Die besten Ärzte - Sammelband 84 - Katrin Kastell - E-Book

Die besten Ärzte - Sammelband 84 E-Book

Katrin Kastell

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Beschreibung

Willkommen zur privaten Sprechstunde in Sachen Liebe!

Sie sind ständig in Bereitschaft, um Leben zu retten. Das macht sie für ihre Patienten zu Helden.

Im Sammelband Die besten Ärzte erleben Sie hautnah die aufregende Welt in Weiß zwischen Krankenhausalltag und romantischen Liebesabenteuern. Da ist Herzklopfen garantiert!

Der Sammelband Die besten Ärzte ist ein perfektes Angebot für alle, die Geschichten um Ärzte und Ärztinnen, Schwestern und Patienten lieben. Dr. Stefan Frank, Chefarzt Dr. Holl, Notärztin Andrea Bergen - hier bekommen Sie alle! Und das zum günstigen Angebotspreis!

Der Inhalt dieses Sammelbands entspricht ca. 256 Taschenbuchseiten.

Jetzt herunterladen und sofort sparen und lesen.

Dieser Sammelband enthält die folgenden Romane:

Chefarzt Dr. Holl 1849 - Nur ein einziger Wunsch

Notärztin Andrea Bergen 1328 - Ein Cupcake und dein Herz

Dr. Stefan Frank 2282 - ...und dann war sie allein

Der Notarzt 331 - Katja schwimmt sich frei

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

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MOBI

Seitenzahl: 474

Veröffentlichungsjahr: 2026

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Katrin Kastell Isabelle Winter Stefan Frank Karin Graf
Die besten Ärzte - Sammelband 84

BASTEI LÜBBE AG

Vollständige eBook-Ausgaben der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgaben

Für die Originalausgaben:

Copyright © 2015/2017/2018 by

Bastei Lübbe AG, Schanzenstraße 6 – 20, 51063 Köln

Vervielfältigungen dieses Werkes für das Text- und Data-Mining bleiben vorbehalten.

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Für diese Ausgabe:

Copyright © 2026 by

Bastei Lübbe AG, Schanzenstraße 6 – 20, 51063 Köln

Covermotiv: © Bastei Verlag (unter Verwendung von KI-Software)

ISBN: 978-3-7517-9637-8

https://www.bastei.de

https://www.bastei-luebbe.de

https://www.lesejury.de

Die besten Ärzte - Sammelband 84

Cover

Titel

Impressum

Inhalt

Chefarzt Dr. Holl 1849

Nur ein einziger Wunsch

Die Notärztin 1328

Ein Cupcake und dein Herz

Dr. Stefan Frank 2282

… und dann war sie allein

Der Notarzt 331

Katja schwimmt sich frei

Guide

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Contents

Nur ein einziger Wunsch

Doch Dr. Wagner glaubt nicht mehr an Wunder

Von Katrin Kastell

Tannenduft erfüllt den Raum, und die beinahe vollständig heruntergebrannten Kerzen am Weihnachtsbaum spenden einen romantischen Schein. Zärtlich schmiegt sich die hübsche Hanna in Tobias Wagners Arme und lauscht selig seinem starken, beruhigenden Herzschlag. In diesem zauberhaften Moment kommt es ihr so vor, als hätte es die Jahre der Trennung nicht gegeben.

„Geh nie mehr von mir fort!“, raunt Tobias dicht an ihrem Ohr, und als sie den Kopf hebt und sich in seinem Blick verliert, wird für sie beide ein kleines Weihnachtswunder wahr.

Doch der Zauber des Heiligen Abends kann der Realität nicht standhalten. Schon am ersten Feiertag liegt Dr. Wagners Glück in Scherben …

Der Taxifahrer hielt. Hanna Zeller zahlte und stieg aus.

Hier musste es sein. Erwartungsvoll ging sie auf das Haus zu und schaute noch mal auf das Blatt, das sie von der Personalagentur bekommen hatte. Bei Frau Kohlmann sollte sie sich melden.

Sie drückte die Klingel. Es dauerte eine Weile, bis geöffnet wurde. Dann stand sie einer Frau gegenüber, die sie von oben bis unten ungeniert musterte.

„Was wünschen Sie?“

„Guten Tag.“ Hanna versuchte, freundlich zu bleiben. Bloß nicht sofort alles verderben. „Ich komme von der Agentur Berger & Ellinger“, sagte sie mit der Andeutung eines Lächelns. „Sie suchen eine Erzieherin für ein Kind.“

„Ach so“, lautete die Antwort. „Sind Sie denn dafür ausgebildet?“

„Natürlich, sonst hätte man mich nicht hierhergeschickt.“ Hanna wurde nervös. Wieso bat die Frau sie nicht herein?

„Wir hatten schon viele Kräfte hier“, bekam sie nun zu hören. „Niemand blieb lange.“ Frau Kohlmann ließ keinen Zweifel aufkommen, dass Hanna das gleiche Schicksal blühte.

„Wenn ich ungelegen komme …“

„Warten Sie!“ Und nach einem tiefen Luftholen: „Na gut, dann treten Sie, in Gottes Namen, näher.“

Die Frau schloss die Tür. Nun standen sie in einem großen Vorraum. Doch Anstalten, sie noch näher zu bitten, machte Frau Kohlmann nicht.

„Es geht um meine Enkelin. Sie ist zehn Jahre alt und ein äußerst schwieriges Kind. Sowohl sie als auch ihr Vater sind nicht zu Hause. Kommen Sie später noch mal wieder. Ungefähr in zwei Stunden müsste mein Schwiegersohn wieder da sein.“

Hanna verstärkte ihr Lächeln. „Aber der Termin war für vierzehn Uhr festgelegt. Man hat mir nahegelegt, pünktlich zu sein.“

Die Frau seufzte genervt. „Hören Sie, ich weiß von nichts. Vielleicht ist er in der Klinik aufgehalten worden.“

„Würden Sie ihn bitte anrufen und fragen, wann er kommt?“

Allmählich machte sich Ärger in Hanna breit. Warum bestellte man sie hierher, wenn man dann doch nicht ihre Dienste brauchte?

Ihrer Miene war anzusehen, dass die Frau diese Bitte nur ungern erfüllte.

„Ich will es versuchen. Bleiben Sie hier!“ Gerlinde Kohlmann entfernte sich.

Hanna nahm die Gelegenheit wahr und schaute sich um. Der Eingangsbereich war spärlich, aber geschmackvoll eingerichtet. Ein paar moderne Bilder hingen an den Wänden, zwei große Zimmerpflanzen standen auf dem Boden und auf den Treppenstufen lagen zwei aufgeklappte Bücher, als hätte sie dort jemand verloren.

Frau Kohlmann kam zurück. Wenn nicht der verbitterte Gesichtsausdruck gewesen wäre, hätte man sie für eine lebenslustige und gut aussehende Seniorin halten können.

„Mein Schwiegersohn bittet Sie zu warten. Er beeilt sich. Den Termin hat er übersehen.“

Dann kann es ihm ja kaum wichtig gewesen sein, für sein schwieriges Kind eine Betreuerin zu finden. Was tat sie überhaupt hier?

„Gehen Sie dort hinein!“ Frau Kohlmann wies auf einen Raum, in dem ein runder Tisch, vier gepolsterte Stühle sowie ein antikes Büffet standen.

Hanna legte Mantel und Kappe über eine Stuhllehne, zog die Mappe mit den Unterlagen aus der Handtasche und legte sie auf den Tisch. Sie nahm Platz. Angeboten wurde ihr nichts, noch nicht einmal ein Glas Wasser.

Draußen pfiff ein kalter Nordostwind und sollte im weiteren Verlauf Schnee im Gepäck haben. Sie schaute auf ihre Uhr. Eine halbe Stunde gab sie diesem Vater noch, der es offensichtlich nicht für nötig hielt, den ihm von der Agentur schriftlich mitgeteilten Termin zur Kenntnis zu nehmen.

Frau Kohlmann schaute wieder in den Raum. Ob sie Angst hatte, die fremde Besucherin könne hier etwas stehlen?

Nach knapp zwanzig Minuten fuhr draußen ein Wagen vor, ein Schlüssel drehte sich im Schloss. Sie hörte die tiefe Stimme eines Mannes und das erregte Getuschel von Frau Kohlmann.

„Bitte, entschuldigen Sie meine Verspätung, aber es ist mir im letzten Moment was dazwischen …“ Er hielt inne und starrte sie an.

„Tobias!“ Hanna war aufgestanden. So etwas Verrücktes konnte es doch gar nicht geben. Oder doch? Für ein paar Sekunden war sie so verwirrt, dass sie keinen klaren Gedanken fassen konnte.

Er trat auf sie zu, rang sich ein Lächeln ab und gab ihr die Hand.

„So sieht man sich wieder. Ein verrückter Zufall. Aber bitte behalte doch Platz. Was kann ich dir anbieten? Einen Kaffee vielleicht? Ich glaube, den können wir jetzt beide gebrauchen.“

Er verschwand kurz und gab ein paar Anweisungen, dann kam er zurück.

„Meine Schwiegermutter ist manchmal etwas kompliziert“, erklärte er. „Aber das hat nichts zu bedeuten. Jetzt erst einmal der Reihe nach. Du bist hier, weil dich die Agentur geschickt hat, richtig?“

„Genau.“ Ihre Stimme schwankte zwar noch ein wenig, aber sie konnte wenigstens wieder sprechen. „Ich sollte mich bei Frau Kohlmann melden.“

„Wie lange haben wir uns jetzt nicht gesehen, Hanna?“

„Zehn Jahre.“ Die schnelle Antwort bereute sie sofort. Ein vorgetäuschtes Nachrechnen wäre in diesem Fall besser gewesen.

„Wahnsinn, wie die Zeit vergeht“, meinte er. „Und du bist also Erzieherin geworden?“

Sie nickte flüchtig. „Ich war bis vor Kurzem in Hamburg. Dort habe ich Vorschulkinder betreut.“ Sie deutete auf die Mappe, die bereits auf dem Tisch lag. Darin befanden sich alle Nachweise und Zeugnisse über ihre bisherigen beruflichen Stationen. Doch nun war es nicht mehr nötig, dass Tobias sich einen Überblick verschaffte, denn hier würde sie auf keinen Fall zusagen.

Mit grimmiger Miene trat Frau Kohlmann ein, stellte das Tablett mit Tassen, Kaffee und ein paar Keksen geräuschvoll auf den runden Tisch und entfernte sich dann wieder.

„Meine Tochter ist zehn. Sie braucht ein wenig Nachhilfe und ansonsten eine junge Frau, die sich um sie kümmert.“ Dr. Tobias Wagner schenkte den Kaffee ein.

„Unter diesen Umständen ziehe ich meine Bewerbung natürlich zurück“, hörte Hanna sich sagen. „In der Agentur hat man nur von Frau Kohlmann gesprochen. Ich konnte ja nicht wissen, dass ich dich wiedersehen würde.“

„Ist das wirklich so schlimm?“

„Kein Kommentar“, beschied sie ihn, goss ein wenig Milch in den Kaffee und nahm einen Schluck.

„Lass uns doch erst ganz sachlich miteinander reden“, schlug Tobias vor. Seine Miene vermittelte den Eindruck, als freute er sich durchaus, so plötzlich seiner Jugendliebe gegenüberstehen. Oder besser: einer seiner Jugendlieben.

„Warum kann deine Schwiegermutter sich nicht um dein Kind kümmern? Sie war ziemlich abweisend.“

„Mach dir nichts daraus. Das ist ihr Charakter. Meine Tochter, sie heißt übrigens Rosi, ist ihr oft zu laut und zu temperamentvoll. In ihrem Alter schafft Gerlinde das nicht mehr, sagt sie sogar selbst. Also ist es doch naheliegend, dass ich jemanden einstelle. Eine junge Frau, die sich zutraut, meine Tochter sanft zu führen, ihr Impulse zu geben und ihr so was wie eine mütterliche Freundin zu sein.“

„Und Rosis Mutter?“, fragte Hanna leise. Nach der Trennung vor zehn Jahren hatte sie nie wieder was von Tobias gehört. Dafür aber noch lange von ihm geträumt.

„Sie ist bei der Geburt gestorben“, antwortete der Arzt mit schmalen Lippen. „Rosi hat nie eine Mutter gehabt.“

„Das tut mir leid.“

„Es gab schon eine ganze Menge Betreuerinnen, die sich um Rosi kümmerten. Eine zog weg, eine andere wurde schwanger, mit zweien kam Rosi überhaupt nicht zurecht oder die mit ihr. Die letzte hatte ständig Streit mit meiner Schwiegermutter, sodass im Haus ständig dicke Luft war. Ich arbeite als Internist in der Berling-Klinik und habe viel zu tun. Rosi kommt bald in ein schwieriges Alter. Ich brauche Entlastung.“

„Tut mir wirklich leid, Tobias, aber ich glaube, das ist keine gute Idee.“

„Was ist daran so kompliziert? Ja, wir hatten mal eine nette Zeit miteinander. Das ist doch eigentlich eine gute Voraussetzung, jetzt eine Zusammenarbeit zu wagen, oder? Ich vertraue deinen Fähigkeiten als Erzieherin.“

Nette Zeit! Hanna starrte den Mann an. Er schien wirklich nicht zu ahnen, was er damals für sie bedeutet hatte.

Sie schüttelte den Kopf. „Ich weiß nicht.“

„Warum versuchen wir es nicht? Du bekommst ein gutes Gehalt bei geregelter Arbeitszeit. Urlaub natürlich inklusive. Du könntest sogar hier im Haus wohnen. Es gibt ein abgeteiltes Apartment mit Bad und separatem Eingang …“

„Danke, aber ich habe schon eine Wohnung. Bin gerade dabei, sie einzurichten.“

„Lass uns wenigstens eine Probezeit vereinbaren, bitte! Danach können wir immer noch entscheiden, wie es weitergehen soll.“

Hanna zögerte immer noch. Alles, was Tobias sagte, klang verlockend. Zu verlockend, um wahr zu sein.

„Erzähl mir von deiner Tochter!“, bat sie. Sie betrachtete sein schmales Gesicht. Es kam ihr vor, dass es viel von seiner früheren Unbekümmertheit verloren hatte. Aber es stand ihr nicht zu, ein vorschnelles Urteil zu fällen.

„Komm doch einfach morgen wieder“, schlug Tobias vor. „So am Abend gegen sechs? Dann lernst du Rosi kennen und bekommst einen Eindruck von ihr.“

Hanna nippte an ihrer Tasse. Die Kekse rührte sie nicht an.

„Einverstanden“, sagte sie. Diese Zeit zum Nachdenken kam ihr sehr gelegen.

***

Chefarzt Dr. Holl legte die Hände aneinander.

„Liebe Frau Kohlmann, Sie sollten sich von Ihrer Krankheit nicht unterkriegen lassen. Aber ernst nehmen sollten Sie den Diabetes mellitus schon.“

„Ich hab’s ja versucht, Doktor Holl. Aber Sport war noch nie mein Fall.“

„Täglich eine halbe Stunde an der frischen Luft, das wäre schon ein guter Anfang. Legen Sie sich einen Hund zu …“

„Um Himmels willen!“ Gerlinde schüttelte entsetzt den Kopf. „Ich finde Hunde schrecklich. Ich mag sie nicht, und sie mögen mich nicht.“

„Mein Vorschlag war auch nicht ganz ernst gemeint“, erklärte Stefan lächelnd. Er ersparte sich jetzt, ein weiteres Schreckensszenario zu entwerfen und von all den Folgekrankheiten zu reden, die im Hintergrund lauern konnten.

„Aber ich muss Ihnen schon sagen, dass sich bis jetzt Ihre Blutzuckerwerte noch nicht gebessert haben. Darum ist es jetzt an der Zeit, eine Medikamenten-Therapie mit dem Wirkstoff Metformin zu beginnen. Falls sich dieses Mittel in den kommenden drei bis sechs Monaten als nicht ausreichend erweist, müssen wir eine Insulinbehandlung einleiten. Aber jetzt versuchen Sie es erst einmal mit den Tabletten. Ich schreibe Ihnen das Medikament auf. Nehmen Sie zweimal täglich eine Tablette. In vierzehn Tagen werden wir die Dosis den Blutzuckerwerten anpassen.“

Gerlinde nahm das Rezept entgegen. Dr. Holl behandelte die Schwiegermutter seines Kollegen Wagner schon seit einigen Jahren. Besonders einsichtig zeigte sie sich allerdings nie, sondern machte meistens böse Mächte für ihr Schicksal verantwortlich.

Immer wieder kam sie auf den Tod ihrer Tochter Margot zu sprechen. Und dass sie seit jenem schwarzen Tag ihre ganze Lebensfreude verloren habe, denn Margot war ihr Sonnenschein, ihr ganzer Lebensinhalt gewesen. Niemand konnte den Verlust wettmachen, schon gar nicht Enkelin Rosi, deren Geburt der Grund für Margots Herzversagen gewesen war.

„Das wär’s dann für heute“, verabschiedete sich Dr. Holl von seiner Patientin. „Lassen Sie sich einen neuen Termin in zwei Wochen geben.“

„Wiedersehen, Doktor.“

Stefan fühlte sich erleichtert, als Gerlinde gegangen war. Sie gehörte zu den Leuten, die ihren Arzt ganz für sich allein beanspruchten und ihn mit endlosen Wortsalven zudeckten, ganz egal, wie viele Patienten sonst noch ärztliche Hilfe benötigten. Intensive Gespräche mit seinen Patienten hielt Stefan auch in den hochtechnisierten Zeiten der Apparatemedizin für unverzichtbar, aber er musste sich ja auch noch um andere Kranke kümmern.

Später traf er noch mit Tobias Wagner zusammen und informierte ihn über die angeordnete Therapie. „Achten Sie darauf, dass sie die Medikamente regelmäßig nimmt.“

Tobias, ein schlanker Mann, der schon allein durch seine Größe Dominanz verbreitete, verzog das Gesicht. „Meine Schwiegermutter gehört zu den Menschen, die sich nichts sagen lassen und nur sehr ungern einen Rat annehmen, selbst wenn er von einem Fachmann kommt. Um es mal ganz klar zu sagen, Doktor Holl: Sie und ich, wir mögen uns nicht besonders.“

„Und dieses Verhältnis lässt sich nicht verbessern?“

„Kaum. Für ihre einzige Tochter hat Gerlinde sich immer etwas Besseres gewünscht, einen Mann mit reichlich Kohle und mindestens einer Yacht in Monte Carlo. Der Student Wagner war ihr nicht gut genug. Damals hat mich das gekränkt, und wenn ich ehrlich bin, tut es das bis heute.“

Stefan legte dem jüngeren Kollegen eine Hand auf die Schulter.

„In unserem Job müssen wir alles geben, da wäre ein unkompliziertes Privatleben natürlich von Vorteil. Aber manchmal ist es das Beste, die Dinge einfach an sich abprallen zu lassen.“

Tobias lächelte und zeigte seine Zähne. „Das praktiziere ich schon lange, sonst wäre es nicht zum Aushalten.“

„Übrigens hat Juju mir erzählt, dass sie zusammen mit Ihrer Rosi im Krippenspiel auftritt.“

„Ach, wirklich?“, lautete Tobias’ erstaunte Rückfrage. „Davon hat mir meine Tochter nichts erzählt. Aber ich werde sie noch heute danach fragen.“

***

„Clemens, was soll das? Ich hatte dich doch gebeten, mir nicht hinterherzutelefonieren. Es war alles abgesprochen. Also, was willst du?“ Hanna konnte den Ärger über seinen Anruf förmlich in sich hochkriechen spüren. Sie versuchte, kühl zu bleiben.

„Ich habe Sehnsucht nach dir.“

„Tut mir leid, aber das kann ich nicht ändern.“

„Warum musstest du auch gleich nach München gehen? So weit weg!“, quengelte er wie ein kleiner Junge.

„Himmel, geht das schon wieder los! Weil ich gern hier lebe. Genügt das? Außerdem darf ich dich daran erinnern, dass es dich nichts mehr angeht.“

„Wir hätten noch mal über alles reden sollen …“

„Wie oft denn noch?“, fiel sie ihm ins Wort. „Ich habe lange genug auf eine Entscheidung von dir gewartet. Meine Geduld war einfach zu Ende. Trotzdem wünsche ich dir alles Gute. Wir müssen ja jetzt nicht zu Feinden werden. Das bisschen Trennungsschmerz wirst du schon verwinden.“

„Du klingst, als wärst du froh, mich los zu sein.“

Tatsächlich empfand Hanna das Aus ihrer Beziehung in gewisser Weise folgerichtig. Ein bisschen weh tat es zwar auch, aber seit sie in der bayrischen Hauptstadt wieder Fuß gefasst hatte, hielt sich der Kummer in Grenzen.

Es gab zum Neustart ja auch so viel zu erledigen, dass sie kaum zum Nachdenken kam. Behördengänge, Jobsuche, Einkäufe für die Wohnung, Einigung mit dem Vormieter – mit all diesen Dingen war sie vollkommen ausgelastet. Abends aß sie eine Kleinigkeit und fiel müde ins Bett. Und bevor sich trübe Gedanken anschleichen konnten, schlief sie schon.

„Ich komme nächstes Wochenende zu dir!“

„Nein!“, wies sie seine Worte, die auf sie wie eine Drohung wirkten, mit deutlicher Schärfe zurück. „Das wirst du nicht tun. Und wenn doch, so werden wir uns nicht sehen. Ich brauche jetzt alle Zeit für mich. Mit dir konnte ich nicht mehr zusammen sein, weil ich mich nicht noch länger hinhalten lassen wollte. Ich hatte genug. Verstehst du das nicht?“

„Aber ich lebe doch von meiner Frau getrennt! Da ist nichts mehr.“

„Eben! Wenn da nichts mehr ist, kannst du dich auch scheiden lassen. Aber genau das willst du nicht. Du fürchtest einen klaren Schnitt. Im Klartext heißt das: Du hängst immer noch an ihr und kommst von ihr nicht los.“

„Aber das ist doch kompletter Blödsinn!“, rief er. „Und du bist hoffnungslos altmodisch. Die Ehe hat ihre Bedeutung längst verloren.“

„Wirklich? Warum gibst du sie dann nicht auf?“

Es kam keine Antwort.

„Für mich gehören Ehe und Treue zusammen“, fuhr Hanna fort. „Ich gestehe anderen ihre eigene Meinung zu, auch dir. Aber wenn du verheiratet bleiben und mit mir nur ein Verhältnis haben willst, dann bist du nicht der Mann, mit dem ich leben möchte. Darum die Trennung. Ich hoffe, du hast es jetzt verstanden.“

„Wir hätten eine schöne Wohnung hier in Hamburg haben können.“

„Sag mal, was soll das jetzt noch? Ich bin in München, und ich bleibe hier. Der Mietvertrag ist für drei Jahre geschlossen. Ich will mir hier eine neue Existenz aufbauen. Daran wirst du nichts mehr ändern. Du hast Zeit genug gehabt, auf meine Bitten einzugehen. Jetzt ist es zu spät.“

„Ich liebe dich immer noch“, sagte er leise.

Hanna glaubte, ein unterdrücktes Schluchzen zu hören. Aber sie unterdrückte ihr Mitgefühl.

„Was soll ich denn jetzt ohne dich tun? Ich kann dich doch nicht einfach aus meinen Gedanken streichen.“ Wieder dieser Jammerton.

„Mit der Zeit wirst du mich vergessen. Wir sind nicht die ersten Menschen auf der Welt, die auseinandergehen. Also sei ein Mann und beiß die Zähne zusammen.“

Eigentlich war sie sonst nicht so kaltschnäuzig, aber in diesem Fall empfand sie sogar eine gewisse Genugtuung, ihn abzukanzeln.

„Es ist vorbei. Und jetzt muss ich weg, hab schon viel zu lange mit dir geplaudert. Alles Gute, Clemens.“

Sie brach das Gespräch einfach ab. Als er sofort wieder anrief, drückte sie ihn weg. Jetzt nicht! Und morgen auch nicht. Ich kümmere mich nun um mich selbst und nicht um die Befindlichkeiten meines Exfreundes. Das Kapitel Clemens ist geschlossen. Ich kann auch ohne Mann glücklich sein. Wär doch gelacht!

Sie spürte einen Stich im Herzen, doch nach dem nächsten Durchatmen war der kleine Schmerz schon wieder verschwunden.

***

Rosi war eine talentierte Zeichnerin und skizzierte mit ein paar großen Strichen ein Porträt ihrer Großmutter. Besonders gut traf sie die meistens nach unten zeigenden Mundwinkel, die Omas verdrießliche Lebenssicht so treffend darstellten.

Tobias grinste breit. „Sehr präzise! Wie ins Schwarze getroffen, mein Schatz. Das zeigst du ihr aber nicht!“

„Warum nicht?“ Rosi, ein hochgewachsenes, dünnes Mädchen, zeichnete eifrig weiter.

„Sie könnte gekränkt sein.“

„Das ist sie doch sowieso immer“, meinte seine kluge Tochter leichthin. „Warum ist sie so, Papa? War sie früher auch schon so?“

„Es sind die Schicksalsschläge, die sie nicht verkraftet. Du weißt doch, was passiert ist. Erst starb ihr kleiner Sohn, dann ihr Mann und schließlich noch ihre Tochter, deine Mama.“

„Erzähl mir von Mama. Wie lieb hast du sie gehabt?“

„Wie meinst du das?“

„Sehr lieb, mittel lieb oder ein bisschen lieb.“

„Willst du einen Vater verhören?“

„Ein mutterloses Kind wie ich darf alles wissen.“

Rosis forscher Tonfall amüsierte ihn. Manchmal konnte seine Tochter ziemlich penetrant sein, aber er mochte das. Zeigte ihm ihr Verhalten doch, dass sie jetzt schon begann, sich durchzusetzen.

„Alle hatten deine Mama lieb“, sagte Tobias leise. „Und es ist immer sehr traurig, einen lieben Menschen wie sie zu verlieren. Dennoch müssen wir damit fertigwerden.“ Nicht zum ersten Mal verlangte Rosi, etwas über ihre Mutter zu wissen. Tobias beschrieb Margot immer in den wärmsten Tönen und vergaß auch nicht zu erwähnen, dass Rosi ein Wunschkind gewesen sei.

„Wir werden geboren, leben und sterben eines Tages“, fuhr er fort. „Das ist der Lauf der Welt. Daran kann niemand etwas ändern. Weder die Medizin noch irgendwelche anderen Wissenschaften.“

„Oma hat neulich gesagt, Mama könnte noch leben, wenn alles gut gegangen wäre“, berichtete Rosi, während sie mit prüfenden Blicken ihr Bild betrachtete. „Was meint sie damit?“

„Ja, ich weiß, das behauptet sie immer wieder mal. Im Prinzip ist das natürlich richtig. Wenn Mama nicht krank geworden wäre, dann lebte sie noch. Aber sie ist nun mal krank geworden. Wir konnten es nicht verhindern und müssen uns deshalb alle abfinden mit dem, was passiert ist. Oma will das nicht, obwohl auch sie nicht sagen kann, was die Ärzte falsch gemacht hätten. Sie kann einem leidtun.“

„Oma sagte auch, dass sie bald sterben wird. Ist das wahr, Papa?“

„Oma hat Zucker. Wenn sie aber alles tut, was ihr der Arzt sagt, dann wird sie daran nicht sterben.“ Jedenfalls vorerst nicht, fügte er in Gedanken hinzu. „Aber jetzt wasch dir mal die schwarze Farbe von den Händen. Gleich kommt Hanna. Ich habe dir doch schon von ihr erzählt. Ihr werdet euch gut verstehen. Sie ist sehr nett.“

Rosi schob die Lippen nach vorn. „Schon wieder eine Neue! Brauchen wir die wirklich? Ich bin doch fast erwachsen …“

Tobias zog seine Tochter an sich. „Davon kann noch lange keine Rede sein“, widersprach er liebevoll. „Lass dir nur Zeit damit. Aber jetzt mal was anderes. Ich hörte von Jujus Vater, dass du im Krippenspiel mitwirkst.“

Rosi machte eine wegwerfende Handbewegung.

„Ich bin der Melchior von den drei Königen, der braucht nicht viel zu sagen. Und Juju ist die Maria. Allerdings muss sie noch etwas zärtlicher werden mit dem Baby, hat Frau Meyer gesagt. Juju ist zu temperamentvoll. Das passt nicht zur Maria.“

„Vielleicht sollte sie mehr lächeln, wenn sie sich über das Kind beugt.“

„Ja, kann sein.“ Rosi legte das Blatt in ihren Zeichenblock zurück und marschierte ins Bad, um sich die Zeichenkohle von den Fingern zu waschen.

***

Hanna war eine Station vorher aus dem Bus gestiegen und ging das letzte Stück zu Fuß. Da sie noch keine neue Arbeit hatte, konnte sie sich nicht schon wieder ein Taxi leisten.

Von der Personalagentur hatte sie noch zwei weitere Familien genannt bekommen, die eine Erzieherin für kleinere Kinder suchten. Hoffentlich würde es mit einer davon klappen. Aber zuvor musste sie Tobias ihre Entscheidung mitteilen. Das hatte sie versprochen und daran hielt sie sich auch.

Eigentlich hätte sie ihm ihre Absage auch telefonisch durchgeben können, aber da sie die Mappe mit den persönlichen Unterlagen bei ihm gelassen hatte, kam sie eben noch einmal selbst.

Ihren Mantel trug sie aufgeknöpft. Die Kälte hatte deutlich nachgelassen. Aus dem Süden wehte der Föhn über die Stadt und trieb die Temperatur in den Plusbereich. Vor der breiten Eingangstür holte sie noch einmal tief Luft, bevor sie klingelte.

Sie hörte hastige Schritte, dann wurde die Tür aufgerissen. Hanna schaute in ein neugieriges Augenpaar, das zu einem blassen Mädchengesicht gehörte.

„Hallo, du bist Hanna. Ich bin Rosi.“ Eine kleine, schmale Hand streckte sich ihr entgegen.

„Grüß dich, Rosi.“

„Komm rein! Papa kommt gleich. Er ist noch mal schnell in den Supermarkt gefahren. Oma konnte heute nicht einkaufen. Sie liegt schon den ganzen Tag zu Bett.“

„Ist sie krank?“

„Sieht so aus. Oma hat immer irgendwas. Sie ist ja nicht mehr die Jüngste.“

Rosi erinnerte sich, was der Vater ihr aufgetragen hatte, nämlich die Besucherin nicht zu duzen. „Kommen Sie herein!“

Hanna überlegte einen Moment, ob sie dem Kind vorschlagen sollte, es beim Du zu belassen, aber da sie ja ohnehin heute zum letzten Mal hier war, erschien ihr das nicht nötig.

Diesmal wurde sie nicht in den Raum mit dem runden Tisch gebeten, sondern gleich ins große Wohnzimmer mit seiner breiten Fensterfront auf den Garten hinaus. Sofort fiel ihr die Kommode an der heiteren Wand auf, die vollgestellt war mit gerahmten Fotos. In der Mitte der Kommode stand eine Vase mit frischen Blumen. Das Ganze wirkte wie ein Altar.

„Schön habt ihr es hier“, stellte Hanna fest, nur um irgendwas zu sagen.

Sie hatte sich vorgestellt, mehr oder weniger rasch ihre Mappe an sich zu nehmen und wieder zu gehen. Dass sie nun in einem bequemen Polstersessel saß, brachte sie etwas aus dem Konzept. „Aber ich wollte gar nicht lange bleiben.“

„Papa wird bald wieder da sein. Bitte, essen Sie doch einen Zimtstern. Papa hat sie gekauft. Früher hat die Oma noch gebacken, aber sie sagt, das kann sie heute nicht mehr. Kannst du Plätzchen backen?“

Hanna war sich gar nicht bewusst, dass sie lächelte, als Rosi schon wieder beim Du gelandet war. Sie unterließ es auch, das Kind zu korrigieren.

„Ich habe es noch nicht versucht“, bekannte sie. „Aber besonders schwer stelle ich es mir auch nicht vor. Wenn man ein gutes Rezept hat, müsste es gelingen.“

„Wir könnten es ja zusammen ausprobieren“, schlug Rosi begeistert vor.

„Ich glaube, das wird nicht gehen.“

„Ja klar. Du bist ja keine Köchin, sondern Gouvernante.“ Wie sie mit spitzem Mund dieses Wort aussprach, dabei heftig mit den Augen klimperte, brachte sie Hanna zum Lachen. „Ich finde Sie trotzdem ganz nett.“

„Danke.“ Hanna nahm sich ein Plätzchen. Es schmeckte wirklich ein wenig nach Weihnachten. „Aber weißt du, ich werde gar nicht hierbleiben können. Auf mich warten andere Aufgaben.“

Was für ein Satz! So hatte sie das gar nicht sagen wollen. Das musste sich ja anhören, als hätte sie ein viel besseres Angebot. Dabei wollte sie das Kind doch gar nicht kränken.

Rosi schaute Hanna verwundert an. „Aber Papa hat gesagt …“

„Das war wohl ein Missverständnis.“

„Schade.“ Rosi wurde still.

„Ich wünsche dir aber, dass ihr bald eine nette Erzieherin findet.“

„Wieso?“, fragte die wohlbekannte dunkle Stimme in ihrem Rücken. „Willst du denn nicht bleiben? Wir hatten doch schon eine Probezeit vereinbart.“ Er kam auf sie zu und gab ihr die Hand. „Freut mich, dich zu sehen.“

„Wieso Probezeit?“, fragte Hanna zurück und kam sich plötzlich vor wie eine Spielverderberin. Rosis bittender Blick aus blauen Augen tat ein Übriges, um sie zu verunsichern. „Wir hatten doch nichts dergleichen …“

„Ich habe dir diesen Vorschlag gemacht. Und du hast nicht widersprochen.“

Das war ziemlich hinterhältig von ihm. Was er auch zu wissen schien. In seinen Mundwinkeln zuckte es unmerklich.

„Also ich …“ Hanna brach ab, schaute auf Rosi, dann wieder auf ihren Vater.

Tobias verstand sofort. „Lass uns mal für drei Minuten allein“, forderte er Rosi auf, die schmollend gehorchte.

„Warum versuchst du jetzt, mich auf etwas festzulegen, was ich nie gesagt habe?“, stellte Hanna ihn zur Rede.

Tobias betrachtete seine Hände und bewegte die schlanken Finger.

„Es war reines Wunschdenken“, gestand er schließlich. „Entschuldige bitte. Aber ich hatte mir schon vorgestellt, wie wir zusammen ein paar Weihnachtslieder singen. Rosi schwärmt immer davon, wie in anderen Familien Weihnachten gefeiert wird. Sie weiß das von den anderen Kindern. Ich habe dann stets ein schlechtes Gewissen. Und mir wird bewusst, dass ich kein vollwertiger Vater bin. Ich kann meiner Tochter nicht das bieten, was sie eigentlich verdient hätte.“

Er presste die Handflächen an seine Schläfen.

„Aber du kannst ja nichts für diese Situation.“

Er schenkte ihr einen traurigen Blick. „Beim Krippenspiel sitzen alle Angehörigen der Kinder im Publikum. Rosi kann nur auf ihren Vater zählen. Und nicht einmal auf den, wenn der plötzlich in der Klinik gebraucht wird. So wie letztes Jahr. Das ist für ein Mädchen ihres Alters schlecht zu verkraften.“

„Hör zu, Tobias …“

„Hast du schon woanders zugesagt?“

„Nein, ich …“

Temperamentvoll warf er die Arme in die Luft.

„Eine Probezeit von vier Wochen – wäre das so unmöglich für dich? Ich bezahle dich gut. Im Januar kannst du dir doch immer noch was Neues suchen. Ja, ich weiß, damals habe ich mich schlecht benommen, dir vielleicht sogar wehgetan. Keine Ahnung. Ich verdiene deine Zustimmung nicht. Aber wegen Rosi bitte ich dich, noch mal darüber nachzudenken und Ja zu sagen. Nur für vier Wochen!“

Hanna atmete ein, dann wieder aus. Ihre Augen folgten dem ruhelosen Mann, der jetzt vor ihr auf und ab ging.

„Okay“, sagte er. „Ich kann dich zu nichts zwingen. Und natürlich will ich das auch gar nicht.“

„Vier Wochen“, hörte Hanna sich sagen. „Aber nicht länger. In den ersten Januartagen bin ich wieder weg.“

Abrupt blieb er stehen. „Wirklich?“

„Ja.“ Das klare Wort wurde von einem zustimmenden Nicken begleitet.

„Wann soll ich anfangen?“

„Morgen. Du kannst Rosi von der Schule abholen.“

Er verschwand und kam kurz darauf mit sechs Fünfzig-Euro-Scheinen zurück.

„Hier, damit kannst du Fahrkarten bezahlen oder auch ein Taxi. Vielleicht wollt ihr irgendwo was essen oder über den Weihnachtsmarkt bummeln. Am Nachmittag sollte sie dann noch Hausaufgaben machen. Wenn du sie dabei beaufsichtigst, wäre mir eine große Last von den Schultern genommen. Unser Gästezimmer steht dir zur Verfügung. Dort kannst du dich zwischendurch ausruhen oder auch nachts mal schlafen, wenn es sich ergibt. Ich will, dass du dich bei uns wohlfühlst. Auch wenn es nur vier Wochen sind, so sollst du sie in guter Erinnerung behalten.“

Die Erleichterung über die unverhoffte Wende der Dinge war ihm anzusehen.

„Komm, wir geben uns die Hand darauf! Selbstverständlich unterschreiben wir auch noch einen richtigen Vertrag, in dem das beiderseitige Kündigungsrecht nach der Probezeit vermerkt ist.“

Hanna folgte seiner Aufforderung. „Dann also bis morgen“, sagte sie. „Aber eine Frage habe ich noch. Werde ich viel mit deiner Schwiegermutter zu tun haben?“

„Überhaupt nicht“, winkte er ab. „Wenn Gerlinde nicht krank ist, geht sie lieber in ihren Bridgeclub. Sie wird sogar froh sein, dass ihr jetzt eine Last abgenommen wurde. Sie bewohnt das kleine Apartment nebenan mit eigenem Eingang. Aber natürlich kann sie auch jederzeit mit ihrem Schlüssel das Haus betreten.“

Hanna angelte sich noch ein Plätzchen, bevor sie ging. Tobias brachte die Besucherin zur Tür. Rosi kam aus ihrem Zimmer.

„Bis morgen!“, verabschiedete sich Hanna von dem Mädchen. „Das heißt, wenn du überhaupt mit mir einverstanden bist.“

„Das bin ich. Hab ich doch schon gesagt.“

Hanna registrierte, dass Rosi die blauen Augen ihres Vaters hatte. Sie konnte nicht anders, als ihrem neuen Schützling über das braune Haar zu streichen, das am Hinterkopf mit einem Band zusammengehalten wurde.

„Ich freu mich“, sagte Hanna noch. Diese Aussage galt zwar nur für das Zusammensein mit Rosi, aber irgendwie würde sie mit Tobias auch klarkommen. Er war ja ein vielbeschäftigter Arzt und ohnehin nur selten daheim.

***

„Wieso hast du dich so schnell für diese Frau entschieden?“, erkundigte sich Gerlinde bei ihrem Schwiegersohn. Ihre schlechte Laune war offensichtlich. „Du kennst diese Frau doch gar nicht.“

Einen Augenblick überlegte Tobias, ob er die Wahrheit sagen sollte. Aber da er befürchtete, dass die Situation dann nur noch komplizierter wurde, ließ er es. Wenn Gerlinde erfuhr, dass er und Hanna mal ein Paar gewesen waren, und das auch noch, als Margot schon schwanger gewesen war, würde er keine ruhige Minute mehr haben.

„Sie hat auf mich gleich einen seriösen Eindruck gemacht. Außerdem habe ich natürlich Erkundigungen über sie eingezogen. Sie hat in einigen Kitas in Hamburg gearbeitet. Alle Einrichtungen haben ihr die besten Zeugnisse ausgestellt.“

„So was kann man heutzutage doch alles fälschen.“

Tobias deutete nur ein Kopfschütteln an. Gerlindes Art, alles schlecht zu machen, regte ihn schon lange nicht mehr auf. Er wollte sich nicht mit ihr streiten, aber manchmal führte kein Weg daran vorbei.

„Ihre Unterlagen sind nicht gefälscht. Im Übrigen heißt sie Hanna Zeller. Sie wird Rosi guttun.“

„Das ist noch die Frage. Vielleicht wiegelt sie das Kind gegen mich auf. Und wer weiß, welche Motive sie überhaupt hat, sich einen Witwer mit Tochter zu suchen. Kommt dir nicht in den Sinn, dass sie sich hier nur ins gemachte Nest setzen möchte?“

„Dazu gehören immer noch zwei.“ Tobias gab sich keine Mühe, einen ärgerlicher Seufzer zu unterdrücken. Immer wieder diese Gespräche, die zu nichts führten! „Lass uns doch später darüber reden, wenn sie eine Weile hier ist und wir sehen, wie gut oder schlecht sie ihre Arbeit macht.“

Er schaute zur Kommode hinüber, auf denen die Porträts der drei Menschen standen, die Gerlinde verloren hatte. Ehemann Erich, Sohn Felix und Tochter Margot, wobei die Fotos ihrer Tochter in der Überzahl waren.

Die aufgestellten Rahmen störten ihn schon lange. Nach und nach würde er sie abbauen. Gerlindes Sohn und Mann hatte er gar nicht gekannt. Außerdem war er der Meinung, dass sie ihre Andenken in ihrem eigenen Apartment aufbewahren sollte und nicht in seinem Wohnzimmer. Viel zu lange hatte er sie schon gewähren lassen. Diese Nachlässigkeit rächte sich nun.

„Du musst wissen, was du tust“, erklärte sie nach längerem Schweigen.

„Allerdings.“ Tobias goss sich Wasser aus der Karaffe in sein Glas. „Nimmst du deine Tabletten regelmäßig?“

„Mach dir keine Sorgen, ich kann schon auf mich aufpassen.“

„Nächste Woche ist in Rosis Schule Weihnachtsfeier mit Krippenspiel. Du kommst doch auch, oder?“

„Ja, natürlich. Ich war immer da, wenn es was Besonderes in ihrer Schule gab. Ganz im Gegensatz zu dir.“

„Diesmal werden wir alle hingehen. Auch Hanna hat sich schon bereit erklärt.“

„Ach so? Gehört die jetzt zur Familie?“

„Sie ist Rosis Erzieherin, Rosi wäre sehr enttäuscht, wenn sie nicht mitkäme. Nicht mehr und nicht weniger“, stellte Tobias genervt klar, bevor er in seinem Arbeitszimmer verschwand und den Computer einschaltete. Manchmal könnte er diese Frau erwürgen. Und in Gedanken war es auch schon einige Male passiert.

***

„Mein Mann Josef ist doof“, erklärte Juju Holl ihren Eltern. „Immer wieder vergisst er das bisschen Text, das er aufsagen soll. Dabei ist es gar nicht viel.“

Stefan und Julia warfen sich einen belustigten Blick zu.

„Am liebsten würde ich mich von ihm scheiden lassen“, fuhr das jüngste Holl-Kind fort. „Aber wegen dem Jesuskind in der Krippe geht das natürlich nicht.“

Sie schaute zu Chris hinüber, der in ein Buch vertieft war, und ihre Augen begannen zu blitzen. „Hey Chris, könntest du nicht mein Josef sein?“

„Was?“ Er wusste gar nicht, was los war.

„Beim Krippenspiel“, half Juju ihrem älteren Bruder auf die Sprünge. „Ich spiele die Maria und der Markus den Josef.“

„So weit kommt es noch! Ich und Krippenspiel! Meinst du doch nicht ernst, oder? Das ist was für Kinder wie dich. Aber ich? Nein … also wirklich.“

Doch Juju ließ vorerst noch nicht locker. „Du wärst ein prima Josef und bekämst bestimmt viel Beifall.“

Julia legte einen Arm um ihre Tochter. „Chris ist doch gar nicht auf deiner Schule, Schatz. Er kann also gar nicht diese Rolle übernehmen, selbst wenn er es wollte. Warum hilfst du denn dem Josef nicht ein bisschen beim Textlernen?“

„Ich flüstere dem Markus ja schon alles vor, aber er hat Lampenfieber, sagte Frau Meyer. Wie soll das erst werden, wenn die Aula voller Publikum ist?“ Sie machte ein sehr besorgtes Gesicht. „Auf jeden Fall müsst ihr alle kommen.“

Chris seufzte dezent und verdrehte die Augen, aber seine Eltern wussten, dass er nach dem Spiel am lautesten Beifall klatschen würde. Denn insgeheim war er doch ganz stolz auf seine kleine Schwester.

„Wirst du auch ein bisschen nervös sein?“, erkundigte sich Stefan lächelnd und nahm Juju auf den Schoß.

Sie schmiegte sich an die Brust des Vaters und zupfte an seinem Hemdkragen.

„Überhaupt nicht. Mir macht das Spaß. Darum werde ich gleich nach der Schule Schauspielerin“, erklärte sie zur Erheiterung ihrer Eltern, die von ihren vier Sprösslingen schon so viele Berufswünsche gehört hatten, dass sie nichts mehr aus der Fassung brachte.

„Dann musst du aber noch viel mehr auswendig lernen“, teilte Bruder Chris mit.

„Das kann ich ja auch besonders gut“, versetzte sie schlagfertig. „Ich merke mir jeden Text.“

Julia blinzelte ihrer Tochter zu, die sich in Papas Armen so sichtlich wohlfühlte.

„Bevor du eine berühmte Schauspielerin wirst, bleibst du noch ein paar Jährchen bei uns. Oder?“

Damit erklärte sich Juju großzügig einverstanden.

***

Es passierte eine Woche später. Markus, der den Josef verkörperte, wurde krank. Die Aufführung des Krippenspiels war in Gefahr. Nun musste ganz schnell Ersatz gefunden werden, aber keines der Kinder traute sich zu, für Markus einzuspringen. Bis zur Generalprobe waren es nur noch drei Tage.

Da meldete sich Rosi bei Frau Meyer.

„Ich könnte das übernehmen. Den Text lerne ich. Und den Melchior macht jemand anders.“

Ingrid Meyer, eine junge Lehrerin, überlegte nur kurz, dann war sie einverstanden. Rosi war ein überdurchschnittlich großes Mädchen. Sie würde einen guten Josef abgeben. Und deutlich sprechen konnte sie auch. Den Melchior übernahm nach einigem Zureden der schüchterne Maximilian.

„Deine Haare stecken wir hoch. Darüber trägst du den Hut. Am besten gehst du ein wenig gebeugt. Der Josef macht sich Sorgen. Er hat ja eine lange und schwere Reise hinter sich und musste die ganze Zeit den Leiterwagen mit den Habseligkeiten der Familie zu ziehen.“

Frau Meyer schaute aufmunternd in die Runde. „Also, Kinder, lernt eure Texte gut, damit bei der Generalprobe alles klappt. Anschließend gibt es für alle Kuchen und Limonade.“

***

Nach der letzten Stunde verließ Tobias’ Tochter eilig das Gebäude. Hanna nahm sie in Empfang. Natürlich war Rosi längst groß genug, um den Schulweg allein zu bewältigen. Aber die Klassenkameraden sollten sehen, dass auch sie abgeholt wurde. Papa erschien ja nur manchmal, wenn er gerade Zeit hatte.

Die anderen Kinder erkundigten sich immer öfter nach der jungen Frau. Sie wussten ja, dass Rosi keine Mutter mehr hatte. Aber das Mädchen tat lieber geheimnisvoll und gab damit der Neugierde der anderen reichlich Nahrung.

„Hanna, stell dir vor“, begann sie aufgeregt. „Markus ist krank, ich spiele jetzt den Josef. Ich muss daheim gleich mit Textlernen anfangen, und du musst mich abhören.“

„Grüß dich, Rosi“, sagte Hanna lächelnd. „Das ist aber schön für dich, allerdings weniger schön für Markus. Was hat er denn?“

Rosi zog die Schultern hoch. „Eine Erkältung. Er muss immer husten.“

„Der arme Bub. Dann ziehen wir den Schal gleich mal etwas fester um deinen Hals, damit du nicht auch noch krank wirst.“

Das oft so kratzbürstige Mädchen tat fast alles freiwillig, was die neue Erzieherin vorschlug. Hanna spürte die Zuneigung des Kindes, versuchte aber trotzdem eine gewisse Abgrenzung, da ihr Aufenthalt in Tobias’ Haus ja zeitlich begrenzt war. Sie fragte sich, ob der Vater seine Tochter darüber aufgeklärt hatte. Ihrer Meinung nach musste Rosi Bescheid wissen, damit sie sich schon jetzt darauf einstellen konnte und später nicht enttäuscht war.

Rosi hängte sich bei Hanna ein. Wie Mutter und Tochter steuerten sie den nächsten Supermarkt an, wo sie alle Zutaten für die Weihnachtsbäckerei kauften.

Zu Hause kam dann gleich das Textstudium an die Reihe, die Hausaufgaben mussten warten. Schon innerhalb kürzester Zeit hatte Rosi die Rolle des Josef verinnerlicht. Jetzt feilten sie beide noch ein wenig am Ausdruck.

„An dieser Stelle, wo Josef zu Maria sagt, sie soll sich keine Sorgen machen, muss in deiner Stimme trotzdem Besorgnis mitschwingen. Versuch es noch mal. Er sieht die Zukunft schwarz. Sie haben kein Dach über dem Kopf. Er muss seine Familie ernähren, und er weiß nicht, wovon.“

Diese Stelle probten sie noch einige Male. „Genug für heute“, entschied Hanna schließlich. „Jetzt kann sich in deinem Kopf alles setzen, und morgen gehen wir es noch mal durch.“

„Was ist das denn für ein Chaos in der Küche?“, drang Gerlindes unzufriedene Stimme in die fröhliche Atmosphäre.

„Wir wollen Plätzchen backen, Omi, auch für dich.“

„Ich darf so was überhaupt nicht essen“, erwiderte Gerlinde Kohlmann abwehrend. „Ich hab ja Diabetes!“

„Mit dem Backen wird es heute sowieso nichts mehr, ich räume alles auf.“

Hanna eilte in die Küche. Rosi hinter ihr her. Und schon bald war wieder alles in Ordnung gebracht.

***

Draußen ging ein Regen nieder, der am Boden sofort zu Eis gefror. Tobias warnte Hanna davor, bei diesem Wetter auf die Straße zu gehen. Anderenfalls riskiere sie einen Knochenbruch.

„Warum darf Oma keine Plätzchen essen?“, erkundigte sich Rosi abends bei ihrem Vater.

Hanna holte soeben den Gemüseauflauf, den sie gemeinsam mit Rosi zubereitet hatte, aus dem Backofen. Zwar gehörte es nicht zu ihren Aufgaben, den Hausherrn zu bekochen, aber da sie nicht nach Hause gehen konnte, hatte sie diese Idee zusammen mit Rosi verwirklicht.

„Weil sie eine Krankheit hat, bei der man mit zuckerhaltigen Lebensmitteln besonders sparsam sein muss.“

„Also keine Plätzchen und keine Schokolade“, fasste Rosi zusammen.

„Diabetiker müssen darauf achten, dass es nicht zu viel wird. Aber Zucker ist ja nicht nur in Süßigkeiten, sondern auch in vielen anderen Dingen. In Früchten, im Ketchup, in Obst. Auch zu viel Fett müssen sie meiden, weil der Stoffwechsel nicht mehr richtig funktioniert. Der Körper kann dann nicht mehr die Nahrungsmittel so verwerten, wie er sollte.“

„Mein Papa, der Arzt!“, stellte Rosi mit einem Blick zur Decke fest. Hanna lachte auf, und auch Tobias konnte sich ein breites Lächeln nicht verkneifen.

„Du wolltest es doch wissen“, sagte er. „Dann beklag dich auch nicht, wenn ich dir eine genaue Erklärung liefere.“

Zu ihrer eigenen Überraschung fühlte sich Hanna wohl als Dritte in diesem Kleeblatt. Vater und Tochter stritten zwar oft, aber manchmal waren sie auch Komplizen, besonders wenn es darum ging, sich gegen Gerlinde zu behaupten.

Inzwischen hatte Hanna längst bemerkt, dass in diesem Haus das Andenken an eine Tote ganz besonders intensiv betrieben wurde – nämlich von deren Mutter. Aber ob sie damit wirklich das erreichte, was sie wollte, erschien Hanna zweifelhaft.

Tobias war dieser „Altar“, wie er die Kommode mit den vielen Bildern Hanna gegenüber ganz offen bezeichnete, schon seit Längerem lästig.

Aber seine Schwiegermutter bestand darauf, bei Rosi die Erinnerung an ihre verstorbene Mutter wachzuhalten.

„Muss Omi sterben?“ Die Frage schien Rosi nicht loszulassen.

„Das müssen wir alle mal, meine Kleine. Du hast dein ganzes Leben noch vor dir. Und wenn die Oma einigermaßen vernünftig ist, wird es ihr noch lange gut gehen.“

***

Hanna stand am Fenster und schaute hinaus auf die Straße in die Dunkelheit, die in regelmäßigen Abständen von Straßenlaternen erleuchtet wurde. Das Licht der Straßenlaternen spiegelte sich in der Eisschicht, die Straße und Gehsteige bedeckte. Rosi lag schon eine Weile im Bett.

„Hast du dich entschieden?“, hörte sie Tobias’ Stimme.

Sie wandte sich um. „Ja, ich nehme dein Angebot gern an und werde hier schlafen.“ Hanna sah aus, als wollte sie noch etwas hinzufügen, aber sie schwieg.

„Das ist sehr vernünftig“, stellte Tobias fest. „Was hältst du davon, wenn wir ein Glas zusammen trinken?“

„Warum?“

„Ich freue mich, dass du dich um meine Tochter kümmerst. Und ich muss mir keine Sorgen mehr machen, dass du dir heute Abend auf dem Nachhauseweg ein Bein brichst. Braucht es noch mehr Anlässe?“

„Also gut.“ Hanna setzte sich in einen der Sessel. Ein halbes Stündchen konnten sie noch miteinander verbringen. Es war ja noch nicht spät.

Tobias öffnete eine Flasche Rotwein. Er hob sein Glas, sie ihres.

„Danke für dein Hiersein!“

Nachdem er am Wein genippt hatte, stellte er ihn wieder zurück.

„Es war einfach nicht gut für Rosi, von Gerlinde immer nur von der bösen, falschen Welt zu hören. Das Kind bekommt ja einen ganz falschen Eindruck vom Leben.“

„Deine Schwiegermutter trauert immer noch um ihre Lieben.“

„Ja, das mag sein.“ Seine Stimme klang plötzlich sehr hart. Als hätte er das selbst bemerkt, korrigierte er sich und sprach dann etwas einfühlsamer weiter.

„Aber es geht nicht, dass sie uns ständig ihre Gefühle aufzwingt.“ Er wies auf die Kommode. „Auch diese Bildersammlung dort drüben hat sie ungefragt dort aufgebaut. Dies hier ist mein Haus. Und sie hat im Apartment nebenan nur ein Wohnrecht.“

„Wenn dir nicht recht ist, was sie tut, dann musste du es ihr sagen. Anders werden solche Missverständnisse nicht geklärt.“

„Das stimmt.“ Wieder nahm er einen Schluck. „Bei Gelegenheit werde ich das auch tun. Aber jetzt zu dir. Erzähl mir doch mal, was du so alles getrieben hast in den letzten Jahren.“

„Ausbildung zur Erzieherin, Arbeit in verschiedenen Kitas. Und jetzt bin ich hier.“

„Keine große Liebe? Kein Mann in deinem Leben?“

Große Liebe – wie er das aussprach! Als wäre das lediglich ein nettes Erlebnis, an das man sich mit einem kleinen Schmunzeln erinnert.

„Ich komme ganz gut allein zurecht.“

„Daran zweifelte ich auch nicht.“

Er betrachtete sie anerkennend, ließ sich auf dem Sofa zurücksinken und verfiel in ein längeres Schweigen.

Hanna räusperte sich. „Wie siehst du eigentlich heute im Rückblick unsere Affäre?“

Diese Frage überrumpelte ihn, das war ganz deutlich.

„Ja, weißt du …“ Er brach wieder ab. Dann hob er hilflos die Schultern und gönnte sich noch einen Schluck Wein. „Das ist alles schon so lange her.“

Bevor sie darauf eingehen konnte, läutete ihr Handy. Sie nahm das Gespräch an und verließ den Wohnraum. „Bitte, Clemens, ruf mich nicht mehr an! Es gibt nichts mehr zu sagen.“ Danach schaltete sie das Telefon ab und kehrte zu Tobias zurück.

„Hoffentlich nichts Unangenehmes?“ Tobias schaute zu ihr hoch.

„Eher etwas Unwichtiges“, gab sie zurück

„Darf ich erfahren, ob dir die Arbeit in meinem Haus zusagt?“

„Ich bin gern mit Rosi zusammen“, wich Hanna aus. „Und ich glaube, sie mit mir auch.“

„Das macht mich sehr zufrieden. Sie mag dich wirklich. Ich kenne meine Tochter. Du bist die Erste, der sie vorbehaltlos vertraut.“

Hanna hielt seinem Blick stand. „Du willst mich ja nur dazu verleiten, über die Probezeit hinaus hierzubleiben.“

„Und? Wäre das so gegen deine Interessen? Schau, wir kennen uns schon und können ganz offen miteinander umgehen. Wir haben über unsere gemeinsame Vergangenheit gesprochen. Zum Glück tragen wir einander nichts mehr nach. Womit hast du also noch ein Problem?“

In ihrer Seele brodelte es. Sie war kurz davor, ihm ein paar Unfreundlichkeiten wegen seines damaligen Verhaltens an den Kopf zu werfen, doch sie beherrschte sich. Am Ende glaubte er noch, ihr Gefühlsleben drehe sich um ihn.

Was natürlich völliger Blödsinn war. Prompt bekam sie einen Schluckauf.

***

Eine halbe Stunde vor der Generalprobe trafen Hanna und Rosi in der Schule ein. Tobias konnte nicht mitkommen, aber er hatte fest versprochen, die Aufführung morgen unter keinen Umständen zu versäumen.

Die Kinder verschwanden in einem Nebenraum, um sich umzukleiden. Hanna nahm im Zuschauerraum Platz. Nach ein paar Minuten setzte sich eine mit lässiger Eleganz gekleidete Frau zu ihr.

„Ich bin schon ganz aufgeregt“, sagte sie. „Hoffentlich geht alles gut.“

„Soviel ich von Rosi weiß, haben alle Kinder fleißig gelernt und geübt. Ich glaube sogar, es wird eine richtig tolle Aufführung werden.“

„Welche Rolle spielt ihr Kind?“

Hanna lächelte ein wenig verlegen. „Ich bin keine Mutter, sondern betreue Rosi. Rosi Wagner.“

„Ach was!“, sagte die andere überrascht. „Der neue Josef also! Das weiß ich von meiner Tochter Juju. Sie spielt die Maria. Und ich bin Julia Holl.“

Sie reichte der Jüngeren die Hand. „Wenn ich richtig kombiniere, ist Rosi die Tochter von unserem Doktor Wagner.“

„So ist es. Mein Name ist Hanna Zeller. Und, ehrlich gesagt, bin ich auch ein bisschen nervös. Aber Hauptsache ist, dass es den Kindern Spaß macht. Es soll eine moderne Aufführung sein. Eine ganz normale Familie, die in schlechten Verhältnissen lebt und flüchten musste. Eigentlich ja ein sehr aktuelles Thema.“

„Der Meinung bin ich auch … oh, es geht los.“

Frau Meyers Klasse spielte ziemlich souverän. Nur König Balthasar, der in einem Gehrock mit Spazierstock daherkam, stolperte über seine eigenen Füße und fiel hin. Da gab es natürlich viel unterdrücktes Gekicher auf der Bühne, und Frau Meyer empfahl dem Gestrauchelten, die Hosenbeine etwas höher zu krempeln.

Nach der Generalprobe gingen noch einige Mütter mit ihren Kindern in ein nahe gelegenes Café. Rosi und Hanna auch. Es wurde ein lustiger Ausklang. Alle waren sich sicher, dass es übermorgen vor dem erlauchten Publikum keine Pannen mehr geben würde.

„Schön, Sie kennengelernt zu haben“, sagte Julia Holl beim Abschied. „Wir sehen uns dann am Freitag.“

„Mama, wie war ich?“, wollte Juju auf der Stelle wissen.

„Du warst großartig, mein Kind. Eine sehr berührende Maria.“

„Hoffentlich kommen viele Leute! Die sollen alle sehen, was wir für eine tolle Truppe sind.“

„Tolle Truppe?“ Julia schaute in den Rückspiegel, in dem sich ihr Blick mit dem ihrer Tochter traf.

„Das hat Frau Meyer gesagt. Und sie hat recht. Sag Mama, wird unsere Familie komplett kommen?“

„Ganz sicher, mein Schatz. Ich werde schon dafür sorgen. Alle werden da sein.“ Dass auch ihr Vater Walter Berling und seine Frau zugesagt hatten, behielt Julia Holl noch für sich. Es sollte die große Überraschung für Tochter Juju werden.

***

Tobias war noch nicht zu Hause. Rosi lag schon im Bett. Hanna überlegte, ob sie auch diese Nacht hier übernachten sollte.

Zwar war das Glatteis verschwunden, aber sie wollte Rosi auch nicht allein im Haus lassen. Vielleicht fürchtete sie sich, wenn sie aufwachte. So beschloss sie, noch etwas zu warten und sich dann mit Tobias telefonisch abzusprechen.

Er hätte ja auch längst anrufen können.

In seinem Haus fühlte sie sich ganz wohl, hütete sich aber, dieses Gefühl noch zu intensivieren. Für Hanna stand fest, nach den vier Wochen hier würde sie andere Wege gehen.

Diese Umgebung beraubte sie ihrer Sicherheit. Immer häufiger ertappte sie sich dabei, wie sie Tobias’ Gesicht studierte, auf einen Blick und ein Lächeln von ihm wartete. Wenn das noch eine Weile so weiterging, dann schmolz die Abwehrschicht, die sie jetzt noch vor seinem Charme schützte. Seine Anziehungskraft auf sie hatte etwas Fatales.

Was wäre wohl geworden, wenn er sich damals nicht abrupt von ihr getrennt und sie in einen Strudel von Trauer und Unglück gestürzt hätte? Unruhig durchmaß sie den großen Wohnraum und schaute zwischendurch immer wieder auf die Uhr.

Sie ging zur Kommode, nahm einen Bilderrahmen nach dem anderen in die Hand und betrachtete die darauf Abgebildeten.

Margot Wagner, eine aparte junge Frau Anfang zwanzig, wirkte auf keinem der Fotos fröhlich oder gar übermütig. Es gab auch ein Bild, das sie gemeinsam mit Tobias zeigte. Beide schauten ernst in die Kamera, als hätten sie soeben eine unangenehme Mitteilung bekommen.

Hanna seufzte leise, als sie den Mann betrachtete, den sie mit der ganzen Kraft ihrer Jugend so sehr geliebt hatte.

„Was machen Sie denn da?“

Die Stimme stach ihr wie ein Messer in den Rücken. Erschrocken fuhr Hanna herum und ließ dabei das Bild des Paares fallen. Es landete auf dem Parkettfußboden. Schnell hob sie den Bilderrahmen auf. Das Glas war in mehrere Stück zerbrochen, aber der Rahmen hielt es noch.

Wie eine Dampfwalze rollte die rundliche Gerlinde auf die Übeltäterin zu und riss ihr mit einem wütenden Fauchen das Bild aus der Hand.

„Müssen sie hier alles anfassen? Sehen Sie nur, was Sie angerichtet haben!“

Hanna schluckte. „Es tut mir leid. Ich bin erschrocken, als Sie so plötzlich … selbstverständlich werde ich den Schaden ersetzen.“

„Das lässt sich überhaupt nicht ersetzen. Diese Fotos hier gehen Sie nichts an. Sie dürfen sie nicht anrühren. Was sind das für Manieren? Ich werde Tobias empfehlen, Sie vor die Tür zu setzen. Sie taugen nichts! Rosi lassen Sie alles durchgehen. Mit Erziehung hat das nun wirklich nichts zu tun.“ Gerlinde brach heftig atmend ab.

„Entschuldigen Sie, aber ich wüsste nicht, was das eine mit dem anderen zu tun hat. Ja, mir ist ein Missgeschick passiert. Aber es ist ja nur das Glas kaputt. Das lässt sich doch leicht reparieren.“

„Auch das Foto ist beschädigt“, keifte die Gerlinde wieder los, nachdem sie ausreichend Luft geschöpft hatte.

Hanna hörte die Haustüre gehen. Gott sei Dank.

Im nächsten Moment stand Tobias mitten im Raum. „Guten Abend“, sagte er freundlich. „Was ist passiert?“

„Das kannst du diese Person fragen. Sie hat euer letztes gemeinsames Foto zerstört.“

„Das ist nicht wahr, ich habe …“

„Seien Sie still, Sie …!“

Gerlinde wurde so laut, dass jetzt auch noch Rosi auf der Bildfläche erschien.

„Warum schreit ihr so?“, fragte sie verunsichert.

Tobias umarmte seine Tochter. „Es ist nichts“, sagte er.

Und zu den beiden Frauen gewandt: „Hanna, bitte sei so lieb und bringe Rosi wieder ins Bett. Bleib ein wenig bei ihr. Gerlinde, wir haben zu reden.“

Hanna entfernte sich erleichtert von dieser unangenehmen Frau und ging mit Rosi in deren Zimmer. Diese Nacht würde sie ganz gewiss nicht in diesem Haus schlafen, wo sie von Frau Kohlmann geradezu wie eine Diebin behandelt wurde.

„Was war denn?“, fragte Rosi mit großen Augen.

„Nur ein Missverständnis“, versuchte sie, das Kind zu beruhigen. „Mach dir keine Sorgen. Es ist alles okay.“

„Kommt Oma auch zur Weihnachtsaufführung?“

„Das musst du sie selbst fragen, Rosi. Aber ich bin sicher, dass sie kommt, wenn sie sich wohlfühlt.“

„Hörst du mich noch mal ab?“

„Du solltest jetzt schlafen. Morgen früh sagst du noch mal den ganzen Text auf. Und dann bist morgen Nachmittag bei der Aufführung topfit.“

„Ja gut …“, murmelte Rosi. Sie kuschelte sich in ihre Kissen. Und bald schlief sie wieder.

Hanna ging in das Gästezimmer, das gleich nebenan lag, und packte ihre Sachen ein.

***

„Ich verlange ja nicht von dir, dass du Hanna gegenüber freundlich bist, aber ich wünsche nicht, dass du sie beschimpfst. Ich bin froh, dass sie da ist. Sie ist eine gute Erzieherin und tut Rosi gut.“

„Was weißt du denn schon von Erziehung?“, schnaufte Gerlinde empört.

„Deswegen ist ja auch Hanna da“, konterte Tobias. „Und da wir gerade dabei sind, uns ein paar Wahrheiten zu sagen. Ich möchte, dass du die Bilder von der Kommode abräumst. Ich habe dich darum nicht gebeten. Dies ist mein Wohnzimmer. Wenn du willst, lass ich das Möbel zu dir hinüberschaffen.“

„Du willst also dem Kind jegliche Erinnerung an seine unglückliche Mutter rauben?“

„Nein, ich möchte nur das Selbstbestimmungsrecht über meine Wohnräume haben. Darum bitte ich dich auch zu klingeln, bevor du hereinkommst. Nochmals, damit das klar ist: Das ist mein Haus, hier wohne ich, und du bist Gast.“

Gerlinde betrachtete ihren Schwiegersohn aus zusammengekniffenen Augen.

„Was nimmst du dir eigentlich heraus? Margot ist die Mutter deiner Tochter. Ich lasse es nicht zu, dass du das Andenken meines Kindes beschmutzt.“

„Rosi hat ihre Mutter nie kennengelernt. Sie kann sich nur an das erinnern, was wir ihr über Margot erzählen. Ich werde niemals schlecht von ihr sprechen.“

„Dazu hast du auch gar kein Recht. Du bist doch derjenige, der Schuld auf sich geladen hat. Sie könnte noch leben, wenn …“

„Schweig!“, fuhr er sie an, und die Zornesröte stieg ihm ins Gesicht. „Geh jetzt!“

Gerlinde bedachte ihn noch mit einem letzten vernichtenden Blick, dann verschwand sie.

Tobias aber versuchte, sein heftig klopfendes Herz zu beruhigen. Nahmen diese Qualen denn nie ein Ende? Wieso schaffte es seine Schwiegermutter immer wieder, mit ein paar Bemerkungen ein Chaos in ihm anzurichten?

Er sank auf einen Stuhl, legte den Kopf in die Armbeuge und weinte.

So fand ihn Hanna, die wenig später in den Raum kam. „Ich gehe jetzt“, sagte sie. „Gute Nacht. Bis morgen.“

Er fuhr auf und wischte flüchtig mit der Hand über sein Gesicht. „Warum willst du nicht bleiben? Geh nicht durch die Nacht, bitte! Es soll wieder zu schneien beginnen.“

„Bis dahin bin ich längst daheim. Und morgen früh komme ich ja wieder …“

„Die wenigen Stunden bis dahin kannst du auch bleiben.“

„Warum ist dir das so wichtig?“ Sie kam ein wenig näher.

Tobias zwang ein Lächeln in sein Gesicht. „Ich müsste mir dann keine Sorgen um dich machen. Und was meine Schwiegermutter betrifft, sie nervt gelegentlich. Mach dir keine Gedanken wegen des Fotos.“

„Ich war auch etwas erschrocken über ihre Reaktion. So heftig hätte sie ja nun nicht ausfallen müssen.“

„Ich wünsche mir sehr, dass du bleibst. Wenn du hier bist, sind die Gleichgewichte einigermaßen hergestellt. Ich würde gern noch ein wenig mit dir plaudern, den Tag still ausklingen lassen …“

„Gut.“ Hanna stellte ihre Tasche in der Diele ab. Viel war ohnehin nicht drin, nur gerade das, was sie für ein, zwei Übernachtungen so brauchte. Nachthemd, Zahnbürste, Unterwäsche und zwei Pullover zum Wechseln.

„Ich mache uns noch einen Tee“, sagte Tobias und verschwand in der Küche.

Hanna wusste zwar nicht, worüber sie mit Tobias reden sollte, aber sie musste sich eingestehen, dass sie gern in seiner Nähe war.

Als gäbe es da noch Reste ihrer alten Verbindung. Natürlich war sie nicht so unrealistisch, an eine Neuauflage ihrer Beziehung zu glauben, die sie im Übrigen auch gar nicht wollte. Die Anziehungskraft war da, aber Einblicke in ihre Empfindungen würde sie ihm niemals zugestehen.

Nach einer Weile kam Tobias zurück. In den Händen balancierte er ein beladenes Tablett, stellte es auf dem niedrigen Tisch, verteilte die Tassen und goss ein.

„Danke“, sagte Hanna und verrührte ein Stück Kandiszucker im Tee.

„Der Kommode wird verschwinden“, sagte Tobias. Inzwischen war er wieder ruhig geworden.

„Dieses Möbelstück mochte ich noch nie. Gerlinde hat es eigenmächtig dort hingestellt. Rosi kann sich die Fotos von ihrer Mutter aussuchen, die ihr am besten gefallen, und in ihrem Zimmer aufhängen, wenn sie mag. Die restlichen Bilder soll Gerlinde bei sich aufbewahren. Mir geht es seit Langem gegen den Strich, dass sie sich hier mehr aufhält als drüben bei sich. Ich habe ihr das Einlieger-Apartment zur Verfügung gestellt, weil sie Rosis Oma ist. Aber dass sie so tut, als wäre auch hier ihr eigenes Reich, kann ich nicht länger dulden.“

Hanna sagte nichts. Sie spürte, dass Tobias diese Erklärung eher sich selbst gab, um seine neue Haltung der Schwiegermutter gegenüber zu festigen.

„Rosi ist selbstständig genug, um nicht ständig von ihrer Oma beaufsichtigt zu werden“, fuhr er fort. „Früher hat Gerlinde sie geängstigt mit ihren Drohungen von der grausamen Hölle für unartige Kinder. Erst als Rosi Albträume bekam, erfuhr ich von den Schauergeschichten, die ihr meine Schwiegermutter erzählte. Ich habe das dann unterbunden, aber es dauerte eine ganze Weile, bis Rosi wieder ruhig schlafen konnte.“

„Hast du dich früher besser mit ihr verstanden?“

„Nein.“ Er schüttelte den Kopf. „Es gab immer Spannungen zwischen uns. Gewiss, Gerlinde hat viel durchgemacht. Mann und zwei Kinder zu verlieren ist ein hartes Schicksal. Aber ihre Verbitterung darf sie nicht an anderen auslassen. Und an dir schon gar nicht.“

„Vielleicht ist sie eifersüchtig.“

„Aber auf was denn?“

„Weil ich jetzt mehr mit Rosi zusammen bin als sie.“

„Hm.“ Tobias seufzte. „Ich weiß es nicht. Es war jedenfalls wichtig für mich, ihr eine Grenze aufzuzeigen. Ich lasse nicht zu, dass sie sich hier weiterhin als Hausherrin aufspielt. Entschuldige, dass ich mich wiederhole, aber heute ist mir endlich klar geworden, dass ich gegen das, was ich nicht dulden will, etwas unternehmen muss.“