6,99 €
Neunzehn, schön, unerfahren – und bereit, alles aufzugeben: Annika folgt dem Ruf ihrer Sehnsucht nach Unterwerfung und reist nach Bangkok. Dort wartet Maxim, der reiche, charismatische Engländer, den sie vor einem halben Jahr in Spanien kennengelernt hat. Dieses Mal soll es keine halben Sachen geben – vier Wochen voller Lust, Schmerz und Gehorsam entscheiden über ihre Zukunft. In Maxims Villa trifft Annika nicht nur auf ihn, sondern auch auf zwei thailändische Zwillingssklavinnen – und Mason, den undurchsichtigen Chauffeur, dessen sadistische Strenge sie bald am eigenen Leib erfährt. Maxim verlangt von Annika eine „Sklavinnenprüfung“, die über ihr Schicksal entscheidet. Für die junge Frau beginnt ein gnadenloses Training, das sie bis an ihre Grenzen – und darüber hinaus – führt. Wird Annika zerbrechen? Oder findet sie in Schmerz, Demütigung und Hingabe genau das, wonach sie sich schon immer gesehnt hat: die totale Erfüllung in der Rolle als Eigentum ihres Herrn? Ein fesselnder BDSM-Roman über Verlangen, Mut und den Weg in totale Unterwerfung – intensiv, sinnlich und schonungslos.
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 292
Veröffentlichungsjahr: 2025
Tomás de Torres
Die Gnade der Unterwerfung
Ein Maledom-BDSM-Roman
ISBN 978-3-96615-038-5
(c) 2025 Schwarze Zeilen Verlag
1. Auflage 2025
www.schwarze-zeilen.de
Alle Rechte vorbehalten.
Coverfoto: © Михаил Решетников / stock.adobe.com
Lektorat: Victor Lassier
Hinweis
Dieses E-Book ist ausschließlich für erwachsene Leser*innen bestimmt, die sadomasochistischen Praktiken offen gegenüberstehen.
Alle dargestellten Handlungen erfolgen im gegenseitigen Einverständnis zwischen erwachsenen Personen. Die Handlung ist rein fiktiv, entspringt der Fantasie des Autors und dient ausschließlich der Unterhaltung. Die beschriebenen Praktiken und Szenen sind nicht zur Nachahmung geeignet. Wenn Sie das Bedürfnis verspüren, BDSM in der Realität auszuleben, informieren Sie sich bitte sorgfältig über Risiken, Grenzen und notwendige Sicherheitsvorkehrungen.
Bitte beachten Sie zudem: In Maledom-Romanen, die nicht in Fantasiewelten angesiedelt sind, kann der Eindruck entstehen, dass ein antiquiertes Geschlechterrollenbild vermittelt wird. Dies ist nicht beabsichtigt, sondern ergibt sich aus den fiktiven Charakteren, die entsprechende Rollenbilder verkörpern. Es ist wichtig, solche Darstellungen kritisch zu hinterfragen.
Ähnlichkeiten mit lebenden Personen sind nicht beabsichtigt und wären rein zufällig.
Viel Spaß beim Lesen dieses Buches.
1
Bangkok war ein Schock.
Als Annika nach elfstündigem Flug und endlosem Anstehen für die Passkontrolle einschließlich Abnahme ihrer Fingerabdrücke, als wäre sie eine gesuchte Verbrecherin, das klimatisierte Terminal des Flughafens Suvarnabhumi verließ, ließ eine dampfende Dschungelatmosphäre sie um Atem ringen. Binnen Sekunden stand ihr der Schweiß auf der Stirn, Wasser sammelte sich unter ihren Brüsten und in dem Gummislip, den sie unter dem geblümten Sommerkleid trug.
Zerschlagen und hechelnd wie ein Hund ihren Rollkoffer hinter sich herziehend, folgte sie den Hinweisschildern zu den Taxis. Bei jedem Schritt bewegte sich der Analzapfen in ihr, der in den Gummislip eingearbeitet war, und die Noppen an der Vorderseite glitten über ihre sauber enthaarte Scheide, streichelten sie, spielten mit ihr. Bei einem kurzen Stopp in einer Flughafentoilette hatte sie mit bebenden Fingern den Slip aus dem Koffer gezerrt (sie hatte nicht gewagt, ihn im Handgepäck mitzunehmen) und wie befohlen angezogen. Der penisförmige Analdildo durchmaß an der Basis zweieinhalb Zentimeter, drang tief in sie ein und bewegte sich bei jedem Schritt in ihr. Als sie die mehrbahnig abgeteilte Spur für die grün und gelb gestrichenen Taxis erreichte, keuchte sie nicht nur aufgrund der äußeren, sondern auch einer auflodernden inneren Hitze.
Ratlos betrachtete sie die Beschriftungen der drei Spuren: »Short distance«, »Regular Taxi« und »Big Taxi«. Ein junger Mann in Uniform fing ihre Blicke auf und trat an Annika heran.
»Wohin gehen Sie?«, fragte er auf Englisch.
Sie fischte den Zettel mit der Hoteladresse aus ihrer Handtasche. »Sukhumvit.«
Der Mann geleitete sie zu dem Automaten mit der Beschriftung »Regular Taxi« und drückte einen Button auf dem Touchscreen. Ein Zettel schob sich aus dem Schlitz unter dem Bildschirm und der Mann deutete auf die darauf stehende Nummer: 37. Dann wies er auf die Reihe der wartenden Taxis. Annika bedankte sich und stakste auf den Stellplatz mit der Nummer 37 zu. Ein untersetzter Mann mit Sonnenbrille und südlichem Teint löste sich aus der Unterhaltung mit einem Kollegen, nickte ihr zu und verstaute ihren Koffer. Maxim hatte sie vorgewarnt, dass thailändische Taxifahrer selten Englisch sprachen, deshalb reichte sie ihm den Zettel mit der Adresse.
»Oh, Sukhumvit!«, sagte er und nickte, aber es klang wie ein Stoßseufzer.
Bei dem Taxi handelte es sich um einen alten Toyota Corolla. Annika stieg hinten ein und ließ sich in den Sitz fallen. Ihr entfuhr ein leiser Schrei, als sich dabei der Analdildo noch tiefer in sie hineinbohrte.
Der Taxifahrer wandte sich mit einem fragenden Blick um. »Okay?«
Annika wedelte entschuldigend mit der Hand. »Okay, okay!«
»Okay!«, sagte der Fahrer grinsend und hob den rechten Daumen. »Sukhumvit! Hotel Tu-dah!«
»Tudor, yes.«
Während sie vergeblich nach dem Anschnallgurt suchte, ließ der Fahrer, der auf der rechten Seite saß, den Motor an. Ein eisiger Wind traf Annika; ihr schien, als gefrören die Schweißtropfen auf ihrer Stirn. Fröstelnd schlang sie ihre nackten Arme um sich.
Der Fahrer beobachtete sie im Rückspiegel. »Aircondition! Super! Okay?«
»Okay, okay.«
Der Wagen setzte sich in Bewegung und passierte eine Ausfahrschranke. Während Annikas Oberkörper sich rasch abkühlte und der Schweiß trocknete, nahm die Hitze in ihrem Unterleib weiter zu. Der Sitz war gut aufgepolstert, die Straße uneben, und beides zusammen führte dazu, dass das Mädchen auf und nieder geschaukelt wurde und der Analdildo sie regelrecht zu ficken begann. Hinzu kam die Reibung der Noppen an ihrer nicht mehr nur vom Schweiß feuchten Scheide.
Sie biss sich auf die Lippen und sah zum Fenster hinaus, um sich abzulenken. Etwa eine Stunde Fahrt bis zum Hotel hatte Maxim gesagt, je nach Verkehrslage, denn der Flughafen befand sich am östlichen Rand der Zehn-Millionen-Stadt.
Der Wagen fuhr auf eine Autobahn. Annika zählte fünf Spuren in ihrer Richtung – und alle waren voll. In Thailand herrscht Linksverkehr und der Fahrer nahm, wo immer möglich, die ganz rechte, also die schnellste Spur. Ab und zu stand ein braununiformierter Verkehrspolizist neben seinem Motorrad am Straßenrand, ein Funkgerät in der Hand.
Der Verkehr floss mit fünfzig bis sechzig Stundenkilometern dahin. Viel zu langsam, fand Annika, denn zu allem Überfluss spürte sie einen zunehmenden Druck in ihrer Blase. In der Flughafentoilette, nachdem sie den Koffer vom Gepäckband gehievt hatte, war sie zu aufgeregt gewesen, diese zu benutzen. Es war schwer genug, unter den beengten Verhältnissen den Slip anzuziehen und die Beine weit genug zu spreizen, um den Dildo einzuführen.
Hoffentlich gibt es keinen Stau!, betete sie im Stillen.
Eine Weile floss der Verkehr einigermaßen regelmäßig, dann jedoch wurde er immer zäher, gefühlt in dem Maße, in dem der Druck in Annikas Blase wuchs und sich allmählich in echten Schmerz wandelte. Der Dildo hörte nicht auf, in ihr zu arbeiten, und die Noppen rieben an ihren Schamlippen. Nicht auszudenken, wenn sie hier im Taxi einen Orgasmus bekäme! So voll, wie ihre Blase sich mittlerweile anfühlte, würde Annika sie dann kaum mehr kontrollieren können.
Sie sah wieder hinaus. An der Seitenscheibe prangte ein Aufkleber mit einer Reihe von Verbotsschildern. Er zeigte unter anderem die durchgestrichenen Piktogramme einer Zigarette, einer Pistole, eines Hundes, eines pinkelnden Mannes und schließlich zwei angedeutete Personen in eindeutiger Stellung: eine auf dem Rücken liegend, die andere über sie gebeugt, beide in der Körpermitte vereinigt. Annika hatte noch niemals Ähnliches gesehen. Belustigt schüttelte sie den Kopf.
Mittlerweile war der Verkehr fast zum Stehen gekommen. Der Fahrer, der die Ausmaße des Toyota bis auf den Millimeter genau zu kennen schien und virtuos die Spuren wechselte, wo immer sich eine Lücke auftat, deutete nach vorn und zuckte mit den Schultern.
»Every day, same-same!« Jeden Tag das Gleiche.
»Sukhumvit?«, fragte Annika mit einer Mischung aus Furcht und Hoffnung.
»Oh, Sukhumvit!«, antwortete der Fahrer müde und deutete mehrfach nach vorn, was wohl heißen sollte: Das Ziel Sukhumvit, eine der großen Durchgangsstraßen Bangkoks, war noch weit entfernt.
Annika unterdrückte ein Aufstöhnen, öffnete die Beine etwas und lehnte sich im Sitz zurück. Der aufmerksame Fahrer nahm eine ungeöffnete Halbliterflasche mit Wasser von der Mittelkonsole und reichte sie nach hinten.
»Compliments!«
Erschrocken wehrte Annika ab. Ihre Kehle fühlte sich zwar ausgedörrt an und ihr ganzer Körper war nach der Nacht im Flugzeug dehydriert, aber um nichts in der Welt hätte sie noch einen Tropfen Wasser verkraftet ohne »überzulaufen«.
Zu ihrer großen Erleichterung ging es jedoch bald wieder zügig weiter. Der Fahrer folgte einem Schild »Elevated Tollway« und fuhr auf eine Hochautobahn, die zwischen Wolkenkratzern hindurchführte. Verkehrsschilder mahnten eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h an, der Fahrer beschleunigte auf 110, wurde aber oft genug von deutlich schnelleren Autos überholt.
Dann, etwa fünfzehn Minuten und zwei Beinahe-Orgasmen später und unter immer stärkeren Schmerzen in Annikas Blase, überquerte das Auto eine Brücke, fuhr abwärts, bog auf eine breite Querstraße ein – und stand im Stau.
»Sukhumvit!«, sagte der Fahrer mit einer ausladenden Geste. »Every day, same-same!«
Annika stöhnte auf und presste die Beine zusammen. Die Sukhumvit glich hier eher einem Tunnel als einer Durchgangsstraße, denn zu beiden Seiten ragten Wolkenkratzer empor und über der Straße befand sich die Trasse des Skytrains, der innerstädtischen Schnellbahn, wie Maxim erklärt hatte. Augenscheinlich floss der Verkehr in dieser Stadt nur ab einer gewissen Höhe über dem Erdboden.
Von dem Rest der Strecke, gottlob nur wenige Kilometer bis zu ihrem Hotel, bekam Annika kaum mehr etwas mit. Sie war nur noch damit beschäftigt, Beine und Lippen zusammenzupressen und an alles Mögliche zu denken, nur nicht an ihre Blase, an den Dildo oder die Noppen des Gummislips. Als der Wagen schließlich mit einem Ruck anhielt, erschien es ihr, als erwachte sie aus einem Albtraum.
»Hotel Tu-dah!«
Der Fahrer hatte sich zu ihr umgewendet und strahlte sie an.
Mit einem Riesenseufzer stieß Annika die Tür auf und stieg aus, sehr langsam und vorsichtig. Zwei Hotelangestellte eilten herbei: Einer lud ihren Koffer aus und der andere übersetzte den Fahrpreis ins Englische. Annika zählte, einschließlich eines guten Trinkgelds, in der Landeswährung 600 Baht ab und überreichte sie dem Fahrer. Dann folgte sie den Angestellten steifbeinig und mit kleinen Schritten in die Lobby.
2
Maxim hatte Annika zusammen mit dem Flugticket 10 000 Baht gesandt, damit sie nicht bereits im Flughafen Geld wechseln oder sich mit thailändischen Geldautomaten herumschlagen musste, deren englische Bedienerführung, seinen Worten zufolge, manchmal verwirrend war. Zehntausend! Annika hatte sich reich gewähnt, jedenfalls so lange, bis sie den Wechselkurs im Internet nachgeschlagen hatte. Bei einem Verhältnis von etwa 35:1 ergab dies an die 285 Euro, immerhin genug, um die ersten Tage über die Runden zu kommen. Und Maxim hatte versichert, alle Kosten zu übernehmen, so wie Annika es von ihm gewohnt war.
Er hatte auch das Hotel ausgesucht und die Reservierung erledigt. Der Check-in ging schnell und problemlos, sie musste nur ihren Pass abgeben und die bereits ausgefüllte Anmeldekarte unterschreiben. Eine Mitarbeiterin kopierte den Pass, gab ihn Annika zurück und informierte sie in gutem Englisch, dass ihr Zimmer bereit sei. Annika nickte und krächzte ein »Thank you!«, zu mehr war sie nicht mehr fähig.
Das Zimmer befand sich in der 27. Etage eines, laut den Tasten im Fahrstuhl, 33-stöckigen Gebäudes. Nach einer schier endlosen Aufzugfahrt, während der sich erste Tröpfchen in den Gummislip stahlen, und einer panikerfüllten Suche nach Zimmer Nummer 2704 hielt sie die Schlüsselkarte an das Kontaktfeld am Türschloss, wartete zusammengekrümmt auf ein erlösendes Summen, schob sich und den Rollkoffer in den Flur der Suite und warf die Tür hinter sich zu. Das Licht flammte auf, als sie die Schlüsselkarte in den dafür vorgesehenen Schlitz neben der Tür steckte. Das Bad befand sich gleich zur Linken. Annika rannte in den Raum, klappte den Deckel hoch und ließ sich rittlings auf die Toilette fallen, mit dem Gesicht zur Wand. Sie raffte das Kleid hoch und nahm sich nicht die Zeit, den Slip herunterzuziehen, sondern schob die schwarze Gummihaut nur so weit zur Seite, dass sie sich mit einem befreiten Aufstöhnen erleichtern konnte. Sie urinierte endlos.
Erst danach sah sie sich in dem Badezimmer um. Es war geräumig, hell und modern eingerichtet. Eine Glaswand trennte ein großes Duschabteil ab, und jenseits der Tür stand eine riesige Badewanne mit Düsen auf der Innenseite. Annika kannte so etwas nur aus dem Fernsehen; noch niemals hatte sie in einem so teuren Hotel logiert.
Bevor sie sich den Rest der Suite ansah (Suite!, dachte sie stolz), zog sie Schuhe, Tennissocken und das verschwitzte Kleid aus. Schließlich noch den Büstenhalter. Sie trug selten einen BH, denn ihre festen und spitzen Brüste benötigten keinen, aber Maxim hatte ihr erklärt, in Thailand gingen nur Prostituierte ohne BH auf die Straße. Und durch das dünne und nicht allzu weite Sommerkleid zeichneten sich die Spitzen ihrer Brüste überdeutlich ab, wenn sie keinen trug. Etwas, das sie weder in Deutschland noch während ihres unvergesslichen Urlaubs in Spanien gestört hatte.
Nackt bis auf den feuchten Gummislip ging sie zurück in den Flur und weiter in das Wohnzimmer der Suite. Sie war unsicher, ob sie den Slip ausziehen durfte; keinesfalls wollte sie einem auch unausgesprochenen Befehl Maxims zuwiderhandeln. Notfalls würde sie mit dem Slip duschen und ihn dabei, so weit es möglich war, reinigen.
Das Wohnzimmer wurde durch eine breite, getönte Glasfront erhellt. Annika trat bis an das Fenster heran und blickte hinaus. Tief unten, zu ihren Füßen, bildete ein kleiner Park eine grüne Insel inmitten eines unüberschaubaren Gebirges aus Hochhäusern. Durchschnitten wurde dieses Gebirge von der Hochbahn und der darunterliegenden Sukhumvit, von welcher kleine, kerzengerade Straßen in beide Richtungen abführten. Allen gemeinsam war der Stau an ihrem Ende, an der Einfahrt in die Durchgangsstraße.
Annika blickte auf ihre Armbanduhr. Kurz nach vier Uhr morgens? Dann fiel ihr ein, dass sie jetzt, Mitte Oktober, solange in Deutschland noch die Sommerzeit herrschte, fünf Stunden zugeben musste. Das bedeutete, dass es hier in Bangkok kurz nach neun Uhr war. Morgenstau!
Sie lachte und schüttelte den Kopf.
»Every day, same-same!«
Ein euphorisches Gefühl erfasste sie und ließ sie mit hochgereckten Armen Pirouetten drehen. »Thailand! Ich bin tatsächlich in Thailand!« Niemals hätte sie gedacht, dass sie je eine so weite Reise unternehmen würde.
Und heute Abend würde sie Maxim wiedersehen, endlich, nach so vielen einsamen Wochen!
Sie atmete tief durch und wandte sich vom Fenster ab. Das Wohnzimmer verfügte über ein bequemes Sofa mit Couchtisch, einen Esstisch mit zwei Stühlen und einen Großbildfernseher an der Wand. Gegenüber der Fensterfront, neben dem Eingang, befand sich eine kleine Küchenzeile mit Spülbecken, Hängeschrank und Theke. Unter der Theke stand ein mit Getränken gefüllter Kühlschrank mit angehefteter Preisliste. Sie überflog diese und atmete auf: Zwei Halbliterflaschen Wasser waren immerhin kostenlos. Sie nahm eine heraus, öffnete sie und trank sie in einem Zug fast zur Hälfte aus.
Dann besah sie sich das angrenzende Schlafzimmer. Es besaß ebenfalls eine Glasfront, die Fortsetzung jener des Wohnzimmers mit dem gleichen Ausblick. An der Wand ein Spiegel, davor ein Tischchen und ein Stuhl, rechts ein Schrank, und fast in der Mitte ein französisches Bett mit dicken, gedrechselten Pfosten.
Sie trat an den Fuß des Bettes und ließ ihre Hände über einen der Pfosten gleiten. Erinnerungen loderten in ihr auf, heiße Erinnerungen an Spanien, an Maxims Hotelzimmer mit einem ebensolchen Bett … Sie sah sich selbst nackt auf diesem Bett, Arme und Beine weit gespreizt an die Pfosten gefesselt, Maxim neben ihr aufragend, die Hände ausstreckend, die Spitzen ihrer Brüste streichelnd, dann die Oberschenkel, die Lippen ihres Geschlechts … Sie sah sich erbeben unter seinen Berührungen, sich winden in den unnachgiebigen Fesseln, sich ihm darbieten, ihm flehend ihren Unterleib entgegenrecken, wortlos um Erlösung betteln von der unerträglichen Qual des Wartens …
Ein Schauer durchlief Annika und sie legte die rechte Hand in ihren Schritt. Doch die Berührung der kühlen Gummihaut ließ sie zurückzucken.
Nein!, dachte sie, beinahe erschrocken über sich selbst. Nicht jetzt! Noch nicht! Das Warten ist eine Qual, aber umso schöner wird es dann sein, mit Maxim, in diesem Bett, hilflos ihm ausgeliefert, seinen Händen, seiner Zunge, seinem Glied …
Sie biss sich auf die Lippen und wandte sich ruckartig ab. Dabei fiel ihr Blick auf den Nachttisch und einem darauf liegenden Briefumschlag. Sie hob ihn auf.
»Annika« stand darauf in einer beinahe kalligrafischen Schrift. Der Umschlag war nicht verschlossen, innen steckte ein einzelnes Blatt. Hastig nahm sie es heraus. Sie erkannte Maxims fliegende, gestochene Handschrift.
»Meine Annika,
herzlich willkommen in Thailand! Ich komme wie versprochen heute Abend ins Hotel, erwarte mich Punkt 18 Uhr.
Ich hoffe, Du hast alles mitgebracht, was ich Dir aufgetragen habe, denn andernfalls müsste ich Dich bestrafen …
Nachdem Du geduscht hast, lege zunächst den Halsreif an, den ich Dir damals mitgegeben habe, und verschließe ihn. Gib den Schlüssel in diesen Umschlag und klebe ihn zu. Weil es heiß ist, darfst Du einen Baumwollslip anziehen, aber bitte den mit dem Schlitz; Du weißt schon, welchen ich meine. Dann den Leder-BH mit den Innenstacheln. Du musst ihn nicht besonders fest ziehen, das erledige ich dann schon selbst.«
Es folgten einige allgemeine Hinweise zur Umgebung des Hotels: Ein kleiner Supermarkt befand sich an der Ecke zur Sukhumvit, Restaurants und Street-Food gab es zuhauf und der kleine Park eignete sich gut für einen schattigen Spaziergang.
Dann folgte der erlösende Satz: »Du darfst den Gummislip jetzt ausziehen.«
Unterzeichnet war der Brief mit Maxims geschwungenem »M«. Schließlich noch ein Nachsatz:
»P. S.: Berühre Dich nicht!«
Diesen Nachsatz hatte sie erwartet – und gefürchtet. Denn Annika hatte einen Hang zur Selbstbefriedigung, der so weit ging, dass man es fast eine Sucht nennen konnte. Maxim wusste das natürlich und erlaubte es in Grenzen, jedoch nur in seiner Abwesenheit. Keine Frage, er wollte, dass sie sich für ihn »aufhob«, dass sich ihre Geilheit über den Tag hinweg steigerte, bis er sie endlich zu einem erlösenden Höhepunkt führte. In diesem Sinne waren auch seine Anweisungen zu lesen: das Halsband und der Leder-BH. Auf einen »Spezial-Slip« hatte er ausdrücklich verzichtet, wohl um die Versuchung für Annika nicht übermächtig werden zu lassen, sich bereits vor seiner Ankunft Erleichterung zu verschaffen.
Auf dem Nachttisch stand auch ein elektronischer Wecker, und Annika stellte ihre Armbanduhr auf die lokale Zeit um. Wenn Maxim schrieb »Punkt 18 Uhr«, meinte er auch Punkt 18 Uhr. Er war der pünktlichste und überhaupt in jeder Beziehung verlässlichste Mensch, dem sie je begegnet war. Leider konnte sie sich in dieser Beziehung kaum mit ihm messen; sie kam fast zu jedem Treffen zu spät. Was dann natürlich dazu führte, dass Maxim sie bestrafen musste.
Sie ging zurück ins Bad. Schlechte Erfahrungen mit dicken Analdildos hatten sie vorsichtig werden lassen. Deshalb stellte sie sich zunächst breitbeinig über die Toilette, bevor sie begann, den Slip langsam herab- und den Dildo herauszuziehen. Sie stöhnte erleichtert auf, als er ganz draußen war.
Sie säuberte zunächst ihren Unterleib und dann, sehr sorgfältig, den Slip und hängte ihn zum Trocknen über den Rand der Badewanne. Anschließend duschte sie ausgiebig.
Nackt und erfrischt ging sie ins Wohnzimmer und räumte den Koffer aus. Die Kleidung legte sie, sorgfältig geordnet, in den Schlafzimmerschrank. Die Dinge jedoch, die Maxim ihr mitzubringen aufgetragen hatte, beließ sie im Koffer, mit Ausnahme des Halsbandes und des Leder-BHs.
Sie hob das Halsband hoch. Es war aus Edelstahl, dünn und biegsam und auf der Innenseite mit einer Art von Gummi ausgelegt. »Neopren« hatte Maxim es genannt, der es für sie beschafft hatte. Im Nacken wurde es durch ein kleines Vorhängeschloss gesichert, dessen Bügel jedoch in einem stählernen Ring versenkt war, sodass er nicht aufgefeilt werden konnte. An beiden Seiten und vorn waren ebenfalls stählerne Ringe befestigt, an die man Ketten oder eine Leine einklinken konnte. Am vorderen Ring hing ein dreieckiges Metallplättchen ähnlich einer Hundemarke, auf dessen schwarzem Grund Annikas Name in silbernen Buchstaben eingraviert war sowie eine siebenstellige Zahl: 4829456. Sie kannte sie mittlerweile auswendig. Als sie es zum ersten Mal angelegt hatte, hatte sie Maxim nach der Bedeutung dieser Zahl gefragt. Er war, zum ersten Mal überhaupt, ihrem Blick ausgewichen, hatte mit den Schultern gezuckt und gesagt: »Einfach nur irgendeine Zahl.«
Diese deutlich sichtbare »Hundemarke« war auch der Grund, warum sie das Halsband noch niemals in der Öffentlichkeit getragen hatte. Jedenfalls bis heute, denn bis zu Maxims Ankunft waren es noch fast neun Stunden und sie würde irgendwann etwas zu essen einkaufen müssen. Im Flugzeug hatte man kurz vor der Landung zwar ein Frühstück serviert, aber Annika hatte es zur Hälfte stehen lassen. Sie war zu aufgeregt gewesen und hatte ständig aus dem Fenster gesehen.
Sie zog den Schlüssel aus dem Schloss des Halsbands, gab sich einen Ruck und legte es um. Ein letztes Mal überprüfte sie seinen Sitz: Perfekt wie üblich; sie konnte nur noch den kleinen Finger zwischen Haut und Neoprenschicht zwängen. Dennoch war es nicht unbequem, aber sie vergaß niemals, dass sie es trug. Es war eine ständige Erinnerung an Maxim und an ihren Status. Etwas, an das sie sich klammern konnte, im psychischen Sinn. Das ihr ständig sagte, wohin sie gehörte. Wem sie gehörte. Mit Leib und Seele – und mit ganzem Herzen.
Etwas, das ihr einen Halt gab.
Das Schloss schnappte ein. Maxims Vorgabe folgend, legte sie den Schlüssel in den Umschlag und verschloss diesen mit Hilfe des daran angebrachten Haftklebestreifens. Ein unbemerktes Öffnen würde kaum mehr möglich sein; auf diese Weise konnte Maxim sie kontrollieren.
Dann kam der Stachel-BH an die Reihe. Aus Leder gefertigt, ohne Träger, besaß er einen Schnallenverschluss im Rücken. Die Körbchen waren auf der Innenseite mit Dutzenden von Stacheln versehen, Reißnägeln ähnelnd, wenn auch nicht ganz so spitz, und besaßen im Zentrum eine Öffnung für die Brustwarzen, damit sie möglichst fest an die Brüste gepresst werden konnten. Annika besaß Erfahrung damit: Festgezurrt verursachten die Dornen einen wachsenden Schmerz, vor allem beim tiefen Einatmen. Wurde der BH wieder entfernt, waren die Brüste mit roten Punkten übersät, bluteten jedoch nicht. Annikas Verhältnis zu diesem Stachel-BH war zwiespältig: Einerseits verursachte er Schmerzen, andererseits erregte er sie.
Und diese Funktion erfüllte er auch diesmal. Als sie ihn umlegte und die Schnalle im Rücken festzog, spürte sie erneut Feuchtigkeit zwischen den Beinen, und ihre Brustwarzen richteten sich auf. Sie stellte ihn, was Maxim ja ausdrücklich gestattet hatte, nicht allzu eng ein, gerade so, dass sie die Stacheln spürte, vor allem beim Gehen, wenn die Brüste wippten, dass sie jedoch kaum Schmerzen verursachten. Eine weitere ständige Erinnerung an Maxim.
Ein Geräusch an der Tür unterbrach den Strom ihrer Gedanken.
Maxim?
Sie fuhr herum. In der offenen Tür stand eine ältere Frau in hellblauer Dienstmädchenuniform, einen Packen Bettwäsche unter dem linken Arm. Ihr Griff löste sich und die Wäsche fiel zu Boden. Sekundenlang standen sich die beiden gegenüber und starrten sich an, keine drei Meter voneinander entfernt, reglos, eingefroren in der Bewegung. Annika fühlte, wie ihr das Blut ins Gesicht schoss, wie sich die Hitze der Scham in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Sie stand ja praktisch nackt vor der vielleicht 50-jährigen Frau, mit Halsband und Leder-BH, aus dessen Öffnungen sich ihre erigierten Brustwarzen hervordrängten. Sie sah, fühlte, wie der Blick der Frau an ihrem Körper hinabglitt und an der haarlosen, mädchenhaften Scham haften blieb.
Dann kam Leben in die Frau. Sie würgte ein kaum verständliches »Sorry! Sorry!«, hervor, wirbelte herum, wobei sie mit der rechten Hand hart und gewiss schmerzhaft gegen den Türrahmen schlug. Sie machte einen halben Schritt hinaus, dann fiel ihr wohl die Wäsche ein und sie drehte sich wieder um. Den Blick krampfhaft gegen den Boden gerichtet, raffte sie die Wäsche mit eckigen Bewegungen zusammen, stolperte hinaus, ließ sie draußen wieder fallen und schlug die Tür hinter sich zu.
Annika stieß die angehaltene Luft aus, ihre Schultern sanken herab.
Dann begann sie zu lachen.
Die ganze Spannung entlud sich in einem Lachkrampf, wie sie selten einen gehabt hatte. Sie ließ sich auf die Couch fallen, umklammerte ihren flachen Bauch mit den Händen und lachte, bis sie Seitenstechen bekam. Es war klar, was passiert war: Da Annika am frühen Morgen angekommen war, hatte Maxim das Zimmer vom vorangegangenen Abend an reserviert. Das Zimmermädchen hatte seine Liste bekommen und natürlich angenommen, das Zimmer müsse gereinigt werden. Davon, dass der Check-in erst vor Kurzem erfolgt war, wusste sie mit Sicherheit nichts.
Als Annika sich wieder so weit erholt hatte, dass sie aufstehen konnte, ging sie zurück ins Schlafzimmer, suchte den Frotteeslip mit der Schrittöffnung heraus und zog ihn an. Sie trank den Rest des Wassers und aß einen als Notration mitgebrachten Schokoriegel, dann legte sie sich auf das Bett. Sie breitete Arme und Füße aus, als sei sie bereits angekettet, und schloss die Augen.
Noch neun Stunden!, dachte sie beinahe verzweifelt.
Neun Stunden, bis sie Maxim wiedersehen würde, nach fast drei Monaten.
Ah, Maxim …
3
Eigentlich hieß er Maximilian. Maximilian Parker. Aber in ihren Gedanken nannte sie ihn stets Maxim, nach Maxim de Winter, der Romanfigur aus Daphne du Mauriers Rebecca, einem von Annikas Lieblingsbüchern. Ihm gegenüber jedoch sprach sie seinen Namen nie aus, sondern nannte ihn stets »Herr«. Denn das war er: ihr Herr. Mit allem, was dieser Titel impliziert.
Sie hatte ihn am ersten Tag ihres Osterurlaubs kennengelernt, in Spanien, an der Costa Blanca. Das heißt, es war nicht wirklich ein Osterurlaub, denn als Auszubildende in der kaufmännischen Abteilung eines Neusser Softwarehauses bekam sie grundsätzlich keinen Urlaub während der Schulferien; diese waren reserviert für Kollegen mit Kindern. Also flog sie kurz nach Ferienende nach Valencia zu ihrem ersten Spanien-Urlaub und ihrer ersten Auslandsreise überhaupt, denn vorher hatte sie niemals genug Geld besessen für so einen Luxus. Und auch diesmal hatte es nur zum billigsten Hotel gereicht und lediglich zu Übernachtung mit Frühstück. Verpflegung fand sie im Supermarkt, billiger als in Deutschland. Aber am Tag nach ihrer Ankunft entdeckte sie wenige Hundert Meter entfernt ein wunderschönes kleines Restaurant, mit livrierten Kellnern, Gemälden an den Wänden, die das Meer zeigten, und Schiffsmodellen in Glasvitrinen zwischen den Tischen. Ein Mal, ein einziges Mal, wollte sie in diesem Restaurant – nein, nicht essen, sondern speisen! So viel Geld konnte sie immerhin erübrigen, um sich diesen Wunsch zu erfüllen.
Und so machte sie sich am Abend nach ihrer Ankunft auf den Weg. Doch der Zeitpunkt war schlecht gewählt: Als sie das Restaurant betrat, waren alle Tische besetzt, meist mit zwei oder mehr Personen. Was tun? Es verschieben? Nein, sie hatte sich so sehr auf diesen Abend gefreut!
Suchend reckte sie den Kopf und fand schließlich ganz hinten, unter dem Wandmosaik einer Spanienkarte, einen Tisch, an dem nur ein Mann saß. Kurz entschlossen ging sie darauf zu. Sie hatte den Tisch fast erreicht, als ein Kellner hinter ihr her eilte und dabei abwehrende Handbewegungen machte. Der Mann am Tisch sah auf, erfasste die Situation und bedeutete dem Kellner mit einer Geste, sich zurückzuziehen.
Annika legte ihre Hand auf den Stuhl ihm gegenüber. »Entschuldigen Sie, ist dieser Platz frei?« Da sie kein Wort Spanisch sprach oder auch nur verstand, brachte sie die Frage in einem holprigen Realschul-Englisch vor.
Der Mann, schätzungsweise Ende der dreißig und damit doppelt so alt wie Annika mit ihren 19 Jahren, lächelte und nickte. »Mit mir können Sie auch Deutsch sprechen.«
Überrascht ließ Annika sich nieder. »Woher wissen Sie, dass ich Deutsche bin?«
»Man hört es.«
Das Erste, was ihr an ihm auffiel, waren seine Augen. Graue Augen. Grau wie glänzender Stahl, und auch der Blick, mit dem er sie musterte, war stählern, aber keineswegs unfreundlich. Interessiert, aber nicht aufdringlich. Abschätzend.
Er trug einen kurzen und gepflegten, scharf ausrasierten Kinnbart von der gleichen pechschwarzen Farbe wie sein auf der rechten Seite gescheiteltes halblanges Haar. Die Hände, die aus seiner königsblauen Anzugjacke hervorsahen, schienen kraftvoll und gewohnt zuzupacken. Seine Arme konnte sie natürlich nicht sehen, aber Annika stellte sie sich muskulös vor.
Wie sie nicht viel später feststellen würde, traf das zu.
Und noch etwas wusste Annika nach dieser ersten Musterung: Dieser Mann war kein Tourist. Er sah aus wie ein Geschäftsmann. Ein erfolgreicher, selbstsicherer Geschäftsmann. Jemand, der wusste, was er wollte, und der es auch bekam.
Doch wovon sie ihren Blick kaum wenden konnte, waren seine Augen, diese zwingenden, beinahe hypnotisierenden Augen. Sie spürte die Kraft und die Stärke, die von diesem Mann ausging. Jene Stärke, Härte, nach der sie sich ihr halbes Leben lang gesehnt hatte, zunächst unbewusst, später dann jedoch immer bewusster.
Die Ankunft des Kellners mit der Speisekarte riss sie aus ihrer Benommenheit. Sie wählte irgendetwas aus der viersprachigen Karte und achtete dabei nicht einmal auf den Preis, was sie sich doch fest vorgenommen hatte. Zu trinken bestellte sie ein Glas Rotwein.
Dann starrte sie wieder ihr Gegenüber an. Sein Blick hatte tatsächlich etwas Hypnotisierendes an sich.
Der Mann brach als Erster das Eis. »Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Parker. Maximilian Parker.«
Genauso gut hätte er sagen können: »Mein Name ist Bond, James Bond«, und sie hätte es ihm ebenso geglaubt.
»Annika«, stellte sie sich vor. »Annika Buchholz.«
Maxim (bereits in diesem Moment nannte sie ihn in Gedanken zum ersten Mal Maxim) nickte. »Annika. Ein schöner Name.« Er schnitt ein Stück von seinem Steak ab und schob es in den Mund.
Fieberhaft suchte Annika nach einer Antwort, um den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen.
»Sie sind auch Deutscher?«, fragte sie schließlich. Er sprach ein perfektes Deutsch mit einem kaum wahrnehmbaren Akzent.
Er schluckte den Bissen hinunter und spülte mit Weißwein nach. »Halb Engländer, halb Deutscher und halb Spanier.« Er lachte. »Nein, der deutsche und spanische Anteil ist jeweils nur ein Viertel. Aber ich bin hier wie dort zu Hause. Eigentlich überall.«
Annika fragte sich nicht, wie jemand »überall« zu Hause sein konnte. Wenn er gesagt hätte, der Tag sei dunkel und die Nacht weiß oder der Mond bestünde aus grünem Käse, hätte sie es in diesem Moment auch als ganz normal empfunden.
An das weitere Abendessen hatte sie keine Erinnerung mehr, ihr Gehirn war in dieser Beziehung wie leer gesaugt. Als es ans Zahlen ging, machte er eine abwehrende Handbewegung.
»Du bist mein Gast.«
Irgendwann im Laufe des Abends war er zum Du übergegangen, während Annika ihn weiterhin mit Sie ansprach. Auch das erschien ihr in diesem Moment ganz normal. In ihrem Gehirn hatte nur noch ein Gedanke Platz: Maxim! Und ihr Blick war nur auf seine Augen gerichtet. Seine stählernen Augen.
Als sie aufstanden und Annika panisch nach einer Möglichkeit suchte, in zu einem weiteren Treffen einzuladen, ohne in Plattitüden zu verfallen oder gar den Eindruck zu erwecken, sich ihm anzubieten, sagte er wie beiläufig:
»Ich weiß, was du brauchst. Wenn du willst, kannst du mit mir kommen.«
Einfach so. Er fragte sie nicht einmal, sondern stellte sie vor die Wahl. Als wäre ihm ihre Antwort gleichgültig.
Sie nickte nur.
Schweigend gingen sie zu seinem Fünfsternehotel, nicht weit entfernt und im Gegensatz zu Annikas sehr bescheidener Unterkunft direkt am Meer gelegen. Er bewohnte ein Penthouse im obersten Stockwerk, das nur über eine spezielle Schlüsselkarte zu erreichen war. Auf ihren fragenden Blick sagte er: »Das Hotel gehört mir. Und noch ein paar andere.«
Annika wunderte sich über nichts mehr.
Das Penthouse war ein Traum: mindestens hundertfünfzig Quadratmeter, mit einer breiten Terrasse auf das Meer hinaus. Das Wohnzimmer, allein mindestens sechzig Quadratmeter messend, verfügte über eine eigene Bar. Maxim bot ihr einen Drink an und sie akzeptierte.
Anschließend führte er sie wie selbstverständlich in das große Schlafzimmer, und sie folgte ebenso selbstverständlich. Ein französisches Bett mit vier schmiedeeisernen Pfosten. Sie drängte sich an ihn und er begann, sie auszuziehen. Als sie nackt und ohne Scheu vor ihm stand, war er immer noch vollständig angekleidet. Sie genoss seine Blicke auf ihrem Körper – Blicke, die ein Feuer entfachten. Ein wohltuendes Feuer, auf ihrem Gesicht, in ihren Brüsten, in ihrem Unterleib. Damals bereits hatte sie die Gewohnheit, ihre Schamgegend sauber auszurasieren, denn sie empfand die schwarzen Kraushaare als unhygienisch und überhaupt eine haarlose Scheide als viel schöner.
Jetzt erst begann er, sich selbst auszuziehen, langsam, beinahe bedächtig. Sie hatte richtig geraten: Seine Arme waren muskulös, aber nicht muskelbepackt, was sie stets als hässlich empfand. Seine Brust war nur wenig behaart.
Und sein beschnittenes Glied war bereits halb erigiert.
Annika kniete sich vor ihm nieder und befeuchtete ihre Lippen mit der Zunge. Maxim strich durch ihr schwarzes, schulterlanges Haar, dann fasste er sie an den Armen und zog sie wieder hoch. Da er mehr als einen Kopf größer war als sie, musste sie zu ihm aufsehen.
»Später«, sagte er.
Er umfasste mit dem rechten Arm ihren Rücken, mit dem linken ihren blanken, festen Po und hob sie hoch, als wäre sie leicht wie ein Vogel. Mit zwei Schritten war er beim Bett und ließ ihren Körper aus einer Höhe von etwa dreißig Zentimetern fallen. Annika reckte sich, spreizte die Beine und streckte die Arme nach oben. Es war eine Geste völliger Unterwerfung, halb bewusst, halb automatisch. Etwas, das ihr niemals zuvor in den Sinn gekommen war. Zwei Freunde hatte sie vorher gehabt, oder besser gesagt: Liebhaber, aber bei keinem von ihnen hatte sie auch nur den Anflug dessen verspürt, was sie bei Maxim empfunden hatte, bereits beim ersten Blick in seine zwingenden Augen: das Bedürfnis, sich einem Mann völlig zu unterwerfen, ganz Frau zu sein, ohne Scheu und ohne Angst, sich dabei etwas zu vergeben. Die anerzogenen Zwänge und Fesseln abzustreifen und sich nicht nur dem Mann, sondern vor allem auch sich selbst hinzugeben, ihren geheimsten und durch die Erziehung unterdrückten Bedürfnissen freien Lauf zu lassen.
Und Maxims Augen hatten in die Tiefe ihrer Seele geblickt. »Ich weiß, was du brauchst«, hatte er gesagt, und genauso war es. Wie er das gemacht hatte, würde sich für immer Annikas Verständnis entziehen, aber sie erkannte im Laufe dieser Nacht, dass es solche Menschen gab – solche Männer. Und dass Frauen (alle Frauen, ausgenommen die gefühlskältesten) sich diesen Männern, und nur diesen, willig unterwarfen. Denn es lag in ihrer Natur, in ihrer »Fraulichkeit« an sich.
Sie machte keine Bewegung der Abwehr, als Maxim ihr linkes Handgelenk umfasste und ihren Arm noch weiter nach oben zog, in Richtung eines der Bettpfosten. Sie vernahm ein Geräusch wie das Rasseln oder Klirren einer Kette, dann spürte sie kühles Leder an ihrem Handgelenk. Sie blickte nicht einmal nach oben, so selbstverständlich erschien ihr in diesem Moment alles. Das Leder schloss sich eng um das Gelenk und ihr Arm wurde noch weiter nach oben gezogen, bis er beinahe bewegungsunfähig war.
Dann machte Maxim dasselbe mit ihrem linken Fuß, umrundete das Bett und befestigte den rechten Fuß und Arm auf die gleiche Weise. Annika lag nun weit ausgespreizt wie ein großes X auf dem Bett. Während der ganzen Zeit hatte sie ihren Blick nicht von ihm gewandt, ihr Atem ging flach und hektisch, sie fühlte Hitze und Feuchtigkeit zwischen den Beinen.
Sein Glied war nun zu seiner vollen Größe aufgerichtet, einer beeindruckenden, beinahe beängstigenden Größe, doch er ließ sich Zeit. Er beugte sich zu Annika herunter und strich mit einem Finger über ihre rechte Brustwarze, eine Berührung, so sanft wie der Flügelschlag eines Schmetterlings. Blitze der Lust durchzuckten die Warze, die Brust, den ganzen Körper. Annika keuchte und spreizte die Beine noch weiter, so weit es die Fesseln zuließen.
Maxim streckte nun auch den zweiten Arm aus und begann, mit ihren Warzen zu spielen, unglaublich sanft, unglaublich zärtlich – und unglaublich wirksam. Sie bewegte ihren Unterleib, drängte sich ihm entgegen in wachsendem Verlangen. Doch Maxim hatte keine Eile.
Ich weiß, was du brauchst.
Seine Hände bewegten sich im Zeitlupentempo nach unten, glitten über ihren Bauch und weiter. Als sie Annikas Schamlippen erreichten, war es um ihre Beherrschung geschehen. Aufkeuchend warf sie den Unterleib nach oben und presste ihn gegen seine Hände. Sein Griff wurde härter, seine Finger erprobten ihre Lippen, ihre Nässe. Ein Finger drang in sie ein, dann ein zweiter. Annika wand sich vor Lust unter seinem Griff, ihr Unterleib und ihre Brüste zuckten und wimmernde Laute drangen aus ihrem Mund. Sie fühlte, wie sich die Welle eines Orgasmus aufzubauen begann.
Doch mit einem Mal, kurz vor Erreichen des Höhepunkts, zog er sich aus ihr zurück. Annika stieß einen Laut der Enttäuschung, ja der Verzweiflung aus. Tränen füllten ihre Augen und trübten den flehenden Blick, den sie ihm zuwarf. Ihr Mund formte ein Wort:
»Bitte …«
Maxim lächelte.
Ich weiß, was du brauchst.
Dann bestieg er sie.
