mist, kehr um! Hörst du nicht?«

Schimpfend ruckte Brummie im Sattel herum.

»Natürlich hör ich dich!«

»Mann, Kerl, denk’ doch an den vielen schönen Whisky, den du noch trinken kannst, wenn du jetzt zurückkommst! Jake, kehr um und …«

Er brach ab, es hatte keinen Zweck mehr: Brummie war schon unten im Tal, und wenn die Halunken in der Hütte waren, müssten sie ihn bereits in Umrissen gesehen haben!

»Mist!«, entfuhr es Dred, und dann ritt er hart an und jagte hinter Jake Brummie her, um ihn vor dem Schlimmsten zu bewahren …

Was nun geschah an diesem Morgen, das hatte Dred niemals ahnen können. Dass diese Banditen höllisch gefährlich waren, hatte er vorausgesetzt. Dass die Kerle aber völlig anders handelten als andere Banditen, dass sie sich einen ganz besonderen Trick ausgedacht hatten, um mögliche Verfolger fertigzumachen – das hätte auch ein Hellseher nicht voraussehen können. Der Plan war teuflisch und klug durchdacht, und hätte einem Commander der US-Kavallerie zur Ehre gereicht.

Es war Hopkins’ Plan.

Und er ging auf!

Die Gesetzlosen sahen Jake Brummie und dahinter, kaum wahrzunehmen den Sheriff von Ozark auf die Hütte zureiten.

»Nur zwei Mann?« Hopkins rätselte nicht lange herum. »Dann schlagen die anderen einen Bogen. Wetten, dass sie genau hierherkommen? Schießt mit den Gewehren, die treffen genauer als die Colts!«

»Was wird mit den beiden, die zur Hütte wollen?«

»Die müssen auf ‘ne Kugel warten!«, antwortete Hopkins kalt. »Dafür dürfen sie was Einmaliges erleben und zusehen, wie die anderen vor die Hunde gehen! Das ist doch auch was!«

Die Outlaws grinsten, und einer sagte: »Sie werden vor der Hütte abschwenken und in Deckung gehen. Dadurch verlieren sie Zeit und können auch nicht zu den anderen.«

»Schluss jetzt mit dem Gerede! Geht auf die Plätze!«

Widerspruchslos schlichen sie tiefgeduckt hinter Felsen und legten die Gewehre bereit. Regendunst erschwerte die Sicht. Noch waren keine Reiter zu sehen oder zu hören.

»Wenn Hopkins sich da nicht geirrt hat! Vielleicht sind es wirklich nur zwei Mann! Und dann ist es kein Aufgebot – dann kann es sogar Zufall sein! Die beiden Reiter haben womöglich überhaupt keine Ahnung, dass wir hier sind.«

»Kann sein«, pflichtete ihm ein Komplize bei, »denn so blöd wie die beiden, die auf die Hütte zureiten, kann doch niemand sein, der zu einem Aufgebot gehört! Das ist ja Wahnsinn!«

»Hopkins lässt sie durch, bis sie in der tödlichen Falle stecken – dann schlägt er zu!«

Das Gespräch verstummte, denn jeder musste nun auf die Umgebung achten. Irgendwo wieherte kurz ein Pferd auf – und die Pferde der Banditen drängten sich in der kleinen Mulde zwischen den Felsen unruhig aneinander. Die Pferde konnten nicht weglaufen, die Vorderbeine waren mit Stricken verbunden. Um diese Stricke zu lösen, bedurfte es nur eines kurzen Rucks am Knotenende. Für schnelle Flucht war also vorgesorgt.

Die im Dunst des Regens und der Morgendämmerung noch unsichtbaren Reiter des Aufgebotes kamen immer näher – und dann verstummte das dumpfe Hufgetrappel.

Was hinter den Felsen geschah, konnten die Banditen nicht sehen. Vermutlich saßen die Reiter ab, um dann näherzuschleichen.

Keiner vom Aufgebot konnte ahnen, dass alle Banditen in der Nähe ihrer Sattelpferde waren, die noch immer Waffen und Munition trugen. Und das war Hopkins’ Trick: Die Hütte war leer!

Er hatte damit gerechnet, dass das Aufgebot zusammenblieb. Griffen die Männer die Hütte an und drangen ein, waren sie in der Falle. Wollten sie die Pferde wegtreiben, gerieten sie vor die Gewehre.