Emotionale Kompetenz bei Kindern - Franz Petermann - E-Book

Emotionale Kompetenz bei Kindern E-Book

Franz Petermann

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Beschreibung

Der Begriff der emotionalen Kompetenz umfasst eine Reihe von Fertigkeiten in den Bereichen Emotionsausdruck, Emotionsverständnis und Emotionsregulation. Emotional kompetente Kinder sind sich ihrer eigenen Gefühle bewusst, sie können ihre Gefühle mimisch und sprachlich zum Ausdruck bringen sowie eigenständig regulieren, sie können die Gefühle anderer Personen erkennen und verstehen, und sie können sich im Umgang mit anderen empathisch und prosozial verhalten. Das Buch beschreibt aus entwicklungspychologischer Sicht die Ausbildung dieser zentralen Basiskompetenz in den ersten sechs Lebensjahren und zeigt Bezüge zum Sozialverhalten, schulischen Erfolg und Wohlbefinden von Kindern auf. Es werden sowohl temperamentsbedingte und familiäre Einflüsse auf die emotionale Entwicklung im Kindesalter diskutiert als auch Risikofaktoren aufgezeigt. Altersspezifische Verfahren zur Diagnostik emotionaler Kompetenz bei Kleinkindern, Vorschul- und Schulkindern werden vorgestellt. Zu den ausführlich beschriebenen Interventionen gehören Programme zur Förderung eines responsiven Erziehungsverhaltens von Bezugspersonen (Eltern, pädagogische Fachkräfte) sowie Trainingsprogramme zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenz von Vorschul- und Grundschulkindern. In die 3., überarbeitete Auflage des Buches wurden sowohl eine Vielzahl aktueller empirischer Befunde zur emotionalen Entwicklung als auch Neuentwicklungen im Bereich diagnostischer Verfahren und präventiver Programme zur Förderung sozial-emotionaler Kompetenz aufgenommen.

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Franz Petermann

Silvia Wiedebusch

Emotionale Kompetenz bei Kindern

3., überarbeitete Auflage

Klinische Kinderpsychologie

Band 7

Emotionale Kompetenz bei Kindern

Prof. Dr. Franz Petermann, Prof. Dr. Silvia Wiedebusch

Herausgeber der Reihe:

Prof. Dr. Franz Petermann

Prof. Dr. Franz Petermann, geb. 1953. Studium der Mathematik und Psychologie in Heidelberg. Seit 1991 Lehrstuhl für Klinische Psychologie und Psychologische Diagnostik an der Universität Bremen. Seit 1996 Direktor des Zentrums für Klinische Psychologie und Rehabilitation.

Prof. Dr. Silvia Wiedebusch, geb. 1963. Studium der Psychologie in Münster. Seit 2008 Professorin für Entwicklungspsychologie an der Hochschule Osnabrück.

Wichtiger Hinweis: Der Verlag hat gemeinsam mit den Autoren bzw. den Herausgebern große Mühe darauf verwandt, dass alle in diesem Buch enthaltenen Informationen (Programme, Verfahren, Mengen, Dosierungen, Applikationen, Internetlinks etc.) entsprechend dem Wissensstand bei Fertigstellung des Werkes abgedruckt oder in digitaler Form wiedergegeben wurden. Trotz sorgfältiger Manuskriptherstellung und Korrektur des Satzes und der digitalen Produkte können Fehler nicht ganz ausgeschlossen werden. Autoren bzw. Herausgeber und Verlag übernehmen infolgedessen keine Verantwortung und keine daraus folgende oder sonstige Haftung, die auf irgendeine Art aus der Benutzung der in dem Werk enthaltenen Informationen oder Teilen davon entsteht. Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

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Internet: www.hogrefe.de

Satz: Matthias Lenke, Weimar

Format: EPUB

3., überarbeitete Auflage 2016

© 2003, 2008 und 2016 Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG, Göttingen

(E-Book-ISBN [PDF] 978-3-8409-2710-2; E-Book-ISBN [EPUB] 978-3-8444-2710-3)

ISBN 978-3-8017-2710-9

http://doi.org/10.1026/02710-000

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Anmerkung:

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Kapitel 1 Was ist emotionale Kompetenz?

1.1 Konzepte zur emotionalen Kompetenz

1.2 Emotionale Kompetenz als Entwicklungsressource

1.3 Sozial-emotionale Kompetenz

1.4 Emotionale Kompetenz und Bildung

1.4.1 Schulreife und Schulerfolg

1.4.2 Inklusive Bildung

Kapitel 2 Entwicklung von Emotionsausdruck und Emotionsverständnis

2.1 Entwicklung des Emotionsausdrucks

2.1.1 Entwicklung primärer Emotionen

2.1.2 Entwicklung sekundärer Emotionen

2.2 Entwicklung des sprachlichen Emotionsausdrucks

2.2.1 Entwicklung des Emotionsvokabulars

2.2.2 Emotionale Kommunikation

2.3 Entwicklung des Emotionsverständnisses

2.3.1 Erkennen mimischen Emotionsausdrucks

2.3.2 Verständnis situativer Einflüsse auf das Emotionserleben

2.3.3 Verständnis kognitiver Einflüsse auf das Emotionserleben

2.3.4 Verständnis multipler Emotionen

2.3.5 Trennung von emotionalem Erleben und Ausdruck

Kapitel 3 Entwicklung der Emotionsregulation

3.1 Kindliches Temperament

3.1.1 Physiologische Reaktivität

3.1.2 Emotionalität

3.2 Emotionsregulation

3.2.1 Entwicklungsverlauf der Emotionsregulation

3.2.2 Erwerb von Emotionsregulationsstrategien

Kapitel 4 Familiäre und außerfamiliäre Einflüsse

4.1 Emotionales Familienklima

4.2 Emotionale Kompetenz und Bindung

4.3 Emotion Talk

4.4 Sensitiver Umgang mit Emotionen

4.5 Ko-Regulation von Emotionen

4.6 Emotionale Erziehungskompetenz

4.6.1 Diagnostik der emotionalen Erziehungskompetenz

4.6.2 Förderung der emotionalen Erziehungskompetenz

4.7 Zukünftige Forschungsbedarfe

Kapitel 5 Störungen beim Erwerb emotionaler Kompetenz

5.1 Risikofaktoren in der emotionalen Entwicklung

5.2 Temperamentsbedingte Vulnerabilität

5.3 Entwicklungsstörungen und -retardierungen

5.3.1 Down-Syndrom

5.3.2 Autismus

5.4 Verhaltensstörungen

5.4.1 Emotionale Störungen

5.4.2 Aggressives Verhalten

5.4.3 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

5.5 Kinder depressiver Mütter

5.6 Misshandelte Kinder

Kapitel 6 Diagnostik emotionaler Kompetenz

6.1 Methoden und Probleme der Erfassung emotionaler Fertigkeiten im Kindesalter

6.2 Diagnostik emotionaler Fertigkeiten mit allgemeinen Entwicklungstests

6.3 Diagnostik emotionaler Fertigkeiten mit Entwicklungsscreenings

Dortmunder Entwicklungsscreening für den Kindergarten (DESK 3-6; Tröster et al., 2004)

Entwicklungsbeobachtung und -dokumentation (EBD 3-48; Petermann, Petermann & Koglin, 2015; 48-72; Koglin, Petermann & Petermann, 2015)

Kompetenzen und Interessen von Kindern in Kindertageseinrichtungen (KOMPIK; Mayr, Bauer & Krause, 2011)

6.4 Diagnostik emotionaler Fertigkeiten mit spezifischen Erhebungsverfahren

6.4.1 Erhebungsverfahren für Säuglinge und Kleinkinder

6.4.2 Erhebungsverfahren für Vorschulkinder

6.4.3 Erhebungsverfahren für Schulkinder

6.5 Zusammenfassende Bewertung

Kapitel 7 Interventionen zur Förderung emotionaler Kompetenz

7.1 Ziele präventiver Interventionen zur Förderung emotionaler Kompetenz

7.2 Förderplanung

7.3 Übersicht der Förderprogramme

7.4 Förderprogramme für Bezugspersonen

7.4.1 Programme für Eltern

7.4.2 Programme für frühpädagogische Fachkräfte

7.5 Förderprogramme für Vorschulkinder

7.5.1 Fördermaterialien

7.5.2 Förderprogramme

7.6 Förderprogramme für Grundschulkinder

Promoting Alternative Thinking Strategies – Curriculum (PATHS; Greenberg, Kusche, Cook & Quamma, 1995)

Curriculum „Fit und stark fürs Leben“ – Klassen 1 bis 2 (Burow, Aßhauer & Hanewinkel, 1998)

Verhaltenstraining für Schulanfänger (Petermann, Natzke, Gerken & Walter, 2013a)

Verhaltenstraining in der Grundschule (Petermann, Koglin, Natzke & Marées, 2013b).

Lubo aus dem All! – 1. und 2. Klasse (Hillenbrand, Hennemann, Hens & Hövel, 2015)

Mich und Dich verstehen (Bieg & Behr, 2005)

Prinzipien zur Förderung emotionaler und sozialer Kompetenz bei Schulkindern

7.7 Zusammenfassende Bewertung

Literatur

|9|Vorwort

Emotionale Kompetenz hat sich in den letzten Jahren zu einem ernst zu nehmenden und zentralen Konzept entwickelt, das durch entwicklungspsychologische und klinische Studien deutlich an Aussagekraft zugenommen hat und vor allem im frühpädagogischen Bereich zunehmend an Bedeutung gewinnt. In den letzten Jahren gelang es verschiedenen Arbeitsgruppen, die Begrifflichkeit auf den Prüfstand zu stellen und die in diesem Kontext geforderten Fertigkeiten eines Kindes zu spezifizieren.

Um was geht es in unserem Buch? Unser Anliegen ist es, für die ersten sechs Lebensjahre das gesicherte Wissen über die Entwicklung emotionaler Fertigkeiten zusammenzutragen und zu ordnen. Unter „emotionaler Kompetenz“ verstehen wir dabei in erster Linie die Fertigkeiten eines Kindes, in der Interaktion mit anderen eigene Emotionen auszudrücken und die des Gegenübers zu erkennen. Durch diese Begriffsdefinition ist es gerechtfertigt, den Ausdruck „emotionale Kompetenz“ in vielen Bereichen mit dem der „sozial-emotionalen Kompetenz“ gleichzusetzen. Im Bereich der Emotionsregulation werden Strategien früh ausgebildet und eingeübt. Familiäre Einflüsse, die einen angemessenen Umgang mit Gefühlen fördern, sind hier besonders bedeutsam. Insgesamt kann die Entwicklung einer hinreichenden emotionalen Kompetenz als eine der zentralen Entwicklungsaufgaben des Kindesalters angesehen werden.

Als Entwicklungspsychologen und Klinische Kinderpsychologen fokussieren wir sowohl die normale als auch die abweichende emotionale Entwicklung. Neben den Befunden zur Entwicklung emotionaler Fertigkeiten bei gesunden Kindern stellen wir aus diesem Grund auch Befunde zu Beeinträchtigungen emotionaler Fertigkeiten bei verschiedenen Risikofaktoren und Entwicklungsstörungen des Kindes vor. Entwicklungsdefizite im Bereich der emotionalen Kompetenz sollten frühzeitig erkannt werden; zur Erhebung emotionaler Fertigkeiten von Klein- und Vorschulkindern wurden in den letzten Jahren verstärkt spezifische diagnostische Verfahren entwickelt.

Der Erwerb emotionaler Fertigkeiten besitzt vor allem für die schulische und soziale Entwicklung von Kindern eine große Bedeutung. So stellen emotionale Kompetenzen wichtige Basisfertigkeiten eines Kindes dar, mit denen die Anforderungen des Kindergartens und der Grundschule bewältigt werden können. In den Bildungs- und Erziehungsplänen der Bundesländer, die frühpädagogischen Fachkräften einen Orientierungsrahmen für ihr pädagogisches Handeln bieten, wird die Förderung emotionaler Kompetenz – als einer der zentralen Basiskompetenzen von Kindern – ausdrücklich eingefordert. Kom|10|petenzförderung in diesem Bereich soll Kinder sowohl dazu befähigen, mit ihren eigenen Gefühlen angemessen umzugehen als auch in sozialen Interaktionen auf die Gefühle anderer angemessen einzugehen. Langfristig gesehen ist die Förderung emotionaler Kompetenz, indem sie das Selbst der Kinder stärkt, auch als Beitrag zur Gesundheitsförderung und Prophylaxe gegen aggressives und Suchtverhalten angelegt. Da die emotionale und soziale Kompetenz eng miteinander verknüpft sind, werden Präventionsprogramme für diese Altersgruppe nur in enger Anlehnung an Konzepte zur Entwicklung eines angemessenen Sozialverhaltens erfolgreich entwickelt und eingesetzt werden können.

Seit 2001 beschäftigten wir uns mit einer Bestandsaufnahme zum Thema „emotionale Kompetenz“ und legten hierzu bereits vor einigen Jahren Übersichtsarbeiten vor, die in dieses Buch einbezogen wurden (Petermann & Wiedebusch, 2001, 2002a, 2002b; Wiedebusch & Petermann, 2002, 2006). Vor diesem Hintergrund wurden am Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen eine Vielzahl von Projekten im Bereich der Diagnostik und Förderung emotionaler Kompetenz im Kindergartenalter durchgeführt. Einige wichtige Projekte sollen kurz benannt werden:

Konzipierung und Erprobung eines Förderprogramms zur Verbesserung der sozial-emotionalen Kompetenz bei Kindergartenkindern, das wir unter dem Titel „Verhaltenstraining im Kindergarten“ veröffentlicht haben (Koglin & Petermann, 2013).

Erstellung einer Entwicklungsbeobachtung und Entwicklungsdokumentation für Kinder im Krippen- und Kindergartenalter (EBD 3-48). Dieses Projekt wurde durch die EBD 48-72 fortgeführt. Hierzu liegen umfassende Ausarbeitungen vor, die die vorliegende Publikation ergänzen (Koglin, Petermann & Petermann, 2015; Petermann, Petermann & Koglin, 2015).

Projekte im Bereich der Kindergartendiagnostik, die von verschiedenen Sponsoren (u. a. BMW-Stiftung) unterstützt wurden. Mit diesen Projekten wird es im Sinne eines entwicklungsorientierten Frühdiagnostikums möglich werden, Risikokinder gezielt zu identifizieren (vgl. die Verfahren NES von Petermann & Renziehausen, 2005; BASIC-Preschool von Daseking & Petermann, 2009).

In unserem aktuellen Projekt widmen wir uns der Entwicklung eines Testverfahrens zur Erfassung emotionaler Kompetenzen im Vorschulalter (EMK 3-6; Petermann & Gust, 2016a). Zudem werden wir dazu ein Programm zur Förderung der emotionalen Kompetenzen (EMK-Förderprogramm; Petermann & Gust, 2016b) vorlegen.

Bei der Publikation dieses Buches unterstützte uns der Hogrefe Verlag durch die gewohnt reibungslose Kooperation. Vielfältige Helfer im Zentrum für Klinische Psychologie und Rehabilitation der Universität Bremen unterstüt|11|zen uns bei den Ausarbeitungen; vor allem danken wir Frau Dr. Nicole Gust (Bremen), die mit dem Erstautor in den letzten Jahren zum Thema dieses Buches intensiv arbeitete und an der Aktualisierung der vorliegenden Auflage mitwirkte.

Bremen und Osnabrück, im Dezember 2015

Franz Petermann und

Silvia Wiedebusch

|13|Kapitel 1Was ist emotionale Kompetenz?

In den letzten beiden Jahrzehnten hat sich die Emotionspsychologie zu einem herausragenden Forschungsgebiet innerhalb der Psychologie entwickelt, was sich an einer deutlichen Zunahme von Forschungsarbeiten und Publikationen in diesem Bereich bemerkbar macht (vgl. Lewis, Haviland-Jones & Barrett, 2008). Die beiden grob unterscheidbaren und wenig aufeinander Bezug nehmenden Forschungsstränge beziehen sich zum einen auf Emotionen bei Erwachsenen, zum anderen auf die Entwicklung von Emotionen im Kindesalter (Camras & Shuster, 2013).

Zu lernen, mit den eigenen und den Gefühlen anderer umzugehen, ist eine bedeutende Entwicklungsaufgabe der frühen Kindheit, die im Verlauf der emotionalen Entwicklung zur Ausbildung entsprechender Fertigkeiten und zum Erwerb einer umfassenden emotionalen Kompetenz führt (Denham, 1998; Denham, Zinsser & Bailey, 2011; Saarni, 1999, 2011). Dazu gehören vor allem die Fähigkeiten, sich seiner eigenen Gefühle bewusst zu sein, Gefühle mimisch oder sprachlich zum Ausdruck zu bringen und eigenständig zu regulieren sowie die Emotionen anderer Personen zu erkennen und zu verstehen (vgl. untenstehenden Kasten). Vom Säuglingsalter an verändern und erweitern sich die Fähigkeiten, die Gefühle und den Gefühlsausdruck anderer zu verstehen und über Gefühle zu kommunizieren, beträchtlich. Bis zum Schulalter erwerben Kinder in der Regel ein Set von Verhaltensweisen und Fertigkeiten, mit deren Hilfe sie ihre Emotionen weitgehend eigenständig regulieren können (McClelland, Geldhof, Cameron & Wanless, 2015).

Noch sind nicht alle entwicklungspsychologischen Fragen geklärt: So sehen Denham et al. (2011) weitere Forschungsbedarfe, um erklären zu können, wie die Entwicklung verschiedener emotionaler Fertigkeiten miteinander verzahnt ist, welche wechselseitigen Einflüsse zwischen den Komponenten der emotionalen Kompetenz bestehen und wie die Entwicklung emotionaler Fertigkeiten mit anderen Entwicklungsbereichen zusammenhängt. Dennoch ist der Kenntnisstand nach Denham et al. (2011) ausreichend, um sich stärker anwendungsbezogenen Themen widmen zu können. Hier sind vor allem die Erhebung des emotionalen Entwicklungsstandes (Denham, 2015; vgl. Kap. 6) sowie die frühe Kompetenzförderung gemeint, die Kinder befähigen soll, Meilensteine in der emotionalen Entwicklung zu erreichen (vgl. Kap. 7).

Eine alters- und entwicklungsangemessen ausgebildete emotionale Kompetenz von Klein- und Vorschulkindern ist die Voraussetzung für weitere gelingende Entwicklungsschritte. Nach Saarni (2011) stellen emotionale Fertigkeiten eine |14|Ressource dar, die Kindern hilft, zukünftige Herausforderungen in verschiedenen Entwicklungsbereichen bewältigen zu können (vgl. Kap. 1.2). In bisherigen Studien mit Kindern hat sich immer wieder gezeigt, dass die emotionale Kompetenz von Kindern mit ihrer sozialen und schulischen Entwicklung verknüpft ist (Denham et al., 2011). So geht eine hohe emotionale Kompetenz mit dem erfolgreichen Aufbau sozialer Beziehungen und einer positiven schulischen Entwicklung einher (Denham, 2007; Garner, 2010; vgl. Kap. 1.3 und 1.4), ebenso mit Wohlbefinden sowie physischer und psychischer Gesundheit. Umgekehrt erwies sich eine geringe emotionale Kompetenz als Risikofaktor, beispielsweise für gesundheitsgefährdendes Verhalten wie den Tabak- und Alkoholkonsum von Jugendlichen ().

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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