Dr. Karsten Fabian - Folge 194 - Ina Ritter - E-Book

Dr. Karsten Fabian - Folge 194 E-Book

Ina Ritter

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Birthe Katenkamp ist ganz aufgelöst und kann vor lauter Weinen kaum einen klaren Gedanken fassen. Sie liebt seit Langem einen jungen Mann aus dem Heidedorf Altenhagen, und es ist auch seit einiger Zeit klar, dass Hank und sie heiraten werden. Ihre und seine Eltern waren auch einverstanden - bis Birthes Mutter auf dem Dachboden einen alten Kaufvertrag über ein Stück Land fand, das mittlerweile mehrere Hunderttausend wert sein muss. Birthes Eltern waren vor Freude ganz aus dem Häuschen - bis Hanks Eltern behaupteten, das Land gehöre ihnen.
Jetzt sind alle zerstritten, nur Hank und Birthe nicht. Birthes Vater hat seine Tochter verstoßen, weil sie sich nicht von Hank trennen will, und Hanks Eltern wollen die beiden auch nicht aufnehmen ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2017

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Die wichtigsten Bewohner Altenhagens

Unser Liebesnest im Heidedorf

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: shutterstock / MintImages

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5238-2

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Die wichtigsten Bewohner Altenhagens:

Dr. Karsten Fabian – Arzt mit Leib und Seele, ehemals Chirurg im Elbe-Krankenhaus.

Florentine Fabian – geborene Fiedler, seine immer vergnügte, bildhübsche Frau.

Svenja, Tim und Jan – die aufgeweckten Kinder der Fabians, die von allen verwöhnt werden.

Dr. Albrecht Heideck – der ältere der beiden Landärzte, wohnt und praktiziert mit seinem jungen Kollegen in der Löwenvilla. Er ist Witwer.

Johannes Bruhns – Imker, Heidschnuckenzüchter und bester Freund von Dr. Heideck. Er kennt sich in der Naturheilkunde bestens aus.

Gerlinde Semmelweiß – Haushälterin in der Löwenvilla, abergläubisch und immer auf dem Laufenden, was Neuigkeiten im Dorf betrifft.

Schwester Bernhardine – unentbehrliche Helferin von Dr. Fabian und Dr. Heideck.

Helene Fromm

Unser Liebesnest im Heidedorf

Warum ein Paar von den Eltern verstoßen wurde

Von Ina Ritter

Birthe Katenkamp ist ganz aufgelöst und kann vor lauter Weinen kaum einen klaren Gedanken fassen. Sie liebt seit Langem einen jungen Mann aus dem Heidedorf Altenhagen, und es ist auch seit einiger Zeit klar, dass Hank und sie heiraten werden. Ihre und seine Eltern waren auch einverstanden – bis Birthes Mutter auf dem Dachboden einen alten Kaufvertrag über ein Stück Land fand, das mittlerweile mehrere Hunderttausend wert sein muss. Birthes Eltern waren vor Freude ganz aus dem Häuschen – bis Hanks Eltern behaupteten, das Land gehöre ihnen.

Jetzt sind alle zerstritten, nur Hank und Birthe nicht. Birthes Vater hat seine Tochter verstoßen, weil sie sich nicht von Hank trennen will, und Hanks Eltern wollen die beiden auch nicht aufnehmen …

Frau Semmelweiß, die tüchtige und unentbehrliche Haushälterin der beiden Landärzte von Altenhagen, ließ ihren Blick kritisch und prüfend über die Figur der jungen Frau hinweggleiten, die vor ihr den Einkaufswagen an den Regalen entlangschob.

»Guten Morgen auch«, grüßte sie äußerst freundlich, als die junge Frau stehen blieb, um ein Paket Kaffee aus dem Regal zu nehmen. »Wie geht es denn so?«

»Danke, ich kann nicht klagen«, antwortete Birthe Katenkamp zurückhaltend.

»Das hört man gern«, versicherte Gerlinde Semmelweiß. »Und ihr wollt dann im Herbst heiraten, habe ich gehört? Das ist ja noch ziemlich lange hin. Und das geht? Ich meine, so viel Zeit hast du noch?«

Birthe wurde ein bisschen rot. »Allerdings«, bestätigte sie knapp.

»Du musst es ja wissen«, meinte Gerlinde friedlich. »Also, ich finde es ja gar nicht schön, wenn eine junge Frau mit dickem Bauch vor den Altar tritt. Aber so was soll ja vorkommen. Und du meinst also, bei dir ist noch nichts Kleines unterwegs?«

Birthe holte ein paarmal tief Luft, bevor sie antwortete. Sie schluckte dabei alles herunter, was ihr zuerst in den Sinn gekommen war.

»Ich bin absolut sicher, Frau Semmelweiß«, antwortete sie dann beherrscht. »Entschuldigen Sie mich bitte, ich habe nicht so viel Zeit.«

»Ich auch nicht, wenn du das denkst«, entgegnete die Haushälterin gekränkt. »Aber man darf ja wohl mal ne Frage stellen, oder ist das auch verboten?«

»Nein, nein.«

Birthe machte, dass sie weiterkam. In ihr brodelte eine dumpfe Wut. Aber als sie dann in eine andere Regalreihe einbog, siegte ihr Sinn für Humor. Sie lachte.

Gerlinde hörte dieses Lachen und war sofort eingeschnappt. Es war doch eigentlich üblich, dass die jungen Frauen einen triftigen Grund zum Heiraten hatten, wenn sie zu Pastor Stolzenburg gingen, um das Aufgebot zu bestellen. Die passt wohl gut auf, dass sie nicht vergisst, immer die Pille zu nehmen, überlegte Gerlinde. Aber trotz der Pille kamen die meisten ersten Kinder hier immer noch zu früh auf die Welt.

Bis Herbst ist es noch lange hin, sinnierte Gerlinde, und bis dahin konnte noch allerlei passieren.

Als sie in die Löwenvilla, wie das Haus der Ärzte im Dorf genannt wurde, zurückgekehrt war, traf sie in der Diele Florentine Fabian, die Frau des jüngeren Landarztes.

»Was meinst du, wen ich eben bei Lammers getroffen habe?«, versuchte sie, ihre Freundin neugierig zu machen. »Die Birthe. Also bei der ist nichts Kleines unterwegs, hat sie mir gesagt. Ob das wohl stimmt, wo die beiden fast Tag für Tag zusammen sind? Wundern würde es mich schon. Na ja, wollen wir mal abwarten, was sich da tut. Vielleicht müssen sie auch schon im Sommer heiraten.«

Die hübsche junge Arztfrau schmunzelte.

»Und was gibt es sonst so Neues?«, erkundigte sie sich.

»Eigentlich nichts. Außer Birthe war niemand bei Lammers. Dass der so zurechtkommt … Andererseits nimmt er es ja vom Lebendigen. Eigentlich dumm, dass wir so viel bei ihm kaufen, wo es in den richtigen Supermärkten doch meistens viel billiger ist.«

»Lammers will auch leben, gönn ihm sein Einkommen. Ich will jetzt zu Tante Anna. Hast du was mitzugeben?«

»Nee. Schon wieder? Du warst doch vorgestern erst da, und da hab ich dir zwei Würste eingepackt. Nee, so dicke haben wir es nun auch wieder nicht. Wenn du mal bei deinen Eltern vorbeikommst … Also, unser Schinken, der geht jetzt bannig auf den Rest zu. Ein Wunder ist das nicht, wo dein Mann sich häufig einfach ein Stück abschneidet und es so isst, ohne Brot und alles. Nicht, dass ich es ihm nicht gönnen würde, aber mehr wird der Schinken dadurch nicht. Kannst ja mal bei deiner Mutter auf den Busch klopfen. Trifft ja keinen Armen, wenn sie wieder einen Schinken rausrückt.«

»Ich mache mir einen Knoten ins Taschentuch«, versprach Florentine fröhlich.

»Wo du doch gar kein Taschentuch hast, bloß diese Papierdinger … Aber das ist eben der Fortschritt.«

»Ja. Wir müssen uns auf unser Gedächtnis verlassen«, stimmte Florentine ihr zu. »Bis heute Mittag dann.«

»Und komm pünktlich, hörst du? Nicht dass ich wieder mit dem Essen auf dich warten muss. Einen Moment noch. Ich hab da Topfkuchen … Ist ja eigentlich zu schade für die Alten, aber man will ja nicht so sein. Für die Kinder back ich dann einfach einen frischen. Und grüß alle herzlich von mir.«

»Du bist wirklich ein Schatz«, versicherte Florentine. Und aus einer naheliegenden Gedankenverbindung heraus stellte sie dann eine Frage, die Frau Semmelweiß verlegen machte. »Hast du eigentlich mal wieder etwas von Paul gehört?«, erkundigte sie sich.

»Geh mir bloß weg mit dem!«, fauchte Gerlinde aufgebracht. »Nee, mit dem hab ich nichts mehr im Sinn. Ein Filou ist das, und lügen tut er wie ein Pferd läuft. Der soll sich her bloß noch mal wieder sehen lassen!«

»Ich glaub, du hast ihn immer noch ganz gern«, äußerte Florentine nachdenklich.

»Den? Also, den Paul würde ich nicht geschenkt nehmen«, versicherte Gerlinde empört. »Der hat es doch bloß auf mein Geld abgesehen, aber da ist er auf dem falschen Dampfer. Von mir kriegt er keinen Cent. Soll er doch arbeiten, der Faulpelz, aber da hat er natürlich keine Lust zu.« Beim Reden war sie nicht müßig gewesen und hatte den Topfkuchen in Papier eingepackt. »Trinkst du noch ne Tasse Kaffee mit, bevor du losfährst?«

»Nein, keine Zeit. Ich möchte Tante Anna im Altersheim ein bisschen helfen. Die Arbeit wird ihr allmählich zu viel.«

»Die Jüngste ist sie ja auch nicht mehr. Dass niemand hier so richtig weiß, wo sie herkommt und was sie früher war … Ob die wohl was zu verbergen hat? Was meinst du, Florentine?«

»Bestimmt nicht. Tante Anna trägt ihr Herz nur nicht auf der Zunge. Vielen Dank für den Kuchen. Bis heute Mittag dann.«

»Und pass auf, wenn du losfährst, dass dir nichts passiert. Du bist immer so wild. Ich hab nie Ruhe, wenn du mit dem Fahrrad unterwegs bist.«

»Ich pass schon auf. Wäre doch schlimm, müsste mein Mann sich eine andere Frau suchen. Wo fände er schon eine, die mich ersetzen könnte?«

Ein Scherz, selbstverständlich, aber wie immer nahm Gerlinde alles wörtlich.

»Da hast du ganz recht mit«, stimmte sie der jungen Frau zu. »Eine wie dich, nee, die würde er auf der ganzen Welt nicht mehr finden. Aber das weiß er auch, glaube ich.«

»Du sagst es ihm ja auch oft genug. Aber jetzt muss ich wirklich los.«

Florentine zwinkerte der Haushälterin zu und machte, dass sie hinauskam.

***

Als Birthe Katenkamp ihr Elternhaus betrat, war sie noch immer wütend. Ihre Mutter sah das auf den ersten Blick.

»Was hat es gegeben?«, erkundigte sie sich gespannt, als ihre Tochter die Einkaufstasche recht unsanft auf den Küchentisch stellte.

»Nichts weiter. Die Semmelweiß wollte nur wissen, in welchem Monat ich schwanger bin.«

Annemarie Katenkamp lachte.

»Und darüber hast du dich geärgert?«, meinte sie nachsichtig. »Liegt ja nahe, so wie du mit Hank stehst. Als ich jung war …«

»Ich weiß. Ich bin ein Sechs-Monats-Kind. Was geht das die Semmelweiß eigentlich an?«

»Sie interessiert sich für euch. Ich freu mich schon auf die Hochzeit. Hast du dir schon eine Bibelstelle rausgesucht?«

»Nein. Hat ja noch Zeit.«

»Hoffentlich.«

»Fang du jetzt nicht auch noch an«, explodierte Birthe.

Sie hatte ein hitziges Temperament.

»Reg dich wieder ab. Ich wollte schon immer mal auf den Boden gehen und nach dem alten Brautkleid gucken. Vielleicht hat es in den Jahren gelitten? Oder willst du dich nicht in dem alten Brautkleid trauen lassen?«

»Kommt darauf an, wie es aussieht«, baute Birthe vor.

»Meine Großmutter hat es schon getragen, nach ihr meine Mutter und dann ich. Reine Seide, Atlasseide. Eigentlich könnte ich ja gleich mal. Wenn du die Kartoffeln schälen würdest, Birthe …«

»Mach ich, wenn du es so eilig hast.«

»Kann nie schaden, wenn man auf alles vorbereitet ist. Vielleicht muss ja noch die Schneiderin heran und es für dich ändern. So schlank wie du war ich niemals, auch als junges Mädchen nicht. Hast du wohl von deinem Vater mitgekriegt. An den kann man beim besten Willen nichts ranfüttern. Dabei isst er für zwei.«

»Vielleicht arbeitet er für drei«, schlug Birthe als Erklärung vor, während sie ihre Einkäufe in den Kühlschrank räumte.

Allmählich verebbte ihre Wut. Ein bisschen Ärger blieb allerdings zurück.

Alle in Altenhagen wussten natürlich, dass sie mit Hank ging, wie man das hier nannte. Aber daraus gleich solche weitreichenden Schlüsse zu ziehen …

Während sie die Kartoffeln schälte, kreisten ihre Gedanken um ihren künftigen Mann, einen jungen Bauern aus Altenhagen. Ein besonders netter Mensch. Kein Draufgänger.

Ein kleines Lächeln umspielte Birthes Lippen, als ihr Erinnerungen kamen. Sie hatte Hank nämlich angesprochen, nicht umgekehrt. Er brauchte einen kleinen Anstoß, und er gefiel ihr nun einmal besser als andere Männer, die sich einbildeten, alle Mädchen müssten auf sie fliegen. Hank war rundherum nett. Und vor allem zuverlässig. Auf sein Wort konnte man Wolkenkratzer bauen. Er sagte allerdings nicht viel.

»Ist es nicht schön?«

Birthe schreckte zusammen, als ihre Mutter sie ansprach. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass die zurückgekommen war und das alte Brautkleid in die Höhe hielt.

»Wie neu«, behauptete Annemarie. »Ich muss es natürlich gründlich lüften.«

»Du hast es wohl mit Mottenpulver eingepudert«, mutmaßte Birthe, während sie das Prachtstück kritisch musterte. Ihre Augen begannen allmählich zu leuchten. »Die Urgroßmutter hatte einen sehr guten Geschmack«, stellte sie fest. »Ob ich es gleich mal überziehe?«

»Ja, bitte. Ich bin riesig gespannt, wie es dir steht. In der Taille muss es bestimmt enger gemacht werden, über der Brust mag es vielleicht passen.«

»Was hast du da noch in der Hand?«, fragte Birthe, als sie das Messer auf den Tisch legte und an die Spüle ging, um sich die Hände zu waschen.

»Ein Umschlag mit irgendwelchen alten Papieren. Weiß nicht, wie der in die Kiste gekommen ist. Will nachher mal reingucken, ob er irgendetwas Wichtiges enthält.«

»Dann hätte er bestimmt nicht in der alten Truhe gelegen. Mein Gott, wie das Kleid riecht …«

»Das gibt sich wieder, und du brauchst es ja nicht gleich schon morgen. Dass ihr bis nach der Ernte warten wollt … Wäre doch eigentlich besser, würdet ihr bald heiraten. Dann hört auch der Klatsch auf.«

»Hank meint, auf ein paar Monate käme es nicht an. Er will eine große Hochzeit.«

»Die kann er leicht wollen, wo wir sie bezahlen müssen.«

Annemarie lächelte allerdings bei dieser Bemerkung, denn ihr tat es keineswegs leid um die Kosten. Außerdem würden die sich in Grenzen halten. Es war üblich, dass die Gäste dem jungen Paar einen Umschlag mit Geld überreichten. Und die Summe genügte in der Regel, um die Hochzeitskosten zu begleichen.

»Habt ihr schon über das Menü gesprochen?«, fragte sie, als sie ihrer Tochter in das Zimmer folgte.

»Nein. Dir wird schon etwas einfallen, Mutti.«

Birthe hatte es eilig, ihr Kleid abzustreifen. Und als sie sich dann in dem Brautgewand im Spiegel betrachtete, lächelte sie ihrem Bild unwillkürlich zu.

Ihre Mutter zog den Stoff hinten in der Taille zusammen.

»Vier Zentimeter müssen da mindestens raus«, meinte sie. »Ich werd der Westermann sagen, dass sie nichts abschneiden darf. Vielleicht muss man es ja einmal wieder rauslassen, wenn deine Tochter so weit ist, dass sie heiratet.«

Birthe lachte bei der Vorstellung, eine Tochter im heiratsfähigen Alter zu haben. »Das Kleid ist wunderschön«, bestätigte sie das Urteil ihrer Mutter.

»So etwas wird heutzutage gar nicht mehr hergestellt«, behauptete Annemarie.

Sie half ihrer Tochter aus dem Kleid heraus und hängte es sorgsam auf einen Bügel. Das ganze Zimmer roch intensiv nach Mottenpulver.

»Ich mach hier schon weiter«, teilte Annemarie ihrer Tochter in der Küche mit.