Die Wohngemeinschaft - Urs Herzog - E-Book

Die Wohngemeinschaft E-Book

Urs Herzog

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Beschreibung

Das Leben in einer Wohngemeinschaft. Mt seinen Höhen und Tiefen. Es geht um Zusammenhalt, Liebe, Menschlichkeit, Verzeihen, um "Familie". Aber auch um Differenzen in der eigenen Familie, Verbannung und Enterbung. Es dreht sich Verrat, Verleumdung, Gewalt. Die vier WG-Bewohner versuchen allen Widrigkeiten zu trotz eine Gemeinschaft, eine "Familie" zu bleiben.

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Seitenzahl: 392

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Alles was am Ende zählt ist Familie.

WG

die Wohngemeinschaft

Urs Herzog

© 2025 Urs Herzog

Druck und Distribution im Auftrag des Autors:

tredition GmbH, Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Für die Inhalte ist der Autor verantwortlich. Jede Verwertung ist ohne seine Zustimmung unzulässig. Die Publikation und Verbreitung erfolgen im Auftrag des Autors, zu erreichen unter: tredition GmbH, Abteilung "Impressumservice", Heinz-Beusen-Stieg 5, 22926 Ahrensburg, Deutschland.

Kontaktadresse nach EU-Produktsicherheitsverordnung: [email protected]

Die Personen und Handlungen sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inhalt

Cover

Titelblatt

Urheberrechte

Die WG-Bewohner

Wachtmeister Hauser

Familie Weber

Familie von Lohberg

Rainers Dilemma

Die Überraschung

Armin

Chantals Familie

Veränderungen

Beziehungen

Zeitenwende

Eine neue Woche

Weitere Veränderungen

Der Prozess

Probleme Lösen

Die Ruhe vor dem Sturm

Schicksalsschläge

Entscheidungen

Skandale

Armins Rückkehr

Die Aktionäre

Entscheidungen

WG die Wohngemeinschaft

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Die WG-Bewohner

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Die WG-Bewohner

„Das geht mir doch am Arsch vorbei. Ist eh alles nur Müll was du da laberst. Alter.“

Dann drehte er sich um, packte seinen Stoffbeutel und verschwand aus der Küche. Rainer hörte die Wohnungstür zuschlagen.

Er sah ihm nach. Was konnte er noch machen? Es war immer dasselbe. Nur diesmal hatte er keine Fäkalausdrücke gebraucht, wie sonst üblich. Aber sonst?

Dabei hatte er seinen Freund Armin nur darauf hingewiesen, dass er heute Küchendienst hatte und sich an die Spielregeln zu halten habe. Wie alle anderen in der WG.

Laut seufzte er, krempelte die Ärmel hoch und überlegte, wo er beginnen sollte. Erst die Reste entsorgen? Oder doch erst das schmutzige Geschirr spülen?

Eigentlich hatte er so gar keine Lust auf Abwaschen. Auch ihm war dies zuwider.

Er hob die Schultern und liess sie wieder sinken.

„Was macht man nicht alles für einen Freund.“

Er begann mit dem Abwasch, als er die Wohnungstür hörte und wusste, was ihn nun erwartete.

„Wie ich sehe, hast du dich erfolgreich mit ihm ausgesprochen,“ sagte Silke spitz, „und es hat tatsächlich geholfen, so wie die letzten zwanzig Mal.“

Normalerweise war Silke die Höflichkeit in Person, hatte nie ein böses Wort über andere Menschen, schon gar nicht über ihre Mitbewohner.

Ausser er hiess Armin, dann konnte sie sich kaum bremsen.

„Wenn du nicht wärst, hätten wir diesen Schmarotzer schon längst rausgeschmissen. Er kann von Glück reden, dass er dank dir ein Dach über dem Kopf hat. Ich verstehe einfach nicht, wie du mit so einem Versager befreundet sein kannst.“

Silke von Lohberg, alter Adel, gute Erziehung, hervorragende Bildung und blitzgescheit.

Sie studierte Sozialwissenschaften und Kunst und arbeitete Abends an der Bar in einem renommierten Sternelokal. Sehr zum Leidwesen ihrer Familie, welche gelegentlich das Restaurant besuchte, meist mit Geschäftspartnern.

Dass ihre Familie im Geld schwamm, war ihr eher peinlich.

Ihre Klamotten kaufte sie im Secondhandshop und ihre blonden Haare waren immer kurz geschnitten.

„Du hast ja recht, aber was soll ich machen? Er ist mein Freund. Eigentlich ist er meine Familie, er ist der Einzige, der mir geblieben ist.“

„Irgendwo verstehe ich dich ja, aber das gibt ihm noch lange nicht das Recht, sich hier so aufzuführen. Wenn ich das Chaos nur schon sehe, das er seit gestern Abend mit seinen Kumpels hier zurückgelassen hat. Es sieht aus, als hauste hier ein Messie.“

Rainer packte die Bürste und versuchte die harten Krusten von einem Teller zu schaben.

„Müsstest du nicht schon längst an der Uni sein, statt hier in der Küche?“

„Versuch nicht abzulenken,“ sagte sie noch immer empört, um im nächsten Moment mit sanfter Stimme zu fragen: „Kann ich dir helfen? Zu zweit geht es besser.“

Armin lächelte und gab ihr einen Kuss auf die Wange.

„Du bist die Beste! Du bist ein Schatz!“

„Danke, aber das weiss ich, das sagst du mir auch jedes Mal.“

Gemeinsam standen sie vor dem Geschirrberg und versuchten ihm Herr zu werden.

„Wir haben schon Glück mit unseren Familien,“ sagte Silke.

„Du hast keine mehr und ich habe zuviel davon. Wenn du möchtest, könntest du ein paar davon abhaben.“

„Aha,“ grinste Rainer, „und wen möchtest du loswerden?“

„Eigentlich – am liebsten Alle, dann hätte ich meine Ruhe und mein eigenes Leben.“

Ihre vorhin so leuchtenden, dunkelbraunen Augen hatten ihren Glanz verloren und es schien, als würde sie sich in ihr Schicksal fügen.

Er wusste, dass sie es nicht so meinte, denn sie hing an ihrem Bruder und ihren Eltern.

„Silke, ich könnte dich doch adoptieren, dann wärst du mit einem Schlag die ganze Sippschaft los.“

„Du bist ein Spinner, aber ein lieber Spinner.“

Nun lachte sie wieder, kam ihr Leben wieder zurück.

Schweigend machten sie weiter und schnell war der Abwasch erledigt, die Küche aufgeräumt.

„Jetzt hast du deine Vorlesung verpasst, war die denn nicht wichtig?“

„War sie, aber man muss Prioritäten setzen. Komm, wir gehen runter und trinken in der Eckkneipe ein Bier.“

Sie hängte sich bei ihm ein und zog ihn zur Wohnungstür.

Sie waren knapp davor, als diese aufsprang und Annette im Türrahmen stand.

„Wohin wollt ihr denn, mitten im Nachmittag?“ Dabei lächelte sie.

Annette hatte das bezauberndste und betörendste Lächeln, das er bisher gesehen hatte.

Sie war schlank und modisch gekleidet, hatte dunkle Locken, blaue Augen und rote Lippen. Sie wirkte wie die Unschuld vom Lande, wenn sie die Männer mit grossen, staunenden Augen ansah. Dabei hatte sie es faustdick hinter den Ohren. Sie hatte einen kleinen Erotikshop und die Männer rannten ihr die Bude ein.

„Wir gehen runter in die Kneipe ein Bier trinken. Kommst du mit?“ wollte Silke wissen.

„Was ist geschehen? Wieder einmal Zoff mit Armin wegen des Küchendienstes? Würde mich nicht wundern.“

Sie sah die beiden an.

„Verstehe, so wie immer – gehen wir.“

Sie drehte sich um und verschwand im Treppenhaus.

Silke und Rainer sahen sich achselzuckend an, dann folgten sie ihr.

* * * * *

„Ihr seid heute früh dran,“ sagte Irmi, die Wirtin der Eckkneipe mit dem aussergewöhnlichen Namen: Zur blauen Ente. Und der Name war auch Programm, denn gemäss der kleinen Speisekarte gab es nur Ente. Gebraten mit verschiedenen Saucen, Ente geschmort mit Rotkohl und Kastanien und als Spezialität Canard à l'Orange et Yuzu, mit Pommes Duchesse. Dazu gab's die passenden Weine, von Irmi persönlich ausgesucht, denn nur was ihr mundete, kam auf die Karte.

Es gab hier in diesem kleinen Lokal zwei Kategorien von Gästen.

Die Einen kamen der Enten wegen, die anderen wegen der Nachbarn, den Freunden, der Gemütlichkeit und weil es der einzige Anlaufpunkt im Quartier war, nachdem alle anderen Lokale geschlossen hatten. Irmi Schneider hatte durchgehalten, auch weil es ihr Zuhause war und die Gäste ihre Familie. So mischten sich Alt und Jung, Reich und Arm, Normalos und Berühmtheiten. Doch hier bei Irmi waren sie alle gleich.

„Machst du uns drei Bier?“ fragte Rainer und stellte sich an die Theke, während Silke und Annette sich zu den Stammgästen an den runden Tisch setzten.

„Ihr seid früh dran heute,“ wurden sie begrüsst.

„Das hat Irmi auch schon gesagt. Peter, wie geht es dir heute? Gestern hattest du doch Probleme mit dem Rheuma. Ist es besser geworden?“ fragte Silke.

„Ja, die Wärme tut mir gut, ich bin lange an der Sonne gesessen.

Morgen mache ich das wieder, dann, wenn du arbeitest und so meine Rente finanzierst,“ lachte er und die anderen Rentnerinnen und Rentner lachten mit.

Rainer brachte die drei Bier an den Tisch und setzte sich dazu.

Um diese Zeit waren die Stammgäste meist die einzigen Besucher. Weitere kamen erst nach der Arbeit oder den Vorlesungen an der nahen Uni. Erst Abends kamen dann die Feinschmecker.

Im kleinen Lokal gab es nur sechs Tische, an denen gegessen werden konnte und deswegen musste der Platz reserviert werden. Die anderen vier Tische und der Stammtisch, blieben den Gästen vorbehalten, welche sich nur zu trinken bestellten. Hier wurde kein Essen serviert, was bei einigen Gästen Unverständnis auslöste und sie das Lokal umgehend wieder verliessen. Die Begrenzung ermöglichte es Irmi vernünftige Mengen einzukaufen, um nicht auf den Lebensmitteln sitzenzubleiben oder, noch schlimmer, zu wenig zu haben, ausverkauft zu sein.

„Irmi, trinkst du ein Glas mit?“ rief Trude, die Älteste der Runde, der Wirtin zu.

„Immer, wenn ich von den reichen Rentnerinnen und Rentnern eingeladen werde.“

„Was heisst hier reich? Wir kommen kaum über die Runden. Hätten wir noch weniger, müsstest du auf unsere Besuche verzichten.“

„Ja, und wenn ich nicht selbst eine keine Kneipe hätte, gäbe es für mich nicht einmal ein Bier zu trinken,“ lachte Irmi und setzte sich an den Stammtisch.

„Annette, warum bist du nicht in deinem Laden? Du kannst doch die armen Männer nicht enttäuschen.“

„Kein Problem, ich habe eine Freundin, die mich vertritt. Und sie ist ein heisser Feger, die wäre etwas für dich, Peter, die würde dich auf andere Gedanken bringen und dir tüchtig einheizen.“

Die Runde lachte und Peter schüttelte seinen Kopf.

„Annette, du weisst doch, in meinem Alter bringen auch die blauen Pillen nichts mehr, nicht mal wenn ich unten liege.“

Wieder lachten alle.

„Irmi, ich spendiere eine Runde, bleib sitzen, ich mache die Biere, Übung habe ich genügend,“ sagte Silke und ging hinter die Theke zum Zapfhahn.

„Aber mit wenig Schaum, ich möchte Bier und nicht Luft,“ rief ihr Rainer hinterher.

„Ich dachte, du wärst dir Luft gewöhnt, vor allem heisse;“ kam die lachende Antwort und kurz darauf brachte sie die Biere.

* * * * *

Als sie Abends beschwingt und gut gelaunt nach Hause kamen, blieben sie erstaunt stehen.

Vor dem Haus stand die Polizei.

„Scheisse, was hat er nun wieder angestellt?“

Die drei wussten, dass die Beamten wegen Armin da waren.

„Entweder hat er etwas geklaut oder sich geprügelt,“ meinte Annette. „Oder der Idiot hat sich wieder zugedröhnt,“ nervte sich Silke.

„Fragen wir doch, was da los ist, vielleicht geht es ausnahmsweise nicht um Armin,“ meinte Rainer.

„Das glaubst auch nur du.“ Silke glaubte es nicht.

Sie gingen auf die Beamten zu, die etwas ratlos vor der verschlossenen Tür standen.

„Können wir ihnen helfen?“ fragte Silke die beiden Beamten.

„Wohnen sie hier?“

„Ja, Silke von Lohberg,“ dann zeigte sie auf die beiden anderen.

„Das sind Annette Rubin und Rainer Hagmann, wir wohnen im 2. Stock.“

„Dann kennen sie Armin Schmitz? Er soll auch hier wohnen.“

„Ja, Armin Schmitz wohnt hier, in unserer WG. Was ist denn passiert?“

„Wir haben ihn vollkommen zugedröhnt am Ufer des Sees gefunden.“

„Und wo ist er jetzt,“ wollte Rainer wissen.

„Er liegt im Krankenhaus und der Arzt sagt, dass er Glück gehabt hat, dass sie ihn gefunden haben. Eine halbe Stunde später und er wäre an den Drogen gestorben.

Hat Herr Schmitz Familie?“

„Nein, seine Eltern sind gestorben und Geschwister hat er nicht. Eigentlich bin ich seine Familie, und er ist meine,“ erklärte Rainer.

„Dann sind sie verwandt?“

„Nein, aber wir kennen uns seit dem Kindergarten.“

„Dann kümmern sie sich um ihn? Das heisst, wenn wir noch etwas wissen wollen, kommen wir zu ihnen?“

Nun mischte sich auch Annette ein.

„Haben sie noch weitere Fragen? Wenn nicht, möchten wir gerne nach oben gehen, Herr Wachmeister.“

„Im Moment haben wir keine weiteren Fragen. Wir wären aber froh, wenn sie morgen bei uns auf der Wache vorbeischauen könnten, in der Wotangasse.“

„Ich melde mich morgen bei ihnen, Herr..?“

„Hauser, Peter, Wachtmeister. Ich habe morgen Mittag wieder Dienst, wenn sie dann kommen könnten?“

„Dann bis Morgen, auf Wiedersehen.“

Die drei verschwanden im Haus und die Beamten kehrten aufs Revier zurück.

„Hat er es wieder einmal geschafft. Es ist unglaublich, wie kann er nur sein Leben so wegwerfen?“

Silke verstand es nicht.

„Er war doch schon von Anfang an so, seit er bei uns eingezogen ist.“ Annette setzte sich auf den nächsten Stuhl.

„Rainer, kannst du uns erklären, warum Armin so geworden ist? War er früher auch schon so?“ wollte Annette wissen.

Rainer setzte sich ebenfalls und Silke sich daneben.

„Wir sind zusammen aufgewachsen, Armin war schon im Kindergarten mein bester Freund. Wir haben alles zusammen gemacht, er war ein ganz normaler Junge. Gut in der Schule, also besser als ich, begehrt bei den Mädchen, ein ganz normaler Junge eben.“

„Und was ist geschehen?“ fragte Annette leise.

„Das änderte sich, als wir vierzehn waren. Unsere Familien waren befreundet und wir haben alle zusammen viel unternommen, sind auch gemeinsam in die Ferien gefahren.

Alles war ganz normal, bis unsere Eltern zusammen an ein Konzert fuhren. Sie kamen nie mehr zurück. Sie standen in einem Verkehrsstau und ein Lastwagen hatte zu spät gebremst. Ich kam bei entfernten Verwandten auf dem Land unter und Armin kam in eine Pflegefamilie.

Die Eltern weg und der beste Freund auch, und dann wohnst du plötzlich bei fremden Menschen, es muss schwer gewesen sein und er hat das wohl nicht so gut verkraftet wie ich.“

Silke strich ihm mitfühlend übers Haar.

„Das hast du noch nie erzählt. Und ich habe über ihn geschimpft, ich schäme mich dafür.“

„Das konntest du ja nicht wissen, mach dir deswegen keinen Kopf.“

„Doch, mache ich, und ich will ihm helfen.“

Typisch Silke, dachte Rainer.

„Dann sollte Armin erst eine Entziehungskur machen und sich von einem Psychiater helfen lassen. Und dann soll er auch spüren, dass er zu uns gehört und auf uns zählen kann. Was meint ihr, schaffen wir das?“ fragte Annette.

„Es wird nicht leicht werden, aber wenn die zwei wundervollsten Frauen auf dieser Welt helfen, dann bekommen wir das hin. Danke.“

Rainer lächelte und umarmte die Beiden.

„Ich habe noch eine Frage an dich, Rainer. Du kennst seine finanziellen Verhältnisse. Wie ist er versichert? Ist er in einer öffentlichen Krankenkasse und hat er einen Hausarzt?“

Silke wartete gespannt auf eine Antwort.

„Das muss ich nachsehen, ich habe in seinen Unterlagen einmal eine Versicherungskarte gesehen. Hoffen wir, dass er die Beiträge auch bezahlt hat.“

„Da lässt sich leicht nachprüfen. Suchen wir die Karte und rufen wir da an, das ist der einfachste Weg.“

„Gut, dann suche ich. Hoffentlich werde ich fündig, wenn ich Pech habe, muss ich sein ganzes Zimmer auf den Kopf stellen.“

„Dann wünsche ich dir dabei viel Vergnügen,“ lachte Annette, „Besser du als ich. Bei mir wäre erst einmal die Hälfte auf dem Müll gelandet.“

Rainer verschwand in Armins Zimmer.

Silke und Annette wollten nicht untätig sein und bereiteten das Abendessen zu.

Sein Gesicht sprach Bände.

„Ich habe alles auf den Kopf gestellt und bin fündig geworden. Aber nicht so, wie wir es uns erhofft haben. Der Versicherungsausweis ist abgelaufen und er hat ein Schreiben von der Krankenkasse bekommen, dass sie keine weiteren Kosten übernehmen können, da der Vertrag abgelaufen sei. Das Schreiben ist vom letzten Jahr.“

„Und wer bezahlt jetzt seinen Klinikaufenthalt und die Arztkosten? Der Krankentransport wird auch nicht billig sein, und was von Amtes wegen noch auf ihn zukommt, kann ich auch nicht sagen,“ war Annettes Meinung.

„Vermögen scheint er nicht zu haben, und wenn sie seine Habseligkeiten pfänden wollen, er hat doch nichts, was wollen sie ihm nehmen?“ Silke war ratlos.

„Ich suche in seinen Unterlagen nach der Pflegefamilie, bei der er bis zur Volljährigkeit gewohnt hat. Vielleicht wissen sie mehr. In jedem Fall muss ich es versuchen. Auch wenn ich nicht weiss, was sie für ein Verhältnis untereinander hatten.“

Rainer verschwand wieder in Armins Zimmer.

„Das Essen ist fertig,“ riefen ihn die beiden Frauen.

„Rainer kommst du?“

Es gab Spiegelei mit Bratspeck, dunkles Brot und Gurkensalat. Dazu tranken sie ein Glas Barolo.

„Und hast du etwas gefunden?“ wollte Annette nach dem Essen wissen.

„Ja, ich habe den Namen und die Adresse mit Telefonnummer.“

„Und rufst du sie nachher an?“

„Ich weiss nicht, oder soll ich nicht besser persönlich vorbeigehen?“ fragte er.

„Auf keinen Fall,“ erklärte Silke, „du kannst die Leute nicht einfach überfallen, das geht nicht. Du solltest dich vorher bei ihnen anmelden. Entweder sie fallen vor Schreck aus allen Wolken oder sie wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Das weisst du vorher nicht.“

„Silke hat recht, du solltest vorher anrufen, dann können sie sich auch auf deinen Besuch einstellen.

Und wenn du nicht alleine hingehen willst, können wir dich begleiten.“

„Es ist wohl besser, wenn ich das alleine mache. Ich schaffe das schon. Aber danke für das Angebot.“

Nach dem Essen hängte sich Rainer ans Telefon.

„Und, wann kannst du vorbeigehen?“ fragte Silke neugierig.

„Es war niemand zu Hause, ich werde es später noch einmal versuchen, oder dann morgen.“

„Und, hast du die Familie erreicht?“ fragte Silke am folgenden Morgen.

„Ja, ich treffe mich heute Abend mit ihnen.“

„Gehst du alleine? Oder soll ich doch mitkommen?“

„Nein, ich gehe alleine, das bekomme ich hin, danke.“

„Von uns kennst du Armin am besten. Weisst du, warum er von der Familie weg und in die Drogen abgerutscht ist?“

„Nein, aber ich hoffe, dass sie es mir erklären können, denn Armin hat immer abgeblockt, wenn ich ihn gefragt habe.“

„Rainer, ich muss zur Uni, ich bin schon spät. Wir sehen uns heute Abend und vergiss nicht, am Nachmittag zur Polizei zu gehen, der Mann erwartet dich. Wachtmeister Hauser, Wotangasse, Tschau.“ Und weg war sie.

Er hatte gestern noch im Büro angerufen und sich für heute freigenommen. Er konnte über seine Arbeitszeit selbst bestimmen, und musste nur die Blockzeiten einhalten. Dazu konnte er einen freien Tag pro Woche mit Überzeit kompensieren, ohne dafür einen Tag Urlaub nehmen zu müssen. Und obwohl er dies selten in Anspruch nahm, war er jetzt froh darüber. Sein 50% Job in einer Firma für Industriedesign, war ideal neben seinem Studium der Ingenieurwissenschaften.

Er hatte sich schon als Kind gewünscht, überall auf der Welt Brücken zu bauen und diesen Traum wollte er verwirklichen.

Wachtmeister Hauser

Um zwei Uhr traf er in der Wotangasse ein und schaute sich nach dem Polizeischild um. Er musste nur wenige Meter gehen und mit gemischten Gefühlen betrat er das Revier.

Was würde ihn erwarten? Er fragte nach Wachtmeister Hauser.

„Guten Tag Herr Hagmann, schön das sie den Weg gefunden haben und hier sind. Wir hoffen, dass sie uns weiterhelfen können.“

Hauser führte Rainer in sein Büro und bat ihn Platz zu nehmen.

„Die Aussicht ist nicht gerade die schönste, aber besser als gegen die Wände im Hinterhof zu starren.“

Rainer schaute aus dem Fenster auf die Gasse und die gegenüberliegenden Häuser. Die grossen Bäume spendeten Schatten und machten die Sonneneinstrahlung erträglicher.

„Aus unser Wohnung ist die Aussicht auch nicht viel besser. Nur etwas ruhiger ist es bei uns.“

„Möchten sie einen Kaffee? Oder ein Wasser?“ fragte Hauser. „Nein danke, im Moment nichts,“ wobei er nicht einschätzen konnte, wie lange die Besprechung dauern würde.

Hauser legte eine dünne Akte vor sich auf den Tisch und schlug sie auf.

„Herr Hagmann, sie haben erzählt, dass sie Armin Schmitz schon lange kennen. Was ist er für ein Mensch?“

Rainer erzählte dieselbe Geschichte, wie er sie Silke und Annette geschildert hatte.

Hauser machte sich Notizen und blätterte in seinen Unterlagen weiter.

„Wir haben hier eine Liste von Ereignissen der letzten Jahre.

Sein Drogenkonsum ist dokumentiert, seine Entziehungskuren ebenfalls, und mögliche Verbindungen zu den Dealern. Was wir nicht wissen, und auch unsere V-Leute nicht in herausfinden konnten, ist, wie er das alles finanziert hat. Können sie uns nähere Angaben machen?“

„Nein, bedaure, das kann ich nicht. Er hat regelmässig seine Miete bezahlt und seinen Beitrag an die Haushaltskasse geleistet. Woher er das Geld hatte, kann ich nicht sagen.

Ich vermute, dass er viele Gelegenheitsjobs hatte.

Wenn wir ihn fragten, ist er immer ausgewichen, sagte, er bezahle seinen Anteil und das sei doch die Hauptsache.

Ob er mit Drogen gedealt hat? Glaube ich nicht, dafür war er nicht gemacht.“

„Was meinen sie mit „nicht gemacht.“ Wie kommen sie darauf?“

„Er ist sehr empfindsam, zuweilen extrem empathisch und künstlerisch hochbegabt. Es wechselt sehr stark zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Manchmal innert weniger Augenblicke.“

„Hatte er diese Stimmungsschwankungen schon früher? Als Kind oder als Jugendlicher?“

„Nein, erst seit unsere Eltern gestorben sind. Ich glaube, er hat das nie überwunden.“

„Das ist auch die Meinung der Psychiater, die bei der Entziehungskur geholfen haben. Leider hatte diese nicht den gewünschten Erfolg.“

Der Wachtmeister schaute auf die nächste Seite.

„Herr Hagmann, sie haben gesagt, dass sie sich nach dem Tod ihrer Eltern aus den Augen verloren haben. Wann haben sie sich wiedergesehen? Wie alt waren sie da?“

„Armin und ich sind jetzt fünfundzwanzig und wir haben uns das erste Mal vor fünf Jahren wiedergesehen. Es war nur kurz, denn es zog ihn in den Süden, er wollte nach Spanien. Ob er die Reise gemacht hat, weiss ich nicht.

Wir haben uns dann vor zwei Jahren zufällig wiedergetroffen. Er hing an einer Bar und stand schon ziemlich neben sich. Das tat aber unserer Wiedersehensfreude keinen Abbruch. Denn zusammen sind wir Familie.

Als ich ihn fragte, wo er wohne, wich er zuerst aus, doch dann erzählte er, dass er in einem Männerhaus untergekommen sei. Da in unserer WG gerade ein Zimmer frei geworden war, fragte ich ihn, ob er bei uns einziehen wolle. Seitdem sind wir wieder beisammen.“

„Und gab es in dieser Zeit Probleme? Mit Drogen?“

„Probleme hatten wir, aber das ist in jeder WG so, wenn extreme Charaktere aufeinandertreffen.

Manchmal war er bekifft und hing nur herum, dann wieder war er klar und ein normaler Mitbewohner.“

„Ich höre da heraus, dass sie sich immer um ihn sorgen und sich um ihn kümmern, sehe ich das richtig?“ fragte Hauser.

„Ja, einer muss es doch tun. Er ist die ganze Familie, die mir geblieben ist, meine einzige Erinnerung an meine Eltern, meine Kindheit, meine Jugend. Das würden sie auch so machen.“

„Da haben sie wahrscheinlich recht,“ sagte der Wachtmeister und nickte.

„Dann habe ich zum Schluss noch eine Frage an sie. Kennen sie seine Pflegeeltern?“

„Nein, ich kenne sie nicht. Über die Zeit, in der wir uns nicht gesehen haben, schwieg er immer. Doch ich habe gestern in seinen Papieren gewühlt, um die Unterlagen der Krankenkasse zu suchen. Dabei ist mir die Adresse seiner Pflegeeltern in die Hände gefallen. Ich habe sie angerufen und wir haben uns für heute Abend verabredet. Ich bin gespannt wie sie sind. Sie müssen eine unendliche Geduld gehabt haben.“

„Dass wird wohl so sein. In den Unterlagen steht, dass Armin mit achtzehn Jahren verschwunden ist und ein Jahr später, mit neunzehn, das erste Mal aufgegriffen wurde. Ab da hat er eine Akte bei uns.“

Hauser schloss das Dossier.

„Nun habe ich doch noch eine Frage und wie immer dreht es sich um Geld. Wissen sie ob er Vermögen hat, oder wer für die Kosten aufkommt?“

Rainer schüttelte den Kopf.

„Vermögen wird er nicht haben, er kommt gerade so über die Runden. Und wer für die Behandlung und das alles geradestehen muss, kann ich nicht beurteilen. Ich selbst verdiene mit meinem Job gerade so viel, dass ich das Studium finanzieren kann.“

„Gut, Herr Hagmann, das war es vorerst, wenn wir noch weitere Fragen haben, werden wir uns melden. Sie können aber auch mich jederzeit erreichen, wenn ihrerseits Fragen sind.“

Hauser stand auf, das Zeichen für Rainer, dass die Befragung vorbei war.

„Vielen Dank, dass sie sich die Zeit genommen haben. Auf Wiedersehen.“

Hauser geleitete Rainer zur Tür und die beiden schüttelten sich zum Abschied die Hand.

Nachdenklich stand Rainer in der Wotangasse. Langsam fügten sich die Bruchstücke zusammen, erfuhr er, was mit seinem Freund Armin in den letzten Jahren geschehen war. Umso gespannter war er auf den heutigen Abend. Was würden seine Pflegeeltern erzählen?

Familie Weber

Abends fuhr er zu Armins Pflegefamilie.

Dieter und Gerda Weber, so hatte er erfahren, kümmerten sich um Armin, seit seine Eltern beim Unfall umgekommen waren.

Er zögerte einen Moment, als er vor dem kleinen Haus stand. Dann straffte er sich und ging auf die Haustür zu.

Noch bevor er die Klingel drücken konnte, wurde die Tür geöffnet und ein grosser, schlanker Mann mit grauem Haar und dunkler Brille schaute ihn neugierig an.

„Guten Abend Herr Weber, ich bin Rainer Hagmann, wir haben telefoniert.“

„Guten Abend Herr Hagmann, bitte kommen sie herein.“

Dieter Weber trat zur Seite und geleitete ihn ins Wohnzimmer.

„Das ist meine Frau Gerda. Gerda, das ist Herr Hagmann, der uns wegen Armin angerufen hat.“

„Guten Abend Frau Weber, danke dass sie Zeit für mich haben.

„Guten Abend Herr Hagmann, bitte nehmen sie Platz.“

Sie zeigte auf ein Sofa, welches schon etwas aus der Mode gekommen war, so wie die ganze Einrichtung, was aber auch dem Alter der Bewohner geschuldet war. Auf der Anrichte standen Fotos, Armin mit den Webers, im Garten, im Urlaub, im Zoo, alles Fotos vom Beginn der Beziehung. Das Gesicht von Armin sah auf den Bildern aus wie leer, wie eine Maske.

„Sie haben Nachricht von Armin?“ fragte Frau Weber mit einem fragenden Blick und besorgter Stimme. „Wie geht es ihm?“

Herr Weber hatte sie neben seine Frau gesetzt und gespannt warteten sie auf eine Antwort.

„Ich habe keine guten Nachrichten, Armin liegt in der Klinik, die Polizei hat ihn gefunden.

Er war total zugedröhnt und nicht mehr ansprechbar. Ich habe in der Klinik angerufen, aber die geben mir keine Auskunft, sagen, ich wäre kein Angehöriger.“

Gerda Weber begann zu weinen und vergrub ihr Gesicht in der Schulter ihres Mannes, der behutsam seinen Arm um sie legte.

„Dann hat sich nichts geändert. Wir haben gehofft, dass die Entziehungskur endlich helfen wird. Doch wie es aussieht, hatte er auch dieses Mal einen Rückfall.“

Erstaunt sah Rainer auf das Paar.

„Dann war es nicht die erste Entziehungskur? Wieviele hatte er schon hinter sich?“

„Viermal haben wir es versucht, und jedes Mal gehofft, dass er endlich von den Drogen wegkommt. Doch wie es scheint, hat es auch diesmal nichts genutzt.“ Dieter Weber war traurig und deprimiert. „Dabei haben wir doch alles versucht.“

Schweigend sassen sie da. Gerda Weber trocknete ihre Tränen, dann fragte sie: „Herr Hagmann, kennen sie Armin gut?“

„Hat er nie von mir erzählt?“

„Nein, er hat auch nie über sein Leben erzählt, das er hatte, bevor er zu uns kam, und wir haben es respektiert und gehofft, er würde es uns eines Tages erzählen, was er nie getan hat.“

Rainer spürte die Hilflosigkeit der Pflegeeltern.

„Armin und ich kennen uns seit dem Kindergarten, sind zusammen aufgewachsen. Armin ist mein bester Freund, auch heute noch. Unsere Familien waren befreundet und meine Eltern sassen im gleichen Wagen wie Armins Eltern, als der Unfall geschah bei dem alle vier ums Leben kamen.“

„Ihre Eltern waren auch dabei? Das ist ja schrecklich, das wussten wir nicht.“ Gerda Weber war geschockt.

Rainer erzählte weiter.

„Dann haben wir uns aus den Augen verloren, denn ich wurde bei Verwandten auf dem Land untergebracht und wusste nicht, was mit Armin geschah, ich wusste nur, dass er keine Familie mehr hatte. Dann ist er wohl zu ihnen gekommen.“

„Nein, nicht direkt, zuerst wurde er in ein Waisenhaus gebracht und nach einem Jahr konnte er dann zu uns kommen, weil er dort immer rebellierte.

Wir hofften, dass es bei uns anders sein würde.

Am Anfang war es eine schwere Zeit, für uns alle, dann aber hat er sich ein Stück weit geöffnet und wir glaubten ihn auf dem richtigen Weg.

Mit siebzehn ist er das erste Mal mit Drogen in Berührung gekommen und wir haben es nicht gemerkt.“

Wieder begann sie zu weinen und Dieter versuchte seine Frau zu trösten.

„Wie ist es dazu gekommen?“ wollte Rainer wissen.

„Er hatte eine Lehrstelle als Dekorateur bekommen. Die bekommt nur, wer auch künstlerisch begabt ist. Das sollte der richtige Platz für Armin sein, glaubten wir alle. Damals.

Nach einem halben Jahr liess sein Elan nach und er ging immer weniger gern zur Arbeit. Erst dachten wir, es sei so anstrengend und er sei müde und brauche Erholung. Also haben wir eine längere Ferienreise geplant. Damals war Frühling und wir wollten im August verreisen.“

Dieter Weber schaute auf seine Gerda, die stumm und traurig an ihm lehnte.

„Dann, kurz vor den Ferien kam er zu uns und sagte, dass er da nicht mehr hingehen werde, er habe die Lehrstelle aufgegeben. Erst wussten wir nicht wie wir reagieren sollten.“

Gerda hatte sich wieder gefangen und mit stockender Stimme fuhr sie fort.

„Wir wollten doch wissen warum, doch er blockte jedes mal ab und sagte nur, er habe genug von dieser Scheisse. Ja, dieses Wort benutzte er. Dann verschwand er und wir haben ihn erst am folgenden Tag wiedergesehen. Er schien abwesend und fahrig. Das hat uns erstaunt, haben es aber dem Umstand zugeschrieben, dass er die Lehrstelle aufgegeben hatte.

Dass er aber da schon Drogen nahm, ahnten wir nicht. Das kam erst später.“

„Und was hat er den ganzen Tag gemacht?

Hatte er eine andere Beschäftigung? Eine Arbeit?“

„Nein, er hing nur den ganzen Tag herum und wenn wir mit ihm sprechen wollten, oder etwas mit ihm unternehmen, schaute er uns nur schräg an. Das ging bis Oktober, dann war er eines Tages einfach verschwunden. Das Meiste hat er dagelassen, es ist immer noch in seinem Zimmer.

Wir haben nichts verändert, weil wir bis heute hofften, er würde wieder zurückfinden.“

„Und wie haben sie mit ihm Kontakt halten können?“ Rainer war erstaunt.

„Sie meinen wegen der Entziehungskuren? Das kam, weil wir mit dem Sozialamt in engem Kontakt standen. Wenn er wieder einmal aufgegriffen wurde, haben wir ihm einen Platz in einer Klinik besorgt. Meist wusste er nicht einmal, dass wir das getan haben.“

„Und die Krankenversicherung und das Sozialamt? Die haben doch die Kosten übernommen?“

Dieter Weber schüttelte den Kopf.

„Die Krankenversicherung hat ihm gekündigt, wegen schwerer Verstösse gegen den Vertrag, das können sie, das steht im Kleingedruckten.

Und das Sozialamt hat seine Zahlungen auch an Bedingungen geknüpft, welche unmöglich einzuhalten waren. Armin galt als Junkie ohne festen Wohnsitz, hatte demzufolge auch keine Anschrift und existierte für das Amt nicht mehr.

Die haben es sich alle sehr einfach gemacht,“ sagte Dieter bitter.

„Aber wer ist denn für die Kosten aufgekommen?“ Rainer sah die Pflegeeltern fragend an.

„Wir haben alles bezahlt. Erst mit unserem Ersparten, und dann haben wir einen Kredit aufgenommen und am Ende das Haus verpfändet.

Lange werden wir hier wohl nicht mehr wohnen können. Wir werden uns eine kleine Wohnung suchen müssen,“ erklärte Dieter.

„Und alles hat nichts genutzt.“ Gerda weinte leise.

„Komm, meine Liebste, wir werden das schon schaffen, wir haben es noch immer geschafft,“ versuchte Dieter seine Frau zu trösten.

„Und wie sollen wir ihm jetzt helfen? Ohne Geld? Was wird nun aus ihm?“

„Darf ich wissen, wie viel so eine Entziehungskur kostet? Ich habe keine Vorstellung davon.“

„Das letzte Mal waren es insgesamt fast Hunderttausend. Es war das letzte Geld, das wir hatten. Der Wagen und der Schmuck, alles ist schon weg. Die Hypothek auf das Haus ist geblieben.

Bei uns ist nichts mehr zu holen. Auch ein Teil meines Lohnes ist gepfändet und Gerda arbeitet im Supermarkt. So kommen wir knapp über die Runden.“

Zusammengesunken, hilflos und ohne Hoffnung sassen die beiden auf dem Sofa, schauten ins Leere, hielten sich aneinander geklammert.

Das hatte Rainer nicht erwartet. Er wollte doch nur Armins Pflegeeltern kennenlernen.

Und dann dies.

Die Trostlosigkeit nahm ihm die Sprache.

Minutenlang sassen die drei da, suchten eine Antwort auf all die Fragen, die zu stellen sie sich doch nicht trauten.

Dann räusperte sich Dieter, löste sich sanft von Gerda und schaute auf Rainer.

„Das ist unsere Geschichte. Ich hoffe, dass sie Armin nichts davon erzählen, wenn sie ihn das nächste Mal sehen.“

Es fiel dem alten Mann schwer, als er aufstand und sich durchstreckte.

„Herr Hagmann, wir danken ihnen für den Besuch. Bitte verstehen sie, dass wir jetzt alleine sein möchten.“

Rainer nickte nur. Gerda schien nichts davon mitzubekommen, sass nur da ohne sich zu rühren.

„Ich gebe ihnen noch meine Karte. Wenn irgendwas ist, wenn sie wissen wollen wie es Armin geht, oder wenn sonst ein Problem auftaucht, rufen sie mich an, jederzeit.“

Dieter nahm die Karte entgegen.

„Danke, ich bringe sie noch zur Tür.“

Rainer stand vor dem kleinen Haus und schaute zurück. Das war es also gewesen.

Seine Welt hatte sich schlagartig verändert, war nicht mehr dieselbe.

Familie von Lohberg

Hubertus Anton Sigmund von Lohberg schaute zufrieden aus dem Panoramafenster seines Büros im zwanzigsten Stockwerk auf die Stadt. Er war nur noch wenige Augenblicke von seinem grössten Triumph entfernt, der Unterschrift unter ein Vertragswerk von grosser Bedeutung in der Finanzwelt.

Er erinnerte sich an seinen Vater, der von ihm erwartete, dass er die Familientradition fortsetzen würde, eine Tradition, die dem Ansehen einer adligen Familie entsprach.

Die Bank gab es seit vielen Generationen und sie war eines der ältesten Bankinstitute des Landes.

Geschäftszahlen wurden keine veröffentlicht, so etwas war in diesen Kreisen verpönt. Über Geld sprach man nicht, man hatte es.

Sein Vater wäre stolz auf ihn, denn dieser Deal wäre nach seinem Geschmack gewesen.

Zwei Jahre hatte er darauf hingearbeitet. Zwei Jahre bis zum Durchbruch. Und nur noch die Unterschriften unter dem Vertrag fehlten.

In der Öffentlichkeit würde es als Fusion zweier gleichwertiger, renommierter Bankinstitute bekannt gegeben werden. Das Bankhaus von Lohberg aus Frankfurt fusioniert mit der Privatbank Heimberg aus Zürich.

Doch in der Finanzindustrie sah man es anders. Lohberg übernahm Heimberg, welche durch Fehlspekulationen gezwungen war, sich nach einem Partner umzusehen.

Die Lage war so ernst, dass das Bankhaus Lohberg die besseren Karten hatte und den Deal diktierte.

Durch Aktientausch würde Lohberg einundfünfzig Prozent halten, im Gegenzug aber nur fünfundzwanzig Prozent seiner Aktien abgeben, und dies auch nur, um in der Öffentlichkeit und bei den Kleinanlegern den Schein zu wahren.

Lächelnd verliess Hubertus Anton Sigmund von Lohberg sein Büro und wechselte hinüber ins Sitzungszimmer, um die Verträge zu unterzeichnen.

Der Chauffeur brachte den grossen Wagen vor dem Portal zum Stehen.

Das imposante Schloss der Familie von Lohberg wurde im achtzehnten Jahrhundert erbaut und war von weitläufigen Ländereien umgeben.

Der Fahrer öffnete die Türe des Bentley und von Lohberg ging die Stufen zum Eingang empor.

Ein Diener erwartete ihn, geleitete ihn hinein und nahm ihm seine Garderobe ab.

Im Salon wurde er von seiner Gemahlin, Antonia Roberta Tamara von Lohberg, erwartet.

„Schön dass du zurück bist, mein Liebster, hattest du Erfolg?“ Sie kam auf ihn zu und küsste ihn auf die Wange.

„Natürlich, hast du etwas anderes erwartet?“ fragte er und küsste sie.

„Wir haben nun eine Bank in der Schweiz, was wir uns schon immer gewünscht haben. Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Meine Familie hat schon lange darauf gewartet. Die Übernahme der Privatbank Heimberg in Zürich bietet auch der Weiach-Group die Möglichkeit in die Schweiz zu expandieren und eine Niederlassung zu eröffnen, was steuertechnisch grosse Vorteile haben kann.“

„Ihr plant die Verwaltung aus Hamburg abziehen und in die Schweiz zu verlegen? Müsstest du nicht erst die Eigentümerin fragen, denn das wird viele Arbeitsplätze kosten. Und was sagt der Hamburger Senat dazu?“

„Was soll er schon sagen? Dem Senat wird es auch weiterhin an nichts fehlen. Der Rest ist nicht unser Problem.

Lass uns jetzt auf den Erfolg anstossen.“

Er ging zur Hausbar und schenkte sich einen Single Malt ein.

„Du auch?“ fragte er seine Gemahlin.

„Noch zu früh, bitte erst einen Sherry.“

Hubertus hörte einen Wagen über das Kies fahren und schaute aus dem Fenster.

„Muss das sein? Ausgerechnet heute? Ausgerechnet jetzt?“

„Was ist denn? Wer ist gekommen?“ fragte seine Frau neugierig.

Er liess die Schultern sinken.

„Na wer wohl, Silke, natürlich. Erst hören wir monatelang nichts von ihr und dann taucht sie auf, ohne vorher etwas zu sagen. Womit habe ich das verdient?“ seufzte er.

„Das ist deine eigene Schuld, hättest du sie nicht so verzogen, hättest du heute eine brave, liebevolle Tochter, so wie du sie dir immer gewünscht hast.“

„Du hast ja recht, zum Glück ist ihr Bruder aus anderem Holz geschnitzt, der kommt nach mir und wird mein Erbe weiterführen.“

Antonia sagte nichts. Sie hatte gelernt, ihm in dieser Beziehung seine Illusionen zu lassen. Er würde noch früh genug auf dem Boden der Tatsachen landen.

„Hallo zusammen, alles klar bei euch? Oder habt ihr Stress damit, dass ich wieder einmal auftauche? Ihr habt jetzt lange genug Ruhe vor mir gehabt,“ lachte sie und schmiegte sich an ihren Vater.

Sie wusste, wenn er jetzt seine Arme um sie legte, hatte sie gewonnen und er würde ihr nur schwer etwas abschlagen können. Er legte seine Arme um sie.

„Ist Alexander hier? Oder kommt er noch?“

„Was willst du von deinem Bruder? Du kümmerst dich doch sonst nie um ihn,“ fragte ihre Mutter skeptisch.

„Darf man sich nicht einmal nach seinem Bruder erkundigen?“

„Doch, nur ist es bei dir nicht der Normalfall.“

Manchmal hatte Silke das Gefühl, dass ihre Mutter Antonia eifersüchtig auf sie war, weil sich ihr Vater immer so besorgt um sie zeigte.

Im Gegenzug vermutete sie, dass Alexander alles von seiner Mutter haben konnte, denn er verkörperte das, was man allgemein als guten Sohn bezeichnete.

„Und? Ist er nun da, oder nicht?“ wiederholte Silke ihre Frage.

„Er ist draussen bei den Pferden. Er hat für die beiden braunen Stuten einen Käufer gefunden und die Tiere werden heute abgeholt.“

„Habt ihr dann noch genügend Pferde für die Zucht?“ wollte Silke wissen, denn von allen Aktivitäten ihrer Familie, waren die Pferde ihr das Wichtigste.

Doch sie konnte nichts tun, ohne dass ihre Mutter oder ihr Bruder mitentscheiden würden.

Zumindest so lange, bis sie das Alter von 25 Jahren erreicht hatte.

Dann fiel die Schutzklausel in den Erbbestimmungen der Familie und sie konnte über ihr Erbe frei verfügen. Und das war eine beträchtliche Summe.

Ihre Urgrosseltern und Grosseltern waren alle Einzelkinder gewesen und hatten den ganzen Familienbesitz immer weiter vergrössert und dann weitervererbt.

Es waren Millionen, angelegt in Firmen, Beteiligungen, Werkpapieren, Kunst und das Gestüt. Dazu kamen Liegenschaften in vielen Ländern Europas.

Und das Meiste davon ging an die Enkelkinder Alexander Werner Daniel von Lohberg und Silke Theresa Gertrude von Lohberg

„Ich bin dann draussen bei Alexander.“

Silke löste sich aus der Umarmung ihres Vaters, drückte ihm einen Kuss auf die Wange und verschwand durch die offene Terrassentür.

„Was hat sie wohl jetzt wieder ausgeheckt? Wofür versucht sie diesmal ihren Bruder einzuspannen? Ich bin neugierig was geschieht, wenn sie demnächst fünfundzwanzig wird und über ihr Erbe verfügen kann.“

„Sie wird sich nicht ändern, sie wird so bleiben wie sie ist,“ sagte Hubertus von Lohberg.

„Also weiterhin sprunghaft und ein wenig verrückt? Das würde doch in deine Bank passen,“ lachte Antonia mit einem leicht sarkastischen Unterton in ihrer sonst so weichen Stimme.

Hubertus sah seine Frau an und zog die Augenbrauen hoch.

„Manchmal wundere ich mich, dass du und deine Tochter so verschieden seid.“

Antonia lächelte und sagt: „Das liegt wohl an deinen Genen.“

Dabei erinnerte sie sich an ihre Jugendzeit, die noch viel intensiver gewesen war als die ihrer Tochter, und über die ihre Familie einen Schleier des Schweigens gebreitet hatte. Was trotzdem an die Öffentlichkeit gedrungen war, stellte nur einen Bruchteil ihres skandalträchtigen Lebens dar und war immer noch genügend Stoff für die Boulevardpresse.

Deshalb schwieg sie meist zu den harmlosen Eskapaden ihrer Tochter. Sie hatte es gut getroffen mit Silke und Alexander. Sie war stolz auf ihre beiden Kinder, auch wenn sie es nicht immer zeigen konnte.

„Hallo Alexander“ rief Silke, als sie ihren Bruder im Stall sah. Dieser war überrascht sie zu sehen und strahlte über das ganze Gesicht.

„Silke.“ Er lief auf sie zu, schlang die Arme um sie und wirbelte sie herum.

„Schön, dass du endlich wieder da bist, ohne dich ist es hier kaum auszuhalten.“

Er stellte sie auf den Boden und küsste sie.

„Weisst du eigentlich, dass du der einzige Mann bist, der das mit mir machen darf?“

„Was denn? Das Herumschleudern oder das Küssen?“

„Beides,“ lachte sie und verstrubbelte ihm die dunkelblonden Haare. Dazu musste sie sich strecken, denn ihr Bruder war fast zwei Köpfe grösser als sie. Dann hängte sie sich bei ihm ein und zog ihn aus dem Stall zur grossen Koppel, dahin, wo die Zuchtpferde grasten.

„Alexander, ich habe von Mutter gehört, dass du die beiden Stuten verkaufen willst. Hast du dann noch genügend Pferde für die Zucht?“

„Ich werde in Irland zwei neue Stuten kaufen und zwei kommen aus Andalusien. Es wird Zeit, dass frisches Blut in die Zucht kommt. Unser neuer Deckhengst ist auch eine vielversprechende Investition in die Zukunft.“

„Aber dann haben wir keine Rassepferde mehr, das kann das Aus für die Zucht sein,“ meinte Silke besorgt.

„Nein, das scheint nur so, die vier Stuten sind gemäss Zuchtbüchern die ideale Ergänzung für uns und stammen alle aus einer adligen Reihe von Araberhengsten. Der Zuchtverband hat seine Einwilligung gegeben und wir sind alle gespannt auf den Nachwuchs.“

„Wenn das so ist, bin ich beruhigt. Ich glaube, dass die Pferdezucht nicht nur dein Hobby ist.“

Sie sah ihren grossen Bruder fragend an.

„Weiss Vater schon, dass du nicht in seine Fussstapfen treten willst? Ich sehe dich auch nicht als Banker, du bist dafür nicht gemacht.“

„Aber du vielleicht?“ lachte Alexander, „du würdest zuerst einmal alles auf den Kopf stellen und dich danach wundern, warum das nicht schon früher jemand gemacht hat.

Du würdest die erste private Sozialbank in der Finanzindustrie daraus machen.“

„Und was wäre so schlimm daran? Immer nur darauf aus zu sein, dass sich der Mammon vermehrt, und das auf Kosten anderer, das kann doch nicht Sinn und Zweck des Lebens sein?“

„Nein, das sollte es nicht. Aber in unseren Familien kennt man es nicht anders. Seit Generationen wird das Kapital vermehrt, auch wenn in der Zwischenzeit keiner weiss, was er mit so viel Geld anfangen soll.

Es ist so viel, dass du, wenn du es den ganzen Tag mit vollen Händen ausgibst, am Ende des Tages trotzdem reicher geworden bist. Die einzige Möglichkeit das Vermögen zu verkleinern, ist, wenn du das Meiste verschenkst.

Und dabei wird unweigerlich das Problem auftauchen, an wen?“

Nachdenklich schaute Silke auf ihren grossen Bruder.

„So habe ich das noch nie gesehen, du hast recht, das wäre ein Problem. Ich wüsste auch nicht, an wen ich das Geld verschenken sollte. An gemeinnützige Institutionen? An Stiftungen, oder selbst eine gründen? Und wer kontrolliert, dass sich dabei nicht wieder einzelne Individuen bereichern?

Ich bin im Moment echt frustriert, weil ich dazu keine Lösung habe.“

„Und dann kommt noch dazu, dass es auch Arbeit ist, Geld loszuwerden. Nicht eben einfach, kleine Schwester.“

Sie lehnten an der Umzäunung und hingen ihren Gedanken nach.

„Ausser, dass du mir den Bankenjob ausreden willst, du bist doch aus einem anderen Grund hier. Was ist es diesmal, Schwesterherz?“

„Erwischt, dir kann ich eben nichts vormachen.“

„Dann erzähl mal.“

„Alexander, dein Freund Gerhard von Stein war doch ein Junkie wie aus dem Bilderbuch. Heute führt er das Familienunternehmen und ist sehr erfolgreich. Wie ist er von der Sucht weggekommen?“

Alexander schaute erstaunt auf seine Schwester.

„Hast du dich etwa in einen Junkie verliebt? Oder warum willst du das wissen?“

„Es geht um einen unserer Mitbewohner.

Als Junge hat er seine Familie verloren und hat das nie richtig überwunden. Er ist in die Drogen abgerutscht und hat schon mehrere Entziehungskuren hinter sich. Es hat alles nichts gebracht.

Und dann habe ich gedacht, dass du einen Rat weisst, du hast das ja auch mitgemacht.“

„Dir liegt etwas an dem Jungen?“

„Nicht so wie du denkst. Er ist der beste Freund von Rainer, und der bedeutet mir viel, mehr als ich mir bisher eingestehen wollte.“

„Und du hast ihm natürlich nichts gesagt, so wie ich dich kenne. Immer cool bleiben und keine Schwäche zeigen, typisch meine kleine Schwester. Doch das kann auf Dauer nicht funktionieren, das weisst du.“

Silke schmiegte sich an ihren grossen Bruder.

„Dann sag mir, was ich machen soll.“

Rainers Dilemma

„Hallo Annette, bist du alleine? Ist Silke nicht hier?“

„Nein, sie ist zu ihren Eltern gefahren, wird wohl ein paar Tage bleiben. Und was hast du Neues zu erzählen? Wie war es auf der Polizei und bei den Pflegeeltern von Armin?