Dr. Brinkmeier Staffel 1 – Arztroman - Sissi Merz - E-Book

Dr. Brinkmeier Staffel 1 – Arztroman E-Book

Sissi Merz

0,0
21,99 €

Beschreibung

Dr. Max Brinkmeier besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten. Dennoch ist er, der lange Jahre erfolgreich in Afrika praktiziert hat und dort so viele Menschenleben retten konnte, einen Augenblick ratlos, als ihn der Hilferuf von daheim erreicht. Sein Vater, der in einem kleinen bayerischen Bergdorf als Landarzt mit ebenso großem Geschick jahrzehntelang tätig gewesen ist, kann die heimatliche Praxis nach einer Herzattacke nicht länger weiterführen. Max war damals nicht ganz im Frieden von zu Hause geschieden, und jetzt überlagern sich bei ihm verschiedene existentielle Gefühle. In Afrika hat er eine wirkliche Lebensaufgabe gefunden. In der Heimat wird er dringend benötigt. Die Ärztin, der seine große Liebe gilt, wirkt mit ihm gemeinsam auf der Missionsstation und ist inzwischen fest verwurzelt auf dem afrikanischen Kontinent. Dr. Max Brinkmeier muß sich entscheiden – und Sie erwartet die spannendste, gefühlvollste Arztromanserie! Die beliebte Schriftstellerin Sissi Merz erreicht in diesen eindrucksvollen Romanen den Höhepunkt ihres Schaffens. E-Book 1: Eine schicksalshafte Entscheidung E-Book 2: Die geheimnisvolle Patientin E-Book 3: Die Nacht, als Annemarie verschwand E-Book 4: Das Drama um Lisa E-Book 5: Notruf in der Nacht E-Book 6: Ein kleines Herz voller Sehnsucht E-Book 7: Rätsel um die alte Schuld E-Book 8: Mein Leben in deiner Hand E-Book 9: Ihre geheimnisvolle Tochter E-Book 10: Bezaubernder Schutzengel

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 1269

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0



Inhalt

Eine schicksalshafte Entscheidung

Die geheimnisvolle Patientin

Die Nacht, als Annemarie verschwand

Das Drama um Lisa

Notruf in der Nacht

Ein kleines Herz voller Sehnsucht

Rätsel um die alte Schuld

Mein Leben in deiner Hand

Ihre geheimnisvolle Tochter

Bezaubernder Schutzengel

Dr. Brinkmeier – Staffel 1–

E-Book 1 - 10

Sissi Merz

Eine schicksalshafte Entscheidung

Golden ging die Maisonne über dem Tal von Wildenberg auf, und ihre Strahlen schienen auf den traditionsreichen Höfen und in den schönen Häusern des Ortes das Leben aufs neue zu erwecken. Freilich waren die Menschen in dem kleinen Dorf unweit von Berchtesgaden schon längst auf den Beinen, fleißige Hände regten sich auf den Höfen, der Milchwagen machte seine Runde, und Alois Burgmüller betrat bester Laune das Eßzimmer des imposanten Erbhofes, der sich bereits seit vier Generationen im Besitz seiner Familie befand. Der Burgmüller war ein gestandenes Mannsbild von fünfzig Jahren. Er hielt sich selbst zugute, daß die Damenwelt ihn noch längst nicht verschmähte. Seit ein paar Jahren war er nun verwitwet und manchem Flirt nicht abgeneigt. Vor allem Anna Stadler, die Apothekerin von Wildenberg, ging ihm nicht aus dem Sinn. Daß sie weitaus jünger war als er, störte ihn dabei ebenso wenig wie die Tatsache, daß er sich bislang stets einen Korb eingefangen hatte, wenn er mal aufs Ganze ging. Aber Alois war keiner, der schnell aufgab. Er zwirbelte seinen kecken Schnauzbart und spielte nur zu gerne den Charmeur.

»Morgen, Vater. Der Viehdoktor kann jeden Moment kommen, ich werde rasch eine Semmel im Stehen essen.« Das war Tobias, Alois’ Sohn und Jungbauer auf dem Erbhof. Er hatte wenig Ähnlichkeit mit dem Alten, kam ganz nach seiner seligen Mutter. Nicht nur wegen des dunklen Haares und der ruhigen, grauen Augen glich er der verstorbenen Christel Burgmüller. Auch im Wesen war er seiner Mutter ähnlich; ein stiller, kluger Bursch, mit dem man eigentlich gar keinen Streit bekommen konnte, es sei denn, man strengte sich sehr an. Die cholerischen Anfälle seines Vaters nahm er mit stoischer Gelassenheit hin.

»Setz dich, das ist doch keine Art und Weise«, wies Alois ihn nun streng zurecht. »Der Viehdoktor wird den Weg zum Stall auch allein finden, ist ja net das erste Mal. Und wo unser Klingelstrang hängt, dürfte ihm auch bekannt sein.«

Evi, Tobias’ jüngere Schwester, kam ins Zimmer gewirbelt und fragte munter: »Hast schlechte Laune, Vaterl? Ich dachte, du gehst nachher zum Doktor. Darauf freust dich doch neuerdings immer so arg.« Sie grinste frech, wobei kleine Grübchen in ihren Wangen erschienen und ihre tiefblauen Augen schalkhaft zu blitzen begannen. »Und nachher mit dem Rezept zur Stadlerin...«

Alois verzog leicht den Mund, sein Blick blieb allerdings nachsichtig. Er konnte seiner Jüngeren einfach nicht böse sein, sie war sein Herzenskind. »Sei net so vorlaut, das gehört sich nicht«, rügte er halbherzig. »Übrigens hab ich eine blendende Laune gehabt, bevor ihr zwei so eine Hektik in die Stube gebracht habt. Ihr wißt, das vertrage ich net.«

»Frag halt einmal den Doktor, ob er dir noch was gegen nervöse Magenbeschwerden aufschreibt«, riet Evi ihm vorlaut und stopfte sich ein Stück Semmel in den Mund, um es mit Kaffee herunterzuspülen. Tobias schüttelte leicht den Kopf, in diesem Moment fuhr ein Jeep im Wirtschaftshof vor.

»Das wird der Viehdoktor sein, ich muß.«

»Was ist denn wieder los? Kannst net einmal in Ruhe was essen?« wunderte Evi sich. »Du übertreibst es, Tobi.«

»Die Lissy kriegt ihr erstes Kalb – und das liegt falsch. Ich werde dem Doktor helfen müssen«, erklärte dieser knapp und verließ dann mit raschem Schritt die Stube.

»Findest net, daß der Tobi es langsamer angehen lassen sollte, Vaterl?« fragte das Madl. »Er ist in letzter Zeit so hektisch.«

»Er hat halt viel zu tun. Warte nur ab, wennst selbst erwachsen bist, wirst sehen, wie das ist. Wenn man Verantwortung übernimmt, muß man sich auch anstrengen.« Alois war ganz zufrieden mit seinem gewissenhaften Sohn. Seit er Tobias den Hof übergeben hatte, blieb ihm mehr Zeit für die Viehhandlung, die er vor zwanzig Jahren aus dem Nichts aufgebaut hatte. Und vor allem für die Geschaftelhuberei in der Kommunalpolitik. Seit sechs Jahren war Alois nun Bürgermeister von Wildenberg, und es passierte im Tal so schnell nichts, ohne daß er es erfuhr.

»Was heißt das, wennst erwachsen bist? Ich bin längst erwachsen, bin letzten Monat achtzehn geworden!« erinnerte das Madl seinen Vater mit Nachdruck. »Also behandele mich bitt schön nicht wie ein kleines Madl!«

»Oh, Verzeihung, ich hatte ganz vergessen, daß du schon so alt und weise bist, mein Fräulein«, spöttelte Alois, woraufhin Evi den Rest ihrer Semmel in den Mund steckte und dann erbost aus der Stube rauschte. »Kinder«, seufzte der Burgmüller. »Die werden eben niemals erwachsen, net wahr, Christel?« Er warf einen langen Blick auf das gerahmte Foto seiner Frau, das auf der Anrichte seinen Platz gefunden hatte. Eine Schönheit war sie gewesen, seine Christel. Groß und schlank, mit weichen, dunklen Haarwellen und einem ebenmäßigen Gesicht. Wie eine Königin hatte sie seinerzeit Einzug gehalten auf dem Burgmüllerhof. Restlos glücklich hatte sie Alois gemacht. Und als er sie viel zu früh hatte hergeben müssen, da war ihm fast das Herz gebrochen.

Der Bürgermeister von Wildenberg gab sich einen Ruck und stand ebenfalls auf. Es hatte keinen Sinn, der Vergangenheit nachzuhängen, das war immer seine Meinung gewesen. Er dachte lieber ans Hier und Jetzt. Und auch ein wenig an die Zukunft. Ein schmales Lächeln zeigte sich auf seinem markanten Gesicht, während er seinen Schnauz zwirbelte. Denn so ganz unrecht hatte Evi nicht gehabt. Im Grunde ging der Burgmüller in letzter Zeit nur deshalb regelmäßig zum Doktor Brinkmeier, weil er danach in der Rosenapotheke vorbeischauen konnte. Und er freute sich jedes Mal, die schöne Anna Stadler zu sehen. Vielleicht hatte er an diesem Tag ja ein wenig mehr Glück und sie zeigte ihm nicht gleich wieder die kalte Schulter wie sonst immer...

*

Dr. Josef Brinkmeier war nun seit über dreißig Jahren Landarzt in Wildenberg. Der Mediziner stammte aus dem Tal, er war hier fest verwurzelt und kannte all seine Patienten beim Vornamen. Und manch einen von denen, die nun selbst schon Nachwuchs ihr eigen nannten, hatte er seinerzeit auf die Welt geholt. Der Landarzt war in die Jahre gekommen, hatte die Pensionsgrenze bereits überschritten. Doch er hielt sich gerade, war ein Mannsbild, das noch immer Respekt einflößte. Bei den Wildenbergern genoß er hohes Ansehen und war ebenso beliebt wie vertraut. Daß Josef nicht mehr ganz so auf dem Damm war, wie er es eigentlich sein sollte, um sein Pensum zu schaffen, wußte kaum einer. Seit ein paar Jahren machte sein Herz nicht mehr mit, oft litt er unter Wetterwechseln und lag dann nächtelang wach. Gab es in einer solchen Situation einen Notfall, bedeutete dies eine besonders hohe Belastung für den Landarzt. Außer seiner Hauserin Afra, die das verwitwete Mannsbild versorgte, und der Sprechstundenhilfe Christel Brenner ahnte niemand, daß Dr. Brinkmeier in letzter Zeit immer größere Probleme hatte, seine Arbeit zu bewältigen. Die patente Christel hatte ihm bereits geraten, sich nach einem Nachfolger umzuschauen. Aber davon mochte Josef Brinkmeier nichts wissen. Und das aus einem ganz bestimmten Grund. Während der Landarzt seine Hausbesuche machte, schweiften seine Gedanken manchmal in die Vergangenheit ab. In letzter Zeit geschah dies häufiger, vielleicht weil es ihm gesundheitlich immer schlechter ging und er keine Möglichkeit sah, kürzerzutreten. Hätten die Dinge sich so entwickelt, wie er es sich seinerzeit gewünscht hatte, dann könnte er nun im Lehnstuhl sitzen und seinen Lebensabend in Ruhe genießen. Doch es hatte nicht sollen sein...

Zenzi und Johannes Brinkmeier waren sehr stolz gewesen, als ihr Jüngster, Josef, in die Stadt gegangen war, um zu studieren. Und als er heimkam, sich als Landarzt in Wildenberg niederließ, da hoffte er selbst, damit eine Tradition zu begründen. Er heiratete die schöne Walburga Gönnerwein, die ihm zwei Söhne schenkte und ihm immer eine gute Frau gewesen war. Vor ein paar Jahren war sie ganz plötzlich gestorben und hatte eine große Lücke in seinem Leben hinterlassen. Oft dachte er nun an die schönen gemeinsamen Jahre zurück, die viel zu rasch vergangen waren. Lukas, sein Jüngerer, hatte den Brinkmeierhof übernommen. Er war fleißig und wirtschaftete geschickt, doch menschlich konnte Josef nicht viel mit seinem zweiten Sohn anfangen. Lukas war sehr verschlossen, ein Eigenbrötler, der sich noch nicht hatte entscheiden können, zu heiraten. Nun, da der Bauer bereits Mitte Dreißig war, meinte sein Vater, daß sich daran wohl auch nichts mehr ändern würde. Wer in der nächsten Generation den Erbhof führen sollte, stand in den Sternen. Ebenso verhielt es sich mit seiner Arztpraxis. Obwohl Max, sein älterer Sohn, Medizin studiert hatte, war doch nicht daran zu denken, daß er einst ins Doktorhaus von Wildenberg einzog. Der anfängliche Stolz des Alten darauf, daß sein Sohn die Tradition fortführen wollte, war bald Ernüchterung gewichen. Max hatte sich während des Studiums in München in eine Mitstudentin verliebt und war mit ihr nach Afrika in die Entwicklungshilfe gegangen. Zuerst hatte Josef das gar nicht glauben wollen, ja, es war ihm fast wie ein schlechter Scherz erschienen. Schwere Vorwürfe hatte er Max dann gemacht, hatte ihm Untreue und Egoismus vorgeworfen, was der junge Brinkmeier sich freilich nicht hatte gefallen lassen. Ein häßlicher Kleinkrieg war entbrannt, bis Max schließlich zornig und enttäuscht über das Unverständnis seines Vaters die Koffer gepackt und Wildenberg verlassen hatte.

Zehn Jahre war das nun her, und seitdem bestand kaum noch Kontakt zwischen Vater und Sohn. Sporadisch schrieben sie sich, meist zu Weihnachten oder zum Geburtstag. Christel Brenner, die fast zur Familie gehörte, weil sie von Anfang an in der Praxis des alten Brinkmeier angestellt war, hielt telefonisch Kontakt zu Max, den sie in ihr mütterlich schlagendes Herz geschlossen hatte. Sie wünschte sich im stillen, daß Max eines Tages doch heimkommen würde. Aber sie wußte auch, daß der Mediziner in der Missionsstation in Ruanda seine Lebensaufgabe gefunden hatte und dort glücklich war. Für Josef zählte das nicht. Er war verbittert und fühlte sich im Stich gelassen.

Gegen Mittag kehrte der Landarzt von seinen Hausbesuchen im Tal zurück und legte sich erst einmal kurz nieder. Afra, die Hauserin, brachte ihm eine Tasse Kaffee und meinte: »Trink das, Doktor, wird dich ein bisserl aufmöbeln. Essen gibt’s in einer halben Stund. Soll ich dir die Tropfen holen?«

»Net nötig, es geht schon.« Josef trank ein paar Schlucke Kaffee und ließ sich dann kraftlos niedersinken. In seinem markanten Gesicht lag ein deutlicher Ausdruck von Müdigkeit und Überanstrengung. Afra, hinter deren rauher Schale ein butterweicher Kern saß, mahnte: »Du mutest dir zu viel zu, Doktor. Mach halt die Praxis mal eine Wochen, oder zwei zu und fahr ein bisserl weg. Jetzt ist das Wetter schön, da könntest wunderbar ausspannen. Oder quartier dich für eine Weile beim Lukas ein. Auf dem Hof hast auch deinen Frieden. Keiner kann immer nur arbeiten. Und der Jüngste bist auch nimmer!«

»Mei, Afra, wenn das so einfach wäre. Wer soll mich denn in der Zeit vertreten? Wer soll sich um die Kranken kümmern?«

»Was weiß ich«, murrte das alte Weibel unwillig. »Ich weiß nur eins: Wer stets an die anderen denkt, der vergißt am End sich selbst. Und das kann net guttun. Hochwürden sagt, man muß arbeiten und ruhen!« Sie nickte nachdrücklich. Dominik Hirtner, der Geistliche von Wildenberg, war für Afra die höchste Instanz.

»Mei, da mag Hochwürden recht haben. Aber eine Vertretung für mich wird er auch net aus dem Ärmel schütteln können«, seufzte der Landarzt und schloß die Augen.

Afra schüttelte ärgerlich den Kopf, dann verschwand sie wieder in ihrer Küche. Josef Brinkmeier war aber auch ein Sturschädel, wie er im Buche stand...

Der Landarzt machte ein kurzes Nickerchen und fühlte sich danach wieder einigermaßen gut. Als Afra zum Mittagsmahl rief, erhob er sich aber doch ein wenig schwerfällig. Sein Blick fiel auf die drei Fotos, die ihm gegenüber an der Wand hingen. Das mittlere zeigte seine verstorbene Frau Walburga. Zu beiden Seiten hingen Porträts von Max und Lukas. Die Brüder sahen einander kaum ähnlich. Während Max nach dem Vater kam mit dem sandblonden Haar und den grau-blauen Augen, war Lukas ein dunkler Typ. Er hatte das braune Haar und die samtbraunen Augen von der Mutter geerbt. Beide waren sie fesche Mannsbilder. Doch sie waren nicht so geraten, wie Josef es sich gewünscht hätte...

Nach dem Mittagessen verließ Dr. Brinkmeier seine Wohnung im ersten Stock des Doktorhauses und ging hinunter in die Praxis. Christel Brenner war schon da und damit beschäftigt, die Patientendatei zu aktualisieren. Vor einiger Zeit hatte Josef sich auf Drängen der Krankenkasse einen Computer angeschafft. Daß heutzutage alles elektronisch gemacht werden mußte, ging ihm zuwider, er sah den Neuerwerb als pure Geldverschwendung. Doch Christel hatte sich erstaunlich schnell mit dem neuen Medium angefreundet. Gerade flogen ihre Finger nur so über die Tastatur, und sie begrüßte ihren Chef freundlich, ohne die Arbeit zu unterbrechen.

»Mei, Christel, du gehst mit der Zeit«, lobte dieser. »Mir ist das Ganze suspekt. Aber das liegt wohl am Alter, net wahr? Wer ist denn für heut angemeldet?«

Die patente Sprechstundenhilfe mit dem kurzen Graukopf und den lustig blitzenden Augen winkte ab. »Die fünfzig hab ich schon hinter mir, ein junger Hüpfer bin ich fei nimmer. Aber so schwer ist das mit dem Computer auch wieder net. Setz dich halt her zu mir, Doktor, dann bring ich es dir ganz schnell bei.«

»Das fehlte noch«, lachte der Brinkmeier. »Ich bleib lieber bei meinen Leisten. Von dem neumodischen Graffel mag ich nix wissen. Dafür bist du zuständig, Christel.«

Sie schmunzelte. »Wie du meinst, Doktor. Also, als Erster steht der Burgmüller auf der Listen. Er sagt, er fühlt sich net so recht in letzter Zeit und hat Schmerzen in den Gelenken.«

»Die hab ich auch«, brummte Josef. »Der Alois entwickelt sich allmählich zum Hypochonder. Und das alles nur, damit er die Stadlerin öfter zu Gesicht bekommt.«

»Die Anna ist vernünftig, die will von dem alten Charmeur nix wissen«, meinte Christel Brenner überzeugt. »Danach kommt der Harlinger wegen seiner Bandscheibe. Der Bichler hat Magenprobleme und... Ach, ich geb dir die Listen, Chef, kannst selbst schauen. Sonst werde ich mit meiner Arbeit da net fertig, bevor die ersten Patienten erscheinen.«

Dr. Brinkmeier nahm das Blatt und wollte sich abwenden, als er unvermittelt einen leisen Schmerzenslaut von sich gab. Die Sprechstundenhilfe wurde sofort aufmerksam. Sie erhob sich und trat neben den Doktor. Gleich sah sie, daß er blaß geworden war. Schweißperlen zeigten sich auf seiner Stirn und sein Atem war unregelmäßig. Christel kannte diese Warnzeichen, sie traten nicht zum ersten Mal auf. In letzter Zeit aber immer öfter.

»Setz dich einen Moment hin, Doktor, ich hole deine Tropfen«, bat sie behutsam und bugsierte den Landarzt auf einen Stuhl. Dieser ließ sich die Behandlung gefallen, denn er fühlte sich hundeelend. Nachdem er sein Medikament geschluckt hatte, ging es ihm langsam besser.

Christel schaute ihn ernst an. »Es geht wieder, gelt? Hast ein bisserl Farbe angenommen. Aber ich glaub, es wäre besser, die Sprechstunde heut net abzuhalten. Und wennst mich fragst, hole ich den Doktor Haselbeck aus Schlehbusch, damit er dich mal gründlich untersuchen kann, Chef.«

»Nix, das ist net nötig.« Er stand langsam auf.

»Ich halte die Sprechstunde ab wie jeden Tag seit über dreißig Jahren. Da laß ich mir nix nachsagen. Zum alten Eisen gehör ich fei noch net.«

»Aber...« Die Sprechstundenhilfe schüttelte ärgerlich den Kopf, als Dr. Brinkmeier im Behandlungszimmer verschwand. Er war einfach unbelehrbar! Bei seinen Patienten hatte er stets den richtigen Rat, die korrekte Behandlung parat. Aber wenn es um ihn selbst ging, dann schien sich sein gesunder Menschenverstand einfach auszuschalten. Oder war es Trotz, daß er so reagierte? Christel hatte keine Zeit mehr, sich darüber Gedanken zu machen, denn der erste Patient betrat eben die Praxis. Trotzdem war ihr das Herz schwer vor Sorge. Sie kannte Josef Brinkmeier ihr Leben lang. Sie hatte die Geburt seiner Kinder miterlebt, den Tod seiner Frau. Sie wußte sehr genau über den Landarzt Bescheid, in manchem vielleicht besser als er selbst. Seit Max fort war, hatte er an der Enttäuschung zu knabbern, die ihn stur und unbelehrbar gemacht hatte. Statt sich mit den Gegebenheiten abzufinden, wollte er offenbar dem Schicksal trotzen. Und daß er dadurch über kurz oder lang in eine Katastrophe schlittern mußte, schien leider unabwendbar...

*

Alois Burgmüller klagte über Schmerzen in allen Gelenken. »Ich glaube, es ist das Reißen. Das hat auch meinen Vater selig erwischt, als er in meinen Jahren war«, erklärte er mit einer ausgesprochenen Leidensmiene. »Gelt, Doktor, kannst mir helfen?«

»Wir werden sehen. Erst muß ich mal feststellen, ob du wirklich unter Rheuma leidest, Alois. Ich schicke eine Blutprobe ein, hernach wissen wir Bescheid. Bis dahin schreib ich dir eine pflanzliche Salbe auf. Die Stadlerin wird die vorrätig haben. Und wegen dem Testergebnis kommst dann übermorgen wieder her.«

»Ist schon recht.« Der Bürgermeister gab sich Mühe, nicht zu vergnügt zu wirken. »Für die Gesundheit ist schließlich nix zu mühsam, gelt?«

»Ja, freilich«, seufzte Dr. Brinkmeier und reichte seinem Patienten das heiß begehrte Rezept.

Wenig später verließ Alois das Doktorhaus und machte sich auf den kurzen Weg zur Rosenapotheke. Voller Vorfreude auf ein Wiedersehen mit Anna Stadler zwirbelte er seinen Schnauz und trat dann mit Schwung ein. Doch er wurde enttäuscht; nur Susi Angerer, die Aushilfe, stand hinter dem Tresen. Das Madl war nett aber schwatzhaft. Fragte er jetzt nach Anna, würde er damit gleich wieder Stoff zum Tratschen liefern. Er reichte Susi das Rezept und schaute sich in der Apotheke um. Hinter dem Tresen reihten sich alte, bemalte Apothekerschränke bis zur Decke hinauf. Der Laden bestand bereits seit hundert Jahren. Vor einiger Zeit hatte Anna ihn von ihren Eltern übernommen, die ihren Lebensabend im sonnigen Süden verbrachten.

Es dauerte nicht lange, bis Susi Angerer mit der Salbe zurückkehrte. Bevor Alois zahlte, fiel ihm zum Glück noch etwas ein. »Ich hab die Chefin nach einem Schlafmittel für die Franziska, unsere Hauserin, gefragt. Was Pflanzliches soll es sein, was ganz Bestimmtes. Weißt vielleicht, ob sie was bestellt hat? Die Franziska wartet noch drauf.«

»Da muß ich die Chefin fragen. Wart halt einen Moment, Bürgermeister«, bat sie ihn und verschwand dann für eine Weile. Der Burgmüller trommelte ungeduldig mit den Fingern auf den Tresen. Anna Stadler machte es spannend. Aber er konnte warten. Wenn es sich rentierte, zeigte Alois auch mal Langmut.

Endlich erschien die Apothekerin. Adrett wie immer schaute sie aus, gleich geriet der Burgmüller wieder ins Schwärmen. Die blonde Anna mit den rehbraunen Augen war eine schöne Frau von Anfang Dreißig. Daß sie noch einschichtig war, schrieb manch einer in Wildenberg ihren allzu hohen Ansprüchen ans andere Geschlecht zu. Das waren aber meistens die, die sich bereits einen Korb eingefangen hatten. Anna war eine selbstbewußte junge Frau, sie hatte gelernt, sich auch allein zu behaupten. Und das schmeckte manchem Mannsbild eben nicht so recht. Alois fand es im Gegenteil überaus anziehend. Er liebte schöne Frauen, und er liebte die Herausforderung, die Anna für ihn zweifellos darstellte. Denn sie erwiderte seine übertrieben freundliche Begrüßung nur knapp und erklärte dann sachlich: »Es tut mir leid, Alois, aber ich hab das Schlafmittel net bekommen können. Schaut so aus, als gäbe es das nimmer auf dem Markt. Hier hab ich pflanzliche Tropfen, hauptsächlich mit Baldrian und Hopfen. Die Franziska soll das mal ausprobieren, die Wirkung ist sehr ähnlich. Wenn es net hilft, versuchen wir halt was anderes.«

»Ist schon recht.« Alois lächelte ihr charmant zu.

»Ich denk, es wird passen. Schließlich weißt, wovon du redest, net wahr? Eine so versierte Apothekerin hat es hier in Wildenberg fei noch nie gegeben.«

»Mag dran liegen, daß wir bisher nur Apotheker hatten«, scherzte sie trocken und kassierte. »Dann noch gute Besserung.«

»Ach, ich... Ja, eigentlich wollte ich dich fragen, ob wir net einmal zusammen einen Spaziergang machen wollen. Net, daß du mir romantische Motive unterstellst. Schließlich bin ich kein Schulbub mehr. Aber ich mag dich sehr, Anna Stadler. Das weißt ja schon. Und ich würde es schön finden...«

»Tut mir leid, Alois, dazu hab ich keine Zeit. Wir sehen uns ja nächste Woche wieder im Gemeinderat.«

»Das reicht mir aber nicht«, begehrte er da auf. »Anna, sei halt net herzlos. Schau, ich hab dir schon oft gesagt, wie ich zu dir steh. Gewiß bin ich net dein Traummann, aber ich kann dir viel bieten. Ein Mann wie ich kann eine Frau verwöhnen. Und ich möchte dich glücklich sehen, Annerl.«

In diesem Moment erschien Milli Reiter, die Hauserin von Hochwürden Dominik Hirtner in der Apotheke. Alois ärgerte sich, denn das alte Weibel war in ganz Wildenberg als schlimmes Klatschmaul bekannt und trug nicht umsonst den Spitznamen »Landpostille«. Während Anna Stadler die Kundin freundlich bediente, ließ der Burgmüller sich von Susi Angerer den Blutdruck messen. »Der ist aber zu hoch«, bemängelte das Madl. Alois ging nicht darauf ein. Kaum war die Hauserin fort, trat er wieder an den Tresen und bat: »Denk halt nur einmal vernünftig über alles nach, Annerl. Du weißt, was du mir bedeutest...«

Die junge Frau seufzte leise. Sie bereute nun, freundlich zum Bürgermeister gewesen zu sein, denn dieser schien das gründlich mißverstanden zu haben. Nachdem ihre Eltern Wildenberg Richtung Lanzarote verlassen hatten, war es an Anna gewesen, den Sitz im Gemeinderat einzunehmen, den ihre Familie schon seit Generationen inne hatte. Die anderen Mannsbilder hatten sie dabei ein wenig belächelt. Alle, außer Hochwürden und dem Burgmüller. Dessen Freundlichkeit hatte allerdings, wie sich bald herausstellte, andere Gründe. Noch bevor Anna wieder auf Distanz hatte gehen können, war der Bürgermeister für ihre Schönheit entflammt und machte ihr seither ausdauernd und oft enervierend den Hof. Sie konnte tun und sagen, was sie wollte, sie wurde ihn einfach nicht mehr los.

»Gehen wir mal kurz nach hinten«, schlug sie vor, womit der Burgmüller sofort einverstanden war. Er sah seine Chancen schon wieder steigen und meinte: »Du hast so viel gearbeitet in den letzten Monaten, Anna, hast hier alles renoviert. Ich finde, du solltest dir mal Ferien gönnen. Was hältst von zwei Wochen auf den Seychellen, nur wir beide?«

Die junge Apothekerin lächelte schmal. »Alois, ich muß dir was sagen: Ich finde es schmeichelhaft, daß ich dir gefalle und du dir so große Mühe gibst, mich zu umgarnen. Aber ich will gar net umgarnt werden, verstehst? Und vor allem net von dir!«

Er stutzte kurz, dann lachte er nachsichtig. »Freilich willst das. Jede Frau will, daß der Mann sich um sie bemüht. Das ist ja auch recht so. Aber jetzt möcht ich dich net länger aufhalten. Ich seh heut abend wieder rein. Wenn das Wetter so schön bleibt, könnten wir zum Hintersee spazieren und in der Waldschänken einkehren. Ich hab mir sagen lassen, daß das sehr romantisch sein soll.« Er drückte ein Busserl auf ihre Rechte. »Bis dann!«

»Aber ich...« Anna blieb verdutzt zurück. Wieder einmal hatte der Burgmüller sie kaum zu Wort kommen lassen. Und was sie sagte, nahm er nicht ernst. Es war kaum zu fassen!

»Mittagspause, ich hab abgesperrt«, ließ sich da Susi Angerer von der Tür her vernehmen. »Was hast, Chefin? Stimmt was net? Du schaust so komisch.«

»Das kann man sagen. Der Burgmüller bildet sich ein, er könnte mich mit seinem Dampfwalzencharme einfangen. Da hat er sich aber getäuscht«, stellte Anna erbost fest.

»Und was willst machen? Der Bürgermeister nimmt sich, was er will. Kennst ihn doch.« Sie biß herzhaft in ihr Brot. »Meiner Tante ist er auch nachgestiegen. Aber als die vom Heiraten angefangen hat, war er schneller weg wie das Freibier auf Kirchweih. Vielleicht solltest ihm auch damit kommen.«

Die junge Apothekerin schüttelte vehement den Kopf. »Na, das ist mir zu gefährlich. Am End nimmt er mich noch beim Wort... Ich werde ihm mal offen die Meinung sagen, damit er endlich aufhört, mir nachzusteigen. Die Leut reden ja schon.«

»Und wie willst das anfangen? Er hört doch nie zu«, gab Susi zu bedenken, doch ihre Chefin wußte sich zu helfen.

»Dann rede ich halt im Rat mit ihm, da muß er mir zuhören!«

Susi Angerer verdrehte die Augen. »Auweh! Und unter welchem Tagesordnungspunkt?« scherzte sie.

Anna mußte nicht lange überlegen. »Vermischtes, was sonst?«

*

Während Alois Burgmüller sich bereits auf das vermeintliche Rendezvous mit seiner Angebeteten freute, war sein Sohn damit beschäftigt, eines ihrer Felder zu Füßen des Untersbergs zu düngen. Derweil der Jungbauer seine Bahnen zog, genoß er den herrlichen Frühlingstag. Der Himmel spannte sich in ungetrübtem Blau über dem Tal von Wildenberg, nur ab und an segelte ein strahlend weißes Schönwetterwölkchen vorbei. In der klaren, würzigen Bergluft zwitscherten die Lerchen, überall grünte und blühte es. Weit im Norden erkannte Tobias die himmelhohe Bergkette des Tennengebirges mit ihren weißen Schneemützen. Davor fand sich der Nationalpark Berchtesgaden mit dem berühmten Königssee und dem Kloster Sankt Bartholomä. Tobias dachte daran, wie er als Bub einmal mit der Schulklasse einen Ausflug dorthin unternommen hatte. Das klare Seewasser hatte ihn bei der Überfahrt ebenso beeindruckt wie das bekannte Kloster, das sich bei Touristen großer Beliebtheit erfreute.

Der Jungbauer wendete den Traktor zu einer neuen Runde und schaute dabei hinauf zur Wildenklamm-Alm. Dort heroben, am Südhang des Untersbergs, stand der Berghof der Familie Fellner. Der Bursch mußte einen Seufzer unterdrücken, wenn er an den unseligen Streit zwischen Georg Fellner und seinem Vater dachte. Bislang hatte er sich nicht weiter darum gekümmert, wenn Alois über seinen ehemaligen Spezl in der übelsten Art und Weise hergezogen war. Da hatte er sich nur gewundert, wie man aus einer kleinen Streitigkeit um ein Wegerecht einen solchen Kleinkrieg machen konnte. Doch seit einer Weile lagen die Dinge anders, da hatte Tobias durchaus ein vitales Interesse daran, daß die beiden Kampfhähne endlich wieder Frieden schlossen. Danach sah es allerdings nicht aus...

»Tobias!« Der Bursch stutzte und blickte sich um, als jemand seinen Namen rief. Und gleich darauf lief ein Strahlen über sein markantes Gesicht. Rasch fuhr er den Traktor zum Feldrain, sprang ab und eilte auf die schmale Person zu, die sich absichtlich nahe den Feldhecken ein wenig verborgen hielt. Kaum hatte er sie aber erreicht, sank sie in seine starken Arme, und ein langes, inniges Busserl ließ die beiden Liebenden alles andere auf der Welt für eine Weile vergessen. Als sie sich dann tief in die Augen schauten, spürten sie beide das Glück, zu lieben und geliebt zu werden. Tobias hielt das schöne Madl noch eine ganze Weile am Schlag seines Herzens, und sie schmiegte sich an seinen breiten Brustkasten, als wolle sie Vergessen suchen. Beinahe lag etwas wie Verzweiflung in der tiefen Innigkeit, mit der da zwei Herzen aneinander hingen. Und dafür gab es auch durchaus einen Grund.

»Herzerl, was bin ich froh, dich zu sehen«, seufzte der Jungbauer schließlich wie befreit. »Kannst noch ein bisserl bei mir bleiben? Ich mag dich net gleich wieder fortlassen.«

»Ich möchte schon. Aber ich hab net viel Zeit. In den Laden hat die Mama mich geschickt, ein paar Sachen einholen. Und das kann leider net Stunden dauern.« Ihre himmelblauen Augen blickten voller Hingebung zu ihm auf, wieder schmiegte sie sich ganz fest an ihn, wie Schutz suchend.

»Deine Mutter weiß Bescheid und ist auf unserer Seite«, erinnerte Tobias seine Liebste da, nahm ihre Hand und zog sie auf eine Bank, die am Wegesrand zum Verweilen einlud.

»Schon. Aber ich hab trotzdem Angst, daß einer was merkt. Weißt doch, wie schlecht die Väter aufeinander zu sprechen sind«, murmelte das schöne Madl beklommen. Lisa Fellner war die einzige Tochter des Bergbauern. Und daß sie sich ausgerechnet in den jungen Burgmüller hatte verschauen müssen, stellte die beiden nun vor große Probleme. Der Bursch legte einen Arm um ihre schmalen Schultern und drückte ihr zarte Busserln aufs Gesicht. Nur zu gern ließ Lisa sich das gefallen. Wenn Tobias bei ihr war, dann fühlte sie sich rundum zufrieden und glücklich, dann konnte nichts und niemand ihr etwas anhaben. Leider sah die Wirklichkeit aber anders aus.

Als das junge Paar sich im vergangenen Jahr zu Kirchweih beim Tanz nähergekommen war, hatten sie noch nicht geahnt, wie schwierig die Situation für sie werden sollte...

Georg Fellner hatte eine Weide eingezäunt, die an den Grund vom Burgmüller grenzte. Alois war der Meinung, daß der Zaun zur Hälfte über einen Weg lief, der zu seinem Eigentum zählte. Zunächst hatten die beiden noch versucht, die Sache anhand alter Karten einvernehmlich zu regeln. Aber da aus keiner der Gemarkungskarten eindeutig hervorging, wer nun im Recht war, hatte Alois den Zaun einfach abreißen lassen. Freilich wollte Georg sich das nicht gefallen lassen. Sie hatten gestritten, zuerst untereinander, dann im Rat und schließlich vor Gericht. Als der Richter den Zaunbau nach einem Ortstermin für rechtens erklärt hatte, war auf dem Burgmüllerhof ein Sturm losgebrochen, dessen Auswirkungen noch immer zu spüren waren. Alois hatte getobt und gebrüllt und dann angefangen, seinen ehemaligen Spezl systematisch zu schikanieren. Selbst als der Fellner ihm im Rat die Hand zur Versöhnung reichen wollte, hatte er nur Spott und Hohn für den Bergbauern übrig gehabt.

»Ein bisserl geht’s uns wie Romeo und Julia«, sinnierte Lisa nach einer Weile bekümmert. Ihre schönen Augen schauten Tobias so kummervoll an, daß es ihm das Herz umdrehte. »Aber ich will net erleben, daß aus uns ein tragisches Liebespaar wird, bloß weil die Väter um einen Schmarrn streiten.«

»Das wirst auch net erleben«, versicherte der Bursch da mit Nachdruck und nahm Lisas zitternde Hände fest in seine. »Wir zwei gehören zusammen, niemand auf der Welt kann uns wieder trennen. Und in Jahresfrist, das verspreche ich dir, wirst die Meine werden.« Und um seine Worte zu bekräftigen schenkte Tobias seinem Schatz noch ein langes, langes Busserl.

»Mei, ich fürcht mich«, bekannte Lisa, als ihr Liebster sie schließlich freigab. »Du klingst so entschlossen, Tobias. Bitte, tu nix Unüberlegtes. Ich hoffe immer noch, daß die Väter sich wieder versöhnen. Und wenn net, daß sie zumindest vernünftig werden. Die Mama will auf meinen Vater einwirken. Aber das braucht Zeit, verstehst?«

»Ich hab dir versprochen, zu schweigen, solange du es willst. Aber es fällt mir nicht leicht.« Er suchte ihren Blick. »Wenn die Alten sich nicht einsichtig zeigen, müssen wir handeln. Schließlich können wir net ewig darauf warten, unser Leben zu teilen. Und ich mag auch nimmer warten. Jeden Abend sehn ich mich nach dir, und jeden Morgen denk ich an dich. Das ist auf Dauer kein Zustand, Liebes, das macht mich narrisch.«

»Mir geht’s ja net anders«, bekannte sie verschämt. »Halt mich fest, Tobias. Wir wollen an nix denken, uns nur gut sein.«

Er folgte zu gern ihrer Bitte, doch die trüben Gedanken ließen sich nicht so leicht abstellen. Wie ein Mühlrad gingen sie im Kopf um und um. Der Bursch fühlte sich hin und her gerissen zwischen seiner tiefen Liebe zu Lisa und dem Wunsch, sie glücklich zu sehen auf der einen Seite und der Notwendigkeit zu warten, geduldig zu sein auf der anderen. Doch weil Liebe keine Geduld kennt, brannte Tobias das Herz vor Sehnsucht.

»Ich muß jetzt gehen«, erinnerte Lisa ihren Liebsten nach einer Weile. »Es tut mir leid, aber ich bin schon spät dran. Wennst magst, sehen wir uns morgen am Marterl. Der Vater hat doch am Abend seinen Stammtisch.«

»Ich werde auf dich warten«, versprach Tobias ihr. Noch einmal versanken sie in einem zärtlichen Kuß voller Vertrauen und Sehnsucht. Dann eilte das Madl rasch davon.

Der Jungbauer kehrte zu seiner Arbeit zurück, doch das Herz war ihm schwer. Lisa im Arm zu halten, sie zu küssen, das machte ihn glücklich. Doch sie gehen zu lassen, brach ihm fast das Herz. Und die Heimlichtuerei, die ging ihm gegen den Strich. Er wünschte sich, endlich vor aller Welt zu seiner Liebsten stehen zu können. Und er dachte nicht zum ersten Mal daran, seinem Vater endlich reinen Wein einzuschenken...

Als Tobias am Abend heimkam, mußte er jedoch feststellen, daß sein Vater übellaunig und auffahrend war. Für ein ernstes Gespräch war dies gewiß nicht der rechte Zeitpunkt.

»Was ist denn geschehen? Hast dich über wen geärgert?« fragte Evi ihren Vater, während sie mit der Fernbedienung vom Fernseher spielte. »So eine schlechte Laune gibt’s ja gar net.«

»Das ist doch wohl meine Sache, oder?« knurrte der Alte und vertiefte sich in die Zeitung. »Hast net noch was für die Schul zu tun?«

Das Madl zog einen Flunsch und bemängelte: »Mei, ist das heut ungemütlich bei uns. Ich geh in mein Zimmer.«

»Und was ist mit dir, Tobias? Hast vielleicht auch was an mir auszusetzen?« stänkerte Alois seinen Sohn an.

»Eigentlich net. Aber ich schau noch mal im Stall nach dem Rechten. Willst gewiß deinen Frieden, gelt?«

»Du merkst auch alles«, brummte der Burgmüller. Als er allein war, ließ er die Zeitung sinken und starrte in den Fernseher, ohne eigentlich etwas zu sehen. Er fühlte sich wie ein Hornochse. Da hatte er extra einen großen Rosenstrauß besorgt, die Wanderstiefel geschnürt und war bester Laune zur Rosenapotheke aufgebrochen, um Anna zum Spaziergang abzuholen. Und was war passiert? Die Angebetete war nicht mal zu Hause gewesen. Die Nachbarin hatte ihn wissen lassen, daß Anna am frühen Abend in die Stadt gefahren sei, zum Einkaufen.

Alois konnte darüber nur den Kopf schütteln. Auf dem gesamten Heimweg hatte er sich geärgert, nun aber war er schon wieder gewillt, das Ganze als dummen Zufall anzusehen. Gewiß hatte Anna seine Einladung nur vergessen. Er beschloß, sie bald noch einmal anzusprechen und zwirbelte dabei seinen Bart. Seine Laune besserte sich ein wenig, verhalten optimistisch schaute Alois in die Zukunft. Anna Stadler war eben eine echte Herausforderung für ihn. Und er war fest entschlossen, diese zu meistern.

*

Maria Fellner schaute ihren Mann Georg nachdenklich an. »Willst net zum Stammtisch? Ich dachte, dir steht der Sinn nach Karteln und einer Maß.«

»Heut net.« Der Bergbauer gähnte verhalten. »Ich glaub, ich geh früh ins Bett, war ein arg anstrengender Tag.«

»Na ja, wir sind halt nimmer die Jüngsten«, merkte seine Frau vieldeutig an. Und als er wissen wollte, was sie damit meine, erinnerte sie ihn: »Unsere Lisa ist im heiratsfähigen Alter. Das bedeutet, der Hof könnte einen Jungbauern vertragen, damit du ein wengerl entlastet wirst, Schorschi.«

»Wennst mich Schorschi nennst, führst was im Schilde, ich kenn dich. Hat die Lisa vielleicht einen Burschen ins Auge gefasst, der sich net recht paßt, und du willst gut Wetter machen?«

»Was du immer denkst. Ich hab nur ein bisserl sinniert. Immerhin werde ich nächstes Jahr fünfzig. Das ist doch ein Grund, Bilanz zu ziehen, findest net?«

»Ich bin fünfzig und anderer Meinung«, brummte der Bergbauer. »Und was die Lisa betrifft, die kann uns gerne noch erhalten bleiben. Sie ist zu jung zum Heiraten, soll nix überstürzen.«

»Ich war genauso alt, als wir zwei uns das Jawort gegeben haben. Die Liebe kommt oft über Nacht. Daran wirst nix ändern können. Und du willst doch, daß die Lisa glücklich wird, gelt?«

»Das versteht sich von selbst. Ich weiß nur net so genau, worauf du hinaus willst, Maria.«

»Ja, schau, ich hab mir halt überlegt, was passieren würde, wenn die Lisa sich zum Beispiel in den jungen Burgmüller verschauen tät. Wäre das kein Grund, den Streit zu begraben und sich zu vertragen?« Gespannt wartete sie ab. Maria dachte an das Gespräch, das sie am Vorabend mit ihrer Tochter geführt hatte. Lisa war unglücklich, weil sie nicht zu ihrer Liebe stehen durfte. Die Angst vor Entdeckung, das Verheimlichen machten dem Madl sehr zu schaffen. Da wollte die Berghofbäuerin das Ihre tun, damit die beiden doch noch ihr Glück zusammen fanden.

Allerdings sah es nicht so aus, als könne sie auf diesem Weg viel erreichen, denn ihr Mann knurrte: »Das soll die Lisa sich nur net einfallen lassen. Mit dem Burgmüller will ich nix zu tun haben, der käme mir net auf den Hof, daß das klar ist!«

»Aber du hast doch nur Streit mit dem Alois, was könnte denn sein Sohn dazu, daß ihr zwei euch nimmer vertragt? Das verstehe ich net«, hielt Maria ihm entgegen.

Georg bekam schmale Augen. »Fragst aus einem bestimmten Grund? Oder willst mich nur ärgern? Der Burgmüller ist ein Lump und Taugenichts, der uns im ganzen Tal Schlechtes nachredet. Und das nur, weil er seinen Willen einmal net hat durchsetzen können. Dafür hat er eine Freundschaft, die fast ein Leben lang bestanden hat, in den Wind geschrieben. Mit so einem Hundling will ich nix zu tun haben. Nie und nimmer tät ich es zulassen, daß der mit uns verwandt wäre, das fehlte noch!«

Währenddessen spazierten Lisa und Tobias eng umschlungen durch den Forst und genossen die kurze Zeitspanne, die sie sich wieder einmal heimlich stehlen mußten, um beisammen sein zu können.

Viel zu schnell ging der Spaziergang zu Ende. Und als die Sonne im Westen hinter dem Horizont versank, tauschten sie ein langes, inniges Abschiedsbusserl.

»Ich wünschte, ich müßte jetzt net fort«, murmelte das Madl bekümmert. »Ach, Tobias, es wird mir so schwer, daß wir uns immer trennen müssen. Ich wünschte, es wäre anders.«

»Ich auch.« Er schaute ihr tief in die Augen und küßte sie zart. »Komm halt mit mir heim. Wir reden mit dem Vater und sagen ihm, daß wir heiraten wollen.«

»Aber das geht doch net!« Erschrocken wich sie vor ihm zurück. »Du weißt, es ist unmöglich. Ich hab ja nur geträumt.«

Der Bursch vergrub die Hände in den Hosentaschen und brummte: »Ich mag nimmer träumen, ich will endlich unser Leben in die eigenen Hände nehmen, mich nimmer von anderen zu etwas zwingen lassen. Wir sind doch narrisch, daß wir immer nur Rücksicht nehmen. Tun die Väter das vielleicht?«

»Sie wissen ja net, wie wir zueinander stehen. Und vielleicht werden sie ihren dummen Zank ja bald begraben...«

»Vielleicht aber auch net.« Tobias nahm Lisas Hände und suchte ihren Blick. Er mochte nicht mehr vernünftig sein, er wollte einmal nur an sich denken. »Warum wagen wir es net einfach? Laß die Alten doch toben. Sie werden sich auch wieder beruhigen. Komm mit mir, wir wollen es ihnen sagen, heut noch!«

»Nein, das kann ich net.« Sie senkte den Blick. »Ich hab zu große Angst. Du weißt doch selbst, was passieren wird. Sie werden uns auseinander bringen, auf die eine oder andere Weise. Und das könnte ich net ertragen. Du mußt mir versprechen, noch zu schweigen, Tobias. Es wird anders werden, wir müssen nur abwarten!«

Kurz schwankte er zwischen Unmut und Versöhnlichkeit, dann seufzte er leise und gestand ihr zu: »Wahrscheinlich hast recht. Ich will dir ja keinen Kummer machen. Nur das Herz ist mir arg schwer.« Er küßte sie zum Abschied und murmelte: »Und jetzt geh, sonst wird es uns einfach zu schwer.«

Als Lisa wenig später heimkam, war ihr Vater schon zu Bett gegangen, die Mutter saß noch in der guten Stube, sie hatte auf das Madl gewartet. Ihrer Miene entnahm Lisa, daß sie keine guten Neuigkeiten hatte. »Der Vater ist unversöhnlich. Ich hab ihn ein wengerl ausgehorcht, da ist nix zu machen. Daß der Burgmüller sich so stur stellt, hat ihn hart getroffen. Weißt doch, die zwei waren immer Spezln. Und er nimmt es dem Bürgermeister anscheinend sehr übel, daß der jetzt gegen ihn arbeitet.«

»Ach, Mutterl, dann weiß ich net, was werden soll«, seufzte Lisa zutiefst kummervoll.

Die Berghofbäuerin nahm ihre Tochter in den Arm, drückte sie leicht und versicherte: »Es wird sich schon eine Lösung finden. Ihr dürft nur net den Mut verlieren. Der Tobias steht doch fest zu dir, net wahr?«

»Ja, gewiß. Aber es wird ihm immer schwerer, unsere Liebe zu verheimlichen. Und mir macht es auch sehr zu schaffen.«

»Ich versteh euch. Doch ihr müßt da jetzt durch. Und wenn es hart auf hart geht, ich steh zu euch. Ihr werdet das schon schaffen, keine Angst.«

Das Madl lächelte traurig. »Ich hoff, du hast recht, Mutterl. Wenn der Tobias bei mir ist, dann hab ich keine Angst, aber wenn ich allein bin, denk ich manchmal, ich werde ihn verlieren. Und dann fürchte ich mich schrecklich vor dem, was kommt. Ich hab ihn doch so lieb...«

»Keine Angst, Tschapperl, es wird schon werden«, sprach Maria Fellner beruhigend auf ihre Tochter ein.

Zugleich empfand sie eine ohnmächtige Wut auf die beiden alten Sturschädel, die es einer jungen Liebe durch ihr uneinsichtiges Verhalten so unendlich schwer machten.

*

»Der Nächste bitte! Bürgermeister, du bist dran.« Christel Brenner winkte den Burgmüller ins Behandlungszimmer. Bevor sie die Tür hinter sich schloß, warf sie dem Doktor noch einen abwägenden Blick zu. Josef Brinkmeier hatte schon den ganzen Tag unter Beschwerden zu leiden. Am Morgen war ein Gewitter übers Tal gezogen, nun hing die Luft schwer und feucht über Wildenberg und setzte auch den Gesunden zu. Um wieviel mehr den Kranken. Das Wartezimmer war voll, Dr. Brinkmeier hatte ein großes Pensum abzuarbeiten, dabei sah er aus, als könne er jeden Moment umfallen. Die Sprechstundenhilfe machte sich ernsthafte Sorgen.

Alois Burgmüller brummte: »Die Schmerzen sind weg, ich denk, es war doch kein Rheuma. Den Test hättest dir sparen können, Sepp. Oder bin ich vielleicht doch krank?«

»Das Ergebnis ist negativ«, erwiderte der Landarzt mit müder Stimme. »Und wennst in Zukunft wieder einen Vorwand brauchst, um die Stadlerin zu besuchen, kommst bitt schön net zu mir. Ich hab genug mit den echten Kranken zu tun.«

Alois stutzte. »Was bist denn so grantig? So kenn ich dich gar net. Ich glaub, du brauchst mal einen Urlaub, Sepp. Schaust aus, als wärst restlos überarbeitet.«

Der Landarzt sagte dazu nichts, bat Christel Brenner über die Gegensprechanlage nur, den nächsten Patienten zu ihm zu schicken. Alois Burgmüller war beleidigt, denn eine solche Behandlung war er nicht gewöhnt. »Ich geh dann«, murrte er.

Kaum hatte der Bürgermeister sich umgedreht, da hörte er in seinem Rücken ein dumpfes Ächzen und ein Geräusch, als sei einer umgefallen. Er zuckte leicht zusammen und wandte sich wieder dem Landarzt zu. Tatsächlich lag Josef Brinkmeier über der Platte des Schreibtischs und schien das Bewußtsein verloren zu haben. Alois starrte einen Moment erschrocken auf das sich ihm bietende Bild. Er wußte nicht, was er machen sollte. Im nächsten Augenblick öffnete sich die Tür, Christel brachte den nächsten Patienten. Sie schien bereits mit etwas Ähnlichem gerechnet zu haben, denn sie erschrak nicht, sondern schickte den Förster Bichler wieder hinaus, während sie den Bürgermeister bat, die Rettung anzurufen. Sie selbst lockerte dem Doktor den Kragen und brachte ihn in eine entlastende Lage.

»Was ist bloß los mit dem Sepp? Ist er denn krank?« fragte Alois Burgmüller erschüttert. Das eben Erlebte ging ihm nach. Sogar seine Finger zitterten, als er die Nummer des Notarztes wählte. Christel flößte ihrem Chef einige seiner Tropfen ein und erklärte dabei: »Sein Herz macht nimmer so mit wie es soll. Aber er will net kürzertreten. Und jetzt haben wir den Salat...«

»Er ist halt nimmer der Jüngste. Der Notzarzt kommt. Sag, Christel, hat er sich denn noch keine Gedanken über einen Nachfolger gemacht? Ich wußte ja nicht, daß er nimmer auf der Höhe ist. Den Eindruck hat er net vermittelt.«

»Davon hat keiner gewußt außer seiner Hauserin und mir. Kennst doch den Brinkmeier mit seinem Dickschädel. Weil der Max seine Praxis nicht hat übernehmen wollen, lieber nach Afrika gegangen ist, will er jetzt solange weitermachen, bis er tot umfällt. Ich weiß, das klingt hart, aber es ist leider so. Ich hab schon alles versucht, um ihn zur Vernunft zu bringen, aber es hat nix genützt.« Sie schüttelte bekümmert den Kopf. »Wenn er nur wieder gesund wird. Sein Leben lang hat er nur geschafft für andere. Er hat es net verdient, daß jetzt schon Schluß sein soll.«

Der Bürgermeister machte ein betroffenes Gesicht. »Gewiß wird er es schaffen. Sollen wir ins Spital fahren, wenn der Notarzt ihn mitnimmt? Im Moment ist ja sonst keiner greifbar.«

Christel nickte abwesend. »Ja, wir müssen uns kümmern...«

Kaum eine Viertelstunde später lag Josef Brinkmeier im Krankenwagen und wurde zum Spital nach Berchtesgaden gebracht, mit Verdacht auf Herzinfarkt. Christel Brenner hatte die Patienten heimgeschickt, die dringenden Fälle an Dr. Haselbeck im Nachbarort Schlehbusch verwiesen und dann die Praxis abgeschlossen. Bevor sie zusammen mit dem Burgmüller in die Stadt fuhr, sagte sie noch Afra Bescheid, die aus allen Wolken fiel. Sie weinte sogar ein wenig, die herbe Afra, und murmelte bedrückt: »Ich will ein Gebet für den Doktor sprechen, damit er wieder gesund wird...«

»Und sag dem Lukas, was geschehen ist. Vielleicht will er seinen Vater im Spital besuchen«, bat Christel noch. Afra versprach es. Auf der Fahrt nach Berchtesgaden schwieg Christel, während der Burgmüller die ganze Zeit redete. Er machte sich echte Sorgen um den Doktor, der in Wildenberg so etwas wie eine Institution war. »Was meinst, soll werden, wenn der Sepp nimmer kann?« fragte er schließlich nachdenklich. »Ich mein, es wäre doch möglich, daß er sich schonen muß nach dieser Geschichte.«

»Ich weiß auch net. Der Doktor hat sich ja nicht um einen Nachfolger bemüht. Eine Vertretung werden wir brauchen. Und hernach... Ja mei, halt schauen, wer die Praxis übernehmen will. Ach, Alois, ich mag gar net darüber nachdenken. Freilich hab ich gewußt, daß es dem Doktor nimmer so gut geht. Aber jetzt, wo er ins Spital muß, wo vielleicht das Schlimmste geschieht, da preßt mir der Gedanke doch das Herzblut ab.«

»Das darfst dir net vorstellen. Es wird schon wieder werden. Und wir überlegen dann zusammen mit dem Sepp, wie es weitergehen kann«, meinte der Burgmüller beruhigend.

Im Spital angekommen, mußten die beiden erst einmal lange warten. In der Zwischenzeit erschien auch Lukas Brinkmeier und wollte wissen, wie es seinem Vater gehe.

»Wir haben noch nix erfahren, Lukas. Es kam ja so plötzlich. Er ist in der Sprechstunden einfach zusammengefallen, ohne Vorwarnung«, berichtete Christel Brenner.

Der Bauer nickte knapp, seine Miene verfinsterte sich, und er knurrte: »Daran ist nur der Max schuld. Wenn dem Vater was passiert, hat er ihn auf dem Gewissen.«

Der Bürgermeister schüttelte leicht den Kopf. »Geh, Lukas, das ist aber ein Schmarrn. Dein Bruder kann doch nix dazu, wenn der Sepp zuviel arbeitet. Wir haben ja alle net gewußt, daß er es am Herz hat. Das kannst dem Max net vorwerfen.«

»Und ob! Er ist einfach weggegangen, hat sich net darum geschert, was der Vater von ihm erwartet hat. Das Herz hat er dem Alten gebrochen, kenn ihn doch. Der Max war ihm eh immer der Liebste. Da konnt ich tun, was ich wollte...«

Die Tür zur Notaufnahme öffnete sich in diesem Moment und ein junger Arzt erschien. Er sprach Alois an. »Wir können Entwarnung geben. Der Patient hat keinen Myokardinfarkt erlitten, wie zunächst angenommen. Es war sozusagen ein Warnschuß, wenn auch ein deutlicher. Er muß schon öfter leichtere Herzanfälle gehabt haben. Wissen Sie darüber Bescheid? Die Medikamente, die er sich selbst verordnet hat, deuten auch in diese Richtung.«

An Alois’ Stelle antwortete Christel Brenner: »Keiner hat was Genaues gewußt. Der Doktor hat ja so getan, als wäre es nicht schlimm, als hätte er alles im Griff. Aber in letzter Zeit hat er seine Arbeit kaum noch erledigen können, es ist ihm einfach alles zu viel geworden.«

»Kein Wunder. Sein Herz braucht dringend Schonung. Er hat sich zu lange selbst überfordert. Und er hatte großes Glück, daß Sie so umsichtig gehandelt haben. Sein Zustand ist jetzt stabil.«

»Dürfen wir denn zu ihm? Ich bin sein Sohn«, meldete Lukas sich da zu Wort.

»Heute bitte keinen Besuch mehr, er braucht absolute Ruhe. In den nächsten Tagen können Sie nach dem Patienten sehen.«

»Ich sprech’s net gern an, aber wir müssen doch wissen, wie es nun weitergeht«, ließ Alois anklingen. »Der Doktor Brinkmeier ist unser Landarzt, er hat viele Patienten bei uns im Tal. Können Sie uns denn sagen, ob es wieder wird mit ihm?«

Der Spitalsarzt machte eine sehr skeptische Miene. »Nun, in den nächsten Wochen darf er nicht arbeiten. Sein Herz muß sich erholen. Wir werden ihn hier behandeln und dann in eine Reha schicken. Danach, je nachdem wie er sich erholt, ist eine leichte Tätigkeit durchaus noch möglich. Aber allein eine Praxis zu führen, das wird nicht mehr gehen. Da müssen Sie sich nach einem Nachfolger umschauen.«

»Ich hab’s doch geahnt«, murmelte Christel, als sie zu dritt das Spital verließen. »Der arme Doktor. Es wird ihn hart ankommen, wenn er jetzt mehr oder weniger in Pension gehen muß.«

»Ich werde mit dem Haselbeck reden, der kann fürs erste übernehmen«, meinte Alois. »Das wird in Sepp seinem Sinn sein. Aber ewig geht das gewiß net. Und was hernach werden soll, weiß ich auch net.«

»Ihr müßt mit dem Vater reden. Solche Entscheidungen könnt ihr net einfach über seinen Kopf hinweg treffen«, mahnte Lukas vorwurfsvoll. »Schließlich ist es seine Praxis, da hat er doch noch ein Wörterl mitzureden.«

»Keiner will was ohne den Sepp entscheiden«, stellte der Burgmüller richtig. »Wir müssen jetzt nur schauen, daß wir net ganz ohne Doktor da stehen. Mei oh mei, wer hat aber auch mit so was rechnen können...«

*

Josef Brinkmeier lag blaß und griesgrämig im Krankenbett, als Lukas ihn am nächsten Tag besuchte. Er wollte nichts hören von guten Wünschen, und er wollte auch nicht bedauert werden.

»In einer Woche spätestens wird die Praxis wieder aufgemacht. Von so einem dummen Herzkasperl laß ich mich fei net aus der Bahn werfen«, sagte er so oft, daß Alois Burgmüller sich schließlich genötigt sah, ihm den Spiegel vorzuhalten.

»Du bist keine dreißig mehr, Sepp. Die Praxis kannst dir abschminken, wennst noch ein Weilchen leben willst. Also sollten wir uns über einen geeigneten Nachfolger unterhalten.«

»Das ist meine Praxis, und da arbeitet außer mir keiner«, kam es stur von ihm. »Wenn ihr mich nimmer wollt, machen wir halt zu. Sonst hab ich dazu nix zu sagen!«

So sehr der Burgmüller sich auch bemühte, den alten Landarzt zur Vernunft zu bringen, es wollte ihm nicht gelingen. Schließlich wandte er sich an Christel Brenner, die bereits nach wenigen Tagen am Rande einer Nervenkrise wandelte. »Wir brauchen einen richtigen Doktor, keine solche Aushilfe wie den Haselbeck. Der kennt die Patienten net und ist meist schon wieder weg, bevor er richtig zu arbeiten angefangen hat. So kann es keine Woche weitergehen, sonst kündige ich!«

»Und wen willst anstellen, Christel?« fragte Alois sie vollkommen ratlos. »Der Haselbeck ist der einzige Arzt hier in der Nähe. Ich wüßte keinen, der die Praxis übernehmen könnte.«

»Ich schon. Aber dazu muß ich erst mit dem Doktor reden«, kam es entschlossen von ihr. »Morgen kann ich dir Bescheid sagen.«

Dr. Brinkmeier war leicht eingenickt, als die Tür zu seinem Krankenzimmer sich öffnete und Christel Brenner erschien. Er blinzelte. »Du schon wieder. Warum bist net in der Praxis? So wie der Alois tut, läuft doch da alles wie geschmiert.«

Die Sprechstundenhilfe zögerte kurz, dann gab sie sich einen Ruck und gestand: »Gar nix läuft. Um ehrlich zu sein, es ist eine Katastrophe. Der Haselbeck kann dich nie und nimmer ersetzen, Doktor. Manch einer fährt schon in die Stadt, wenn ihm was fehlt. Die Leut haben kein Zutrauen zu dem anderen. Und wenn ich ehrlich sein soll: ich hab’s auch net.«

»Und was soll ich daran ändern? Hast doch selbst gehört, was die Kollegen da sagen. Ich gehör jetzt zum alten Eisen und darf in Zukunft nur noch im Lehnstuhl mein Pfeiferl schmauchen.«

»Jetzt red keinen Schmarrn, Doktor«, mahnte Christel spröde. »Du wirst schon noch in der Praxis arbeiten können, aber nimmer so viel wie bisher. Einen Partner brauchst, einen Jungen, der dir vieles abnehmen und von deiner Erfahrung lernen kann. Das wäre die rechte Lösung, finde ich.«

»Und wo soll der herkommen? Vielleicht kann die Afra mir einen backen«, spöttelte er bissig.

Christel warf ihrem Gegenüber einen strengen Blick zu. »Du weißt sehr gut, woher der kommen kann. Wennst einverstanden bist, dann schreibe ich dem Max einen Brief. Ich weiß, daß er nur auf ein Wort vor dir wartet, damit ihr euch endlich wieder versöhnt und den dummen Streit von damals vergeßt. Also, was sagst? Soll ich ihm schreiben, daß du seine Hilfe gut gebrauchen könntest?«

Josef schüttelte vehement den Kopf und preßte die Lippen fest aufeinander. Fast wirkte er da wie ein trotziger kleiner Bub.

»Doktor, sei halt net so stur! Wärst früher vernünftig gewesen, dann müßten wir jetzt gar net darüber reden. Du hast es freilich so weit kommen lassen. Und es muß eine Lösung geben!«

»Aber der Max steht net zur Debatte. Mal ganz davon abgesehen, daß er sich bei mir zu entschuldigen hat, bevor ich überhaupt wieder mit ihm rede, wird er kein Interesse haben. Das Abenteuer ist ihm wichtiger gewesen als die solide Arbeit hier daheim. Nein, das hat keinen Sinn. Und ich will net, daß du ihm schreibst. Das geht mir zuwider.«

»Schön, wie du willst. Dann nehme ich meinen Resturlaub und kündige. Ich seh nämlich net zu, wie die Praxis auf den Hund kommt, bloß weil der Doktor seinen Sturschädel net bezwingen kann«, erklärte Christel da finster entschlossen.

Josef Brinkmeier starrte sie einen Moment lang perplex an. Er meinte, sie drohe ihm nur, um ihn zum Einlenken zu zwingen. Doch ihre Miene war offen und ohne Hinterlist. Als sie sich zum Gehen wandte, forderte er: »Da bleibst. Was ist denn das überhaupt für eine Art? Ich hab die Praxis schließlich net freiwillig im Stich gelassen. Du weißt ganz genau, wie wichtig mir meine Arbeit und die Patienten sind. Schließlich hab ich mein ganzes Leben in Wildenberg verbracht. Aber ich kann doch jetzt net vor meinem eigenen Sohn einen Kniefall tun. Das mußt mir ersparen, Christel!« Der Landarzt seufzte schwer. Kummervoll blickten seine Augen auf die langjährige Mitarbeiterin, und er bekannte gequält: »Ich hab den Max in all den Jahren sehr vermißt. Und ich würde viel drum geben, wenn er hier wäre. Die Praxis hab ich an ihn weitergeben wollen. Er ist mir doch immer der Liebste gewesen. Aber daß er einfach weggegangen ist, das kann ich ihm net so leicht verzeihen.«

Christel Brenner lächelte ihrem Chef ein wenig zu. »Du hast einmal zu mir gesagt, daß jeder Mensch seine Entscheidungen selbst treffen muß, Doktor. Und das gilt auch für den Max. Er hat da unten sein Glück gefunden. Aber ich denke, seine Wurzeln, die sind noch hier. Und wenn man es recht anfängt, dann könnte doch noch was draus werden aus der Zusammenarbeit von Brinkmeier senior und junior. Laß mich halt machen!«

»Ich trau es dir zu«, meinte er nach einer Weile nachdenklich. »Du hast den Max immer gern gehabt wie eine Mutter. Aber ich will ihm auch nix aufzwingen. Bloß weil ich nimmer kann, wäre es da net falsch zu erwarten, daß er sein ganzes Leben ändert?«

»Nach dem Studium hast es erwartet. Jetzt ist die Situation ganz anders. Denk halt drüber nach, es muß was passieren.«

»Ja, du hast recht. Aber du wirst doch net kündigen, oder?«

Sie lächelte angedeutet. »Ich kann für nix garantieren. Der Haselbeck ist eine Zumutung als Chef. Aber wennst mir bald sagst, was werden soll, harre ich halt noch aus.«

»Das tu ich. Will es nur durchdenken«, versprach er.

Als Christel eine Weile später nach Wildenberg zurückkehrte, hatte die Sprechstunde noch nicht begonnen, Dr. Martin Haselbeck war aber bereits anwesend. Er wühlte in der Patientenkartei und schimpfte:

»Was ist denn das für ein komisches System? Man findet rein gar nix. Und wieso haben Sie ein Paßwort in Ihrem Computer, Frau Brenner? Ich hab mir nur eben geschwind die Krankengeschichte vom Bichler anschauen wollen und stehe vor einem unüberwindlichen Rätsel.«

»Den Computer benutze nur ich«, erwiderte sie kühl. »Deshalb braucht außer mir auch keiner das Paßwort zu kennen. Hier.« Mit einem Griff hatte sie die gesuchte Krankenakte. »Wieso sind Sie überhaupt schon da? Die Sprechstunde fängt ja erst in einer halben Stunde an.«

»Ach ja, ich muß heut früher weg, hab einen Termin außerhalb. Deshalb bin ich ein bisserl früher gekommen. Macht doch keinen Unterschied, oder?«

»Nein, wenn ich in das leere Wartezimmer schaue, gewiß net«, murmelte Christel mißmutig.

Der Landarzt bedachte sie mit einem kurzen, fragenden Blick, dann bat er: »Kochen Sie einen gescheiten Kaffee, net so dünn wie gestern. Und dann führen Sie den ersten Patienten herein.«

Sie wollte einwenden, daß noch niemand da war, doch der Mediziner hatte bereits die Tür zum Behandlungszimmer ins Schloß geworfen. Christel schickte einen ärgerlichen Blick zur Decke und seufzte: »Entscheide dich bitte bald, Chef. Lange halte ich das nämlich nimmer aus...«

An diesem Tag kam keiner in die Sprechstunde. Und als doch noch ein Patient erschien, war der Doktor bereits weg. Ärgerlich ließ er verlauten, demnächst einen anderen Arzt zu konsultieren. Es war, wie Christel vermutet hatte: die Praxis wurde von der Vertretung mehr als halbherzig betrieben und verlor bereits ihren guten Ruf. Dr. Haselbeck schien das einerlei zu sein. Christel fragte sich, ob er das vielleicht sogar mit Absicht tat, um einen Konkurrenten im Tal auszuschalten...

Währenddessen besuchte Lukas seinen Vater im Spital.

Der alte Landarzt hatte lange über das Gespräch mit seiner Sprechstundenhilfe nachgegrübelt und war mittlerweile gewogen, ihr zuzustimmen. Doch er wollte keine endgültige Entscheidung treffen, ohne vorher mit seinem Jüngeren gesprochen zu haben.

Lukas setzte sich schweigend an das Bett des Vaters, er war kein Mensch der großen Worte. Der Alte wollte wissen: »Denkst eigentlich manchmal ans Heiraten, Lukas? Der Hof braucht eine Bäuerin und Nachkommen.«

»Ich weiß, wird sich schon finden«, brummte er einsilbig.

»Meinst, die Madln werden dir die Bude einrennen? Ganz jung bist fei nimmer.«

»Ist doch meine Sache.« Lukas warf dem Vater einen unwilligen Blick zu. »Ich werde schon noch die Rechte heiraten. Mach dir nur keine Gedanken oder Sorgen.«

»Mach ich net, keine Angst. Ich vertrau dir doch.«

»Ach ja?« Der Bauer schüttelte leicht den Kopf und lachte dabei unfroh auf. »Ich dachte immer, der Max ist dir wichtiger als ich. Und daß du alles mit ihm besprichst, was wirklich wichtig ist. So war’s jedenfalls früher.«

»Heut möchte ich was mit dir besprechen«, ließ Josef ihn wissen. »Und es geht dabei um deinen Bruder. Schau, ich werde die Praxis nimmer allein führen können. Es ist nicht ganz leicht, eine gute Vertretung zu finden, geschweige denn einen Nachfolger. Da hat die Christel den Vorschlag gemacht, daß wir den Max fragen, ob er heimkommen will. Was sagst dazu?«

»Die Christel hat einen Narren am Max gefressen. Ich wette, sie hat nur auf so eine Gelegenheit gewartet.«

»Lukas, ich bitt dich. Laß uns doch vernünftig darüber reden. Es geht um die Zukunft, darum, ob es auch in der nächsten Generation einen Landarzt Brinkmeier in Wildenberg geben wird.«

Der Bauer hob die breiten Schultern. Seine markante Miene verfinsterte sich, als er zugab: »Das ist mir wurscht. Ich konnte ganz gut ohne den Max leben. Und wennst mich fragst, sollte das auch in Zukunft so bleiben.«

»Denkst dabei denn net nur an dich? Vielleicht überlegst dir mal, wie es mir ums Herz ist. Ihr seid beide meine Söhne. Ich hab mit dem Max meine Differenzen gehabt, das stimmt. Aber daß ihr zwei euch nimmer versteht, ist mir leid.«

»Das kann ich net ändern.« Lukas erhob sich und stellte klar: »Ich brauch den Max net. Wenn das bei dir anders ist, mußt tun, was du für richtig hältst. Mehr hab ich dazu net zu sagen.«

Josef wurde ärgerlich. »Sei halt net so stur! Wir drei sind schließlich eine Familie und...«

»Ich mag nimmer drüber reden«, war alles, was der Bauer noch sagte, dann verließ er einfach das Krankenzimmer.

Josef Brinkmeier ärgerte sich sehr. Nach einer Weile griff er zum Telefonhörer und rief in Wildenberg an. »Christel? Schreib dem Max einen Brief. Ich hab mich entschieden: Ich will versuchen, mit meinem Sohn ins reine zu kommen.«

*

Die Missionsstation Holy Spirit lag etwa fünfzig Kilometer südlich von Kigali, der ruandischen Hauptstadt. Eine schmale, staubige Piste führte zu dem kleinen Dorf, das sich um die Station herum angesiedelt hatte. Kunstfertig hergestellte Hütten aus geflochtenen Palmblättern, wie sie vor ein paar Jahrzehnten noch üblich gewesen waren, wichen nach und nach einfachen Lehmhütten. In jüngster Zeit baute man mit Ziegelsteinen, was für die eher arme Landbevölkerung schon einen Hauch von Wohlstand bedeutete. Die Station war in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts von einem britschen Nonnenorden gegründet worden. In den schweren Zeiten des Bürgerkriegs hatte sie den Menschen Schutz und Hilfe gegeben. Nun war die Missionsstation eine moderne Klinik mit für das Land hohen Standards. Nur wenige Nonnen waren hier noch tätig, meist handelte es sich um Einheimische. Dr. Max Brinkmeier und Dr. Julia Bruckner hatten nun fast zehn Jahre ihres Lebens hier verbracht und waren bis zu einem gewissen Grad heimisch geworden in Holy Spirit.