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Die Protagonistin wurde in Jugoslawien geboren, verlor im Zweiten Weltkrieg Familie, Zuhause und Heimat und schuf sich dank glücklicher Fügungen und Begegnungen, die sich wie Leitmotive durch ihr Leben ziehen, und vor allem kraft ihrer starken und optimistischen Persönlichkeit all dies aus eigenem Antrieb erneut. In ihrem 80. Lebensjahr blickt sie auf ein reiches, erfülltes und gutes Leben zurück.
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Seitenzahl: 57
Veröffentlichungsjahr: 2018
Elfriede Huemer, Heike Jacobsen
Erfüllte Träume
Meinen Kindern gewidmet
© 2018 Elfriede Huemer, Heike Jacobsen
Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg
ISBN
Paperback:
978-3-7469-7799-7
Hardcover:
978-3-7469-7800-0
e-Book:
978-3-7469-7801-7
Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.
Inhalt
Vorspann
1. Erster Tag, Kennenlernen
2. Kindheit in Jugoslawien
3. Flucht nach Ungarn und Deutschland
4. Eltern
5. Jugend
6. Schweiz
7. Arbeit und Vergnügen
8. Aufbruch und Ausbruch
9. München
10. Ehe
11. Familie
12. Zweiter Tag, Rückblick: Hochzeit
13. Kinder
14. Rente und Alter
Nachspann
Die Autorinnen
Vorspann
„Hallo, Frau Dr. Jacobsen, mein Name ist Huemer. Ich wollte Sie fragen, ob Sie mir dabei behilflich wären, ein Büchlein über mein Leben zu schreiben. Ich gebe Ihnen meine Telefonnummer, und dann können wir uns mal darüber unterhalten.“ Ich rufe zurück, und wir führen ein sehr nettes Gespräch, in dem Elfriede Huemer schon einige konkrete Vorstellungen äußert und an dessen Ende wir uns für ein persönliches Kennenlernen an einem Wochenende in Schwetzingen verabreden.
Kurz darauf erhalte ich von ihr die Bestätigung einer Hotelreservierung im Gästehaus am Schloss, der sie eine Literaturpostkarte beigelegt hat. Das aufgedruckte Zitat von Aristoteles „Der Anfang aller Erkenntnis ist Staunen“ sehe ich als passendes Motto für die gegenseitige Offenheit in unserer bevorstehenden Begegnung.
1. Erster Tag, Kennenlernen
An einem Freitagmorgen in einem gewitterreichen Juni fahre ich nach Schwetzingen. Die Temperaturen sind auf 20 Grad gesunken, der Himmel bleibt bedeckt, nur ab und zu dringen wärmende Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke. Im Schritttempo wird der Verkehr durch die Innenstadt geleitet, durch die kunstvoll verschnörkelten Gitter des Schlossgeländes hindurch fällt ein erster Blick auf das Schloss und den dahinter liegenden Park.
„Am besten, Sie fahren gleich in die Tiefgarage des Hotels und rufen mich an, wenn Sie angekommen sind“, empfahl sie mir am Abend zuvor, „ich hole Sie dann ab.“ Ich melde mich an der Rezeption und teile Elfriede Huemer mein Eintreffen mit. Fünf Minuten später kommt sie mir ohne Jacke in heller Jeans und blau-beige gemustertem T-Shirt mit flottem Schritt entgegen, eine agile, modisch gekleidete ältere Dame, deren weiß leuchtender Pagenkopf in interessantem Kontrast zu ihren wachen braunen Augen steht. Den jung gebliebenen Eindruck unterstreichen dezenter Goldschmuck, ein Brillengestell in Rot und Petrol und pastellfarbener Nagellack.
Sie führt mich in ihr Appartement, das einige Hundert Meter weiter auf demselben Gelände liegt, und erklärt mir, dass sie dort vor zweieinhalb Jahren nach dem Tod ihres Mannes in einen der Neubauten eingezogen ist, um den Komfort und die Sicherheit eines betreuten Wohnens nach Bedarf genießen zu können. Wir nehmen die Treppe in den zweiten Stock.
Ihre Zwei-Zimmer-Wohnung ist freundlich und modern, helle Sofas mit blauen Kissen, ein Couchtisch aus Glas, ein Esstisch mit weißen Stühlen und eine Schrankwand voller Bücher, von denen sie einzelne hübsche Kunstbände besonders ausgestellt hat, schaffen eine gemütliche Atmosphäre. Der kleine Laptoptisch steht im Schlafzimmer, in dem sie eines ihrer Ehebetten und einen wandfüllenden Kleiderschrank untergebracht hat, die moderne Küche und das rollstuhlgerechte Bad mit Türklinke in Sitzhöhe und ebenerdiger Dusche runden das Bild ab. „Die wichtigsten Möbel haben hier reingepasst, die Wohnung ist wie für mich gemacht“, erzählt sie und stellt Saft und Wasser auf den Tisch.
Ich zeige ihr diverse Beispielbücher, Satzspiegel und Papierfarben zur Auswahl, und langsam nimmt ihre Vorstellung eines eigenen kleinen Buchs konkrete Formen an. Nachdem wir alle Absprachen getroffen haben, schlage ich eine kurze Pause vor. „Ja, dann könnten wir doch einen Spaziergang im Schlosspark machen“, greift sie die Anregung spontan auf. „Sie gehen einfach hinter mir durchs Tor, dann gebe ich Ihnen die Jahreskarte meiner Tochter. Zusammen hat man uns dort nämlich schon öfter gesehen.“ Sie lacht verschmitzt und freut sich über den kleinen Schwindel.
Elfriede Huemer geht jeden Tag eine Runde durch den Park, bewahrt sich so ihre Beweglichkeit und genießt dabei die schöne Gartenanlage. Sie braucht keine Gehhilfe wie andere ihres Alters, ihr Schritt ist fest und sicher. Sie macht mich auf die Sommer-Bepflanzung aufmerksam, zeigt mir einen Reiher, der auf einem Bein am Rand eines Teichs steht und deutet auf eine große Waldkiefer, in der sie vor Kurzem ein Storchennest entdeckte.
Am Eingang des Schlosscafés – „da habe ich uns für heute einen Tisch reserviert“ – lesen wir auf einem Aufsteller die Ankündigung eines Konzerts am selben Abend. „Vielleicht gehen wir später noch hin, wir können gleich im Ticket-Center fragen, ob es noch Karten gibt“, schlägt sie vor. Man sagt uns, der Vorverkauf sei beendet, wir behalten uns vor, kurzfristig zu entscheiden und an die Abendkasse zu gehen. Jederzeit ein Konzert hören zu können, wenn sie etwas interessiert, etwas nur zu ihrem eigenen Vergnügen zu tun und all das zu genießen, was lange Zeit zu kurz kam, das wird ihr jetzt immer wichtiger.
Nach unserer Rückkehr in ihr Appartement nehmen wir auf ihrem Balkon Platz. Zum Mittag gibt es Kaffee und selbst gebackenen Kuchen. Eine neue Markise schützt zu zwei Seiten hin vor Wind, Sonne oder neugierigen Blicken der Nachbarn. „Noch intimer und kuscheliger“ findet sie seitdem ihren Balkon und genießt es, sich im Sommer dort im Bikini zu sonnen. In einem der Balkonkästen wächst üppig Salbei. Lavendel und Geranien finden daneben kaum Platz. „Ich mag das alles so wild durcheinander“, sagt Elfriede Huemer, schenkt ein und serviert Kuchen.
„Früher habe ich immer 49 kg gewogen, ohne etwas dafür zu tun. Während beider Schwangerschaften habe ich natürlich aufgehört zu rauchen und mit 48, also vor 30 Jahren, das Rauchen dann ganz aufgegeben. Da habe ich schlagartig 12 kg zugenommen. Aber das ist wahrscheinlich mein Wohlfühlgewicht.“ Sie lässt es sich wieder schmecken. „Im ersten Jahr wollte ich nichts kochen oder backen, für mich alleine hatte ich keine Lust dazu und bin lieber öfter essen gegangen“, räumt sie ein und beginnt zu erzählen.
2. Kindheit in Jugoslawien
Geboren wurde sie am 17. November 1939 in Pančevo, einem Vorort von Belgrad, Jugoslawien. Ihre Vorfahren siedelten sich im 18. Jahrhundert unter der Monarchieherrschaft Maria Theresias als so genannte Donauschwaben in dieser Region an und wurden dort sesshaft. „Heute sprechen wir wieder über das Thema der Integration“, erklärt Elfriede Huemer, „aber die Deutschen, die damals dort lebten, bewahrten auch ihre Sprache, Tradition und Kultur und vermischten sich kaum mit der übrigen Bevölkerung. Die haben sich auch nicht richtig integriert.“ Ihre Eltern sprachen mit ihr Deutsch und Jugoslawisch, eine Zweisprachigkeit, die ihr heute nicht anzuhören ist. „Meine Großmutter muss eine sehr starke Frau gewesen sein“, erinnert sie sich. „Sie hatte neun Kinder, von denen nur fünf überlebten, und einen kranken Mann. Meine Mutter war die zweitjüngste.“
In dieser Zeit war es üblich, dass die Kinder nur die Volksschule abschlossen und ansonsten ihre Arbeitskraft dem Unterhalt der Familie zur Verfügung stellten. So kam
