Verlag: Saga Egmont Kategorie: Gesellschafts- und Liebesromane Sprache: Deutsch Ausgabejahr: 2015

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E-Book-Beschreibung Die Blondjäger - Hans Leip

Frühjahr 1917. Als der betagte Frachtdampfer „Merryland" am Karfreitag vor New York festmacht, erfährt die Mannschaft, dass die USA in den Ersten Weltkrieg eingetreten sind. An Bord auch der erste Offizier Percy Tamp. Noch am gleichen Tag macht er die Bekanntschaft der jungen Hishwa Dulbort, die nun sein Leben verändern soll. Hishwa hat sich in den Kopf gesetzt, an der Seite des farbigen Predigers Josua Burn Missionarin in Afrika zu werden. Als die „Merryland" wieder in See sticht und Kurs Richtung Schwarzer Kontinent nimmt, befindet sich nicht nur Percy Tamp an Bord, sondern mit ihm auch Josua Burn und Hishwa Dulbort … Ein lebenspraller, typischer Leip um Liebe, Lust und Seefahrt. weniger anzeigen Autorenporträt Hans Leip (1893–1983) war der Sohn eines ehemaligen Seemanns und Hafenarbeiters im Hamburger Hafen. Leip wuchs in Hamburg auf. Ab Ostern 1914 war er Lehrer in Hamburg-Rothenburgsort. Im Jahre 1915 wurde er zum Militär einberufen; nach einer Verwundung im Jahre 1917 wurde er für dienstuntauglich erklärt. Leip kehrte in seinen Lehrerberuf zurück, gleichzeitig begann er, in Hamburger Zeitungen Kurzgeschichten zu veröffentlichen. 1919 fand die erste Ausstellung von Leips grafischen Arbeiten statt, der zu dieser Zeit das Leben eines Bohemiens führte. In den zwanziger Jahren unternahm Leip ausgedehnte Reisen, die ihn u. a. nach Paris, London, Algier und New York führten. Seinen literarischen Durchbruch erzielte er 1925 mit dem Seeräuberroman "Godekes Knecht". Während des Zweiten Weltkriegs lebte er ab 1940 dann vorwiegend am Bodensee und in Tirol. 1945 kehrte er für kurze Zeit nach Hamburg zurück, ließ sich jedoch dann im Schweizer Thurgau nieder. Hans Leips literarisches Werk besteht aus Romanen, Erzählungen, Gedichten, Theaterstücken, Hörspielen und Filmdrehbüchern; vorherrschende Themen sind das Meer und die Seefahrt. Sein Nachruhm beruht allerdings hauptsächlich auf dem Gedicht "Lili Marleen", das Leip 1915 verfasst und 1937 in den Gedichtband "Die kleine Hafenorgel" aufgenommen hatte; in der Vertonung von Norbert Schultze, interpretiert von der Sängerin Lale Andersen und verbreitet durch den Soldatensender Belgrad erlangte das Lied während des Zweiten Weltkriegs eine ungemeine Popularität nicht nur bei den Angehörigen der deutschen Wehrmacht.

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E-Book-Leseprobe Die Blondjäger - Hans Leip

Hans Leip

Die Blondjäger

Ein Roman von Negern, weißen Mädchen, Gentlemen und Halunken

Saga

Erster teil

Huck auf, huck auf,

ja, was schad’t denn das?

Der Morgenwind, er bügelt uns die Segelschuh.

Die Sterngespickte,

ja, was schad’t denn das?

Die Sternenflagge deckt uns wie der Himmel zu.

Weit hinter Donnerstag

blüht ein kleiner Marmelbusch.

Da kommt mein Baby jeden Tag.

Da singt der Vogel Husch.

I

Es war noch auf freier See, das Wetter gut und lustig. Da erschnappte die „Merryland“ einen Funkspruch, die Vereinigten Staaten hätten den Krieg erklärt. Das war alles und genug. Die Sache mit Europa — mehr nicht.

Die Mannschaft schrie Joho. Die Offiziere streckten teils die Brust heraus, teils kratzten sie sich hinter den Ohren. Manches würde sich ändern. Der Kapitän betrank sich.

Immerhin, auf dem Kalender stand Karfreitag.

Den frühen Morgen darauf machte die „Merryland“ am Hobokenpier fest. Sie war ein Frachtdampfer, fünftausend Tonnen groß und hatte die Reise zum alten Erdteil oft genug erledigt, ohne mehr als die gewöhnliche Abnutzung zu erfahren, trotz der doppelten Unsicherheit der Meere. Dennoch begann sie höchst abgeschabt und räubermäßig auszusehen, hatte man ihr doch seit Jahren kaum ein Etmal Zeit zum ordentlichen Überholen gegönnt, und ihre Gestalt war schon von Natur etwas phantastisch, der lächerlich hohe blaue Schornstein mehr vorgeneigt als senkrecht, das Brunnendeck unnötig tief und der Bug einem fliehenden Kinne ähnlich. Sie war im Grunde verbraucht wie ein Maultier, dem die Zähne wackeln, rostig und reif für den Schindanger des Abwrackers, als jene große, weltbewegende Schicksalsstunde ihr kleines Schicksal anhielt und sie aufsparte für ein etwas ehrenvolleres Los.

Um den Hudson herum spürte man die Ungewöhnlichkeit des Tages. Lärm, Unerhörtheit, die Donner der Ereignisse zuckten in der Luft. Die Mannschaft lungerte aufgeregt an der Schanze. Abgegriffene Zeitungsblätter, mit dem Lotsen an Bord gekommen, wanderten wie Signalflaggen hin und her.

Manhattan, auf der anderen Seite des Flusses, glich an diesem Aprilmorgen einer riesenhaften, im Bau befindlichen mittelalterlichen Seefestung. Aus dem regellosen Getürm der Himmelslinie erhob sich zunehmend Stimmengewirr von Hunderttausenden; Glockengeläute, Gehupe, Sirenen, verwegene Böllerschüsse brachen dort empor, und der begeisterte Radau spritzte auf die Hafenfähren und bis nach New Jersey hinüber und auf jede der zahllosen Molen, die wie die Zähne ungeheurer Rechen zu beiden Seiten in den Hudson griffen.

Den Vormittag kam der Marinevertreter an Bord, ragend und schön in der Mitte zwischen dem nicht kleinen Reeder, einem dürren Yankee mit steifem Hut und schlechter Haltung, und dem Makler Dulbost, der aus einem ähnlichen, wenngleich fetteren Holze gehauen war. Sie wurden vom Kapitän an der Treppe empfangen, der schmunzelnd und anklagend zugleich, rot und untersetzt wie ein Gummischwamm und durchaus nicht mehr nüchtern, aller Hände schüttelte. Das Quartett begab sich auf die Brücke, gleichsam um das Ganze noch einmal zu überblicken; denn es schien ein kleiner Handel fällig zu sein.

Percy Tamp, der erste Offizier, hielt sich in der Nähe, falls man ihn rufen solle. Zu tun war nichts mehr, der Ballast war ausgeladen, das Deck, so gut es ging, geschniegelt und das Schiff klar zum Docken. Er trug daher schon seinen besten blauen Anzug und eine seidig glänzende Mütze, die ihm, und selbst heute, der Inbegriff des Landurlaubs und vieler angenehmer, einem unumgänglichen Kater bedingungslos zueilender Stunden war. Der zweite Steuermann war schon in aller Frühe mit der Proviantabrechnung aufs Reedereikontor gegangen und gleich an Land geblieben. Sicher war er alsbald in die Kriegsmarine eingetreten.

Ein englischer Dampfer mit der Flagge der Kapkolonie bugsierte stromauf. Auch eine hübsche Linie! dachte Tamp, die Zukunft bewegend. Dann sah er nach unten.

Auf der Rampe, neben der „Merryland“, wimmelte es von allerlei Händlern, Arbeitern, Hafenlöwen, wartenden Angehörigen und Mädchen. Viele schwenkten kleine Fahnen des Vaterlandes und der Verbündeten. Der Steuermann klopfte seine kurze Tabakspfeife an der Reling aus. Seine grauen Augen übernahmen den bedächtig saugenden Ausdruck seiner Lippen und hefteten sich auf eines der netten Gesichter dort unten. Das war ja eine verdammt niedliche Ratte, die ihm da mit ihrem Puppenbanner höchst ungeziert zuwedelte. Zeitungsverkäufer bellten mit neuen Meldungen heran. Die Back brüllte hinabgeworfenen Centstücken nach. Tamp schüttelte die Ohren. Der Rummel hinderte ihn, das nicht unwichtige Gespräch auf der Brücke zu verfolgen.

Das Schicksal dieser Dampfruine, die manche Kiste säuberlicher Konterbande nach drüben geschaukelt hatte, wurde da oben irgendwie besiegelt. Über zwei Jahre war er nun darauf gefahren; diese Matrone „Merryland“ war sozusagen seine zweite Heimat. Acht Jahre fuhr er zur See, und genau so lange war er von Nord-Dakota weg, von der guten alten Weizenfarm an der Strecke jenseits des Flusses, wo es „bei den Igelbergen“ heißt. Seit dem Morgen war er weg, einem Morgen wie diesem dem Wetter nach, als sie pflügten und sein Alter einen Acker weiter gegen die dampfende Sonne hin das vergnügte Lied von der blauen Bark Ambrosia gepfiffen hatte. Denn sein Alter war auch einst Seemann gewesen, und daher steckte es ihm im Blut, und so machte er über Minneapolis, wo seine Mutter her war und Verwandte hatte und er eine kleine Anleihe erreichte, seine erste große Reise und kam nach Neuyork, ein grüner, benommener Knabe. Und es mochte ungefähr die gleiche Stelle sein, wo er seine erste Planke betrat, in seine erste erbärmliche Koje kroch, und nun stand er da, erwachsen, erfahren, breitspurig, windgebräunt und ein Mann von Rang.

„Mac!“ rief er den Meßjungen an, der, die Jacke eng wie ein krosser Kuli um die Taille gezogen, die Mehlbeutelmütze in die Stirn gerückt, die gelben Haare steil auf Hinterkopf gebürstet, atemlos vorüberlief. Weiß Gott, er schien ihm ein Abbild seines einstigen Selbst.

„Bring meine Sachen zu Banders ins Goldkorn rüber. In einer halben Stunde, denk ich, kannst du damit abhauen!“

Der kleine alberne Mac riß die dünnen Knochen halsbrecherisch zusammen, brüllte laut und abgehackt: „Wohl, wohl!“ und rannte weiter. In der Frühe hatten zwei Kreuzer auf dem Hudson Reklame exerziert, das war ihm ins Gemüt geschossen.

Tamp warf einen Blick nach oben. Gerade tat der Reeder, er hieß Smithson, einen langsamen Flügelschlag mit den Ellenbogen. Seine Hosentaschen wölbten sich höher. Das Geschäft schien abgeschlossen. „Unser Land, Gottes Land!“ sagte er vernehmlich zu den anderen. Sein Kaugummi sprang ihm wie ein alter Zahn aus der Lippenspalte. Danach verschwanden die vier nach unten.

Tamp setzte seinen Brösel wieder in Gang. Er schielte dabei über den geschnitzten schwarzen Kopf und durch die blasse Zündholzflamme nach dem Pier hinab. Die Kleine, die mit der graukarierten Tuchkappe, sprach mit einem Zollbeamten. Sie tat sehr ungezwungen, sehr herausfordernd offenbar. Es mochte eine richtige kleine Hafenschwalbe sein. Das Streichholz wehte voreilig aus. Statt des süßen Tabaks schnüffelte der Steuermann den üblen Dunst der Lagerhäuser ein. Es gab schönere Düfte. Abgesehen von der See so etwas wie Gras, Weizen, Erde, Staub, Vieh und Stall. Es würde sich lohnen, einmal hinüberzurutschen, ehe alles drunter und drüber ging, und den alten Leuten zu zeigen, daß man noch lebe und ein anständiger Kerl geblieben sei und es zu diesem und jenem gebracht habe. Trotz aller salzigen Witterung hatte er noch immer die Sommersprossen um die Nase. Seine Mutter würde das mit Genuß erkennen. Und die kleinen deftigen Farmermädchen in der Runde waren sicherlich herangewachsen, und ihre Augen würden den Weitgereisten mit Achtung und vielleicht mit etwas mehr betrachten.

„Bring den Kram gleich zum Bahnhof, Mac!“ sagte er endlich, eine kleine Wolke hervorpaffend, die im Morgenlicht zartrosa davonquirlte.

Aber Mac war nicht in der Nähe. Die goldbetreßte Mütze des Kapitäns schob sich durch die Salonluke auf Deck. Und der Alte trug eine Flasche in der Hand und schwang sie mit einer einladenden Bewegung gegen seinen Offizier, stutzte auf halbem Wege, da sie leer war, und warf sie über Bord, was einen Springbrunnen von Geschrei und Flüchen von der Rampe herauf zur Folge hatte.

Tamp blickte ärgerlich bestürzt hinunter. Das süße Gesicht stand im empörten Beet der anderen zu ihm emporgewandt. Es lächelte, es war ihm nichts geschehen.

„Kapitän?“ sagte Tamp langsam und sich zurückwendend. „Das hätte eine nicht billige Flasche werden können!“

„Alter Querulant!“ entgegnete der Kapitän aufstoßend. „Es wird Zeit, daß Sie von Bord kommen! Sie haben Ansichten wie ein Kinderfräulein oder wie ein wurstfressender Deutschmann! Runter, Herr! Es wird ausgezahlt!“

Er wiederholte das letzte grölend und prustend in die Runde, sein von Schnaps verklebter roter Schnurrbart fegte gleichsam die Mannschaft in einen Haufen und in den Niedergang zum Salon hinein. „Runter, Jungs, überall, ins beste Zimmer, ihr mustert ab wie tote Heringe, eingewickelt in Bankschecks!“

Er stoppte seine Redekaskade, sog den Bart ein und versank in Nachdenken, hin- und herwippend auf den klotzkurzen Beinen, ein in die Breite gedrückter, rotflaumiger amerikanisierter Irländer mit kleinen, dicken, rechtwinklig abstehenden Ohren, an deren Farbwechsel man seine Stimmung ablesen konnte. Jetzt waren sie dunkelrot mit grauem Einschlag. „Wir wären das nächste Mal sowieso verbuddelt!“ sagte er an Tamp vorbei, der noch sozusagen an seinen Brösel geklammert dastand. „Und seit gestern zahlen die Versicherungen nicht mehr für unsereins! Der Krieg, mein Lieber, das ist der Krieg! Solange man ihn privat mitmacht, bringt er was ein. Jetzt heißt es als Kuli kuschen, Herr Tamp, das ist der Vorteil Ihrer Jahre. Wenn man Sie nicht einsperrt, heißt das! Wegen Ihrer Abstammung! Steuermann, wir haben uns immer gut vertragen, wenngleich Sie ein unausstehlicher Moralist sind. Kommen Sie runter, wir heben zum Abschied einen!“

Seine Stimme wurde schwermütig. „Tamp!“ winselte er, seinen Bauch dem Kinne zuwölbend, „ich schwöre Ihnen, mich kriegt keiner nüchtern von diesem alten Seepferd namens „Merryland“ herunter.“

„Was wird denn jetzt mit dem Kasten?“ fragte Tamp.

„Geheimnis, mein neugieriges Osterküken! Was glauben Sie, daß Smithson etwa Lust hätte, unsere liebe blonde Fracht von dunnemals wieder aufzunehmen? Oh, es war eine wärmere Strecke dort hinunter, eine schwülere sozusagen, eine tropische geradezu! Höhö, das könnte Ihnen passen, hier als Haremswächter anzuheuern! Oder etwa?“

Tamp schlug einen Bogen um den redebeflammten Zeigefinger seines Vorgesetzten. Dort unten winkte ihm das verflixte Mäuschen mit schnippischem Munde zu. Er warf einen tiefsinnigen Blick zurück und ging hinab in den Salon.

*

Das tut des Meeres Nicht-Unendlichkeit dir kund:

Dringst du nur tief genug, verbirgt sich dir kein Grund.

II

Der Yankee schrieb eigenhändig die Schecks aus, die Mannschaftsliste vor sich. Die Heizer und Matrosen, von dem ungewöhnlichen Reiz der Stunde aufgekratzt, drängelten, zum Teil schon landfein, geräuschvoll um den Tisch. Der Marinekommissar, stehend und rauchend in der Ecke lehnend, beäugte mit steifem Auge die kräftigen Gestalten. Der großrunde Makler flüsterte ihm an Hand einer Aufstellung einiges zu, was er nicht zu beachten schien. Neben den beiden, auf einer Art Anrichte mit bunten Glasscheiben in Jugendstil, befanden sich benutzte Bechergläser und leere und halb geleerte Rotwein-, Whisky- und Ginflaschen sowie ein Kübel mit Eis, das aber in der dampfigen Wärme rasch dahinschmolz.

Eine Stimme erhob sich lauter. Der Koch, behäbig und seit Urzeiten auf diesem Dampfer, stemmte beide Fäuste auf die Platte.

„Und was nun?“ fragte er höflich, doch nicht ohne Beben in der hohen, brüchigen Stimme. „Man mustert uns ab, man weist uns ohne weitere Entschädigung von Bord? Bin ich eine Pestratte, Herr? Habe ich mich schlecht betragen?“

„Halt das Geschäft nicht auf, Hoggard!“ grunzte der Mann hinter ihm. „Wir haben doch Krieg, du Büffel!“

„Da hast du es!“ grinste der Reeder und reichte ihm das schmale Papier.

„Ich bin hier in Ehren grau geworden!“ wandte sich der Koch an die Mannschaft, indem er mit dem Scheck wie mit einem Kamm über seine Glatze strich.

Ein wieherndes Gelächter antwortete ihm. Seine Stimme wühlte sich hoch und vorwurfsvoll hindurch. „Ihr seid unhöflich, Leute, und kurzsichtig. Gott wird es wissen, wenn Ihr erst durchlöchert wie Siebe und stumm wie ein Handtuch auf den Grund der Hölle fahrt!“

Der Marineoffizier, mit einem Zuck des scharfen Mützenrandes, schnitt ihm das Wort ab. Und der Makler fügte in die Stille nach dem militärischen Ton milde stotternd hinzu: „Die Feldpredigerstellen sind, wie ich höre, alle schon besetzt.“

Das wiederum aufprasselnde Gelächter legte sich erstickend über den Vorgang. Man rangelte den Koch zur Tür. Er sollte lieber einen gehörigen Galgentoddy in die Erscheinung zaubern. Draußen traf er auf den herabtorkelnden Kapitän. Der beiden Auseinandersetzung verwob sich mit dem Geschrei der Zeitungsverkäufer, die auf das leere Deck gedrungen waren. Die Abmusterung nahm ihren eiligen Fortgang.

Tamp wartete bis zuletzt, das heißt, der Reeder machte keine Anstalten, ihm Vortritt zu lassen, und er schmeichelte sich, obgleich nicht ganz behaglich, daß ihm so etwas wie eine Aufsicht bis zu guter Letzt anvertraut sei. Manche von den Leuten nickten ihm zu, ehe sie die Treppe hinaufliefen.

Der Kapitän stand schon wieder bei der Anrichte, mixte und füllte mit abzirkelndem Ruck, der eingefleischte Gewohnheit verriet, die Gläser. Er meckerte hinter den Davontürmenden her, mit einem Seitenblick auf den Mariner: „Daß ihr euch alle freiwillig meldet, ihr Schweinsfische! Prost!“ — „Kommen Sie, Herr Tamp“, fuhr er fort. „Auf ein fröhliches Wiedersehen!“

Alle tranken, und auch Tamp nahm und trank. Dann sah er ungeduldig auf den Reeder, der die Liste zusammenfaltete und die Hände mit einem Röcheln der Erleichterung wie zwei stallreife Pferde in die Hose zurückkehren ließ. Der Mariner, der Makler und auch der Kapitän ließen sich auf die verschabten Plüschsitze fallen, die Gläser füllten sich neu, nicht ohne daß Patternell vergeblich nach dem schon abgelohnten Steward grölte. Man trank auf den Sieg Amerikas.

„Ich habe draußen einiges zu besorgen!“ sagte Tamp und dachte an das Mädchen auf der Rampe und daß er nach Hause fahren wolle, nach acht Jahren zum ersten Mal.

„Gut, wir wollen Sie nicht halten!“ drehte der Reeder den geierhaften, blassen Schädel, auf dem der Melonenhut langsam in den Nacken strebte.

„Und meine Heuer?“ sagte Tamp erstaunt.

„Ihre Heuer?“ gab der Yankee ebenso erstaunt zurück. Er blinzte den Marinevertreter an. „Ja, mein Lieber, da muß ich Ihnen leider gestehen, oder wissen Sie es noch nicht, daß alles feindliche Eigentum —? Sehen Sie, Ihr Vater ist Deutscher, das ist bei Gott ein Jammer. Meinetwegen, war Deutscher, aber ich muß Ihre Summe erst mal bei der Regierung hinterlegen.“

„Ja, erst mal!“ fügte der Makler rasch und augenklappernd hinzu, als sei die Sache ihm peinlich.

Tamp räusperte sich. Er fand kein Wort und lief rot an.

„Sehen Sie, Herr Tamp, Sie könnten ja mit dem Gelde allerlei Dummheiten machen. Es schwirrt jetzt so manches herum. Spione und dergleichen.“

„Nehmen Sie die Sache einfach, Kamerad!“ warf nun der Mariner dazwischen. „Verlassen Sie sich auf mich, es wäre schade um Sie! Das Geld ist Ihnen sicher. Ich rate, Sie melden sich freiwillig. Hier ist meine Karte. Gehen Sie den Nachmittag noch in das Büro der Battery. Ich werde Sie dort empfehlen. Jungens wie Sie dürfen wir nicht hinter Stacheldraht setzen. Ich weiß, Sie sind Amerikaner. Prost! Aber das Gesetz ist eben für den Durchschnitt notwendig und für den Besseren bitter!“

Patternell stand mühselig auf, um eine neue Flasche von der Anrichte zu holen. Der Marinevertreter nahm die Gelegenheit wahr, zuckte hoch, tippte an seine Mütze, ließ ein eisernes Lächeln kreisen und ging davon.

„Tamp?“ wieherte der Kapitän hinter ihm her, den Schnaps auf der Gurgel, „der ist ein Querulant, aber treu wie ein Kinderfräulein, so wahr ich diesen Sotteimer nicht nüchtern verlassen werde. Herr Tamp, die arme friedliche Dame „Merryland“, sie machen jetzt einen Mann aus ihr, sie kleben ihr eine Kanone an!“

Tamp stand steif und stumm.

Der Makler und der Reeder wandten sich privaten Dingen zu.

„Wir feiern also bei Ostlers!“ gähnte Smithson und scheuerte eins seiner langfleischigen Ohrläppchen an dem blankgetragenen Stoff seiner Schulter. „Ich habe da ein Täubchen hinbestellt, eine markige Nummer, die es selbst mit uns dreien aufnehmen kann, und dann gehen wir zu Mammi Silk und versetzen sie, tauschen sie ein gegen Lucky, hihi, stellen sie unter, bis wir ein paar zusammenhaben, wie abgemacht, Obsthandel nach —“, er unterbrach sich und sah mißbilligend auf die noch immer vorhandene Anwesenheit Tamps, der mit verstopftem Gesicht auf den einsam und eifrig an der Anrichte schluckenden Adamsapfel seines Kapitäns starrte.

Makler Dulbort erhob sich nun auch. „Ich muß jetzt los,“ sagte er, „sie wartet und brät mir die Hölle.“

„Wer, wer?“ meckerte Smithson unvergnügt. „Du kennst doch nicht etwa —? Ach so!“ entblößte er grinsend die gelbe Harke seiner Oberzähne, sich besinnend. „Dein Töchterchen, hilf sakra, ich vergaß zu fragen, wie kommt es, daß der heilige Engel dich plötzlich wieder mal zu deinen unheiligen Geschäften begleitet?“

„Sie will ihren Direktor abholen!“ antwortete Dulbort kleinlaut.

„Burn? Den Nigger? Pfui Satan! Ist der drüben nicht verreckt? Weiß Gott, das Mädchen sollte ins Feld oder schleunigst heiraten!“

Dulbort sah den Reeder dankbar an, und sein gutmütig fettes Gesicht nahm danach gleichsam einen zögernden Abdruck von diesem vertrockneten Yankee, der sein nicht schlechtester Kunde und sein guter Freund war, und er goß die wenig ansprechende Form rasch aus mit hübschem, glattem Golde und stellte sich die gewichtige Figur probeweise ins Herz neben das zarte Bild seines Kindes, das er da bewahrte. „Wir haben treffliche Geschäfte gemacht diese Tage,“ sagte er und verbarg sein beklemmtes Gemüt hinter einer pfiffigen Miene. „Ihre Aussteuer würde sich nicht zu schämen haben. Wenn ich das Balg nur aus der verflixten Mission herauskriegen könnte!“

„Müssen wir besprechen! Ist ja eine Schande!“ zog ihn Smithson wieder zu sich aufs Sofa.

„Eine Schande, Sie hören es!“ faßte Kapitän Patternell die letzten Worte auf und begann widerlich zu schluchzen.

Tamp ging ohne Wort hinaus. Als er im Freien stand und der Gewohnheit nach den Tabaksbeutel zog, bemerkte er, daß sich der geschnitzte Pfeifenkopf, der eine Negerfratze darstellte, tief in seinen Daumen gedrückt hatte und ihm seltsam deutlich und lebendig entgegengrinste.

*

Wie Brüder sprecht

zu Herrn und Knecht:

Recht ist nicht Menschenrecht!

III

Der Mariner war schon von Bord. Tamp kletterte, ohne klaren Gedanken, in sein Logis. Der Meßjunge zuckte von dem kleinen Spiegel zurück, der da noch hing, und stürzte mit der blaugestrichenen Seekiste hinaus, die seit früh fertig gepackt war.

Tamp hakte den halbblinden Spiegel herunter. Sein Gesicht blickte ihn grau und böse an. Er sah darüber hinweg und auf den Rahmen. Es war ein für Logisgebrauch höchst sonderbarer Spiegel, mit einem einst goldenen, barockartigen Rahmen, eine wahre Schlafzimmersache, und war schon am Ort gewesen, als er diese Kabine bezog. Seine Hand zitterte. Der Spiegel fiel zu Boden und überzog sich klirrend mit einem Spinngewebe. Tamp brüllte auf. Dann stoppte er seinen gotteslästerlichen Fluch.

„Unglück! Das ist es!“ würgte er. „Glatte Gemeinheit, Betrug! Bin ich etwa mein Vater? Was kotzt mich der ganze europäische Dreck!“

Er keuchte, zerschlug die Glühbirne, zertrampelte die Spiegelsplitter zu Atomen, zerhackte den Rahmen. Unter seinen Fäusten zerkrachten die Kojenbretter. Er wurde ruhiger, riß die aus in- und ausländischen Monatsblättern geschnittenen hübschen Bilder von Schiffen und Mädchen von den Kajütswänden, zerknüllte sie und schleuderte sie durchs Bullauge. Dabei knurrte er immer wieder, halb unbewußt, ein deutsches Wort, das er von seinem Alten bei verdrießlichen Anlässen die Kindheit über oft genug gehört hatte.

„Verdammten Schiet!“ Das war es, das war ein gutes Wort, das machte ihm Luft.

Auf einmal fiel ihm etwas ein. Er stürzte nach oben und erwischte Mac, der mit zwei armen Kailöwen und Nickelschluckern unter einem Hagel von niederträchtigen Donnerwettern das beauftragte Gepäck, darunter sich auch die blaue Kiste befand, von Bord beförderte.

„Du verfluchter Korporal!“ pfefferte Tamp ihn an. „Meinen Koffer, den bringst du mir direkt ins Goldkorn, du gottverlassener Hampelmann!“

Von unterhalb der Treppe stach ein glitzerndes Gelächter auf. Tamp ermannte sich. Er schüttelte den Kopf oder vielmehr die Ohren auf die gewohnte Weise, wenn er seinen Grips freihaben wollte. Der karierte Hut befand sich noch immer da unten, und was dazugehörte, hatte noch immer die Fahne und außerdem ein zerknülltes Blatt Zeitschrift in der Hand.

Aus der offenen Luke zum Salon hörte Tamp ebenfalls Gelächter, aber es war eine andere Art, grob, unflätig und knatternd. Er wandte sich nicht um. Zwei Jahre war dieser verdorbene Kasten seine Heimat gewesen, und er dachte noch einmal an den zertrampelten Spiegel und daran, daß er beim Einzug in seine Koje eine Haarnadel an der Wandkante gefunden habe, eine aus Messing, also wohl für eine, die blond war. Und wie Kapitän Patternell ihm grinsend erklärt habe, es sei nun vorbei mit der Südamerikafahrt-Fracht: Dreschmaschinen und Tanzmädchen, denn der niedliche Krieg drüben begann ein besseres Geschäft zu werden; somit war Tamp mit der „Merryland“ auf die Europafahrt gekommen, von Anfang an, und hatte somit beigetragen, den Scheiterhaufen dort, wie die Zeitungen so hübsch sagten, mit Brennstoff zu versorgen. Oh, er erinnerte sich sehr gut, daß man damals einige Kabinen zusammenschlug, die zahlreich und neuer als das alte Schiff an Bord vorhanden waren und die noch nach Puder und Parfüm rochen. Aber einige hatte man stehen lassen und immerhin so reichlich, daß die Offiziere und Maschinisten jeder eine eigene beziehen konnten. Nun würden sich vielleicht die kleinen Generäle in Feldgrau darin teilen. Aber in seiner Kammer würde in dem Bett keiner und keine mehr schlafen. Er lachte ingrimmig. Hinter ihm in der Salonluke wurde es salbungsvoll. Der Yankee redete von Heimat und Ehre.

Alter öliger Mädchenhändler! dachte Tamp (denn diese Bezeichnung hing dem Reeder Smithson in der Hafenschenke an, keiner wußte allerdings, ob zu Recht). Er reckte sich und betrat die schräge Laufplanke. Die hübsche Kappe war nicht zu entdecken. Der Lärm um den Hudson herum schien ins Unerträgliche zu wachsen. Zwischen den schrägen Rauchwimpeln, die sich aus den violett schattenden Wolkenkratzern und tief darunter aus den Schloten der Fahrzeuge wurmten, tänzelten wahre Vogelschwärme der gesternten und gestreiften Flaggen. Auf dem Pier standen noch einige der abgemusterten Matrosen, bebuckelt mit ihren Seesäcken, umringt von Zöllnern, Händlern, Gesindel und Juchhei, und die Mädchen ließen ihre kleinen Fahnen flattern, als sei es ein angenehmes Fest.

Der Schwall hängte sich auch an Tamp und schloß ihn ein. Unfreundlich schob er den Knäuel auseinander. Er wurde grob, seine Fäuste hoben sich. Auf einmal stand vor ihm das Mädchen in der grauen Kappe.

Sie lächelte und biß gerade in eine Waffel, die sie die Sekunde vorher einem dieser zudringlichen Bauchladenkrämer abgekauft haben mochte. Sie berührte ihn mit der freien, in graues Leder gekleideten Hand leicht am Arm und sagte, indem sie ihn freimütig anblickte: „Ist denn Pa endlich bald fertig auf eurer alten Barke da oben?“

„Wieso?“ antwortete er, etwas überrumpelt. „Wer ist denn Ihr Papa?“

„Der Große, Dicke natürlich.“

„Der Makler?“

„Klar! Und ich sollte mit hinauf wegen der Militärgeheimnisse, weil sie einen Panzerkreuzer aus diesem Ewer machen wollen. Gehen Sie jetzt in die Stadt? Dann gehe ich mit, Sie sehen groß und ordentlich aus. Ich will Ihnen gleich sagen, Sie erinnern mich an meinen Bruder. Ich habe nämlich keine Lust mehr, zu warten, und Burns Dampfer wird wohl wieder mal nicht kommen. Oder ist er das etwa?“

Sie hielt sich an seiner Seite. Die Menge hatte es nunmehr auf einen Dampfer abgesehen, der im Begriff war, auf der anderen Kante der Mole anzulegen.

Es war unmöglich, stehenzubleiben. Das Fräulein fragte hastig, ob es der Afrikadampfer sei.

„Nein!“ entgegnete er. „Weiter oben. Vor einer halben Stunde kam ein Afrikaner auf.“

Sie schrie, unwillig, indianerhaft. Ihr Vater habe dann also entweder geflunkert oder keine Ahnung gehabt. Und die Beamten hier auch, die nichts könnten, als mit ihr wie mit einem lächerlichen Küken zu schäkern! Ob sie denn nicht ernsthaft genug aussehe. Sie werde sich eine Brille zulegen müssen. Sie sei zweiundzwanzig und ein Mammut an Erfahrung. Und deswegen nur habe sie hier herumgestanden, um den berühmten Ehrwürden Burn von Bord kommen zu sehen. Der sei nämlich auf Besuch bei den schwarzen Brüdern gewesen. Ja, mit dem ersten Transport der Schwarzen Sonne.

Tamp fand, daß sie dichtbei lange nicht so niedlich aussehe wie aus der Entfernung. Sie hatte ein etwas spitzes Gesicht, wie ein tatsächliches Mäuschen, und eine bräunlichgelbe Haut, aber der Ausdruck war es, der machte es ganz und gar kindlich und einnehmend. Und jedenfalls war sie eine Dame. Sie trug einen kostbaren Schwarzfuchskragen. Ihr Vater hatte übrigens nicht farbig ausgesehen.

Sie gingen durch den Zoll und auf die Straße.

„Rasch! rasch!“ zwitscherte sie laut.

Einen zufälligen Augenblick lang verstärkte sich draußen das Tuten großer Dampfer. Sie riß vor Aufregung an seinem Arm.

Im gleichen Zuck fuhr ein geschlossenes Auto an ihnen vorbei, das in dem gewöhnlichen, heute allerdings besonders lebhaften Verkehr durch seine Schnittigkeit und vor allem durch zwei weiße, um das Kutschendach herumlaufende Streifen auffallen mußte.

Die kleine Maklerstochter warf beide Arme zu Tamps Schulter hoch und klammerte sich fest.

„Das war er!“ brachte sie mit einem Aufschrei hervor.

„Hoho!“ sagte Tamp, von der Erregung des seltsamen Mädchens ohne viel Behagen angesteckt. In dem Wagen, hinter dem in Khakigelb gekleideten schwarzen Fahrer hatte ein Schwarzer in Pelzmantel und Seidenhut gesessen. Ein Weißer mit schwarzem Vollbart daneben.

„Ja, das war er!“ sagte sie noch einmal, und das voller Andacht und fast verzückt. „Josua Burn war das! Der größte Prediger des Jahrhunderts! Und der neben ihm, das war Pjoff, unser Hausmeister.“ Ein Mann mit Vollbart! dachte Tamp. Er begriff ihre Begeisterung nicht. „Ob wir ihn auf der Fähre noch erreichen?“ erflammte sie plötzlich wieder und zog den Steuermann, der sich nie so schwerfällig vorgekommen war, kurzerhand mit sich fort. Aber es ging durchaus nicht sehr rasch, mitten in der von allen Seiten anstauenden Menge auf das Fährboot zu gelangen. Und dort wieder war es so gestopft voll, daß es ihnen nicht möglich war, trotz Tamps rücksichtsloser Schulter, vor dem andern Ufer in den Wagengang hinunter zu kommen. Der schwarze Wagen entwischte ihnen lautlos.

Dafür jedoch — und Tamp empfand eine Erleichterung — trafen sie den Koch, der trübsinnig dastand und der verlassenen „Merryland“ nachpeilte, die da ziemlich unansehnlich hinter den Schuppen und größeren Dampfern versank.

Tamp machte sich bemerkbar.

„Dies ist die Tochter unseres Hafenmaklers“, sagte er, ein wenig unsicher betreffs des Tonfalls.

„O weh!“ antwortete der Koch, und sein Gesicht wurde einen Strich heller. „Ihr habt unsere alte Dampfnudel gefrühstückt, und wir stehen da mit ausgepumptem Magen.“

Sie lachte zuvorkommend, aber ihre Züge blieben auf einer anderen Gedankenstrecke stecken. Sie erwiderte: „Ich heiße Hishwa, Schwester Hishwa, und bin unschuldig daran.“ Nein, fügte sie, zu dem zurückkehrend, was ihre Seele bewegte, hinzu, sie habe keine Lust, hinter Burns Wagen herzutigern; er hätte sie taktvollerweise erkennen und mitnehmen sollen, sie, eine der besten Strahlen der Schwarzen Sonne.

Sie sah flüchtig über die beiden Männer empor, die ohne rechte Ahnung ihr zuhörten.

„Strahl? Das ist ein Titel bei uns. Zuerst ist man nur Funke“, erklärte sie sanft in das auflebende Drängeln, welches das nahende Ufer anzeigte.

„Und Burn, das ist so eine Art Missionar, so einer mit Vollbart“, setzte Tamp die Erläuterung dem Koch gegenüber fort.

„Burn?“ wiederholte sie erstaunt. „Dr. Burn ist ein Neger. Und der berühmteste Missionar und nicht nur so eine Art, und er ist bartlos. Und die Schwarze Sonne ist die wichtigste und schönste Afrikamission der ganzen Welt! Wir sind dort alle blond, wir Strahlen und Funken.“

Sie blickte den Koch strafend an, als habe er den Fehler gemacht.

„Und ich hab den Nigger für den Portier gehalten!“ murmelte Tamp betreten.

Aber sie tat, als vernähme sie es nicht, lächelte ihn an und nickte: Es sei wirklich ein blendender Gedanke, ein bißchen zu frühstücken.

Beide Männer schlugen aufatmend, wie mit einer Zunge, das Goldkorn vor, und sie mußten gestehen, ein anderes Lokal hatten sie ihr lebelang weder recht kennen noch schätzen gelernt.

Hishwa schob in Hinsicht auf diese berüchtigte Hafenschenke begeistert ihre schmalen Arme links unter den harten Arm Tamps und rechts unter den feisten des Kochs, ungeachtet der Handtasche und der kleinen Flagge und trotz des Gedränges. Beiden Männern war die ungewöhnliche Verknüpfung ihrer Rangstufen nicht ganz behaglich. Aber die Dame ließ nicht locker. Und so betraten sie die Weststraße Manhattans, die große, von Gemüsekörben, Plakaten, Fahnentuch, Lastautos, feiernden Arbeitern, abgemusterten Matrosen und betrunkenen Rekruten brandende Hudsonkante Neuyorks.

*

Die Spiegel dieser Welt beweisen jedermann,

daß links mit rechts vertauscht, an ihm nichts ändern kann.

IV

Hishwa Dulborts Eltern bewohnten eine nette Villa beim Botanischen Garten in Bronx, von Neuyorks innerer Stadt günstig in einer halben Stunde erreichbar. Es war eigentlich ein Landhaus, etwas unmodern, aber in dem alten vornehmen Kolonialstil gebaut, mit einer Säulenveranda, weißgrün gestrichener Holzverschalung und dunkelgrünen Fensterläden. Der Garten dabei war geringfügig. Aber Tennis- und Golfplätze lagen ganz in der Nähe. Und Hishwa hatte, solange ihr Bruder lebte, die halben Tage im Sattel verbracht und war durch Veranlagung und Tollkühnheit zu einer hübschen Fertigkeit im Umgange mit Pferden gediehen. Berry, ihr Bruder, drei Jahre älter als sie, ein blonder und großer Mensch, hatte es mit soldatischen Neigungen zu einem gutbezahlten Verwaltungsposten im Polizeidienst gebracht, ohne damit der Achtung seiner Freunde oder seinem eigenen Ehrgeiz zu genügen. Die begehrte Kadettenausbildung zu Westpoint und damit eine einwandfreie und aussichtsvolle militärische Laufbahn war ihm aus Gründen, die ihn zum Sieden bringen konnten, weil sein Blut sich keiner mütterlichen Vererbung teilhaftig fühlte, verschlossen geblieben. Er hatte früh einen versonnen zusammengebissenen Zug um den Mund und nahm jede Gelegenheit wahr, um sich in gefährliche Abenteuer einzulassen, beteiligte sich, ohne daß es sein Amt erforderte, an Verbrecherjagden, aber auch an Schlägereien und Gelagen, und übertraf seine Schwester in seiner Leidenschaft als Reiter, wenngleich nicht an Geschicklichkeit.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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