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Dr. Karsten Fabian kann es noch immer nicht fassen: In dem schönen Heidedorf Altenhagen, wo noch jeder jeden kennt, wo die Menschen zwar manchmal eine spitze Zunge haben, aber doch das Herz auf dem rechten Fleck - hier ist ein Mord passiert!
Opfer ist die alte Gertrud Pollmann, und als Täter kommt eigentlich nur jemand aus Altenhagen infrage. Denn wer sonst soll gewusst haben, dass in dem kleinen Friesenhaus solche Reichtümer zu holen waren?
Plötzlich ist es mit dem Frieden vorbei, denn jeder verdächtigt jeden ...
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Seitenzahl: 110
Veröffentlichungsjahr: 2016
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Tatort Altenhagen
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige E-Book-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2016 by Bastei Lübbe AG, Köln
Verlagsleiter Romanhefte: Dr. Florian Marzin
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Bastei Verlag / Blume
Datenkonvertierung E-Book: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-4109-6
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Tatort Altenhagen
Heideroman um ein Verbrechen und die dramatische Suche nach dem Täter
Von Ina Ritter
Dr. Karsten Fabian kann es noch immer nicht fassen: In dem schönen Heidedorf Altenhagen, wo noch jeder jeden kennt, wo die Menschen zwar manchmal eine spitze Zunge haben, aber doch das Herz auf dem rechten Fleck – hier ist ein Mord passiert!
Opfer ist die alte Gertrud Pollmann, und als Täter kommt eigentlich nur jemand aus Altenhagen infrage. Denn wer sonst soll gewusst haben, dass in dem kleinen Friesenhaus solche Reichtümer zu holen waren?
Plötzlich ist es mit dem Frieden vorbei, denn jeder verdächtigt jeden …
»Was willst du heute Vormittag machen?«, fragte Jan-Henrik Hofer seine Frau, während er nach einer Brötchenhälfte griff, die Judith ihm vorbereitet hatte.
»Ich fahre zu Tante Gertrud und beziehe ihr Bett neu. Vielleicht wasche ich auch noch die Gardinen im Wohnzimmer, mal sehen, wie es mit der Zeit hinkommt.«
»Wenn sie dich nicht hätte«, meinte der Mann. Er lächelte seiner Frau zu. »Ohne dich müsste sie wahrscheinlich in ein Altenheim. Dabei hast du mit dem Haus und den beiden Kindern eigentlich schon genug zu tun.«
»Solange ich lebe und gesund bin, wird Tante Gertrud nie in ein Altenheim müssen. Am Wochenende gehe ich mal in ihren Garten. Hoffentlich hält sich das Wetter.«
»Ich werde dir helfen.«
»Wie immer«, meinte Judith schmunzelnd.
Jan-Henrik wurde verlegen. Am Wochenende hatte er meistens etwas vor, er war ein begeisterter Fußballspieler und der beste Stürmer im Verein, außerdem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, und Tennis spielte er auch gern.
»Ich will versuchen, mich zu bessern«, versprach er.
Judith zuckte die Schultern. Sie bezweifelte seinen guten Willen nicht, war aber überzeugt, dass ihm bestimmt wieder etwas dazwischenkommen würde.
Sie warf einen Blick auf ihre beiden Kinder, die vollauf damit beschäftigt waren, ihr Frühstück zu vertilgen. Judiths Blick drückte die ganze Liebe aus, die sie für Lisa und Maik empfand. Beide waren gesund und sehr lebhaft, manchmal fast zu lebhaft. Allerdings dachte Judith nicht im Traum daran, sich deshalb zu beklagen. Gesunde Kinder brauchten Bewegung!
»Es wird Zeit für euch«, mahnte sie nach einem Blick auf die Küchenuhr. Beide gingen schon in die Schule, Maik in die erste, Lisa in die dritte Klasse, und beide schienen recht begabt zu sein, ihren Zensuren nach zu urteilen.
»Immer diese Antreiberei«, murrte Maik. Es klang etwas undeutlich, denn er hatte den Mund gerade voll.
Von Natur aus war er etwas phlegmatisch, jedenfalls was Schule anging. Auf dem Sportplatz allerdings gehörte er zu den Besten. Er schlug ganz nach seinem Vater, während Lisa mehr nach der Mutter kam.
Jan-Henrik war froh darüber, denn Judith war nicht nur außergewöhnlich tüchtig, sondern auch sehr hübsch. Sie hatte braunes Haar und wunderbare braune Augen. Man sah ihrem Gesicht an, dass sie mit ihrem Leben zufrieden war. Und dazu hatte sie auch allen Grund, fand sie jedenfalls. Seit zwei Jahren wohnten sie im eigenen Einfamilienhaus auf einem schönen Grundstück. Es war immer ihr Traum gewesen, eigene vier Wände zu besitzen, und jetzt hatten sie es geschafft.
»Wann krieg ich ein Mountainbike?«, fragte Maik und zog ein Gesicht. »Alle in meiner Klasse haben eins, bloß ich nicht!«
»Dafür haben wir jetzt kein Geld«, erklärte Judith freundlich, aber in sehr entschiedenem Ton.
»Ihr habt nie Geld«, murrte der kleine Junge.
»Man kann im Leben nicht alles haben, was man sich wünscht.«
»Ich will aber ein Mountainbike!«
»Sei still«, rügte sein Vater. »Wir sind nun einmal keine Millionäre.«
»Aber wo doch alle solch ein Rad haben …«
»Nicht alle. Jetzt möchte ich kein Wort mehr davon hören, verstanden?«
»Immer sollen wir den Mund halten.«
»Schluss jetzt.« Jan-Henrik wischte sich mit der Serviette die Lippen ab und stand auf. »Bis heute Abend dann.«
Er beugte sich zu seiner Frau hinab und gab ihr einen liebevollen Kuss. Seinen Kindern strich er über die Köpfe.
Judith schaute ihm nach und dachte, wie dankbar sie dem Schicksal sein musste, dass sie solch einen guten Mann bekommen hatte. Jan-Henrik war in seinem Beruf tüchtig, er arbeitete in der Kreisstadt in der Verwaltung, und vor allem war er der beste Ehemann, den eine Frau sich wünschen konnte.
»Vielleicht bringt der Weihnachtsmann dir ein Mountainbike«, sagte sie halblaut, als Jan-Henrik die Tür hinter sich geschlossen hatte.
»Das ist noch furchtbar lange hin«, meinte der Junge ungetröstet.
Jetzt war erst Sommer und bis zum Winter … für ihn eine kleine Ewigkeit.
»Nun wird es aber allerhöchste Zeit! Und dass ihr euer Frühstücksbrot auch aufesst«, mahnte sie wie jeden Tag.
»Ja, ja.« Lisa stand auf. »Die letzte Stunde fällt heute aus. Also, bis dann, Mama.« Sie gab ihrer Mutter einen Klaps auf die Schulter und lief hinaus.
Maik folgte ihr gemächlicher.
»Was ist das?«, fragte er und blieb mitten im Schritt stehen. Auch seine Schwester hatte den Kopf gehoben. »Papas Auto …«
Judith sprang auf und lief an den beiden vorbei hinaus. Jan-Henrik stand neben seinem Wagen und machte ein wütendes Gesicht.
»Die Karre spielt nicht mehr mit. Eigentlich kein Wunder, bloß … ich hatte gehofft, ich könnte sie noch ein paar Jahre fahren.« Er kratzte sich den Nacken. »Was mache ich bloß?«
»Du musst dir ein neues Auto kaufen, einen Sportwagen«, riet die neunjährige Lisa eifrig. »Einen dunkelblauen mit hellen Ledersitzen. Am besten ein Cabrio.«
»Wunderbar. Gibst du mir das Geld dafür?«
Die Kleine sah an ihm vorbei. Dass die Großen immerzu nur vom Geld reden konnten, richtig ätzend.
»Annikas Vater hat so ein Auto, ein toller Schlitten, kann ich dir sagen, geht ab wie eine Rakete.«
»Ich brauche keine Rakete, sondern nur einen Wagen, der mich zuverlässig zu meiner Dienststelle bringt.«
»Und wenn du nun einen Kredit aufnimmst?«, fragte Judith halblaut.
»Die Banken haben die dumme Angewohnheit, geliehenes Geld zurückhaben zu wollen, und dafür verlangen sie unverschämterweise auch noch Zinsen«, erwiderte der Mann ironisch. »Wir kommen jetzt mit dem Geld gerade so hin, und wärest du nicht eine so überaus sparsame Hausfrau, dann hätten wir uns dieses Eigenheim nicht erlauben können. Wenn die Busse doch nur häufiger fahren würden!«
Er hat recht, dachte Judith, ein Kredit würde uns finanziell überfordern, aber er brauchte ein Auto, es war absolut kein Luxus.
»Und wenn wir Tante Gertrud bitten würden, uns auszuhelfen?«
»Kommt überhaupt nicht infrage! Du kennst sie doch, freiwillig trennt sie sich von keinem Cent. Dabei bezieht sie eine schöne Witwenrente. Nein, nein, kommt nicht infrage! Ich fahre mit dem Rad, und bis zum Winter wird sich schon eine Möglichkeit finden.«
»Du willst die ganze Strecke mit dem Rad fahren?«, fragte Judith entsetzt.
»Das ist am billigsten. Mach dir keine Sorgen, irgendwie werden wir es schon schaffen.« Aber während er das sagte, wusste er, dass sie auch später nicht mehr Geld haben würden als jetzt. Falten standen auf seiner Stirn, als er sein Fahrrad aus der Garage holte und sich auf den Sattel schwang. »Rufst du im Amt an und sagst, dass ich heute etwas später komme?«, bat er.
»Mache ich.« Judith seufzte, als sie ihm nachschaute. »Was steht ihr hier noch herum, ihr solltet längst auf dem Weg zur Schule sein?«, wandte sie sich an ihre beiden Kinder.
»Das schaffen wir doch spielend.« Lisa machte sich auf den Weg, und Maik trottete hinter ihr her.
Viel lieber hätte er bei diesem schönen Wetter draußen gespielt, als Lesen und Schreiben zu lernen. Im Winter mochte das ja noch angehen, aber jetzt konnte man seine Zeit viel besser verwenden, fand er.
Falten standen auf Judiths Stirn, als sie ins Haus zurückging und den Frühstückstisch abräumte. Dabei dachte sie auch jetzt nicht daran, sich über ihr Schicksal zu beklagen. Viele Leute mussten rechnen, und sie brauchten schließlich nicht zu hungern.
Eine halbe Stunde später fuhr sie zu Tante Gertrud, einer Schwester ihres verstorbenen Schwiegervaters. Diese bewohnte ein hübsches, freistehendes Haus am Rande von Altenhagen. Gertrud war über achtzig und brauchte Hilfe. Es war für Judith selbstverständlich, für sie einzukaufen, sauber zu machen, die Wäsche in Ordnung zu halten und sich auch noch um den Garten zu kümmern. Sie bildete sich auf ihre Hilfsbereitschaft nichts ein.
Und genauso schien auch Gertrud Pollmann zu denken. Nur ganz selten hörte Judith von ihr mal ein Wort des Dankes.
»Da kommst du ja endlich«, empfing sie die junge Frau mürrisch. »Mir geht es heute gar nicht gut, habe in der Nacht kaum ein Auge zugetan. Wahrscheinlich wird sich das Wetter ändern, das spüre ich in allen Gliedern. Am liebsten wäre ich im Bett geblieben, aber wenn man so allein ist wie ich …«
»Tut mir leid, Tante Gertrud«, sagte Judith leichthin.
Die alte Frau hatte jeden Tag über irgendetwas zu klagen, schon längst nahm Judith das nicht mehr ganz ernst. Ihre Beschwerden waren das Alter, keine Krankheit. Dabei ließ Gertrud den Landarzt wenigstens jede Woche einmal kommen, um sich von ihm behandeln zu lassen. Und Dr. Fabian war verständnisvoll genug, das auch zu tun. Die Tabletten, die er ihr gab, wahre Wunderpillen, waren allerdings nur Placebos, bestanden hauptsächlich aus Traubenzucker. Aber sie halfen, wenn auch nur vorübergehend.
»Hast du schon gefrühstückt, Tante Gertrud?«, fragte Judith freundlich.
»Nein. Wenn du vielleicht den Kaffee kochen würdest … Für dich selbstverständlich eine Tasse mit.«
»Danke, ich komme gerade vom Frühstück.«
Ob es ihr leidtut, wenn ich gelegentlich eine Tasse mittrinke?, fragte sich Judith. Tante Gertrud ist wirklich ungewöhnlich sparsam, um nicht zu sagen geizig. Sie wird Jan-Henrik kein Geld leihen wollen. Oder doch? Fragen kostet nichts, dachte Judith, als sie das Kaffeewasser auf den Herd stellte.
»Jan-Henrik musste heute Morgen mit dem Fahrrad zum Dienst fahren. Unser Auto ist endgültig kaputt. Irgendwas mit den Zylindern, meint Jan-Henrik. Eine Reparatur lohnt sich nicht mehr.«
»Zu meiner Zeit gab es keine Autos, und Radfahren ist gesund.«
»Im Sommer mag das richtig sein, aber wenn es erst mal anfängt zu schneien …«
»Weshalb erzählst du mir das?«, fragte Gertrud Pollmann, und über ihr faltiges Gesicht glitt der Anflug eines Lächelns. »Wie viel braucht ihr?«
»Wofür?«
»Für ein Auto. Ich … also, so ganz arm bin ich nicht. Und wenn ich mal sterbe, bekommt ihr ja sowieso alles.«
»Das ist hoffentlich noch recht lange hin!«
»Ja, das hoffe ich auch, aber weiß man es? Genügen fünftausend? Nein, besser zehn«, unterbrach sie sich selbst. »Wenn du nachher gehst, gebe ich es dir mit.«
»Hast du denn so viel Geld im Haus?«, stieß Judith ungläubig hervor.
Tante Gertrud lächelte verschmitzt.
»Ich traue den Banken nicht«, sagte sie. »Und ich habe mein Geld gut versteckt. An vier verschiedenen Stellen.«
»Zum Beispiel unter dem Teppich im Wohnzimmer. Oder in einem Buch?«
»Woher weißt du das?« Die alte Frau war schockiert.
»Weil das die üblichen Verstecke sind, und Einbrecher dort zuerst nachsehen. Als Allererstes räumen sie natürlich die Wäsche aus dem Kleiderschrank aus. Es ist leichtsinnig, so viel Geld im Hause zu haben, Tante Gertrud.«
»Es weiß ja niemand, dass bei mir was zu holen ist. Und du wirst mich schon nicht verraten, oder?« Sie zwinkerte Judith zu. »Ich habe übrigens vor zwei Wochen ein neues Testament gemacht. Ursprünglich wollte ich alles dem Altenhagener Kinderheim vermachen, aber ich denke, ihr habt es noch nötiger. Vielleicht könnt ihr davon eine Hypothek abzahlen.«
Judith lächelte nachsichtig. Offenbar hatte Tante Gertrud keine Ahnung, was ein Einfamilienhaus heutzutage kostete.
»Ich habe immer gespart. Es sind über hunderttausend Euro.«
»Was?« Judith glaubte sich verhört zu haben. »Und das ganze Geld hast du hier im Haus rumliegen?«
»Versteckt«, verbesserte Gertrud Pollmann. »Ich weiß, was ich euch verdanke. Bevor ich in ein Altenheim gehe, bringe ich mich lieber um. Ist der Kaffee nicht bald fertig?«, wechselte sie abrupt das Thema, aber in ihren Mundwinkeln blieb das Lächeln. Offenbar war sie sehr stolz auf ihre Ersparnisse. »Die Zehntausend kannst du nachher mitnehmen. Ich möchte nicht, dass dein Mann sich auf dem Fahrrad erkältet und nicht mehr im Garten arbeiten kann. Reiner Egoismus.«
»Du bist ein Schatz, Tante Gertrud.« Impulsiv nahm Judith die alte Frau in den Arm.
»Ich weiß. Und nun kümmere dich endlich um den Kaffee.«
Bevor Judith sie freigab, drückte sie noch einen liebevollen Kuss auf die welke Wange der alten Frau.
»Wir waren schon richtig verzweifelt«, bekannte sie. »Und ohne deine Hilfe …«
»Schon gut, schon gut!«
