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Die SCARLETT TAYLOR – REIHE: Eine Paranormal-Romance-Serie, voller Magie, Dämonen, Hexen und mystischer Kreaturen. +++ Der achte Band der "Scarlett Taylor"-Reihe +++ Obwohl eigentlich noch genug Arbeit auf Scarlett wartet, gönnt sie sich eine Auszeit mit ihrer besten Freundin Carmen. Doch ein unachtsamer Moment sorgt dafür, dass ihre magische Natur enttarnt wird. Nun ist nicht nur eine ominöse Institution hinter ihr her, sondern auch die Rückkehr der Nacht steht unmittelbar bevor, und die hat noch eine Rechnung mit Scarlett und Roberta offen.
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Seitenzahl: 389
Veröffentlichungsjahr: 2020
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Stefanie Purle
Equinox
Band 8 der "Scarlett Taylor"-Reihe
Dieses ebook wurde erstellt bei
Inhaltsverzeichnis
Titel
Titelei
Kapitel 1
Kapitel 2
Kapitel 3
Kapitel 4
Kapitel 5
Kapitel 6
Kapitel 7
Kapitel 8
Kapitel 9
Kapitel 10
Kapitel 11
Kapitel 12
Kapitel 13
Kapitel 14
Kapitel 15
Kapitel 16
Kapitel 17
Kapitel 18
Kapitel 19
Kapitel 20
Kapitel 21
Kapitel 22
Kapitel 23
Kapitel 24
Kapitel 25
Kapitel 26
Kapitel 27
Kapitel 28
Kapitel 29
Kapitel 30
Kapitel 31
Kapitel 32
Kapitel 33
Kapitel 34
Kapitel 35
Kapitel 36
Kapitel 37
Impressum neobooks
Band 8 der „Scarlett Taylor“-Reihe
Stefanie Purle
Equinox
©Stefanie Hunfeld-Vieweg
26871 Aschendorf
Covergrafiken: ©pngtree
Ich stehe bis zu den Knöcheln im Wasser und blicke aufs Meer hinaus. Der Wind weht mein Haar über meine Schulter und kühlt den Schweiß auf meiner Stirn. Die Sonne ist unerbittlich und das jeden Tag. Jeder verdammte Tag auf dieser Insel ist gleich und verfolgt ein identisches Schema, das mir mittlerweile tierisch auf die Nerven geht. Die einzige Wolke, die sich hier jemals vor die Sonne schiebt und die Insel für wenige Minuten in Schatten taucht, wird gleich von einer leichten Brise in Position geschoben. Vorher jedoch wird eine Möwe krächzen, dann prallt eine größere Welle gegen das steinerne Kliff, sodass es spritzt und zischt. Und dann kommt diese kleine Wolke und verdeckt für kurze Zeit die unerbittliche Sonne da oben.
Ich hasse diese Sonne und ich hasse diese Insel! Niemals hätte ich gedacht, dass mir dieser Ort, der früher einmal Chris´ und mein Zufluchtsort war, so auf die Nerven gehen würde! Der weiße Sandstrand, die Kokosnusspalmen, die tropische Flora und Fauna und sogar das Meer haben für mich nichts paradiesisches mehr. Es ist einfach nur noch nervig! Mir klebt Sand an Stellen, an denen niemandem Sand kleben sollte! Ich bin übersäht von Mückenstichen und Bissen von Sandflöhen, mein Darm rebelliert von zu vielen Kokosnüssen und allein der Geruch von gebratenem Fisch verursacht mir mittlerweile Übelkeit, weil es seit gut drei Wochen nichts anderes mehr zu essen gab.
Ich sehne mich nach frisch gebackenem Brot mit Leberwurst, Schokoladenpudding, einem saftigen Cheeseburger und salzigen Pommes. Ganz besonders aber vermisse ich meinen heißgeliebten Vanille-Latte. Was würde ich doch alles für einen Schluck Kaffee geben?!
„Scarlett?“, ruft Evanna, eine der jüngeren Druidinnen, die sich seit einigen Tagen wie meine persönliche Assistentin aufführt. „Die nächste Gruppe wäre dann soweit.“
Seufzend blicke ich gen Himmel und schaue der Wolke dabei zu, wie sie sich vor die Sonne schiebt. „Ich komme sofort“, antworte ich, schließe die Augen und beobachte den grellen Punkt, der unter meinen Lidern zuckt. „Gib mir noch zwei Minuten.“
Ich versuche mich auf das Rauschen der Wellen zu konzentrieren, doch es hat keinen beruhigenden Effekt mehr auf mich. Ich hasse diese Insel und wünsche mir nichts sehnlicher als endlich wieder nach Hause zurückzukehren.
Mir fehlt Chris so sehr. Ständig muss ich den Impuls unterdrücken, zu ihm zurückzukehren. Das einzige, was mich noch hier hält, ist die Tatsache, dass auf der anderen Seite des Wandschrankes noch nicht eine einzige Sekunde vergangen ist. Es ärgert mich so, dass wir im Streit auseinander gegangen sind. Wenn ich endlich fertig bin und mit den Druiden zurückkehren kann, wird Chris noch immer draußen irgendwo im Wald hocken und sauer sein. Und auch wenn ich genug Zeit hatte, um darüber nachzudenken, wieso er plötzlich so wütend wurde, kann ich es immer noch nicht wirklich verstehen. Er kann nicht wirklich gedacht haben, dass es leicht für mich ist, wochenlang von ihm getrennt zu sein! Wir sind immerhin Gefährten! Voneinander getrennt zu sein, kommt einer Folter gleich! Deshalb wollte ich ihm genau das ja auch ersparen und habe diese Insel im Wandschrank vorgeschlagen. Indem ich den Druiden hier meine Kräfte verleihe, waren wir sie in der realen Dimension auf einen Schlag los, und wenn wir demnächst zurückkehren, werden sie ihre Kokons in den Baumkronen rings um unser Haus abreißen und von dannen ziehen. Mir erschien das als einzig akzeptable Lösung, doch nach Chris´ Reaktion zu urteilen, war er anderer Meinung.
Am meisten regt mich auf, dass er uns nicht die Chance gegeben hat, das auszudiskutieren. Er hat sich verwandelt und ist einfach im Wald verschwunden. So hat er sich zuvor noch nie benommen! Ich frage mich wirklich, was in ihn gefahren ist. Hat sein Benehmen etwas mit seiner veränderten Wolfsgestalt zu tun? Ist er deswegen so impulsiv und leicht reizbar? Oder steckt etwa noch mehr dahinter?
Ein Räuspern hinter mir unterbricht meine Gedanken. „Scarlett?“
„Ja, Evanna, ich komme“, stöhne ich und trotte aus dem Wasser heraus.
Die Druidin lächelt mich freundlich an und legt die Handflächen aneinander. Ich habe ihnen allen schon hunderte Male gesagt, dass sie sich nicht immer vor mir verbeugen müssen, doch sie tun es trotzdem. So auch Evanna. Sie senkt den Kopf und präsentiert mir ihre wulstige Sternnarbe auf ihrem Skalp. Die langen geflochtenen Zöpfe ihres schwarzen Haares baumeln von ihrem unteren Nacken herab und ihre Kopfhaut glänzt wie eine polierte, fleischfarbene Bowlingkugel. Ich habe in den letzten Wochen beobachten können, wie die weiblichen Druiden ihren haarlosen Skalp erhalten und sich gegenseitig mit den Fingernägeln die Haare ausreißen, wie Affen, die einander entlausen. Im Nacken jedoch lassen sie die Haare langwachsen und flechten sie zu Zöpfen, in dessen Enden sie dieselben goldenen Perlen stecken, die die männlichen Druiden in ihren Bärten tragen. Ihre Kutten sind identisch mit denen der männlichen, und wenn sie ihre Kapuzen tragen, kann man kaum erkennen, wer von ihnen Mann oder Frau ist.
Evanna führt mich zu dem Zelt, das sie aus dem Baldachin unseres Strandbettes erbaut haben. Rauch steigt aus der Spitze empor, wie aus einem Schornstein, und der herbe Geruch verbrannter Kräuter kitzelt mir bereits von Weitem in der Nase. Neben dem Zelt steht eine Gruppe von Druiden, denen ich meine Kraft schon verliehen habe und sie so ebenfalls zu Druidenhexen gemacht habe. Sie beschwören die Elemente, lassen Steine oder Wassertropfen schweben und experimentieren mit ihrem magischen Schutzwall herum. Am Anfang musste ich noch eingreifen, denn ansonsten hätten die Druiden bereits die ganze Insel abgefackelt. Doch mittlerweile kommen sie besser klar. Die, die zuerst die Kraft erhalten haben, unterrichten die Nachzügler. Doch zur Sicherheit haben wir die Regel aufgestellt, dass sie erst das Element Feuer beschwören dürfen, wenn sie mit Wasser, Erde und Luft genügend Erfahrungen gesammelt haben.
Evanna zieht den Vorhang zum Zelt auf und ich trete ein. Vor lauter Rauch kann ich die Druiden, die im Kreis um die Feuerschale in der Mitte versammelt sind, nicht sehen, doch das schwarze Leuchten ihrer Skalpnarben verrät ihre Anwesenheit.
Ohne etwas zu sagen, setze ich mich auf das Kissen, das meinen angestammten Platz markiert und schließe die Augen. Jedes Mal, wenn ich dieses Ritual vollziehe, liegt eine aufgeregte Anspannung in der Luft, so als wäre sie elektrostatisch aufgeladen. Der schnelle Rhythmus ihrer klopfenden Herzen um mich herum klingt wie eine Ritualtrommel, die den Takt eines uralten Beschwörungsgesangs angibt. Ich lasse meinen Geist von dem stetig wilden Klopfen tragen und mache mich bereit.
Das Druidikum und die spezielle Kräutermischung in der Räucherschale öffnen die Tore zu den Seelen der Druiden in diesem Zelt. Wir fassen uns alle an den Händen und ich lasse meine Seele auf die Reise gehen. Jede Druidenseele berühre ich nur für eine Sekunde, und dabei versuche ich nicht zu viel von ihrem Wesen zu sehen, denn das erschöpft mich nur zu sehr. Es reicht, wenn meine Seele ihre Seele berührt. Ich muss mich vollends konzentrieren, darf keinen Druiden übersehen. Bei manchen sind die Seelen solch tiefdunkle Löcher, dass ich mich in ihnen leicht verirren könnte, doch das darf nicht passieren. Nichts und niemand darf dieses Ritual stören, keiner die Kette oder meine Konzentration unterbrechen, denn sonst war alles vergebens. Erst wenn ich reihum alle Seelen berührt habe, fährt meine eigene wieder in meinen Körper hinein und wir können uns loslassen.
Das ganze Ritual dauert vielleicht zehn Minuten, danach sind zehn weitere Druiden zu Druidenhexen geworden und ich kann mich ausruhen, während alles für das nächste Ritual vorbereitet wird.
Auch wenn es nur eine Sache von zehn Minuten war, brauche ich danach meist eine Stunde Schlaf. Ich schlafe hier mehr als das ich wach bin, und seit einigen Tagen ist es ausschließlich Evanna, die mich weckt, mir etwas zu Essen oder zu Trinken bringt und dafür sorgt, dass ich alles habe, was die Insel hergibt.
Sie hält das Zelt auf und reicht mir die Hand. Ich ergreife sie und lasse mich von ihr in die frische Luft zerren. Sie hält mir eine aufgeschlagene Kokosnuss hin und ich trinke gierig den Saft daraus, auch wenn ich von seiner abführenden Wirkung weiß, aber ich brauche die Vitamine und Mineralstoffe nach dem Ritual dringend.
Wie all die Male zuvor auch taumle ich danach zu dem Bett, das einstmals Chris´ und meine Liebeshöhle war, mich jetzt aber nur noch an Erschöpfung, komatösen Schlaf und seltsam prophetische Träume erinnert. Evanna hat um das Bett herum Palmwedel aufgestellt, die mich vor der Sonne abschirmen, und auf dem Bettlaken steht eine hölzerne Schüssel mit kleingeschnittenem Obst bereit.
Ich bedanke mich bei ihr, esse hastig das Obst und falle danach beinahe ohnmächtig in die Kissen.
So geht es noch viele Male, bis ich irgendwann den Überblick über die Tage verloren habe. Evanna zählt herunter, wie oft ich noch das Ritual vollziehen muss, doch zu Anfang deprimiert mich die Zahl nur, also lässt sie es wieder sein. Erst als ich mich den letzten fünf Ritualen nähere, zählt sie wieder für mich herunter und meine Stimmung hebt sich wieder. Ich nehme mir vor, die letzten Rituale bis spät in die Nach hinauszuziehen, sodass ich in wenigen Stunden endlich wieder nach Hause gehen kann. Die Aussicht auf meinen Gefährten, mein eigenes richtiges Bett und einen guten Vanille-Latte erfüllt mich mit Vorfreude.
Als es dann endlich soweit ist und ich alle Druiden zu Druidenhexen gemacht habe, lasse ich es mir nicht nehmen, als erste durch die Wandschranktür zu schreiten. Seit Wochen schaue ich gefühlt jede Stunde zu dieser verheißungsvollen Tür am Strand, und nun kann ich endlich hindurchtreten.
Mit zitternden Fingern greife ich nach dem Knauf und drehe ihn auf. Kühle, trockene Luft strömt mir entgegen und ich sauge den heimeligen Duft von Holz, Wald und gerösteten Kaffeebohnen tief in mich auf. Dann trete ich endlich wieder in die Freiheit hinaus.
Es dauert noch rund eine Stunde, bis all die Druiden ebenfalls die Insel durch den Wandschrank hindurch verlassen haben. Als sich die Lichtung mit ihnen füllt, bin ich froh, dass Roberta und ich den Zauber um den Wald gelegt haben und somit kein Mensch ihn betreten kann. Vor lauter Druiden kann man den ganzen Wald nicht mehr sehen!
Ich ziehe mich in die Küche zurück und stelle die Kaffeemaschine an. Sie ist noch warm von meiner letzten Benutzung, obwohl die nach meiner Zeitrechnung über vier Wochen her ist! Zwischen meinen Zehen klebt noch Sand, genau wie in meinen Haaren, unter den Fingernägeln und sogar in meinem Mund! Ich kann es kaum erwarten, mich unter die Dusche zu stellen, doch zuerst muss ich etwas essen, das nicht auf Bäumen gewachsen ist!
Im Kühlschrank werde ich nicht fündig, da wir alles aus ihm für unsere letzte Tour herausgenommen hatten. Doch im Wohnzimmerschrank entdecke ich zum Glück noch eine Schachtel Pralinen und eine Tüte Mini-Bretzel, die ich mir unter den Arm klemme und schon auf dem Weg zurück in die Küche eine große Handvoll in meinen Mund schiebe.
Als mein Vanille-Latte endlich fertig ist, nehme ich den ersten Schluck und verbrenne mir dabei die Zunge, doch das ist mir egal. Mein Körper braucht das Koffein, ansonsten schlafe ich hier gleich im Stehen ein!
Ich esse und trinke, bis mir schon fast übel wird, wobei ich von einem Fenster zum nächsten tapere und Ausschau nach Chris halte. Mein Brustbein kribbelt, was mir verrät, dass er ganz in der Nähe sein muss. Aber da die Druiden den ganzen Wald für sich eingenommen haben, kann ich ihn nirgends entdecken. Er muss mitbekommen haben, dass wir wieder zurück sind. Zumal in der realen Welt keine Zeit vergangen ist. Irgendwo dort draußen ist er, noch immer aufgebracht, weil ich mit den Druiden wochenlang allein auf der Insel war. Doch nun ist es bereits geschehen und es bringt nichts, noch länger wütend deswegen auf mich zu sein. Ich habe meine Arbeit getan und bin zurück. Er musste dabei nicht eine Sekunde auf mich verzichten.
Nachdem ich genug gegessen und getrunken habe, schleppe ich mich die Treppen hinauf, nehme eine lauwarme Dusche und falle danach, ohne mich anzuziehen oder abzutrocknen, in unser gemütliches Bett. Der Geruch von Chris haftet noch an den Laken und es fühlt sich beinahe so gut an als wäre er wirklich bei mir.
Als ich wieder aufwache, weiß ich zuerst nicht, wo ich bin. Schon wieder hatte ich einen dieser seltsamen Träume, die mich bereits auf der Insel heimsuchten. Es sind besondere Träume, in denen ich selbst gar nicht vorkomme. Der von dieser Nacht war besonders intensiv: Ich träumte von einer mächtigen Hexe, die jemand anderen in Stücke riss und dessen Körperteile auf allen Kontinenten verteilte!
Der Schreck sitzt mir noch in den Gliedern, als ich die Augen öffne. Es ist stockdunkel und bis sich meine Augen daran gewöhnt haben, denke ich, ich sei noch auf der Insel. Erst als ich die Tannenwipfel aus der Fensterfront heraus sich gegen den dunkelblauen Nachthimmel abzeichnen sehe, erkenne ich, dass ich zum Glück wieder zuhause bin.
Ich taste neben mich, wo ich einen warmen, nackten Oberkörper erfühle. „Chris“, flüstere ich erleichtert und im selben Moment knippst er das Licht an.
„Hey“, raunt er und hebt seinen Arm an.
Sofort folge ich der Einladung und schmiege mich an seine Seite. Die Erleichterung, ihn endlich wieder in die Arme zu schließen, lässt mich verstummen und löscht all die furchtbaren Traumbilder aus meinen Gedanken. Ich will ihm nicht sagen, wie lange ich weg war, wie lange ich ohne ihn auf dieser dämlichen Insel ausharren musste, umgeben von nichts als Sandflöhen, Druiden und Kokosnüssen! Ich will einfach nur bei ihm sein, seine Nähe spüren, seinen Duft einatmen und seine Haut an meiner spüren.
„Du hast mir gefehlt“, sagt er plötzlich und sein warmer Atem rinnt wie Wasser über meine Kopfhaut.
„Ich war in der realen Dimension doch gar nicht lange weg“, antworte ich schläfrig und drücke einen zarten Kuss auf seinen Brustmuskel.
Er holt tief Luft und sein Brustkorb dehnt sich, dann bläst er sie mit einem Seufzer wieder hinaus. „Ich spreche auch nicht von der Zeit auf der Insel im Wandschrank. Seit Wochen hetzen wir von einem Fall zum nächsten und haben dabei kaum Zeit für uns selbst.“
Ich lege den Kopf in den Nacken und schaue an ihm hoch. „Ich weiß“, gebe ich zu, hebe meinen Arm und streiche über sein stoppeliges Kinn.
„Die Ghula, die Libelle, Ebraxas Zaballa“, er unterbricht seine Aufzählung für ein intuitives Knurren, bevor er weiterspricht. „Falk und Dahlia, deine Mutter und Elvira, dann diese Sirenen, und zu guter Letzt die ganzen Druiden!“
Ich richte mich ein wenig auf und stütze mich auf den Ellenbogen ab, um ihn besser ansehen zu können. „Ich weiß, aber das ist ja nun alles erledigt. Die Druiden werden nach und nach abreisen und dann haben wir wieder mehr Zeit für uns.“
Eine einzelne Augenbraue schnellt nach oben und er schaut mich mit Unglauben an. „Das glaubst du doch selbst nicht! Ich wette mit dir, noch bevor die Druiden restlos abgereist sind, geschieht etwas Unerwartetes. Die nächste Katastrophe steht doch schon in den Startlöchern!“
Zuerst will ich ihn instinktiv beruhigen und vom Gegenteil überzeugen, doch dann wird mir bewusst, dass unsere nächste Katastrophe schon längst Einzug gehalten hat: Seine veränderte Wolfsgestalt. Das abzuklären hat nun oberste Priorität, jeder neue Fall wird warten müssen!
„Das mag alles sein, aber du hast jetzt Vorrang“, sage ich und sehe ihm fest in die Augen. „Wir werden das mit deiner Verwandlung klären, auch wenn wir dafür nach Italien reisen müssen!“
Seine Augen werden schmal und zwischen seinen Augenbrauen bildet sich wieder diese Zornesfalte. „Ach ja?“
„Ja! Ich lasse nicht zu, dass das Erbe der Belger-Mannwölfe zunichte gemacht wird, nur weil ich den Inviolabilem-Zauber gesprochen habe! Sie dürfen dich nicht für meine Taten bestrafen!“
Er stemmt sich ruckartig hoch und ein Knurren aus seiner Kehle lässt das ganze Bett vibrieren. „Und was wäre, wenn es nicht rückgängig gemacht werden kann? Was, wenn ich mit jeder Verwandlung mehr zum Werwolf mutiere? Was dann?“, faucht er mir entgegen und seine Reißzähne beginnen bereits zu Sprießen.
„Chris, was ist denn los mit dir?“, frage ich und strecke eine zittrige Hand nach ihm aus, doch er springt mit einem Satz aus dem Bett.
„Was mit mir los ist?“, brüllt er und tippt sich gegen die Brust. „Ich frage mich eher, was mit dir los ist! Wir sind Gefährten, verdammt nochmal! Du solltest mich lieben, egal was ich bin!“
Ich streife das Laken von mir und steige ebenfalls aus dem Bett. Einen Moment lang scheint meine Nacktheit ihn abzulenken, doch die brodelnde Wut in seinem Inneren gewinnt schnell wieder die Überhand.
„Ich liebe dich, Chris, egal was du bist!“
„Ach ja? Und deswegen nimmst du gleich für Wochen Reißaus, sobald der Werwolf in mir zum Vorschein kommt?“
Meine Kinnlade fällt herunter und ein unglaublicher Schmerz in meinem Brustbein raubt mir den Atem. „Chris…“, hauche ich und schüttle mit dem Kopf. „Ich habe nur meine Pflicht erfüllt, ich hatte doch keine andere Wahl.“
Er schüttelt mit dem Kopf. „Man hat immer eine Wahl, Scarlett“, sagt er und funkelt mich böse an. „Du hast dich von einem Hexenblut zur Druidenhexe und nun zum Paradoxon und der Mitternacht gewandelt, und ich bin nie vor dir geflüchtet! Hast du darüber schon mal nachgedacht?“
Fassungslos stehe ich einfach nur da, während Tränen der Verzweiflung in meinen Augen aufsteigen und mir so langsam den Blick verschleiern.
Er hebt die Hände, wendet den Kopf ab und geht ein paar Schritte rückwärts „Vielleicht hatte Bianca wirklich Recht: Eine Hexe kann niemals dieselbe Gefährtenverbindung verspüren wie ein Wolf.“
Seine Worte reißen mein Herz entzwei. „Chris, wie kannst du sowas sagen?“, hauche ich gebrochen, sacke auf meine Knie und schnappe aufgrund des Schmerzes in meinem Brustbein nach Luft.
Er setzt zur Verwandlung an und begibt sich auf alle Viere, drückt den Rücken durch und gibt ein schmerzerfülltes Jaulen von sich. Im nächsten Moment steht ein riesiger Wolf vor mir, mit langer Schnauze, leuchtend gelben Augen, spitzen Ohren und dunkelbraunem Fell. Er zieht die Lefzen hoch und entblößt seine zentimeterlangen Reißzähne.
„Chris… Es tut mir so leid“, sage ich unter Tränen und strecke die Hand nach seinem Fell aus.
Blitzschnell schnappt er drohend nach mir, verfehlt mich aber absichtlich. Ich weiß, dass er mir in dieser Gestalt innerhalb eines Augenaufschlages den Kopf von den Schultern reißen könnte, wenn er wollte. Und trotzdem verspüre ich keine Angst vor ihm, alles was ich will, ist ihn zu beruhigen.
Doch er lässt es nicht zu. Bevor ich etwas sagen oder ihn berühren kann, rennt er auf den Flur hinaus, die Treppen hinab und raus in den Wald.
Ich weiß nicht, wie ich all diese Verluste verkraften soll. Gerade eben erst habe ich meine Mutter verloren und nun denkt mein Gefährte, dass ich ihn nie richtig geliebt habe und ihn als Wolf sowieso nicht lieben könnte. Nichts auf der Welt ist weiter von der Wahrheit entfernt als das! Es ist mir egal, was Chris ist! Und wenn er jede Nacht zur schrecklichsten Bestie auf der Welt mutieren würde, so wäre er noch immer mein Gefährte, die Liebe meines Lebens, der einzige Mann, mit dem ich zusammen sein will. Doch er traut dem Gerede seiner Schwester Bianca mehr als seinem eigenen Herzen.
Mit verweinten und verquollenen Augen stelle ich mich vor den Badezimmerspiegel und betrachte mich selbstmitleidig. Meine Tränen brennen auf dem Sonnenbrand auf meinen Wangen und schon lange habe ich mich nicht mehr mit so vielen Sommersprossen im Gesicht gesehen. Meine roten Strähnen wirken ausgeblichen und haben einen dumpfen Kupferton angenommen. Am Ansatz sind sie gute zehn Zentimeter rausgewachsen und sowieso wirkt mein Haar struppig und von zu viel Sonne geschädigt. Durch das Töten der Sirenen sind noch jede Menge dünner weißer Strähnen hinzugekommen. Wenn das so weitergeht, bin ich in ein paar Jahren genauso weiß wie Jo oder Elvira.
Ich weiß nicht, was es ist, dass Beziehungsprobleme bei mir immer den Fokus auf meine Haare lenken. Vielleicht ist es eine Art instinktiver Ablenkungsmechanismus. Was auch immer es ist, es hilft mir dabei, meine Tränen versiegen zu lassen und etwas Abstand zu gewinnen.
Ich ziehe mich an und schaue auf die Uhr. Es ist halb fünf am Morgen. Normalerweise würde ich mich hüten, so früh jemanden zu stören, doch bei meiner besten Freundin Carmen kann ich eine Ausnahme machen.
Da mein Bulli noch nicht wieder hier ist und ich Chris seinen Transporter nicht wegnehmen will, schnappe ich mir nur meine Handtasche und renne in den Wald hinein. Ich hinterlasse ihm keine Nachricht, denn in seiner wölfischen Gestalt wird er mich wittern können. Wahrscheinlich hockt er gerade jetzt hinter einem Baum, wittert mich und sieht mir aus der Ferne zu, wie ich Richtung Landstraße renne. Hier und da begegne ich kleinen Gruppen von Druiden, die mich aber in Ruhe lassen, da sie ja bekommen haben, weswegen sie hierher gepilgert sind.
Als ich endlich den äußeren Waldrand erreicht habe, entschleunige ich meine Schritte und komme wieder zu Atem. Die kühle Luft tut mir gut und hilft mir dabei, meine Gedanken etwas zu klären.
So habe ich mir meine Rückkehr von der Insel nicht vorgestellt. Wie hatte ich mich doch danach gesehnt, endlich wieder in Chris´ Armen zu liegen, doch er bombardiert mich mit Vorwürfen und behauptet, ich wäre vor ihm geflüchtet, weil seine Wolfgestalt zu wölfisch ist! Selbst jetzt, wo ich darüber nachdenke, gebe ich ein prustendes Lachen von mir. Als ob mich seine Wolfsgestalt abschrecken würde! Ich habe es schon mit Dämonen, Wendigos und Sirenen aufgenommen, da macht mir so ein Wolf doch keine Angst! Außerdem hatte mein Besuch auf der Insel im Wandschrank nichts mit ihm zu tun, sondern einfach nur damit, dass ich die ganzen Druiden für uns schnell wieder loswerden wollte, damit wir unser Zuhause wieder für uns haben! Ich habe es auf mich genommen, von ihm einige Wochen getrennt zu sein, damit er nicht von mir getrennt sein muss! Alles was ich tat, tat ich für uns! Wie kann er mir dann unterstellen, ich sei vor ihm geflüchtet oder ich würde ihn nicht so sehr lieben, wie eine wölfische Gefährtin es tun würde! Außerdem war er doch derjenige, der zuerst das Weite gesucht hat! Er hat sich verwandelt und in den Wald verpisst, genau wie er es gerade eben schon wieder getan hat!
Ich stecke vorsichtshalber die Hände in meine Hosentaschen und umfasse die Bergkristalle, um meine kleinen, züngelnden Wutblitze unter Kontrolle zu bekommen. Dass alle paar Meter dunkle Schatten meinen Weg kreuzen, hilft mir nicht wirklich dabei, mich zu entspannen. Sie tauchten auf, sobald ich unseren Wald verlassen hatte, und je weiter ich laufe, umso mehr werden es. Ich versuche sie auszublenden, so wie Kitty es mir gezeigt hat. Ich brauche ein wenig, doch dann schaffe ich es, nicht auf jedes dunkle Zucken im Augenwinkel zu reagieren.
Als ich endlich die Straße erreicht habe, in der Carmens Wohnung liegt, habe ich mich wieder etwas beruhigt und durch einen gesummten Ohrwurm auch schon seit Minuten keine Schatten mehr Jaulen hören. Die Sonne lugt schon über dem weit entfernten Horizont empor und färbt den östlichen Himmel orange, als ich nach meinem Handy greife und Carmens Nummer wähle.
Es klingelt mehrere Male, während ich unter ihrem Balkon stehe und nach oben schaue. Dann endlich geht Licht an und im nächsten Moment nimmt sie ab.
„Ja?“
„Hey Carmen, ich bin´s, Scarlett.“
Das Rascheln von Bettwäsche ist zu hören, dann ein Seufzen. „Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“
„Es ist kurz vor fünf. Ich stehe vor deiner Haustür. Lässt du mich rein?“
„Warte… Was? Was ist passiert? Hast du Stress mit Chris? Nein, oder? Oder doch?“
„Lass mich bitte rein, dann erzähle ich dir alles.“
Wenige Minuten später öffnet sie die Haustür und tritt mir in einem rosafarbenen Seidenbademantel entgegen. Selbst jetzt, wo sie gerade eben aufgestanden ist, sieht sie perfekt aus. Ihre zarten Wangen sind leicht gerötet, das lange blonde Haar ist zu einem unordentlichen Dutt oben auf ihrem Kopf gebunden und aus ihrem Dekolletee lugt weiße Spitzenwäsche hervor.
„Ach du liebe Güte, Scarlett!“, begrüßt sie mich und mustert mich aus großen Augen von oben bis unten. „Komm rein, um Himmels Willen. Rein mit dir!“
Sie wirft die Haustür hinter mir zu und scheucht mich die Treppe hoch, als befürchte sie, einer ihrer Nachbarn könnte mich sehen.
„So, nun erzähl, was ist passiert?“, fragt sie, sobald wir ihre Wohnung erreicht haben. „Ich schmeiße erstmal die Kaffeemaschine für uns an, ich brauche jetzt dringend einen Kaffee. Also, was ist passiert?“
Ich folge ihr in den Küchenbereich und lehne mich mit der Hüfte gegen die weiße Arbeitsfläche. Jetzt, wo ich bei ihr bin, weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Es ist so viel passiert, seitdem wir uns das letzte Mal gesehen haben! Ich bin gestorben, wiederauferstanden, habe meine Mutter verloren, weil ich nie geboren wurde, bin zum Paradoxon und somit zur Mitternacht geworden und habe mich mit meinem Gefährten gestritten, weil der denkt, ich würde ihn als Wolf nicht so sehr lieben wie als Mannwolf.
„Oh man, wo fange ich bloß an“, seufze ich und reibe meine Stirn.
„Setz dich erstmal hin“, sagt sie und schiebt mich weiter ins Wohnzimmer, wo sie mich auf ihre graue Couch platziert. „Fang ganz am Anfang an. Was ist passiert, wann ist es passiert und wer war alles dabei? Ich will alles wissen, von Anfang an!“
Ich nehme meine Tasche von meiner Schulter und stelle sie auf den Fußboden, während Carmen eine Duftkerze nach der anderen auf dem gläsernen Couchtisch anmacht.
„Habe ich dir schon von der Organisation namens Libelle erzählt?“, hake ich nach und beginne dann zu erzählen. Ich lasse nichts aus, weder die Ghula noch den Inviolabilem-Zauber und den Grund, warum ich ihn überhaupt angewandt habe. Ich erzähle ihr von Ebraxas Zaballa, der Liberalen Elite Legion und was mein Vater damit zu tun hatte. Als ich bei dem Punkt angelangt bin, an dem der Leiter der Libelle mich und Chris tötet, wirkt Carmens Gesicht wie vor Schock versteinert.
„Ihr seid… gestorben? So richtig gestorben? Ihr wart tot, im Sinne von tot?“
Ich presse die Lippen zusammen und nicke. „Ja, mausetot, mit Sarg und allem Drum und Dran.“
Sie stellt ihre Kaffeetasse ab und rückt näher an mich heran. „Und wieso hat mir keiner Bescheid gesagt? Hast du mich denn nicht als Notfallkontakt irgendwo eingetragen? Ich meine, man hätte mir doch Bescheid sagen müssen, ich bin immerhin deine längste und engste Freundin!“
„Ehrlich gesagt, bin ich froh darüber, dass man dich nicht kontaktiert hat. Unser Team hat die Polizei um Diskretion gebeten, doch Elviras ehemaliger Kontaktmann von der Polizei hat es irgendwie doch erfahren und sie informiert.“
„Oh nein!“ Carmen schlägt die Hände vors Gesicht. „Nein, oh man! Das muss ein Schock für Elvira gewesen sein, ich mag es mir gar nicht vorstellen!“
„Eben. Und genau deshalb bin ich froh darüber, dass man dich nicht informiert hat. Es reichte schon, dass Elvira das erleben musste. Außerdem waren wir ja nicht wirklich tot, oder zumindest nicht für lange Zeit.“
Sie nimmt ihre Hände wieder runter und schaut mich aus traurigen Augen an. „Wie ist es, tot zu sein? Gibt es sowas wie einen Himmel? Hast du sowas erlebt? Oder kannst du dich an nichts mehr erinnern?“
Für einen kurzen Moment denke ich an die sieben Hexenseelen im Limbus, doch ich verbiete mir den Gedanken daran sofort wieder. Ich darf und werde nicht über sie sprechen, ihr Friede soll nicht gestört werden. „Da durch meinen Zauber klar war, dass wir wieder zurückkehren, war ich weder im Himmel, noch in der Hölle. Ich war in so einer Art Zwischenwelt.“
„Hattest du Schmerzen? Konntest du die Schusswunde noch spüren? Oder waren alle Schmerzen weg?“
„Ich hatte keine Schmerzen mehr. Das Sterben an sich war sowieso nicht schlimm. Es wurde erst schlimm, als meine Seele wieder in meinen Körper zurückging und ich in einem Sarg wach wurde!“
Carmen quiekt und zuckt zurück. „Nicht dein Ernst! In einem Sarg? Du bist im Sarg wieder aufgewacht?“
Ich erzähle ihr von meiner Panik und wie ich mich aus der Holzkiste wieder befreien konnte. Dass ich danach Chris aus seinem Sarg geholt habe, ein Auto kurzschloss und mit ihm zusammen durch das Portal zu Robertas Schloss floh, wo vier Heilerinnen ihn mit Räucherungen zu wecken versuchten, aber leider vergeblich. „Und dann hat Ebraxas Zaballa ein Kopfgeld auf mich ausgesetzt und ich wusste, dass ich mich entweder für immer verstecken muss, oder aber selbst mit meinem Kopf zu ihm gehe.“
Carmen legt den Kopf schief und zieht die Oberlippe kraus. „Häh? Was? Wie soll das denn funktionieren? Das geht doch gar nicht!“
„Doch, das geht“, antworte ich stolz. „Zuerst habe ich ein Double von mir erschaffen, eine Art Klon meiner selbst, allerdings ohne Seele. Das hat Darius dann geköpft und ich bin in den Körper von Randolf, Robertas Werwolf-Liebhaber geschlüpft und habe Zaballa meinen Kopf gebracht.“
„Moment, Moment! Warte mal!“, unterbricht Carmen mich. „Roberta hat einen Werwolf als Liebhaber? Und Darius hat kein Problem damit? Und was sagst du da, Darius hat dich geköpft?“
Ihr verwirrter Gesichtsausdruck bringt mich zum Schmunzeln. „Ja, hat sie. Und nein, Darius hat kein Problem damit. Und ja, er hat mein Double geköpft.“
Ihr Mund klappt auf und zu, dann schüttelt sie mit dem Kopf. „Das ist die verrückteste Geschichte, die ich je gehört habe, soviel ist sicher! Und dann hast du Randolfs Körper benutzt? Wie geht das denn?“
So oberflächlich und einfach wie möglich versuche ich ihr zu erklären, wie meine Seele von Randolfs Seele Huckepack genommen wurde und wir den Kopf meines Doubles beim Leiter der Libelle abgegeben haben und als Belohnung die Dschinn-Lampe erhielten.
„Eine Dschinn-Lampe? So wie bei Aladin? Mit drei freien Wünschen und so weiter?“
Ihre begeisterte Miene erlischt, als ich ihr erkläre, was es mit Dschinns in Wirklichkeit auf sich hat. Ich erzähle ihr, wie meine Tarnung aufflog, als Blitze aus Randolfs Händen schossen und wir danach in den Kerker gesperrt wurden, wo ich meine Mutter gesehen habe und nur mit der Hilfe eines Druiden wieder herauskam.
„Deine Mutter war da? Aber sie ist doch bei Elvira? Wie kann sie dann im Kerker dieser komischen Libelle gewesen sein? Hast du sie denn befreien können?“
„Nein, als ich frei war, hatten sich die Zellen verschoben und ich konnte sie nicht wiederfinden. Also habe ich einem Gefangenen meinen gebastelten Schlüssel gegeben und bin wieder nach oben, wo ich über einen Funkspruch mitbekommen habe, dass ein Belger-Wolf unbefugt die Libelle betreten hat.“
„Was?“, kreischt sie und reißt die Augen auf. „Chris war wieder wach und hat nach dir gesucht?“
Ich nicke. „Ja, er wollte mir zur Hilfe eilen. Er war stinksauer, dass ich in die Libelle zurückgekehrt bin. Doch sie haben ihn geschnappt, bevor er mich finden konnte. Zaballa hatte ihn gefesselt seinen Mitgliedern vorgeführt und angekündigt, ihn hinzurichten.“
„Also dieser Zaballa, der regt mich so langsam richtig auf, Scarlett“, presst sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und ballt ihre Hände zu Fäusten.
„Ich musste irgendwie dazwischengehen und verhindern, dass er Chris hinrichtet. Ich konnte ja nicht einfach tatenlos zusehen! Doch dann erkannten sie Randolf und zwangen mich in die Knie. Ich sollte ebenfalls hingerichtet werden. Also sah ich nur noch eine Möglichkeit, wie ich uns da wieder rausholen konnte, ohne den ganzen Laden mitsamt all seiner Mitglieder in die Luft zu sprengen.“
„Und was war das? Wie hast du es gemacht?“
„Ich habe den Dschinn gerufen und mir gewünscht, mein Vater hätte niemals Kontakt mit der Libelle aufgenommen.“
Sie zieht eine Seite ihrer Oberlippe hoch und sieht mich perplex an. „Hä, was? Was hat dein Vater jetzt damit zu tun?“
„Durch seine Einmischung wurde aus der Libelle erst diese Organisation, die magische Wesen manipuliert, unterdrückt und ausbeutet. Ohne meinen Vater wäre sie das geblieben, was sie war: Ein Ort, an dem magische Wesen und Menschen, die von der magischen Welt wissen, Zuflucht finden können.“
Sie braucht ein wenig, um all die neuen Informationen zu verdauen, doch dann nickt sie schließlich. „Okay, verstanden, denke ich. Und was ist dann passiert?“
Ich erzähle ihr den Rest, wie Ebraxas seine Magie zurückbekam, die Kerker plötzlich verschwunden waren und wir zurück in Robertas Schloss gingen, wo sie meine Seele wieder von Randolfs Körper getrennt hat und der plötzlich Druiden-Kräfte besaß.
„Weil deine Seele in seinem Körper war? Deswegen hatte er plötzlich diese Kräfte?“
„Ja, genau. Aber sie waren nicht von Dauer. Kurze Zeit später kam Darius und erzählte mir, dass er die Kräfte wieder verloren hatte, da er ein Werwolf ist und sie nicht für ihn gedacht sind. Es hatte wohl etwas mit meinem Wunsch zu tun, wie ich jetzt weiß. Denn mein Wunsch hat mich erst zu einem Paradoxon werden lassen, und nur als Paradoxon kann ich meine Kräfte an Druiden weitergeben.“
„Paradoxon? Was soll das denn sein?“
Nun ist der Moment gekommen, an dem ich ihr erzählen muss, dass mein Wunsch dazu geführt hat, dass ich eigentlich nie geboren worden bin. Meine Mutter und mein Vater haben sich nie näherkennengelernt, weil die Libelle dazwischen ging. Und somit kam es nie zu meiner Empfängnis.
Carmen ist sprachlos, was wirklich äußerst selten vorkommt. Ihr Blick wechselt von Ungläubigkeit, zu Mitleid und weiter zu Trauer, aber sie ist nicht in der Lage, ein Wort zu sagen.
„Ich war bei ihr, doch sie erinnert sich nicht mehr an mich. Wir haben ihr gesagt, wer ich bin, doch in ihrer Vergangenheit hat sie nie ein Kind zur Welt gebracht“, sage ich, schlucke den Kloß in meinem Hals herunter und zwinge mich zu einem Lächeln. „Aber das ist gut, denn somit hat sie auch nicht zehn Jahre im Wachkoma verbracht. Sie ist glücklich, sie lacht viel, hat Freunde, eine Aufgabe und ist sogar verheiratet.“
„Verheiratet? Mit wem denn?“
Ich räuspere mich. „Mit dem Leiter der Libelle, Ebraxas Zaballa.“
Carmen rastet völlig aus.
Es wird sogar noch schlimmer, als ich ihr erzähle, dass Zaballa sich an beide Leben erinnern kann.
„Er weiß, dass er dich in der früheren Vergangenheit getötet hat und ist jetzt mit deiner Mutter verheiratet? Und da hast du ihn nicht mit deinen Zauberblitzen zur Strecke gebracht?“ Sie wedelt mit den Händen und macht ein Geräusch, das sich wie das Summen von Wespen anhört.
Ich lege eine Hand vor den Mund und verberge so ein Kichern. „Was soll das darstellen?“, frage ich und deute auf ihre Gestik.
„Das bist du, wie du Ebraxas mit deinen Blitzen den Hosenboden verkohlst! Bsss, bsss!“
Für zwei Sekunden schaffe ich es noch, ihr zuzusehen, dann breche ich in schallendes Gelächter aus. „So sieht das bei mir aus?“
Verdutzt sieht sie mich an, dreht sich zu mir um, formt die Hände ein weiteres Mal zu Klauen und macht dieses lächerliche Geräusch. „Ja, bestimmt! Bsss, bsss, nimm das, Ebraxas, bsss, und das hier! Bsss, bsss!“
Sie springt um den Couchtisch herum, fuchtelt mit den Händen und sieht dabei aus wie ein Karate-Kämpfer, der barfuß in Legosteine getreten ist.
Ich halte mir vor Lachen den Bauch und schüttle mit dem Kopf. Carmen verfällt ebenfalls in Gelächter und lässt sich neben mir in die Couch plumpsen. Als wir uns etwas beruhigt haben, dreht sie den Kopf zu mir und sieht mich an.
„Und du hast ihn wirklich nicht umgebracht?“, fragt sie mich vollen Ernstes. „Also, ich hätte ihn getötet, allein schon deswegen, weil er dich und Chris getötet hat. Außerdem hat er die ganzen Hexen jahrelang versklavt und ausgebeutet. Wenn so einer nicht den Tod verdient hat, wer dann?“
Erstaunt begegne ich ihrem Blick. Es sagt sich so leicht, dass man jemandem das Leben nehmen würde, aber es wirklich zu tun, ist nochmal etwas ganz anderes.
„Nein, ich habe ihn nicht getötet“, antworte ich. „Mama liebt ihn, das konnte ich sehen. Außerdem ist er in der neuen Vergangenheit kein schlechter Leiter der Libelle gewesen. Er und Mama haben sie zu diesem Ort gemacht, wo magische Wesen und ihre menschlichen Freunde Zuflucht finden können. Man kann dort in einer Gemeinschaft leben, muss sich nicht verstecken und braucht keine Angst haben, entdeckt zu werden. Die neue Libelle ist ein guter Ort. Es war der Einfluss meines Vaters, der ihn erst zu diesem schrecklichen Ort gemacht hat, doch das ist jetzt vorbei.“
„Hmm…“, macht sie und schaut hoch zur Decke. „Es ist schon ziemlich edel von dir, deinem Mörder zu vergeben.“
„Damit hat das nichts zu tun. Ich will meiner Mama ihren Ehemann nicht nehmen, nur um mich für etwas zu rächen, das in ihrer Vergangenheit nie geschehen ist.“
Nachdem jeder von uns eine Weile seinen eigenen Gedanken nachgegangen ist, erzähle ich ihr von den Druiden. Sie selbst hat den Beitrag in den Lokalnachrichten nicht gesehen, weswegen ich ihr das Video auf meinem Handy abspiele. „Mit all den Druiden war ich in den letzten Wochen auf unserer Insel im Wandschrank, auf der die Zeit stehenbleibt. Ich war ungefähr vier Wochen mit ihnen dort und habe ihnen allen die Kräfte verliehen. Als ich wiederkam, war in der Realität nicht eine Sekunde vergangen. Ich musste es so machen, da wir die Druiden nicht wochenlang verstecken können, ohne dass wieder Reporter darauf aufmerksam werden.“
Sie gibt mir das Handy zurück und wirkt erstaunt. „Mit all diesen Druiden warst du auf eurer Insel? Wie viele waren das? Hunderte? Tausend? Das erklärt auch deine Bräune. War mir gleich aufgefallen, als ich dich sah. Du bist total braun geworden, ich bin richtig neidisch!“
Ich schaue auf meine nackten Unterarme und nicke. „Ich bin vielleicht braun geworden, aber die Zeit allein mit den Druiden dort war die reinste Qual. Nach einigen Tagen haben wir herausgefunden, wie ich zehn von ihnen auf einmal die Kräfte verleihen kann. So ging es schneller, aber es war auch total ermüdend. Ich habe ständig schlafen müssen und es hat trotzdem vier Wochen gedauert, bis ich die knapp tausend Druiden zu Druidenhexen gemacht habe.“
„Oh man, vier Wochen? Das ist eine lange Zeit. Und dann kommst du zurück und hier, in der Realität ist keine Sekunde vergangen?“
„Genau. Ich dachte, so wäre es auch für Chris am einfachsten, da wir dann in der realen Welt gar nicht voneinander getrennt gewesen wären. Aber er war total außer sich, dass ich diese Möglichkeit überhaupt in Betracht zog!“, erzähle ich und bin froh, dass ich mit meinen Erläuterungen nun endlich an diesem Punkt angelangt bin. „Er hat sich sowieso verändert, seitdem wir wiederauferstanden sind, irgendwas ist mit ihm los.“
„Inwiefern hat er sich verändert? Er ist doch immer noch gut zu dir, oder? Du weißt, wenn er dir nur ein Haar krümmt, dann bekommt er es mit mir zu tun! Ganz egal wer oder was er ist, vergreift er sich an meiner Scarlett, dann kann er mich aber kennenlernen!“
„Nein, er ist gut zu mir, keine Sorge. Er würde mir nie etwas tun“, sage ich rasch, da ich weiß, dass sie ihre Drohung ernst meint. „Aber ich glaube, die Zeit im Limbus hat bei ihm Spuren hinterlassen, denn seitdem wir von den Toten auferstanden sind, verliert er all seine Mannwolf-Attribute. Und als er sich heute Morgen verwandelt hat, war er ein vollständiger Wolf, mit langem Fell, Schnauze, Lefzen, spitzen Ohren, grellgelben Augen, vier Pfoten und einer Rute.“
Carmens Augen werden immer größer. „Echt jetzt?“
Ich nicke und ziehe die Stirn kraus. „Es wird an meinem Inviolabilem-Zauber liegen. Ich glaube, Chris wird dafür bestraft, dass er den Tod ausgetrickst hat. Es ist meine Schuld, dass die jahrhundertelange Arbeit seiner Vorfahren zunichte gemacht wurde.“
„Das kann doch nicht sein“, sagt Carmen und zieht mich an sich, als sie sieht, dass mir schon wieder die Tränen in die Augen steigen. „Sie können ihn doch nicht dafür bestrafen, dass dein Zauber auf ihn übergegangen ist! Wäre das nicht passiert, wäre er doch jetzt tot!“
„Ja, ich weiß! Deswegen bereue ich auch nicht wirklich, den Zauber angewandt zu haben“, entgegne ich schniefend und ziehe die Nase hoch. „Ich habe ihm heute Morgen angeboten, zum Vatikan zu reisen und die Sache vor Ort mit den Obrigkeiten zu klären, doch da meinte er, dass ich ihn so wie er jetzt ist nicht mehr lieben würde.“
Auch mit meinem Kopf auf ihrer Schulter kann ich spüren, dass sie eine Grimasse zieht und dabei den Kopf schüttelt. „Männer!“, seufzt sie und ich könnte schwören, dass sie dabei die Augen im Kopf verdreht. Dann greift sie nach meinen Schultern und schiebt mich vor sich, wo sie mich ernst ansieht. „Macht er dir als Wolf, Werwolf, oder was auch immer, Angst? Hast du Angst vor ihm? Stört dich, dass er sich verändert hat?“
Ich schüttle mit dem Kopf. „Nein, er macht mir keine Angst. Wirklich, er würde mir nichts tun, niemals! Und es ist mir auch egal, was er ist! Ob nun Mannwolf, Werwolf, Troll, Vampir, Kobold, oder was weiß ich! Selbst wenn er Big Foot höchstpersönlich wäre, würde ich ihn noch immer genauso sehr lieben!“
Sie lächelt und legt den Kopf leicht schief. „Hast du ihm das gesagt? Weiß er, dass es dir egal ist, was er ist?“
Nickend senke ich den Blick. „Ich habe ihm gesagt, dass ich ihn liebe, egal was er ist. Aber er denkt, dass ich nur auf die Insel geflüchtet bin, um ihm aus dem Weg zu gehen, weil er jetzt wölfischer ist.“
„Was für ein Quatsch!“, brüllt Carmen mit beinahe keifender Stimme. „Das ist so typisch, Bill war auch so! Wann immer ich etwas vorhatte, was ihn nicht mit einbezog, dachte er, ich gehe ihm aus dem Weg.“ Sie tippt sich gegen die Stirn und verdreht die Augen.
„Chris ist normalerweise nicht so. Wir haben eigentlich in der ganzen Zeit, die wir nun schon zusammen sind, nie groß miteinander gestritten. Wir hatten zwar hin und wieder Meinungsverschiedenheiten, aber da hat er sich nie verwandelt und ist einfach abgehauen, so wie die letzten beiden Male.“
„Also ist er erst so schräg drauf, seitdem er immer mehr zum Wolf wird?“, fasst Carmen zusammen und legt nachdenklich die Fingerspitzen an ihr Kinn.
„Ja. Könnte man so sagen“, stimme ich ihr zu. „Aber das Schlimmste war, dass er meinte, seine Schwester Bianca hätte vielleicht Recht, als sie behauptete, Hexen können niemals eine wahre Gefährtenverbindung eingehen.“
„Das hat sie gesagt?“ Ihre Augen formen sich zu schmalen Schlitzen. „Und Chris stimmt ihr zu? Das darf doch nicht wahr sein! Was mischt sich seine Schwester überhaupt ein? Das geht sie doch alles gar nichts an!“
Ich zucke nur mit den Schultern, während ein stechender Schmerz sich in meinem Brustbein ausbreitet. „Offenbar gab es zuvor noch keine Gefährtenverbindung zwischen nicht-wölfischen Wesen.“
„Aber Scarlett, du zweifelst doch jetzt nicht ernsthaft eure Gefährtenverbindung an, oder? Du hast mir doch selbst erzählt, dass dieses Kitzeln zwischen deinen Brüsten ein Beweis dafür ist!“
„Es ist mehr ein Kribbeln, hinter dem Brustbein.“
„Was auch immer! Das war doch der Beweis dafür, dass ihr zwei Gefährten seid, oder irre ich mich? War es nicht so?“
„Doch, so ist es! Chris sagt außerdem, dass er direkt wusste, dass ich seine Gefährtin bin, als er mich zum ersten Mal gesehen hat. Und ich habe mich ja auch sofort Hals über Kopf in ihn verliebt, obwohl ich es anfangs noch ignorieren wollte, weil ich mir keine Chancen bei ihm ausgerechnet habe. Aber als er mich dann küsste, zum allerersten Mal, da habe ich sowas gespürt, wie ich es noch nie zuvor erlebt habe“, erinnere ich mich und schüttle lächelnd mit dem Kopf. „Das hatte nichts mit menschlichem Verliebtsein zu tun. Es ging viel tiefer und es war plötzlich egal, dass ich ihn erst wenige Stunden kannte. Ich wusste, dass er mein Mann ist, der einzige, den ich für den Rest meines Lebens lieben würde.“
Carmen legt die gefalteten Hände an ihr Herz und seufzt. „Sowas will ich auch mal erleben. So eine richtig tiefe Liebe, wo beide füreinander alles andere stehen und liegenlassen.“
In diesem Moment wird mir bewusst, dass sie immer davon ausging, zwischen ihr und Bill herrsche diese Art von Liebe. „Hast du eigentlich mal wieder was von Bill gehört?“, frage ich und sie lässt ihre gefalteten Hände in ihren Schoss fallen.
„Nein, zum Glück nicht. Ich habe seine Nummer aber auch blockiert, selbst wenn er versuchen würde, mich zu kontaktieren, würde ich nicht dahinterkommen, und das ist auch gut so. Er ist ein Lügner und Heuchler, ein Ehebetrüger und ein Verlierer. Ich bin froh, dass ich ihn los bin! Ich bereue nur, dass ich so lange gebraucht habe, um zu erkennen, was für eine Art Mann er wirklich ist!“
„Okay, okay, das war deutlich“, sage ich und hebe ergebend die Hände.
„Ich werde mich auf jeden Fall nicht mehr unter Wert verkaufen, das ist klar! Der nächste Mann, den ich an mich ranlasse, muss mir die Welt zu Füßen legen!“
Bestätigend nicke ich ihr zu. „Genau!“
Sie leert den restlichen Kaffee aus ihrem Becher in einem Zug und sieht mich mit strahlenden Augen an. „Also, hast du schon eine neue Haartönung mitgebracht, oder wollen wir dieses Mal zu einem echten Frisör?“
Lachend werfe ich den Kopf in den Nacken. „Du kennst mich einfach zu gut, Carmen!“
„Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, dass Scarlett Schneider, entschuldige, Taylor, ihre Beziehungsprobleme immer mit einer neuen Frisur bewältigt!“
Carmen kann mich überreden, dieses Mal zu einem echten Frisör zu gehen, anstatt meine Haare bei ihr Zuhause im Bad zu färben. Auch wenn ich behaupte, dass meine Probleme mit Chris nicht so gravierend sind, dass sie nach einer Typveränderung schreien, argumentiert Carmen mit dem Zustand meiner spröden Spitzen und den ausgewaschenen roten Strähnen.
„Da muss ein Profi ran, Scarlett. Außerdem kann man auch ohne Beziehungsprobleme ab und zu mal zum Frisör gehen!“, sagt sie und wirft eine meiner trockenen Haarsträhnen hinter meine Schulter. „Aber vorher gehen wir frühstücken und lassen uns die Nägel machen! Und ein neues Outfit würde dir auch nicht schaden! Wir frühstücken am besten bei dem kleinen Bistro am Stadtpark, da soll es super Bagels mit Lachs geben, habe ich gehört.“
Ich schaue auf meine Armbanduhr und ziehe mein Handy aus der Handtasche hervor. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich so viel Zeit habe“, gebe ich zu und öffne mein Mail-Programm, um zu sehen, ob Jason mich bereits versucht hat zu kontaktieren. „Und ich sollte Chris vielleicht besser schreiben, dass ich hier bin und erst gegen Mittag nach Hause komme. Ich habe die Druiden zwar alle abgearbeitet, aber es hieß, dass nochmal so viele von weiter weg unterwegs sind.“
