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Mit seinem ersten Buch, "Die Mops Monologe", eroberte Eddie die Herzen der Hundefans im Sturm. Jetzt tritt er an, um von neuen mopsigen Abenteuern zu berichten: In "Die Mops Monologe 2" plaudert er über die haarsträubenden Ungerechtigkeiten des Hundelebens, stänkert über laute Rasenmäher und nervige Bauprojekte, hinterfragt den Sinn des Küssens und erschnuppert den "Duft der Freiheit". Und vor allem ein Thema beschäftigt ihn immer wieder: das rätselhafte Verhalten seiner Menschen. Nicht zuletzt hält er jede Menge Tipps für die "Zweibeiner" bereit, die das Leben, wie er findet, sowieso viel zu kompliziert sehen. Ob Schlaflosigkeit oder Zwischenmenschliches, Eddie geht einfach allem auf den Grund – mal ironisch, mal ein bisschen zynisch, aber immer mit dem Herz am rechten Fleck. Und: mit einer riesigen Portion Humor, die nicht nur Mops-Freunde zum Schmunzeln bringt. - Mit 15 Schwarz-Weiß-Fotos -
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Seitenzahl: 153
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Gerritje Krieger
Die Mops Monologe 2
30 neue Kolumnen mit Eddie, dem Mops
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Über dieses Buch
Über Eddie – und die Autorin
Vorwort
1. Ich war’s nicht!
2. Der Frühling, der keiner sein will
3. Friedensverhandlungen mit dem Osterhasen
4. Von Blümchen, Unkraut und anderen Garten-Dramen
5. Immer der Nase nach
6. Fundsachen
7. (K)eine Frage der Größe
8. Die Freuden des Landlebens
9. Bespaßung auf Mopsisch oder: Wie man seine Zweibeiner erfolgreich auf Trab hält
10. Das wahre Geheimnis mopsiger Entspannung oder: Warum auch Zweibeiner „Mops-Minuten“ brauchen
11. Ran an den Speck!
12. Schlaflos in Mopshausen
13. Ich glaub, ich geh nach Hollywood
14. Von unhöflichen Aliens und anderen komischen Zeitgenossen
15. Der Duft der Freiheit
16. Alles meins!
17. Der Teich des Grauens, Teil 2: Das Grauen geht weiter!
18. Von Kuschel-Attacken und sonstigen Zumutungen des Mops-Lebens
19. Vom Ernst des Lebens – und mopsigen Gegenmaßnahmen
20. Urlaubsplanung auf Mops-Art
21. Mopsiges Urlaubs-Logbuch, Teil 1
22. Mopsiges Urlaubs-Logbuch, Teil 2
23. Mops-Geburtstag – vom Erwachsenwerden und der Sache mit der Vernunft
24. Freitag, der 13.
25. Natürliche Bedürfnisse oder: Gleiches Recht für alle!
26. Bundesdings-Wahl und die Sache mit der Würstchen-Quote
27. Von den merkwürdigen Vorlieben der Zweibeiner zur kalten Jahreszeit
28. Stimmungslage: Motz-Mops!
29. Von Möpsen und kleinen Menschen
30. Neue Wände, alte Probleme
Impressum neobooks
Mit seinem ersten Buch, "Die Mops Monologe", eroberte Eddie die Herzen der Hundefans im Sturm. Jetzt tritt er an, um von neuen mopsigen Abenteuern zu berichten: In "Die Mops Monologe 2" plaudert er über die haarsträubenden Ungerechtigkeiten des Hundelebens, stänkert über laute Rasenmäher und nervige Bauprojekte, hinterfragt den Sinn des Küssens und erschnuppert den "Duft der Freiheit". Und vor allem ein Thema beschäftigt ihn immer wieder: das rätselhafte Verhalten seiner Menschen. Nicht zuletzt hält er jede Menge Tipps für die "Zweibeiner" bereit, die das Leben, wie er findet, sowieso viel zu kompliziert sehen. Ob Schlaflosigkeit oder Zwischenmenschliches, Eddie geht einfach allem auf den Grund – mal ironisch, mal ein bisschen zynisch, aber immer mit dem Herz am rechten Fleck. Und: mit einer riesigen Portion Humor, die nicht nur Mops-Freunde zum Schmunzeln bringt.
Die freie Journalistin und Autorin Gerritje Krieger und Eddie, der Mops, fanden 2010 in einem Tierheim im Bergischen Land zueinander. Gerritje hatte eigentlich nach einem mittelgroßen Mischlingshund Ausschau gehalten, Eddie nach einem Frauchen, das seine Antipathie gegenüber Katzen teilt. Als sie einander begegneten, war es dennoch Liebe auf den ersten Blick. Seither leben sie – zusammen mit Gerritjes Mann und der 22-jährigen Katze – in ihrem verwunschenen Häuschen mitten im Grünen, wo Gerritje inzwischen von Eddie die mopsige Gelassenheit, Eddie dafür von Gerritje die Liebe zum Schreiben übernommen hat. Seit Sommer 2012 diktiert er ihr wöchentlich seine Gedanken zum Weltgeschehen, die jeweils freitags auf ihrer Homepage veröffentlicht werden. Inzwischen hat „Eddie’s Weekly – hundsgemein(t)e Mopskolumnen“ ungezählte Leser gefunden, und auch auf Facebook und Twitter unterrichtet Eddie seine Freunde jeden Tag über seine Abenteuer. Nach dem großen Erfolg von „Die Mops Monologe“, liegen nun mit „Die Mops Monologe 2“ weitere 30 Folgen seiner Kolumne als Buch vor.
Eddie Mops im Internet
www.facebook.com/EddiesWeekly.Mopskolumnen
www.twitter.com/EddieMops
www.gerritjekrieger.jimdo.com
Tag auch.
Falls Sie mich schon kennen, dürfen Sie die nächsten Seiten überspringen. Doch, ehrlich – vertrauen Sie mir. Blättern Sie einfach um, zum ersten Kapitel.
Für die, die keine Ahnung haben, wer ich bin, kommt hier meine allererste Mopskolumne. Immerhin gebietet es die Höflichkeit, dass man seinen Lesern erst mal erzählt, mit wem sie es zu tun haben, oder? – Na, eben.
Also: Los geht’s.
Tag auch.
Ich denke, ich stelle mich Ihnen erst mal vor. Mein Name ist Eddie. Ich hab noch ein paar andere Namen, die mit einer Menge blauem Blut und “von” und “zu” und so zu tun haben, aber ich bin da nicht pingelig: Sie können mich ruhig duzen. Macht ja sonst auch jeder.
Wie Ihnen aufgefallen ist, bin ich ein waschechter Mops und verfüge dadurch über die bisweilen ausgesprochen nützliche Fähigkeit, wildfremde Frauen allein durch meinen Anblick binnen Sekunden zu Teenagern mutieren zu lassen und ihnen verzückte “Aaaah”-, “Ooooh”- und “Bist du süüüß”-Laute zu entlocken, als wäre ich Justin Bieber oder einer der Typen von Tokio Hotel. Ich persönlich finde das meistens ganz lustig. Ganz ehrlich: Wer will es ihnen denn auch verübeln, ich bin eben einfach ein saucooler Typ.
Frauchen dagegen ist wenig begeistert davon, dass sie seit meinem Einzug keine 20 Meter mehr in der Fußgängerzone zurücklegen kann, ohne dass wildfremde Menschen vor uns in die Hocke gehen und mich überschwänglich begrüßen und herzen. Mal unter uns: Ich habe die starke Vermutung, dass sie einfach nur neidisch ist. Aber das gehört jetzt nicht hierher.
Jedenfalls kam sie neulich auf die glorreiche Idee, ich könne für mein in der Tat nicht ganz günstiges Hundefutter ruhig ein bisschen Einsatz zeigen. Tja, und hier bin ich nun. Wie gesagt: Tag auch.
Selbstverständlich schreibe ich diese Zeilen nicht selbst, aber das können Sie sich vermutlich denken. Ich habe es versucht, ehrlich, aber meine Feinmotorik ist wirklich nicht die beste, und bei meinem wilden Getapse auf der Tastatur kam nur unleserlicher Kram raus, den ich Ihnen lieber erspare. Also diktiere ich meine geistigen Ergüsse ab sofort Frauchen, die diesen kreativen Prozess selbst wohl etwas anders darstellen würde.
“Ich bin doch nicht deine Tippse”, würde sie vermutlich sagen und genervt die Augen gen Himmel verdrehen. Aber es ist nun mal, wie es ist, und ich finde ja, man muss zu seinen Lesern grundsätzlich ehrlich sein. Ich meine, wie sollen Sie denn Vertrauen zu mir aufbauen, wenn ich Ihnen gleich am Anfang eine faustdicke Lüge auftische? – Na, eben. Also: Ich diktiere, sie schreibt. Und wenn sie sich auf den Kopf stellt.
Womit wir auch schon bei einem für mich zentralen Thema wären: Die Machtverhältnisse bei uns zu Hause sind noch immer nicht völlig geklärt. Obwohl ich jetzt schon seit zwei Jahren bei ihr wohne und sie täglich vom Gegenteil überzeuge, hält Frauchen an der abwegigen Theorie fest, dass sie unter uns beiden der Chef sei. Ich gebe Ihnen mal ein Beispiel, damit Sie sich ein besseres Bild von der Lage machen können. Ich springe aufs Bett, mache es mir zwischen den Decken bequem und halte selig ein Schläfchen. Sie kommt rein, setzt eine strenge Miene auf, zeigt dann mit dem Zeigefinger auf den Boden und sagt: “Runter!” – Ich werfe ihr einen herablassenden Blick zu, der so viel heißt wie: „Pfff.“
Interessiert sie aber nicht. Sie bringt es fertig, fünf Minuten vorm Bett zu stehen und 20 Mal “Runter!” zu sagen, bis ich ihr den Gefallen tue – nur um zwei Minuten später wieder hochzuhüpfen. Ganz unter uns: Wo liegt da der Sinn? Wirklich, ich muss ihr noch beibringen, mich nicht ständig zu nerven.
Frauchen hat übrigens auch einen Mann, der bedeutend klüger ist als sie, weil er innerhalb weniger Tage nach meinem Einzug kapiert hat, dass ich von uns beiden den stärkeren Willen habe. Seither lässt er mich gewähren, was ihm immer wieder Ärger mit Frauchen einbringt. Ich rechne jeden Tag damit, dass sie ihn irgendwann zur Strafe auch vom Bett schmeißt.
Die einzige wirklich ernstzunehmende Autorität im Haus – außer mir, versteht sich – ist die Katze. Sie ist steinalt, ungefähr 200 oder so, und man sollte meinen, sie segne langsam mal das Zeitliche. Macht sie aber nicht. Stattdessen führt sie sich auf wie höchstens fünf und findet es ungeheuer spaßig, sich mindestens einmal pro Tag an mich heranzupirschen, auf mich zu springen und ihre Krallen in meinem Mops sei Dank dicken Fell zu versenken. Ich sage es Ihnen ehrlich, wie es ist: Katzen sind durch und durch bescheuert.
Mehr nächste Woche.
Mit mopsigen Grüßen,
Ihr Eddie
Tag auch.
Ehrlich, in so einem Hundeleben geht es manchmal ganz schön ungerecht zu. Am Anfang dachte ich ja noch, es sei völlig normal, dass bei so ziemlich allem, was hier im Haus irgendwie schiefgeht, grundsätzlich ich als Allererster vorwurfsvolle Blicke ernte.
In letzter Zeit allerdings häufen sich die Gelegenheiten, bei denen mir die Schuld in die nicht vorhandenen Schuhe geschoben wird, bevor die Rechtslage überhaupt eindeutig geklärt ist. – Neulich, zum Beispiel: Sonntag, Kaffeetrinken. Nachdem die versammelte Mannschaft ihren Kuchen genossen hatte – wohlgemerkt, ohne mir auch nur das kleinste Krümelchen abzugeben –, stand auf dem Wohnzimmertisch noch ein Schälchen mit einem wirklich winzigen, eigentlich kaum erwähnenswerten Rest Sahne. Frauchen und Herrchen machten sich also daran, das Geschirr abzuräumen und zu spülen. Und als sie Minuten später ins Wohnzimmer zurückkehrten, war das Sahne-Schälchen auf mysteriöse Weise leer.
Und nun raten Sie mal, wer dafür verantwortlich gemacht wurde? – Genau, ich hier. Für Frauchen und Herrchen war das eine glasklare Angelegenheit. Wenn Sahne verschwindet, kann offenbar nur der Mops dafür zuständig sein – keinen Schimmer, wieso.
Bei der Gelegenheit fiel mir ein, dass es einen ähnlichen Vorfall schon im vergangenen Herbst gegeben hatte – diesmal mit einer Schüssel, in der sich noch die Überreste einer süßen Quarkspeise befanden und die urplötzlich, wie durch Zauberhand, absolut leer und sauber war. Und auf wen wurde mit dem Finger gezeigt? – Natürlich wiederum auf mich. Eine Riesen-Gemeinheit, wenn Sie mich fragen.
Und dabei ist Essen, das sich völlig unerklärlich in Luft auflöst, noch nicht mal der einzige Bereich, bei dem ohne viel Federlesens ich beschuldigt werde: Fast immer, wenn hier im Haus irgendwas falsch läuft, spüre ich diese kritischen Blicke von Frauchen und Herrchen auf mir. Völlig egal, ob mal wieder eine Socke unauffindbar ist, ob Frauchens Gartenschuhe sich selbstständig gemacht haben oder ob eine Klo- oder Küchenrolle auf wundersame Weise explodiert ist – im Zweifel sind sich hier alle einig: Es kann nur Eddie gewesen sein.
Dabei ist die Beweisführung bei jedem einzelnen dieser Vorfälle total lückenhaft, wenn überhaupt vorhanden: Ohne Augenzeugenberichte oder vorherige Untersuchung des Tatorts auf mögliche Pfotenabdrücke werden Schuldzuweisungen ausgesprochen und harmlose Möpse als Täter abgestempelt.
Dabei wäre es ja zumindest theoretisch möglich, dass für jede der zahlreichen Taten, die mir bereits vorgeworfen wurden, in Wahrheit andere verantwortlich waren. Erstens bin ich hier im Haus schließlich nicht der einzige Vierbeiner. Wie Sie wissen, lebt unter unserem Dach auch noch Frau Kratzbürste. Und bekanntlich hat im Winter auch schon mal eine Maus bei uns Unterschlupf gesucht. Wer also sagt denn, dass nicht eine von denen hinter diesen unerklärlichen Vorfällen steckt? Immerhin könnte ja auch Frau Katze beispielsweise auf den Tisch gehüpft sein, um die Sahne auszuschlecken. Und wer weiß schon, ob es Frau Maus zwischendurch in ihrer Winter-Residenz nicht einfach ein bisschen kühl wurde, so dass sie sich ein Paar Socken stibitzt hat, um ihre Behausung zu dämmen? Mal ganz zu schweigen davon, dass wir in einem über 300 Jahre alten Haus leben, wo es ohne weiteres spuken könnte?!
Gut, man muss zugeben, dass es hin und wieder zu Situationen kommt, die – auf den ersten, flüchtigen Blick – kein richtig gutes Licht auf mich werfen. Zum Beispiel entstanden im nahen zeitlichen Zusammenhang sowohl mit dem Sahne- als auch mit dem Quarkspeisen-Vorfall Fotos von mir, auf denen ich jeweils verdächtig große Mengen einer, sagen wir mal, unidentifizierbaren weißen Masse im Gesicht hatte.
Sicher, das mag im ersten Moment irgendwie verdächtig wirken. Aber bitte: Wer will denn beweisen, dass es sich bei dem Zeug in meinem Gesicht um Sahne bzw. Quarkspeise handelte? Immerhin wäre es auch denkbar, dass ich an den in Frage stehenden Tagen gerade eben von einem Aufenthalt auf einer Mops-Wellnessfarm zurückgekehrt war, wo das Personal im Eifer des Gefechts vergessen hatte, die letzten Überreste der Feuchtigkeitsmaske aus meinem Gesicht zu entfernen, oder?
Und auch wenn in meinem Körbchen manchmal vereinzelte Socken oder ein Gartenschuh auftauchen – muss das automatisch heißen, dass ich die da reingelegt habe? Theoretisch könnte das schließlich jeder gewesen sein, oder? Möglicherweise sogar Frauchen oder Herrchen selbst. Schließlich, man möge mir verzeihen, werden die beiden auch nicht jünger und sind dann und wann ein bisschen vergesslich.
Was da für manche also nach einer absolut eindeutigen Beweislage aussieht, sind doch im Endeffekt höchstens Indizien. Sicher, ich könnte es gewesen sein. Aber eindeutig belegen lässt sich aufgrund einer solchen Rechtslage gar nichts.
Nun wäre das alles ja weniger schlimm, wenn es nur mich betreffen würde – ich bin ja ein gutmütiger Typ und lasse mir so ziemlich jeden Schabernack gefallen. In letzter Zeit allerdings musste ich entsetzt feststellen, dass nahezu sämtliche meiner vierpfotigen Freunde sich mit ähnlich unbegründeten Vorwürfen rumschlagen müssen. Wo immer auch Schnitzel auf seltsame Weise verschwinden oder ein Schuh plötzlich unauffindbar ist: Wir Hunde müssen als Schuldige herhalten.
Also ehrlich, so geht es nicht. Wenn Sie mich fragen, wird es höchste Zeit, dass damit endlich Schluss ist. Ganz im Ernst: Mit der Allgemeinen Erklärung der Mopsrechte sind solche fiesen Beschuldigungen ganz sicher nicht in Einklang zu bringen. Und schließlich muss auch für uns Hunde der Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ gelten.
Ich für meinen Teil habe mir jedenfalls überlegt, dass ich künftig härter auf meine Rechte pochen werde. Bloß wegen so ein paar weißer Sprenkel ungeklärter Herkunft in meinem Gesicht lasse ich mir noch lange keinen Sahne-Diebstahl vorwerfen. Und nur, damit das klar ist: Was das Paar Wiener Würstchen angeht, das Herrchen sich vorhin auf einem Teller auf dem Wohnzimmertisch zurechtgestellt hatte und das nun auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist, verweigere ich jede Aussage.
Mehr nächste Woche.
Mit mopsigen Grüßen,
Ihr Eddie
Tag auch.
Ernsthaft, ich hab nichts gegen Winter. Zugegeben: Ich stehe nicht besonders auf nasse Pfoten. Und ich kann auch diesem stundenlangen Gehopse durch meterhohe Schneemassen nichts abgewinnen, auch wenn andere Hunde total darauf abfahren. Aber gut, liegt vielleicht auch in der Natur der Dinge: Bei gerade 32 Zentimetern Schulterhöhe kriege ich schließlich schon Frostbeulen an intimen Körperstellen, wenn Ihnen die weiße Pracht gerade bis zu den Knöcheln reicht.
Dennoch: Winter an sich muss nichts Schlechtes sein. Immerhin gibt es eine ganze Menge toller Sachen nur zur kalten Jahreszeit. Weihnachten, zum Beispiel. Wärmflaschen. Knisternde Kaminfeuer. Wohlig-warme Fußbodenheizungen. Und bergeweise kuschelige Decken.
Auch anzusehen ist das Ganze meistens recht nett – jedenfalls von drinnen. Okay, der Eindruck, dass die gesamte Landschaft von flauschig-weicher Watte bedeckt sei, relativiert sich ziemlich schnell, wenn man als Mops – wohlgemerkt, barfuß – in dieser Landschaft steht. Trotzdem: Ich sitze gern mal an Winterabenden im Wohnzimmer vor der Terrassentür und schaue verträumt den dicken Flocken dabei zu, wie sie sich über Wiesen und Felder legen. Wie gesagt: Ich hab nichts gegen ein bisschen Winter.
Was mir allerdings total auf den Senkel geht, ist dieses unsägliche Wetter-Hin-und-Her, von dem wir hier in den letzten Wochen heimgesucht werden. Wenn ich nämlich auf irgendwas richtig stehe, dann ist das Frühling. Ich weiß nicht, ob Sie sich noch erinnern, was das eigentlich ist, schließlich haben wir hierzulande seit Ewigkeiten nichts mehr davon gesehen. Aber normalerweise ist Frühling diese wunderbare Zeit, wo die ersten bunten Blüten ihre Köpfe durch die Erde stecken, Bienen fröhlich durch die Gegend summen, Vögel mit dem Nestbau loslegen und man als Mops stundenlang im Sonnenschein auf der Terrasse liegen kann.
Wie gesagt: normalerweise.
In diesem „Frühling“ dagegen ist nichts, wie es sein soll. Nun könnte man argumentieren, dass der Frühling offiziell ja erst vor ein paar Tagen begonnen hat, was aber so nicht stimmt. „Meteorologisch“ ist nämlich schon seit Wochen Frühling. Und „meteorologisch“ hat irgendwas mit Wetter zu tun, hab ich mir sagen lassen – also heißt das, dass man seither eigentlich Frühlingswetter erwarten dürfte.
Hatten wir auch – sogar schon einige Male. Bereits mehrfach wurde ich draußen, gleich nach dem Aufstehen, von fröhlichen Sonnenstrahlen begrüßt, die mich in der Nase kitzelten und wohlige Vorfreude auf die kommenden Wochen in mir entfachten. Also tat ich, was ich immer tue, wenn es Frühling wird: Ich orderte bei Frauchen einen Wassernapf für die Terrasse, schnappte mir meine Lieblings-Outdoor-Spielzeuge und machte es mir auf dem Liegestuhl bequem. Wäre ich dazu imstande, ich schwöre, ich hätte ein fröhliches Liedchen gepfiffen.
Der Frühling allerdings ist dieses Jahr zu echt uncoolen Scherzen aufgelegt. Jedes Mal, wenn ich auch nur ganz kurz nicht hingucke – zum Beispiel, weil ich nachts mal für ein paar Stunden die Augen zumache –, ist er auch schon wieder verschwunden. Neulich etwa bereitete ich mich gerade auf den zweiten Tag auf der Terrasse vor. Und was sahen meine Augen, als ich vor die Tür trat: Schnee. Massen davon. Auf meinem Liegestuhl, meiner Veranda und auch sonst überall.
Als das das erste Mal passierte, dachte ich noch: Naja, kann ja mal vorkommen. Der März ist ja noch jung. Der übt vielleicht noch.
Inzwischen allerdings kann ich die Gelegenheiten, bei denen ich fröhlich den Frühlingsanfang ausrief, nur um am nächsten Morgen von frostigen Temperaturen und Eiszapfen attackiert zu werden, gar nicht mehr zählen.
Ehrlich: So langsam fühle ich mich von diesem Frühling komplett veräppelt. Und nicht nur ich. Egal, wo ich hinkomme: Die Leute haben die Nase voll von dem ewigen Hin und Her. Und allesamt schlechte Laune. In der Zoohandlung beispielsweise, wo ich sonst persönlich begrüßt werde, erntete ich vergangene Woche bloß ein müdes „Hallo“. Und die Leckerchen, mit denen die mich da normalerweise großzügig versorgen, fielen auch flach. Auch der Postbote, der mir regelmäßig meine Pakete bringt und immer ein paar nette Worte für mich parat hat, war diese Woche total einsilbig und würdigte mich kaum eines Blicks. – Kein Wunder, wenn er bei dem Wetter die ganze Zeit durch die Kälte stapfen darf.
Was aus Ostern werden soll, weiß ich auch nicht. Eigentlich müsste der Osterhase aktuell ja schon überall unterwegs sein und die Ostereier verstecken – schließlich schafft der Millionen von Gärten nicht an einem einzigen Tag. Aber sagen wir es doch offen, wie es ist: Wenn der Osterhase auch nur halbwegs sauber tickt, haut der sich doch bei dem Wetter vor den Kamin und isst seine Ostereier selbst, oder? Ich jedenfalls würde bei den Temperaturen streiken, Ostern hin oder her.
Und wer ist schuld an dem ganzen Schlamassel? Genau: der Frühling, der keiner sein will.
Ich habe jetzt die Nase voll davon. Gestern hab ich mit meinem Mopskumpel Otto schon überlegt, ob wir vielleicht einfach in sonnigere Gefilde auswandern sollten – aber Frauchen sagt, wir haben ja hier das Haus und Herrchens Friseurgeschäft. Wird also vorläufig nix. Klar ist aber, es muss was geschehen – so kann es jedenfalls nicht weitergehen.
