Die Box - Günter Grass - E-Book
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Beschreibung

„Knips mal Mariechen“ ruft der Schriftsteller, wann immer seine treue Freundin ein Foto für ihn machen soll. Maries Schnappschüsse haben es in sich, denn ihre alte Agfa-Box zeigt mehr als die Wirklichkeit — sie kann in die Vergangenheit und die Zukunft schauen, Wünsche und Ängste in Szene setzen. Viel später sitzen die acht Kinder des berühmten Schriftstellers beisammen, längst erwachsen geworden. Im lebhaften Dialog lassen sie das Leben ihrer komplizierten Familie Revue passieren, und jeder erinnert sich auf seine Weise an den Vater, die Kindheit, an Maries Wunder-Box und ihre verblüffenden Bilder.

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EPUB
MOBI

Seitenzahl:242


Günter Grass

Inhaltsverzeichnis
Die Box
Übriggeblieben
Ohne Blitzlicht
Wundermäßig
Kuddelmuddel
Wünschdirwas
Aus rückläufiger Sicht
Schnappschüsse
Krummes Ding
Vom Himmel hoch
Impressum

Übriggeblieben

Es war einmal ein Vater, der rief, weil alt geworden, seine Söhne und Töchter zusammen – vier, fünf, sechs, acht an der Zahl –, bis sie sich nach längerem Zögern seinem Wunsch fügten. Um einen Tisch sitzen sie nun und beginnen sogleich zu plaudern: jeder für sich, alle durcheinander, zwar ausgedacht vom Vater und nach seinen Worten, doch eigensinnig und ohne ihn, bei aller Liebe, schonen zu wollen. Noch spielen sie mit der Frage: Wer fängt an?

Zuerst kamen zweieiig Zwillinge, die hier Patrick und Georg, kurz Pat und Jorsch, in Wirklichkeit anders heißen. Dann erfreute ein Mädchen die Eltern, das nunmehr Lara gerufen wird. Alle drei Kinder bereicherten unsere überbevölkerte Welt, bevor die Pille käuflich, Verhütung zur Regel und Familien geplant wurden. So zählte ungerufen – und wie nach des Zufalls Laune geschenkt – noch jemand dazu, der eigentlich auf den Namen Thaddäus hören soll, aber von allen, die rund um den Tisch versammelt sind, Taddel genannt wird: »Hör auf zu blödeln, Taddel!« – »Latsch nicht auf deine Schnürsenkel, Taddel!« – »Los, Taddel, bring nochmal deine Rudi-Ratlos-Nummer«

Obgleich erwachsen und von Beruf, Familie gefordert, reden Töchter und Söhne so, als wollten sie wortwörtlich rückfällig werden, als lasse sich, was nur in Umrissen dämmert, dennoch wie greifbar fassen, als könne Zeit nicht vergehen, als höre Kindheit nie auf.

Vom Tisch her sind zur Fensterseite hin ablenkende Blicke möglich: gehügelte Landschaft beiderseits des Elbe-Trave-Kanals, den alte Pappeln säumen, die, weil laut amtlichem Beschluß zu fremdartig, demnächst gefällt werden sollen.

In geräumiger Terrine dampft Eintopf, ein Linsengericht, das samt Hammelrippchen einladend der Vater auf kleiner Flamme gekocht und zum Schluß mit Majoran gewürzt hat. So war es schon immer: Vater kocht gern für viele. Fürsorge nennt er seinen Hang zur epischen Vielfalt. Aus gerechter Kelle füllt er Teller nach Teller und sagt jeweils einen seiner Sprüche dazu, etwa: »Schon der biblische Esau gab für ein Linsengericht seine Erstgeburt her.« Nach dem Essen wird er sich zurückziehen, um in der Werkstatt zeitabwärts zu verschwinden oder neben seiner Frau auf der Gartenbank zu sitzen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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