Ein Hamburger Herz auf Krk - Ralf Hagedorn - E-Book

Ein Hamburger Herz auf Krk E-Book

Ralf Hagedorn

0,0

Beschreibung

Der 64-jährige Rainer Schöne, ein "norddeutsches Urgestein" aus Hamburg-Eimsbüttel, steht vor den Trümmern seines Lebens. Nach dem Tod seiner Frau Helga, mit der er vierzig Jahre lang verheiratet war, verliert der pensionierte Bauingenieur seinen Lebensmut. Um der lähmenden Stille und Leere in seiner Heimatstadt zu entkommen, fasst er einen mutigen Entschluss: Er verlässt Hamburg und zieht auf die kroatische Insel Krk. In dem kleinen Ort Punat hat er ein baufälliges Steinhaus, erworben ,eine Ruine, die er mit seinen eigenen Händen wieder aufbauen will, so wie er auch sein eigenes Herz zu heilen hofft. Rainer, ein Mann der Statik und der exakten Berechnungen, trifft dort auf die kroatische Olivenbäuerin Anka. Anka, die selbst Jahre in Deutschland verbracht hat, lehrt ihm, dass das Leben nicht immer nach DIN-Normen verläuft. Zwischen Olivenhainen, dem Bau von traditionellen Trockensteinmauern (Gromače) und dem blauen Meer lernt Rainer, die Kontrolle loszulassen und sich dem Rhythmus der Insel und einer neuen Liebe zu öffnen.

Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:

Android
iOS
von Legimi
zertifizierten E-Readern
Kindle™-E-Readern
(für ausgewählte Pakete)

Seitenzahl: 68

Veröffentlichungsjahr: 2026

Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:

Android
iOS
Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Ein Hamburger Herz auf Krk

IMPRESSUM:

Ralf Hagedorn

c/o IP-Management #4887

Ludwig-Erhard-Str. 18

20459 Hamburg

Mithilfe von ChatGPT geschrieben.

Coverbild Gemini

Einleitung: Das Fundament aus Glas

Rainer Schöne war ein Mann, den man in den Straßen von Hamburg-Eimsbüttel sofort als das erkannte, was er war: ein norddeutsches Urgestein. Mit seinen 64 Jahren war er groß gewachsen, die Schultern noch immer breit vom jahrzehntelangen Stehen auf zugigen Baustellen, das Haar ein akkurater, stahlgrauer Kranz um eine Stirn, die tiefe Furchen des Nachdenkens trug. Seine Augen, von einem kühlen Blaugrau, hatten das ferne Leuchten eines Mannes, der gewohnt war, Horizonte zu vermessen und Fehler in der Statik zu finden, noch bevor der erste Stein gesetzt war.

Doch sein eigenes Fundament war vor genau einem Jahr zerbrochen.

Als seine Frau Helga nach vierzig gemeinsamen Jahren friedlich, aber viel zu früh einschlief, blieb Rainer in einer Welt zurück, die für ihn keinen Sinn mehr ergab. Vierzig Jahre lang war sie sein „Fixpunkt“ gewesen, diejenige, die seine komplizierten Berechnungen mit einem Lächeln quittierte und ihm den Rücken freihielt. In der gemeinsamen Altbauwohnung an der Elbe war es nach ihrem Tod unerträglich still geworden. Jeder Gegenstand, die verwaiste Teetasse im Schrank, der Duft ihres Parfüms, der noch Wochen in den Vorhängen hing, war wie ein schmerzhafter Widerhaken in seinem Herzen.

Rainer funktionierte noch ein Jahr lang wie eine Maschine, deren Getriebe kein Öl mehr bekam. Er ordnete die Rentenpapiere, er goss Helgas Blumen, bis sie schließlich doch vertrockneten, und er starrte abends auf die Elbe, deren graues Wasser ihm plötzlich wie ein Spiegel seiner eigenen Einsamkeit vorkam.

„Du versauerst hier, Rainer“, hatte er sich schließlich eines Nachts selbst im Spiegel gesagt. Er wusste, dass er fliehen musste. Nicht vor der Erinnerung an Helga, sondern vor der Leere, die sie hinterlassen hatte. Er brauchte einen Ort, der so radikal anders war, dass sein Schmerz keinen vertrauten Platz mehr fand.

Die Insel Krk kannte er nur von einem einzigen Urlaub vor zwanzig Jahren. Er erinnerte sich an das Licht, dieses harte, ehrliche Licht, das keinen Schatten verbarg. Er suchte nicht den Luxus, er suchte die Arbeit. Ein altes Steinhaus in Punat, eine Ruine, die so viel Zuwendung brauchte wie er selbst, wurde sein Ziel.

Er wollte Hamburg nicht als Tourist velassen, sondern als ein Mann, der hoffte, dass der kroatische Stein hart genug wäre, um sein gebrochenes Herz wieder zusammenzuhalten. Er ahnte nicht, dass die Insel ihm nicht nur Steine geben würde, sondern eine Frau namens Anka, deren Lachen die Statik seines gesamten Lebens ins Wanken bringen sollte.

Der letzte Kaffee in Hamburg

Der Morgen des 14. April begann in Hamburg-Eimsbüttel genauso, wie Rainer es insgeheim erwartet hatte: mit einem hartnäckigen Nieselregen, der die Kopfsteinpflasterstraßen in eine glänzende, bleigraue Fläche verwandelte. Rainer saß in seiner Küche, die keine Küche mehr war. Die Einbaumöbel waren weg, nur ein einsamer Campingstuhl und ein kleiner Klapptisch standen noch im Raum. Auf dem Tisch dampfte ein letzter Kaffee in einem Pappbecher.

Rainer schloss die Augen und lauschte. Das vertraute Rumpeln der Müllabfuhr, das ferne Hupen an der Fruchtallee, das leise Zischen der Reifen auf dem nassen Asphalt. Geräusche, die vier

Die Fahrt ins Ungewisse

Der silberne Mercedes Kombi, Baujahr 2012, war bis unter das Dach beladen. Hinten rechts stapelten sich seine Fachbücher, die er einfach nicht hatte wegwerfen können, daneben ein Koffer mit Sommerkleidung und ganz wichtig seine hochwertige Werkzeugkiste. „Ein Mann ohne Werkzeug ist auf einer Insel verloren“, hatte er sich immer wieder vorgesagt.

Als er den Zündschlüssel drehte, fühlte es sich an wie ein Verrat und eine Befreiung zugleich. Das Navi zeigte 1.280 Kilometer bis Punat an. Er legte den Gang ein und rollte langsam vom Hof. Er fuhr nicht über die Autobahn aus der Stadt hinaus, sondern nahm den Umweg über die Elbchaussee, vorbei an den prachtvollen Villen, hinunter zum Museumshafen Övelgönne. Ein letzter Blick auf die Elbe, die heute so aufgewühlt war wie sein Inneres.

„Mach’s gut, altes Mädchen“, murmelte er in den leeren Fahrgastraum.

Die Monotonie der Autobahn

Stundenlang fraß sich der Mercedes durch die deutschen Autobahnen. Hannover, Kassel, Würzburg. Die Landschaft veränderte sich, die sanften Hügel Hessens lösten die norddeutsche Tiefebene ab. Rainer fuhr konzentriert, die Hände fest am Lenkrad. Er hielt nur selten an, meist nur, um sich an einer Raststätte einen lauwarmen Kaffee zu holen und kurz die Beine auszuschütteln.

Er dachte an das Haus in Punat. Er hatte es vor einem Jahr im Internet gefunden und bei einem kurzen Besuch im Oktober besichtigt. Es war ein Wagnis gewesen. Ein altes Steinhaus in den engen Gassen des alten Ortskerns, weit weg von den modernen Apartmentanlagen für Touristen. Das Dach war fragwürdig, die Leitungen stammten vermutlich aus der Zeit vor dem ersten Jugoslawien-Krieg, und der Garten war ein Dschungel aus wildem Wein und Disteln.

Aber da war dieser eine Moment gewesen, als er auf der kleinen Dachterrasse gestanden hatte. Man konnte zwischen den Dächern der Nachbarhäuser hindurch einen schmalen Streifen tiefblaues Wasser sehen, die Bucht von Punat mit der kleinen Klosterinsel Košljun in der Mitte. In diesem Moment hatte er gewusst: Hier will ich sterben, aber vorher will ich hier verdammt noch mal leben.

Die Alpen als Schwelle

Gegen Abend erreichte er die österreichische Grenze. Die Berge ragten wie dunkle Riesen in den Nachthimmel. Rainer beschloss, in der Nähe von Villach zu übernachten. In einer kleinen Pension am Straßenrand fand er Unterschlupf. Das Zimmer roch nach Zirbenholz und Bohnerwachs.

Er lag lange wach. Die Stille der Berge war anders als die Stille in Hamburg. Sie war schwerer, massiver. Er fragte sich, ob er einen Fehler machte. Wer war er schon? Ein deutscher Rentner, der kein Wort Kroatisch sprach, der niemanden dort kannte. War es Mut oder einfach nur die Flucht vor der Einsamkeit einer zu großen Wohnung im Norden?

Er griff nach seinem Handy und schaute sich das Foto an, das er vom Haus gemacht hatte. Ein bröckeliger Putz, eine hellblaue Holztür, die schief in den Angeln hing. Und daneben, im Garten des Nachbarn, blühte ein riesiger Rosmarinstrauch. Er erinnerte sich an den Geruch, herb, würzig, sonnig.

„Morgen“, sagte er leise zu sich selbst. „Morgen bin ich am Meer.“

Der Grenzgänger

Der nächste Morgen in Villach begann mit einem strahlend blauen Himmel, der so gar nichts mehr mit dem Hamburger Grau gemein hatte. Rainer fühlte ein ungewohntes Kribbeln in den Fingerspitzen, als er den Mercedes wieder startete. Die Fahrt durch den Karawankentunnel fühlte sich an wie der Durchgang durch eine Schleuse in eine andere Welt.

Slowenien flog an ihm vorbei ,grüne Wälder, spitze Kirchtürme und die schroffen Gipfel der Julischen Alpen. Rainer hielt sich strikt an die Geschwindigkeitsbegrenzung. Er wollte keine Aufmerksamkeit erregen, er wollte einfach nur ankommen. Als er schließlich die kroatische Grenze erreichte, klopfte sein Herz merklich schneller. Der Grenzbeamte nahm seinen Pass, warf einen kurzen Blick auf den vollgepackten Kombi und dann in Rainers Gesicht. „Odmor?“ (Urlaub?), fragte der Beamte knapp. Rainer zögerte kurz. „Nein... Life. Život“, stammelte er, eines der wenigen Wörter benutzend, die er im Wörterbuch nachgeschlagen hatte. Der Beamte zog eine Augenbraue hoch, stempelte nichts (denn die Grenzen waren offen), reichte ihm den Pass zurück und grinste schief. „Sretno. Viel Glück.“

Die Brücke ins Licht

Die Fahrt von Rijeka hinunter in Richtung Süden war atemberaubend. Die Straße schlängelte sich an den Klippen entlang, und plötzlich, hinter einer Kurve, lag sie vor ihm: die Krčki most, die gigantische Bogenbrücke, die das Festland mit der Insel Krk verbindet.

Rainer drosselte das Tempo. Unter ihm glitzerte die Adria in einem Blau, das so intensiv war, dass es fast in den Augen schmerzte. Der Wind, die berüchtigte Bura, rüttelte leicht an seinem Wagen, als wolle die Insel prüfen, ob er standhaft genug war. Er bezahlte die Maut (die es für Touristen damals noch gab) und rollte auf das Eiland.