Ein See geht baden - Gerhard Vilmar - E-Book

Ein See geht baden E-Book

Gerhard Vilmar

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Beschreibung

Ein See wie viele - Schaumberge am Ufer, schlierig-rote Algenteppiche, grünlich-braune Bachzuläufe. Und eine Bürgerinitiative als Bürokratiebeschleuniger.

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Seitenzahl: 42

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Inhalt

Vorwort

Der See

Wir sehen die Symptome, aber nicht die Krankheit

Selbstbetrug als Dauerlösung

Die Bürgerinitiative als Bürokratiebeschleuniger

Expertensuche und Wissenszuwachs

Es geht alles den Bach runter

Die Landwirtschaftspolitik

Die Landwirte

Nicht die Rotalge, sondern die Wiese soll gedüngt werden

Röntgenbilder schaffen keine Heilung

Nicht Erkenntnisprobleme, sondern Handlungsprobleme

Die Entdeckung der Langsamkeit

Das Problem mit der Freiwilligkeit

Der rechtliche Rahmen

Charmante Penetranz

Hinweise, Fotos, Dank, Autor Kontakt

Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden

Sie auch ernst genommen.

(Konrad Adenauer)

Vorwort

Ein See wie viele.

Gerade noch zum Baden geeignet – aber unappetitlich!

Immer wieder schlierige Algenteppiche, Schaumberge am Ufer, bei Regen grünlich-braune Bachzuläufe.

Wir wollten nicht weiter darüber hinwegsehen und uns still vor uns hin ärgern. Darum halten Sie dieses Büchlein in Händen. Weil aus Ärger Aktivität wurde. Weil wir uns einmischen - auch wenn das nicht erwünscht ist.

Es ist nicht nur dieser See. In seinem schlechten Zustand verdichten sich viele ungelöste Themen: Klimawandel, Umweltschutz, Landwirtschaft, Tierwohl, Artensterben, …

Es ist eine Bestandsaufnahme nach einigen Monaten Bürgerinitiative, ein Informations- und Positionspapier - mit vielen offenen Fragen. Nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, aber unvollständig und sicherlich nicht ohne Fehler.

Mischt euch ein, empört euch! ruft uns allen der 94-jährige Ausnahmediplomat Stéphane Hessel zu.

Denn Betroffenheit ersetzt keine Taten.

Mit besten Grüßen

Ihr Gerhard Vilmar

und die Aktionsgruppe sauberer Simssee

Es lächelt der See, er ladet zum Bade …

(Friedrich Schiller)

Der See

In Schillers „Wilhelm Tell“ hatte der See 1804 noch gut Lachen. Auch der Simssee dürfte damals wunderbar gewesen sein: von mäandernden, sprudelnden Bächen mit glasklarem Wasser versorgt. Aber schon in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde er wegen der braunen Färbung Coca-Cola-See genannt.

In der Würm-Eiszeit schürfte der Inn-Gletscher ein Becken aus. Als der Gletscher abschmolz, füllte sich dieses Becken mit Wasser. Es entstand der Rosenheimer See; mit 420 km2 fast so groß wie der Bodensee. Vor 12.000 Jahren schnitt sich der Inn durch die Endmoräne bei Wasserburg und der Rosenheimer See entleerte sich. Übrig blieben große Moorgebiete zwischen Raubling und Bad Aibling sowie ein paar Wasserstellen, u.a. der Simssee - ein „Verlandungsgewässer im Endstadium“. In 10.000 Jahren wird es ihn nicht mehr geben.

Der Simssee hat eine Oberfläche von 6,5 km2. Er ist relativ flach, mit einer maximalen Tiefe von 22 m. Das Einzugsgebiet von ca. 75 km2 reicht von Bad Endorf im Norden bis nach Frasdorf und Stephanskirchen im Süden. Meist fällt die Fläche zum See hin ab. Die Höhendifferenz beträgt bis zu 220 m. Gemessen an seiner Größe ist der Zufluss von „Frischwasser“ durch die Bäche gering. Und die immer häufiger auftretenden Starkregen fördern die Bodenerosion und den Nährstoffeintrag von den Feldern und Wiesen, so dass die für den See verkraftbare Phosphatlast deutlich überschritten wird. Die weltweite Klimaveränderung hat noch einen weiteren Effekt: die Erwärmung des Wassers. Besonders in den Sommermonaten ist der Sauerstoffgehalt im Simssee nicht mehr ausreichend – den Renken geht die Luft aus.

Schon 5 Meter unterhalb der Wasseroberfläche gibt es fast keinen Bewuchs mehr, da wegen der Schwebteilchen (Phytoplankton) kein Licht mehr durchdringt. Ab 8 Metern Tiefe ist der Simssee ohne Sauerstoff, was dazu führt, dass im Sediment gebundenes Phosphat wieder freigesetzt wird. Dem See ist das Lächeln vergangen.

Die Hälfte des Einzugsgebiets rund um den Simssee ist landwirtschaftliche Nutzfläche. Bei Regen fließt das Wasser, das vom Boden nicht mehr aufgenommen werden kann, von den Wiesen, Feldern und Straßen über Gräben, Gullys und Bachläufe ungeklärt in den Simssee. Damit werden bei ungünstiger Konstellation auch Ackerboden, Düngemittel oder Gülle in den Simssee verfrachtet.

Das Abwasser der Häuser geht über die Ringkanalisation in die Kläranlage, die Nährstoffe aus dem häuslichen Bereich sind damit seit den 80er Jahren vom See ferngehalten und der jährliche Phosphateintrag vom See ist in den letzten 3 Jahrzehnten von etwa 8 auf 3,5 Tonnen im Jahr gesunken. Die Straßen werden bei Regen über Straßengullys entwässert. So ist der Simssee Auffangbecken für den Abrieb von Reifen, Bremsbelägen, Straßen sowie Auftausalze.

Für den Simssee ist eine Verringerung der Phosphatlast auf ca. 2,5 Tonnen jährlich nötig, da sich ansonsten der Zustand eher verschlechtern wird. Von wirklich durchgreifenden, nachhaltigen und zeitnahen Anstrengungen zur Verbesserung der Wasserqualität ist aktuell wenig zu spüren. Die Krise wird verwaltet.

Die Probleme, die es in der Welt gibt, können nicht mit den gleichen Denkweisen gelöst werden, die sie verursacht haben.

(Albert Einstein)

Wir sehen die Symptome, nicht die Krankheit

Zwei Aspekte lassen sich nicht verändern:

die topographische Situation der Moränenlandschaft

der geringe Zufluss/Wasseraustausch