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Eine lange erotische Kurzgeschichte in der es eigentlich mehr um Liebe als um Sex geht - obwohl verdammt viel Sex vorkommt. Die beiden lernen sich kennen, die beiden kommen zusammen, weil sie die Initiative übernimmt... und dann er. Lesenswert weil anders!
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Seitenzahl: 80
Veröffentlichungsjahr: 2013
Claudio Cabra
Die zweite Nacht
Erotische Geschichte eines Paares
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Kapitel 1
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Stunden später
Wieder zurück im Heute
Jahre später
Impressum neobooks
Die zweite Nacht
von
C. Cabra
Die beiden saßen in einem Straßenlokal und genossen – inzwischen mehr oder weniger schweigend - das noch warme Spätnachmittagslicht eines schönen Herbsttages, das ihnen in die Gesichter schien.
Es war ruhig - Menschen flanierten am Café vorbei. Trotz des schönen Wetters waren nur noch wenige Tische besetzt, der Straßenverkehr war an diesem Sonntagnachmittag ausnehmend gering und kaum zu vernehmen. Einzig ein paar Kinder spielten raschelnd im herabgefallenen Laub, aber auch die waren nicht besonders laut.
Er hatte einen Gimlet („mit wenig Wodka“) vor sich stehen, sie einen großen Milchcafé. Ab und zu griff er nach ihrer Hand oder sie nach seiner, dann schauten sie sich an, lächelten sich an. Sie gaben das Bild eines glücklichen Paares ab: Ein bisschen älter schon, aber immer noch ineinander verliebt.
Die Kellnerin kam an ihren Tisch, schob DIE ZEIT, die er gelesen hatte, und die Zeitschrift PHYSICAL REVIEW D, in der sie geblättert hatte, ein wenig zur Seite und tauschte den von ihr benutzen gegen einen sauberen Aschenbecher. Schließlich fragte sie, ob alles OK sei…
„Ja, ja“, lächelte er die Kellnerin an, „alles wunderbar! Bei dem Wetter…“. Die Kellnerin nickte und wandte sich anderen Gästen zu. Er schloß die Augen und wandte sein Gesicht wieder der Nachmittagssonne zu.
Nach einer Weile öffnete er die Augen wieder, schaute sie an und fragte „Wie lange ist das jetzt her?“.
„Was? Dass wir uns hier kennen gelernt haben?“
Er nickte. Sie blickte versonnen auf seine dunklen Haare, die an den Schläfen in letzter Zeit ein wenig grau geworden waren. Früher hatte er den Kopf voll dicker fast schwarzer Haare gehabt. Sie hatte seine vollen Haare immer gemocht. Er trug sie jetzt kürzer, jugendlicher - trotzdem, er war älter geworden.
„Zehn Jahre“, antwortete sie, „genau 3653 Tage… weißt du noch, wie wir uns kennen gelernt haben?“
„Natürlich. Da drüben.“ Er nickte in Richtung schräg über die Straße, „wieso 3653 Tage?“
„Zehn Jahre inklusive drei Schaltjahre…“
Er nickte, „Ach so, ja klar… mit drei Schaltjahren!“
„Eben. Da, wo jetzt der Obstladen ist, war ein Café. Wie hieß es noch?“
„Keine Ahnung, weiß ich auch nicht mehr, wirklich nicht“, musste er zugeben.
„Es stimmt sogar fast auf die Minute genau… es war Nachmittag“, sagte sie mit leichtem Tadel in der Stimme, den sie aber nicht so meinte „als ob du das nicht wüsstest. Aber da war es.“
„Ja, genau. Da habe ich dich das erste Mal gesehen – am Nachmittag! Du warst eine so schöne Frau, ich konnte nicht ablassen von dir, mit den Augen, meine ich.“
Er schaute sie wieder an. Er schaute sie gerne an. Er war stolz auf sie. Sie sah immer noch sehr gut aus: Schön und elegant, sehr gepflegt, immer schick angezogen, selbst in Jeans hatte sie „Klasse“. Sie war jetzt 60 und nicht mehr gertenschlank, eigentlich wäre „schlank“ ja schon ein sehr großes Kompliment für sie. Sie war eher ein bisschen üppig – aber nur ein bisschen: Großer Busen und Po, das gefiel ihm.
Er fand sie schöner denn je. Ihre Figur war deutlich fraulicher geworden - aber viel jugendlicher als es ihrem Alter entsprach.
Die Frisur hatte sie seit damals nicht sehr verändert. Auch sie trug die Haare kurz – die auf dem Kopf. Ansonsten hatte sie ja keine Haare am Körper, dachte er verliebt und schmunzelte bei dem Gedanken.
Sie sah es und fragte „Woran denkst du?“
Er schüttelte lächelnd den Kopf „Ach, nichts Besonderes…. Du bist es immer noch, schön, meine ich“, lächelte er sie an.
Sie wusste, dass er sie liebte. Wie damals. Mindestens so. Er lehnte sich wieder in seinen Stuhl zurück und blickte versonnen über die Straße, ihr Blick folgte seinem.
Er kam in das Café, sah sich um und wählte einen Platz am Fenster, da hatte er die Straße ebenso im Blick wie das Lokal. Das Café war nicht besonders gemütlich eingerichtet, aber es lag günstig in der Innenstadt, hier traf man sich häufig für eine kurze Besprechung oder um jemanden zu treffen. Der Kuchen war nichts Besonderes. Trotzdem, hierher kam er manchmal, um ein wenig zu arbeiten – um rauszukommen aus seiner „Bude“, wie heute, da hatte er einfach das Gefühl, sein Arbeitszimmer sei zu eng… Also war er in das Café gegangen.
Es war Nachmittag, die Sonne schien durch die Fenster in das Lokal und machte ein schönes warmes Licht, trotz der einfachen Einrichtung war es gemütlich.
Außer ihm waren nur wenige Leute da. Er sah sie der Reihe nach an. Da waren drei Schüler in der hinteren Ecke, die Cola tranken und rauchten. Sie glucksten laut über dreckige Witze und fanden sich und die Welt einfach cool. Aber die Welt um sie herum interessierte sie nicht weiter. Sie hatten genug mit sich zu tun.
Dann war da eine ältere Frau. Sie saß weiter hinten vor einem Kännchen Kaffee und schaute häufig auf die Uhr. Sie hatte sich sehr hübsch gemacht – nicht ganz nach der aktuellen Mode, hatte sich aber ganz offenbar herausgeputzt – für jemand anders? Sie wartete wohl auf eine Verabredung, die aber nicht kam. „Armes Mädchen“, dachte er.
Weiter hinten saß ein älterer Mann, der in einer Zeitschrift blätterte. Er hatte eine Flasche Bier vor sich stehen und trank ab und zu einen kleinen Schluck. Er legte den Kopf dabei weit in den Nacken und kippte das Glas mit einer schnellen Bewegung über seinen Mund. Danach wischte er sich imaginären Schaum mit dem Handrücken vom Mund. Zum Bier hatte er einen Doppelkorn bestellt. Offenbar hatte auch er seinen „guten Anzug“ angezogen. Er wirkte irgendwie verkleidet. Seine großen Hände ließen eher an einen Arbeiter denken, als an einen Manager. Nein, der blaue Anzug passte nicht zu ihm.
Als die dralle Kellnerin mit dem weißen Schürzchen über dem sich gefährlich spannenden schwarzen Rock zum zweiten Mal und diesmal etwas lauter nach seinem Wunsch fragte, begriff er erst, dass sie neben ihm stand und dass er gemeint war. Er erwachte aus seinem Tagtraum, zuckte leicht zusammen und schaute sie erst entschuldigend an, dann bestellte schließlich einen doppelten Bitter Lemon. Er hatte Durst, denn draußen war es warm und er war ein gutes Stück durch die Stadt gegangen.
Als die Kellnerin ihn wieder verlassen hatte, bückte er sich nach seiner alten abgewetzten Ledertasche (die auch so aussah – alt nämlich), hob sie auf den Schoß, öffnete die beiden Verschlüsse und nahm ein mehrseitiges Manuskript und einen Stift heraus, die er vor sich auf den Tisch legte. Er wollte einen Artikel Korrektur lesen. Dann stellte er die Tasche wieder unter dem Tisch ab.
Die Kellnerin brachte ihm sein Getränk, er dankte ihr mit einem Kopfnicken, füllte sein Glas und genehmigte sich einen großen Schluck. Der bittere Geschmack zog seinen Mund zusammen, die Kühle erfrischte ihn. Fast hätte er laut „aaahh“ gesagt und sich den Mund mit dem Handrücken abgewischt. Er grinste bei dem Gedanken, sich selbst ertappt zu haben, in sich hinein.
Als er das Glas wieder hingestellt hatte und nach dem Manuskript griff, öffnete sich die Tür und ein Mann so um die 40 kam herein. Er blickte sich um und wählte einen Tisch in Fensternähe. Er trug Jeans, ein Poloshirt und Turnschuhe.
„Zu jung“, dachte er, „Deine Kleidung ist einfach zu jung für Dich; du bist mindestens 45... und dein Bauch hängt über der Hose, nee, das ist nix für dich.“
Der andere schaute sich um, sah kurz auf die Uhr und rief dann nach der Kellnerin, bestellte ein Glas Wein und ein Glas Wasser.
Er konzentrierte sich wieder auf sein Manuskript. Er fand es eigentlich ganz gut; aber irgendwie war es noch nicht perfekt. Er korrigierte hier ein Wort, da stellte er einen Satz um und strich dort etwas aus. An einer Stelle strich er einen ganzen Paragraphen raus, drehte das Blatt um und schrieb mit der Hand konzentriert einen neuen Paragraphen.
Zwischendurch griff er ohne hoch zu schauen nach seinem Glas und trank einen weiteren großen Schluck. Er erschrak fast, als das Glas leer war. Er drehte sich nach der Kellnerin um, die gelangweilt in der Tür stand und den Verkehr beobachtete. „Fräulein“, rief er und hielt dabei das Glas hoch, „kann ich bitte noch einen haben.“
Dann schaute er sich im Lokal um. Die Schüler waren jetzt ruhig und zwei von ihnen schrieben offenbar vom dritten etwas ab. Die ältere Frau saß immer noch allein da. Sie schaute jetzt trauriger. Sie aß ein Stück Torte. „Süß soll ja trösten“, dachte er. Sie tat ihm leid.
Er sah zu dem anderen Mann am Fenster. Der war jetzt nicht mehr allein. „Nanu“, dachte er, als er die Frau neben ihm bemerkte, „wo kommt die denn plötzlich her?“ Sie musste gekommen sein, als er konzentriert gearbeitet hatte, er hatte sie weder kommen hören noch gesehen.
Er legte das Manuskript langsam auf den Tisch, den Stift daneben. „Die sieht aber nett aus“, dachte er.
Er schaute genau zu ihr hin. Sie war klein - aber sehr proper gebaut. Und sie sah nett aus – sie hatte ein freundliches Gesicht mit einer – wie er fand – ganz bezaubernden Nase. Die Haare waren rotblond – viel Blond, etwas Rot. Sie trug sie kurz geschnitten – asymmetrisch, auf einer Seite hingen ihr etwas längere Haarsträhnen neckisch ins Gesicht, insgesamt aber kürzer, als Frauen sie normalerweise haben. „Nette Frisur“, dachte er; denn er mochte Frauen mit kurzen Haaren, „Mädchen, du hast Klasse“.
