Die Teppichvölker - Terry Pratchett - E-Book

Die Teppichvölker E-Book

Terry Pratchett

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Beschreibung

Am Anfang war eine endlose Fläche. Dann kam der Teppich – ohne ein Fusselchen zwischen den Fäden. Bald folgte der Staub, und daraus entstand alles … Kein Mensch ahnt, dass im Gewebe des Teppichs kriegerische Winzlinge hausen. Ein herabgefallener Zuckerwürfel dient als Steinbruch für Leckermäuler, zermalmende Schritte deuten auf einen Zornesausbruch des Dunklen Lords hin. Doch der größte Feind der Mungrungs ist ein Monster namens Staubsauger …

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Entdecke die Welt der Piper Fantasy:

Lyn gewidmet. Für damals und heute.

Übersetzung aus dem Englischen von Andreas Brandhorst

Vollständige E-Book-Ausgabe der im Piper Verlag erschienenen Buchausgabe

9. Auflage 2011

ISBN 978-3-492-95645-1

© Colin Smythe Ltd. 1971 © Terry and Lyn Pratchett 1992 Titel der englischen Originalausgabe: »The Carpet People«, Colin Smythe Ltd. 1971 Überarbeitete Ausgabe: Doubleday / Transworld Publishers Ltd. 1992 Deutschsprachige Ausgabe: © Piper Verlag GmbH, München 2004 Erstmals erschienen: Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München 1994 Umschlaggestaltung: Guter Punkt, München Umschlagabbildung: Josh Kirby via Agentur Schlück GmbH

Dieses Buch hatte zwei Autoren, und beide sind die gleiche Person.

The Carpet People erschien zum erstenmal im Jahre 1971. Der Roman war mit vielen Mängeln behaftet, und die meisten davon standen in direktem Zusammenhang mit dem Umstand, daß er von einem Siebzehnjährigen geschrieben worden war.

Das Buch verkaufte sich eher schlecht als recht. Schließlich verschwand es aus den Läden, und damit hatte es sich.

Und dann, vor sieben Jahren, begann der Erfolg der Scheibenwelt-Geschichten. Viele Leser interessierten sich dafür und fragten: »He, was hat es mit The Carpet People vom gleichen Autor auf sich?« Der Verlag mußte so viele Anfragen mit dem Hinweis darauf beantworten, es gäbe keinen Markt für jenes Buch, daß jemand eine neue Auflage vorschlug.

Der inzwischen dreiundvierzig Jahre alte Terry Pratchett ging den Text noch einmal durch und meinte: He, Jungs, wartet mal. Das hier habe ich geschrieben, als ich dachte, bei der Fantasy gehe es um Schlachten und Könige. Heute neige ich zu der Ansicht, daß sich gute Fantasy damit befassen sollte, wie man Schlachten vermeidet und ohne Könige zurechtkommt. Ich nehme hier und dort einige Veränderungen vor …

Nun, Sie wissen sicher, was geschieht, wenn man an einem losen Faden zieht und ihn aufzurollen versucht.

Sie halten das Ergebnis in der Hand. Dies ist nicht das Buch, das ich damals geschrieben habe. Es ist auch nicht die Art von Buch, das ich heute noch schriebe. Es handelt sich um eine Art Gemeinschaftsarbeit, und – ha, ha – ich brauche nicht mal das Honorar mit meinem Koautor zu teilen. Er wüßte ohnehin nichts mit dem Geld anzufangen.

Sie haben darum gebeten. Hier ist es. Danke.

Übrigens: Die Stadt Wehr ist etwa so groß: → ·

TERRY PRATCHETT

15. September 1991

Sie nannten sich Munrungs. Es bedeutete ›das Volk‹ beziehungsweise ›die wahren Menschen‹.

Nun, die meisten Leute nennen sich so. Irgendwann begegnet der Stamm Fremden und gibt ihnen Namen wie ›das andere Volk‹ oder, an einem schlechten Tag, ›der Feind‹. Wenn ihnen Bezeichnungen einfielen wie zum Beispiel ›noch mehr wahre Menschen‹, so käme es später zu weitaus weniger Problemen.

Was keineswegs bedeuten soll, daß die Munrungs primitiv waren. Pismire sprach in diesem Zusammenhang von einem reichen kulturellen Erbe. Damit meinte er Geschichten.

Pismire kannte alle alten Geschichten und auch viele neue. Er erzählte sie, während der ganze Stamm atemlos zuhörte und die Flammen der Abendfeuer immer kleiner wurden, bis schließlich nur noch glühende Asche übrigblieb.

Manchmal schienen selbst die großen Haare zu lauschen, die außerhalb der Dorfpalisade wuchsen. Bei solchen Gelegenheiten erweckten sie den Eindruck, sich langsam näher zu schieben.

Die älteste Geschichte war auch die kürzeste. Pismire erzählte sie nicht oft, aber der Stamm kannte sie auswendig. Es handelte sich um eine Geschichte, die man überall im Teppich erzählte, in vielen Sprachen.

»Am Anfang gab es nur eine unendliche Ebene«, verkündete Pismire. »Dann kam der Teppich und bedeckte die grenzenlose Flachheit. Damals war er noch jung. Es fehlte Staub zwischen seinen Haaren, die heute krumm und schmutzverkrustet sind – damals ragten sie glatt und gerade auf. Und zu jener Zeit war der Teppich leer.

Dann kam der Staub, fiel auf den Teppich, rieselte zwischen den Haaren herab und sammelte sich in dunklen Ecken an. Immer mehr Staub kam, glitt lautlos durch die wartenden Haare, bis er schließlich eine dicke Schicht bildete.

Und aus jenem Staub webte uns der Teppich. Zuerst entstanden die kleinen Kriecher, die in Bauen und hoch oben in den Haaren leben. Es folgten die Soraths, Schlußfadenbohrer, Bläser, Ziegen, Krustenknabberer und Snargs.

Leben und Geräusche füllten nun den Teppich. Ja, und auch Tod und Stille. Doch es fehlte ein Faden in jenem Gespinst, das der Webstuhl des Lebens hervorbrachte.

Voller Leben steckte der Teppich, aber er wußte nichts von seiner Lebendigkeit. Er konnte sein, aber er konnte nicht denken. Er hatte überhaupt keine Ahnung von der eigenen Existenz.

Und deshalb wurden wir aus dem Staub erschaffen, das Teppichvolk. Wir gaben dem Teppich seinen Namen, auch den Geschöpfen, und daraufhin war das Gespinst vollständig. Ja, von uns erhielt der Teppich seinen Namen, und so erfuhr er von sich selbst.

Selbst wenn der Schreckliche Scheuerer, Hasser allen Lebens im Teppich, auf uns herabtritt, selbst wenn Schatten über uns wachsen … Wir sind die Seele des Teppichs, und das ist eine wundervolle Sache. Wir sind die Frucht des Webstuhls.

Natürlich ist das alles nur metaphorisch, aber ich halte es für wichtig. Was meint ihr?«

Alle zehn Jahre mußten sich die Stämme des Dumii-Reiches auf den Weg machen, um gezählt zu werden – so verlangte es das Gesetz.

Sie zogen nicht bis zur Hauptstadt Wehr, sondern suchten einen Ort auf, den man Tregon Marus nannte.

Die Zählung war immer ein wichtiges Ereignis. Tregon Marus gewann schlagartig an Bedeutung und schwoll durch die vielen Zelte außerhalb des Stadtwalls auf doppelte Größe an. Ein Pferdemarkt fand statt, und man feierte ein fünf Tage lang dauerndes Fest. Man sah alte Freunde wieder und tauschte viele Neuigkeiten aus.

Hinzu kam natürlich die eigentliche Zählung. Neue Namen wurden den knisternden Schriftrollen hinzugefügt, und viele Leute stellten sich vor, wie jene Dokumente schließlich Wehr erreichten und dort bis zum Großen Palast des Gebieters gelangten. Die Dumii-Beamten notierten fleißig, wie viele Schweine, Ziegen und Bläser zum persönlichen Eigentum gehörten. Dann gingen die Leute zum nächsten Tisch, um dort mit Fellen und Häuten die Steuern zu bezahlen – diese Sache war nicht ganz so beliebt wie der Rest. Eine lange Schlange bildete sich, reichte ganz um Tregon Marus herum: am Osttor in die Stadt, durch die Ausfallpforte und vorbei an den Ställen, über den Marktplatz bis zum Zählhaus. Selbst Neugeborene trug man an den Beamten vorbei, deren Federkiele unermüdlich kritzelten und kratzten. Manche Stammesangehörige bekamen seltsame Namen, weil ein Schreiber Probleme mit der Orthographie hatte. Für so etwas hält die Geschichte überraschend viele Beispiele bereit.

Am fünften Tag bestellte der Bürgermeister alle Stammesoberhäupter auf den Marktplatz, damit sie ihre Klagen und Beschwerden vorbringen konnten. Er nahm sie nie zum Anlaß, konkrete Maßnahmen zu ergreifen, aber wenigstens hörte er sich alles an und nickte verständnisvoll. Wodurch sich die Leute wesentlich besser fühlten, wenn sie heimkehrten. So etwas nennt man Politik.

Auf diese Weise geschah es immer. Es war eine Tradition, die in grauer Vorzeit wurzelte.

Am sechsten Tag machten sich die Gezählten auf den Rückweg und folgten dem Verlauf der Straßen, die von den Dumii konstruiert worden waren. Sie reisten nach Osten. Hinter ihnen führten die Straßen nach Westen bis nach Wehr, wo eine von ihnen Zugang zur Hauptstadt bot. Hinter Wehr gab es die Weststraße: Sie wurde immer schmaler und kurvenreicher und endete an einem fernen Außenposten namens Läufer.

Daraus bestand das Dumii-Reich. Es umfaßte den größten Teil des Teppichs, von Holzwand bis zur Ödnis im Norden, in der Nähe von Firnisholm.

Im Westen grenzte es ans Wildland und die letzten Fransen des Teppichs, und im Süden führten die Straßen bis zum Kaminland. Die für ihre bemalten Gesichter bekannten Bewohner von Täfelung, die kriegerischen Hibbolgs, selbst die Feuer verehrenden Stämme von Läufer – sie alle zollten dem Gebieter Tribut.

Einige von ihnen mochten die Dumii nicht sonderlich, vor allem deshalb, weil der Gebieter die kleinen Kriege und gut organisierten Viehdiebstähle untersagte, die in den entlegenen Gebieten eine beliebte Freizeitbeschäftigung darstellten. Der Gebieter mochte den Frieden, unter anderem auch deshalb, weil seine Untertanen dadurch genug Zeit hatten, um zu arbeiten und ihre Steuern zu bezahlen. Im großen und ganzen schien der Frieden recht gut zu funktionieren.

Die Munrungs zogen nach Osten, und für zehn Jahre verschwanden sie aus der Chronik des Reiches. Manchmal stritten sie sich, aber die meiste Zeit über lebten sie friedlich und vermieden übermäßige Kontakte mit der Geschichte, die dazu neigt, Leute umzubringen.

Und dann, eines Jahres, hörte man nichts mehr von Tregon Marus …

Der alte Grimm Orkson, Stammesoberhaupt der Munrungs, hatte zwei Söhne. Glurk war der ältere von ihnen und trat schließlich die Nachfolge seines Vaters an.

Die Munrungs dachten langsam und besonnen, und ihrer Meinung nach gab es keinen besseren Kandidaten für den Posten des Anführers. Glurk sah wie eine jüngere Ausgabe seines Vaters aus: Er hatte breite Schultern, und der dicke Hals wirkte wie das Zentrum einer unwiderstehlichen Kraft. Er warf den Speer weiter als sonst jemand. Er war imstande, einen Snarg zu erwürgen – eine Halskette, an der lange gelbe Zähne baumelten, wies deutlich darauf hin. Er konnte: ein Pferd mit einer Hand hochheben; den ganzen Tag laufen, ohne zu ermüden; und sich so nahe an grasende Tiere heranschleichen, daß sie vor Schreck starben, bevor er die Gelegenheit erhielt, vom Speer Gebrauch zu machen. Zugegeben, er bewegte die Lippen, wenn er dachte, und seine Gedanken stießen wie Klöße in der Suppe aneinander, aber er war nicht dumm. Nein, er verdiente es nicht, als dumm bezeichnet zu werden. Sein Gehirn schaffte es, selbst komplizierte Dinge zu verstehen – es brauchte dazu nur etwas länger.

»Er ist ein Mann von wenigen Worten, und er weiß nicht, was sie bedeuten«, sagte man von ihm. Aber nur dann, wenn er sich außer Hörweite befand.

Eines Tages, am späten Nachmittag, stapfte er heimwärts und überquerte staubige Lichtungen. Unter dem linken Arm trug er einen Speer mit knöcherner Spitze, und mit der rechten Hand hielt er den langen Stock auf der Schulter fest.

Ein Snarg mit zusammengebundenen Beinen hing daran. Snibril, Glurks jüngerer Bruder, stützte das andere Ende des Stocks.

Der alte Orkson hatte früh geheiratet und lange gelebt, woraus folgte: Die breite, aus Jahren bestehende Lücke zwischen den beiden Brüdern war mit mehreren Töchtern gefüllt, und Grimm Orkson hatte dafür gesorgt, daß sie aufrechte, angesehene und vor allem begüterte Munrungs heirateten.

Snibril war eher zierlich, vor allem im Vergleich mit seinem Bruder. Sein Vater hatte ihn zur Dumii-Schule in Tregon Marus geschickt, damit ein Schreiber aus ihm werde. »Er kann kaum einen Speer halten«, begründete Grimm seine Entscheidung. »Vielleicht kommt er mit einem Federkiel besser zurecht. Soll er etwas Gelehrsamkeit in die Familie bringen.«

Als Snibril zum dritten Mal fortlief, beschloß Pismire, mit Grimm zu reden.

Pismire war der Schamane, eine Art Gelegenheitspriester.

Bei den meisten Stämmen gab es Schamanen, aber Pismire unterschied sich von seinen Kollegen. Zum Beispiel: Er wusch die sichtbaren Körperteile mindestens einmal im Monat, womit er viele Leute erstaunte. Andere Schamanen hießen den Schmutz geradezu willkommen und schienen der Ansicht zu sein: je dreckiger, desto magischer.

Er verzichtete darauf, Federn und Knochen zu tragen. Und er sprach auf eine sehr individuelle Weise.

Die Schamanen benachbarter Stämme aßen Pilze mit gelben Flecken – sie wuchsen tief im Haardickicht –, und anschließend hörte man von ihnen Bemerkungen wie: »Hiiieeejahjahheja! Hejahejajahjah! Hngh! Hngh!«Nun, das klang zumindest magisch.

Pismire hingegen benutzte Formulierungen wie: »Genaue Beobachtung, gefolgt von sorgfältigen Schlußfolgerungen und der präzisen Festsetzung eigener Ziele – so heißen die Voraussetzungen für den Erfolg eines Unternehmens. Ist dir aufgefallen, daß wilde Bläser immer zwei Tagesmärsche von der nächsten Sorath-Herde entfernt sind? Übrigens: Iß keine Pilze mit gelben Flecken.«

Das hörte sich nicht sehr magisch an, aber es funktionierte viel besser und ermöglichte eine gute Jagd. Insgeheim glaubten einige Munrungs, das Jagdglück hänge in erster Linie von ihnen selbst ab. Pismire unterstützte derartige Meinungen. »Positives Denken ist ebenfalls sehr wichtig«, sagte er.

Er war auch der offizielle Medizinmann, und zwar ein ziemlich guter – was die Munrungs nur widerstrebend zugaben, da sie an der Tradition hingen. Die medizinischen Ideen seines Vorgängers beschränkten sich darauf, Knochen in die Luft zu werfen und ›Hjahjahjah! Hgn! Hgn!‹ zu rufen. Pismire mischte seltenen Staub, preßte aus der Masse sogenannte Tabletten und wandte sich mit solchen Ratschlägen an den Kranken: »Nimm jeweils eine davon, wenn du abends zu Bett gehst und morgens aufstehst.«

Gelegentlich gab er auch Empfehlungen in Hinsicht auf andere Dinge.

Grimm hackte Holz vor seiner Hütte, und plötzlich stand Pismire hinter ihm. »Es klappt nie«, sagte er. »Du solltest Snibril nicht noch einmal nach Tregon schicken. Er ist ein Munrung. Kein Wunder, daß er immer wieder wegläuft. Er kann nie zu einem Schreiber werden; das liegt ihm einfach nicht im Blut. Laß ihn hier bei uns bleiben. Ich sorge dafür, daß er lesen lernt.«

»Wenn du ihm das Lesen beibringen kannst … Es wäre mir durchaus recht.« Grimm schüttelte den Kopf. »Ich verstehe ihn nicht. Bläst dauernd Trübsal. Seine Mutter war so, aber als verheiratete Frau wurde sie vernünftiger.«

Grimm hatte nie lesen gelernt, doch er war von den Schreibern in Tregon Marus immer sehr beeindruckt gewesen. Sie hinterließen Zeichen auf Pergament, seltsame Schnörkel, die sich erinnerten. Darin kam eine gewisse Macht zum Ausdruck, und er wollte, daß auch ein Orkson daran teilhatte.

So kam es, daß Snibril Pismires Dorfschule zusammen mit den anderen Kindern besuchte, dort Zahlen sowie Buchstaben kennenlernte und auch mit den Dumii-Gesetzen vertraut wurde. Er fand großen Gefallen daran und nahm das Wissen mit solchem Eifer in sich auf, als hinge sein Leben davon ab. Was häufig tatsächlich der Fall war, behauptete Pismire.

Sonderbarerweise stellte sich bald heraus, daß er ein fast ebenso geschickter Jäger war wie sein Bruder. Allerdings benutzten sie zwei verschiedene Methoden. Glurk stellte den Tieren nach, und Snibril beobachtete sie. Man muß den Geschöpfen nicht folgen, lautete eine von Pismires Weisheiten. Wenn man sie lange genug beobachtet, findet man einen Ort, wo man auf sie warten kann.

Pismire war praktisch nie um Verbesserungsvorschläge verlegen.

Als der alte Grimm starb, bestattete man ihn in einem Hügelgrab aus dem Staub des Teppichs, mit einem Speer an der Seite. Die Munrungs wußten nicht genau, welchen Ort man nach dem Tod aufsuchte, aber sie sahen kaum einen Sinn darin, ihn hungrig zu erreichen.

Glurk wurde zum Oberhaupt der Gemeinschaft, und zu seinen Pflichten gehörte es, den Stamm für die nächste Zählung nach Tregon Marus zu führen. Doch der Gesandte aus jener Stadt war längst überfällig, und dieser Umstand weckte Besorgnis in Glurk. Er hatte es keineswegs eilig damit, die Steuern zu bezahlen und nach Tregon zu reisen, nur um herauszufinden, warum sich der Gesandte so sehr verspätete … Nun, das erschien ihm ein wenig übertrieben. Andererseits: Die Dumii zeichneten sich durch große Zuverlässigkeit aus, vor allem dann, wenn es um die Steuern ging.

Als er an jenem Abend zusammen mit seinem Bruder heimwärts marschierte, behielt er diese Gedanken für sich. Snibril schnaufte und stützte den schweren Stock auf die andere Schulter. Er war kleiner als sein Bruder und rechnete damit, noch kleiner zu werden, wenn er der Last weiterhin ausgesetzt blieb.

»Ich fühle mich so, als hätte ich mir die Füße abgelaufen«, klagte er. »Was hältst du davon, wenn wir rasten? Fünf Minuten können wir bestimmt erübrigen. Außerdem: Ich habe Kopfschmerzen …«

»Na schön«, brummte Glurk, »fünf Minuten, länger nicht. Es wird dunkel.«

Sie hatten die Dumii-Straße erreicht, und im Norden, jetzt nicht mehr weit entfernt, erwarteten sie Sicherheit und ein leckeres Abendessen. Die beiden Brüder setzten sich.

Glurk vergeudete nie Zeit, griff nach einem geeigneten Staubkorn und begann damit, die Spitze seines Speers zu schärfen. Auch er blickte mehrmals den Weg entlang, der im verblassenden Licht schimmerte. Die Straße reichte nach Westen und bildete eine glühende Linie in der Dunkelheit. Zwischen den Haaren rechts und links davon verdichteten sich die Schatten. Der Pfad faszinierte Snibril, seit er von Vater Grimm gehört hatte, daß alle Wege nach Wehr führten. Also erstreckte sich nur diese Straße zwischen den Portalen des Palastes und dem Eingang seiner Hütte, dachte er. Und dann die vielen Abzweigungen … Wenn man ihnen folgte, mochte man überallhin gelangen. Und wenn man sich am Straßenrand niederließ und wartete … Dann sah man sicher viele interessante Leute. Alles steht mit allem anderen in Verbindung, meinte Pismire.

Snibril stützte den Kopf auf die Hände. Das Pochen hinter der Stirn wurde immer schlimmer. Irgend etwas schien ihm langsam das Gehirn zu zerquetschen.

Auch der Teppich hatte sich heute irgendwie verkehrt angefühlt. Bei der Jagd ergaben sich gewisse Schwierigkeiten, weil die meisten Tiere verschwunden waren. Und der Staub zwischen den Haaren ruhte, rührte sich nicht in der wie erstarrten Luft.

»Die Sache gefällt mir nicht«, sagte Clurk. »Seit Tagen ist niemand mehr auf der Straße unterwegs gewesen.«

Er stand auf und griff nach dem langen Stock.

Snibril stöhnte und beschloß, Pismire um eine seiner Tabletten zu bitten.

Ein Schatten erzitterte hoch oben in den Haaren und sauste nach Süden.

Ein Geräusch erklang, so laut, daß es nicht nur in den Ohren vibrierte, sondern im ganzen Körper, und etwas traf den Teppich mit schrecklicher Plötzlichkeit. Die beiden Brüder landeten im Staub, und die Haare um sie herum neigten sich in einem jähen Sturm.

Glurk streckte die Hand nach der rauhen Borke eines Haars aus und stand auf, stemmte sich den Böen entgegen. Weit oben knickte die Spitze eines Haars, schlug hin und her. Überall wogte und wallte es. Lautes Knirschen gesellte sich dem Heulen hinzu. Es stammte von großen Felsbrocken, die vom Wind getrieben durch den Haarwald walzten.

Glurk hielt sich mit der einen Hand fest, und mit der anderen zog er seinen Bruder in Sicherheit. Sie duckten sich, während das Tosen andauerte; Bestürzung zeichnete sich in ihren Mienen ab.

Von einem Augenblick zum anderen zog der Sturm nach Süden weiter und wich stummer Dunkelheit.

Eine Art laute Stille folgte, brachte Verblüffung.

Snibril blinzelte. Was auch immer gerade geschehen war – es hatte ihn von den Kopfschmerzen befreit. In seinen Ohren rauschte es.

Kurze Zeit später hörte er das Pochen von Hufen auf der Straße.

Das Klacken wurde zu schnell lauter. Es deutete auf ein außer Kontrolle geratenes Pferd hin.

Als es aus der Nacht kam … Ein Reiter fehlte. Das Roß hatte die Ohren angelegt, und Panik flackerte ihm in den Augen. Schweiß glänzte auf dem weißen Fell, und die losen Zügel schwangen hin und her.

Snibril sprang vor. Als das Pferd an ihm vorbeidonnerte, griff er nach den Zügeln, sprintete zwei Sekunden lang neben den hämmernden Hufen und schwang sich in den Sattel. Er fand nie heraus, warum er sich auf diese Weise verhielt. Vielleicht lag es an genauer Beobachtung und präziser Festsetzung von Zielen. Wie dem auch sei: Er konnte sich einfach nicht vorstellen, auf eine andere Weise zu handeln.

Sie ritten ins Dorf. Das Pferd hatte sich inzwischen beruhigt, trug die beiden Brüder und zog den Snarg.

An einigen Stellen zeigten sich große Löcher in der Palisade, und Felsbrocken hatten mehrere Hütten zerschmettert. Glurk sah in Richtung Orkson-Hütte, und Snibril hörte ihn stöhnen. Das Stammesoberhaupt rutschte vom Rücken des Rosses und ging mit langsamen Schritten auf sein Heim zu.

Beziehungsweise auf die Reste seines Heims.

Die übrigen Munrungs unterbrachen ihre aufgeregten Gespräche und wichen respektvoll zurück. Ein recht dickes Haar war gefallen und hatte an der entsprechenden Stelle die Palisade unter sich zermalmt. Seine Spitze reichte über die Trümmer der Orkson-Hütte hinaus. In dem Durcheinander aus geborstenen Balken und zerfetztem Reet ragte wie trotzig der Türrahmen auf. Bertha Orkson kam mit den Kindern und warf sich Glurk in die Arme.

»Pismire hat uns aus der Hütte geholt, bevor das Haar fiel«, schluchzte sie. »Was sollen wir jetzt tun?«

Er klopfte ihr geistesabwesend auf die Schulter, doch sein Blick galt auch weiterhin der zerstörten Hütte. Schließlich kletterte er über den Trümmerhaufen und sah sich um.

Die Menge war so still, daß alle von Glurk hervorgerufenen Geräusche laute Echos bewirkten. Es klirrte, als er nach einem Topf griff, der die Katastrophe wie durch ein Wunder unversehrt überstanden hatte. Langsam drehte er ihn hin und her, starrte so darauf hinab, als sähe er ihn nun zum erstenmal. Dann hob er das Ding hoch über den Kopf und schleuderte es zu Boden.

Anschließend schüttelte er die Faust und fluchte. Er fluchte bei den Haaren, bei den dunklen Höhlen von Unterlage, bei den Dämonen des Bodens, beim Schußfaden und bei der Kette. Er brüllte die Unaussprechlichen Worte und schrie den Schwur des Schlichten Retwatshud, der angeblich Knochen brach, was Pismire jedoch für Aberglauben hielt.

Die Flüche segelten durch den Abend, krochen an den Haaren hinauf, erreichten die Ohren interessiert zuhörender Geschöpfe der Nacht. Sie stapelten sich aufeinander, bis sie eine Säule des Schreckens formten.

Als Glurk schwieg, zitterte die Luft. Er ließ sich auf ein Trümmerstück sinken, saß dort mit hängenden Schultern und verbarg das Gesicht hinter den Händen. Niemand wagte es, sich ihm zu nähern. Die anderen Munrungs wechselten bedeutungsvolle Blicke, und einige hasteten davon.

Snibril stieg ab und trat zu Pismire, der etwas abseits stand und seinen Ziegenledermantel trug.

»Die Unaussprechlichen Worte hätte er nicht sagen sollen«, murmelte der Schamane wie zu sich selbst. »Natürlich ist alles nur Aberglaube, was jedoch nicht unbedingt bedeutet, daß es dafür keinen Platz in der Realität gibt. Oh, hallo! Du hast überlebt, wie ich sehe.«

»Wodurch wurde das hier verursacht?«

»Man nennt ihn den Schrecklichen Scheuerer«, antwortete Pismire.

»Ich dachte, das sei nur eine alte Geschichte, weiter nichts.«

»Selbst alte Geschichten können Wahres enthalten. Ich bin sicher, der Scheuerer steckt dahinter. Zuerst die Veränderungen des Luftdrucks … Die Tiere spürten ihn, so wie's geschrieben steht in …« Pismire unterbrach sich kurz. »Hab's irgendwo gelesen«, fügte er hinzu.

Er blickte an Snibril vorbei, und seine Miene erhellte sich.

»Du hast ein Pferd.«

»Ich glaube, es ist verletzt.«

Der Schamane schritt zum Roß und untersuchte es. »Ein Dumii-Hengst«, sagte er. »Jemand soll meinen Kräuterbeutel holen. Etwas hat das Pferd angegriffen – siehst du das hier? Keine sehr tiefe Wunde, aber sie sollte behandelt werden. Ein prächtiges Tier. Ja, wirklich prächtig. Und es saß kein Reiter drauf?«

»Wir sind ein ganzes Stück dem Verlauf der Straße gefolgt, ohne jemanden zu sehen.«

Pismire strich übers glatte Fell. »Wenn man das ganze Dorf mitsamt seinen Bewohnern verkauft … Der Erlös dürfte gerade genügen, um ein solches Pferd zu bezahlen. Wem auch immer der Hengst gehörte – er lief schon vor einer ganzen Weile weg. Alles deutet darauf hin, daß er einige Tage allein in der Wildnis unterwegs war.«

»Die Dumii lassen nicht zu, daß man irgendwelche Dorfbewohner verkauft«, wandte Snibril ein. »Sie haben die Sklaverei verboten.«

»Ich wollte damit nur sagen, daß dieses Pferd eine Menge wert ist«, erklärte Pismire.

Er summte leise vor sich hin, während er die Hufe betrachtete.

»Ich weiß nicht, woher es kommt, aber eins steht fest: Jemand hat den Hengst geritten.«

Der Schamane ließ das Bein los und warf einen Blick zu den Haaren. »Etwas hat ihn erschreckt. Nicht der Scheuerer – immerhin ist er schon vor einigen Tagen fortgelaufen. Räuber kommen wohl kaum in Frage, denn sie hätten sich das Pferd geschnappt. Und sie hinterlassen keine Kratzer, die von Klauen stammen. Ein Snarg könnte solche Spuren hinterlassen, doch dazu müßte er aufs Dreifache der normalen Größe anwachsen.« Er zögerte kurz. »Riesensnargs. Meine Güte …«

Ein Schrei erklang.

Für Snibril hörte es sich an, als hätte die Nacht plötzlich Mund und Stimme bekommen. Der Schrei heulte von den Haaren jenseits der beschädigten Palisade herüber – ein höhnisches Kreischen, das die Finsternis zerriß. Der Hengst scheute.

Ein Feuer war an der größten Lücke im Schutzwall angezündet worden; einige Jäger liefen dorthin und hielten ihre Speere bereit.

Sie verharrten im Schein der Flammen.

Auf der anderen Seite ragte eine große Gestalt in der Dunkelheit auf, und zwei Augenpaare glühten: das eine rot, das andere grün. Beide starrten die Dorfbewohner an, blinzelten nicht ein einziges Mal.

Glurk riß einem der Männer den Speer aus der Hand und stapfte zur Palisade.

»Nur ein Snarg«, brummte er, holte aus und warf. Der Speer traf etwas, doch die grünen Augen schienen nur etwas heller zu leuchten. Dumpfes Grollen entrang sich einer nicht sichtbaren Kehle.

»Verschwinde! Kehr zu deinem Bau zurück!«

Pismire näherte sich mit einem brennenden Scheit und warf ihn nach den Augen.

Diesmal kam es zu einem kurzen Blinzeln – und dann verschwand das Glühen. Damit war der Bann gebrochen. Stimmen ertönten. Die Jäger schämten sich ihrer Furcht und drängten nach vorn. »Halt!« rief der Schamane. »Narren! Wollt ihr euch etwa mit Knochenspeeren in die Finsternis der Nacht wagen, um ein solches Geschöpf zu jagen? Das war ein schwarzer Snarg, keiner von den braunen, die ihr kennt! Erinnert ihr euch an die Geschichten? Sie kommen aus den fernsten Ecken! Aus den Ungekehrten Gebieten!«

Von Norden her – vom weißen Kliff der Holzwand – grollte erneut der Schrei eines Snargs. Diesmal verklang er nicht allmählich, sondern ganz plötzlich.

Pismire blickte einige Sekunden lang in die entsprechende Richtung, wandte sich dann an Glurk und Snibril. »Man hat uns gefunden«, sagte er. »Darum ist das Pferd fortgelaufen. Aus Furcht vor den Snargs. Und wer Snargs fürchtet, braucht sich deshalb nicht zu schämen. Ganz im Gegenteil: Angst vor Snargs ist sehr vernünftig. Sie haben jetzt das Dorf entdeckt, was für uns bedeutet: Wir können nicht hierbleiben. Von jetzt an greifen sie jede Nacht an, bis wir schließlich nicht mehr in der Lage sind, genug Widerstand zu leisten. Wir müssen morgen aufbrechen. Und vielleicht ist es selbst dann schon zu spät.«

»Aber …«, begann Glurk.

»In diesem Fall gibt es kein Aber. Wir alle sind gezwungen, uns dem Gebot der Notwendigkeit zu beugen. Der Scheuerer ist zurückgekehrt, und mit ihm der ganze Schrecken. Versteht ihr?«

»Nein«, sagte Glurk.

»Dann vertraut mir«, fuhr der Schamane fort, »und hofft, daß ihr nie verstehen müßt. Habe ich mich jemals geirrt?«

Das Stammesoberhaupt überlegte. »Nun, einmal hast du gesagt …«

»Bei wichtigen Dingen, meine ich.«

»Nein. Nein, ich glaube nicht.« Glurk wirkte nun sehr besorgt. »Bisher sind wir nie vor Snargs geflohen und immer mit ihnen fertig geworden. Warum sollte das diesmal anders sein?«

»Diese Snargs kommen nicht allein«, ächzte der Schamane.

»Ich habe ein zweites Paar Augen gesehen«, sagte Glurk unsicher.

»Es stammte von jemandem, der auf dem Snarg hockte«, erwiderte Pismire. »Und jene Wesen verfügen über weitaus schlimmere Waffen als Reißzähne und Klauen: Sie sind intelligent.«

»So, das wär's. Kommt jetzt!« Glurk sah noch ein letztes Mal zu den Trümmern der Hütte zurück.

»Warte!« bat Snibril.

Seine Habseligkeiten paßten in einen Beutel, aber trotzdem ging er sie noch einmal durch – um sich zu vergewissern, daß er nichts vergessen hatte. Er fand: ein Knochenmesser mit hölzernem Griff; ein zweites Paar Stiefel; eine Rolle mit Bogensehnen; mehrere Pfeilspitzen; ein Stück Glücksstaub. Ganz unten im Beutel ertasteten Snibrils Finger ein kleines Bündel. Ganz behutsam holte er es hervor, um zu vermeiden, den Inhalt zu beschädigen. Er öffnete es: zwei, fünf, acht, neun. Alles da. Der Lack glänzte, als er die kleinen Gegenstände drehte.

»Hm«, brummte Glurk, »ich weiß gar nicht, warum du die Dinger mitnimmst. Einige zusätzliche Pfeilspitzen wären viel nützlicher.«

Snibril schüttelte den Kopf und hob die Münzen. Erneut schimmerte ihr Lack.

Man hatte sie aus dem Rotholz der Stuhlbeinminen angefertigt, und auf der einen Seite zeigten sie den Kopf des Gebieters – natürlich nur ein Abbild. Es handelt sich um Tarnerii, um Münzen der Dumii. In Tregon Marus hatten sie viele Felle gekostet. Pismire meinte, daß sie Felle symbolisierten. Und auch Töpfe, Messer oder Speere.

Snibril verstand das nicht. Er fand es erstaunlich: Offenbar liebten die Dumii den Gebieter so sehr, daß sie bereit waren, für seine hölzernen Bildnisse viele verschiedene Dinge herzugeben. Das behauptete jedenfalls der Schamane. Tief in seinem Innern zweifelte Snibril daran, daß sich Pismire mit dem Finanzwesen erheblich besser auskannte als er.

Er verstaute seine Sachen im Beutel und kehrte zum Wagen zurück. Nur ein knapper Tag war vergangen, seit sich der Schreckliche Scheuerer angekündigt hatte. Aber jener Tag brachte erhebliche Veränderungen.

Auseinandersetzungen bestimmten ihn zu einem nicht unbeträchtlichen Teil. Den reicheren Munrungs widerstrebte es, das Dorf zu verlassen, zumal niemand ein endgültiges Ziel der Reise nennen konnte. Und Pismire war allein losgezogen, kümmerte sich um irgendwelche persönlichen Angelegenheiten.

Am Vormittag ertönten Snarg-Schreie im Süden, und jemand bemerkte Schatten, die sich hoch oben in den Haaren bewegten. Jemand anders berichtete von Augen, die über die Palisade hinwegspähten.

Diese Hinweise beendeten den Streit. Neue Stimmen wurden laut und meinten, die Munrungs seien daran gewöhnt, auf der Wanderschaft zu sein. Etwa einmal pro Jahr suchten sie sich ein neues Jagdgebiet. Wahrscheinlich hatten sie es seit Monaten geplant, dieses Dorf zu verlassen und an irgendeinem anderen Ort neue Hütten zu errichten. Wir fliehen nicht, hieß es hier und dort. Nein, von einer Flucht konnte kaum die Rede sein. Die Munrungs gingen fort, sogar recht langsam.

Am Nachmittag war der Bereich im Innern der Palisade mit Wagen, Karren, Vieh und Leuten gefüllt, die diverse Möbelstücke trugen. Das rege Treiben ging zu Ende, und alle warteten auf das Zeichen von Glurk. Sein Wagen, ein Erbstück der Familie, wirkte eindrucksvoller als alle anderen. Felle bedeckten das gewölbte Verdeck. Weniger als vier Ponys konnten ihn nicht ziehen. Hütten wurden so gebaut, daß sie rund ein Jahr lang hielten, aber die Wagen mußten dauerhaft genug sein, um noch von den Enkeln benutzt zu werden.

Dahinter standen mehrere Packtiere, beladen mit dem Orkson-Vermögen an Fellen. Anschließend kamen die weniger luxuriösen Wagen, nicht so üppig ausgestattet wie das Orkson-Gefährt – obgleich einige von ihnen kaum einen Vergleich zu scheuen brauchten. Es folgten die Handkarren und jene Familien, die sich nur ein Pony leisten konnten und eine Kuh mit zwei weiteren Eigentümern teilen mußten. Den Abschluß bildeten die Leute zu Fuß. Jene Personen, die ihren ganzen Besitz in einer Hand tragen konnten, schienen nicht annähernd so niedergeschlagen zu sein wie einige andere Mitglieder der Munrung-Gemeinschaft, die einen großen Teil ihrer Habe zurücklassen mußten.

Nur Pismire fehlte. Wo steckte er?

Ende der Leseprobe