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In manchen Situationen kann man wirklich nur verzweifeln. Gerade hat Dr. Fabian bei Jutta Heller, der Frau des Apothekers aus dem Heidedorf Altenhagen, einen Gehirntumor festgestellt. Ob er gutartig oder bösartig ist, muss ein Spezialist herasfinden.
Jutta gibt sich sehr tapfer, aber der Landarzt ahnt, was sie wirklich durchmacht, zumal ihre Ehe seit Langem alles andere als harmonisch ist. Ob ihr Mann ihr in dieser schweren Situation überhaupt beistehen wird?
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Seitenzahl: 111
Veröffentlichungsjahr: 2017
Cover
Impressum
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens
Lebensretter Dr. Fabian
Vorschau
BASTEI ENTERTAINMENT
Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe
Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG
© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln
Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller
Verantwortlich für den Inhalt
Titelbild: Bastei Verlag / Blume
Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam
ISBN 978-3-7325-4753-1
www.bastei-entertainment.de
www.lesejury.de
Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:
Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.
Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.
Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.
Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.
Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.
Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.
Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.
Helene Fromm
Lebensretter Dr. Fabian
Als die Apothekersfrau in großer Gefahr schwebte
Von Ina Ritter
In manchen Situationen kann man wirklich nur verzweifeln. Gerade hat Dr. Fabian bei Jutta Heller, der Frau des Apothekers aus dem Heidedorf Altenhagen, einen Gehirntumor festgestellt. Ob er gutartig oder bösartig ist, muss ein Spezialist herasfinden.
Jutta gibt sich sehr tapfer, aber der Landarzt ahnt, was sie wirklich durchmacht, zumal ihre Ehe seit Langem alles andere als harmonisch ist. Ob ihr Mann ihr in dieser schweren Situation überhaupt beistehen wird?
»Hast du schon Zeit gehabt, die Stücke zu lesen?«, fragte Jutta Heller, die Frau des Apothekers von Altenhagen, gespannt.
Sie saß ihrer Freundin Florentine Fabian im Wohnzimmer gegenüber.
Die hübsche Frau des Landarztes machte ein bekümmertes Gesicht und schüttelte den Kopf.
»Tut mir schrecklich leid, ich hatte einfach noch keine Zeit. Aber gleich heute Abend …«
»Es eilt ja nicht so sehr. Wir haben noch zwei Monate, bevor wir anfangen müssen, ernsthaft zu arbeiten. Oder hast du keine Lust mehr auf unser Laientheater?«
»Doch. Sogar große Lust. Und Gerlinde würde es mir nie verzeihen, würde ich da nicht mehr mitmachen. Noch eine Tasse Kaffee, Jutta?«
»Lieber nicht. In letzter Zeit vertrage ich den Kaffee schlecht. Man wird eben alt.«
Florentine lachte. »Bis du alt wirst, dauert es noch ein bisschen. Ich wünschte, ich würde später auch noch so eine Figur haben wie du, und so viel Schwung.«
»Du wirst noch an deinem hundertzwanzigsten Geburtstag jung sein«, behauptete Jutta. Sie strich sich leicht über ihr kurz geschnittenes Haar und schloss einen Moment die Augen. »Worüber hatten wir eben gerade gesprochen?«, fragte sie gepresst. »Es ist schrecklich, aber mein Gedächtnis lässt mich manchmal im Stich. Das passiert mir eigentlich sogar mitten im Satz. Michael macht sich schon darüber lustig. Wenn er mir überhaupt mal zuhört«, setzte sie hinzu und lachte gezwungen. »Meistens sitzt er ja nur da und liest die Zeitung. Pass nur auf, dass es in deiner Ehe mal nicht so wird.«
»Darauf kannst du dich verlassen. Ich werde Karsten immer in Trab halten und dafür sorgen, dass er geistig kein Fett ansetzt. Männer brauchen es, dass man sie ein bisschen antreibt. Ich glaube, du verwöhnst deinen Michael zu sehr.«
»Ich habe ja sonst nichts. Bin nur Frau und Mutter und das Letztere nur immer ein paar Wochen im Jahr. Morgen kommt Sven wieder. Semesterferien. Wie der Junge sich herausgemacht hat … Er ist jetzt ein richtiger Mann geworden.«
Florentine konnte nicht anders, sie musste lachen.
»Er ist schon lange kein Junge mehr, nur dir ist das offenbar noch nicht aufgefallen. Bestimmt hat er viel Erfolg bei den Mädchen. Hat er eigentlich eine feste Freundin?«
Als echte Altenhagenerin war Florentine neugierig. Hier in diesem Kirchdorf wurde viel geklatscht, aber über Sven wusste man herzlich wenig. Er studierte Pharmazie in Hamburg, um später einmal die väterliche Apotheke übernehmen zu können. Es hieß, er sei sehr fleißig. Aber was sein Liebesleben anging, tappte man in Altenhagen im Dunkeln.
Jutta zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es nicht. Er redet wenig von sich, und wenn ich mal direkte Fragen stelle, lacht er mich aus.«
»Junge Leute haben eben ihre Geheimnisse. Bestimmt geht er nicht solo durch sein Studium. Hoffentlich macht er dich nicht allzu bald zur Oma.«
»Ich bin schon Oma – durch meine Tochter«, erinnerte die flotte Großmutter schmunzelnd. »Aber die wollte ihr Kind haben. Das war kein Unglück. Das ist ja heute sowieso leicht zu verhindern.«
»So?«, fragte Florentine skeptisch. Sie hätte von hier ein Dutzend Gegenbeispiele anführen können, aber weil ihre Freundin die auch kannte, verzichtete sie darauf. »Welche Komödie hat dir denn am besten gefallen?« Florentine kam auf den Anlass zurück, der Jutta zu ihr geführt hatte.
»Ich will dir nicht vorgreifen und dein Urteil womöglich beeinflussen. Auf jeden Fall ist in allen Komödien eine Prachtrolle für eure Gerlinde Semmelweiß.«
»Was ist mit mir?«, fragte die Haushälterin, die mit dem Ellenbogen die nur angelehnte Wohnzimmertür aufgestoßen hatte.
Mit beiden Händen hielt sie ein Tablett, auf dem eine noch nicht angeschnittene Torte stand. Ein wahres Prachtstück. Gerlinde war nicht nur eine sehr gute Köchin, genauso gut konnte sie auch backen, und weil immer hungrige Kinder im Haus waren, musste sie oft backen.
»Ihr habt doch bestimmt noch Hunger«, meinte sie, als sie die Torte auf den Tisch stellte. »Und was hattet ihr eben mit mir?« Misstrauisch sah sie von Gesicht zu Gesicht. »Ging es um meine Fahrstunden? Also, da braucht ihr euch gar keine Gedanken zu machen, das läuft alles seinen Gang.«
»Davon bin ich überzeugt«, versicherte Jutta freundlich. »Nein, wir sprachen über das neue Theaterstück.«
»Und wann krieg ich das mal zu lesen?«, wollte die füllige Haushälterin der Löwenvilla gespannt wissen. »Aber das sag ich euch, so einen Besen wie im letzten Stück, den spiel ich nicht mehr. Passt doch auch gar nicht zu mir.«
»Aber das hast du ganz ausgezeichnet gemacht. Alle waren begeistert, und du hast mal wieder den meisten Beifall bekommen«, erinnerte Florentine.
Gerlinde lächelte geschmeichelt.
»Das ist wohl wahr«, bestätigte sie. »Aber habt ihr nicht mal was, wo ich so eine nette Mutter gebe? Mit erwachsenen Kindern natürlich, die Schwierigkeiten machen, die ich dann wieder ins Lot bringe.«
»Du erzählst den Inhalt eines von mir vorgeschlagenen Stücks, als hättest du es schon gelesen«, stellte Jutta amüsiert fest.
Sie schloss die Augen.
»Hast du was?«, fragte Gerlinde, der das nicht entging. »Also, wenn du mich fragst, ich finde, du siehst in letzter Zeit nicht gut aus, siehst du nicht. Was sagt denn dein Mann dazu?«
»Gar nichts. Weil er mich überhaupt nicht richtig ansieht.«
»Ja, die Männer. Die interessieren sich nur für eine Frau, wenn sie was von ihr wollen, und sonst … Aber das muss man wohl hinnehmen, ändern kann man die doch nicht mehr.«
»Stimmt. Sie sind unserem Herrgott bei der Schöpfung nicht ganz gelungen. Ich hab manchmal Kopfschmerzen, aber die werden auch wieder vergehen. Schlimmer ist, dass ich gelegentlich Schwierigkeiten beim Sehen habe.«
»Dann komm doch mal zu uns in die Sprechstunde.«
»Ich gehe Ärzten gern aus dem Weg.«
»Du meinst, die finden immer was? Aber unser Doktor ist nicht so einer. Wir haben genug zu tun, wir bestellen Patienten nicht unnötig wie manche, die nur aufs Geld aus sind.«
»Setz dich doch zu uns«, lud Florentine ein.
»Würd ich ja gern machen, hab aber keine Zeit. Die Elke Dawson hat einen Sack Bohnen gebracht, und die will ich noch rasch einkochen. Aus der Tiefkühltruhe schmecken sie einfach nicht. Du brauchst mir nicht dabei zu helfen«, wehrte sie Florentines Angebot ab, bevor die es noch gemacht hatte. »Lasst euch die Torte schmecken.«
»Danke. Aber ich helf dir nachher noch.«
Florentine wusste, was sich gehörte, auch wenn ihr Angebot nicht ganz ernst gemeint war. Aus Hausarbeit machte sie sich nicht sonderlich viel, obwohl sie sich sonst vor keiner Arbeit drückte. Die tüchtige Florentine hatte auch so genug zu tun.
»Du solltest wirklich mal zu Karsten gehen und dich gründlich durchchecken lassen«, unterstützte sie Gerlindes Vorschlag, als die Haushälterin gegangen war. »Vielleicht ist es etwas Ernsthaftes.«
»Ach was. Wird schon wieder von selbst besser werden. Wahrscheinlich habe ich mir eine kleine Sommergrippe angelacht.«
»Wie lange hast du deine Beschwerden schon?«
»Weiß ich nicht. Fing ganz allmählich an. Abends beim Fernsehen. Da hatte ich manchmal einen kleinen Blackout.«
»So etwas darf man nicht leichtnehmen. Die Untersuchung tut ja nicht weh. Und Michael hat wirklich nichts davon bemerkt?«
»Nein. Brauchst mich gar nicht so mitleidig anzusehen, wenn man die Silberhochzeit erst hinter sich hat, sieht es in einer Ehe nicht mehr so aus wie in den Flitterwochen.«
Florentine war überzeugt, dass es ihr immer gelingen würde, Karstens Interesse an ihr wach zu halten. Aber das rieb sie ihrer Freundin natürlich nicht unter die Nase.
Als Jutta ein Stück Torte gegessen hatte, verabschiedete sie sich.
»Eigentlich wollte ich gar keinen Kuchen mehr essen«, versicherte sie seufzend. »Ich nehme so leicht zu.«
»Du hast eine tadellose Figur.«
»Und nur ich weiß, was die mich kostet. Aber seitdem ich mit euch zur Gymnastik gehe, darf ich ab und zu schon einmal sündigen. Grüß deinen Mann und deine Kinder von mir. Wo stecken die überhaupt?«
»Keine Ahnung. Sie treiben sich irgendwo im Dorf herum und kommen erst nach Hause, wenn sie Hunger bekommen.«
»Es ist schön, kleinere Kinder zu haben.« Einen Moment senkte Jutta Heller den Kopf.
Sie hatte manchmal das Gefühl, ein bisschen überflüssig zu sein. Niemand brauchte sie. Sie hatte ihren Haushalt, hielt den auch tadellos in Ordnung, aber eine Befriedigung fand sie darin nicht. Und das Theaterspielen … Zweimal in der Woche trafen sie sich im Frühherbst zu den Proben, bis dann im Winter die Premiere kam. Aber war das ein Lebenssinn?
»Was ist heute nur mit dir los?«, fragte Florentine und legte freundschaftlich einen Arm um Juttas Schultern.
»Nichts. Hab wohl meinen Moralischen. Geht auch wieder vorüber. Also bis dann.«
Jutta riss sich los und ging die Treppe hinunter.
Aus der Küche hörte sie Gerlindes Stimme. Die Haushälterin unterhielt sich mit ihrem Hund.
Ein Lächeln umspielte Juttas Lippen, als sie die Löwenvilla verließ. Gerlinde war schon ein Unikum. Ein weicher Kern in einer rauen Schale. Wer sie nicht kannte, musste sie für einen richtigen Besen halten, aber wenn es darauf ankam, konnte man sich immer auf Gerlindes Gutmütigkeit und Hilfe verlassen.
Als sie auf die Straße ging, hatte sie plötzlich das Gefühl, als wenn der Boden unter ihr wankte. Mit beiden Händen hielt sie sich am Zaun fest und atmete ein paar Mal tief durch, bis ihr wieder besser wurde. Vielleicht bin ich blutarm, dachte sie. Sie beschloss, ihren Mann zu bitten, ihr etwas dagegen zu geben. Als Apotheker war er ja auch ein halber Arzt.
Als sie weiterging, fühlte sie sich wieder besser. Vor allem freute sie sich auf ihren Jungen, der morgen nach Hause kommen würde. Für Sven war das Apothekerhaus immer noch sein Heim. Er kehrte stets gern nach Altenhagen zurück. Ein fleißiger Junge, der auch in den Semesterferien viel paukte. Diesmal allerdings würde er nicht so viel dazu kommen wie sonst, er machte ein Praktikum in einer Apotheke in der Kreisstadt. Sein Vater hatte das vermittelt. Er war mit dem Kollegen Mildner befreundet. Es geht eben nichts über Beziehungen, überlegte Jutta.
Sie ging gleich in ihre Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Ihr Mann war es gewohnt, einen gedeckten Tisch vorzufinden, wenn er aus seinem Laden heraufkam. Sie wohnten über der Apotheke. Platz genug hatten sie, das Haus war geräumig und innen vor einigen Jahren gründlich renoviert worden.
Jutta schaltete das Radio an, um etwas Unterhaltung zu haben. Und in sich spürte sie dabei eine große Leere.
***
»Du siehst fabelhaft aus, Jutta«, stellte Sven fest, nachdem er seine Mutter in den Arm genommen und ihr einen Kuss auf jede Wange gegeben hatte.
Die Frau lächelte geschmeichelt. »Das kann man von dir auch sagen.«
»Ich bin groß geworden, nicht wahr?«, fragte Sven grinsend. »Das wolltest du doch sagen?«
»Mach dich nicht über mich lustig. Hast du ordentlich Hunger mitgebracht?«
»Wie ein Wolf. Was gibt es heute Gutes? Rouladen, wenn meine Nase mich nicht täuscht? Wirklich super. Du übertriffst dich selbst, Juttakind.«
»Ich weiß ja, wie gern du Rouladen isst, und in der Mensa wird es die wohl nicht allzu oft geben.«
»Genauso ist es, und kochen gelernt habe ich inzwischen nicht. Gerade, dass ich es schaffe, mir meinen Kaffee selbst aufzubrühen. Allerdings gelingt mir das ganz gut. Behaupten jedenfalls die, die die Ehre haben, meinen Kaffee trinken zu dürfen.«
»Hübsche Mädchen?«, fragte die Mutter prompt.
»Woran du gleich immer denkst! Kommilitoninnen, das ist etwas ganz anderes. Mitstreiterinnen vom anderen Geschlecht. Wobei die Tatsache, dass sie weiblich sind, keine große Rolle spielt.«
»Hast du denn keine feste Freundin?«, fragte Jutta möglichst beiläufig.
Sven Heller ließ sich durch ihren Ton nicht täuschen.
»Nicht so, wie du es denkst. Ich habe nicht die Absicht, mich schon in so jungen Jahren einfangen zu lassen. Erst will ich etwas von meinem Leben haben.«
»Das ist richtig. Schau dich nur richtig um, bevor du dich bindest. Außerdem verdienst du noch kein Geld.«
»Was gibt es sonst Neues?«, fragte Sven.
