Einsiedlerkrebse - Anne B. Ragde - E-Book

Einsiedlerkrebse E-Book

Anne B. Ragde

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Beschreibung

Drei ungleiche Brüder, ein maroder Bauernhof und ein Familiengeheimnis, das jeder kennt, aber niemand auszusprechen wagt …

Die Familiensaga geht weiter: Nach dem Tod der Mutter werden die Karten neu gemischt. Für Bauer Tor, der mit dem alten Vater nun alleine auf dem heruntergekommenen Hof Byneset lebt, sind die Konflikte vorprogrammiert. Seine Tochter Torunn schwebt gerade in neuem Liebesglück und kann sich noch nicht wirklich zu einer Zukunft im Schweinestall durchringen. Bestattungsunternehmer Margido kämpft gegen seine Gefühle an, während Erlend und sein Lebensgefährte in Kopenhagen weit weg von der Familie heimlich an ihrem Kinderwunsch arbeiten. Alles scheint seinen Gang zu gehen, bis auf Byneset die Situation plötzlich eskaliert …

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Seitenzahl: 420

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BUCH: Die furiose Familiensaga geht weiter: Nach dem Tod der Mutter werden auf Hof Byneset die Karten neu gemischt. Die beiden Brüder Margido und Erlend meiden den heruntergekommenen Bauernhof nahe Trondheim. Beide führen auf ihre Weise ein erfülltes Leben. Während Margido, ein Bestattungsunternehmer, seinen Beruf mit fast religiöser Hingabe zelebriert, genießt der schwule Schaufensterdekorateur Erlend das Leben in vollen Zügen. Die beiden ahnen nicht, dass sich auf dem maroden Bauernhof eine Tragödie anbahnt. Seit dem schockierenden Geständnis des Vaters, dass er nicht ihr leiblicher Vater, sondern selbst ein Halbbruder seiner Söhne ist, bewirtschaften er und der ihn seit jeher verachtende Tor den Hof alleine. Tors Tochter Torunn versucht in dem konfliktgeladenen Verhältnis zu vermitteln, doch die Männer gehen sich so gut es geht aus dem Weg. Schließlich eskaliert die Situation ...

AUTORIN: Anne B. Ragde wurde 1957 im westnorwegischen Hardanger geboren. Sie ist eine der beliebtesten und erfolgreichsten Autorinnen Norwegens. Sie wurde mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Norwegian Language Prize und dem Norwegischen Buchhandelspreis. Anne B. Ragde lebt in Trondheim.

Inhaltsverzeichnis

Über die AutorinCopyright

Das furiose Finale der erfolgreichen Familiensaga!

Sie wurde sonst nie so früh wach. Sie blieb mit weit offenen Augen in dem dunklen Schlafzimmer liegen und lauschte auf seine Geräusche. Zuerst auf das hektische Klingeln des Weckers, das so schnell abgewürgt wurde, wie es angefangen hatte, sicher hatte er schon darauf gewartet. Es war halb sieben, das wusste sie. Danach war es für einen kurzen Moment still, und dann hörte sie, wie seine Zimmertür sich lautlos öffnete, um ebenso lautlos wieder geschlossen zu werden. Darauf folgten leise Geräusche, von der Tür bis zum Badezimmer. Er wusste, dass Fremde im Haus waren, und er wollte keinen Lärm machen, denn sicher hielt er sie dafür. Fremde, die hier eigentlich nichts zu suchen hatten, die herkamen, störten, sich einmischten und die Jahre voller schlichter Routine und Sicherheit aus dem Gleichgewicht brachten.

Sie kannte ihren Vater nicht. Im Grunde wusste sie nicht, wer er war. Wie er als Junge ausgesehen hatte, als Kind oder in ihrem eigenen Alter. Auf dem Hof gab es nicht ein einziges Fotoalbum. Es war wie eine Geschichte, von der sie nie ein Teil gewesen war, in deren Zentrum sie sich aber nun plötzlich aufhielt. An diesem Tag jedoch würde sie abreisen und sich wieder in ihre eigene Geschichte einklinken. Daran dachte sie, als sie hier lag, dass sie abreisen würde, bevor sie ihn kennengelernt hatte. Der Einzige, den sie kannte, war der Schweinezüchter, der, der sich so gern im Stall einschloss, dessen Stimme sang und lebendig wurde, wenn er von den Eigenheiten der verschiedenen Sauen erzählte, von den frechen Streichen der Ferkel, von den großzügigen Würfen und den Wachstumskurven. Im Stall sah sie ihn, im Stall war er präsent, wenn er in seinem verdreckten Overall dastand und sich in die Koben bückte, um eine Sau von einer Vierteltonne hinter den Ohren zu kraulen, während er das Tier strahlend anlächelte und sein Blick hell und leicht war.

Sie hörte, wie er Wasser ließ, mitten in die Schüssel, das konnte er einfach nicht geräuschlos, egal, wie viele Gäste im Haus auch schlafen mochten. Sie lauschte auf die letzten Tropfen, horchte, wie er abzog. Sie hörte danach kein Wasser im Waschbecken, hörte nur, dass die Tür abermals geöffnet und geschlossen wurde, ehe er langsam die Treppe zur Küche hinunterging. Dann hörte sie, wie er Wasser in den Kaffeekessel gab, vermutlich auf den alten Kaffeesatz vom Vortag, danach war es still.

Und in der Stille gab sie sich alle Mühe, sich ihre Wohnung zu Hause in Oslo ins Gedächtnis zu rufen: Die Bilder an den Wänden, die Bücher in den Regalen, die kleine Glasschale mit den blauen Badeperlen, den Staubsauger im viel zu engen Schrank auf dem Flur, den Anrufbeantworter, der blinkte, wenn sie von der Arbeit nach Hause kam, den Korb für die schmutzige Wäsche, den Stapel von alten Zeitungen gleich neben der Eingangstür, die antike Blechdose, die sie immer wieder mit Keksen füllte, die Pinnwand mit abgerissenen Kinokarten und Bildern von Hunden und deren Besitzern. Sie versuchte, sich das alles vorzustellen, und schaffte es auch. Sie freute sich darüber. Aber sie wusste nicht, wer er war. Sie wusste nicht, wen sie hier verließ. Seine Schweine kannte sie besser als ihn.

Nun hörte sie die Haustür und seine Schritte im Anbau. Ihre Finger griffen nach dem Telefon auf dem Nachttisch und drückten auf die Tasten. Es war zehn vor sieben. Sie wartete auf das Geräusch der Stalltür, die hinter ihm ins Schloss fiel, dann sprang sie aus dem Bett und lief durch das eiskalte Zimmer, riss ihre Kleider an sich und stürzte ins Badezimmer, um sich anzuziehen. Wie er, schlich auch sie. Nur tat sie es blitzschnell und nicht auf seine Altmännerweise. Im Badezimmer nahm sie noch schwach seinen Geruch wahr. Das Bad war kalt, die einzige Wärmequelle war eine kleine rostige Heizsonne, die über dem Toilettenspiegel an der Wand angebracht war. Sie musterte ihr Gesicht, während sie sich die Hände wusch. Sie brachte es nicht über sich zu duschen und wollte warten, bis sie nach Hause kam, wo sie nicht in einer glitschigen Badewanne stehen und Resopalplatten anstarren musste, die an den Rändern von Wasserschäden aufgequollen waren, um sich danach mit einem fast durchsichtigen verschlissenen Handtuch abzutrocknen. An diesem Abend würde sie unter ihrer eigenen guten Dusche stehen, mit Fußbodenheizung unter den Keramikfliesen.

Sie schloss die Tür auf und lauschte, bevor sie vorsichtig die Klinke seiner Schlafzimmertür drückte.

Das Zimmer war ein wenig größer als das, in dem sie geschlafen hatte und das eigentlich Erlends altes Zimmer war.

Sie schaltete die Deckenlampe ein, er würde es nicht sehen, das Fenster schaute nicht auf den Hofplatz, sondern auf den Fjord, genau wie ihres.

Die Wände waren vor Jahrzehnten einmal grün angestrichen worden. Der Boden war einst grau gewesen, jetzt war er bis auf das Holz abgenutzt, und vor der Tür und dem Bett, wo seine Fußsohlen den Boden trafen, wenn er zu Bett ging und aufstand, zeichnete sich ein Halbmond ab. Das Fenster war mit Eisblumen bedeckt, blendend weiß vor dem Wintermorgen draußen, in verschlungenen Formen und Mustern.

Die Eisblumen waren das einzig Schöne in diesem Zimmer.

Kein einziges Bild an den Wänden. Ein Bett, ein Nachttisch, ein Flickenteppich, eine Kredenz vor der einen Wand. Sie ging zu ihr hin und öffnete die Türen. Leer. Sie stand hier nur als Möbelstück vor einer Wand. Aber in der einen oberen Schublade lagen aufeinandergestapelt gehäkelte Decken aus blankem Baumwollgarn, sie waren identisch im Muster, hatten aber unterschiedliche Farben. Sie fror jetzt, vermutlich hatte er das Fenster erst nach dem Aufstehen geschlossen.

Das Laken unter der zur Seite geschlagenen Bettdecke war schmutzig, vor allem am Fußende, wo hier und da runde Wollfussel lagen. Vielleicht schlief er mit Socken! Was hatte sie in seinem Zimmer eigentlich zu suchen? Hier konnte sie ihn ja wohl kaum kennenlernen. Das hier war sein Ruheraum, hier war er niemand; niemand war jemand, der ruhte und schlief. Aber wie viele Abende hatte er sich hier wohl hingelegt, in die Finsternis hinausgestarrt und nachgedacht. Hatte er an sie gedacht? Sie vermisst? Es vermisst zu wissen, wer sie war?

Es roch stickig und streng im Zimmer, nach Körper und Stall und kalten Wänden.

Da war der Kleiderschrank. Er war in die Wand eingelassen und auf den ersten Blick nur schwer zu erkennen. Durch winzige Knöpfe ließ er sich öffnen: Einige Flanellhemden mit verschlissenen Krägen und Manschetten, zwei Hosen ganz unten im Schrank, ein Fach mit Socken und Unterhosen, nicht mehr als drei, vier Stück, ein in Plastik gewickelter Schlips, sie hob ihn hoch, dabei lag eine verblasste Weihnachtskarte, die vom Schlachthof Eikemo stammte. Sie legte sie vorsichtig an ihren angestammten Platz zurück.

Sie hielte inne, um zu horchen. Aber natürlich kam er nicht zurück, warum sollte er auch. Er war jetzt im Stall beschäftigt, während sie sein Zimmer durchsuchte, ohne auch nur zu wissen, was sie da suchte. Mit jedem Blick, den sie hier in die Runde warf, spürte sie die Traurigkeit. Den Verfall. Zu Hause hatte sie ein Bett von einem Meter zwanzig Breite mit einer dicken Matratze. Ihr Vater schlief in einem Bett, das kaum mehr als achtzig Zentimeter breit sein konnte, und er lag auf Schaumgummi. Mitten im Bett gab es eine tiefe Senke. Das Laken klebte zerknüllt unten in der Mulde fest, Kopf- und Fußende waren aus mattem Teak, das Kopfende wies in der Mitte ein helleres Feld auf, sicher hatte er sich in all den Jahren dort angelehnt, ehe er die Leselampe ausgeschaltet hatte. Heute würde sie abreisen, fünfhundert Kilometer fortgehen von allem hier, während er sich schon an diesem Abend wieder in dieses Bett legen würde. Hier würde er sich Abend für Abend hinlegen, den Wecker aufziehen und hinter den Eisblumen zu schlafen versuchen.

Sie öffnete die Nachttischschublade. Ein Foto eines Ferkels lachte sie an, es war ein Jubiläumsheft des norwegischen Schweinezüchterverbandes. Sie hob es hoch. Darunter lagen zwanzig Tausender, sieh an, hier hatte er das Geld also versteckt. Unter den Tausendern lag ein Buch, vorsichtig nahm sie es heraus:

Der Kinsey-Report. Das sexuelle Verhalten der Frau. Sie blieb mit dem Buch in den Händen bewegungslos stehen. An den Kinsey-Report erinnerte sie sich vage aus einer Radiosendung. Dieser Kinsey hatte vor einer Ewigkeit Frauen und Männer in den USA nach ihren sexuellen Gewohnheiten befragt. In den USA hatte das wohl großes Aufsehen erregt. Das Buch war zerfleddert, es ließ sich nicht mehr richtig schließen.

Sie wollte das Buch von hinten nach vorn durchblättern, aber ihre Finger blieben schon beim harten Einband hängen. Sie schlug es dort auf. »Stadtbücherei Trondheim« war eingestempelt, dazu ein schmales Fach mit einer altmodischen gelben Ausleihkarte, sie erinnerte sich an solche Karten aus den Bibliotheksbesuchen ihrer Kindheit und nahm sie heraus. Das Buch hätte spätestens am 10. November 1969 zurückgebracht werden müssen.

Sie schob das Buch rasch zurück unter die Tausender. Der Kinsey-Report und eine Schaumgummimatratze von höchstens achtzig Zentimetern. Sie schlich sich aus dem Zimmer.

Will noch schnell etwas erledigen. Ehe du fährst.«

Torunn hatte nicht gehört, dass der Vater auf dem Hof hinter sie getreten war. Der Neuschnee dämpfte die Geräusche.

»Ist es nicht nett, am Küchenfenster zu sitzen und ihnen zuzusehen?«, fragte sie. »Sie kommen einfach nicht, wenn das Vogelbrett leer ist.«

»Wir wickeln sonst immer nur ein bisschen Bindfaden um einen Rest Speck und hängen den auf. Aber sie haben jetzt länger Hunger leiden müssen. Das hat immer... Mutter hat sich normalerweise um so etwas gekümmert.«

Sie war noch im Laden gewesen und hatte ein letztes Mal eingekauft, bevor sie und Erlend und Krumme sich auf den Weg machten; sie nach Oslo, Erlend und Krumme zurück nach Kopenhagen. Sie wollte, dass es im Haus gutes Essen gibt, Essen, das ihr Vater sich niemals leisten würde. Erlend hatte versprochen zu bezahlen. Carte blanche hatte er ihr ins Ohr geflüstert, bevor sie zu Coop in Spongdal gefahren war. Sie freute sich darüber, denn auf ihrem Konto war gerade genug Geld für die Januarrechnungen, auch wenn sie nun Mitbesitzerin einer Kleintierpraxis war. Onkel Erlend, dachte sie, es war seltsam, plötzlich einen Onkel zu haben, der nur drei Jahre älter war als sie selbst. Der kleine Bruder des Vaters, der den Hof zwanzig Jahre zuvor in trotziger Selbstbehauptung verlassen und der wohl nie damit gerechnet hatte, nach so langer Zeit zurückzukehren, um hier Weihnachten zu feiern, noch dazu mit seinem Lebensgefährten. Und dann war es gerade Erlend, der verlorene Sohn, der von den drei Brüdern sein Leben wohl am besten meisterte. Erlend war glücklich, er liebte und wurde geliebt, und er hatte finanziell keinerlei Probleme. Erlend hatte ihr erzählt, Krumme sei das, was man in Dänemark hovedrig nannte, »hauptreich«, und dieses Wort fand er wunderbar.

Margido konnte sie einfach nicht Onkel nennen, auch wenn er das war. Vielleicht machte sein Beruf ihn so unnahbar, die Tatsache, dass er alle Gefühle unter Kontrolle halten musste. Mit trauernden Menschen umzugehen und zugleich perfekte Beerdigungen von kürzlich Verstorbenen zu arrangieren, trug möglicherweise dazu bei, dass er sich daran gewöhnt hatte, mit seinen Gedanken allein zu leben. Allein die Tatsache, dass er schon seit Jahren gewusst hatte, was auf Neshov wirklich passiert war, dass so vieles auf Lügen aufbaute, dass der Mann, den sie Vater nannten, gar nicht ihr Vater war. Margido hatte es gewusst, hatte aber weder Tor noch Erlend etwas davon gesagt. Stattdessen war er ihnen nur ausgewichen. Er stellte sich diesem Teil der Wirklichkeit einfach nicht. Bis zum Heiligen Abend, da war er dazu gezwungen gewesen.

Sie dachte über alle nach, während sie zwischen den Regalen im Supermarkt hin und her ging, ihren Einkaufswagen schob und versuchte, sich zu erinnern, was noch im Kühlschrank lag. Und sie dachte an das Schweigen, das dann gefolgt war, an den ersten Weihnachtstag, die merkwürdig krampfhaften Versuche einer Normalisierung. Das Gerede über Wetter und Temperaturen! An diesem Tag war ihr aufgegangen, dass sie hier auf diese Weise überlebt hatten, sie hatten um den heißen Brei geredet, nur so hatten sie ihre eigene Wirklichkeit erschaffen. Das, worüber nicht geredet wurde, existierte nicht. Ihr Vater hatte den Alten weiterhin als Vater bezeichnet, und auch sie selbst hatte sich angepasst und an ihn als an ihren Großvater gedacht. Und der Großvater hatte nicht widersprochen, er hatte wohl das Gefühl, genug gesagt zu haben, vermutlich zum ersten Mal in seinem Leben.

Sie füllte den Einkaufswagen mit Lebensmitteln, und als sie sich vorstellte, wie der Vater in wenigen Stunden allein am Küchentisch sitzen und über die weiße Halbgardine aus Nylon hinaus auf den Hofplatz blicken würde, kam sie auf die Idee, auch das Vogelbrett zu füllen.

Sie hatte vier Meisenkugeln in grünen Plastiknetzen und einige Tüten ebenso verpackte Vogelnüsse gekauft. Die Meisenkugeln befestigte sie nun mit Bindfaden und Heftzwecken am Baum mitten auf dem Hofplatz, ihre Finger waren schon benommen von der Kälte. Auf dem Vogelbrett hatte sie altes Brot zerkrümelt.

»Vergiss nicht, Brot nachzufüllen, wenn das hier weg ist«, sagte sie. »Die Spatzen wollen beim Essen aufrecht sitzen, nur die Blaumeisen bringen es über sich, mit dem Kopf nach unten um sich selbst zu wirbeln, während sie ihre Mahlzeit genießen.«

Sie lachte ein wenig, hörte selbst, wie ihr Lachen falsch und hohl klang. Sie würde nach Hause fahren, nach Hause, nach Oslo und zu ihrer Arbeit, sie würde diesen Hof in der Nähe von Trondheim verlassen, auf dem sie noch vierzehn Tage zuvor nichts verloren zu haben geglaubt hatte. Ein anderes Leben, eine andere Zeit, fast. Und übermorgen war Silvester, ein neues Jahr würde den Absprung wagen.

»Du rufst sicher an«, sagte er plötzlich mit belegter Stimme. Sie hörte sehr gut, dass die Sache mit den Vögeln ihm jetzt egal war. Ohne dass sie sich umzudrehen brauchte, wusste sie, dass er mit dem einen Holzschuh im Schnee scharrte, vermutlich mit dem rechten und dass er so fest zutrat, dass der Neuschnee sich flaumleicht an die grauen Wollsocken heftete, die er immer in Holzschuhen und in Stallstiefeln trug.

Sie drückte die letzte Heftzwecke fest und hatte plötzlich das Gefühl, Bäumen das Leben zu nehmen, indem sie ihnen Kupfernägel in den Stamm schlug, wodurch sie an Vergiftung starben. Vielleicht enthielten auch Heftzwecken ein wenig Kupfer, und dann ermordete sie hier soeben den Schutzbaum von Neshov, und den Hofwichtel gleich mit, denn der wohnte unter dem Baum, und wenn der Baum starb, dann starb auch der Wichtel.

»Natürlich rufe ich an. Ich rufe an, sowie ich zu Hause bin«, sagt sie, obwohl sie sehr gut wusste, dass er es nicht so gemeint hatte.

»Haben Dreckswetter gemeldet. Und du musst doch fliegen«, sagte er.

»Es wird schon gut gehen. Keine Sorge.«

Die Meisenkugeln hingen still und grün dicht nebeneinander. Sie musste sich umdrehen, und er stand so da, wie sie erwartet hatte. Ein Halbkreis aus Neuschnee war vor seinem rechten Holzschuh gezogen, seine Hände steckten in den Taschen einer karierten Wollhose, die Strickjacke baumelte schlaff und locker um einen dünnen Körper, einen Körper, der in vier Jahren sechzig werden würde, ihr Vater, es war nicht zu fassen.

»Bist du schon mal geflogen?«

»Sicher doch«, sagte er.

Er ging zum Vogelbrett und zerbröselte die Krümel noch weiter, ließ einige in den Schnee fallen, die Krümel verschwanden und hinterließen winzige blauweiße Löcher. Seine Ellbogen zeichneten sich spitz unter der Jacke ab, die vorne lang und hinten kurz war. Die Wollmaschen an den Ellbogen waren abgenutzt und zeigten das karierte Flanellhemd darunter. Ein Pullover, vielleicht sollte sie ihm einen warmen Wollpullover stricken und darauf bestehen, dass er ihn im Alltag trug. Aber was würde es schon helfen, wenn sie sich am Telefon aus Oslo vor Anstrengung den Mund fusselig redete, dachte sie, hier auf dem Hof wird ja doch das Schöne weggelegt und aufgespart, für Tage, die niemals kommen.

Er würde so entsetzlich allein sein, nur mit dem alten Mann im Fernsehzimmer zur Gesellschaft. Aber er hatte ja die Schweine im Stall. Die hat er immerhin, dachte sie. Sie musste die Sprache auf die Schweine bringen, darauf, dass sie im Stall standen und auf ihn warteten.

»Bin doch nach Nordnorwegen und zurückgeflogen, als ich beim Militär war«, sagte er.

Er wühlte nun nicht mehr in den Krümeln herum, wischte sich die Hände ab, steckte sie wieder in die Hosentaschen und schaute zum Himmel hoch.

»Das hatte ich vergessen. Da musstest du natürlich fliegen«, sagte sie.

»Mit einer Hercules. Verdammter Krach in so einer Maschine. Wäre auch fast erfroren. Flog so langsam, ich dachte, wir würden gleich zu Boden gehen.«

Dazu könnte sie mehr sagen, gerade jetzt, sagen, dass er sie dort oben gezeugt hatte, auf Urlaub in Tromsø, zusammen mit einem Mädchen, das Cissi hieß, und das danach die lange Reise nach Neshov angetreten war, schwanger, nur um zu erleben, wie die Frau, die es für seine angehende Schwiegermutter gehalten hatte, es wieder wegschickte.

»Ich habe auch für euch viel gutes Essen gekauft, nicht nur für die Vögel«, sagte sie.

Er schwieg eine Weile. Da standen sie nun und glotzten in unterschiedliche Richtungen. Sie atmete tief durch, über den Bergen und dem Fjord unten im Süden lag das Morgenlicht, die Sonne verbarg sich hinter einem rosablauen Frostschleier. Sie wünschte, sie säße schon im Auto, mit ihrem Gepäck im Kofferraum, unterwegs nach Værnes und Gardermoen und Stovner.

»Schade, dass du fährst. Der Januar ist immer schrecklich lang. Dieses Jahr wird er besonders lang.«

»Da bist du nicht der Einzige. Niemand kann den Januar leiden«, sagte sie.

»Rechnungen und Jahresbilanzen und der ganze Mist. Auch wenn Erlend und der Däne ... Ach, dass das nötig sein muss.«

Erlend und Krumme hatten ihm Geld gegeben, hatten es ihm aufgedrängt, obwohl er sich heftig geweigert hatte und fast wütend geworden war. Es war am Abend des dritten Weihnachtstages gewesen, nach der Beerdigung, und Erlend hatte zu viel Bier getrunken und gesagt, er wolle zwanzigtausend hinterlassen. Er hätte bis zum Tag danach warten können, aber Erlend war einer, der sofort drauflosquasselte, wenn ihm etwas einfiel, und er hatte doch nur nett sein wollen. Dann hatte Krumme die erlösenden Worte gesprochen, dass das Geld nicht für die Leute vom Hof sein sollte, sondern für den Hof. Tor sollte es nur gut und richtig verwalten.

»Denk daran, dass es um den Hof geht«, sagte sie jetzt. »Wie Krumme gesagt hat. Es ist schon in Ordnung so. Du kannst im Frühjahr die Scheune anstreichen und die zerbrochenen Fenster auswechseln.«

»Na ja, das Geld landet ja doch vor allem bei Trønderkorn und Røstad.«

»Røstad?«

»Dem Tierarzt. Jetzt lass ich meistens den kommen. Muss die Sauen besamen lassen und die Ferkel kastrieren. Brauch auch bald mehr Futter.«

»Ein bisschen Farbe kannst du dir bestimmt leisten. Und ich rufe sicher an. Es wird doch auch spannend, wenn es neue Würfe gibt und wie groß die ausfallen. Deine Schweine werden mir fehlen.«

»Wirklich?«

»Ja, das kannst du mir glauben.«

»Aber bei der Arbeit hast du doch genug Tiere um dich herum.«

»Das ist nicht ganz dasselbe«, sagte sie. »Kranke Katzen und Hunde und Wellensittiche und Schildkröten. Nichts ist so schön, wie Siri hinter den Ohren zu kraulen. Ich hab wirklich Respekt vor Schweinen bekommen. Die sind doch was ganz anderes als Meerschweinchen und ungezogene Welpen!«

Sie sagte das nicht, um ihm eine Freude zu machen, es kam ihr von Herzen. Sie hatte seine Zuchtsauen mit ihrer Vierteltonne Lebendgewicht lieb gewonnen, die Wärme und die Stimmung im Stall, den Kontakt zu den Tieren, die gaben und gaben und im Gegenzug nur Futter und Wärme und Fürsorge verlangten. Und sie waren so klug, mit ihren ganzen individuellen Eigenheiten, ihrer Sturheit und ihrem Humor. Und die neugeborenen Ferkel, so niedlich, dass es nicht zu fassen war, dass aus ihnen im Handumdrehen dicke Brocken von hundert Kilo werden würden.

Sie schüttelte den Kopf, kicherte mit geschlossenem Mund und atmete durch die Nase ein.

»Meerschweinchen, ja. Ich habe noch nie ein lebendiges Meerschweinchen gesehen. Finde es komisch, was du von deiner Arbeit erzählst«, sagte er. »Dass Leute Geld ausgeben, um ein Meerschweinchen operieren zu lassen.«

»Die haben sie eben lieb. Gerade Kindern geht es nahe. Die weinen schrecklich, wenn sie ihr Meerschweinchen oder ihre Ratte einschläfern lassen müssen.«

»Und dann auch noch Ratten! Wie können Leute freiwillig... Aber sicher, ich verstehe schon, dass Kinder... Ich habe einmal ein Eichhörnchen gezähmt, als ich acht oder zehn war. Es ist im Düngersilo ertrunken. Und da war ich wirklich kein harter Bursche. Aber auch Hunde. Ich weiß noch, du hast von Leuten erzählt, die fast dreißigtausend für einen Hund ausgegeben haben. Sind mit ihm nach Schweden gefahren und haben ihm... neue Hüften operieren lassen, war das nicht so?«

»Neue Hüften, ja. Sie hatte Hüftegelenksdysplasie. Sie wäre sonst eingeschläfert worden, und sie war erst ein Jahr alt.«

»Aber dreißigtausend? Für eine Töle, die selber nicht mal für fünf Öre produziert!«

»Haustiere sind etwas ganz anderes als Nutztiere, weißt du. Du könntest dir eigentlich auch einen Hund zulegen. Gute Gesellschaft, so ein Hund. Er könnte zusammen mit dir hier herumtrotten und...«

»Nie im Leben. Nein, die Schweine reichen. Die sind Gesellschaft genug.«

»Aber du verstehst doch, was ich meine. Dass es einsam für dich wird. Für dich und... den Vater.«

»Den, ja.«

Er schniefte und wischte sich mit dem Handrücken einen Tropfen von der Nase.

»Habt ihr darüber gesprochen?«, fragte sie. »Nach Heiligabend? Du und er?«

»Nein.«

»Aber jetzt wird der Hof doch endlich auf dich überschrieben. Dagegen hat er wohl nichts einzuwenden?«

»Nicht doch.«

»Vielleicht, wenn ihr zwei allein seid, dann schafft ihr es...«

»Wir sind hier nicht in Oslo. Über so etwas wird hier nicht geredet. Die Sache ist jetzt erledigt«, sagte er hart.

»Aber ich wollte doch nur sagen, dass...«

»Himmel, jetzt wird es hier draußen aber kalt«, sagte er, und seine Stimme klang wieder wie sonst. »Einen Kaffee können wir doch sicher noch trinken, bevor ihr fahrt.«

Eine Stunde darauf war der kleine Mietwagen bis an den Rand gefüllt. Es war ein Golf, Krumme hatte ihn in Værnes gemietet, und dort sollten sie ihn auch wieder abliefern. Torunn lief ins Fernsehzimmer zum Großvater, nachdem sie Winterjacke und Stiefel wieder angezogen hatte. Sie gab vor, es jetzt eilig zu haben, sie hatte den Abschied die ganze Zeit hinausgezögert, so getan, als tränken sie hier ganz normal Kaffee, obwohl Erlend bereits hektisch die Treppe in den ersten Stock hoch- und herunterrannte, dann hinaus zum Wagen auf dem Hofplatz, mit allen möglichen Dingen beladen, die er in letzter Minute mitnehmen wollte.

Der Großvater saß mit der Kaffeetasse da, einer Tasse ohne Untertasse, und mit Krümeln von dem Stück Rosinenkuchen auf dem Tisch und auf den Knien, das sie ihm gegeben hatte. Er trug beide Gebisshälften. Der Fernseher war nicht eingeschaltet, sie warf einen raschen Blick auf die von Erlend gekauften Topfblumen auf der Fensterbank und wusste mit untrüglicher Sicherheit, dass sie in vierzehn Tagen tot sein würden. Vertrocknet oder zu stark gegossen. Sie wusste auch, dass lange Zeit vergehen würde, ehe er sich wieder rasierte. Oder seine Unterwäsche wechselte. Wie sollen sie jetzt zurechtkommen, dachte sie, wenn ich einfach gehe. Aber der nächste Gedanke war, dass Erlend das doch auch machte, und er stand ihnen eigentlich näher, sofern es überhaupt möglich war, da eine Reihenfolge aufzustellen. Erlend war der kleine Bruder, sie war die Tochter, wer müsste hier eher ein schlechtes Gewissen haben? Aber Margido wohnte gleich hinter dem Hügel, jetzt sollte er sich um seine Familie auf Neshov kümmern. Ihm würde gar nichts anderes übrig bleiben, er war doch sein Bruder. Die Frage war wohl eher, auf welche Weise er sich kümmern und ob Tor es zulassen würde, nachdem Margido sieben Jahre lang einen Bogen um den Hof gemacht hatte.

»Aufbruch?«, fragte der Großvater. Sein Gebiss klapperte.

»Ja.«

Sie bückte sich und schmiegte ihre Wange an seine. Das kratzte. Er roch nach altem Mann und alten Kleidern und altem Haus, und aus dem Mund nach Rosinenkuchen und Kaffee. Sie umarmte ihn zum ersten Mal, er konnte den einen Arm gerade bis an ihre Wange heben.

»Mach’s gut«, flüsterte sie. Was hätte sie sonst sagen sollen, sie konnte ihm ja nichts versprechen. »Ich hoffe, es wird dir gut gehen.«

»Ich will ins Heim«, flüsterte er.

»Was?«

Sie richtete sich auf.

»Ich will ins Heim. Irgendwer muss dafür sorgen. Ich weiß nicht, was Tor dazu sagt, aber ich will das.«

»Dann musst du mit Margido sprechen«, sagte sie. Warum hatte er mit dieser Nachricht bis zu diesem Moment gewartet, fragte sie sich, sie konnte doch jetzt nichts mehr unternehmen.

»Du kannst Margido anrufen und es ihm sagen«, bat er.

Sie schaute in das runzlige Gesicht, in die Augen hinter den Brillengläsern, sah sein ganzes Leben und hätte weinen mögen, sich ganz leer weinen aus Kummer über das vergeudete Leben dieses Mannes. Sie nickte, ließ seinen Blick nicht los und konnte ihr Weinen unterdrücken.

»Ich werde mit Margido sprechen«, flüsterte sie. »Ich rufe Margido morgen an.«

Sie legte die Hand an seine Wange, ließ sie an den Bartstoppeln ruhen, konnte sehen, wie seine Augen blank wurden, ehe sie sich umdrehte und ging. Sie lief durch die leere Küche, in der der Ofen voller Holz und Flammen brummte und sang, hinaus auf den Hofplatz, wo Erlend den Kopf zur Rückbank des Autos hineinstreckte, während Krumme ihrem Vater zum Abschied die Hand gab.

»Danke für alles, Tor. Es war... schön«, sagte Krumme.

Der kleine dicke Däne musste den Kopf in den Nacken legen, um an dem Schweinezüchter von Neshov hochblicken zu können. Der Däne, der überhaupt nicht willkommen gewesen war, als er einige Tage vor Heiligabend mit dem Mietwagen auf den Hof gefahren war. Tor hatte sich zuerst in tiefem Zorn und Ekel zu Bett gelegt, nachdem er für einen kurzen Moment gesehen hatte, dass Erlends Hand unter dem Küchentisch auf Krummes Oberschenkel ruhte.

»Du kannst gern wiederkommen«, sagte Tor und schaute in eine andere Richtung. »Vielleicht im Sommer. Dann ist es schön hier.«

»Ja, vielleicht«, sagte Krumme und nickte viele Male. Er wusste, wie schwer Tor diese Worte gefallen waren.

»Wenn ich doch nur so ein Papprohr hätte«, rief Erlend aus dem Auto. »Es wird doch total zerknüllt werden!«

»Was denn?«, fragte Torunn.

»Das Poster! Das hab ich mitgenommen. Ist mir eben noch eingefallen, dass ich es mitnehmen will.«

»Das Aladdin-Sane-Poster, das in deinem Zimmer gehangen hat? Das war doch total vergilbt«, sagte sie.

»Das habe ich auch gesagt«, sagte Krumme.

»Aber ich will es mitnehmen. Es ist mir ganz plötzlich eingefallen. Aber nun wird es also total...«

»Jetzt fahren wir«, sagte Krumme. »Möchtest du vorn sitzen, Torunn?«

»Torunn muss fahren!«, sagte Erlend.

»Muss ich das?«, fragte sie.

»Aber natürlich musst du. Herrgott, dass Krumme es mit heiler Haut von Værnes nach Byneset geschafft hat, ist doch ein reines Wunder. Ein Weihnachtswunder. Er kann nicht fahren, und bei Schnee kann er erst recht nicht fahren.«

»Immerhin habe ich einen Führerschein«, sagte Krumme. »Also finde ich, dass du jetzt ein wenig übertreibst.«

»Und wozu benutzt du den?«, fragte Erlend. »Um in Kopenhagen in Taxis ein- und auszusteigen. Torunn fährt.«

»Okay«, sagte sie. »Aber du musst hinten sitzen, Erlend. Wo du nicht mal einen Führerschein hast.«

Sie zögerte keinen Moment, ehe sie ihren Vater umarmte. Sie ließ ihn ebenso schnell wieder los und setzte sich ins Auto, streckte die Hand nach dem bereits im Zündschloss steckenden Schlüssel aus und drehte ihn herum. Erlend quetschte sich auf den Rücksitz, wo zwischen den vielen Gepäckstücken gerade noch Platz für ihn war. Er machte sich hektisch an dem aufgerollten Poster zu schaffen, um das er ein Gummiband gestreift hatte, und hielt es schließlich steif vor sich hin.

Sie kurbelte das Fenster herunter und winkte, während sie vom Hof fuhr. »Jetzt musst du Schnee räumen, Vater! Der Hof ist doch fast schon eingeschneit! Mach’s gut.«

Er gab eine Antwort, die sie nicht hörte, aber sie wusste, dass er sich gleich nach ihrem Aufbruch auf den Traktor setzen und mit dem Schneeräumen beginnen würde. Diese Arbeit machte er sehr gern, und er würde dann nicht sofort ins Haus gehen müssen.

»Herrgott, fahr!«, sagte Erlend. »Jetzt geht’s los.«

Sie winkten alle drei heftig, flache und ruckartige Handbewegungen in dem engen Wageninneren. Torunn hupte, sie fuhren durch die Ahornallee, und sie fing an zu weinen. Sie schluchzte laut und rau, kam nicht dagegen an. Erlend beugte sich vor und umarmte sie von hinten, Krumme legte seine Hand auf ihre, die auf dem Lenkrad lag. Sie fuhr an den Straßenrand, als sie merkte, dass sie vom Haus aus nicht mehr zu sehen waren.

Sie weinte und weinte, die Fenster beschlugen, und die Heizung war voll aufgedreht. Lange sagte niemand etwas, sie streichelten nur ihre Haare und über ihre Schultern. Sie fand in ihrer Jackentasche ein verklumptes altes Papiertaschentuch und putzte sich die Nase, fing dann aber gleich wieder an zu weinen.

»Vielleicht sollte ich doch fahren«, sagte Krumme.

Sie schüttelte den Kopf und putzte sich noch einmal die Nase.

»Ich werde mich jetzt zusammenreißen«, sagte sie. »Das war nur... Es ist irgendwie total unmöglich, sich vorzustellen, dass die beiden es schaffen können.«

Erlend fiel ihr ins Wort: »Niemand hätte mehr tun können als du. Du hast ja sogar mich auf den Hof geholt... Herrgott, Torunn, du warst einfach ganz phantastisch. Dich dermaßen einzubringen, obwohl du noch nie einen Fuß auf den Hof gesetzt hattest. Aber jetzt fahren wir. Ich will nach Hause und Silvester feiern. Es ist jetzt vorbei.«

Nein, dachte Torunn, da irrst du dich, jetzt fängt es erst an.

Tor würde niemals vergessen, dass Margido den allerschönsten Sarg ausgesucht hatte. Natürlich hatte er ihn zum Einkaufspreis direkt von der Fabrik bekommen, aber trotzdem. Dass er das getan hatte. Dass er allen, die in die Kirche gekommen waren, gezeigt hatte, dass hier ein Mensch lag, der wichtig gewesen und geliebt worden war.

Nachdem Torunn gefahren war, blieb er neben dem Traktor stehen und dachte über ihren Abschied nach. Es fiel ihm nicht leicht, nicht daran zu denken, dass Torunn sich in wenigen Stunden fünfhundert Kilometer von ihm entfernt aufhalten würde. Der teure Sarg aus mahagonidunklem Holz, lieber wollte er an den denken. Das hätte die Mutter erleben sollen, dass für ihre Beerdigung so viel ausgegeben wurde! Sie hätte sich energisch dagegen gewehrt, dachte Tor, und musste ein wenig lächeln, wenn er an das Erstaunen dachte, das seine Mutter gezeigt hätte. Ein teurer Sarg, der nur in die Erde und verrotten sollte, nein, da könnte man das Geld doch für andere Dinge ausgeben, hätte sie gesagt.

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