Die letzte Schlacht - Stephen Harding - E-Book

Die letzte Schlacht E-Book

Stephen Harding

4,8

Beschreibung

Anfang Mai 1945: Hitler ist tot, Nazi-Deutschland steht vor der Kapitulation. Doch Captain Jack Lee hat noch eine schwierige Mission: Er soll vierzehn prominente französische Häftlinge befreien, die auf einem Schloss in den Alpen gefangen sind – darunter Édouard Daladier, ehemaliger Premierminister Frankreichs, Paul Reynaud und die Schwester von Charles de Gaulle. Gemeinsam mit einem Wehrmachtsoffizier, der seine Soldaten und die Bevölkerung schützen will, stellt er sich den fanatischen SS-Einheiten entgegen – ein einmaliges Bündnis. Der amerikanische Historiker Stephen Harding hat ein spannendes, genau recherchiertes Buch über die Ereignisse auf Schloss Itter geschrieben.

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Zsolnay E-Book

Stephen Harding

Die letzte Schlacht

Als Wehrmacht und

GIs gegen die SS kämpften

Aus dem Englischen von

Andreas Wirthensohn

Paul Zsolnay Verlag

Die Originalausgabe erschien 2013 unter dem Titel The Last Battle.

When U.S. and German Soldiers Joined Forces in the Waning Hours of World War IIin Europe im Verlag Da Capo Press, Boston.

ISBN 978-3-552-05729-6

Copyright © 2013 by Stephen Harding

Alle Rechte der deutschsprachigen Ausgabe

© Paul Zsolnay Verlag Wien 2015

Umschlag: Lübbeke Naumann Thoben, Köln Fotos: © Bettmann/Corbis und Illustration aus der Sammlung des Autors

Satz: Eva Kaltenbrunner-Dorfinger, Wien

Unser gesamtes lieferbares Programm

und viele andere Informationen finden Sie unter:

www.hanser-literaturverlage.de

Erfahren Sie mehr über uns und unsere Autoren auf www.facebook.com/ZsolnayDeuticke

Datenkonvertierung E-Book:

Kreutzfeldt digital, Hamburg

Wie immer für Mari, in Liebe

Inhalt

Prélude Prélude

1. Eine Bergfestung

2. Erste »Gäste«

3. Liebespaare, Freunde und Rivalen

4. Wachsende Gefahr

5. Eine ungewisse Zukunft

6. Panzersoldaten auf dem Vormarsch

7. Ein Schloss im Belagerungszustand

8. Apreslude

Danksagung

Anmerkungen

Literatur

Personenregister

Prélude

Am Morgen des 4. Mai 1945 saß Captain John C. »Jack« Lee Jr. auf dem Geschützturm seines M4-Sherman-Panzers und verglich die engen Straßen vor sich mit den Angaben auf der Landkarte, die halb auseinandergefaltet auf seinem Schoß lag. Lee, ein stämmiger 27-Jähriger aus Norwich im US-Bundesstaat New York, hatte die vorangegangenen fünf Monate damit verbracht, die Kompanie B des 23. US-Panzerbataillons – und zeitweise die gesamte 12. US-Panzerdivision – in einem wahren Höllenritt quer durch Frankreich zunächst nach Deutschland und nun, in den, wie sich zeigen sollte, letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs in Europa, ins österreichische Tirol zu führen.

Lees Panzer stand an einer Straßenkreuzung im Städtchen Kufstein, nur wenige Kilometer südwestlich der deutschen Grenze am linken Ufer des flott dahinfließenden Inns gelegen. Alle drei Kompanien des Panzerbataillons hatten tags zuvor die Grenze überquert und die Kampfgruppe R der 12. US-Panzerdivision auf ihrem Marsch aus den Vororten Münchens Richtung Süden angeführt. Lees Kompanie war als Speerspitze in Kufstein eingerückt und hatte sich durch eine deutsche Straßenblockade hindurchgekämpft, bevor sie die Stadt rasch von ihren wenigen Verteidigern befreite. Nachdem sich die Lage stabilisiert hatte und erste Einheiten der 36. US-Infanteriedivision eingetroffen waren, um die Verantwortung für das Gebiet zu übernehmen, durften sich Lee und seine Männer ein paar Minuten Pause gönnen.

Nur ein paar Kilometer weiter südwestlich studierte ein anderer müder Offizier ebenfalls die Karte und versuchte sich Klarheit darüber zu verschaffen, was ihn und seine Männer in den kommenden Stunden erwarten würde. Josef »Sepp« Gangl, gebürtiger Bayer und hochdekorierter Major der Wehrmacht, wusste, dass die amerikanische Kriegsmaschinerie unaufhaltsam heranrollte; das Donnern der Artillerie, das Dröhnen der Panzerkanonen und das Rattern der Maschinenpistolen würden schon bald ihr Eintreffen ankündigen.

Dass er selbst dabei möglicherweise sein Leben lassen würde, bereitete Gangl nicht wirklich Kopfzerbrechen. Im Kampf gegen die Russen an der Ostfront und gegen die Alliierten in der Normandie hatte er gelernt, mit der eigenen Sterblichkeit zurechtzukommen. Viel mehr Sorgen machte er sich um seine Männer, denn nicht alle waren Soldaten und viele nicht einmal Deutsche. Er wusste, dass der Krieg verloren war, und wollte nicht noch mehr Menschenleben opfern, um ein System zu verteidigen, an das er schon lange nicht mehr glaubte, und so hatte er ein paar Tage zuvor seinen persönlichen Waffenstillstand verkündet und sich mit seinen Leuten dem österreichischen Widerstand gegen die Nazis angeschlossen. Sein einziges Ziel war es nun zu verhindern, dass die heranrückenden Amerikaner – oder auch die deutschen Einheiten, die noch immer loyal für »Führer« und Reich kämpften – die Männer, die sich ihm angeschlossen hatten, niedermetzelten.

Auf einem Felssporn hoch über der Ebene, in welche die Amerikaner schon bald vorrücken sollten, grübelte eine Schar streitlustiger Franzosen ebenfalls darüber nach, welches Schicksal ihnen womöglich blühte. Die Männer lugten über die Zinnen einer Burg, die seit Jahrhunderten auf diesem Felssporn stand und die bis zu diesem Morgen ihr Gefängnis gewesen war, und sie wussten nur zu gut, dass ihre neu gewonnene Freiheit sie nicht vor dem Zorn zäh weiterkämpfender SS-Einheiten schützte, die noch immer durch die umliegenden Wälder streiften. Sie brauchten Hilfe, und zwar bald. Wenn nicht vor Sonnenuntergang Rettung eintraf, würden sie mit ziemlicher Sicherheit hier in ihrer Tiroler Burg sterben.

Die wärmende Frühjahrssonne und die Erschöpfung sorgten dafür, dass Lee sich nur schwer auf die Karte konzentrieren konnte. Er war hundemüde und hoffte inständig, dass Kufstein für Kompanie B die letzte Schlacht war. Lee wusste so gut wie jeder andere Soldat auf dem europäischen Schlachtfeld, dass der Krieg jeden Moment zu Ende sein konnte – Hitler hatte sich vor fünf Tagen umgebracht, und der organisierte deutsche Widerstand bröckelte sichtlich –, und obwohl er in mancherlei Hinsicht alles andere als froh über diese Aussicht war, wollte er auf keinen Fall, dass ausgerechnet einer seiner Männer als letzter Amerikaner in Europa fiel.

Während Lee noch darüber nachsann, was das Kriegsende für ihn und seine Kameraden bedeuten würde, begannen im wahrsten Sinne des Wortes gleich ums Eck Ereignisse, die alle Friedensträume seiner Männer zunichtemachten. Noch konnte Lee nicht ahnen, dass er schon bald in ein höchst seltsames Gefecht um das Alpenschloss verwickelt sein würde, dessen Symbol sich in einem Knick auf seiner Karte verbarg – ein Gefecht, in dem es um eine Gruppe kampfeslustiger Prominenter aus Frankreich ging, um ein unangenehmes Bündnis mit dem Feind und um einen Kampf auf Leben und Tod, bei dem die Chancen äußerst schlecht standen. Es sollte die letzte – und vielleicht seltsamste – Bodenkampfhandlung des Zweiten Weltkriegs in Europa sein.

1. Eine Bergfestung

Das Schloss, das schon bald eine so dramatische Rolle in Jack Lees Leben spielen sollte, lag rund zwanzig Kilometer südwestlich der Kreuzung, an der der junge Offizier entspannt auf seinem Panzer saß. Schloss Itter thront auf einem langgestreckten Bergsporn über dem Eingang zum Tiroler Brixental. Der Bau erhebt sich über einer Schlucht, und eine kurze Brücke verbindet das Schloss mit der Bergflanke. Östlich davon, auf rund 700 Meter Seehöhe, schmiegt sich das Dorf Itter an die Westhänge der 1828 Meter aufragenden Hohen Salve, die zu den Kitzbüheler Alpen gehört.

Zwar dürfte das Lee und seinen Männern in den Stunden, die vor ihnen lagen, ziemlich egal gewesen sein, doch Schloss Itter verfügt über eine lange, reiche und nicht selten von Gewalt geprägte Geschichte. Die umliegende Gegend ist mindestens seit der Mittleren Bronzezeit (1800 bis 1300 v. Chr.) besiedelt, und die Tatsache, dass die Täler des Inns und der Brixentaler Ache eine recht flache und direkte Route zwischen Mitteleuropa und der italienischen Halbinsel darstellen, sorgte dafür, dass Tirol überdurchschnittlich viele Konflikte erlebte. Nachdem die Region im Jahre 15 v. Chr. von den Römern erobert worden war, drangen nacheinander die Ostgoten, verschiedene Germanenstämme und die Franken Karls des Großen nach Tirol ein. Im 9. Jahrhundert geriet es unter bayerische Herrschaft, und in dieser Zeit wurden auf dem Felssporn, der später Schloss Itter beheimaten sollte, zwei robuste Steintürme mit einer Mauer drum herum errichtet. Im Jahr 902 überließ ein Graf Radolt die Befestigungsanlage als Schenkung den Bischöfen von Regensburg.1

Um seine expandierenden Tiroler Besitzungen besser zu schützen – und natürlich auch, um besser Steuern fürs Bistum eintreiben zu können –, befahl Bischof Totu (der von 893 bis 930 amtierte), die Türme und die Mauer durch eine dauerhaftere Festungsanlage zu ersetzen. Bis daraus eine wirkliche Burg wurde, dauerte es jedoch mehr als ein Jahrhundert, denn der Bauprozess schritt recht gemächlich und mit vielen Unterbrechungen voran. Im Jahr 1239 besetzte der bayerische Pfalzgraf2 Rapoto III. von Sponheim-Ortenburg infolge seiner heftigen Fehde mit dem damaligen Regensburger Bischof Siegfried die Burg. Letzterer nahm Rapoto im Jahr darauf gefangen, und um seine Freiheit wiederzuerlangen, war der besiegte Adelsmann gezwungen, viele seiner Besitzungen in Bayern und Tirol an das Stift Regensburg abzutreten. Zu diesen gehörten auch die Burg Itter sowie das Dorf, das vor ihren Mauern entstanden war. Erstmals urkundlich erwähnt werden Burg wie Dorf im Jahr 1241.3

Schloss Itter wurde über die Jahrhunderte beschädigt, wiederaufgebaut und erweitert, bevor es 1941 in ein Gefängnis für sogenannte »Ehrenhäftlinge« umgewandelt wurde. (Sammlung des Autors)

Die Bischöfe von Regensburg waren freilich nicht nur Männer Gottes und des Friedens, sondern auch Fürsten des Heiligen Römischen Reiches. Als weltliche Herrscher waren die Bischöfe oft unbarmherzig und unnötig streng, und Schloss Itter diente häufig als Ausgangspunkt für Strafexpeditionen, mit denen die Bischöfe ihre schwer geknechteten Untertanen überzogen. Als Tirol 1363 unter habsburgische Herrschaft geriet, blieben Schloss und Dorf Itter weiter unter kirchlicher Kontrolle des Bistums Regensburg. Erst 1380 verkaufte Bischof Konrad VI. von Haimberg sie für 26.000 ungarische Gulden an Pilgrim II. von Puchheim, den Erzbischof von Salzburg.

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