Eine Liebesgeschichte - Felix Mond - E-Book

Eine Liebesgeschichte E-Book

Felix Mond

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Beschreibung

Carl tauscht Hanteln gegen das Spinning-Fahrrad. Dort begegnet er Katrin, einer anderen Kursteilnehmerin. Aus anfänglicher Abneigung entsteht eine tiefe Verbundenheit. Doch Katrin ist verheiratet. Als Carl seine Gefühle gesteht, beginnt ein verwirrendes Spiel aus Ablehnung und heimlichen Berührungen. Katrin steht vor einer schweren Entscheidung.

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Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhalt

Cover

Titel

Impressum

Carl

Katrin

Andy

Guide

Contents

Start of Content

Eine Liebesgeschichte

Felix Mond

Copyright © 2025 Felix Mond

Alle Rechte vorbehalten.

Impressum

Felix Mond c/o autorenglück.de Franz-Mehring-Str. 15 01237 Dresden

*

Covergestaltung mit NightCafé Studio

Carl

Als mehrfacher Großvater muss ich heute schmunzelnd zurückdenken an die Prioritäten, die ich in jüngeren Jahren hatte. Hätte ich damals vernünftiger gehandelt – was für eine Katastrophe! Dann hätte ich mit Sicherheit nie die Liebe meines Lebens gefunden. Mein dreißig Jahre jüngeres Ich war besessen von einem einzigen Bild: Ich wollte aussehen wie Arnold Schwarzenegger in seinen besten Tagen. Diesem Ziel opferte ich alles. Tag für Tag, zwei Stunden ohne Ausnahme, verwandelte ich mich in einen Maschinenmenschen. Mein wahres Zuhause war die Mucki-Bude, die schwitzige Ecke mit den blankgegriffenen Hanteln und der abgewetzten Bank.

In den kurzen Verschnaufpausen – gebe ich unumwunden zu, oft auch in bewusst gesuchten Posen – schlenderte ich durchs Studio. Mein Blick streifte dabei die Frauen, die lachend zu ihren Kursen strömten oder erschöpft, aber glücklich, von ihnen zurückkamen. Kontakt? Suchte ich nie. Mein Fokus war eisern, mein Tunnelblick auf das nächste Set, die nächste Gewichtssteigerung gerichtet. So vergingen Monate, bis sich in mir langsam, fast unmerklich, ein geistiger Wandel vollzog: Die monströsen Muskeln Arnolds verloren ihren Reiz. Stattdessen lockte mich die Ausdauer. Ich beschloss, vom kraftraubenden Eisenstemmen zum Cardio-Training zu wechseln und spielte sogar mit dem Gedanken, einen der bunten Kurse im Studio auszuprobieren.

Vorsichtig, fast ein wenig neugierig, spähte ich eines Tages durch die schwingende Glastür in den Aerobic-Raum. Ein Bild der Einheitlichkeit: Zu 99 Prozent Frauen, rhythmisch wippend, angefeuert von einem überschwänglichen, dunkelhäutigen Kursleiter, dessen Energie und Gesten mir damals – ich schäme mich heute dafür – als tuntigerschienen. Meine Einstellung dazu hat sich längst geändert, aber damals? Damals war ich blockiert von der panischen Angst, auch nur den leisesten Anschein zu erwecken, ich könnte schwul sein. Aerobic? Völlig undenkbar! Yoga? Kam für mich, den vermeintlichen Muskelprotz, ebenfalls nicht infrage. Doch dann fiel mein Blick auf den Spinning-Raum.

Auch hier dominierten deutlich die Frauen, aber irgendetwas an diesem Sport faszinierte mich: das gedämpfte Surren der Räder, das konzentrierte Stöhnen, das dynamische Auf-und-ab der Körper im Halbdunkel, nur vom flackernden Licht eines Projektors erhellt. Der Funke sprang über – ich wollte es versuchen. Völlig ahnungslos, was mich erwarten würde, betrat ich beim ersten Mal den Raum. Handtuch? Fehlanzeige! Trinkflasche? Vergessen! Als man mich freundlich darauf hinwies, winkte ich arrogant ab. Wollten die mich verarschen? Für läppische sechzig Minuten brauchte ich weder ein Schweißtuch noch Wasser!

Schon nach gefühlten fünfzehn Minuten tropfte der Schweiß in Bächen von meiner Stirn. Mein T-Shirt klebte wie eine zweite Haut, und ich hatte nichts, nicht mal ein Papiertuch, um mir das Salz aus den Augen zu wischen. Nach dreißig Minuten war mein Mund knochentrocken, meine Zunge fühlte sich an wie Schmirgelpapier. Ich hätte in diesem Moment mein letztes Hemd für einen einzigen, eiskalten Schluck gegeben. Was mich auf diesem Höllenrad hielt? Reiner, verbissener Stolz. Ich wusste genau, dass die Mädels den neuen, überheblichen Kerl beobachteten, sich wahrscheinlich daran ergötzten, wie er sich quälte. Wie ich die letzte, endlose halbe Stunde überstand, bleibt ein Rätsel – vielleicht durch reine Willenskraft. Ich war mehrmals kurz davor, aufzugeben. Völlig gerädert und ernüchtert von meiner erbärmlichen Leistung, war mir eines in diesem Moment der totalen Erschöpfung sonnenklar: Genau das hier, diese schweißtreibende, atemraubende Herausforderung, war es, wonach ich unbewusst gesucht hatte. Spinning hatte mich gepackt.

Von da an radelte ich zweimal die Woche. Da ich seit meiner Kindheit viel Sport getrieben hatte, holte ich schnell auf und überflügelte bald selbst die erfahrensten Spinnerinnen im Kurs. Aus der anfänglichen Faszination wurde eine regelrechte Sucht. Schließlich landete ich fast täglich in dem stickigen, nach Schweiß und Desinfektionsmittel riechenden Raum.

Damals explodierte Indoor-Cycling gerade in Deutschland. Plötzlich war Spinning das Ding. Der Effekt? Die Kurse platzten aus allen Nähten. Eines Abends betrat ich den Raum und blieb wie angewurzelt stehen: Jedes einzelne der glänzenden, roten Räder war belegt. Ein Häufchen Enttäuschter, darunter auch ich, stand verdattert herum. Und mittendrin: Katrin. Sie war, genau wie ich, eine dieser unerschütterlichen Stammteilnehmer, die keine Stunde ausließen. Frustriert drehte ich auf dem Absatz um und wollte schon gehen.

„Und was machen wir jetzt?“, rief mir eine energische Stimme hinterher. Ich blieb überrascht stehen. Wir? Klar, wir kannten uns vom Sehen, gehörten beide zur festen Stammbesetzung. Aber ein Wortwechsel? Fehlanzeige. Bis dahin hatte ich sie nämlich konsequent gemieden. Ihre Art – dieses forsche, schnoddrige Auftreten – ging mir gewaltig auf die Nerven. Sie war für mich der Inbegriff einer Kampflesbe, mit diesem markanten, wiegenden Gang, der mich instinktiv die Nase rümpfen ließ. Ihr Fehlen an seltenen Tagen war stets eine kleine Freude. Und jetzt fragte die mich nach einem gemeinsamen Plan? Ich runzelte die Stirn, schoss aber trotzdem, fast reflexartig, zurück: „Bar?“

Ein kurzes, bestimmtes Nicken. Sie folgte mir zur Studio-Bar. Wir ließen uns auf die Barhocker fallen – und plötzlich redeten wir. Wirklich redeten. Meine Blicke huschten immer wieder zu ihren Händen. Zwei Ringe: einer links, einer rechts. Der am rechten Ringfinger? Der sah verdächtig nach Ehering aus. Ich brauchte nicht lange auf die gewünschten Informationen zu warten: Medizinisch-technische Assistentin, 29, verheiratet, (noch) kinderlos.

Während des Gesprächs studierte ich sie neu – diesmal ohne die alten Scheuklappen. Mittelgroß, ja. Aber dieses Gesicht: viel jünger wirkend als 29, mit einer Stupsnase und diesen ungewöhnlichen, fast stahlgrauen Augen, die im Barlicht plötzlich blau schimmerten. Blasser Teint, strohblonder Haarschopf. Die Oberweite? Nicht üppig, aber durchaus ansehnlich. Doch dann der Körper darunter: Wahnsinn! Eine schmale Taille, die sich elegant in ein breites, perfekt geformtes Becken schwang, und darunter … diese langen, muskulösen Beine, geformt vom täglichen Strampeln. Ein Fahrgestell zum Niederknien.

In meinem Kopf ratterte es: Mann, die ist ja gar nicht mal so übel! Warum zum Teufel ist dir das nie aufgefallen?

Wir saßen bis zum Schluss des Kurses da. Das Gespräch floss erstaunlich leicht. Und immer wieder schoss mir dieselbe Frage durch den Kopf: Wie konntest du nur so blind sein?

Auch sie schien neugierig. „Woher kommst du eigentlich?“, fragte sie unvermittelt.

„Meine Mutter ist von der Elfenbeinküste, mein Vater Deutscher“, antwortete ich.

Ein leichtes, interessiertes Hochziehen ihrer Augenbrauen. „Hm. Interessante Kombination.“

Ich gebe es unumwunden zu: In diesem Moment spukten mir durchaus schmutzige Gedanken durch den Kopf. Die Vorstellung, mit ihr in die Kiste zu springen, war sehr präsent. Realistisch war das an dem Abend natürlich nicht. Praktischer war da unser anderer Deal: Wir schmiedeten eine Allianz gegen den Bike-Mangel. Ab sofort würde einer von uns früher kommen und ein Rad für den anderen freihalten – ein Pakt, der viel verändern sollte.

Von diesem Abend an wurde es Ritual: Nach jeder schweißtreibenden Spinning-Stunde ließen wir uns an der Studiobar nieder – zwei verschwitzte, abgekämpfte Gestalten, die über Gott und die Welt plauderten. Für Außenstehende mochten wir wie eingeschworene Freunde wirken. Doch in meinem Kopf tobte ein ganz anderer Kampf: Ich war besessen davon, Katrin endlich ins Bett zu bekommen. Ein Ziel, das sich als zäher erwies, als der höchste Widerstand auf dem Bike.

Wir sprachen zwar über alles, doch sobald ich auch nur dezent die Richtung in romantische Gefilde lenkte, baute sie sofort eine Mauer auf. „Vergiss es, ich bin verheiratet“, zischte sie dann, ein Blick auf den Ehering an ihrer rechten Hand. Paradoxerweise untergrub sie ihre eigene Abwehr ständig: Beim Lachen berührte sie versehentlich meinen Arm, ihr Knie streifte meines unter dem Bartresen, oder sie beugte sich so nah herüber, dass ich den salzigen Schweißgeruch ihrer Haut und ihr zitroniges Shampoo roch. Ihr gefährlichstes Manöver: Sie sah mich mit diesen blaugrauen Augen unter gesenkten Lidern an und spielte gedankenverloren mit einer losen Strähne ihres Haares – eine stumme Einladung, die mein Blut in Wallung brachte. Ich las in allem versteckte Botschaften, ein Spiel, das mich rasend machte.

---ENDE DER LESEPROBE---