Ein ganz spezieller Gast - Stefanie Valentin - E-Book

Ein ganz spezieller Gast E-Book

Stefanie Valentin

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Beschreibung

Mit viel Herz und Verstand geht die Heimat-Heidi zur Sache, denn sie ist eine schöne Wirtin voller Tatendrang, die ihren Gästen und Mitmenschen jederzeit hilfreich zur Seite steht. Unterstützt, wenn auch nicht unbedingt immer in ihrem Sinne, wird Heidi dabei von ihrer nicht ganz volljährigen Tochter Steffi, einem feschen Mädel mit losem Mundwerk, und ihrer Mutter Luise, die keineswegs gewillt ist, kürzerzutreten und Heidi mit der Leitung des Bergerhofs alleinzulassen. Für schwungvollen, heiteren Familienzündstoff ist also bei aller Herzenswärme unserer Titelheldin jederzeit gesorgt! »Also das, was du da gesagt hast, das stimmt net.« Der fesche junge Bursche schüttelte den Kopf. Er war groß gewachsen, hatte, soweit man sehen konnte, eine drahtige Figur, trug einen Schnäuzer, der ihm ausgesprochen gut stand und machte einen sehr selbstsicheren Eindruck. »Das ist net die Klander-Wand, die kannst von da gar net sehen.« Der andere lachte. »Du Spinner. Mir willst sagen, was das für ein Berg ist? Ich leb' da und du kommst nur alle Jahre mal her. Nix da, das ist die Klander-Wand, das wett' ich!« Benedikt Hirschberg, so hieß der Schnauzbärtige, zuckte mit den Schultern. »Bitt'schön, es ist net wichtig genug, ob's die Klander-Wand oder was weiß ich ist, um mich zu streiten«, erwiderte Benedikt Hirschberg. Sein Kontrahent hieß Alfons Handker, war der Sohn eines Hochtalbauern, und er war wegen seiner hitzigen, oft recht groben Art allgemein gefürchtet. Darüber hinaus war er ein großer, sehr kräftiger Bursch mit kohlrabenschwarzen Haaren, der auch die nötige Kraft und Bereitschaft hatte, seine Meinung wann und wie auch immer er wollte durchzusetzen. Als Benedikt nur mit den Schultern zuckte und meinte, es sei ihm nicht wichtig, wie der Berg heiße, grinste Alfons Handker. »Du gibst also klein bei?« fragte er. »Es interessiert mich net«, erwiderte Benedikt, »es ist mir völlig egal, was du meinst, wie der Berg heißt, kapiert?« Benedikt war eher zufällig in die Gesellschaft Alfons Handkers, der mit einigen Spezln zusammen am Tisch hockte, geraten.

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Seitenzahl: 113

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Heimat-Heidi – 24 –Ein ganz spezieller Gast

Heidi traut ihm nicht über den Weg

Stefanie Valentin

»Also das, was du da gesagt hast, das stimmt net.« Der fesche junge Bursche schüttelte den Kopf. Er war groß gewachsen, hatte, soweit man sehen konnte, eine drahtige Figur, trug einen Schnäuzer, der ihm ausgesprochen gut stand und machte einen sehr selbstsicheren Eindruck. »Das ist net die Klander-Wand, die kannst von da gar net sehen.«

Der andere lachte. »Du Spinner. Mir willst sagen, was das für ein Berg ist? Ich leb’ da und du kommst nur alle Jahre mal her. Nix da, das ist die Klander-Wand, das wett’ ich!«

Benedikt Hirschberg, so hieß der Schnauzbärtige, zuckte mit den Schultern.

»Bitt’schön, es ist net wichtig genug, ob’s die Klander-Wand oder was weiß ich ist, um mich zu streiten«, erwiderte Benedikt Hirschberg.

Sein Kontrahent hieß Alfons Handker, war der Sohn eines Hochtalbauern, und er war wegen seiner hitzigen, oft recht groben Art allgemein gefürchtet. Darüber hinaus war er ein großer, sehr kräftiger Bursch mit kohlrabenschwarzen Haaren, der auch die nötige Kraft und Bereitschaft hatte, seine Meinung wann und wie auch immer er wollte durchzusetzen.

Als Benedikt nur mit den Schultern zuckte und meinte, es sei ihm nicht wichtig, wie der Berg heiße, grinste Alfons Handker.

»Du gibst also klein bei?« fragte er.

»Es interessiert mich net«, erwiderte Benedikt, »es ist mir völlig egal, was du meinst, wie der Berg heißt, kapiert?«

Benedikt war eher zufällig in die Gesellschaft Alfons Handkers, der mit einigen Spezln zusammen am Tisch hockte, geraten. Die Unterhaltung war ihm mehr oder weniger aufgenötigt worden.

»Ich kapier nur, daß du ein großes Maul hast«, entgegnete Alfons Handker.

»Wenn du das meinst, dann ist das dein Problem«, antwortete Benedikt, »du mußt dir ja net anhören, was ich sag’.« Dann stand er auf, nickte und wünschte einen schönen Abend.

»Kneifst du jetzt?« Alfons Handker grinste Benedikt selbstgefällig an.

Der lachte kurz auf. »Vor was sollt’ ich kneifen?«

»Du darfst net fragen, vor was du kneifst, sondern vor wem«, erwiderte Alfons, der sich in der Gesellschaft seiner Spezln offensichtlich sehr wohl fühlte.

Benedikt war schon auf dem Weg nach draußen gewesen, jetzt kam er ein paar Schritte zurück und blieb unmittelbar vor dem Schwarzhaarigen stehen.

»Du meinst doch net, daß ich vor dir kneife?« fragte er. Dann umspielte ein ironisches Lächeln seine Mundwinkel. »Also, das kannst net wirklich glauben.«

Die Spannung war plötzlich nicht mehr zu steigern. Aus einer anfänglich belanglosen Plauderei hatte sich binnen Sekunden ein abwägendes Einschätzen entwickelt, das sehr rasch noch weiter hochschaukeln konnte, um dann in einer heftigen Rauferei zu enden.

Gerade als Alfons Handker aufstehen wollte, wurde die Tür geöffnet und die Bergerhof-Heidi kam herein. Sie lächelte in die Runde, sah Benedikt, der vor dem Tisch stand, an und fragte, ob er schon gehen wolle.

»Man mag mich hier nicht besonders«, antwortete der junge Bursche, wobei er in Richtung des Tisches sah, wo Alfons und seine Spezln saßen.

»Aha…!« Heidi sah erstaunt hinüber zu dem Tisch.

»Der Herr Hirschberg ist gar so empfindlich«, sagte Alfons, wobei er breit grinste.

»Jetzt hörts schon auf«, sagte Heidi, die sich bei den Burschen einiges erlauben konnte.

Benedikt nickte, ging zur Tür, verließ die alte Gaststube, zahlte bei Gerti und hatte kurz darauf den Bergerhof verlassen.

»Was war denn los?« fragte Heidi, die inzwischen am Tisch von Alfons und seinen Spezln stand.

»Der Hirschberg, der Depp, meint mir was sagen zu können«, antwortete Alfons, »dann muß er früher aufstehen.«

»Hirschberg? War der Bursch mit dem Schnauzbart ein Hirschberg?« Die Bergerhof-Heidi sah den Schwarzhaarigen fragend an.

Der nickte. »Kennst du ihn nimmer? Das war der Benedikt. Beni haben s’ ihn immer gerufen. Vor allem sein Großvater war ganz narrisch auf den Buben.«

Heidi dachte einen Augenblick nach, dann schüttelte sie den Kopf.

»Ich hab’ im Moment keine Ahnung, wer dieser Benedikt Hirschberg ist«, sagte sie. »Ich kenn’ Hirschbergs drüben in Schönbach und in Fischen.«

»Der Benedikt stammt von den Hirschbergs aus dem Weißbachtal«, erklärte Alfons, »aber er ist da sicher schon über zehn Jahr’ hier nimmer zu Haus’.«

»Aha…!« Heidi nickte. »Richtig, da gibt’s auch noch Hirschbergs.«

»Es gab«, erklärte Alfons, »inzwischen gibt’s da keine mehr. Das Bauernhaus steht seit Jahren leer, und um den Wald kümmert sich keiner. Schad’ drum, aber so geht’s, wenn die Leut’ in die Stadt ziehen.«

»Was macht der Benedikt denn?« wollte Heidi wissen. »Ich mein’ jetzt beruflich.«

»Der hat irgendwas studiert«, erwiderte Alfons, »jedenfalls lebt er seit Jahren in München. In letzter Zeit taucht er allerdings hin und wieder auf.«

»Ja, weil er drüben beim Grafen jagen geht«, erklärte ein junger Bursch. »Mein Bruder hat ihm letztens geholfen, eine Gams zu bergen.«

Alfons schien das nicht gewußt zu haben. Er sah erstaunt drein und nickte dann ein paarmal, als verstünde er nun die Zusammenhänge.

»Da schau her«, murmelte er schließlich, »das hätt’ ich jetzt net gedacht.«

»Er ist geschäftlich irgendwie mit dem Grafen verbandelt«, erklärte der junge Bursche weiter. »Ich glaub’, der Benedikt hat für den Grafen mal was geregelt. Ich hab’ da mal was gehört, hab’ aber keine Ahnung, um was es ging.«

»Von was hast du schon Ahnung«, erwiderte der Schwarzhaarige. »Außerdem glaub’ ich net, was du eben gesagt hast.«

»Was du denkst, das ist deine Sach’. Jedenfalls ist der Benedikt keiner, den du so einfach einschüchterst.« Der junge Bursche grinste, weil er meinte, einen gelungenen Scherz gemacht zu haben.

Doch der Schwarzhaarige belehrte ihn eines Besseren.

»Willst eine auf die Goschen haben?« fragte er, wobei seiner Stimme sehr viel Aggressivität beigegeben war.

Der junge Bursche, er saß an einem Nachbartisch, bekam knallrote Ohren, wich dem Blick des Schwarzhaarigen aus und nippte schließlich an seinem Bier.

»Hör auf zu stänkern«, sagte daraufhin die Bergerhof-Heidi. »Interessant ist, daß letztens mal wer da war, der nach einem leerstehenden Anwesen im Weißbachtal gefragt hat. Gibt’s da noch andere leerstehende Bauernhäuser, oder ist das von den Hirschbergs das einzige?«

Außer Alfons Handker zuckten alle mit den Schultern. Der sah verbissen drein, dann sagte er: »Es ist das einzig leerstehende Anwesen. Der Vater hat es mal kaufen wollen, und deswegen an den Benedikt geschrieben, aber der hat net mal geantwortet.«

*

»Hast du gewußt, daß der junge Bursche, der in der letzten Zeit schon mal zu uns kommt, einer von den Hirschbergs aus dem Weißbachtal ist?« Die Bergerhof-Heidi sah ihre Schwiegermutter fragend an.

»Welcher junge Bursche?« erwiderte diese. »Bei uns kommen so viele junge Burschen herein, und gar so viel Interesse hab’ ich in meinem Alter nimmer an ihnen.«

Heidi winkte lachend ab. »Red net so. Ich mein’, den mit dem Schnäuzer. Ich hab’ dich schon mal nach ihm gefragt.«

»Ach, von dem redest…«, erwiderte Luise, »was ist mit ihm? Du hast ja letztens schon deine Bedenken gehabt.«

»Er soll mit dem Grafen irgendwie geschäftlich verbandelt sein und bei ihm jagen gehen«, erwiderte Heidi. »Das hat jedenfalls wer behauptet.«

»Und?« fragte Luise. »Was ist daran so besonders?«

»Er soll irgendwas für ihn geregelt haben«, sagte Heidi. »Was kann denn so ein Bursch für den Grafen Steinegg regeln?«

Luise zuckte mit den Schultern. »Keine Ahnung. Wenn es dich so sehr interessiert, dann kannst ihn ja fragen. Wie heißt er? Benedikt Hirschberg?«

Heidi nickte.

Luise überlegte.

»Es kann sein, daß ich seine Großeltern gekannt hab’. Wenn es deren Enkel ist, dann ist die Großmutter ziemlich früh verstorben. Sein Großvater hat dann jahrelang ganz allein auf dem Hof gelebt. Nur die alte Liesel vom Standnerhof hat ab und an nach ihm geschaut.«

In dem Moment schien die Bergerhof-Heidi zu begreifen, wer der junge Bursche mit dem Schnäuzer war.

»Jetzt weiß ich endlich, wohin ich ihn tun muß«, sagte sie. »Es hat damals ziemlich böses Blut gegeben, daß er sich net um seinen Großvater gekümmert hat.«

Da winkte Luise ab. »Schmarrn, die Leut’ reden immer irgendwas. Wenn er sich gekümmert hätt’, dann würden s’ gesagt haben, er sollt’ sich lieber um seine Ausbildung kümmern. Was ist er denn? Ich mein’ beruflich.«

Heidi zuckte mit den Schultern. »Ich weiß es net, und die Burschen wußten es auch net. Der Handker-Alfons hat gemeint, er hätt’ was studiert. Was, konnt’ er aber auch net sagen.«

Luise stand am Herd und schmeckte eine Suppe ab. Plötzlich stutzte sie.

»Sag mal, gab es da net mal was mit einem Madel?« fragte sie. »Ich bin mir net sicher, aber der Benedikt könnt’ mal in was verwickelt gewesen sein.«

Heidi überlegte und zuckte dann mit den Schultern. »Ich hab’ keine Ahnung.«

»Doch«, sagte Luise, »es ging damals um die Ulla vom Wiesenhof. Ich mein’, der Hirschberg-Benedikt hätt’ ihr irgendwas versprochen und da hätt’ sie sich mit ihm eingelassen und dann hat er’s net gehalten.«

Heidi schüttelte den Kopf. »Also, davon weiß ich nix.«

»Aha«, murmelte Luise, »vielleicht spinn’ ich ja auch.« Dann sah sie Heidi an. »Aber irgendwas scheint dich doch auch zu stören an dem Burschen, oder? Wenn ich seh’, wie du dreinschaust, dann bist mit was net einverstanden.«

Es dauerte eine Weile, bis die Heidi reagierte, doch dann nickte sie.

»Ja«, sagte sie, »was stört mich an ihm.«

»Und was?«

Heidi zuckte mit den Schultern. »Das ist es ja, ich weiß es einfach net.«

*

Lisa Laubner war an jenem Nachmittag sehr zeitig nach Hause gekommen. Sie ging zu ihrer Mutter, die im Garten arbeitete und stellte sich zu ihr.

»Hat wer für mich angerufen?« fragte sie.

Ihre Mutter richtete sich auf und sah ihre Tochter neugierig an. »Erwartest du einen Anruf?«

Lisa war dreiundzwanzig Jahre alt, hatte eine Superfigur, dunkle Haare, wunderschöne Augen, die meistens freundlich lächelten, jedoch auch verträumt dreinschauen konnten.

Sie schüttelte den Kopf und lachte. »Nein, ich erwarte keinen Anruf, aber es hätt’ ja sein können, daß wer an mich denkt.«

Anna Laubner kannte die Art ihrer Tochter, und wenn sie so lustig war wie in jenem Augenblick, was sehr oft der Fall war, dann freute sie sich.

»Was redest denn da?« fragte sie lachend, »als wenn sonst niemand an dich denken würd’.«

»Na, wer denkt denn zum Beispiel an mich?« Lisas dunkle Augen sprühten vor Übermut.

»Na, ich«, antwortete Anna.

Lisa lachte und küßte ihre Mutter auf beide Wangen.

»Du bist vielleicht gut«, sagte sie dann, »in dem Zusammenhang zählst du doch nicht. Ich meine doch, ob ein junger Bursch angerufen hat.«

Anna Laubner starrte ihre Tochter an, als sehe sie sie zum ersten Mal.

»Was ist denn mit dir los?« fragte sie.

»Was soll denn los sein?« erwiderte Lisa.

»Na, was du gesagt hast!«

»Was hab’ ich denn gesagt?«

»Daß du auf den Anruf eines jungen Burschen warten würdest.«

»Ja und?« Lisa lachte. »Ist das etwa verwerflich?«

»Sicher nicht«, antwortete ihre Mutter, »aber so wie du es gesagt hast, schon.«

»Da schau her!« Lisa lachte, sie hatte, das war unschwer zu erkennen, großen Spaß an der Unterhaltung. »Jetzt bewertet meine Mutter, wie ich Anrufe erwarten darf.«

Anna Laubner sah die lachenden Augen ihrer Tochter und mußte mitlachen.

»Daß es dir immer wieder gelingt, mich derart zu foppen«, sagte sie schließlich.

»Hat wirklich niemand angerufen?« fragte Lisa und ihre Mutter wußte gleich, daß die Frage nun ernst gemeint war.

Sie schüttelte den Kopf. »Nein, aber ich bin seit gut einer Stund’ heraußen im Garten. Es kann also gut sein, daß wer angerufen hat und ich es net gehört hab’.« Dann sah sie ihre Tochter neugierig an und fragte ganz nebenbei: »Wessen Anruf erwartest du denn?«

Lisa zuckte mit den Schultern. »Nix Spezielles. Ich geh’ dann mal nach oben.«

Lisa hatte eine Ausbildung bei der Kommunalverwaltung abgeschlossen und sich vor einem halben Jahr auf eine Offerte der Verwaltung des Grafen Steining beworben. Lisa hatte bei dem Vorstellungsgespräch einen ausgesprochen guten Eindruck hinterlassen und seitdem war sie in Diensten des Grafen.

Anna Laubner sah ihr hinterher und sie atmete tief durch. Es war nicht leicht gewesen, Lisa und ihren Bruder Tommy, er war inzwischen fünfzehn, alleine groß zu bekommen, nachdem ihr Mann sehr früh einem bösartigen Leiden zum Opfer gefallen war.

Anna machte sich plötzlich Sorgen wegen Lisa, denn noch nie hatte sie nach einem Anruf gefragt, sie hatte Anrufe irgendwelcher Burschen, die sie einladen wollten, bis zu dem Tag stets als lästig angesehen.

Anna zog die Handschuhe, die sie bei der Gartenarbeit trug, aus und folgte Lisa ins Haus.

»Soll ich uns Tee machen?« rief sie nach oben, denn Lisas Zimmer war im oberen Stock des schön gelegenen Hauses.

»Für mich nicht.« Lisa kam die Treppe schon wieder herunter. Sie hatte sich rasch umgezogen und schien noch mal weg zu wollen.

»Du… du gehst noch mal weg?« Anna Laubner sah ihre Tochter fragend an.

Die nickte. »Ja, ich fahr’ mal rasch zu Iris.«

Iris Bach war Lisas beste Freundin, die beiden kannten sich schon seit dem Kindergarten und auch jetzt, nachdem Iris eine Wohnung in Oberstdorf bezogen hatte, tauschten sich die beiden regelmäßig aus.

»Wann kommst du zurück?« wollte Anna Laubner wissen. »Wegen des Abendessens.«

»Ich eß unterwegs was«, antwortete Lisa, »du mußt nicht auf mich warten.«

Minuten später hatte Lisa das Haus verlassen und während ihre Mutter dem davonfahrenden Wagen nachsah, läutete das Telefon.

»Laubner«, meldete sich Anna. Daß Lisa einen Anruf erwartet hatte, daran dachte sie in dem Moment nicht.

»Hirschberg«, meldete sich eine sympathisch klingende Stimme, »ist Lisa zu sprechen?«

»Wer ist dort bitte?« Anna nahm nun an, daß dies der Anrufer war, nach dem Lisa gefragt hatte.

»Hirschberg«, antwortete der Anrufer. »Benedikt Hirschberg.«

»Lisa ist eben weggefahren«, antwortete Anna Laubner. Dann zögerte sie und fragte: »Entschuldigen Sie bitte, aber sagten Sie eben, Ihr Name sei Hirschberg?«

»Ja…, Benedikt Hirschberg.«

»Sind Sie… sind Sie der Sohn von Karl Hirschberg?« Die Stimme Anna Laubners hatte plötzlich einen anderen Klang als vorher.