In letzter Sekunde - Stefanie Valentin - E-Book

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Stefanie Valentin

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Beschreibung

Mit viel Herz und Verstand geht die Heimat-Heidi zur Sache, denn sie ist eine schöne Wirtin voller Tatendrang, die ihren Gästen und Mitmenschen jederzeit hilfreich zur Seite steht. Unterstützt, wenn auch nicht unbedingt immer in ihrem Sinne, wird Heidi dabei von ihrer nicht ganz volljährigen Tochter Steffi, einem feschen Mädel mit losem Mundwerk, und ihrer Mutter Luise, die keineswegs gewillt ist, kürzerzutreten und Heidi mit der Leitung des Bergerhofs alleinzulassen. Für schwungvollen, heiteren Familienzündstoff ist also bei aller Herzenswärme unserer Titelheldin jederzeit gesorgt! »Herrschaftszeiten, was ist denn da los?« Luise ging nach draußen, stellte sich auf den Hof und sah einem Fahrzeug der Bergwacht hinterher, das mit Blaulicht ins Tal hinauf raste. »Das ist jetzt schon der dritte Wagen in net mal zehn Minuten«, erwiderte Heidi, die ebenfalls nach draußen gegangen war. »Was wird denn da passiert sein?« »Spätestens wenn's dunkel ist, werden wir's erfahren«, sagte Luise. »Weil dann der Markus mit seinem Rettungstrupp bei uns einkehrt.« »Du weißt net, ob's dem Markus sein Trupp ist«, entgegnete Heidi, »inzwischen existieren in der Gegend vier verschiedene Bergrettungstrupps.« Luise nickte. »Das ist allerdings wahr. Aber der Trupp vom Markus ist der bekannteste.« Heidi lächelte. Sie wußte, daß ihre Schwiegermutter Markus Ortner mochte. Markus war darüberhinaus ein Großneffe Luises, was jedoch weniger für Luises Vorliebe für Markus' beitrug als dessen ausgesprochen nette und bodenständige Art. Außerdem war er ein ausgenommen fescher Bursch, den alle mochten und der sich vor zwei Jahren als Restaurator alter Möbel selbständig gemacht hatte. Markus war ein sehr geselliger Typ, dessen freundliche Art ihm viele Freunde beschert hatte, die er vor allem bei der Bergwacht fand. Schon sein Vater war bei der Bergwacht gewesen und seit sein Bruder vor sieben Jahren bei einem winterlichen Einsatz ums Leben gekommen war, war Markus noch fester mit der Bergwacht verbunden. Die Madeln mochten ihn auch seiner Scherze und seiner netten Art wegen, aber bisher war es noch keiner gelungen, ihn dauerhaft an sich zu binden, obwohl es schon etliche versucht hatten.

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Seitenzahl: 110

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Heimat-Heidi – 57 –In letzter Sekunde

Ein Lebensretter verliert sein Herz

Stefanie Valentin

»Herrschaftszeiten, was ist denn da los?« Luise ging nach draußen, stellte sich auf den Hof und sah einem Fahrzeug der Bergwacht hinterher, das mit Blaulicht ins Tal hinauf raste.

»Das ist jetzt schon der dritte Wagen in net mal zehn Minuten«, erwiderte Heidi, die ebenfalls nach draußen gegangen war. »Was wird denn da passiert sein?«

»Spätestens wenn’s dunkel ist, werden wir’s erfahren«, sagte Luise. »Weil dann der Markus mit seinem Rettungstrupp bei uns einkehrt.«

»Du weißt net, ob’s dem Markus sein Trupp ist«, entgegnete Heidi, »inzwischen existieren in der Gegend vier verschiedene Bergrettungstrupps.«

Luise nickte. »Das ist allerdings wahr. Aber der Trupp vom Markus ist der bekannteste.«

Heidi lächelte. Sie wußte, daß ihre Schwiegermutter Markus Ortner mochte.

Markus war darüberhinaus ein Großneffe Luises, was jedoch weniger für Luises Vorliebe für Markus’ beitrug als dessen ausgesprochen nette und bodenständige Art. Außerdem war er ein ausgenommen fescher Bursch, den alle mochten und der sich vor zwei Jahren als Restaurator alter Möbel selbständig gemacht hatte.

Markus war ein sehr geselliger Typ, dessen freundliche Art ihm viele Freunde beschert hatte, die er vor allem bei der Bergwacht fand. Schon sein Vater war bei der Bergwacht gewesen und seit sein Bruder vor sieben Jahren bei einem winterlichen Einsatz ums Leben gekommen war, war Markus noch fester mit der Bergwacht verbunden.

Die Madeln mochten ihn auch seiner Scherze und seiner netten Art wegen, aber bisher war es noch keiner gelungen, ihn dauerhaft an sich zu binden, obwohl es schon etliche versucht hatten. Zuletzt die Sylvia vom Föhrenhof, die sich ganz intensiv um Markus bemüht hatte.

Sylvia Schneider war ein hübsches Mädchen, was sie wußte und weswegen sie die Nase schon mal recht hoch trug. Und weswegen sie einen Burschen wie Hans Birgner nicht beachtete. Hans war ein stiller Bursche, ebenfalls bei der Bergwacht engagiert und seine Stärke war nicht in Bergwände einzusteigen, in die sich jemand verirrt hatte, sondern er war der Logistiker, der alles plante und dessen Arbeit mehr oder weniger getan war, wenn sie für andere erst begann.

Markus Ortner stand am unteren Ende einer steil in den blauen Himmel ragenden Felswand und zeigte hinauf, wo auf einem Felsvorsprung zwei Gestalten kauerten und sich fest gegen die steinerne Barriere drückten, denn Platz war auf dem kleinen Stück Fels nur sehr wenig.

Hans Birgner schüttelte den Kopf, gab einige Daten in einen Laptop, den er auf den Knien stehen hatte, denn er saß noch im Wagen und rief Markus dann zu sich.

»Das da ist die günstigste und damit ungefährlichste Route dorthin«, sagte er, wobei er auf den Bildschirm des Laptop zeigte.

»Bist du sicher?« erwiderte Markus.

Hans nickte. »Alle Wände und Berge, die touristisch begangen werden, sind eingemessen und digitalisiert worden. Ich habe ein Programm geschrieben, das uns dann die günstigste Route beschreibt, um wen aus dem Berg zu holen.«

Markus dachte einen Augenblick, dann nickte er.

»Okay«, erwiderte er, »du bist der, der sich die Gedanken zu machen hat. Und wenn du sagst, daß das da«, er zeigte auf den Bildschirm, wo in die Wand eine Route eingezeichnet war, »die optimale Lösung ist, dann ist es die optimale Lösung.«

»Was ist?« fragte ein junger Bursche, der bereits einen Helm aufgesetzt hatte und einige Seile über der Schulter hängen hatte.

»Wir gehen übers Köpfl«, sagte Markus.

»Übers Köpfl?« Die Stimme des jungen Burschen klang erstaunt.

Markus nickte. »Ja, der Hans hat die Route per Computer festgelegt. Geh hin und schau sie dir an, wir beide und der Toni werden hinaufsteigen.«

»Ist schon recht«, sagte der junge Bursche, dann verschwand er.

Minuten später begannen die drei den Aufstieg zu den beiden in Bergnot Befindlichen, von denen noch keiner wußte, wer sie waren.

Als sie fast bei den beiden waren, nickte Markus Ortner.

»Der Hans hat recht gehabt«, murmelte er, »hier ist’s weitaus kommoder als drüben der Steig. Und herunter bekommen wir die beiden hier auch besser.«

»Du, da ist ein Madl bei«, sagte Toni, als sie den beiden ängstlich auf dem Felsvorsprung Hockenden näher kamen.

»Habe die Ehre«, murmelte der junge Bursche, »und fesch ist das Madel obendrein.«

»Jetzt seids erst mal stad von wegen fesch«, ermahnte Markus, »wir müssen sehen, wie wir sie gescheiterweise herunter bekommen. Hast genug Seil mit?«

Der junge Bursche nickte. »Genug Seil und auch die zusammensteckbare Rettungstrage.«

Kurz darauf waren die drei bei den beiden angelangt, es waren ein etwas über zwanzigjähriges Madel und ein etwa gleichalter Bursch.

»Hallo«, Markus grinste schief, »ist’s euch überhaupt recht, daß wir gekommen sind? Net, daß ihr nur eine kleine Pause einlegt und alleine weiterwollt?« Er hatte jedesmal, wenn er zu wem aufgestiegen war, der sich in Bergnot befand, einen lockeren Spruch parat, um ein wenig von der prekären Lage abzulenken.

Der junge Bursche schüttelte den Kopf. »Wir haben totale Angst. Wir haben gehofft, daß uns wer sieht. Als wir hier waren, haben wir uns nimmer bewegt, weder nach vorn noch nach hinten.«

»Seid ihr verletzt?« wollte Markus wissen.

Der junge Bursche schüttelte den Kopf. »Nein, insoweit ist alles in Ordnung.«

»Und du?« Markus sah das ausnehmend hübsche, jetzt aber ängstlich dreinschauende Mädchen fragend an.

»Mir geht’s gut«, antwortete es leise.

»Du«, Markus zeigte auf den Burschen, »wirst zuerst hinuntergehen. Der Toni nimmt dich huckepack und dann werdet ihr abgeseilt. Das macht unser dritter Mann. Ich werd’ dich huckepack nehmen.« Dabei sah er das junge Mädchen an.

In wenigen Minuten war der junge Bursche auf Tonis Rücken festgezurrt, so daß der beginnen konnte, sich über die beim Aufstieg befestigten Seile hinunter zu hangeln.

Markus spürte den Atem des jungen Mädchens in seinem Genick, als es fest auf seinem Rücken gezurrt war.

»Auf geht’s«, sagte der Dritte, mit hinauf gegangene Bursche, dann grinste er. »Paß besonders gut auf, so eine fesche Last trägst net alle Tag den Berg hinunter.«

»Können wir?« fragte Markus.

Er spürte wie das Mädchen nickte, ihr leises »Ja« war kaum zu hören.

Wenige Minuten später hatten die beiden wieder festen Boden unter den Füßen und man konnte das junge Mädchen von Markus’ Rücken herunternehmen.

Markus war noch einige Augenblicke mit seiner Ausrüstung beschäftigt, als er sich dann umdrehte, um zu fragen, wie es gehe, war weder von dem jungen Mädchen, noch ihrem Begleiter etwas zu sehen.

»Aha«, murmelte er, »wir sind also von der undankbaren Sorte. Na ja, entweder bist so oder du bist net so…!«

*

»Wie bitte?« Luise starrte Heidi an, als zweifle sie an deren Verstand.

»Du hast schon richtig gehört«, antwortete die, »unsere beiden aus der großen Suite sind diejenigen gewesen, die man aus Bergnot gerettet hat.«

»Du meinst Maren und Axel?« fragte Luise, die immer noch total erschrocken aussah.

Heidi nickte. »Genau die.«

»Mar’ und Josef«, murmelte Luise, »grad’ die beiden.«

»Das hab’ ich auch gedacht«, erwiderte Heidi.

»Ihr älterer Bruder ist vor genau fünfundzwanzig Jahren am Sonnberg zu Tode gekommen«, sagte Luise, »und jetzt sind die beiden da, um ihrem Bruder so was wie die Ehre zu erweisen, und da geraten sie selbst in Bergnot?«

Heidi nickte. »Ja, der Markus hat’s erzählt. Er ist ziemlich still gewesen diesmal.«

Luise nickte. »Es ist ja kein Wunder. Da kann selbst der lustigste Bursch seine Fröhlichkeit verlieren.«

»Der vor fünfundzwanzig Jahren verunglückte Bruder war mal grad’ achtzehn«, sagte Heidi, »erinnerst du dich noch an die Sach’? Ich war damals ja noch net auf dem Bergerhof, aber ich hab’s auch so mitbekommen.«

Luise stand ganz ruhig da. Nach einer Weile nickte sie. »Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern. Maximilian hat er geheißen. Ein fescher, ganz und gar lustiger Bursch ist es gewesen, vor allem die Maren schaut ihm sehr ähnlich.«

»Ja, ich weiß«, sagte Heidi, »drüben in der alten Gaststub’ hängt ja auch ein Foto von ihm.«

»Es war eine Katastrophe damals«, murmelte Luise, »die Mutter wär’ bald durchgedreht. Wenn mich net alles täuscht, ist sie sogar in Behandlung gewesen.«

»Axel und Maren haben sie dann nach dem Unfall bekommen«, sagte Heidi. »Sie wollten unbedingt Kinder haben?«

Luise nickte. »Ja, das wollten sie. Gar so jung waren sie damals ja schon nimmer. Ich glaub’, sie war zweiundvierzig, als sie die beiden bekommen hat. Daß es Zwillinge waren, hat dann das Glück wieder perfekt gemacht.«

»Und jetzt sind die beiden hergekommen, um ihren am Berg tödlich verunglückten Bruder zu ehren und geraten dabei selbst in Bergnot.« Heidi atmete tief durch.

»Maren hat mir erzählt, daß ihre Mutter ihr jahrelang von Maximilian erzählt hat«, begann Luise zu berichten, »wie narrisch der auf die Berge gewesen wär’ und daß er am liebsten ins Allgäu gezogen wär’, weil’s ihm da am besten gefallen hat.«

»Er soll sogar im Kleinwalsertal herumgestiegen sein«, sagte Heidi, »der Klausinger hat’s erzählt. Die schwierigsten Berge wären ihm grad’ gut genug gewesen. Und dann verunglückt er hier bei einem eher harmlosen Abstieg.«

Luise nickte. »So ist es. Der Markus behauptet ja, daß es weder einen harmlosen Auf- noch einen harmlosen Abstieg gibt. Daß alleine die Sorgfalt zählt, mit der man sich am Berg bewegt.«

»Der Markus hat sich ein bisserl beschwert über die beiden«, sagte Heidi.

»Beschwert? Wieso denn das?« Luise sah ihre Schwiegertochter fragend an.

»Nachdem sie die Maren und den Axel herunten hatten, hätten die sich still und klammheimlich verdrückt«, antwortete die, »net mal danke schön hätten sie gesagt.«

»Da schau her«, murmelte Luise. »Das hätt’ ich jetzt net gedacht.«

»Das hab’ ich dem Markus auch gesagt«, erwiderte Heidi, »der Schock, daß sie am fünfundzwanzigsten Todestag ihres Bruders auch bald umgekommen wären, hat sie wirklich völlig verstört.«

»Und?« fragte Luise. »Hat ihn das ein bisserl beruhigt?«

Heidi wiegelte den Kopf. »Net richtig. Irgendwie nimmt er es der Maren übel.«

»Dem Axel net?« wollte Luise wissen.

Heidi schüttelte den Kopf. »Von dem hat er kein Wort gesagt.«

»Na ja, vielleicht liegt’s ja daran, daß er die Maren aus dem Berg heruntergetragen hat«, erwiderte Luise.

»Hat er das?« Heidi tat erstaunt.

Luise nickte. »Ja, die Sylvia vom Föhrenhof ist vorhin dagewesen und hat es erzählt.«

Da lachte Heidi. »Das muß ja so sein. Sie hat immer noch Hoffnung, daß Markus ihr stilles Werben erhört.«

»So still ist das gar net«, erwiderte Luise. »Überall wo man sie trifft, fällt bald der Name Markus Ortner und die Sylvia ist immer sehr fleißig, den Buben zu rühmen.«

»Das stimmt«, bestätigte Heidi, »so, als ob sie hoffen würd’, daß man es dem Markus weitererzählt.«

Luise lachte. »Na ja, da unterscheidet sie sich also net von uns damals.«

Heidi lachte auch. »Ja, das wird wohl von Generation zu Generation weitergegeben.«

*

Maren Meilner lag auf dem Bett und hatte die Augen geschlossen. Sie war völlig fertig. Mehrere Stunden hatte sie dicht an ihren Zwillingsbruder gedrängt auf dem schmalen Felsband gestanden und hatte weder einen Schritt vor noch einen Schritt zurück tun können. Dabei hatte sie ständig an ihren Bruder Maximilian denken müssen, der ganz in der Nähe auf den Tag vor fünfundzwanzig Jahren verunglückt war.

Ihre Mutter hatte den Vorschlag gemacht, an jenem Tag ins Grottental zu fahren, um dem Bruder in Gedanken nah zu sein. Sie hatte wie ihr Vater mitfahren wollen, doch ein grippaler Infekt ihrer Mutter hatte die Reise ihrer Eltern verhindert.

»Ihr fahrt auf jeden Fall«, hatte er Vater gesagt. »Ich hab’ im Bergerhof die große Suite bestellt. Da könnt ihr bleiben solang’ ihr möchtet. Und ihr könnt abends in Ruhe durchsprechen, was euch der Tag gebracht hat. Die Suite ist wunderschön, hat zwei große Schlafräume, einen großzügigen Wohnraum und alle sanitären Einrichtungen beisammen.«

Axel und Maren waren auch gefahren, um den Schatten aus ihrem Leben zu bekommen, der sie ständig begleitete. Seit dem denkwürdigen Tag vor fünfundzwanzig Jahren war sicher kein Tag vergangen, an dem ihre Mutter ihren Bruder nicht erwähnt und als Vorbild hingestellt hatte.

Ohne daß Axel oder Maren es je ausgesprochen hätten, war dies eine ständige Belastung für ihr Leben gewesen. Ständig mit einem Bruder verglichen zu werden, der nur mehr in der Phantasie existierte war nicht das, was man sich wünschte.

Allein aus dem Grund hatten die beiden zugesagt und die Reise ins Allgäu angetreten.

»Wie geht’s dir?« Axel stand im Türrahmen und sah seine um eine halbe Stunde jüngere Zwillingsschwester fragend an.

Die beiden mochten sich sehr, wenn sie auch nicht wie die Kletten aneinanderhingen. Aber sie hielten zusammen und sie waren sich einig gewesen, gemeinsam ins Allgäu zu fahren.

»Langsam geht’s wieder«, antwortete Maren. »Körperlich hab’ ich nicht gelitten. Aber ich hab’ ständig an den Schock für unsere Eltern denken müssen, wenn einem von uns oder uns beiden was passiert wäre.«

Axel Meilner war ein sportlich gebauter, groß gewachsener Bursche mit dunkelblonden Haaren, einem netten Aussehen und auffallend weißen Zähnen.

Seine Zwillingsschwester war wesentlich zierlicher, hatte dunklere Haare und ebenso weiße Zähne. Am auffallendsten waren ihre Augen. Sie waren dunkel und sie schienen ständig zu lachen, weshalb Maren oft freundlicher als ihr Bruder angesehen wurde, obwohl das nicht der Fall war.

»Hast du dich heute schon zu Hause gemeldet?« fragte Axel.

Bisher hatten sie jeden Tag zu Hause angerufen, worum ihre Eltern gebeten hatten.

Maren schüttelte den Kopf. »Nein, hab’ ich noch nicht.«

»Dann werd’ ich es tun«, sagte Axel. »Nicht, daß sie noch auf dumme Gedanken kommen.«