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Schwester Stefanie weiß, in welch schwieriger Situation sich Dorothea Osterwald befindet und wie verzweifelt die junge Mutter ist. Noch heute noch hat sie ihr unter Tränen ihr Herz ausgeschüttet und sogar angedeutet, sie wolle ihrem Leben ein Ende setzen. Dabei ist der kleine Lutz ist ein so süßes Baby, aber er hat keinen Vater.
Als die Schwester den Kleinen der Mutter zum Stillen bringt, traut sie ihren Augen nicht. Die junge Frau ist spurlos verschwunden. Durch einen Zufall bekommt Schwester Stefanie den Namen des Kindsvaters heraus, den die Mutter den Behörden beharrlich verschwieg. Kurz entschlossen fährt Stefanie mit dem Säugling zu Lutz Jahnke, um ihn davon zu überzeugen, seinen entzückenden Sprössling anzuerkennen. Doch es kommt alles anders als gedacht, denn die Wege des Schicksals sind unergründlich ...
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Seitenzahl: 122
Veröffentlichungsjahr: 2026
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsbeginn
Impressum
Von Hoffnung getragen, vom Schicksal geprüft
Schwester Stefanie weiß, in welch schwieriger Situation sich Dorothea Osterwald befindet und wie verzweifelt die junge Mutter ist. Noch heute hat sie ihr unter Tränen ihr Herz ausgeschüttet und dabei sogar angedeutet, sie wolle ihrem Leben ein Ende setzen. Dabei ist der kleine Lutz ein so süßes Baby, aber er hat keinen Vater.
Als die Schwester den Kleinen der Mutter zum Stillen bringt, traut sie ihren Augen nicht. Die junge Frau ist spurlos verschwunden. Durch einen Zufall bekommt Schwester Stefanie den Namen des Kindsvaters heraus, den die Mutter den Behörden beharrlich verschwieg. Kurz entschlossen fährt Stefanie mit dem Säugling zu Lutz Jahnke, um ihn davon zu überzeugen, seinen entzückenden Sprössling anzuerkennen. Doch es kommt alles anders als gedacht, denn die Wege des Schicksals sind ungründlich ...
»Wie geht es Ihnen, Frau Osterwald?«, fragte Schwester Stefanie betont munter.
Die junge Frau im Krankenbett drehte den Kopf müde zur Seite.
»Wie soll es mir schon gehen«, erwiderte sie leise. Die Tränenspuren auf ihrem Gesicht verrieten deutlich, wie es in ihr aussah.
»Sie sollten sich über Ihr Kindchen freuen«, sagte Schwester Stefanie. »Ihr Lutz ist so ein süßes Baby.«
Dorothea presste die Lippen verzweifelt aufeinander.
»Warum musste mir das passieren?«, fragte Dorothea schluchzend. Selbst mit den Tränen auf den Wangen sah man, wie hübsch sie war.
»Es ist doch kein Unglück, wenn man ein Kind hat und keinen Mann dazu. So wie Ihnen geht es vielen.«
»Das sagt sich so leicht. Er hat mir eine Abfindung gezahlt, damit ich seinen Namen nicht nenne. Ich habe das Geld genommen. Was sollte ich auch anderes tun?«
»Warum hat er Sie nicht geheiratet?«, fragte Stefanie freundlich.
Wieder schluchzte Dorothea tief auf.
»Er wollte nicht. Eigentlich wollten es seine Eltern nicht. Er soll die Tochter eines Konkurrenten heiraten, verstehen Sie? Er macht sich nicht viel aus ihr, aber für die Firma wäre es gut. Ich bin ihnen nicht gut genug.«
»Ein Mann, der Sie so schlecht behandelt, ist Ihre Tränen nicht wert, Frau Osterwald.«
»Das sagen Sie. Ich hab ihn doch so lieb. Und er mich auch. Was soll ich denn jetzt anfangen, Schwester Stefanie?«
»Es findet sich immer ein Ausweg«, tröstete Stefanie sie.
»Ich sehe keinen. Ich wünschte, ich wäre tot. Was kann ich noch vom Leben erwarten? Alle werden mit den Fingern auf mich zeigen.«
»Ihre Eltern bestimmt nicht.«
»Die wissen nichts von dem Kind. Sie dürfen auch nie davon erfahren. Ein uneheliches Kind ist für sie eine große Schande. Wäre ich doch damals nur in eine andere Firma gegangen.«
»Wenn der Vater Ihres Kindes den kleinen Lutz erst sieht ...«
»Er hat mich nicht besucht. Er will mich nicht wiedersehen. Darum hat er mir auch das Geld gegeben. Geld spielt für ihn keine große Rolle. Seine Eltern sind reich. Er hat mich wohl doch nicht richtig geliebt.«
Flehend schaute die junge Mutter zu Stefanie hoch.
»Aber kann denn alles Lüge gewesen sein? Er hat mir ein Apartment besorgt und auch die Miete bezahlt und mich so oft besucht, wie er es einrichten konnte. Jetzt muss ich es aufgeben, denn ich kann die Miete nicht bezahlen.«
Schwester Stefanie hörte fassungslos zu. Worauf hatte diese junge Frau sich da eingelassen!
»Ich weiß nicht, wie es mit mir weitergehen soll«, klagte Dorothea. »Am besten, ich werfe mich vor einen Zug, dann habe ich alles hinter mir.«
»Was sind denn das für dumme Gedanken, Frau Osterwald«, beschwor Stefanie sie. »Was sollte denn aus Ihrem Kind werden?«
»Ich kann es nicht lieben. Wenn Lutz nicht wäre, wäre vielleicht alles so weitergegangen. An allem ist nur das Kind schuld. Er hat immer gesagt, niemals hätte ihm eine Frau so viel bedeutet wie ich.«
Stefanie von Holtenau konnte nicht verstehen, wie eine junge Frau so naiv sein konnte.
»Soll ich vielleicht einmal mit dem Mann sprechen?«, schlug sie vor. »Ich könnte ihn anrufen.«
»Ich habe ihm geschworen, niemandem etwas von ihm zu sagen. Ich werde ihn selbst anrufen. Vielleicht ändert er seine Meinung, wenn er den Kleinen sieht. Niedlich ist er ja.«
»Lutz ist wahnsinnig süß«, versicherte Schwester Stefanie.
Einen Moment redete sie noch gut auf die junge Mutter ein, dann rief sie die Pflicht zu anderen Patientinnen.
♥♥♥
In der Pause sprach Stefanie mit ihrer Kollegin Corinna über Dorothea Osterwald.
»Sie hat ja auch allen Grund, todunglücklich zu sein«, meinte Corinna. »Ein uneheliches Kind ist nun einmal ein Klotz am Bein. Sie kann nicht für das Kleine sorgen, weil sie arbeiten muss, und ihre Eltern dürfen nichts von dem Kind wissen.«
»Der arme Wurm. Das Kind kann doch nichts dafür, dass sein Vater es ablehnt.«
»Die Menschen sind nun einmal engstirnig. Du bist eine Ausnahme. Ich frage mich nur, warum du noch nicht geheiratet hast. Du hast große Chancen bei den Männern.«
»Du übertreibst. Außerdem liebe ich meinen Beruf.«
»Ich auch«, erwiderte Schwester Corinna. »Aber für eigene Kinder würde ich noch lieber sorgen.«
»Ist noch kein Ehemann und Familienvater ist Sicht?«
»Leider nicht. Du wirst eher einen finden. Doktor Georgi starrt dich immer an, als wenn er es bedauern würde, schon gebunden zu sein. Und auch andere Männer schauen dir heimlich nach. Anstatt zuzugreifen, arbeitest du fleißig auf der Station und machst sogar noch freiwillig Überstunden.«
»Es macht mir nichts aus. Ich wohne im Hause, und meistens habe ich nichts Besseres vor.«
»So ein hübsches junges Mädchen sollte nicht nur an die Arbeit denken.«
Stefanie schmunzelte. Corinna war kaum älter als sie, sparte aber nicht an guten Ratschlägen für andere.
»Wird Zeit, dass wir die Säuglinge holen. Man hört ihr Geschrei bis hierher.« Die Kinder wurden im Laufe des Tages fünfmal zu ihren Müttern gebracht, und kurz davor meldeten sie sich in der Regel durch kräftiges Gebrüll.
Lächelnd öffnete Stefanie kurz darauf die Tür zu Frau Osterwalds Zimmer, den kleinen Lutz liebevoll im Arm.
»Es ist ...« Sie brach ab. Die Decke war zurückgeschlagen, das Bett leer.
»Du musst noch ein bisschen warten, mein Kleiner«, erzählte sie dem Säugling. »Deine Mutti kommt gleich zurück. Bis dahin wirst du schon nicht verhungern.«
Lutz schrie aus Leibeskräften. Von der Anstrengung hatte er schon ein krebsrotes Gesicht bekommen.
Stefanie wiegte ihn hin und her, und einen Moment unterbrach der Kleine sein Geschrei. Er riss die Augen weit auf, sein Mund machte ein paar Saugbewegungen, und dann schrie er wieder.
Wo konnte Frau Osterwald sein? Eigentlich nur auf der Toilette. Stefanie legte den schreienden Lutz auf das Bett und eilte den Korridor hinunter zu den Toiletten.
»Frau Osterwald?«, rief sie.
Keine Antwort. Stefanie schaute in alle Toilettenkabinen. Im Aufenthaltsraum war sie auch nicht.
»Haben Sie Frau Osterwald irgendwo gesehen?«, fragte sie ihren Stationsarzt, der gerade aus seinem Zimmer kam. »Ich suche sie überall.«
»Nein. Haben Sie auf den Toiletten nachgeschaut?«
»Zuerst. Wo kann sie nur sein? Die Kinder werden jetzt angelegt.«
»Sie wird schon kommen.« Dr. Georgi streifte Stefanie mit einem flüchtigen Blick. Wie hübsch sie wieder aussah.
Er nickte ihr zu, und als er weiterging, waren seine Gedanken noch immer bei der hübschen Schwester Stefanie.
♥♥♥
»Frau Osterwald, bitte melden!«, schallte es aus den Lautsprechern, die in jedem Raum der Klinik angebracht waren. »Frau Osterwald, bitte melden!«
Stefanie war wieder zu dem kleinen Lutz zurückgekehrt und versuchte ihn zu beruhigen. Aber diesmal hatte sie keinen Erfolg. Der Kleine wollte endlich etwas zu trinken haben und dachte nicht daran, noch länger zu warten.
»Er schreit sich ja die Seele aus dem Hals«, stellte Corinna, die hinzugekommen war, kopfschüttelnd fest. »Was Frau Osterwald sich nur denkt, gerade jetzt in der Klinik herumzuwandern. Diese jungen Mütter!«
Wo blieb Frau Osterwald nur? Die Durchsage war verhallt, sie hatte sich nicht gemeldet.
»Ich mache dir jetzt ein Fläschchen«, sagte Corinna.
Geschickt füllte sie die Flasche, prüfte die Temperatur und steckte den Sauger in den geöffneten Mund des Kindes. Sofort verstummte das Geschrei.
Schwester Stefanie warf einen Blick auf die Uhr, die über der Tür angebracht war. Wo war Frau Osterwald?
Diese Frage beschäftigte in der Mittagspause die ganze Klinik. Die diensthabende Schwester an der Anmeldung glaubte sich zu erinnern, eine Frau, auf die die Beschreibung von Frau Osterwald zutraf, gesehen zu haben. Wenn das stimmte, dann hatte sie die Klinik verlassen.
War es denn möglich, dass Frau Osterwald einfach davonging, ohne sich um ihr Kind zu kümmern?
»Hat sie Telefon?«, fragte Dr. Georgi im Dienstzimmer mürrisch. Als hätte ich nicht genug zu tun!
»Ich glaube. Ich suche die Nummer rasch heraus«, bot Stefanie an.
»Die kann sich auf was gefasst machen«, knurrte Dr. Georgi, als er die Nummer wählte.
Es meldete sich niemand.
»Hat sie noch Eltern?«, fragte er dann.
»Ja. Aber sie wohnen nicht hier.« Schwester Stefanie schlug in den Krankenpapieren nach und nannte Dr. Georgi die Nummer. »Sie wissen nichts von dem Kind.«
»Pech für sie«, zischte Dr. Georgi.
Er sprach kurz mit den Eltern, sagte aber nicht, warum er die junge Frau sprechen wollte. Dorothea war nicht bei den Eltern.
»Was machen wir nun?«, fragte er die Schwester.
»Frau Osterwald war sehr verzweifelt«, entgegnete diese. »Sie hat sogar Selbstmordabsichten geäußert. Und den Namen des Vaters hat sie nicht angegeben.«
»Merkwürdig, wozu manche Frauen fähig sind«, sagte Dr. Georgi. »Bringen es fertig, solch einen Kerl noch zu schützen.«
Der Arzt rief bei der Polizei an und schilderte den Fall. Er erhielt, wie er schon vermutet hatte, die Antwort, dass man noch ein paar Stunden abwarten würde und er noch einmal anrufen solle. Nach so kurzer Zeit könne man noch davon ausgehen, dass die junge Frau wieder auftauchen würde.
Seufzend legte er auf und berichtete der Schwester, was er erfahren hatte.
»Nimmt der Junge die Flasche an?«, erkundigte er sich dann.
»Ohne Probleme, Herr Doktor.«
»Wenigstens ein Trost. Frau Osterwald kann sich auf etwas gefasst machen, wenn sie zurückkommt. Als hätten wir nichts anderes zu tun, als hinter ihr her zu telefonieren.«
Dr. Georgi musterte Stefanie verstohlen und spürte, dass ihm die Kehle eng wurde. Er hatte sich seinerzeit gefreut, als man ihm Schwester Stefanie zugeteilt hatte. Sie hatte ihr Examen mit Bestnote bestanden und galt als tüchtig und zuverlässig.
Dumm war nur, dass sie ihn als Frau nicht gleichgültig ließ. Er hatte geglaubt, bei seiner Heirat eine gute Wahl getroffen zu haben. Doch seitdem Schwester Stefanie in sein Leben getreten war, war er unzufrieden.
♥♥♥
Am Abend war Frau Osterwald immer noch nicht zurückgekehrt.
»Ich fahre mal in ihre Wohnung und erkundige mich, ob sie im Laufe des Tages dort gesehen wurde«, sagte Dr. Georgi zu Schwester Stefanie. »Ich hatte als junger Assistenzarzt mal einen ähnlichen Fall, und der Chef wollte mir die Verantwortung zuschieben. Als könnte man unsere Patienten anketten.«
Und so fuhr er auf dem Heimweg an dem Apartmenthaus vorbei, in dem Frau Osterwald wohnte. Sie war am Vormittag da gewesen und mit einem Koffer wieder gegangen, erfuhr der Arzt von dem Hausmeister. Wohin, das konnte er ihm nicht sagen.
»Sie hat die Wohnung gekündigt«, erzählte er noch. »Die Sachen soll ich verkaufen. Vielleicht übernimmt der neue Mieter sie. Viel bekommt sie bestimmt nicht dafür.«
»An welche Adresse sollen Sie das Geld überweisen?«, fragte Dr. Georgi. Er kam sich vor wie ein Detektiv.
Der Hausmeister, ein älterer, sehr gelassener Mann, zuckte die Schultern.
»Sie will es sich gelegentlich bei mir abholen. Frau Osterwald vertraut mir.«
Der Arzt bedankte sich und fuhr nachdenklich nach Hause. Was sollte jetzt aus dem Kind werden?
Seine Frau sah sofort, dass er nicht gut gestimmt war. Seit einiger Zeit war er launisch geworden, und sie wusste nicht, warum. Wie üblich begrüßte sie ihn mit einem Kuss, den Wolf nur flüchtig erwiderte.
»Das Essen ist fertig, du kannst dich gleich an den Tisch setzen«, sagte sie. »Hattest du heute Ärger in der Klinik?«
Dr. Georgi erzählte ihr von Frau Osterwald.
»Das ist doch nicht dein Problem«, meinte Beate. »Ruf einfach das Jugendamt an, die werden sich schon um alles kümmern.«
»Er ist so ein niedliches Baby. Es will mir einfach nicht in den Kopf, dass sie ihn womöglich in ein Waisenhaus stecken. Ich habe Frau Osterwald entbunden, und ich werde den Vater suchen! Soll der sich doch um sein Kind kümmern, verdammt noch mal!«
»Bitte, reg dich nicht gleich so auf.«
»Du hast gut reden!«, fuhr Dr. Georgi seine Frau an. »Du hast deinen Haushalt, und der genügt dir. Alles andere interessiert dich nicht.«
Frau Beate erbleichte.
»Hast du eine andere?«, fragte sie gepresst.
»Nein, natürlich nicht. Wir haben im Augenblick viel Arbeit. Ein paar schwierige Fälle. Ich habe es nicht so gemeint, Beate«, entschuldige er sich.
»Ich weiß«, flüsterte die junge Frau. Sie spürte, dass etwas zwischen ihnen stand, wusste aber nicht, was es war.
»Du solltest bald einmal Urlaub machen«, sagte sie.
»Im Herbst. Augenblicklich geht es nicht. Ja, ich bin überarbeitet. Was hast du heute gemacht?«
»Ich habe die Betten frisch bezogen und Wäsche gewaschen. Eben das, was eine Hausfrau so macht. Komm, Wolf, lass uns essen.«
Was für Interessen hat sie eigentlich?, fragte sich der Mann, als er ihr in die Küche folgte. Sie hatte ihren Haushalt und den Garten, und das schien ihr zu genügen.
Interessante Gespräche mit ihr zu führen, das war fast unmöglich.
Ich habe eine gute Frau geheiratet, machte Wolf sich klar. Beate versorgte ihn vorbildlich. Und doch sah er ständig eine andere Frau vor Augen, die sein Denken und Fühlen vollkommen beherrschte. Das hatte Beate nicht verdient.
♥♥♥
»Hat Frau Osterwald etwas von sich hören lassen?«, lautete Dr. Georgis erste Frage am nächsten Morgen.
Stefanie schüttelte den Kopf.
»Nein. Jetzt müssen wir doch die Polizei einschalten. Die wird dann auch mit den Eltern sprechen. Es wird ein ziemlicher Schock für sie sein. Wenn ich ein Auto hätte, würde ich sie vielleicht schonend vorbereiten.«
»Sie meinen, wir sollten in der Mittagspause hinfahren?«, fragte Dr. Georgi. »Daran gedacht habe ich auch schon. Sie müssen das Kind nehmen. Lutz ist schließlich ihr Enkel.«
»Ich hätte Sie nicht darum bitten mögen, Herr Doktor. Wird die Zeit reichen?«
»Es wird schon gehen. Ich bitte einen Kollegen, mich nachmittags zu vertreten. Und Schwester Corinna muss eben sehen, wie sie ohne Sie fertig wird. Sie ist ja tüchtig und umsichtig.«
Stefanie lächelte dankbar, ohne im Geringsten zu ahnen, was ihr Lächeln im Herzen des Mannes auslöste.
Dorotheas Eltern wohnten in Hohenlingen, einem Dorf, das etwa fünfzig Kilometer von der Stadt entfernt lag.
Unter anderen Umständen hätte Stefanie die Fahrt sicherlich genossen. Es war ein herrlicher Frühlingstag, die Sonne schien von einem wolkenlosen Himmel herab, die Birken zeigten ihr erstes zartes Grün. Es war ein Tag zum Träumen.
