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Es ist die authentische Geschichte eines Hexenprozeßes in der Kleinstadt Mölln im Jahre 1598. Es geht dabei um die Mißgunst, welche Gretges Herrin gegen sie hegt. Das Buch besticht durch genaueste Recherchen aus jener Zeit, in der Geständnisse in der Folterkammer heraus gepreßt wurden.
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Seitenzahl: 43
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Michael Aulfinger
Die Butterfaßhexe
Eine wahre Geschichte
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
1598 Mölln
Impressum neobooks
Das dunkelblaue Licht des Vollmondes und die Windstille wirkten in einen harmonischem Zusammenspiel. Grethge trat aus dem Haus heraus, und ging an dem Kuhstall vorbei. Unter dem Apfelbaum, welcher schon seine beste Zeit hinter sich hatte, blieb sie stehen. In dieser mitternächtlichen Stunde war sie ganz allein. Jeder schlief schon nach diesem harten Arbeitstag in Mollen. Doch war sie einer jener Menschen, welche schlecht seit je her schlecht bei Vollmond schlafen konnten. Sie schloß ihre Augen und breitete gleichzeitig die Arme aus. So genoß sie die Stille der Nacht und der Natur, und ließ den Frieden in sich einströmen. Nach einer Weile spürte sie die entspannende Wirkung, und seufzte in einem langen Ton. Plötzlich ließ sie ihre Arme sinken, und drehte sich rasch um. Ihre Augen starrten in jener Richtung hinter sich an jene Hauswand, von der sie ein Geräusch vernommen hatte. Sie suchte angestrengt mit ihrem Blick alles ab, doch fand sie nichts. In diesem fahlen Mondlicht, wirkte sowieso jeder noch so normale Gegenstand der Schatten warf irgendwie gespenstisch. Dann spürte sie den aufkommenden Wind, und nach einiger Zeit verdeckte sich der Sternenhimmel mit Wolken. Es wurde zusehends dunkler, als sich die mächtigen Wolken vor dem Vollmond schoben. Nun fühlte sie sich müder und ging in ihre Kammer, welche ihr als Dienstmagd zugewiesen worden war, zurück. Sie benötigte Schlaf, denn ihr stand ein harter und arbeitsreicher Tag bevor. Sicherlich würde die Bäuerin wieder einen Grund finden an ihr zu mäkeln. Dies tat sie ständig. Warum sollte es auch am nächsten Tag anders sein? Endlich fand sie ihre Ruhe, und schlief ein. Den heraufkommenden Regen und den späteren Blitz und Donner bekam sie nicht mehr mit.
Die Bäuerin Gesecke Kulemann kam direkt auf Grethge Langenhinricke zu. Ihr Blick war hart und vergrämt. Eigentlich sah sie aus wie immer. Seit ihr Mann Jochim verstorben war hatte sich das Wesen der Witwe Agnes in ein verbittertes verwandelt.
„Komm mit.“
Grethge folgte ihr. Am Butterfaß angekommen verharrte die Witwe.
„Die Butter will mir nicht gelingen. Ich weiß auch nicht warum. Die Schicht abgeschöpfter Rahm ist auch nur ein Handbreit hoch im Butterfaß, so wie es sein soll. Ich rühre immer gleichmäßig den Rahm. Die Hitze des Rahms ist auch nicht zu hoch. Ich verstehe wirklich nicht, warum mir die Butter nicht mehr gelingen will.“
Grethge nahm selbst den Stöckel in die Hände und schlug zu. Immer wieder schlug sie mit gleichmäßigen Bewegungen auf den Rahm ein. Ihr lief schon der Schweiß herunter, als die Bewegungen schwerer wurden und sich bald ein gelblicher, zäher Brei gebildet hatte.
„So Bäuerin. Seht selbst. Die Butter ist gemacht.“
Gesecke Kulemann sah ihre Magd durchdringend an. Einerseits freute sie sich natürlich, daß sie nun Butter hatte, andererseits erschien ihr die Sache doch sehr suspekt. Deshalb lag etwas unheilvolles in ihrem Blick. Gesecke sprach nicht, sondern wandte sich ab. Sie ging auf den Marktplatz. Ihre Gedanken drehten sich nur um Grethge und die Butter. Sie mußte sich ablenken. Dort traf sie einen Wandmacherknecht, den sie schon seit vielen Jahren kannte. Deshalb erzählte sie ihm von dem gerade erlebten.
„Es ist ja nicht das erste Mal. Mir gelingt die Butter nicht mehr. Nur noch wenn Grethge dabei ist. Es ist geradezu, als ob sie Schadenzauber anwende. Meinst du nicht auch?“
„Hm,“ antwortete der Wandmacherknecht. „Du meinst also, sie sei eine Hexe?“
„Ja. Den Verdacht regt sich schon länger in mir. Nun bin ich mir ganz sicher.“
„Du weißt, welche Folgen das haben kann?“
„Oh ja, sie soll das gleiche Schicksal erleben, wie vor genau 20 Jahren die Becksche. Die hatte es auch verdient.“
„Was geschah denn damals? Das interessiert mich. Du weißt, ich bin noch jung. Vor zwanzig Jahren zählte ich noch nicht einmal zehn Jahre.“ Der Wandmacherknecht wurde neugierig. Er beugte sich leicht vor, um besser lauschen zu können.
„Willst du die ganze Geschichte hören?“
„Gerne. Ich habe Zeit.“
„Nun gut, dann lausche. Es begann eigentlich ganz harmlos mit einem Streit zwischen Brandt, dem Fischer, und dem Knecht der Beck, Johann. Einer warf dem andern vor, gestohlen zu haben. Während dieses Wortgefechtes, drohte Johann dem Fischer, er solle vorsichtig mit seinen Äußerungen seien, da seine Herrin die Beck, der Hexerei und Zauberei mächtig sei, und ihn bestrafen könne. Der Streit wegen des Diebstahls wurde nicht beigelegt, so daß es vor dem Gericht entschieden werden mußte. Dort erzählte Brandt dann auch, von den Beschuldigungen des Knechtes über seine Herrin. Die Becksche triebe es mit dem Teufel. Dieses Gerücht lief damals schnell durch die Stadt. Bis dato hatte es nämlich noch keinen Hexenprozeß hier gegeben.“
„Das stimmt,“ warf der Wandmacherknecht kurz ein. „an das Gerücht kann ich mich noch erinnern. Das war damals aufregend. Aber wie ging es dann weiter?“
