Eine fast perfekte Hochzeit im Outback - Cheyenne Blue - E-Book

Eine fast perfekte Hochzeit im Outback E-Book

Cheyenne Blue

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Beschreibung

Liebe im Outback: Zwei Frauen, eine Hochzeit und das Chaos, das niemand vorhersehen konnte. Vor drei Jahren hat die Anwältin Sue Brent der Ärztin Moni Kratzmann einen Heiratsantrag gemacht – endlich können sie ihre Pläne in die Tat umsetzen. Je näher der große Tag rückt, desto mehr müssen die beiden allerdings darum kämpfen, ihren Alltag, die eigenen Vorstellungen von ihrer Hochzeit und ihre Geduld zu bewahren.  Übereifrige Eltern, Ex-Freundinnen, eine partyhungrige Gemeinde und ein trächtiges Pferd rauben den Bräuten den letzten Nerv. Sie wollten doch einfach nur im Outback heiraten. Das kann doch nicht so kompliziert sein…

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Seitenzahl: 111

Veröffentlichungsjahr: 2021

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Inhaltsverzeichnis

Von Cheyenne Blue außerdem lieferbar

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Ebenfalls im Ylva Verlag erschienen

Von Cheyenne Blue außerdem lieferbar

So schnell mein Herz schlägt

Girl-Meets-Girl

Ungebunden ins Glück

Neubeginn im Outback

Verliebt im Outback

Kapitel 1

Mrs. Ts Gesang hallte durch die Küche. Es war nicht so, dass sie eine schlechte Stimme hatte – nein, sie war eigentlich sogar recht gut, besonders, wenn sie Lieder von Amy Winehouse sang. Aber wenn sie in einer solchen Lautstärke trällerte wie der jetzigen, bedeutete das meistens, dass sie etwas mit uns besprechen, uns aber nicht stören wollte. Back to Black klang so klar durch die dünnen Wände unseres alten Landhauses, als befände sie sich im gleichen Raum wie wir.

Ich rollte die Augen und blickte zu Sue, die an ihrem Schreibtisch saß und an einem Empfehlungsschreiben arbeitete. »Soll ich fragen, was sie möchte, oder willst du das machen?«

Sue setzte ihre Brille ab und legte sie auf den unordentlichen Papierstapel, der ihren Schreibtisch belagerte. »Wenn der Wasserkessel in fünf Minuten nicht gepfiffen hat, gehst du.«

Ich legte mein Buch beiseite und nahm die Füße von Sues Schreibtisch. »Ich bin hungrig, also gehe ich jetzt gleich.«

In diesem Moment erklang das Pfeifen des Kessels und Mrs. Ts Gesang verstummte, als ob ein Schalter umgelegt worden wäre.

Ich grinste Sue an. »Wenn ich es mir recht überlege, warte ich doch noch. Sie wird in weniger als zwei Minuten mit einer Tasse Tee und Keksen hier sein.«

»Das wird sie.« Sue gab es auf, arbeiten zu wollen, und räumte eine Fläche auf ihrem Schreibtisch frei. Mrs. T hasste es, Tassen auf Sues juristische Unterlagen zu stellen, und Sue hasste die daraus resultierenden Ringe. Und wir beide wollten, dass unsere geliebte Haushälterin glücklich war.

Wie vorhergesagt erklang keine zwei Minuten später ein vorsichtiges Klopfen und Mrs. T trat ein. Sie trug ein Tablett mit belegten Sandwiches, drei Tassen Tee und einem Teller mit Schokoladenkeksen vor sich her.

Ich betrachtete sie misstrauisch. Wenn sie uns unterbrach, war es meistens etwas Gutes. Manchmal musste sie aber auch dringend etwas loswerden, das ihr auf der Seele brannte – zum Beispiel, wenn unser Hund Ripper mal wieder ein totes und halb verrottetes Tier in ihrem Gemüsegarten vergraben hatte.

Aber diesmal zierte ihr Gesicht ein strahlendes Grinsen. Sie stellte das Tablett auf Sues Schreibtisch ab und wandte sich an meine Liebste. »Du liebes, liebes Mädchen.« Sie küsste Sue auf die Wange und kam dann zu mir herüber. »Und du reizendes Ding.« Sie zog mich in ihre Arme.

Als sie mich losließ, sah ich Sue über den überfüllten Schreibtisch hinweg erstaunt an.

Eine winzige Falte auf ihrer Stirn verriet, dass sie meine Ahnungslosigkeit teilte.

»Womit haben wir das denn verdient, Mrs. T?«, fragte Sue. »Es ist natürlich großartig, aber gibt es einen bestimmten Grund?«

Mrs. T schüttelte den Kopf. »Ihr wisst es noch nicht? Ihr beide als Medienprofis, mit euren Smartphones, E-Mails und dem digitalen Radio?« Sie nahm ihr eigenes Handy aus der Tasche und hielt es in die Höhe. »Ihr werdet heiraten!«

Ich tauschte einen verwirrten Blick mit Sue. Sie hatte mich vor fast drei Jahren gefragt und ich habe damals Ja gesagt. Diesen überstürzten Antrag auf einem belebten Flur der Klinik des Royal Flying Doctor Service in Mount Isa, wo ich zu der Zeit arbeitete, werde ich niemals vergessen. Wir hatten seitdem zwar Ringe getauscht, aber weiter waren wir wegen der Gesetzeslage in Australien bisher nicht gekommen.

»Oh!« Der Groschen war gefallen. »Die Ergebnisse der Wahl zur Gleichstellung der Ehe sind da?«

»Das sind sie.« Mrs. T schlug in ihrer Begeisterung auf den Schreibtisch. Eine Akte rutschte vom Stapel und landete auf dem Boden. »Ich muss nicht sagen, wie es ausgegangen ist, oder?«

»Wir haben gewonnen!« Sue sprang von ihrem Stuhl auf. »Die Australier haben das einzig Richtige getan!«

»Das haben sie.« Mrs. T schluchzte. »Fast zweiundsechzig Prozent von ihnen jedenfalls. Jetzt, da dieses unsägliche Unrecht aus dem Weg geräumt ist, muss die Regierung ihren Bürgern endlich geben, was sie sich wünschen. Ihr beide solltet euch lieber fertigmachen. Wir müssen uns um eure Hochzeit kümmern!«

Ich sah Sue an. In den Augen meiner sonst so sachlichen und geradlinigen Anwalts-Freundin schimmerten Tränen und ihre Gesichtszüge waren ganz weich. »Moni«, flüsterte sie. »Endlich können wir heiraten.«

Ich ging um den Schreibtisch herum und ließ mich in ihre offenen Arme fallen. Mein Herz hüpfte nahezu in meiner Brust. Noch war die Ehe für alle vielleicht nicht offiziell verkündet, aber wir waren unserem Ziel einen großen Schritt nähergekommen.

Sue drückte mich an sich und vergrub ihr Gesicht in meinen Haaren.

Ich schloss meine Augen und genoss ihre Nähe.

»Ich liebe dich«, flüsterte sie und es war nur für meine Ohren bestimmt.

»Ich liebe dich auch.«

Ich musste unbewusst lauter gesprochen haben, denn Mrs. T schloss sich plötzlich unserer Umarmung an.

»Und ich liebe euch beide«, sagte sie mit schroffer Stimme, aber ebenso gerührt wie wir. »Und jetzt lasst uns eure Hochzeit planen.«

Kapitel 2

Wenn man in einer winzigen Stadt im Outback von Queensland wohnt, die in einem wenig bewohnten Gebiet im ohnehin schon dünn besiedelten Australien liegt, bekommt das Wort ›Planung‹ eine völlig neue Bedeutung. Als ich noch in Texas gelebt habe, hatte ich pompöse Designerhochzeiten besucht, deren Kosten höher als die Hypotheken der meisten Häuser gewesen waren. Sue und ich wollten beide keine Feier wie diese und das war gut so, denn diese Option hatten wir hier draußen nicht.

Wenn man so lebte wie in Mungabilly Creek, wo die nächste Stadt drei Autostunden entfernt lag, musste eine Hochzeit einfach und schlicht sein. Wir legten das Wesentliche sehr schnell fest, während wir Mrs. Ts wunderbare Sandwiches verputzten und dazu starken schwarzen Tee tranken.

Wir würden unsere Familien, Freunde und Bekannte aus der Umgebung einladen. Die einzige Traurednerin, die auch homosexuellen Paaren gegenüber positiv gesinnt war, kam aus Mount Isa. Wir wollten eine zwanglose Zeremonie in der weiten Steppen-Landschaft, die wir beide so liebten, mit einer gemeinsamen Feier im Anschluss, zu der alle eingeladen waren und jeder etwas für das Buffet mitbrachte.

Auch der Ort der Trauung war schnell entschieden. Sue und ich tauschten einen Blick und sagten dann wie aus einem Mund »Jayboro Outstation«. Unsere Freundinnen Felix und Josie führten drei Stunden entfernt von uns einen Campingplatz für Outbackcamper und Reiter. Das Gebiet um Jayboro war wunderschön, mit seiner weiten Landschaft und einem gewundenen Bachbett, das von herabhängenden Gummibäumen gesäumt war. Hinzu kam, dass Felix und Josie mittlerweile sechs Hütten in ruhigen Ecken ihres Campingplatzes besaßen sowie Platz für Camper und Wohnmobile hatten.

Ich nahm Sues Hand und ihre starken Finger schlossen sich um meine.

»Lass uns am Wochenende nach Jayboro fahren und Felix und Josie besuchen. Dann können wir es ihnen erzählen.« Sue blickte zu dem riesigen Aktenstapel auf ihrem Schreibtisch. »Ich habe Zeit«, beschloss sie und lächelte. »Und du?«

»Ich auch. Ich bitte Ellen, die Praxis für die Zeit zu übernehmen. Sie schuldet mir noch etwas. Lass uns das Wohnmobil nehmen und für die Nacht irgendwo einen Stopp einlegen.«

Ich sah das aufblitzende Verlangen in Sues Blick und fühlte die Antwort in meinem Bauch. Gemeinsame Nächte im Camper – allein im Outback, mit geöffneter Tür, sodass die Wärme der Wüstennacht hereindringen konnte – das war die schönste Art, uns zu lieben.

»Miss Moni, Sie führen mich auf Ihren verruchten Weg und ich fühle bereits ein Flackern in meinem Herzen.« Sue klimperte mit ihren Wimpern wie eine Schönheitskönigin und lachte.

»Es ist ein sehr verruchter Weg.« Ich umschloss Sues Hand noch fester. »Und diese Finger werden definitiv ein Teil davon sein …«

Mrs. T räusperte sich geräuschvoll. »Ihr wisst schon, dass ich noch da bin? Ihr seid einfach furchtbar.«

Ich schenkte ihr ein Lächeln. »Und du liebst uns dafür. Sollen wir eine der Hütten für dich und Rosalie reservieren?«

»Nein, nehmt die Hütten für die Gäste, die eine weite Anreise haben. Rosalie hat ein Zelt, das wir irgendwo auf dem Platz aufstellen können.« Sie stand auf, räumte die leeren Teller zusammen und schob die Krümel auf das Tablett. »Ich werde mich natürlich um das Essen kümmern. Der örtliche Pub The Commercial kann euch eine mobile Bar liefern, wenn ihr ihnen genug Vorlaufzeit gebt. Vielleicht solltet ihr euch darum bald kümmern.«

»Perfekt«, sagte Sue. »Diese Hochzeit wird unsere gesamten Ersparnisse des letzten Jahres aufbrauchen, wenn wir all unsere Freunde und Bekannte aus Mungabilly und Worrindi einladen wollen. Aber das wird es wert sein.«

»So ist es.« Mrs. T ging zur Tür. »Ihr zwei seid beliebt in dieser kleinen Stadt. Vielleicht wisst ihr gar nicht wie sehr.« Sie runzelte die Stirn. »Aber lasst euch das ja nicht zu Kopf steigen. Jeder hier weiß dafür auch, wie schlecht ihr in allen Haushaltsdingen seid. Ich werde niemals die beiden Frösche im Bad vergessen. Sie müssen dort schon Tage gesessen haben und ihr beiden habt sie nicht einmal bemerkt.«

»Thelma und Louise?«, fragte ich und schenkte Mrs. T dabei meinen unschuldigstes Lächeln. »Ich mochte die beiden sehr.«

»Die beiden vielleicht, aber nicht all ihre kleinen Fußspuren an der Wand.«

* * *

Am Donnerstag brachen wir von Mungabilly Creek mit Sues altem Camper auf. Unser kleiner Terrier Ripper saß auf seinem üblichen Platz zwischen uns und hatte die Ohren in Erwartung des Abenteuers gespitzt. Sue fuhr in einem gemütlichen Tempo, mied die asphaltierte Hauptstraße und nahm dafür die sandigen Nebenwege. Gelegentlich begegneten uns Farmer auf Traktoren und Sue erwiderte ihr Nicken zum Gruß. Die meiste Zeit über sahen wir jedoch niemanden.

Ripper kletterte auf meine Knie, sodass er seinen Kopf aus dem Fenster strecken und den Fahrtwind in seinen Ohren fühlen konnte.

Mein Blick wanderte über die weite, trockene Landschaft. Auch am späten Nachmittag war es noch immer heiß und sogar eine Gruppe Kängurus hatte sich unter dem spärlichen Schatten der Gummibäume zusammengedrängt. Ein Emu hüpfte für ein paar hundert Meter neben dem Camper her, bevor er wieder abdrehte.

Auf einer gewundenen Straße verlangsamte Sue das Tempo und ich betrachtete ihr Profil. Sie hatte ihr strenges Rechtsanwältinnen-Ich zusammen mit ihren Businessoutfits aus schwarzen Polo-Shirts und Khaki-Shorts in Mungabilly Creek zurückgelassen. Am Haaransatz in ihrem Nacken glänzte der Schweiß und ihre Schultern spannten sich an, als sie den Gang wechselte, um ein trockenes Flussbett zu durchqueren.

Ich rutschte unruhig auf meinem Sitz hin und her und dachte sehnsüchtig an ein kaltes Bier und die wunderschöne Aussicht eines friedlichen Abends im Outback.

Sue musste meine Gedanken erraten haben. Sie zeigte auf Reifenspuren, die entlang einer Baumreihe verliefen. »Wie wäre es hier drüben? Das Land gehört Bill und Sandra und sie hätten sicher nichts dagegen, wenn wir hier übernachten.«

Ich nickte. »Wenn Bill doch etwas dagegen hat, ist seine nächste Prostatauntersuchung möglicherweise sehr viel unangenehmer als die letzte.«

Sue grinste mich an. »Das würdest du nicht tun.«

Ich zuckte mit den Schultern. »Nicht unbedingt. Aber das heißt nicht, dass ich nicht in Versuchung geraten könnte.«

Sie wendete und folgte den Reifenspuren, bis wir abseits der Straße angekommen waren. Ripper sprang sofort aus dem Wagen, um sein Geschäft zu erledigen und die Grenzen seines neuen Terrains für diese Nacht zu erkunden. Wir waren ein eingespieltes Team und hatten uns in weniger als zehn Minuten fertig eingerichtet.

Sue nahm zwei Dosen Bier aus dem Kühlschrank des Campers und wir setzten uns in unsere Campingstühle. Die Sonne stand schon tief am Himmel und die Luft war von dem Kreischen einiger Kakadus erfüllt, deren rosafarbene und graue Federn in der untergehenden Sonne aufblitzten.

Ich saß ganz ruhig da, vereinnahmt von den Geräuschen und Gerüchen der Umgebung. Erst seit vier Jahren lebte ich in Australien, aber das Land war bereits zu meinem Zuhause geworden. Ich liebte es. Das war auch besser so, denn es hätte wohl eines großen Baggers bedurft, um Sue aus Mungabilly Creek fortzutragen.

Ripper kehrte von seiner Erkundungstour zurück und ließ sich hechelnd neben Sues Füßen nieder. Sie bückte sich und kraulte ihn hinter den Ohren, was er ihr mit einem müden Lecken über ihre Hände dankte.

»Da ist noch eine Sache, über die wir noch nicht gesprochen haben.« Sue war weiterhin Ripper zugewandt, während sie sprach. In ihrer Stimme klang ein für sie untypisches Zögern mit.

Ich runzelte die Stirn. »Meinst du vielleicht den Hochzeitstanz? Wenn wir den in Angriff nehmen, endet das nur mit uns auf dem Boden und unseren Hintern im Dreck. Deine großen Füße landen immer irgendwie unter meinen.«

Sue prustete. »Ich bin nicht über den Staubsauger gefallen und in Rippers Wassernapf getreten.«

»Das stimmt.«

»Und ich war es auch nicht, die Mrs. Ts Ingwerkuchen fallengelassen und ihn in einen Haufen Krümel verwandelt hat.«

»Zu meiner Verteidigung, die Form war wirklich heiß.«

»Aber wenn du nicht genascht hättest, hättest du das niemals so unsanft herausgefunden.«

Ich hob meine Hände und gab mich geschlagen. »Okay, ich gebe es ja zu: Ich bin fast genauso tollpatschig wie du. Ist es das, worüber du reden wolltest?«

Sue wurde wieder ernst und kraulte Ripper weiter hinter den Ohren. »Nein. Ich dachte eher an die Hochzeit selbst. An die Gästeliste. Besonders an Gäste, die weiter weg leben.«

Ich biss mir auf die Lippe. Ich wusste genau, wovon sie sprach – und sie meinte sicherlich nicht bloß unsere Freundinnen Nora und Geraldine aus England, deren Kommen wir uns sehnlichst wünschten. »Meine Familie.« Ich trank einen Schluck Bier.

»Genau.«