Elias - Valerie le Fiery - E-Book

Elias E-Book

Valerie le Fiery

0,0
3,99 €

oder
-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Elias ist achtundzwanzig, Filialleiter eines Supermarktes und, allem Anschein nach, glücklich mit einer Frau verheiratet. Die Ehe hat jedoch Haken und Ösen, was Elias nicht gerade zufrieden stimmt. Als er durch Zufall den zwei Jahre jüngeren Studenten Mailo kennenlernt, geraten seine Gefühle plötzlich ins Wanken, zumal es zwischen ihm und seiner Frau Miriam immer deutlicher zu kriseln beginnt. Kann es für Elias tatsächlich eine Zukunft mit einem Mann geben oder endet die Achterbahn der Emotionen letztendlich in einem großen Desaster?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2026

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Elias

Umweg ins Glück

Frank BöhmValerie le Fiery

Impressum

Frank Böhm

Plinkstr. 137

25337 Elmshorn

[email protected]

Valerie le Fiery

c/o Schulze

Salzbrückerstr. 27

21335 Lüneburg

[email protected]

Das Autorenduo ist zusätzlich zu erreichen unter

[email protected]

Autoren: Frank Böhm, Valerie le Fiery

Coverdesign: Marta Jakubowska/Main Verlag

Coverfoto: © www.shutterstock.com

Nr.: 613016489 und 194804216

Coverschriften:Sallvacia Regular (Envato)/

Borris Serif Regular (Envato)

© 2021 Frank Böhm, Valerie le Fiery

Der Inhalt des Buches sagt nichts über die sexuelle Ausrichtung des Covermodels aus.

Die Handlung, die Namen der beteiligten Personen sowie alles Weitere sind rein fiktiv und frei erfunden, Orte, eventuell erwähnte Sehenswürdigkeiten oder Veranstaltungen allerdings echt. Ähnlichkeiten mit realen Personen oder Geschehnissen sind unbeabsichtigt und zufällig. Diese Aussage betrifft sowohl die Vergangenheit als auch die Gegenwart, sowohl lebende als auch bereits verstorbene Personen.

Alle Rechte sind vorbehalten.

Dieses Buch, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt und darf ohne Zustimmung der Autoren nicht vervielfältigt oder weiterverbreitet werden.

Inhalt

Ein typischer Montag

Kinoabend

Süße Leckerei

Herber Wein

Männerabend

Gefühlsbeichten

Dicke Luft

Nächtliche Messages

Stammplatz in der Ecke

Lebensbeichten und Gefühlsduseleien

Präriesee

Dieses Kribbeln im Bauch

Nachtleben

Freitagsmüdigkeit

Die Sehnsucht nach Schlaf

Ehe auf dem Prüfstand

Zeiten ändern sich

Das Gefühl von Jugend

Lauwarme Sommernacht

Die eigenen vier Wände

Möbelhaus, Kartoffelsalat und Co.

Schweiß, Wassertropfen und Sinnlichkeit

Elternbeichte

Sommerparty

Über das Autorenduo

Ein typischer Montag

Ganz ehrlich, Leute, ich behaupte jetzt mal felsenfest, dass ich meinen Job im Supermarkt liebe und jeden Tag mit Freude zur Arbeit gehe. Es gibt jedoch eine große Ausnahme und das ist der Montag. Am Wochenanfang gehen einfach die meisten Dinge schief. So auch heute, als ich die Hintertür zum Geschäft aufschließe und mit Erschrecken feststelle, dass die bestellte Ware noch nicht eingetroffen ist. Hektisch sehe ich zur Uhr, es ist exakt halb sieben. Normalerweise sind um diese Zeit die Rollcontainer schon längst vom Lkw-Fahrer abgeladen worden, doch leider sehe ich statt der für uns wichtigen Artikel nur gähnende Leere. Das heißt für mich, dass ich mich sofort in mein Marktleiterbüro zurückziehen und die Verspätung klären muss, sonst könnte es nämlich mit diversen Produkten durchaus knapp werden, zumal leere Regale nicht unbedingt einen Schönheitspreis gewinnen können.

Ich warte nicht mal eine Minute, verzichte sogar auf meinen ersten Kaffee und haste an meinen Schreibtisch, an dem ich, ohne zu zögern, die Nummer der Disposition wähle.

„Elias Becker, SuMa-Filiale Nordwest, guten Morgen, Frau Schütte. Ich rufe Sie an, weil unsere bestellte Ware bisher nicht geliefert wurde. Gibt es ein Problem? Bitte schauen Sie doch einmal nach, was geschehen ist.“

Die werte Dame aus der Zentrale verrät mir, dass es auf der Autobahn aufgrund eines Verkehrsunfalls eine Vollsperrung gab und der Lkw daher im Stau stand, sich jedoch mittlerweile etwa fünfzig Kilometer vor der Filiale befindet.

„Vielen Dank für die Auskunft, Frau Schütte, aber es wäre toll, wenn solche Dinge demnächst möglichst zeitnah telefonisch oder per E-Mail kommuniziert werden könnten. Vor Ladenöffnung gern auch auf meinem Handy, damit ich Bescheid weiß.“

Sie stimmt mir zu, notiert sich meinen Verbesserungsvorschlag und legt auf. Ich atme derweil einmal tief durch und weise die mittlerweile eingetroffenen Marktmitarbeiter an, sämtliche Regale schnellstmöglich für die Öffnung vorzubereiten, damit der Betrieb zeitnah um sieben Uhr starten kann. Zum Glück wird noch alles glatt gehen, obwohl der erste Schreck am Morgen für reichlich Adrenalin im Blut gesorgt hat.

Rasch genehmige ich mir meinen bisher versäumten Morgenkaffee. Was für eine Wohltat, die mich zum Glück ein wenig entspannt. Doch als sich wenig später unser Azubi mit einem fadenscheinigen Grund für zwei Tage krankmeldet, ist mir sofort klar, dass ich wahrscheinlich selbst eine ganze Weile an der Kasse verbringen muss, da eben dieser Mitarbeiter für einen der Plätze eingeteilt war und Frau Stubbe, eine ältere Stammkraft, heute und morgen Urlaub hat.

Ich grummele ein wenig vor mich hin, beschließe jedoch, mich von solchen Dingen nicht unterkriegen zu lassen, hole einen Kassensatz mit Wechselgeld aus dem Tresor und bereite für mich Platz zwei vor.

Pünktlich öffnen sich die Pforten und tatsächlich stehen bereits die ersten Kunden vor dem Geschäft. Typisch Montag, da wir zum Wochenbeginn häufig mit einer Rabattaktion werben, bei der die Leute kräftig sparen können. Allein aus diesem Grund sind die pünktliche Warenlieferung und die lückenlose Besetzung der Kassen ja so enorm wichtig.

Die Ware trifft zum Glück schließlich gegen halb acht ein, wird von den Lageristen kontrolliert und in den Bestand aufgenommen. Das Schlimmste an der Sache wäre nämlich gewesen, die zahlreichen Angebotsprodukte nicht mehr vorrätig zu haben. Natürlich ist der Ausfall des Lehrlings auch nicht gerade erfreulich. Immerhin hätte ich mit Sicherheit etwas anderes zu tun, als mich an diesem Morgen an die Kasse zu setzen, doch andererseits kann ich den administrativen Teil bestimmt auch noch später erledigen, wenn am Nachmittag die Aushilfe eintrudelt und mich ein wenig entlastet. Daher lasse ich mich davon nicht beeindrucken und lächele unseren Kunden, die ihre Einkäufe auf das Beförderungsband legen, freundlich entgegen.

„Guten Morgen, Frau Müller!“, rufe ich einer Stammkundin zu.

„Ach, der Herr Becker persönlich“, antwortet sie freundlich. „Wie kommt es denn, dass Sie heute so früh selbst kassieren? Ist denn jemand ausgefallen?“

„Na ja, es sind sogar zwei. Der Niklas hat sich krankgemeldet und Frau Stubbe hat heute und morgen Urlaub. So schnell kommt man in Bedrängnis.“

„Och, die Frau Stubbe hat frei. Es sei ihr gegönnt. Und hoffentlich ist nichts Ernsthaftes mit dem Jungen. Der wirkt immer so sympathisch, wenn er kassiert. Ich kaufe ihm das nächste Mal eine Tafel Schokolade. Aber dennoch freut es mich, Ihr Gesicht zu sehen. Ich weiß ja noch, als Sie in der Ausbildung waren. Wie lange ist das jetzt her?“

„Zwölf Jahre, Frau Müller. Ich war sechzehn, als ich hier anfing. Und mittlerweile bin ich schon seit drei Jahren Marktleiter.“

„Das ist echt erstaunlich. Man merkt gar nicht, wie die Jahre so verfliegen. Was muss ich bezahlen, Herr Becker?“

„Achtundzwanzig Euro und dreißig Cent, Frau Müller“, antworte ich und deute leicht mit dem Zeigefinger auf das Display. Die Stammkundin legt mir den Betrag passend hin und verabschiedet sich mit einem breiten Lächeln.

Sie hat recht. Die Zeit vergeht wie im Flug. Auch an mir sind die Jahre vorbeigezogen, als wären es Minuten gewesen. Ehe ich mich versah, war die Ausbildung absolviert und ich wurde übernommen. Ich leistete gute Arbeit und konnte so, mit dem Renteneintritt meines Vorgängers, die Marktleitung übernehmen. Es war ein klassischer Karrieresprung. Aber auch sonst führe ich ein ganz normales Leben, bin seit etwa drei Jahren mit Miriam zusammen und seit fast zwölf Monaten mit ihr verheiratet. Im Großen und Ganzen kann ich echt zufrieden sein, das ist mir durchaus bewusst. Lächelnd und mittlerweile gut gelaunt kassiere ich weiter, und noch bevor ich erneut zur Uhr sehen kann, ist es Mittag, die Aushilfe trudelt ein und löst mich ab.

„Schön, dass Sie so pünktlich sind“, lobe ich die Studentin Jana. „Ich verschwinde dann mal in mein Büro und erledige die liegen gebliebenen Dinge.“

„Ja, sicher!“, gibt mir die junge Frau zu verstehen, richtet sich den Kassenplatz ein und beginnt ihren Dienst.

Hektisch und auch ein klein wenig hungrig haste ich durch den Markt, dabei grüble ich darüber nach, was ich essen könnte und anschließend noch zu erledigen habe. Für einen Moment versinke ich in Gedanken und lasse sogar den Eingang meines Büros links liegen. Warum genau, kann ich gar nicht sagen, aber aus irgendeinem Grund finde ich mich vor dem Kühlregal wieder und denke darüber nach, vielleicht eines der diversen Milchprodukte käuflich zu erwerben. Plötzlich steht ein junger Mann vor mir, der jede Menge Waren auf dem Arm trägt und dem ein großes Joghurtglas aus der Hand rutscht, das direkt vor meinen Füßen landet, wo es in unzählige Stücke zerplatzt. Glücklicherweise hinterlässt der Inhalt keine Spritzer auf meinen Schuhen oder der Jeans, der Unglücksrabe bleibt ebenfalls verschont.

Verdutzt schaut er anschließend auf den zu Boden gefallenen Artikel und balanciert dabei waghalsig mit zwei weiteren Gläsern herum, die sich offenbar zu dem anderen gesellen wollen. Beherzt greife ich zu, rette die Waren vor dem Sturz auf die harten Fliesen und mustere den mittlerweile verlegen lächelnden jungen Mann, der mich mit einer Art Dackelblick ansieht, genauer.

„Eigentlich haben wir gerade für größere Einkäufe diese netten Dinger am Eingang stehen. Die sind Ihnen bestimmt schon mal aufgefallen. Solche merkwürdigen Körbe aus stabilem Draht, manche sogar mit Rollen drunter.“

„Sorry, tut mir leid, ich kann ein solcher Schussel sein“, entflieht es meinem Gegenüber, dessen Gesicht inzwischen von einem flammenden Rot überzogen wird. „Ich wollte ja definitiv nur zwei Teile kaufen, dafür lohnte das irgendwie nicht, zumal ich nur einen Schein eingesteckt habe und somit keine Münze für den Einkaufswagen griffbereit war. Und an einen kleinen Korb habe ich tatsächlich nicht gedacht. Wenn Sie mir einen Lappen geben, dann …“

„Lassen Sie es gut sein, das machen wir gleich sauber. Warten Sie bitte einen Moment hier, damit niemand darauf ausrutscht, okay?“

Rasch stelle ich die beiden Gläser zu seinen Füßen ab, entferne mich vom Ort des Geschehens, schnappe mir an der Kasse einen unserer leuchtend orangefarbenen Einkaufskörbe sowie eine Papierrolle und eile zurück zu dem Unglücksraben, der wie angewurzelt dasteht und sich offensichtlich keinen Millimeter bewegt hat. Vorsichtig nehme ich ihm ein paar weitere Artikel aus dem Arm, den Rest verstaut er, nebst den beiden Joghurts vom Boden, selbst in dem Korb, den ich in der linken Hand halte, während die Küchenrolle unter meiner Achsel klemmt.

„Danke schön“, murmelt der nach wie vor betreten wirkende Kunde und streckt seine Hand nach der Rolle aus, einen Zugriff kann ich jedoch gerade noch so eben verhindern.

„Keine Ursache“, gebe ich zurück. „Und nun wünsche ich Ihnen einen angenehmen Aufenthalt bei uns. Beehren Sie uns bald wieder.“

„Das mache ich. Ganz bestimmt sogar“, stößt der Pechvogel hervor, greift sich den Korb, den ich unterdessen abgestellt hatte, und verschwindet zwischen den Regalen, irgendwo beim Waschmittel.

Meine Blicke folgen ihm, bis ich ihn aus den Augen verliere und ich mich seufzend daran mache, die leicht klebrige, weiße Masse von den Fliesen zu wischen und damit auch die Glassplitter, die glücklicherweise nicht sonderlich weit verstreut sind. Dennoch werde ich nicht umhinkommen, mir Schaufel, Handfeger und einen Wischlappen zu besorgen, um die Reste des kleinen Unglücks komplett zu beseitigen, immerhin handelt es sich bei dem zerbrochenen Glas um die große Fünfhundertgrammversion der betreffenden Marke. Trotz des blöden Vorfalls, der mich dazu bringt, hier auf dem Boden herumzukriechen, muss ich schmunzeln. Zumindest kann man feststellen, dass der tollpatschige Mister Dackelblick sich einigermaßen gesundheitsbewusst ernährt, es handelt sich nämlich um eine unserer Biomarken. Außerdem kann er offensichtlich recht gut mit Geld umgehen, das beweist die Tatsache, dass er eines unserer wöchentlichen Angebote erwerben wollte.

Eine Viertelstunde später sitze ich an meinem Schreibtisch im Büro, neben mir ein großer Becher Kaffee und dazu ein Joghurt von dem Hersteller, der indirekt die Schuld daran trägt, dass ich an diesem Tag zu allem Überfluss sogar als Reinigungspersonal fungieren musste. Sinnend starre ich auf das Etikett, das ich bereits Hunderte Male gesehen habe, allerdings ohne es bewusst wahrzunehmen, da es sich normalerweise nicht um meine bevorzugte Marke handelt. Normalerweise bin ich eher der Typ „Quark“, doch wenn einem etwas schon dermaßen drastisch präsentiert wird, kann man ja ruhig einmal genauer hinschauen und, wie in meinem Fall, das Produkt zusätzlich einem Geschmackstest unterziehen. Kann ja nicht schaden, schließlich sollte man Kunden gelegentlich auch beraten können.

Ein erster Löffel des Joghurts findet den Weg in meinen Mund und von dort in meinen Magen. Hmmm, gar nicht mal schlecht, dieses Biozeugs. Schade, dass Miriam leider überhaupt nicht daran interessiert ist, ob etwas gesund ist oder nicht, Hauptsache, es ist billig. Nun könnte man natürlich einwenden, ich säße direkt an der Quelle und würde somit selbst einkaufen, aber … so sehr mich meine Frau auch liebt, sollte ich es wagen, ihr in die Haushaltsführung hineinzureden, müsste ich garantiert eine Weile auf der Couch nächtigen. Da versteht sie keinen Spaß, das ist ihre Domäne und da duldet sie keine Einmischung. Das liegt sicher zu einem großen Teil daran, dass sie lediglich dreißig Stunden wöchentlich in einem großen Drogeriemarkt arbeitet, von daher wesentlich früher zu Hause ist als ich und deshalb sämtliche häuslichen Tätigkeiten bereits von Anfang an übernommen hat. Im Großen und Ganzen bin ich mit dem Arrangement bisher zufrieden, denn ich befinde mich eher so um die sechzig Stunden im Markt, auch wenn der Rest der Belegschaft schon längst den wohlverdienten Feierabend genießt.

Genussvoll lasse ich Löffel um Löffel des leckeren Eiweißsnacks in meinem Magen verschwinden und spüre, wie sich meine Stimmung, die noch am Morgen so typisch „Montag“ war, stetig verbessert. Dazu nehme ich ab und zu einen Schluck von meinem Kaffee und sehe aus dem geöffneten Fenster meines Büros auf den sonnenbeschienenen Parkplatz des Supermarktes. Links in der Ecke sitzen ein paar Kunden an einigen runden Tischchen und lassen sich den Kaffee vom Bäcker, der einen Shop im vorderen Bereich des Marktes betreibt, schmecken. Rechts hingegen schirmt ein bunt angestrichener Mattenzaun unseren Bereich gegen einen Kindergarten ab, was dennoch nicht verhindert, dass fröhliches Geschrei bis in mein Büro dringt. Irgendwie ist dieser Montag anders, warum ich das so empfinde, kann ich allerdings nicht wirklich greifen oder in Worte fassen. Ist es die Tatsache, dass heute endlich mal die Sonne scheint, nachdem es tagelang nur geregnet hat? Oder weil ich mich auf den Feierabend freue, da Miriam und ich ins Kino wollen, was bereits seit einiger Zeit geplant ist? Keine Ahnung, ist mir auch egal.

Fröhlich pfeifend erledige ich meine restlichen Arbeiten im Büro und begebe mich im Anschluss daran wieder in den Laden zurück. Nicht einmal die Tatsache, dass ich ab achtzehn Uhr wieder an der Kasse sitzen muss, kann meine gute Laune trüben. Die Kunden sind nach wie vor freundlich, das Wetter hervorragend und ich bin ziemlich gespannt, welchen Film Miriam wohl für uns ausgesucht hat, das wollte sie mir bisher nämlich nicht verraten.

Kurz vor Ladenschluss um neunzehn Uhr steht plötzlich der Tollpatsch vom Mittag an meiner Kasse. Mit einem entschuldigenden Lächeln hält er mir ein eingewickeltes Päckchen hin.

„Was ist das?“, frage ich neugierig nach und schaue zu ihm hoch in seine faszinierend grün schimmernden Augen.

„Nur eine Kleinigkeit, weil es mir leidtut, dass ich heute Mittag dieses Joghurtglas zerdeppert habe“, murmelt er und ist bereits im nächsten Moment verschwunden.

Irritiert schaue ich auf den in Geschenkpapier gehüllten Karton mit der roten Schleife und dem eingesteckten Kärtchen und lese die wenigen Worte, die darauf stehen.

Entschuldigung, kommt nicht wieder vor. Mailo Stolte

Kinoabend

Etwa zehn Minuten später hat der letzte Kunde den Laden verlassen und ich verschließe den Supermarkt. Mit dem kleinen Präsent in der Hand verschwinde ich in mein Büro und rechne die Tageseinnahmen ab, die ich anschließend im Tresor verstaue. Ich bin soeben im Begriff, die letzten Lichter zu löschen, als mich die Neugier packt. Was mag wohl in diesem kleinen Päckchen stecken? Theoretisch habe ich es eilig, da die Vorstellung bereits um acht Uhr beginnt und Miriam bestimmt nicht gerade begeistert wäre, sofern ich zu spät am Kino einträfe, dennoch kann ich aus mir unerfindlichen Gründen meine Finger nicht von dem Geschenk lassen. Vorsichtig öffne ich die hübsch drapierte Schleife, entferne das Papier und entdecke eine Schachtel, in der sich ein großer Kaffeepott befindet, der mit leckerer Schokolade gefüllt ist. Der Anblick dieser Aufmerksamkeit lässt mich grinsen. Es muss diesem Mailo tatsächlich ziemlich peinlich gewesen sein, dass ihm solch ein Missgeschick passiert ist. Aber so what? Er hat sich mit seinen Einkaufsgewohnheiten ohne Korb zwar nicht gerade mit Ruhm bekleckert, doch es gibt wesentlich schlimmere Sachen, die in der Zeit, seit ich in diesem Supermarkt arbeite, passiert sind. Ich bin ihm zumindest nicht böse und finde seine Geste, sich mit einem Geschenk zu entschuldigen, enorm sympathisch.

Hektisch sehe ich zur Wanduhr in meinem Büro. Langsam, aber sicher sollte ich mich beeilen, sonst gibt Miriam wahrscheinlich eine Vermisstenanzeige auf. Rasch entledige ich mich meines Kittels, lege ein wenig Deo auf, fahre mir ein paar Mal mit den Fingern durch die Haare, ziehe meine Jacke an und verlasse den Laden durch eben jene Hintertür, durch die ich meinen Arbeitsplatz am Morgen betreten habe.

Schnellen Schrittes nähere ich mich dem Parkplatz, auf dem mein Auto steht. Sobald ich den Wagen angelassen habe und mein Handy die notwendige Bluetooth-Verbindung aufgebaut hat, wähle ich die Nummer meiner Frau. Nach zweimaligem Klingeln nimmt sie ab.

„Hallo, Schatz, bist du unterwegs?“

„Ja, ich bin soeben vom Parkplatz gefahren, werde in etwa zehn Minuten am Kino sein.“

„Ist okay. Ich sitze in dem kleinen Café, das sich rechts neben dem Eingang befindet.“

„Alles klar. Bin in ein paar Minuten da. Und gehen wir nach der Vorstellung noch was essen? Ich hatte bisher außer einem Joghurt nichts.“

„Sehr gern. Ich kann dir auch jetzt schnell ein Sandwich bestellen, falls du willst. Möchtest du eins mit Thunfisch? So hast du wenigstens was im Magen.“

„Ach, nee! Lass mal!“, lehne ich ab, da ich feststelle, dass ich eigentlich gar keinen großen Hunger habe. „Nachher vielleicht ne Kleinigkeit. Das wird reichen. Bis gleich.“

Ich beende das Gespräch und konzentriere mich auf den Verkehr. Auf ein Sandwich aus dem genannten Laden kann ich irgendwie nicht. Dieses merkwürdige Brot, das dort angeboten wird, ist absolut nicht meins, und aus unerfindlichen Gründen habe ich komischerweise nicht das Bedürfnis, etwas zu essen. Gefragt habe ich lediglich, weil ich ja, unabhängig von meinem fehlenden Hungergefühl, bisher wirklich nur den Joghurt im Magen habe.

Bei dem Gedanken an das besagte gesunde Eiweißprodukt legt sich ein Lächeln auf mein Gesicht. Ich hole mir das zerbrochene Glas in mein Gedächtnis und muss dabei an diesen Tollpatsch denken, wie er mich mit seinem verschüchtert wirkenden Blick angesehen hat. So ein Schussel, obgleich es ein sehr liebenswürdiges Exemplar dieser Gattung zu sein scheint. Nicht jeder hätte mir, nur weil ihm ein Glas samt Inhalt aus den Händen gefallen ist, gleich eine Kaffeetasse mit einer Menge Schokolade geschenkt. Er schon und damit hat er mir auf eine kaum zu erklärende Weise eine Freude bereitet.

Wenig später erreiche ich das Parkhaus des Kinos, lenke mein Auto auf den nächsten freien Platz, verschließe es ordnungsgemäß und begebe mich zu meiner Frau, die mich bereits erwartet.

Ich begrüße Miriam mit einem Küsschen auf die Lippen und setze mich zu ihr. Sie hat mir in der Zwischenzeit ein Wasser bestellt, das ich rasch austrinke und sie anschließend frage, in welchen Film wir denn nun gehen werden, was sie mir mit einem Lächeln beantwortet.

„Ich weiß ja, dass du auf diesen Fantasykram stehst“, erklärt sie, „und deshalb habe ich mich entschieden, Karten für diesen neuen schrägen Streifen zu kaufen. Dieses Ding, wo die Typen irgendwelche Scheinwelten erobern.“

„Ja, so heißt der doch sogar. Scheinwelten! Echt? Da gehst du mit mir rein?“

„Sicher!“, gibt mir Miriam zu verstehen. „Und das nächste Mal musst du wieder eine Liebesschmonzette zusammen mit mir ertragen.“

Miriams Art lässt mich grinsen. Es ist schon niedlich, auf welche Weise sie mir den Abend versüßen will, was ihr auch hundertprozentig gelingt. Obwohl mir heute sowieso niemand mehr die Laune verderben kann, warum auch immer das so ist. Vielleicht ist die Tasse mit der Schokolade daran schuld, ich weiß es nicht genau, doch es ist auch egal. Dieser Montag ist genial, selbst wenn er so komisch und stressbehaftet begonnen hat.

Miriam und ich schlendern kurz darauf in Richtung Kinosaal und nehmen unsere reservierten Plätze ein. Es vergeht nicht viel Zeit, bis die Werbung einsetzt. Als es nach diversen lokalen Einblendungen um den besagten Joghurt geht, flüstere ich Miriam zu, dass ich eben genau diesen zum Mittag gegessen hätte und ein Kunde ein Glas davon wenige Minuten davor zu Boden hatte fallen lassen. Miriam reagiert nicht weiter auf meine Aussagen, nickt lediglich leicht, weil es für sie total nebensächlich ist. Ist es ja auch, oder etwa nicht? Stimmt! Es ist nicht von Belang, obwohl dieser Mailo Stolte durch seine Aufmerksamkeit bei mir für echt gute Laune gesorgt hat. Schon komisch, was Kleinigkeiten auslösen können. Ich werde sicherlich morgen das eine oder andere Stück Schoki aus der Tasse naschen.

Der Film beginnt, doch die Handlung fliegt irgendwie an mir vorbei. Ich fühle mich müde, der Tag hängt mir in den Knochen und ich habe sogar Probleme, wach zu bleiben. Miriam hingegen folgt dem Film voller Begeisterung, fiebert förmlich mit und scheint völlig angetan von den vielen Unvorhersehbarkeiten zu sein. Für mich ist es jedoch eine Erleichterung, als der Abspann läuft und das Licht im Saal wieder zu leuchten beginnt. Ich unterdrücke ein Gähnen und erhebe mich von meinem Platz. Mein rechtes Bein ist eingeschlafen, daher humple ich ein bisschen und bin froh, gleich darauf frische Luft atmen zu können, da diese mich ein wenig wacher macht.

„Und nun was essen?“, fragt mich Miriam und sieht mich von der Seite aus an.

„Ich glaube, mir reicht heute ein Brot oder so!“, gebe ich ihr zu verstehen. „Tut mir leid, aber ich bin total groggy. Schlimm?“

„Nein, natürlich nicht. Es ist auch noch was von gestern im Kühlschrank. Falls du willst.“

„Nein danke!“, lehne ich ab. „Ein Brot ist vollkommen ausreichend. Und danach will ich bloß noch schlafen.“

Miriam nickt und wir beide fahren daraufhin mit unseren Autos hintereinander zu uns nach Hause. Schläfrig und mit beinahe herunterklappenden Lidern stelle ich mein Fahrzeug ab und warte auf meine Frau, die bereits bald darauf ebenfalls um die Ecke kommt. Müde und kaputt, aber komischerweise nach wie vor sehr zufrieden schlurfe ich gemeinsam mit Miriam in Richtung Wohnung, die wir bereits Sekunden später erreichen.

„Setz dich schon mal auf die Couch, ich mach dir schnell eine Scheibe“, schlägt Miriam vor, kaum dass wir im Flur stehen. „Was soll denn drauf? Möchtest du vielleicht ein Bier dazu?“

„Um Gottes willen, bloß keinen Alkohol, sonst komme ich morgen früh nicht pünktlich hoch. Können wir gern am Mittwoch nachholen, Donnerstag habe ich doch frei und darf somit ausschlafen. Und wenn du mich schon so fragst … haben wir noch was von dem Krabbensalat da? Du hattest doch neulich welchen geholt und bisher habe ich den leider nicht probieren können. Das wäre jetzt genau das Richtige für Papas Sohn. Salami nehme ich aber auch gern.“

„Ich guck mal nach“, gibt Miriam zurück und ist bereits auf dem Weg in die Küche, während ich mich mit einem Seufzer auf das Sofa fallen lasse, die Schuhe abstreife, meine Füße quer über die Ecke des flachen Couchtisches hänge, mich anlehne und aufatmend die Augen schließe. Was für ein Tag. Aber trotzdem bin ich zufrieden. Mit mir, meinem Leben und meinem Beruf. Mit mir, weil es mir gut geht und ich gesund bin, was heutzutage auch in jungen Jahren nicht unbedingt selbstverständlich ist, meinem Leben, weil ich eine Frau an meiner Seite habe, und natürlich, weil ich einer Tätigkeit nachgehe, die ich immer ausüben wollte. Ich erinnere mich noch an die Schulzeit, als wir in der letzten oder vorletzten Klasse unsere Zukunftswünsche äußern sollten. Etliche meiner Schulkameraden lästerten unverhohlen, als ich „Verkäufer“ sagte. Sie schienen sich nicht vorstellen zu können, dass es ungeheuer befriedigend sein kann, andere Menschen zu beraten, ihnen behilflich zu sein und dafür zu sorgen, dass sie sich ihre Wünsche, also in Bezug auf Waren, erfüllen können. Dass es ein Supermarkt wurde, in dem ich meine Ausbildung absolvierte, war allerdings eher Zufall, doch um nichts auf der Welt möchte ich meinen Job gegen einen in einem Büro eintauschen. Den ganzen Tag nur an einem Schreibtisch zu sitzen und in einen PC zu schauen, stelle ich mir grauenhaft langweilig vor.

„Hey, bist du eingeschlafen?“

Miriams Stimme reißt mich aus meinen Gedanken und ich richte mich auf. Mein Blick fällt auf den Teller, den meine Frau auf den Tisch gestellt hat. Innerlich seufze ich leise, lächle allerdings dennoch freundlich, als ich erkenne, was Miriam mir zurechtgemacht hat. Man sollte wirklich nicht glauben, dass sie es nicht schafft, vernünftiges Brot zu kaufen, das mir auch tatsächlich schmeckt. Wie fast immer liegt dieser unsäglich weiche Sandwichkram auf dem Teller, der viel zu labberig ist, bloß wenn ich jetzt zum ungefähr hundertsten Mal davon anfange, dass mir am Abend Vollkornbrot besser schmeckt, löse ich bloß wieder eine langwierige Diskussion aus. Da ich darauf absolut keine Lust verspüre, schlucke ich die Bemerkung, die mir schon auf der Zunge liegt, runter und zwinge mich dazu, einfach weiter zu lächeln.

„Danke schön, lieb von dir. Und nein, ich bin nicht zwischendurch weggedöst, sondern hab nur kurz nach innen geguckt. Ich bin echt ziemlich platt, der Tag hatte es in sich. Das fing schon heute Morgen damit an, dass …“

„Hab ich dir schon erzählt, dass wir einen neuen Filialleiter bekommen?“, unterbricht mich meine Frau ein wenig brüsk, was sie jedoch gar nicht zu merken scheint, denn es geht halt um ihre Firma und ihren Job, meiner scheint da nicht so wichtig zu sein. Leider passiert es nicht zum ersten Mal, dass Miriam es nicht erwarten kann, von ihrer Arbeit zu erzählen und alles, was ich eventuell zu sagen hätte, sofort in den Hintergrund schiebt. Sie ist ein typisches Einzelkind, wenn sich nicht alles um sie dreht, wird sie schnell gnatzig und schmollt. Also habe ich in den letzten Jahren gelernt, sie zunächst ausreden zu lassen und erst später meine Sachen anzubringen, das hat mir sicher schon den einen oder anderen Streit erspart.

Mit wenig Hunger beiße ich in eins der Brote und zucke ein wenig zusammen. Was zum Henker soll das denn sein? Es sieht zwar irgendwie nach Krabbensalat aus, doch geschmacklich kommt es eher an Mayonnaise mit Holzspänen heran, die Konsistenz dessen, was normalerweise eine Meeresfrucht sein soll, erinnert zudem verdammt an eingeweichte Pappe. Still ärgere ich mich darüber, dass ich überhaupt danach gefragt habe, ob noch was davon da wäre, ich hätte es schließlich wissen müssen. Das war bestimmt wieder so ein dubioses Angebot, wahrscheinlich aus einem Sonderpostenmarkt oder Lagerverkauf. Warum nur geht sie bloß jedes Mal nach dem Preis, statt die Qualität in den Vordergrund zu stellen?

Ich muss wohl unwillkürlich mein Gesicht ein wenig verzogen haben, denn plötzlich stoppt Miriam ihre Erzählung, die bisher an meinen Ohren vorbeigerauscht ist, und sieht mich fragend und ein bisschen lauernd an.

„Was ist denn? Schmeckt dir der Salat etwa nicht? Ich mochte den echt gerne. Außerdem war der total preisgünstig, den habe ich von einer Resterampe, da kann man eine Menge Geld sparen, bloß weil die Sachen kurz vor dem Ablaufdatum stehen. Dabei sind die alle noch gut, Mindesthaltbarkeit heißt ja nicht, dass es einen Tag später verdorben ist, oder?“

„Nein“, gebe ich zu und lege mein angebissenes Brot auf den Teller zurück. Das bisschen Appetit, das ich hatte, ist mir vergangen und mir ist klar, dass genau das passiert, was ich nach diesem Tag und dem schönen Abend vermeiden wollte: Wir werden streiten, wie schon so oft. „Du weißt sehr gut, dass ich damit täglich zu tun habe. Es gibt Sachen, die schmecken selbst dann noch, und andere, die sind wahrscheinlich von Beginn an ungenießbar. Dieser Krabbensalat zählt definitiv zu Gruppe zwei. Warum kaufst du nicht bei uns ein oder lässt mich das besorgen? Ich bekomme doch Prozente, dann …“

„Weil ich die Frau und damit für den Einkauf zuständig bin. Basta!“, keift Miriam los, denn genau das ist ihre Einstellung. Männer sind, vor allem, wenn Kinder da sind, fürs Geldverdienen zuständig, Frauen kümmern sich um Haushalt und den Nachwuchs. Bis zu dem Zeitpunkt gehen sie arbeiten, aber nur, bis es endlich so weit ist. Früher habe ich ihre Einstellung charmant gefunden, seit einiger Zeit nervt sie mich jedoch zusehends. Natürlich darf Miriam sich später gern um unsere Nachkommenschaft kümmern, wenn sie es möchte, das bedeutet doch aber nicht, dass ich nicht kochen oder wenigstens einkaufen könnte.

Mit resigniertem Blick lasse ich die übliche Litanei in Bezug auf Miriams Lebenseinstellung über mich ergehen und wandere gedanklich zu einem Kaffeebecher, der mit Schokolade gefüllt ist. Nur zu gern würde ich mir jetzt ein Stück davon einverleiben, allein schon, weil es sich eben nicht um das Billigste vom Billigen handelt.

„Hörst du mir überhaupt zu?“, schimpft Miriam und instinktiv schüttele ich den Kopf.

„Nein, denn es ist jedes Mal dasselbe. Und jetzt bin ich müde, lass uns …“

„Nix da, du schläfst heute hier. Ich versuche alles, um es dir schön und gemütlich zu machen, suche einen deiner Lieblingsfilme aus, spare beim Einkauf, wo ich nur kann, und du kritisierst immer bloß an allem herum. Ach übrigens, am Mittwochabend habe ich dann leider keine Zeit, da stellt sich der neue Filialleiter vor, das könnte später werden. Also gute Nacht, Herr Miesmacher.“

Süße Leckerei

Müde schaue ich auf mein Handy und stelle mit halbgeöffneten Lidern fest, dass es erst vier Uhr dreißig morgens ist. Etwa eine Stunde habe ich noch Zeit, bis ich aufstehen und mich fertigmachen muss. Zu dumm nur, dass mir in der letzten Nacht durch diesen dummen Streit mein Bett verwehrt wurde und ich nun durch das Nächtigen auf dem Sofa mit einer mittelschweren Nackenstarre zu kämpfen habe. Warum in Gottes Namen muss Miriam in Sachen Lebensmittel immer so konsequent sparsam und extrem empfindlich sein? Und weshalb endet eine Diskussion darum jedes Mal wieder im Streit? Diese Fragen machen mich ratlos, denn ich finde darauf einfach keine Antwort. Eventuell sollte ich mit ihr darüber besser mal in einem ruhigen Moment sprechen, ihr meinen Standpunkt erklären und versuchen, eine gemeinsame Lösung zu finden.

Leise seufze ich auf und drehe mich noch einmal zur Seite. Doch obwohl ich alles andere als ausgeschlafen bin, mache ich kein Auge mehr zu. Daher beschließe ich wenig später, aufzustehen und eine heiße Dusche zu nehmen, in der Hoffnung, dass diese meinen Nacken ein wenig beruhigt. Gesagt, getan! Mit leicht schmerzverzerrtem Gesicht hieve ich mich von der Couch, schleppe mich gähnend ins Bad, finde mich wenig später unter dem wohltuenden Nass wieder und lasse mir das Wasser auf die Haut prasseln. Ich genieße es, mich von den Tropfen ein wenig verwöhnen zu lassen, stehe ein paar Minuten unter dem massierenden Strahl, wasche mir anschließend die Haare, seife mich ein und stelle, nachdem ich mir den Schaum vom Körper gespült habe, das Wasser ab.

Während ich mich trockenrubble, höre ich Schritte aus dem Schlafzimmer.

„Bist du schon wach?“, ruft Miriam über den Flur und es klingt ziemlich schlaftrunken, wenn ich ihren Tonfall richtig deute. Was für eine Frage! Wie sollte ich sonst unter die Dusche kommen? Im Tiefschlaf als Mister Somnia? Egal! Ich antworte ihr durch die Tür mit einem knappen „Ja!“, rasiere mich und putze mir die Zähne. Plötzlich zieht der betörende Duft von Kaffee ins Bad und weckt sofort sämtliche Lebensgeister in mir. Ganz offensichtlich hat sich Miriam, obwohl das so überhaupt nicht typisch für sie ist, wenn wir uns gestritten haben, in die Küche zurückgezogen und dafür gesorgt, dass das belebende Heißgetränk durch die Maschine gelaufen ist, was mich meine Morgentoilette schnell beenden lässt.

Rasch ziehe ich mir einen Bademantel über, verlasse die Räumlichkeit und betrete unsere Küche.

„Ich habe Kaffee gekocht!“, informiert mich Miriam und sieht mich dabei verstohlen an.

„Das ist mir nicht entgangen. Duftet ja wie in einem Café“, kontere ich und weiß nicht, wie ich mich ihr gegenüber verhalten soll. Schließlich könnte es falsch sein, wenn ich sie mit einem Küsschen begrüßen würde, andererseits wäre es ebenfalls möglich, einen Fehler zu begehen, falls ich es nicht täte. Spontan entscheide ich mich für die erste Variante und liege zum Glück richtig.

„Ich habe Brot im Toaster. Marmelade?“, bietet sie mir an und schenkt mir einen Becher des schwarzen Wachmachers ein.

„Öhm ja, ein Toast geht wohl. Und süß ist auch in Ordnung“, gebe ich ihr zu verstehen und nehme einen Schluck aus dem Pott.

Miriam nickt und bestreicht mir eine der frisch gerösteten Scheiben. Ich beobachte sie dabei, obgleich ich ein wenig irritiert bin, weshalb sie sich so verhält.

„Eine süße Leckerei, nur für meinen Elias“, haucht sie mir etwas später entgegen und stellt mir einen Teller auf den Tisch. „Tut mir leid! Wegen gestern Abend! Ich war tatsächlich zu empfindlich. Vielleicht sollte ich wirklich mal gucken, ob ich hin und wieder zu euch in den SuMa komme und da einkaufe. Ist bestimmt nicht ganz verkehrt.“

---ENDE DER LESEPROBE---